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Deutscher Reichstag.

Eine der zahlreichen zum Etat des Innern eingebrach len Resolutionen trägt den Namen Graf Carmer( kons.) an der Spize. Der Antragsteller begründete am Mittwoch feine Resolution, die eine besondere Betriebserlaubnis für Wanderlager fordert und fand dann energische Worte ge­gen die Schundliteratur. Leider stehe in dieser Beziehung Deutschland an der Spitze der Nationen. Auch forderte der Redner eine scharfe Besteuerung der Beamten- Konsumver­eine und Maßnahmen gegen die Auswüchse im Automobil­wesen. Ihm erwiderte Staatssekretär Delbrück. Daß die Beamten sich die Vorteile des Massenkonsums zu Nuße machten, könne man wohl nicht verbieten, wohl aber habe er Schritte getan, daß sie nicht einen Detailhandel, womöglich in Diensträumen, betrieben. Eine Besteuerung der Waren­häuser sei Sache der Einzelstaaten, in der Frage der Schund­Itteratur haben die angestellten kommissarischen Beratungen zu dem Ergebnis geführt, daß die bestehende Gesetzgebung ausreiche. Das Schwierigste sei die Definierung des Be­griffes Schundliteratur". Der Internationalen Konven­tton seien jetzt auch die Vereinigten Staaten beigetreten; man hoffe auf diesem Wege Fortschritte zu machen. In der Automobilfrage wird in dem nächsten Jahre ein internatio­naler Wegekongreß zusammentreten, um für ein Haftpflicht­gesetz die nötigen Unterlagen zu gewinnen, seien die sta= tistischen Ermittelungen über die Unfälle ausgedehnt wor­den. Uebrigens werde der größte Schaden den Automobil­Haltern selber zugefügt. Vom Zentrum vertrat der Abg. Giesberts nochmals die Resolutionen, betreffend die Tartf­verträge, verwandte sich für das Zustandekommen des Ar­beitskammergesezes, die Wohnungsfürsorge und polemisierte gegen die Sozialdemokratie. Der Abg. Sachse( Soz.) wand­te sich gegen die Christlichen und führte dann an Hand einer Statistik der Bergarbeiterlöhne die alten Wünsche und Be= schwerden der Bergarbeiter vor. Der Nationalliberale Schwabach beschäftigte sich mit dem Vereinsgesetz und be­schwerte sich darüber, daß das in diesem Geseß gewährleistete Recht der Litauer und Masuren über den Gebrauch ihrer Sprache an manchen Orten von den Behörden beschnitten werde. Darauf stritt der freifinnige Abg. Gothein gegen die Politik des deutschen Landwirtschaftsrates. Der Frei­handel mache wieder erfreuliche Fortschritte in der Welt. Wir müssen endlich aus unserer Verteuerungspolitik her= aus. Abg. Saida( Pole) beklagte den Niedergang der Löhne im oberschlesischen Industriebezirk und führte Beschwerden über die schlechte Behandlung der Arbeiter. Der Redner fesselte durch seine überaus drastische Art das ganze Haus. Einige Zentrumsabgeordnete lachten über die Elendma­Ierei", worauf der Abg. Schöpflin( Soz.) diesen zurief: Schöne Arbeitervertreter sind Sie." Ein Schlußantrag wurde angenommen und das Gehalt des Staatssekretärs bewilligt. Die vielen Resolutionen, die zu diesem Titel vorlagen, wurden zum größten Teil angenommen.

Französische Minister im bürgerlichen Leben.

Villa zwei Empfangsräume habe; einen hocheleganten für seinesgleichen und einen, recht bescheiden eingerichteten, für die Leute aus dem Volke. Auch Delcassé, der Ger= negroß, wohnt in einem palastartigen Hause, und dieser Palast liegt neben einem stattlichen Mietshause, in dem der Herr Marineminister als Hauswirt kommandiert. Herr Caillaux, der Finanzminister, steckt alljährlich als Auf­sichtsratsmitglied diverser Finanzgesellschaften ungezählte Gelder in die Tasche. Im übrigen aber geht es Herrn Caillaux gegenwärtig nicht besonders gut: er hat dieser Tage seine Gattin verloren; aber nicht etwa durch den Tod, sondern... durch einen Spruch des Ehescheidungs­gerichtshofes. Man kann nicht behaupten, daß die fran­zösische Presse sehr diskret ist; wenn sie trotzdem das Ehe­pech des neuen Finanzministers mit kaum zwei Zeilen ab­getan hat, so liegt das nur daran, daß in Frankreich die Zeitungen ausführliche Berichte über Ehescheidungen nicht veröffentlichen dürfen.

Herr Pichon, der bisherige französische Minister des Aeußern, will jeßt, wo er aller Amtspflichten ledig ist, einen seiner Lieblingswünsche zur Ausführung bringen: Er wird demnächst mit seiner Gattin eine für längere Zeit berechnete Reise nach Italien antreten und in kleinen Etappen bis nach Sizilien pilgern. Vielleicht begegnet er unterwegs irgendwo seinem bisherigen Ministerkollegen Brianó, der in kurzem mit einigen guten Freunden an Bord einer Jacht eine Mittelmeerfahrt antreten wird. Die Seefahrt ist dem gewesenen Ministerpräsidenten von den Aerzten dringend angeraten worden: Herr Briand hatte sich nie einer blühenden Gesundheit zu erfreuen, und die Mühen und Plagen der letzten Monate haben ihn vollends heruntergebracht. Seine schwankende Gesundheit macht ihm um so größere Sorge, als er in allernächster Zeit Sich zu verändern" gedenkt: er will gut bürgerlich heiraten, um Anschluß an die Bourgeoisiekreise zu finden, denen er innerlich schon seit langem beizuzählen ist. Nach der Rück­fehr von seiner Mittelmeerreise wird Brtand, der vor set­ner Ministerzeit auf dem Montmartre in einer beschet­denen 800 Franken- Wohnung hauste, in einem der vor­nehmsten Stadtteile von Paris eine fürstlich eingerichtete Wohnung vorfinden. In den Tagen der Krisis gab er ei­nem vertrauenswürdigen Freunde den Auftrag, ihm in der Nähe des Trocadero eine Wohnung zum Preise von etwa viertausend Franken auszusuchen, und der Vertrau­ensmann entledigte sich seiner Aufgabe so gut, daß Briand den Mietsvertrag unterzeichnete, ohne die Wohnung auch nur gesehen zu haben. Aus dem Preis, den der verflos sene Ministerpräsident für seine Appartements zahlt, wird man schließen dürfen, daß sich Briands pekuniäre Verhält­nisse seit seiner sozialistischen Periode sehr gebessert haben. Soviel Geld wie die neuen Männner, die Frankreichs Geschicke leiten, dürfte er aber doch nicht aufgespeichert ha­ben. Herr Monis, der neue Ministerpräsident, ist im väterlichen Kognafgeschäft, das ihm weit einträglicher zu sein schien als die anerzogene Juristeret, Millionär gewor­den. Der Kriegsminister Berteaux ist seines Zeichens Börsenmakler und wird auf dem Geldmarkt auf etliche zehn Millionen tagiert; er besitzt einen wunderhübschen Palast in der Nähe des Elysee und eine noch hübschere Villa. Böse Zungen behaupten, daß der gerissene Volksmann in dieser

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Das Familiengeheimnis.

Roman von L. Walter. ( Nachdruck verboten.) ,, Meinen Mann kann ich nicht schicken, er darf nicht einmal wissen, daß ich mit dem Onkel verhandle. Ein Familiengeheimnis zwingt mich dazu... Doktor, Sie ha= ben meinen guten Vater gekannt

"

, Er war mein bester Freund!"

"

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Ueber eine bevorstehende Erhebung des Reichskanzlers in den Grafenstand geht in der Reichshauptstadt ein Ge­rücht um, das seinen Weg auch in die Presse gefunden hat. Es soll für den Fall, daß die elsaß- lothringische Verfassung die Zustimmung des Reichstags finde, des Kanzlers v. Beth­mann Hollweg eine besondere kaiserliche Ehrung harren. Man spricht davon, Herr von Bethmann Hollweg werde, wie seinerzeit Caprivi nach dem Abschluß des Handels­vertragswertes, in den Grafenstand erhoben werden. Kon­trollieren läßt sich die Nachricht natürlich nicht.

" Retten Sie seine Ehre!" bat Cäcilie, die gefalteten Hände ausstreckend.

, Was ist das?"

Eine Sterbende bittet Sie darum!"

,, Sie find nicht so frank."

Um so besser! Aber Rudolphi fönnte sterben; er hat schon frank die Stadt betreten..."

Zu den Debatten über die Abrüstungsfrage im eng­lischen Unterhause bringt die Nordd. Allg. 3tg." eine of= fiziöse Auslassung, in der es u. a. heißt: Die Aeußerungen des englischen Ministers des Auswärtigen über die inter­nationale Lage und die deutsch- englischen Beziehungen können wir nur mit aufrichtiger Befriedigung begrüßen. Dasselbe gilt von den Darlegungen, die der Rüstungsfrage gewidmet waren und die auch dem deutschen Standpunkt in so hohem Grade gerecht werden. Wenn zur Beseitigung des Mißtrauens, so weit die öffentliche Meinung in Eng­land in Betracht kommt, Vereinbarungen beitragen kön= nen, wie sie der Minister angedeutet hat, so wird man deutscherseits gern bereit sein, dazu die Hand zu bieten. Von hier bis zu dem Jdealzustande eines aus dem Schiedsge= richtswesen gegründeten Weltfriedens ist allerdings, wie Minister Grey selbst betonte, ein weiter Schritt. Wenn man auch dem Gedanken schiedsgerichtlicher Abmachungen noch so sympathisch gegenübersteht, so wird man darin kein Mittel gegen alle internationalen Mißverständnisse und Mißhelligkeiten suchen dürfen.

,, Sprechen Sie sich kurz aus, meine liebe Freundin; Sie müssen zur Ruhe kommen. Ich soll also den Onkel auf­suchen?" Ja."

" Und was habe ich ihm zu sagen?"

" Daß ich bereit sei, ihm das bewußte Papier um den geforderten Preis abzukaufen. Es wäre entseglich, wenn ich stürbe und das Dokument in andere Hände fiele. Mein Mann, welcher Offizier gewesen, dem die Ehre heilig sein muß... Herr Doktor! Die Angst tötet mich! Ich kann nicht ohne Schauder an die Folgen denken, die der plötz­liche Tod Rudolphis nach sich zieht... Sie kennen den Mann, er ist ein Abenteurer, habgierig und verschwende­risch, besitze ich aber das Papier, so fann er mich nicht mehr ausbeuten.... Doktor, im Namen Gottes, holen Sie das Bapier! Hier ist ein Schuldbekenntnis von meiner Hand geschrieben."

"

Wann haben Sie es geschrieben?"

Borhin, gleich nach Ihrer Entfernung."

Wie unvorsichtig."

" Ach, es mußte geschehen! Ste werden noch alles er

In Sachen des Modernisteneides bereiten, wie ver­lautet, die katholischen Professoren sämtlicher_preußischen Hochschulen eine gemeinsame Huldigungsadresse an den Papst vor.

Für Einschränkung der Rüstungen. Die sozialdemo­fratische Fraktion des Reichstags hat beschlossen, bei der Beratung des Etats des Auswärtigen Amts eine Reso­lution einzubringen, in der die sofortige Anknüpfung von Verhandlungen mit England wegen Einschränkung der Rüstungen zu Wasser und zu Lande gefordert wird. Wie verlautet, wird die fortschrittliche Volkspartei eine gleiche Resolution einbringen.

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Die Türkei hat sich wie bekannt unser deutsches Waf­fenwesen zum Vorbild genommen. Jetzt soll als General­inspekteur der gesamten türkischen Kavallerie einer Kon= stantinopeler Meldung zufolge, ein deutscher General be­rufen werden.

China in Aengsten. Die chinesische Presse zeigt sich über die Verwickelungen mit Rußland wegen der Mongolei und über die Forderungen Englands, die sich auf die Pro­vinz Dünnan beziehen, sehr erregt. Es sind wieder die Bestrebungen aufgelebt, die Studenten überall in freie Korps zusammenzufassen, um den kriegerischen Geist zu be­leben.

Kleine Nachrichten.

Die höchsten Steuersäge von den größeren Städten Westfalens und Rheinlands hat die Stadt Hagen aufzuwet­sen. An Steuern werden im nächsten Etatsjahre wie bisher erhoben: 275 Proz. Einkommensteuer, 285 Proz. Grund­und Gebäudesteuer und 325 Proz. Gewerbesteuer.

Der japanische Reichstag hat einen Gesezentwurf be­raten, der jungen Leuten unter 21 Jahren verbietet, de­stillierte oder gegärte Getränke, wie Schnaps, Wein oder Bier zu gebrauchen. Von den Gegnern wurde eingewendet, daß das Gesetz undurchführbar sei. Jedoch wurde ein Po­lizeiverordnungsentwurf ausgearbeitet, der die strenge Durchführung des Gesezentwurfes garantieren soll. Der Gesezentwurf wurde gemacht, um der überhandnehmenden Trunksucht in Japan zu steuern. In der Tat ist die Zahl der Trunkenen, die sich abends auf der Straße zeigen, ziem­lich stark. Die Folge hiervon sind zahlreiche Verbrechen, die namentlich von jungen Leuten begangen werden.

Ein großer Wettersturz ist in verschiedenen Teilen Desterreichs eingetreten. Aus Böhmen, Tirol und den an­deren Alpengebieten wird heftiger Schneefall gemeldet, wel= cher vielfach beträchtlichen Schaden angerichtet hat.

fahren, wenn die Gefahr abgeschlagen ist. Gehen Sie, ge­hen Sie... Rudolphi ist sehr frank. aber verschweigen Sie meinem Manne die Angelegenheit."

Der vierundachtzigjährige Bräutigam. In Heidelberg fand Mittwoch vormittag die standesamtliche Trauung des 84jährigen Universitätsprofessors Dr. Immanuel Better mit der Chemikerswitwe Frau Sophie Zorn geb. Sulzer statt. An die standesamtliche Trauung schloß sich die kirch­liche Einsegnung im Hause der Neuvermählten.

Das Testament einer Münchener Köchin. In München hat eine Köchin der Stadtgemeinde 11,300 M vermacht, deren Zinsen je zur Hälfte für die Stadtarmen und als Stipen= dien für römisch- katholische Theologiestudenten verwendet werden sollen.

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Abdul Hamid in der Zwangsjade. Die letzten Vor­fälle in der Villa Alatini haben auf den Exsultan Abdul Hamid äußerst ungünstig gewirkt. Der Ersultan bekam einen Tobsuchtsanfall, zerschlug alle Möbel und stieß un­unterbrochen die wildesten Flüche gegen das jungtürkische Regime aus. Da die Wächter und Aerzte ihn nicht beruht= gen konnten, wurde ihm schließlich die Zwangsjacke ange­Tegt.

Ein Familiendrama spielte sich Mittwoch mittag Mannheim ab. Der Registrator Heidt erschoß erst seine bet­den Kinder im Alter von 2 und 10 Jahren und dann sich selbst. Die beiden älteren Kinder waren nicht zu Hause. Der Mann hat die Tat aus Verzweiflung begangen, weil seine Frau vor einigen Tagen in eine Irrenanstalt ver­bracht worden ist.

Cäcilie zog ein Papier aus ihrem weißen Brusttuche und überreichte es zitternd dem Arzte, der zu der Lampe trat und ein Schuldbekenntnis über zehntausend Taler las, die Cäcilie dem Vorzeiger zu zahlen gelobte. Nun be­trachtete der Arzt die Kranke, die in die Kissen zurückgesun­fen war. Im Fieberwahn konnte sie nicht sprechen und handeln, denn der Gemahl hatte bereits von den Vorgän­gen erzählt, die die seltsame Angelegenheit glaubhaft er: scheinen ließen., Gut, ich werde gehen," murmelte der Arzt ,,, bleiben Sie ruhig, ich werde Ihnen bald Nachricht bringen." Nun ging er zu dem Gatten, der still auf dem Sessel saß. Diesem sagte er, daß er nach einer Stunde, vielleicht auch früher zurückkehren werde. Dann verließ er das Haus und begab si chin das Hotel zur Krone. Die Tür desselben war geöffnet. Der Portier, der den Arzt kannte, brachte ihn sofort nach dem Zimmer Nummer 7.

Wegen häuslicher Zwiftigkeiten hat am Mittwoch in Charlottenburg eine Frau Jackisch ihren 5 Jahre alten Sohn und thre 3 Jahre alte Tochter mit Lysol vergiftet und sich dann selbst erhängt. Die Kinder wurden sterbend ins Krankenhaus gebracht, während die Leiche der Frau ins Schauhaus gebracht wurde.

Volkswirtschaftliches.

Welche Nation hat die meisten Kinder? Von allen euro­päischen Nationen haben die Franzosen die wenigsten Kin­der. Im Durchschnitt besteht eine französische Familie aus 3 Personen. Der Kinderreichtum der Franzosen wächst auch nicht von Jahr zu Jahr, sondern es ist im Gegenteil eine Verminderung in der Kinderzahl zu konstatieren. Am fin­derreichsten sind die Irländer. Eine irländische Familie wird durchschnittlich mit 5 Personen gezählt, die Russen nehmen neben den Irländern den zweithöchsten Rang in bezug auf Kinderreichtum ein, ihre Familien bestehen durchschnittlich aus 5 Personen. Auch die Spanier können mit einem gro­ßen Kinderreichtum aufwarten, sie werden gleichfalls zu 5 Personen gezählt. Dasselbe günstige Verhältnis besteht in Deutschland. Die Zunahme der jährlichen Bevölkerungs­ziffer fann man in Deutschland auf rund 900 000 Personen beziffern, und im Jahre 1909 stellte sich auch eine erfreuliche Verminderung der Sterbeziffer ein. Es entfielen auf 1000 Einwohner 31,91 Geburten, während man Sterbefälle bei 1000 Personen 18,07 angeben konnte. In England sind die Familien annähernd so stark wie in Deutschland( 4,8 ge­gen 5.)

,, Der Fremde kam trant an," erzählte er; wir wie­sen ihn nach dem Hospitale, wie es vorgeschrieben. Er ging auch, ohne einen Führer zu nehmen, den wir ihm anboten. Aber bald kam er mit einer Dame zurück, die das bequemste Zimmer für ihn verlangte. Diesmal durf­ten wir den Fremden nicht auf der Straße lassen, der sich kaum noch aufrecht erhalten konnte. Die Dame, die heftig weinte, begleitete ihn auf das Zimmer und ent­fernte sich wieder, nachdem sie eine ziemlich lange Unter­redung mit ihm gehabt. Keiner unserer Kellner will zu dem Kranten gehen, sie wollen lieber den Dienst ver= Tassen."

,, So werde ich zu ihm gehen!"

Der Arzt nahm dem Portier die Kerze aus der Hand und trat in das Zimmer, dessen Tür er hinter sich schloß. Ein grauenvoller Anblick bot sich ihm... der Fremde lag regungslos am Boden. Sein Zustand verriet, daß er ei­nen schmerzvollen Kampf mit der entseglichen Krankheit

Vermischtes.

Die Neugier der Damen bei den Verhandlungen des inzwischen beendeten Mordprozesses Knitelius veranlaßt die Magdeburgische Ztg." zu kritischen Ausführungen, in denen es u. a. heißt: ,, Reine noch so schmutzige Enthüllung kann die Damen zum Fortbleiben veranlassen. Aber nicht in Magdeburg allein, von überall her liest man leider, daß die sensationellen Prozesse, an denen wir ja wahrhaftig feinen Mangel mehr haben, als Schauspiele betrachtet wer­den, zu denen man hineilt wie zu einem neuen besonders aufregenden Theaterstück. Und überall tönt die Klage, daß dabei die Damen vorherrschen. Und das ist von den traurigen Vorgängen im Gerichtssaale fast das traurigere. Gerade wer auf dem Standpunkt steht, daß wir einer Mit­wirkung unserer Frauen bedürfen, um auch unser öffent­liches Leben zu reformieren, der wird solche Frauenbe­tätigung" im Gerichtssaale tief mißbilligen. Das Haupt­gewicht der Erziehung der Jugend durch unsere Frauen wird immer weniger auf der reinen Vermittlung von Kenntnissen, als in der Pflege und Bildung des Gemüts und Charakters liegen. Dazu gehört eigene Festigkeit. Nichts aber rüttelt so daran, als wenn man der Neugier und der Sensationslust die Herrschaft über sich einräumt."

Selbstopferung und Krankenkasse. Ein Fleischerlehr­ling in Halle war vor einigen Wochen in einen Brüh­tessel gefallen und hatte sich große Stücke Fleisch und Haut verbrannt. Nach ärztlichem Ausspruch war Heilung nur durch Auflegen gesunder Haut möglich. Der Vater des

gehabt. Trotzdem die Züge entstellt waren, erkannte der Arzt doch den Onkel Cäciliens. Es bedurfte nur einer oberflächlichen Untersuchung, um zu erkennen, daß Rudol­phi den Geist aufgegeben hatte. Der Arzt, der die Wich­tigkeit des Dienstes kannte, den Cäcilie sich von ihm er= beten, überlegte nicht lange; er begann sofort die Kleider des Toten zu durchsuchen. Weder ein Taschenbuch noch ein Papier war zu finden. Da Uhr, Börse und Ring noch vorhanden, ließ sich eine Beraubung nicht annehmen. Der Doktor durchsuchte die Möbel... alle Bemühungen blie­ben erfolglos.

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Ich kann der guten Cäcilie nicht helfen!" murmelte er vor sich hin. Entweder hat Rudolphi das Papier überhaupt nicht besessen, oder es ist ihm verloren ge= gangen."

Er rief den Portier, der sogleich eintrat. ,, Hat Ihnen der Fremde Papiere übergeben?"

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Haben Sie sonst Aufträge von ihm empfangen?" " Durchaus nicht; er ging mit der Dame in das Zim­mer, und als diese sich entfernt hatte, forderte er, daß man thn allein lasse, da er schlafen wolle. Dann sind Sie ges tommen."

In der Loge des Portiers, die im Erdgeschosse lag, schrieb der Arzt die Anzeige von dem plötzlich erfolgten Tode des Agenten Rudolphi. Das Papier ward auf das Polizeibureau geschickt und noch ehe der Morgen graute, nahm ein Wagen die Leiche auf, die man in dem Hotel nicht länger dulden wollte.

Der Arzt hielt sein Versprechen; er eilte nach dem Hause Junker's zurück. Der Gatte empfing ihn mit der Nachricht: Cäcilie schläft!"

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Gut!"

" Ich habe vorhin einen Blick in das Zimmer gewore) fen."

,, So werde auch ich nachsehen." Darf ich Sie begleiten, Doktor?"

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