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Deutscher Reichstag.

Während sich in den meisten fleinen Staaten gegen die vorläufigen Ergebnisse wenig geändert hat, ist in den größeren manche erhebliche Veränderung eingetre­ten. Verhältnismäßig am besten haben in dieser Be­ziehung Preußen und Hessen abgeschnitten, in denen die alten Zahlen nur wenig anders geworden sind. Preu­ßen hat nach der endgültigen Feststellung 40 165 219 ( 40 163 333) nach der vorläufigen) und Hessen 1 282 051( 1 282 219) Einwohner. Recht bedeutend grö­ßer ist dagegen die Einwohnerzahl Bayerns mit 6 887 291 gegen nur 6 876 497 und auch Sachsens mit 4 806 661 gegen 4 802 485. Württemberg hat nach dem jezigen Ergebnis 2437 574 gegen 2435 611 Gin­wohner nach dem vorläufigen. Höher als ursprünglich angegeben ist auch die Einwohnerzahl in Elsaß­Lothringen mit 1874 014 gegen 1871 702, niedriger dagegen die in Hamburg mit 1014 664 gegen

1 015 707.

Das Verhältnis der männlichen zu der weib= Itchen Bevölkerung hat sich nach dem endgültt­gen Ergebnis etwas zu ungunsten der ersteren verscho­ben; denn das Uebergewicht der weiblichen Bevölkerung erreicht eine Höhe von 845 661 Personen gegen nur 839 487 nach der vorläufigen.

Am Montag wurde über die sozialdemokratische In­terpellation wegen der Entlassung von Arbeitern der Reichseifenbahnen verhandelt. Eisenbahnminister von Breitenbach beantwortete die Interpellation. Er er­tlärte, daß Eisenbahnarbeiter, die den Gehorsam ver­weigern und gegen die Verwaltung bezen, besonders an der Westgrenze Deutschlands, nicht geduldet werden fönnen, und erinnerte warnend auch an den Eisenbah­nerstreit in Frankreich. Jede Beteiligung an soztalde­mokratischen Bestrebungen werde unweigerlich Entlas­sung im Interesse des Dienstes zur Folge haben. In der Debatte vertraten Konservative, Reichspartet und Nationalliberale den Standpunkt, daß die Eisenbahner selbstverständlich kein Streifrecht besitzen und sich im mer als Mitglieder einer staatlichen Organisation zu fühlen haben. Fretsinn und Polen verlangten mit den Sozialdemokraten das unbegrenzte Koalitionsrecht der Eisenbahnarbetter. Am Dienstag wurde über den Gesezentwurf betr. Zulassung kleiner Aktien in den Konsulargerichtsbezirken und in Klautschou verhandelt. Die Frage der kleinen Aktien, die schon einmal abgelehnt und einmal von der Tagesordnung abgesetzt war, be­darf nach der Ansicht der Regierung der Regelung, da sonst die deutschen Interessen in Ostasien erheblich ge= schädigt würden. Es handelt sich bekanntlich darum, daß es englische kleine Aftten unter 1000 Mark gibt und deshalb bei englischen Gesellschaften viel deutsches Geld angelegt wird. Auf der anderen Seite wird befürchtet, es fönnten, wenn wir kleine Aktien zuließen, kleine Leute anfangen, zu spekulieren, ohne die ostasiatischen Verhältnisse zu kennen, und es würde das System all­mählich auch in die Heimat übergreifen und die Spe­tulation der Kleinen vermehren. Der Staatssekretär v. Kiderlen- Wächter führte demgemäß aus, es könnten für den Börsenverkehr besondere Vorkehrungen gegen unheilvolle Ausbreitung der Spekulation getroffen werden. Nach wesentlicher Debatte ging die Vorlage an die Budgetkommission. Darauf wurde die Be­sprechung der sozialdemokratischen Eisenbahnarbeiter­interpellatton fortgefeßt, wobet Minister v. Breitenbach erklärte, daß die Entlassung der Arbeiter nicht erfolgte wegen sozialdemokratischer Agitation, sondern wegen disziplinarischer Vergehen.

Vor den Reichstagswahlen.

Rundschau oom Cage.

Politisches.

Turn-, Spiel- und Sportvereinen wurde die Zustim mung zu dieser Gründung erteilt. Vorstand der Bun desleitung ist Generalfeldmarschall Frhr. von der Golz Im Prozeß der Prinzessin Luise von Belgien um den Nachlaß König Leopolds wurde am Dienstag das Urteil gefällt. Die Prinzessin wurde mit ihren Anfor derungen abgewiesen. Nur das, was der verstorbene König wenige Tage vor seinem Tode der Niederfüll bachschen Stiftung vermachte, fällt den Erben zu. Die Prinzessin hat 40 der Gerichtskosten zu tragen.

Der Kaiser und der Jungdeutschland- Bund". Der Katser hat an den Generalfeldmarschall Frhrn. von der Goltz als Antwort auf dessen Begrüßung bei Begrün­dung des Jungdeutschland- Bundes" ein Telegramm gerichtet, in dem es heißt: Meine wärmsten Wünsche geleiten den jungen Bund und seine Mitarbeit an der großen nationalen Aufgabe, die deutsche Jugend zu kräftigen und die Volks- und Widerstandskraft des Vaterlandes zu stärken. Möge dem Bund unter Ihrer Leitung segensreicher Erfolg beschieden sein.

Der Passagier- Luftkreuzer Schwaben" unternahm Dienstag vormittag von dem Flugplaze Johannisthat aus eine dreistündige Fahrt. Unter den 18 Passagie­ren befand sich der Reichskanzler von Bethmann Holl weg nebst Gemahlin.

Ein Millionär dem Scharfrichter verfallen. Das Gnadengesuch des, wie berichtet, im September wegen Ermordung seiner Frau zum Tode verurteilten millto­nenreichen Neuvorfer Banfiers Henry Clay- Beattie ist vom Präsidenten Taft abgelehnt worden. Die Hinrich­tung soll am 24. d. Mts. vollzogen werden.

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Militärischer Flag Berlin- Stettin. Die beiden Mt­litärflieger Leutnant Braun( Führer) und Leutnant von Scanzoni flogen am Dienstag in einer Stunde 35 Minuten ohne Zwischenlandung von Berlin nach Stet tin. Die Entfernung beträgt 180 Kilometer. Als Flug zeug wurde die Kriegstaube V." benut.

Die Gebrüder Mannesmann haben sich mit dem französischen Minen- Syndikat über ihre bergrechtlichen Ansprüche in Marokko geeinigt. Beide Gesellschaften werden die Minen gemeinschaftlich ausbeuten.

Bei Behandlung der Maroffofrage in der Budget­kommission des Reichstags erklärte am Dienstag Staatssekretär Delbrück, daß die Reichsleitung auch nach erneuter Prüfung zu der Ueberzeugung gekommen set, daß der deutsch- französische Vertrag zu seiner Gül­tigkeit der Genehmigung durch die gesetzgebenden Kör­perschaften nicht bedürft habe. Auf der anderen Seite habe die Betätigung des Reichs auf dem Gebiete der Kolonisation eine Entwicklung und Richtung genom­men, die bet Schaffung des bestehenden Rechtszustan­des niemand vorhersehen konnte. Insbesondere ließen die großen Aufwendungen, die für den Ausbau unserer Kolonien erforderlich geworden, es gerechtfertigt erschet­nen, daß durch eine Abänderung des bestehenden Rechtszustandes die gefeßgebenden Körperschaften in weiterem umfange als bisher zur Mitwirkung bei dem Erwerb und der Abtretung von Kolontalgebiet beru­fen werden. Die Verbündeten Regterungen seien da­her genetat, den Wünschen des Reichstags auf diesem Wege entgegenzukommen.

Die da gehen und die da kommen möchten. Mehrere Volksvertreter haben bereits erklärt, daß fie bei der kommenden Januarschlacht nicht mehr mit­wirken wollen. Sie verzichten darauf, sich wieder um ein Mandat zu bewerben. Auch ihre Nachfolger sind bereits ernannt worden. Das ist natürlich provisorisch, denn die definitive Anstellung als M.d. R." erfolgt ja erst am 12. Januar durch die Wähler. Da sind zunächst sehr viele Herren aus dem Zentrum, die verzichten, nämlich die Abgeordneten Herzog von Aren­berg, Duffner, Frißen, Freiherr von Wolff- Metternich, Beck- Aichach, Freiherr von Freyberg, Uebel, Schirmer, Kalthof, Stupp, von Strombeck, Pichler und Orlowski, der erst in einer Nachwahl gewählt wurde. Auch die Fortschrittler stellen eine stattliche Anzahl von Abgeordneten, die nicht mehr mitmachen, und zwar Schrader, Stengel, Hoffmeister, Spethmann, Dohrn, Pfundtner, Enders, Potthoff, Buddeberg, Wieland, Graf Bothmer und Storz. Bon den konservati= yen kommen die Herren von Byern, von Elern, Neh­bel Guen, Feldmann und Dröscher in Betracht, von der Reichspartet der Erbprinz zu Hohenlohe, Kolbe, Schlüter und Bault- Oberbarnim. Von den Nattonalliberalen sind zu nennen Weber, Trautmann, Goercke und Buchsieb. Dazu kommen noch die Polen Fürst Radziwill, von Trzcinski und Napieralskt, der Welse Götz von Olenhusen und die Sozialdemokraten Bömelburg und Faber. Als neue Männer tauchen am Horizont interessante Köpfe auf. Kandidaturen haben bereits angenommen- oder es schweben doch ernstliche Verhandlungen darüber Graf Posadowsky, Generalfeldmarschall Graf Haefeler, Stadtrat Preuß- Berlin, Herrenhausmitglted Obermet­ster Plate- Hannover, die Demokraten Breitscheid, von Gerlach und der frühere Oberst Gaedke. Ferner Pro­feffor Schulze- Gäverniß- Freiburg, Pfarrer Corell und dte revisionistischen Genossen Eduard Bernstein, von Elm und Peus, der einstige Pfarrer.

Fast 65 millionen!

Von feinem Patienten angefchoffen. Der Kranken­tassenarzt Schneider in Essen wurde von einem Arbet­ter, den er behandelt und gesund geschrieben hatte, auf der Straße überfallen und durch Revolverschüsse lebens­gefährlich verletzt. Die Tat ist auf Rachsucht zurückzu­flihren, weil der Arzt seinen Battenten gegen dessen Willen für gesund erklärt hatte.

Tragödie zweier Schülerinnen. In einem Lyzeum zu Wien stilrzten sich zwet sechzehnjährige Mädchen während des Unterrichts aus dem Fenster des oberen Stockwertes in den Hof hinab, wo sie mit schweren Verlegungen Itegen blieben. Dem einen Mädchen war. da sie in der Schule keine Fortschritte machte, nahege­legt worden, die Anstalt zu verlassen. Ste teilte dies nicht ihren Eltern mit, sondern vertraute sich ihrer Freundin an und äußerte die Absicht, threm Leben ein Ende zu machen. Darauf teilte die Freundin fret­willig ihr Schicksal.

Die Neuwahlen für die bayrische Abgeordneten: fammer dürften Ende Januar stattfinden. Zentrum und Liberale wollen heute in großen Volksversamm­lungen zur Landtagsauflösung Stellung nehmen. Der Bayr. Cour." teilt mit, daß die Liberalen sofort nach der Auflösung den Bauernbündlern und Konservativen ein Wahlbündnis gegen das Zentrum angeboten haben. Die Blätter besprechen in spaltenlangen Artikeln das politische Ereignts. Den Ministern wurden, als ste das Landtagsgebäude verließen, von der Volksmenge Ovationen dargebracht.

Nachdem bereits im Februar d. J. die vorläuftgen Ergebnisse der letzten Volkszählung mitgeteilt worden waren, werden fest vom Kaiserlichen Statistischen Amt die endgültigen Zahlen veröffentlicht. Danach wa­ren am 1. Dezember 1910 insgesamt 64 925 993 Personen in Deutschland ortsanwesend gegen 60 641 489 am 1. De­zember 1905. Die vorläufige Zahl betrug 64 903 423, Tag also um 22 000 unter der endgültigen. Die Zunahme im Beitraum 1905 bis 1910 erreicht also eine Höhe von 4 284 504 Personen oder 7,06 v. 5.

24)

Ans Eifersucht.

Roman von Mar Hoffmann.

( Nachdruck verboten.)

Abtretung von Spanisch- Guinea an Deutschland? Wie aus Madrid gemeldet wird, hatte der dortige deutsche Botschafter am Montag eine längere Unterre= dung mit dem spanischen Minister des Auswärtigen. Troß amtlicher Ableugnung wird diese Unterredung mit der Abtretung von Spantsch- Guinea an Deutsch= land in Beziehuna gebracht.

Volkswirtschaftliches.

Die Entwicklung der deutschen Sparkassen und Les bensversicherungen. Da in den Spartassen weniger die Ueberschüsse der wohlhabenderen Klassen niedergelegt werden, die man vielmehr in Aftten, Hypotheken, Ob­ligationen und dergl. anlegt, so handelt es st bet den Sparkessen in weitem Umfange um Ersparnisse der minderbemittelten Klassen, die naturgemäß nur flet­nere Summen ersparen können und feine Unsicherheit mit Kursschwankungen und dergl. ristieren wollen. Von diesem Gesichtspunkt aus ist die Betrachtung et niger Zahlen aus der Entwickelung der deutschen Spar­faffen von besonderem sozialen Interesse. Die Zahl der Sparkassen im Reiche ist in acht Jahren von 2685 gestiegen auf 2956, die Zahl der Konten von 14,8 mil ftonen auf 19,3 Millionen; die Höhe der Gesamtgutha­ben aller Einleger betrug 1900 8,8 milliarden Mark; im letzten Berichtsjahre 15 Milliarden Mart; die Höhe der Einzelguthaben wuchs in derleben Bett durchschnitt­Isch von 594 auf 721 Mart. Ebenso gibt die Entwicklung der Lebensversicherungen im Reiche gewisse Anhalts­punkte für das außerordentliche Gedeihen unserer na ttonalen Wirtschaftsverhältnisse. Es zeigt sich hier na­mentlich für das letzte Jahrfünft ein gewaltiger Auf­schwung. Das Geschäftsergebnis sämtlicher inländischer Lebensversicherungsgesellschaften an neuen Versiche­rungen betrug bezüglich der Versicherung für den To­desfall 1910 rund 1198 Millionen Mt., 1905 dagegen erst rund 771 und 1900 rund 560 Millionen Mt. Der gesamte Versicherungsbestand bezüglich der Versiche rung für den Todesfall betrug 1910 rund 10 665 Mil­Itonen, 1905 dagegen 7936 Millionen und 1900 6265 Millionen Mart.

Die französisch- spanischen Marokkoverhandlungen gestalten sich immer schwieriger. Die Vermehrung der spantschen Truppen in Marokko erregt in Barts große Besorgnis. Man erwartet langwierige Verhandlungen, hofft aber doch auf eine schließliche Verständigung.

Nun, Herr Doktor, müssen Ste aber endlich dar­über hinwegkommen und die ganze Sache nicht mehr tragisch nehmen!"

Der afrikanische Bests Portuaals scheint in andere Hände übergehen zu sollen. In London verlautet, daß England vertrauliche Verhandlungen mit Portugal ein­geleitet habe über die Erwerbung eines Tells der por­tugiesischen Kolonie Angola, um Anschluß an den Kongostrom zu erhalten. Ferner verlautet, daß Bel­gien die Erwerbung des portugiesischen Hafens Ka­binda anstrebe. wodurch die Seeküste der Kongokolonie, die jetzt eine Länge von 35 Kilometern hat, eine solche von 100 Kilometern erreichen würde.

" Das habe ich mir ja auch schon mehr als einmal vorgenommen," bestätigte er. Aber die Verhältnisse sind stärker als alle unsere Gedanken und all unser guter Wille. Und hat uns nicht die Rede des Professors vor­hin bestätigt, daß trotz aller äußeren Liebenswürdigkeit immer noch die Schatten um mich schweben, die zit ver­scheuchen mir nicht gelingen will?"

Kleine Nachrichten.

Die Gründung des Jung- Deutschland- Bundes" hat am Montag in Berlin stattgefunden. Ste vollzog sich unter Vorsitz und Leitung des Generalfeldmarschalls Frhrn. von der Golz. Von sämtlichen beteiligten

die scharfblickende Amerikanerin ihr und Waldows Fernbleiben wohl bemerkt habe und als wenn sie durch thr Spiel die Gesellschaft fesseln wolle, damit die Lieben­den diese Stunde ungestört genießen könnten. Ste zog sich deshalb mit dem Doktor wieder settwärts in das Zimmer zurück. D, ste hatte ihm ja noch viel zu sagen! Und letse, zaghaft fragte sie ihn dann auch, wie es jetzt um seine Praxis stände.

" Lieber Herr Doktor, Sie dürfen sich das Leben nicht schwerer machen, als es ohnehin ist. Ein wenig leichter Sinn, ich meine nicht etwa Leichtsinn, ist unbe­dingt nötig, um glatt durch diese oft so trübselige Welt zu kommen. Nehmen Sie sich ein Beispiel an diesem Herrn von Marleben! Hat er nicht vor kaum einem Vierteljahr seinen Vater und seine Stiefmutter ver­loren? und hören Ste nur, jetzt singt er hier einen Negersang! Das sehe ich durchaus nicht als Frivolität an, das ist Lebenskraft und Lebenslust, die sich hier äußert. Denn, was man auch erfahren mag, das Leben hat sein Recht. Schon Goethe weist ja daruf hin, daß es besser set, an das Memento vivere als an das Me­mento mort zu denken."

Vermischtes.

Eine neue Spur in der Koniker Morbaffäre? Die Erinnerung an den vor elf Jahren an dem Gym­nasiasten Winter in Konit begangenen Mord, der bis­her unaufgeklärt geblieben ist, wird jetzt wieder wach­gerufen. Wie die Schlesische Volkszeitung meldet, ist bet der Staatsanwaltschaft in Beuthen eine Anzeige über den bekannten Konizer Gymnasiastenmord einge­gangen. Die geschiedene Frau eines Agenten in Sie­mianowitz bekundete, daß ihr Mann sehr häufig jenes Mordes gedacht und sich dabet jedesmal recht sonderbar benommen habe. Er habe zeitweise die Tat in allen thren angeblichen Einzelheiten mit grauenerregender Deutlichkeit geschildert und sei alsdann immer in Hef=

Er klagte ihr sein Leid. Heute wäre es ja etwas besser gewesen, aber ob es anhalten würde? Er hatte fein rechtes Butrauen. Und das kam alles von dieser Scheut, die die Menschen sett jenem Vorfall von ihm hatten. Aber er wollte sich nicht unterkriegen lassen. Da er ihrer Liebe sicher set, so würde er schon stegen und den Leuten schließlich beweisen, wie unrecht sie gegen thn gehandelt hätten.

" Mein kluges, mein füßes Lieb!" sagte er hinge= riffen und zog sie im Ueberschwang der Gefühle an sich zum Kuß, den sie ihm nicht verwehrte. Ein Bravo­flatschen brachte ihnen erst zum Bewußtsein, daß ste nicht allein waren.

Ste traten beide in die Tür und lauschten dem meisterhaften Spiel Felicitas, die jetzt eine Lisztsche Rhapsodie vortrug. Es kam Emmi so vor, als wenn

Ste nickte schweigend vor sich hin. Wenn es Ihnen aber doch nicht gelingt, den Widerstand zu überwinden, Herr Doktor?"

,, Sie glauben nicht an mich, Itebes Fräulein?" ,, D, an Sie glaube ich fest. Aber nicht an die Men­schen. Ich meine, die Menschen neigen im allgemeinen viel mehr zum Uebelwollen als zum Wohlwollen. Uns es kann Jahr und Tag darüber vergehen, ehe Ste da werden eine Wandlung herbeiführen können."

,, Das ist ja eben, was mich bedrückt, well ich es noch nicht weis! Doch ich bin sicher, daß sich eine für uns be­friedigende Lösung zur Gestaltung unserer Zukunft fin­den lassen must. Wir wollen es beide ernstlich erwägen."

Würden Sie nicht warten, Fräulein?" fragte er schüchtern.

Ste warf stolz den Kopf zurück und sagte entschlof= sen: Nein!"

" Ja", gestand er begeistert ,,, tch fühle es immer mehr was für eine herrliche Stütze Ste mir auf meinem Le­bensgange sein werden, Itebe Emmt. Und ich werde glücklich sein, Ihnen mein ganzes Leben und meine ganze Arbeit widmen zu können."

Er blickte sie erschrocken an. Nein? Ste würden mich aufgeben?"

50 Elfer

Wie zur Besiegelung dieses Wortes drückte er wie­der einen heißen Kuß auf ihre Lippen.....

" Verstehen Sie mich nicht falsch! Ich bin die Ihre für jetzt und immer. Aber ich will nicht von der Gnade der menschlichen Nachsicht und Langmut abhängen. Dazu ist meine Lebensenergie zu start."

,, Und wie denken Sie sich dann die Lösung?"

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Frau Heinroth hatte sich schon mehrere Mal unruhig nach ihrer Tochter umgesehen und bald bemerkt, daß ste und der Doktor nicht im Musikzimmer waren. Ste winkte daher verstohlen ihre Schwester zu sich heran. " Weißt Du nicht, wo Emmt ist, Hermine?" fragte ste unbefangen.

" Nein", gab diese gedehnt zurück. Ich glaube, site ist im Eßzimmer geblieben."

Frau Heinroth blickte dort hinein. Dort bemerke tch nur Professor Sauermann und Rechtsanwalt Dorin­fel. Steh dich doch einmal nach Emmt um und hole ste hierher! Es ist nicht recht von thr, daß sie bet den Vor­trägen unserer Gäste nicht zuhört."

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Tante Hermine hatte so thre eigenen Gedanken da­ritber, was im Nebenzimmer vor sich gehen möge, und suchte deshalb diesen heiklen Auftrag von sich abzuwäzen. Ste entschuldigte sich letse damit, daß sie unbedingt das herrliche Spiel der amerikanischen Dame mit anhören wolle. Die Hausfrau winkte nun Onkel Muche heran und bat thn, thre Tochter herbet zu holen.

Onkel Muche schlich auf den Zehen nach dem Neben­zimmer. Er trat so vorsichtig ein, als wenn er um Ent­schuldigung bitten wolle. Aber wie ein gescheuchtes Vö­gelchen fuhr er zurück.

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