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Deutscher Reichstag.

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Der Radikale Artur Ponsonby unterstützte die Resolution und erklärte, daß alle nicht zu rechtfertigenden Rüstungen nicht nur eine Belastung der Steuerzahler, sondern eine ernste Herausforderung fremde Nationen

an

seien. Das Machwerk der Berechnungen Mc Kennas( des ersten Lords der Admiralität) im Jahre 1909 sei zusammen­gebrochen, aber die darauf begründete Politik sei geblieben. Gerade die Tatsache, daß Deutschland in so freundlichen Beziehungen mit Großbritannien geblieben set, beweise, daß Großbritanniens freundliche Beziehungen zu Deutsch­land tief eingewurzelt und gesund seien. Er freue sich. daß Aussicht vorhanden sei, die Beziehungen zu Deutsch­land auf einen besseren Fuß zu bringen.

Mc Kenna erwiderte: Ponsonby hat das Bezugnehmen auf Deutschland und die deutsche Flotte in seiner Debatte gemißbilligt. Ich kann ihm die Versicherung geben, daß es absolut unmöglich ist, auf eine gelegentlich gestellte Frage zu antworten oder die Politik der Admiralität zu erläutern, wenn nicht auf fremde Flotten Bezug genommen wird. Wir haben unsere Politik nie verhüllt. Wir geben den Rat, Schiffe in solcher Anzahl zu bauen, daß die britische Flotte in den Stand gesetzt wird, in allen möglichen Fäl­len unsere Flotte auf der Hochstraße des Ozeans zu sichern." Und dann kam eine große Ueberraschung, wie sie im Unterhause lange nicht beobachtet worden ist. Mc Kenna erklärte: Im Falle, daß das deutsche Flottenge­setz nicht geändert und der deutsche Flottenbau nicht be­schleunigt werden sollte, könnten die Forderungen der Ad­miralität im kommenden Jahre vielleicht herabge= setzt werden." Dies rief einen solchen Sturm der Be­geisterung hervor, daß der Minister selbst, einen Augenblick sprachlos, mit unverhohlenem Staunen die Wirkung seiner Mitteilungen betrachtete. Als er dann zu der Ueberzeugung tam, daß er wohl zu viel gesagt habe, fügte er mit einem Faustschlag auf den Tisch hinzu: Aber ich bitte, mich nicht mißzuverstehen. Ich kann mich hier nicht binden und gebe keine Versicherungen ab. Ich spreche nur eine Hoff­nung aus, die unter gewissen Bedingungen sich verwirk= lichen kann." Trotz dieser Einschränkung gab es bei den Regierungsparteien abermals einen längeren Beifalls­

Nadem in der Situng vom Dienstag, dem dritten Tage der allgemeinen Aussprache über den Etat des Reichs: ats des Innern, der Abg. Hanssen dänische Beschwerden über die Ausführung des Reichsvereinsgesetzes unter Her­anziehung nicht zum Gegenstand gehöriger Einzelheiten vor­getragen hatte, war die erste Serie der Redner erschöpft. Erfahrungsgemäß pflegen sich hiernach die Redner etwas mehr auf Einzelthemata zu konzentrieren oder sich auf die Abwehr von Angriffen zit beschränken, aber der Redefluß nahm bet einigen derselben doch ungestörten Fortgang. Man muß besorgen, daß der Etat in dieser Woche noch nicht erledigt wird. Abg. Hauser( 3tr.) brachte Handwerkerwün­sche zu Gehör. Er forderte die Unterdrückung des heimli­chen Warenhandels, schärfere Maßnahmen gegen Wander­lager und Wanderauktionen und empfahl die Resolution seiner Partei in dieser Richtung. Graf Kauiz( kons.) ver= legte sich in der Hauptsache auf eine Untersuchung der Fra­ge, ob angesichts der ungesunden Auswüchse des Börsen= wesens, der Bankzusammenbrüche neuester Zeit infolge be= trügerischer Manipulationen, vor allem der Niederdeut­schen Bank und der Frankfurter Vereinsbank, Gesetzesän­derungen angebracht erscheinen. Er wies dabei auf die Möglichkeiten sicherer Kapitalsanlagen bei den Sparkassen, in Reichs- und Staatspapieren hin und regte einen Bank­beirat, bestehend aus Reichstagsmitgliedern und anderen Sachverständigen zur Kontrolle der Banken an. Hierauf hielt der Abg. Hoch- Hanau( Soz.) eine lange Rede, in der er fich u. a. gegen die Aufhebung der sozialdemokratischen In­gendorganisationen wandte. Der Terrorismus der Bür­gerlichen gegen die Arbeiter übersteige alle Grenzen. Die sozialpolitische Untätigkeit des Reichstags errege weitge= hende Erbitterung. Nach ihm nahm der Staatssekretär zum zweiten Male in dieser Debatte das Wort. Er be= tonte, daß die Arbeiterklasse ihre wirtschaftliche und kultu= relle Hebung der Fürsorge des Reichs und der Bundes­staaten verdanke- der Vorredner hatte dies Verdienst für die Sozialdemokratie in Anspruch genommen und wandte sich dann gegen die Behauptung, in der Sklaverei vom Großkapital und Großindustrie oder sonst jemand zu stehen. Die Vorschläge auf Einsetzung von Bankrevisoren nach englischem Muster oder eines Sachverständigenbeirats hielt er für unzweckmäßig, da sie kaum in der Lage wären, Unredlichkeiten sofort aufzudecken und eine Verantwortung trügen, die sie nicht übernehmen könnten. Zudem würde das Publikum schon durch die Existenz solcher Institutionen in Sicherheit gewiegt und noch leichtsinniger gemacht, als es ohnehin sei. Er behielt sich vor, den Reichsbankpräsidenten zu dieser wichtigen Frage zu Worte kommen zu lassen. Als zweiter Redner der fortschrittlichen Linken sprach der württembergische Abgeordnete und Handwerker Wieland. Bei der notwendigen Bewegungsfreiheit werde das Hand­werf seinen Weg weiter finden. Den großen Befähigungs­nachweis lehnte Redner ab. Die alte Streitfrage der Ab= grenzung von Fabrik und Handwerk sollte endlich erledigt werden. Als zweiter Redner der Reichspartei nahm dann der Abg Freiherr v. Gamp das Wort. Von Ausnahmege= setzen sei ihm nichts bekannt. Sollte das Gesetz zum Schutz der Arbeitswilligen damit gemeint sein, so sei dies fein Ausnahmegesetz sondern es diene dem allgemeinen Besten. Dem Terrorismus der Sozialdemokraten inüsse endlich ein Riegel vorgeschoben werden. Redner glaubt, daß der Ent­wurf der Privatbeamten- Versicherung eine wesentliche Um= gestaltung wird erfahren müssen. Abg. Innc( natl.) stimm­te der Resolution des Zentrums über die Tarifverträge zu. Es müsse darauf gesehen werden, daß die Kartelle der Re­gierung nicht über den Kopf wachsen wie die Trusts in Amerika. Das Vereinsgesetz ſet ein liberales Gesetz, aber die Anwendung lasse noch zu wünschen übrig. Dann be= Sprach Redner noch einmal die Frage der Tarifverträge und empfahl eine Zentralstelle. Staatssekretär Delbrück erwi­derte, eine Zentralstelle, soweit sie notwendig und nüßlich fei, bestehe eigentlich schon. Es erscheine zurzeit nicht zu­lässig, über das hinauszugehen, was jetzt schon im Interesse der Fortentwicklung des Tarifvertragswesens geschehen sei. In der weiteren Debatte trat Abg. Strombed( 3tr.) enige= gen der Resolution seiner Partei für die Hausierer des Eichsfeldes ein. Es handle sich um ehrliche Leute, die man jetzt auf einmal aushungern wolle. Abg. Kölle( w. Vg.) be= mängelte die Auswüchse des Automobilwesens, forderte eine Denkschrift über das Asylwesen und schärfere Maßnah­men gegen Margarinevergiftung. Dann vertagte sich das Haus auf Mittwoch.

sturm.

Groß war auch der Eindruck, den die Rede des Ministers des Aeußern Grey machte, namentlich die Ankündigung, daß Großbritannien bereit sei, einen dauernden Schiedsgerichts­vertrag mit der Union abzuschließen. Dabei wiederholte Staatssekretär Gren die Definition vom Zweimächte- Stan­dard inbezug auf die europäischen Mächte und betonte, bes= fer als der Zweimächtestandard sei sei der von Mc Kenna gebrauchte Satz: eine Flotte die stark genug set, ihre Uebermacht zur See gegen jede denkbare wahrscheinliche Kombination zu behaupten." Die Resolution Macdonalds könne er nicht annehmen, weil sie eine Einschränkung der Ausgaben fordere, ohne die Tatsache anzuerkennen, daß Großbritanniens Ausgaben von den Ausgaben der anderen Mächte abhängig seien.

Eine englische Abrüstungsdebatte. In der gestrigen Sitzung des englischen Unterhauses entwickelte sich eine recht interessante Debatte über die Ab­rüstungsfrage, die erkennen läßt, wie schwer es England fällt. Hierbei eine befriedigende Lösung zu finden. Der It= berale Abgeordnete Macdonald hatte folgende Resolution beantragt: Das Haus betrachtet mit Beunruhigung das rte­fige Anwachsen der Ausgaben für Heer und Flotte während der letzten Jahre und ist der Ansicht, daß diese Ausgaben vermindert werden sollten. Macdonald wies bei Be­gründung dieser Resolution auf das fortwährende Steigen der Ausgaben für Heer und Flotte während der lezten 16 Jahre hin und fragte, welcher Art die vom Auslände dro­hende Gefahr sei, daß sie jenes Weiterrüsten rechtfertige.

16)

Das Familiengeheimnis.

Roman von 2. Walter.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

eines Teils der Mandschurei, zu der alle Vorbereitungen getroffen sind, gewiß. China wird es aber nicht zure äußersten fommen lassen. Kriegsmöglichkeiten zwischen der Union und Japan? Von südamerikanischer Seite wird der Wiener Neuen Freien Presse" mitgeteilt: Die Möglichkeit eines Krieges zwischen Jaran und den Vereinigten Staaten von Nord­amerita ist gewiß vorhanden, denn in Japan besteht das Verlangen nach Erwerbung der Philippinen und Hawais, und wenn Japan ernstlich an einen Krieg denkt, hat es ein Interesse daran, ihn zu führen, ehe der Panamafanal ausgebaut ist, also vor Ablauf der nächsten 5 Jahre. Denn der Panamakenal wird es den Vereinigten Staaten er­möglichen, den größeren Teil ihrer Flotte jederzeit nach dem Großen Ozean zu entsenden, während die Japaner an die Ostküste Amerikas nur auf dem bisherigen großen Um­wege gelangen können. Wenn die Vereinigten Staaten tatsächlich gegen die Unabhängigkeit Merifos vorgehen wollten, würde das ganze lateinische Amerita mit seinen Sympathien auf der Seite Japans stehen.

Ucker die bevorstehenden Reisen Kaiser Wilhelms sind verschiedene Gerüchte und Auffassungen im Gange, die den tatsächlichen Verhältnissen nicht entsprechen. So zeigen sich einige österreichische Blätter bestrebt, der Reise des deutschen Kaisers nach Wien zum Besuche des Kaisers Franz Josef eine besondere politische Bedeutung beizu­messen. Diese Auffassung entbehrt jeglicher Begründung. Kaiser Wilhelms Besuch in Wien trägt rein persönlichen und familiären Charakter und erfolgt aus dem Bedürfnis des deutschen Kaisers, auf seiner Reise nach dem Süden den verehrungswürdigen Freund seines Hauses zu be­grüßen. Es wurde ferner die Nachricht von einer Zu­sammenkunft zwischen Kaiser Wilhelm und dem König von Italien in Venedig verbreitet. In Berlin weiß man hierüber noch nichts.

( Nachdruck verboten.) Ich fragte sie, wo sie gewesen, sagte ihr, daß sie den Ad­vokaten nicht gesehen, daß sie mich hintergangen habe und daß ich doppelt leide ,, Gönne mir Ruhe," bat sie; ,, was ich getan, kann ich verantworten. Ich mußte es tun, Deinetwegen. Kränke mich nicht mit Mißtrauen, sonst will ich sterben." Ach, ich konnte nichts von ihr erfahren. Als ich ihr von dem Manne erzählte, der nach ihr gefragt, flüsterte sie: Der Unglückliche". Nun mußte ich schwei­gen, um sie nicht in Aufregung zu versetzen, die ihren zu­stand verschlimmern mußte. Von einer schnellen Abreise hofft sie das Beste. Nun wissen Sie alles, Doktor, alles!" Der Arzt sah nachdenklich vor sich nieder. " Ihre Gattin," sagte er nach einer Pause, hat offen­bar eine Familienangelegenheit zurückgeführt, deren Ar­rangement sich nicht aufschieben ließ."

,, Saben Sie feine Ahnung?"

,, Bielleicht ist jener Mann Onkel Rudolphi gewesen." ,, Nein, ich glaube nicht daran. Rudolphi hat Unter­stützung von meiner Frau genossen, aber er hat durchaus feine Ansprüche an ste. Unsere Verhältnisse sind alle wohl geordnet. Cäcilie muß ein Geheimnis bergen, das ich nicht kennen lernen soll. Was sie getan, will sie meinet­wegen getan haben."

Das deutsche Kronprinzenpaar trifft am 4. April in Brindisi ein, wohin der König von Italien eine besondere Begrüßungsdeputation entsenden wird. Der Aufenthalt des Paares in Rom wird drei Tage dauern. Aus Anlaß des Festmahls im Quirinal zu Ehren der deutschen Gäste werden Trinksprüche gewechselt werden.

Kleine Nachrichten.

Gegen die Bestrebungen zur Einführung der Lateins schrift hat sich in Berlin ein Studentenausschuß gebildet, dem Studierende der verschiedensten Hochschulen und aller Richtungen, Nichtinkorporierte und Inforporierte, Studen­ten und Studentinnen angehören; es ist eine Masseneingabe der gesamten deutschen Studentenschaft zur Erhaltung der deutschen Schrift geplant.

75 000 Mart auf ein Freilos gewonnen. Einer der bet­den 75 000- Mark Gewinne der dritten Klasse preußischer Klassenlotterie( Nr. 176 702) ist in eine Kollekte nach strow t. M. gefallen. Das Glückslos war als sogenanntes Freilos für die gegenwärtige Ziehung ausgegeben worden. Vier Achtellose wurden in Güstrow selbst, drei Achtellose in der Umgegend von Böhow und ein Achtellos in Berlin ge= spielt. An dem Gewinn sind in der Hauptsache durchweg Personen des Mittelstandes beteiligt.

Zur Stichwahl in Gießen wird von der nationallibe­ralen Parteileitung mitgeteilt: Die Meldung, daß im Wahlkreise Gießen schon ein endgültiger Beschluß der Na­tionalliberalen über das Verhalten in der Stichwahl ge= faßt sei, ist falsch. Die entscheidende Versammlung der nationalliberalen Vertrauensmänner ist erst am Mitt­woch. Voraussichtlich wird der Beschluß zugunsten des bürgerlichen Kandidaten ausfallen. Also nicht Freigabe der Stimmen!

,, So begnügen Sie sich mit dieser Versicherung, mein lieber Freund. Ihre Frau liebt Sie; tränken Sie sie nicht durch unbegründeten Verdacht. Wir müssen unser Haupt­augenmert auf ihre Genesung richten... alles Uebrige ist Nebensache. Ich fordere von Ihnen, daß Sie der ge= heimnisvollen Angelegenheit ferner nicht erwähnen und alles vermeiden, was die Ruhe der Kranten stören könnte. Jst die Gefahr vorüber, so mögen sie sich Aufklärung ver­Schaffen."

Ich werde Ihren Anordnungen pünktlich nachkom­

Ein russisches Ultimatum an China. Wie die Peters­burger ,, Nowoje Wremja" mitteilt, soll eine in sehr energi­schen Austrüden gehaltene Antwort Rußlands nach Pe­fing abgegangen sein. Falls die Chinesen nicht unver­züglich die Rechte Rußlands anerkennen, sei die Besetzung

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Vor Schreck stumm geworden ist ein Berliner Einbre­cher, der in der Nacht zum Dienstag in Nixdorf auf frischer Tat abgefaßt wurde. Auf der Wache wurde er festgestellt als ein obdachloser Stallschweizer. Der Ertappte hat bis jezt seine Sprache noch nicht wiedergefunden; er antwortet auf alle Fragen nur mit Kopfschütteln und Geberden.

Die ärztlichen Opfer der Pest. Ein Telegramm aus Pefing besagt, daß in einem chinesischen Orte von 19 rufft­schen Aerzten des Hospitals 18 der Pest erlegen sind.

Ein Siebisches Dienstmädchen ist in Berlin verhaftet worden. Das Mädchen, das bei einem Fleischermeister in Stellung war, entwendete aus dem Portemonnaie des Met­sters im Laufe der Zeit 10 000 M. Das Mädchen stand seit fast drei Jahren im Dienste des Meisters.

men. Doktor, um Gotteswillen, retten Sie mir die Frau! Das Geheimnis gilt mir nichts mehr; aber Cäcilie, Cä­cilie, deren Leben bedroht ist... Ach, warum bin ich so nachgiebig gewesen, warum habe ich nicht gewaltsam die verhängnisvolle Reise verhindert! Stirbt meine Frau, so mag auch ich nicht leben... Doktor, wird Cäcilie der Krankheit erliegen?"

Der Arzt tröstete nach Kräften.

Ein tödlicher Jagdunfall wird aus Posen gemeldet. Ein Eigentümer stolperte auf der Jagd über sein Gewehr. Dieses entlud sich. Dabei ging die ganze Schrotladung dem Jäger in den Unterleib. Er starb nach wenigen Stunden. Friedhofsschänder haben in dem brandenburgischen Städtchen Havelberg in der Nacht zum Dienstag in empo render Weise gehaust. Auf den beiden Friedhöfen der Stadt sind siebenundzwanzig Grabdenkmäler umgerissen und größ­tenteils zerstört worden.

Sie verlassen das Bett meiner Frau nicht!" rief der erregte Gatte. Fordern Sie unser ganzes Vermögen, es soll Ihnen werden. Retten Sie, retten Sie, Doktor." Er warf sich dem Arzte an die Brust.

In diesem Augenblicke ward die Türe des Nebenzim­mers geöffnet.

Ist der Herr Doktor noch da?" fragte die Wärterin. " Ja."

" Madame läßt bitten...

Ich werde kommen."

Unruhen in einem russischen Gefängnis. Im Gefäng nis zu Wilschnicz an der russisch- schlesischen Grenze entstand eine Verschwörung gegen zwei Aufseher. Bei einem Zu­sammenstoß wurden sechs Gefangene getötet. Mehrere Ge­fangene entflohen. Die übrigen versuchten das Gefängnis in Brand zu stecken. Der Anführer, ein berüchtigter Ban­dit, wurde verhaftet.

Als die Türe geschlossen war, sagte der Arzt: Betre­ten Sie jetzt das Krankenzimmer nicht, denn ich will alle Herzensergießungen vermieden wissen, die einen nachteili gen Einfluß ausüben. Bleiben Sie!"

Der verzweiflungsvolle Gatte sant auf den nächsten Sessel. Der Arzt trat in das angrenzende Gemach und schloß sorgfältig die Türe hinter sich.

Wo ist Wilhelm, fragte die Kranke, die aufrecht im Bette jaẞ.

Aus dem Geriebissälen.

Viermal zum Tode verurteilt. Der Invalide Becker aus Jlsenburg, der angeklagt war, seine Frau, seine Schwiegertochter und seine beiden Enkelfinder mit einem Beil erschlagen zu haben, wurde, nachdem die Geschworenen alle 8 Schuldfragen, darunter vier auf Mord, mit Ja beant­wortet hatten, vom Schwurgericht Halberstadt viermal zum Tode verurteilt. Der Verurteilte nahm das Urteil in stumpfsinniger Ruhe entgegen.

Er überläßt sich auf meinen Rat einer kurzen Ruhe." ,, Das ist mir lieb

"

Und auch Sie, Madame, sollten jetzt nicht an Dinge denken, die zu unwichtig sind

,, Sorgen Sie, Doktor, daß Wilhelm nicht zu mir tomme."

Warum? Warum?"

Der Raubmord im Eisenbahnzuge. Vor dem Schwur­gericht in Danzig begann am Dienstag der neue Raub­mordprozeß gegen den Wirtschaftseleven Georg Ulrich van de Velde, den Sohn des Landschaftsmalers Adolf van de Velde in Weimar. Das erste Mal stand van de Vel­de im Oktober 1909 vor Gericht unter der Anklage, den Gemeindevorsteher Ehlert im Eisenbahnzuge von Bromberg nach Dirschau ermordet und beraubt zu haben. In der Vor­untersuchung hatte er gestanden, daß er Ehlert erschossen und ihm das Geld abgenommen habe. Von den Einzelhei ten der Tat wollte er aber keine Erinnerung haben und ebensowenig angeben können, was ihn zu der Tat getrieben habe. In der Hauptverhandlung hatte er aber sein Geständ­nis widerrufen. Allerdings blieb er dabet, von der ganzen Tat keine Erinnerung zu haben. Da von den Angehörigen des Angeklagten eine Reihe von Momenten für seine get­stige Unzurechnunasfähigkeit und für eine erbliche Bela­

,, Weil mich wirklich die schreckliche Krankheit ergrif= fen hat, die unsere Stadt verheert." ,, Wissen Sie das, Madame?"

Ich möchte nicht, daß ich dieselbe auf meinen Mann übertrage." ,, Greifen Sie mir doch nicht vor!" sagte unwillig der Arzt, der sich neben dem Bette niedergelassen hatte. ,, Muß denn jeder Krankheitsfall, der jetzt eintritt, die gefürchtete Cholera sein?"

Ich leide die heftigsten Schmerzen!" flüsterte Cä­cilie.

,, Meine Medizin wird diese Schmerzen vertreiben, wenn Sie sich ruhig verhalten. Gestehen Sie es nur, Sie haben einen heftigen Schrecken gehabt."

Cäcilie zögerte einige Augenblice, ehe sie antwortete. Es ist wahr!"

Und wenn Sie wollen, daß ich mit meiner Wissen­schaft richtig einschreiten, die Natur ihrer Krankheit ge= nau erkennen soll, so sagen Sie mir, wie und wo die ersten Symptome sich gezeigt."

,, Sind wir allein, Doktor?"

Nachdem der Arzt ein Zeichen gegeben, daß die Wärz terin sich entferne, antwortete er:

Ja, wir sind allein."

Gehen Sie in das Hotel zur Krone."

,, Was sell ich dort?"

Der Bruder meines Vaters liegt frank." " In dem Hotel?"

" Zimmer Nummer sieben."

Ich werde gehen. Ihr Onkel Rudolphi also " Rennen Sie seinen Namen nicht; da sie den Onkel früher gesehen, werden Sie ihn erkennen und auch er kennt Sie."

,, Dies zu glauben habe ich allen Grund."

Ich habe nicht sogleich daran gedacht, Sie um einen Dienst zu bitten, er ist mir ja erst eingefallen. Wollen Sie, daß ich ganz ruhig werde, so schlagen Sie mir die Bitte nicht ab." Sie haben mein Wort, Madame, ich leiste Ihnen den Dienst." ( Forts. folgt

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