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Lehrlings, ein Schneider, opferte fich für seinen Sohn und Heß sich große Stüde Haut aus den Armen schneiden, so daß er natürlich für längere Zeit arbeitsunfähig war. Ein interessanter Rechtsstreit wird nunmehr wegen dieser Angelegenheit die Halleschen Gerichte beschäftigen. Die Krankenkasse, der der Schneider angehört, verweigert das Krankengeld für den Vater. Sie will nur die Verbände zahlen, die infolge des Ausschneidens der Haut gemacht werden mußten. Der Schneider hat vorläufig die Kran­tentasse verklagt.

Dienstmädchenraub. Jetzt werden die Dienstmädchen schen geraubt. Und zwar werden sie nicht etwa von ihren Verehrern und Anbetern geraubt das tam doch früher schon vor und wäre nicht besonders merkwürdig, da es unter den Dienstmädchen viele schöne und tüchtige Exem­plare gibt nein: sie werden von den Herrschaften ge= raubt und entführt, im Automobil entführt. Ein Berliner Opernsänger, so erzählt der Tag", hatte eine Dienstmaid zum Ersten engagiert, aber die frühere Herrschaft gab sie nicht her. Da setzte sich der Sänger auf ein Automobil und entführte die Donna, und als der frühere Dienstherr fich diesem Gewaltstreich widersetzte, gab es einen heftigen Streit, woraus man sehen kann, wie ungeheuer der Wert der Dienstmädchen gestiegen ist.

Ein Bettlertrick. Auf den Pariser Boulevards ist das Betteln verboten. Man sieht einen blassen, ärmlich, aber sauber gekleideten Mann: er bettelt, doch er versteht sich nicht darauf, und da er seine traurige Geschichte ohne Pathos und Aufdringlichkeit nur schamhaft vor sich hin­flüstert, gehen die Leute vorüber. Ein schwarzgekleideter Herr tritt auf den Armen zu und zeigt ihm eine Karte. Der Herr hat einen Schnurrbart, einen dicken Stod, im Knopfloch ein mehrfarbiges Bändchen: ein Polizeibeamter in Zivil. Unterlassen Sie das, oder es geht Ihnen schlecht," sagt er rauh zu dem Bettler. Doch dann, in milderem Tone, murmelt er: Armer Teufel", und drückt dem Bettler ein Silberstück in die Hand. Passanten ha­ben die Szene beobachtet. Man jubelt dem mildherzigen Polizisten zu, und nun folgen alle seinem Beispiel. Es regnet milde Gaben. Einige Minuten später teilen die beiden, Bettler und Polizist" ihre Beute und trennen sich, und jeder geht vergnügt seines Weges.

An dem internationalen Telegraphistenwettstreit in Turin, der im kommenden Sommer abgehalten wird, neh­men auch deutsche Beamte teil. Die Auswahl geschieht auf Grund eines nationalen Vorwettbewerbs, für den im all­gemeinen dieselben Bestimmungen angenommen wurden, die für den Turiner Wettkampf aufgestellt sind. Da den Teilnehmern an dem eigentlichen Wettkampf die Reise­tosten und eine Vergütung für die Anwesenheit in Turin aus Reichsmitteln erstattet werden, dürfte sich eine hohe Zahl von Bewerbern aus Beamtenkreisen mel­den. Die Preise bestehen aus goldenen und silbernen Me­daillen und Kunstgegenständen. Für die Sieger, die in allen drei Wettkämpfen Preise erhalten haben, ist eine Konkurrenz um den Meisterschaftspokal vorgesehen. Eben­so erhält das Land, das die meisten Preise davonträgt, einen Pokal.

Den Vater in der Notwehr getötet. Ein Familien­drama hat sich in Glambed bei Oranienburg abgespielt. Der Jagdaufseher Höhne, ein jähzornig veranlagter Mensch, geriet häufig mit seinen Familienangehörigen in Etreit. Besonders hatte er es auf seinen erwachsenen Sohn Leopold abgesehen, den er wiederholt zu schlagen versuchte. Bei einem Auftritt ergriff nun der Jagdauf­seher die Flinte und wollte damit seinen Sohn nieder­schlagen. Der Bedrohte zog schnell sein Taschenmesser und versette damit seinem Vater einen tiefen Stich in die Brust. Die Messerspize drang ins Herz, so daß der Tod auf der Stelle eintrat. Der Sohn wurde durch die Gen­darmerie verhaftet, mußte aber wieder freigelassen werden, da sich bald herausstellte, daß er in der Notwehr gehandelt hatte.

Reserveoffiziere als Dauerreiter. In Frankreich fin­det am 16. März ein Dauerritt statt, der die höchste Auf­merksamkeit in militärischen Kreisen erregt. Denn es ist das erste Mal, daß in einer Armée ausschließlich Reserve­und Landwehroffiziere aller Waffen zu einer solch um­fangreichen reiterlichen Leistung aufgefordert werden. Die Entfernung beträgt 500 Kilometer, die teils auf Wegen, teils querfeldein innerhalb von neun Tagen zurückzulegen find. Die Tagesleistungen sind im Durchschnitt auf 63 Ki­lometer festgesetzt. Die Prüfungskommissare an den Kont­rollstationen sind angewiesen, jedes übermüdete Pferd von der Fortsetzung des Rittes auszuschließen. Den Abschluß der Konkurrenz bildet am zehnten Tage ein Vorreiten sämtlicher Pferde im Schritt, Trab und Galopp und ein freiwilliges Springen von Hindernissen im großen Pari­ser Ausstellungspark.

Japanische Kavallerie. Jm ostasiatischen Kriege fiel die japanische Reiterei mit ihren struppigen Mongolen­ponies im Gegensatz zu den übrigen Waffen sehr ab. Rei­tergeist ist wohl vorhanden- wir erinnern nur an den Dauerritt Berlin- Tokio, den ein jetziger japanischer Gene­aber das Pfer­ralleutnant einst als Major durchführte dematerial taugte zu wenig. Wie es inzwischen aufge= bessert ist, das zeigen die neuerlichen Dauerritte ganzer Regimenter in Japan. Das 4. Kavallerieregiment hat fürzlich mit kriegsmäßiger Bepadung in vier Tagen 399 Kilometer zurückgelegt, eine Leistung, die um so höher ein­zuschäzen ist, als das durchrittene Gelände zum Teil ge­birgig war und am Schluß der Uebung Pferde und Reiter fich in gefechtsmäßigem Zustande zeigten. Bei dieser Ge­legenheit sei erwähnt, daß unter den mexikanischen Cow­bons bis nach Kolorado und Kalifornien hinein eine ganze Anzahl Japaner sich befindet, die auf dem kommenden Kriegsschauplatz" ausgezeichnet Bescheid wissen.

Eine originelle Heiratsgeschichte wird aus Texas be= richtet. Ein gewisser Shermann saß im Gefängnis und erwartete seinen Prozeß, weil er seinen Schwager erschos= fen hatte. Hauptzeuge und gleichzeitiger Augenzeuge der Tat war seine Braut, ein Fräulein Lucas. Die Heirat war für diese Woche festgesetzt worden, aber die Verhaf tung schien sie unmöglich zu machen. Das Paar wußte sich jedoch zu helfen. Miß Lucas malte sich im Gesicht schwarz an und zog die Kleidung eines der farbigen Gefängnis­wärter an. In ihrer Begleitung befand sich ein befreun­beter Priester, der angeblich dem Gefangenen geistlichen Trost spenden wollte. Durch das Gitter seiner Zelle hin­durch reichte Shermann seiner Braut die Hand, und der Pfarrer beeilte sich, die bindenden Worte für die beiden zu sprechen. Infolge der vollzogenen Heirat kann jetzt die Junge Frau nicht als Zeugin vernommen werden, und der Prozeß wird damit unmöglich. Man erwartet, daß Shermann freigelassen wird. Die Amerikaner haben na­türlich aus Miß Lucas sofort eine Art Heldin gemacht.

Der Bierlonsum in Frankreich steigt von Jahr zu Jahr. Im Gegensatz zu unseren deutschen Antialkoholt­

fern, welche den Genuß unseres Nationalgetränkes be= fämpfen, sind die französischen Antialkoholiker der An­ficht, daß der Schnapsteufel am besten durch Bier ausge­trieben werden kann. Bier wird deshalb in Frankreich nicht als alkoholisches, sondern als hygienisches Getränk behandelt und besteuert. Die französische Bierfabrikation betrug im Jahre 1910 15 297 000 Settoliter( 1096 000 Hektoliter mehr, als im Jahre 1909). Voraussichtlich wird der Konsum im laufenden Jahre noch mehr steigen, da der Wein infolge der Mißernte sehr teuer ist. Die Einfuhr deutschen Gerstensaftes in Frankreich wird von unseren Landsleuten gewöhnlich bei weitem überschätzt; sie betrug im Jahre 1910 74 850 Hektoliter. Die Qua­lität des französischen Bieres ist sehr verschieden. In den Departements Aisne, Somme Nord ist das obergärige Bier vorherrschend. Sonst wird im allgemeinen Lager­bier gebraut, welches teilweise ganz verschieden ist.

Die Erzherzogin als Geschäftsreisende. Eine inter­effante Schilderung der eifrigen und erfolgreichen Tätig= feit der Erzherzogin Isabella im Interesse der Hausindu­strie entwirft der ungarische Schriftsteller Franz Molnar. In ein Pariser Warenhaus, das die teuersten Seidenstoffe und kostbarsten Spitzen verkauft, tritt eine elegante Dame. Hinter ihr in gemessener Entfernung folgen zwei Damen. Der Chef des Hauses nähert sich devot, verbeugt sich und bittet die Ankommenden, Plaz zu nehmen. Allgemeine Stille.... Der Chef spricht das Wort Erzherzogin" aus, und alle Kunden ringsum blicken und horchen auf. Die Erzherzogin denn es ist Erzherzogin Isabella hat unterdessen Platz genommen. Eine ihrer Begleiterinnen entnimmt einer Tasche allerhand Stickereien, Spitzen und Tücher, die vor dem Chef der Firma ausgebreitet werden. Die Erzherzogin bietet diese Arbeiten der Hausindustrie ihres Vaterlandes an. Die Menge staunt, und als die Erz­herzogin ihre Waren abgesetzt hat, bestürmen die anwesen­den Pariserinnen den Chef, denn alle wollen von diesen originellen Spißen und Stickereien haben, die eine Erzher zogin empfiehlt und verkauft. Doch Erzherzogin Isabella weiß auch durch andere Mittel den Kundenkreis für die Handarbeiten der Hausindustrie zu erweitern. So besuchte sie den bekannten Konditor Rumpelmeyer in Paris, dem sie nahelegte, seine Bonbons in Schachteln zu verkaufen, die mit originellen Spitzen und Stickereien geschmückt sind, wie fie die ungarische Hausindustrie hervorbringt: Kommen Sie mit Ihrer Frau zu mir nach Budapest; wir werden dort zusammen passende Muster auswählen. Ueberflüssig, zu sagen, daß Monsieur und Madame Rumpelmeŋer kamen. Ein Republikaner ist selten Gast in einem erzherzoglichen Palais. Und sie wählten Muster und kauften Spitzen in Hülle und Fülle, die jetzt angeblich eine Sensation in Pa­ris bilden. Den Pariser Damen munden die Bonbons viel­leicht nicht besser, aber auch sicherlich nicht schlechter in den mit den Handarbeiten der Hausindustrie geschmückten Bon­bonnieren. Erzherzogin Jsabella aber beweist, wie man mit großem Erfolge für die Hausindustrie wirken tann allerdings nicht in letzter Reihe dadurch, daß man Erzher­zogin ist.

Wissenschaft, Kunst und Literatur.<

Eine Berliner Theatersensation. Faust( zweiter Teil) ist am Mittwoch vor einem überfüllten Hause im Deutschen Theater zu Berlin vollständig von der ersten bis zur letzten Szene aufgeführt worden. Die Aufführung begann um 1 Uhr nachmittags und währte, von einer einstündigen Pause nach der Walpurgisnacht abgesehen, etwa sechs Stun den. Die Darstellung wurde sehr beifällig aufgenommen. Im Auditorium war das Königliche Haus durch den Prin­zen August Wilhelm und Gemahlin vertreten. Reichsfanz­ler v. Bethmann Hollweg war mit dem Chef der Reichs­Von fanzlet, Unterstaatssekretär Wahnschaffe, erschienen. der Theaterzensur des Polizeipräsidiums Berlin war Re­gierungsrat v. Lindenau anwesend, vom Kultusministerium Geheimrat Keil, von der Stadt Berlin Bürgermeister Reit­fe, sowie zahlreiche Vertreter der Schauspiel- und Künstler­welt.

Der bekannte Humorist Otto Reutter wird in kurzem den Sprung von der Varieteebühne zur Opernbühne voll­ziehen. Zur Ueberraschung aller Theaterfreunde teilt näm= Itch die Komische Oper in Berlin mit, daß in der Neuein­studierung von Offenbachs Orpheus in der Unterwelt" Otto Reutter die Partie des Styr singen wird. Man hat Reutter eine bedeutende Gage geboten, um ihn für diese Rolle zu verpflichten, und er ist dem Rufe nachgekommen, da er sich mit den in den Varieteebühnen gepflückten Lor­beeren anscheinend nicht mehr begnügen will.

Die Heimfahrt vor 40 Jahren.

In diesen Tagen wendet sich die Erinnerung jenen großen und glücklichen Tagen unserer Vergangenheit zu, da der siegreiche Kaiser und der größte Teil seiner Truppen wieder den heimischen Boden betraten und unter allge­meinem Jubel ihren Einzug ins Vaterland hielten. Am 13. März hatte Kaiser Wilhelm ,, mit warmem und erhobe= nen Herzen" den Soldaten der deutschen Armee" sein Le= bewohl zugerufen, bevor er Frankreichs Erde verließ. Nun brauste der Kaiserzug der Heimat zu. Mitten hinein in diese begeisterte Freudenstimmung versetzt uns ein Brief, der diese Heimfahrt im Kaiserzuge" schildert und kurz danach in der Wochenschrift Im neuen Reich" veröffentlicht wurde. Wir haben im Eisenbahnwagen einen Triumphzug durch Deutschland gemacht, dessen begeisternde Wirkung sich mit anderen Empfindungen, die das Leben gibt, gar nicht vergleichen läßt. Zwar regnete und schneite es, als wir, von Pont- a- Mouffon kommend, bei Pagny die deutsche Grenze überschritten, und das neue Deutschland sah sehr traurig aus. Aber in uns war heller Jubel, denn uns stand das Wiedersehen bevor, das Betreten der Heimat. Es war ein volles und reines Entzücken, da wir die Grenze überschrit= ten. Die Blicke der Begrüßenden, die Befriedigung, Freude und der Stolz, womit sie auf uns sahen das Herz ging einem auf und manche Träne der Freude floß aus unseren Augen. Und von jetzt begann ein Fest der Heimkehr, viel schöner und gewaltiger als im Jahre 1866.

Welche Reden der neue Kaiser überall gehalten, das ha­ben Sie wohl in den Zeitungen gelesen, aber was fein Blatt verkünden kann, das ist der Ausdruck, die stille er­greifende Sprache in den Gesichtern der tausend und tau­send Menschen, welche zwei Tagefahrten überall am Wege standen, feder voll von Hingabe und rührender Liebe und Dankbarkeit. Den Kaiser suchte jeder, und wenn sie ihn er­kannt, dann wiesen sie mit den Händen nach ihm: Da, da ist er", freudestrahlend riefen sie ihr Hurra, warfen Hut und Müßen und grüßten mit den Tüchern. Der kleine Junge schwenkte die schwarz- weiß- rote Fahne, der Greis schwenkte mit dem Feuer des Jünglings den Hut, aber ihm flossen die Tränen in den weißen Bart, er fühlte ganz anders, was er­füllt war. Und dies wiederholte sich an jeder Bahnsperre, an jedem Haltepunkt, auf jeder Station. Uns schien das ganze deutsche Volk zum Gruß an die Bahn geeilt, auf der wir so schnell dahin sausten. Es waren überall dieselben Grüße, und gerade in ihrer endlosen Wiederholung erhoben fie Gemüt und Gedanken ganz unbeschreiblich. Wir fuhren dahin wie Selige, wie auf Engelsflügeln durch ein Reich des Glanzes und der Liebe.

In der gehobenen Seele erhielten alle Erlebnisse der letzten Vergangenheit die Klarheit und Lebendigkeit sicht­barer Bilder. Neun Monate harter Kämpfe zogen durch den Sinn. Alles, was man in diesem Feldzuge erlebt und gelernt, die Menschen und ungeheuere Verhältnisse, das Ed­le und Scheußliche, Freund und Feind, die Bundesgenossen

in ihrer Bedeutung und Schwäche, das alles fuhr geisterhaft in wachem Traume an dem inneren Auge vorüber, un zählig waren die Gestalten, schmerzlos wurde auch das Sorgenvolle, das man erlebt hatte, frei und sicher schwebten die Gedanken darüber. Und immer wieder hob neues Hur­ra, der wehende Gruß, der feuchte Glanz glückseliger Blicke das Gemüt zu frohem Genuß der Gegenwart. Auch trau rige Eindrücke blieben nicht aus, schwarze Gestalten in der Menge oder an den Fenstern bedeckten mit dem Tuch das Antlitz, wenn der Freudenruf um sie erscholl, ihnen kehrten die Liebsten nicht zurück. So fuhren wir zwei Tage durch das Vaterland. Es war ein Triumphzug, wie ihn die Vor­fahren sich vielleicht über die Helden ihrer Sagen dachten, wenn diese vom Schlachtfeld zu den Göttern heraufgetragen wurden.

Freilich auch darin waren manche unter uns der Erde entrückt, daß sie unterwegs wenig Gelegenheit hatten, irdt­sche Nahrung einzunehmen. Die jubelnde Menge trennte als undurchdringliche Mauer von den Büfetts, und die dem Kaiser und Kronprinzen fredenzten Becher, Tassen usw. trugen nicht dazu bei, allen anderen das Leid dieser Tren­nung zu verringern.

Als wir der Heimat näher famen, schlug das Herz schnel= ler, und die Ungeduld wurde schwer gebändigt. Und als man endlich Frau und Kind an das Herz schloß, da war Ruhm und Gefahr, die ganze Welt vergessen, das langent= behrte Haus, das Daheim in der ganzen Fülle seiner Selig­feit nahm ganz gefangen. Es ist schön, als Deutscher stolz au sein, und es ist auch nicht übel, für das Vaterland den Feind zu hauen, aber die ganze Welt, aller Siegerstolz und alle Erfolge und Ehren sind wenig gegen das Glück, nach solcher Trennung sich unter den Seinen als ein stiller, zu­friedener Mensch zu fühlen."

Drabtnachrichten und neuestes.

Die nationalliberale Stichwahlparole in Gießen. Gießen, 16. März. Der nationalliberale Wahlkreisaus­schuß stieß gestern den Beschluß des Wahlausschusses auf Stimmfreigabe um und beschloß, die antisemitische Kan­didatur Werner gegen die sozialdemokratische zu unter­stützen. Das Kriegsgewölf im fernen Osten. Mostan, 16. März. Hiesigen Blättern zufolge trifft Japan große Kriegsvorbereitungen. Täglich gehen Trup­pentransporte nach Dalny und Port Arthur ab. An den Knotenpunkten der Eisenbahnlinie werden Kasernen errich= tet. Die chinesischen Arbeiter werden entlassen und durch japanische Soldaten ersetzt. Japanische Intendanturbeamte nehmen in Kwantung den Besitzstand von Vieh und Ge= treide auf, das sich in Privathänden befindet. Von Naga­sati aus soll in den nächsten Tagen eine weitere Division abgesandt werden.

Lärmszenen in der Reichsduma.

Petersburg, 16. März. Im Laufe der gestrigen Abendsitzung, in der die Interpellation über die Vorgänge an den Hochschulen besprochen wurden, sprach das Mitglied der äußersten Rechten Obrassow über die Frauenhochschulen und erwähnte dabei, daß während der Revolutionszeit Kur­sistinnen sich zu Hunderten betrunkenen Matrosen ange­boten hätten, um ihre Propaganda besser zu betreiben. Diese Worte riefen einen gewaltigen Protest auf der linken Seite des Hauses hervor. Ein so furchtbarer Lärm setzte ein, daß der Präsident die Sibung schließen mußte. Die Beamten des Hauses verhinderten einen Zusammenstoß zwischen den erregten Abgeordneten: Erst als die elektrische Beleuchtung ausgeschaltet war, verließen die Deputierten allmählich den Saal.

Eine gefährliche Ballonfahrt.

Stettin, 16. März. Mit dem Dampfer Swinemünde trafen gestern nachmittag die Insassen des Ballons Groß etn, die eine Fahrt über das Haff gemacht hatten. Der Ballon verließ Berlin mit einer Stundengeschwindigkeit von 60 Kilometern, berührte die Städte Bernau und Anger­münde und befand sich gegen Mittag vor dem Haff. Der Führer, Ingenieur Gericke, beschloß, die Fahrt über das Haff zu wagen. Etwa 60 Meter vor der Insel Usedom zog er die Reißleine und der Ballon machte eine Schleiffahrt durch das Wasser. Die Landung ging dann glatt von statten.

Große Vernntreuungen in einer Samenhandlung. Magdeburg, 16. März. Bei der Aktiengesellschaft für Samenzucht, Jänsch& Co. in Aschersleben wurden große zum Teil jahrelang zurückliegende Diebstähle und Durch­stechereien an Konkurrenzfirmen entdeckt. Ungetreue Ar­beiter haben allmählich für Tausende von Mark Samen, darunter wertvolle neue Arten an Konkurrenzfirmen ver fauft. Ein umfangreicher Diebstahls- und Hehlerprozeß steht bevor.

Unfall bei deutschen Seemanövern. Kopenhagen, 16. März. Während der Uebungen des deutschen Geschwaders in der Nordsee wurde durch ein Ver­sehen ein Torpedoboot von einem Geschoß getroffen. Tas beschädigte Torpedoboot ist durch den Kreuzer Blizz nach Frederikshafen geschleppt worden.

Der Hosenrock als Ruhestörer.

Bukarest, 16. März. Gestern abend kam es wegen Erscheinens einer von ihrem Gatten begleiteten Dame im Hosenrock auf dem Korso zu Tätlichkeiten zwischen Anhän­gern der individuellen Freiheit und den Gegnern der Re­formmode. Die Polizei nahm 17 Verhaftungen vor.

Die erste Fran im norwegischen Parlament. Christiania, 16. März. In der gestrigen Sitzung des Storthings wurde ein Abgeordneter beurlaubt und sein Stellvertreter, eine Volksschullehrerin, einberufen, um ihren Platz als erste Frau unter den norwegischen Abgeordneten einzunehmen.

Bandel und Verkehr.

Kühe

Cassel, 14. März. Schlachtviehpreise. 1. Rinder. A. Och­sen: a) vollfleischige ausgemästete höchsten Schlachtwertes, die noch nicht gezogen haben( ungefocht), Schlachtgewicht 84 bis 88 M, b) vollfleischige ausgemästete im Alter von 4-7 Jahren, Schlachtgewicht 75-80 M. B. Bullen- a) vollflet­schige ausgemästete höchsten Schlachtwertes, Schlachtgewicht 00-00 M, 6) vollfleischige junge, Schlachtgewicht 80-81 M, c) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere, Schlacht­gewicht 72-78 M. C. Färsen: a) vollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes, Schlachtgewicht 00-00 M, Kühe: b) vollfleischige ausgemästete höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren, Schlachtgewicht 80-83 M, c) ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jün= gere Kühe und Färsen, Schlachtgewicht 75-79 M, d) mäßig genährte Kühe und Färsen, Schlachtgewicht 70-74 M, e) gering genährte Kühe und Färsen, Schlachtgewicht 58-62 Mark. 2. Kälber. a) Doppellender feinster Mast, Lebend­gewicht M, b) feinste Mastkälber, Lebendgewicht- Mark, c) mittlere Mast- und beste Saugfälber, Lebendge­wicht 54-58 M, d) geringere Mast- und gute Saugkälber, Lebendgewicht 50-52 M, e) geringere Saugfälber, Lebend­gewicht 45-48 M. 3. Schafe. A. Stallmastschafe: a) Mast­lämmer und jüngere Masthammel, Schlachtgewicht 78-80 Mark, b) ältere Masthammel, geringere Mastlämmer und gut genährte junge Schafe, Schlachtgewicht 76-00 M. 4. Schweine. a) Fettschweine über 150 Kilogramm( 3 Zentner) Schlachtgewicht 00-00 M, 6) vollfleischige von 120-150 Kilo­gramm( 240-300 Pfd.) Schlachtgewicht 58-60 M, c) vollflet­schige von 100-120 Kilogramm,( 200-240 Pfund), Schlacht­gewicht 56-57 M, d) vollfleischige von 80-100 Kilogramm ( 160-200 fund), Schlachtgewicht 54-55 M, e) vollfleischige unter 80 Kilogramm( 160 Pfund), Schlachtgewicht 53-00 M, f) unreine Sauen und geschnittene Eber, Schlachtgewicht 50 bis 52 Mar

art folgt)