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Gießener Zeitung

( Neueste Nachrichten)

Bezugspreis 50 pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen

oierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mt.- Erscheint Mittags 3 Uhr. Die Illustr. Weltrundschau" liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung ,, G. m. b. H.

Nr. 140.

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Telephon: Nr. 362.

Die bessiche Wahlrechtsreform.

Nachdem das Gesetzeswerk nunmehr vollendet ist, seien kurz die wesentlichen Neuerungen wiedergegeben. Die 3 weite Kammer, die bisher aus 50 Abge­ordneten gebildet war, wird sich für die Folge aus 58 Abgeordneten zusammensetzen, wovon 15 auf die Städte Mainz( 3), Darmstadt( 3), Worms( 2), Gießen ( 2), Offenbach( 2), Friedberg( 1), Alsfeld( 1) und Bin­gen( 1) entfallen; es tritt somit eine Vermehrung der Mandate für die größeren Städte des Landes ein, wäh­rend das Reservatrecht der kleinen Städte Friedberg, Alsfeld und Bingen auf einen eigenen Abgeordneten aufrechterhalten bleibt. In den Städten wird nach Be­zirken gewählt zum Unterschied von dem seitherigen Ver­fahren, wo die ganze Stadt einen einzigen Wahlbezirk bildete. Die ländlichen Wahlkreise erhalten einen Zuwachs von drei Mandaten, die sich gleichmäßig auf die drei Provinzen verteilen. An die Stelle des seitheri­gen indirekten Wahlrechts tritt das direkte mit allen Kautelen der Sicherheit, wie sie das Reichstagswahlrecht vorsieht. Die Erste Kammer wird um ein Mit­glied der technischen Hochschule, des Handels so= wie des Handwerks und der Landwirtschaft vermehrt. Von der Berufung eines Arbeiters in die Erste Kam­mer wurde abgesehen, weil eine gesetzliche berufsländische Vereinigung der Arbeiterschaft noch nicht besteht. Nach der Bildung von Arbeitskammern wird diese Lücke aus­zufüllen sein.

Zur Zweiten Kammer darf wählen jeder Hesse, der das 25. Lebensjahr vollendet, die hess. Staatsange­hörigkeit seit einem Jahr besitzt und seit drei Jahren in Hessen ansässig ist. Die sogenannten Haussöhne, d. h. die noch in dem Haushalt ihrer Eltern mitarbeitenden 25jährigen Söhne, die noch nicht selbst Steuern zahlen und infolgedessen vom Wahlrecht ausgeschlossen waren, erhalten in dem neuen Gesetz das Wahlrecht- eine Be­stimmung, die in erster Linie der ländlichen Bevölkerung zu gute kommt. Jeder Stimmberechtigte, der das 50. Lebensjahr zurückgelegt hat, soll zwei Stimmen erhal­ten; damit wird, wenn auch in beschränkter Weise, das Mehrstimmen wah I recht eingeführt, das im In­teresse des Zustandekommens des Reformwerkes mit in den Kauf genommen werden mußte. In der Deffent= lichkeit wird diese gewiß nicht ideale Neuerung nicht so schlecht bewertet, als es nach den Preßäußerungen der Linken vermutet werden konnte. Wäre die doppelte Stimmabgabe an Bildung und Besitz geknüpft worden, dann wäre die maßlose Kritik der sozialdemokratischen und freisinnigen Blätter am Platze gewesen; aber in der im neuen Wahlgesetz aufgenommenen Form stellt das Wahlrecht eine Vergünstigung für einen Teil der Wäh­ler dar, die schließlich allen politischen Parteien ohne Unterschied zu gute kommt.

der Großherzoglichen Bürgermeisterei

des Großherzoglichen Polizei Amfes

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sowie vieler anderer Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83.

( Haus Brüder Schmidt.)

Samstag, den 17. Juni 1911.

Vom Hess. Staatsschuldbuch. In den Monaten April und Mai 1911 beträgt It. Darmstädt. 3tg." der Zugang an Schuldbuchforderungen auf 83 Konten 2 606 500 Mt., wovon 1 550 400 Mt. bar ein­gezahlt wurden. Die steigende Inanspruchnahme des Staatsschuldbuches ist in besonderem Maße zu beobach­ten seit dem Inkrafttreten der Aenderungen zum Schuld­buchgesetz, die meben der Befreiung von den Eintrag ungsgebühren wesentliche Erleichterungen bei der Legi­timation brachten und ferner Bareinzahlungen zur Be­gründung einer Schuldbuchforderung zulassen. In letz­terem Falle können entweder zum Eintrag bestimmte Schuldverschreibungen aller Zinsgattungen provisionsfrei angekauft werden, oder es erfolgt die direkte Eintragung nach dem jeweiligen Kurswert. Die direkte Eintragung ist zurzeit auf die 4prozentige bis 1918 unkündbare An­leihe beschränkt. Annahmestellen sowohl für einzutra­gende Schuldverschreibungen als auch für Geldeinzah= lungen sind in Darmstadt: das Großh. Staatsschuld= buchbureau( Luisenstraße 1), die Großh. Staatsschulden­kasse und die Hess. Landeshypothekenbank; außerhalb Darmstadts sämtliche Reichsbankanstalten, die Großh. Bezirkskassen( mit Ausnahme der Bezirkskassen Gie= Ben 1 und Mainz 1 und 2), sowie das Steueramt Gernsheim.

( Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 15 Pfg.

die 44 mm breite Inseratenzeile. Stellen: gesuche und Familienanzeigen 10 Bfg.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pig.- Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs­zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg.

tag ist Feuerwehrfest, 14 Tage später Gesangwettstreit des Gesangvereins Arion, am 7, August Geflügel- und Kaninchen- Ausstellung für den Verband Oberhessen und Ende August wird die Kirmes abgehalten.

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*) Bad Nauheim, 17. Juni. Der Sultan von Sansibar ist mit Gefolge und Dienerschaft zum Kurgebrauche hier eingetroffen. laufenen Woche sind 1950 Kurgäste angekommen und - In der abge­beträgt die Gesamtfrequenz bis zum 15. Juni 13 185 Personen, wovon an genanntem Tage noch 6775 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 15. Juni 137 776 abgegeben.

* Friedberg, 17. Juni. Das Großherzogliche Schloß in Friedberg wird für einen eventuellen Besuch der Zarenfamilie in diesem Herbst instand gesetzt. Außer dem Hauptgebäude sind jetzt auch der für das Gefolge bestimmte Baue wohnlicher hergestellt, auch ist ein gro= Ber neuer Garten unter Einbeziehung des alten Hirsch­grabens angelegt worden. Die nicht unerheblichen Ko­sten werden von der Privatschatulle des Zaren bestrit­ten. Die Leitung des Umbaues liegt in den Händen des hessischen Hofmarschallamtes.

-1- Friedberg, 17. Juni. In dem soeben er­schienenen dritten Bande der von Oberlehrer F. Dreher seit 1909 herausgegebenen Friedberger Ge=

* Uebertragen wurde dem Schulamtsaspiran- chichtsblätter" finden sich wieder beachtenswerte ten Karl Hem bes aus Ober- Olm, Kr. Mainz, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ohmes, Kr. Alsfeld.

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Die schriftliche Prüfung für die Fi= nanzamtsgehilfen wird am 4. September 1911, von vormittags 10 Uhr an, und den folgenden Tagen zu Darmstadt in den Prüfungsräumen des nördlichen Jagdhauses, Paradeplatz Nr. 4b, abgehalten werden.

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Theologische Konferenz. Donnerstag vormittag fand hier die theologische Konferenz statt, die recht zahlreich besucht war. Privatdozent Lic. Stephan aus Marburg berichtete über Die heutigen Auffassun­gen vom Neuprotestantismus". Dann hielt Prof. D. Schian von hier einen Vortrag mit dem Thema: Der moderne Individualismus und die kirchliche Praxis".

* Die kirchlich positive Vereinigung hielt Donnerstag nachmittag eine Mitgliederversamm= lung ab, auf der Pfarrer Ausfeld einen Vortrag 3ur Reform des biblischen Geschichtsunterrichts" hielt. Er wandte sich gegen die modernen Reformbestrebungen, die in der Verkürzung des Unterrichtsstoffes, sowie des Me­morierstoffes ein Heil erblicken.

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Sein 45jähriges Arbeitsjubiläum im Dienst der Eisenbahn- Betriebswerkstatt beging der Schmied Georg 3eider.

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Der Ballon Marburg" landete zur gro= Ben Ueberraschung der Landbevölkerung bei Werns­wig. Sämtliche Zuschauer halfen bei der Landung des Ballons fräftig mit. Der Schaden auf den Kartoffel feldern soll von den Insassen des Ballons gut bezahlt worden sein.

Die neue Wahlkreiseinteilung, die von der linksstehenden Presse im Anfang als ein Machwerk des Zentrums diskretiert werden sollte, bedeutet zweifel­und los eine weit gerechtere Verteilung der Mandate eine gerechtere Einteilung der Wahlbezirke, als die seit­herige tendenziöse Wahlkreiseinteilung aus den 70er Jahren. Auch unter der neuen Wahlkreiseinteilung wer­den die Bäume des Zentrums nicht in den Himmel wachsen; keinesfalls wird das Zentrum auch fortan so­viele Mandate erhalten, als ihm nach der Zahl der im * Etwas viel. Durch die abermalige Vermeh­rung der Uniformabzeichen der preußisch- hessischen Ei­Lande abgegebenen Zentrumsstimmen von Rechtswegen zukommt. Der Besitzstand der Parteien wird sich wesent- senbahnbeamten hat jetzt ein Oberbahnmeister, der zu lich nicht verändern.

Aus Stadt und Cand.

Gießen, den 17. Juni.

* Wie und wann sollen unsere Kin­der Obst essen? Kirschen liegen leicht schwer im Magen, da sie außerordentlich wasserhaltig sind, und von den Säften schwer verdaut werden können. Sollen die Kirschen dem Kindermagen nicht schaden, so dürfen sie nicht allein, sondern mit Brot gegessen werden. Ist das Brot mit Butter gestrichen, so wird die Verdaulich­feit noch erhöht. Kurz vor dem Schlafengehen sollen sie nie ma Is Obst genießen. Erdbeeren werden leichter verdaulich, wenn man sie einzuckert und vom Zucker durchziehen läßt. Niemals sollte man Erdbeeren mit ungekochter Milch oder Sahne genießen, da dies zu Verdauungsstörungen führen kann. Auch hier erhöht sich die Verdaulichkeit des Obstes, wenn es mit Butter­brot genossen wird. Alles Obst muß sorgfältig gewa­schen, abgetrocknet und gereinigt werden, soll es keinen Schaden verursachen. Am besten verdaut wird das Obst, das am Tage gegessen wird.

Im Restaurant Liebigshöhe" findet mor­gen aus Anlaß der Eröffnung der Sommer- Saison gro­ßes Garten- Konzert statt.

am

gleich den für ihn ganz unpassenden Titel Rechnungs­rat" führt, nicht weniger als 16 Uniformabzeichen Rocke. Nämlich: An jeder Seite des Kragens 3 Sterne gleich 6, auf jeder Seite des Kragens ein Winkelmaß gleich 2, auf jedem Achselstück 2 Sterne, 1 Wappenschild, 1 Rosette gleich 8, zusammen 16 Abzeichen!

* Gesellschaftsreisen. Eine neue Art der Führung bei Gesellschaftsreisen bereitet die Deutsche Kanzlei vor. Es werden bei den geplanten Reisen in die preußische Ostmark und zur Ostdeutschen Ausstellung in Posen Männer die Führung übernehmen, die mit Land und Leuten in Geschichte und Gegenwart voll­kommen vertraut sind. Wegen der Reisen, die auch in das Gebiet der Ansiedelungskommission führen werden, wende man sich an die Deutsche Kanzlei, Berlin SW. 11. Die Kosten für die zwölftägige Reise( Berlin über Posen nach Danzig) schwanken zwischen 170 und 190 Mart, je nach Wagenklasse. Zeitpunkt der Reisen: 8. bis 19. Juli, 9. bis 20. August, 30. August bis 10. September.

Klein Linden, 17. Juni. In diesem Som­mer finden hier mehrere Feste statt. Nächsten Sonn­

Beiträge zur Geschichte der Umgegend von Friedberg, Bad Homburg, Frankfurt, Hanau, Heldenbergen, Lan­genbergheim, Echzell, Wohnbach, Hungen, Gießen, Butzbach und Bad Nauheim. Auch dieser dritte Band wird eine Fundgrube für die hessische und insbesondere der Wetterauer Geschichte sein, und zugleich ein beredtes Denkmal für den Geist, der in der aufblühenden ehe­maligen freien Reichsstadt Friedberg herrschte.

Schlitz, 16. Juni. Unser altertümliches, bur­gengekröntes Städtchen, das sich des öfteren schon des Kaiserbesuches erfreuen durfte, ist der Festort des 38. Gauturnfest e s. Hessens Turner, neben den Stun­Den ernsten Strebens, wahre Festfreude zu bereiten, da­rin wetteifern der festgebende Verein, die Festausschüsse und die gesamte Bürgerschaft. Die Zahl der Frei­fügung stehen, und von Massenquartieren Abstand ge­quartiere ist so groß, daß allen Turnern solche zur Ver­

nommen werden kann.

- Darmstadt, 17. Juni. Der in weiten Krei­sen bekannte Oberamtsrichter Dr. Seibert- Höchst i. D. ist plötzlich einem Schlaganfall erlegen. Der Verstor­bene hat sich große Verdienste um den Odenwaldklub und besonders um dessen Wegmarkierung erworben. Er weilte bei seinem Sohne in Mühlheim a. d. Ruhr zu Besuch und dort hat ihn der Tod ereilt.

* Darmstadt, 17. Juni. Der hessische Vieh­händlerverein tagte am Donnerstage im Raisersaale". Der Syndikus des deutschen Viehhändlerverbandes, Scholtz- Berlin, hielt einen Vortrag über Viehhandel und Viehseuche.

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Darmstadt, 17. Juni. Infolge der Maul­und Klauenseuchegefahr wird der seit 10 Jahren all­jährlich Mitte Juli hier abgehaltene Zentralziegenmarkt dieses Jahr ausfallen.

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Weilburg, 17. Juni. Der Nassauer Hof" ging zum Preise von 105 000 Mark an Brau­ereibesitzer A. Kurz und Weinhändler R. Moser über.

Bestellzettel.

Unterzeichneter bestellt hiermit 1 Eremplar der

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für das 3 Quartal 1911 zum Abonnementspreis von Mk. 150

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