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Higeopfer in Berlin. Berlin hatte gestern den heißesten Tag der letzten Woche mit 31,6 Grad Celsius. Erschreckend groß ist die Zahl der auf der Straße oder fm Bade unter den Folgen der Hize zusammenge­brochenen und erkrankten Personen. Im Freibad Wannsee wurden 13 Personen vom Hißschlag getroffen. Aus dem Freibad Müggelsee wurden fieben Fälle von Sibschlag gemeldet. In die Unfallstationen und Kran­fenhäuser wurden fast stündlich Opfer der Hiße einge­Itefert. Wahnsinnig wurde infolge der Hize ein 29­Jähriger Kutscher. Er stieg auf der Straße plöblich vom Kutscherbock und fing an, mit der Peitsche auf Menschen und Tiere loszuschlagen. Er wurde nur mit Mühe überwältigt und in das Krankenhaus gebracht.

Der aufgelöste Hofftaat. Der kleine Hofstaat der portugiesischen Königin- Witwe Maria Via in Capodi­monte ist nach deren Tod aufgelöst worden. Die arm­felig zu nennenden Verhältnisse der einst to reichen, aber auch verschwenderischen Königin sind dabei klar zu­tage getreten. Ihr erster Kammerherr, Marquis Su­pulveda, ein früherer Adjutant König Manuels, ist technischer Leiter des Theaters San Carlo zu Neapel geworden; die Hofdame Marquise Bellas ist nach Lif­fabon zurückgekehrt, General Pinto bleibt in Neapel und sehnt wie er einem römischen Berichterstatter erzählte seinen baldigen Tod herbet, da auch seine geringen Mittel zu Ende sind. Der Herzog von Oporto endlich ist als Gast König Manauls nach England ge­gangen. Sein ganzes Vermögen beläuft sich zurzeit auf 50 000 Lire, die er für einen alten Meister" aus einem seiner portugiesischen Schlösser erhalten hat, den er vor der Revolution verkauft, dessen Kaufsumme er aber erst nach Ausbruch der Revolution erhielt.

Tragödie einer Hamburger Familie. Blättermel­dungen aus Christiania zufolge sind drei deutsche Tou­risten, die man auf einem Ausflug ins Westland um= gefonimen glaubte, in ihrem Zimmer in einem Hotel In Leifanger tot aufgefunden worden. Der Ingenieur Louis Aßmus vom Eisenwerk Wülfel in Hamburg hatte zuerst seine Schwester, die Witwe Johanna Lehmann und ihren zwölfjährigen Sohn August und darauf sich selbst mit Revolverschüssen getötet.

Eine Warnung des Berliner Polizeipräsidenter. Im Hinblick auf die Hize erläßt der Berliner Polizei­präsident folgende Warnung:" In der heißen Jahres­zeit pflegen allerlei chemische Präparate, meist unter Phantasienamen und ohne Angabe der Zusammenstel lung, als Zufäße zur Milch empfohlen zu werden, um deren Gerinnung zu verzögern. Vor dem Ankauf und der Verwendung dieser Mittel wird dringend gewarnt. Es ist keine chemische Substanz bekannt, die imstande wäre, die Milch frisch zu erhalten und vor dem Gerin­nen zu bewahren, ohne ihr gleichzeitig gesundheitsschäd= liche Eigenschaften zu verleihen.

Ein Zeigefinger zu kaufen gesucht! Wer hat einen Beigefinger zu verkaufen? Mrs. Reginald Waldorf aus Philadelphia hat ein Inserat im New- York Herald er­Lassen, daß sie einen zu kaufen und einen anständigen Preis dafür anzulegen gewillt ist. Die Dame ist eine funge Witwe, die sich vor einiger Zeit den rechten Zeige­finger mit einem rostigen Messer verletzte, so daß eine Insektion eintrat und es nötig wurde, den Finger zu amputteren. Mrs. Waldorf ist jedoch eine ausgezeich­nete Musikerin und möchte nicht für ihr ganzes Leben darauf verzichten, Klavter und Orgel zu spielen. Da ste nun von den großen Fortschritten der Verpflanzung von Körperteilen in letzter Zeit gehört hat, so möchte sie den Versuch machen, wieder in den Besitz eines Bet­gefingers zu gelangen. Wer daran denkt, ihr diesen Wunsch zu erfüllen, der möge zunächst nachsehen, ob fein Betgefinger den Ansprüchen genügt, wie der Arzt fte formuliert hat: es muß der Betgefinger der rechten Hand sein, seine Länge muß 7% Bentimeter und sein Umfang am ersten Glied 5 Zentimeter, am 3. Glied 4 Zentimeter betragen.

Ein teurer Sonnenschirm. Eine schöne Pariserin entdeckt bet der Ankunft im Seebade, daß sie ihren Son­nenschirm vergessen hat. Der zuvorkommende Gatte ist sogleich bereit, thr einen neuen zu kaufen. Aber er kostet 100 Frs. ein billigerer gefiel Madame nicht- und das ärgert ihn. Der Mann will also die 100 Frs. wie­der haben, und er ist überzeugt, daß es ihm nicht fehlen fönne, wenn er ins Kasino geht und spielt. Er geht also, fetzt und gewinnt zunächst wirklich 75 Frs. Aber er ist nicht zufrieden, er muß die ganzen 100 Frs. ha­ben. Er spielt weiter, er verliert, bald sind es 19 000 und bald 20 000 Frs. Als es 23 000 rs. sind, hat er genug. Er gibt die Hoffnung auf und geht heim. Der Sonnenschirm der teuren Gattin hat ihm 23 100 Frs. gekostet.

Amerikanischer Heiratszwang. In den Vereinigten Staaten versteht man in Sachen der freten Ltebe keinen Spaß. Zumal die Neuyorker Einwanderungsbehörde hält streng auf Zucht, Sitte und Ordnung in Sachen der Liebe, wovon sich erst jüngst wieder der im Neu­yorker Hafen landende chilenische Musikverleger Al­Er war in den phons Hearing überzeugen konnte. Schiffsregistern als der Gatte seiner mit ihm reisenden

Karla, warum hast Du Waldenberg abgewiesen?" fragte Alfreds Mutter.

" Ich liebe thn nicht und will überhaupt nicht mehr Hetraten!" rief Frau Uchatscheff. Warum nicht, Itebes Kind, Du bist noch so jung und berechtigt, glücklich zu sein und glücklich zu machen," lautete die sanfte Entgegnung Tante Theklas.

" Kann ein Mann wahrhaft Iteben? Verdient das, was die Männer uns Frauen entgegentragen, diesen Namen? Kaum sind wir fort, so sind wir vergessen." " Was meinst Du damit?" fragte Frau Grotenbach. Karla war vor Tante Thekla getreten, mit blitzen­den Augen stand sie da, die feinen Flügel ihrer Nase bebten.

" Wann wird Alfred sich mit Fräulein von Rapp verloben?" fragte sie spötttsch.

Mit Franziska von Rapp!" rief Frau Grotenbach, " Du bist im Irrtum, Itebes Kind. Du weißt, daß Al­fred mir volles Vertrauen schenkt, er hat gestern mit mir gesprochen und mich um meine Vermittelung mit Dir gebeten. Fräulein von Rapp ist heimlich mit Al­freds bestem Freunde verlobt; Familienverhältnisse er­Tauben es nicht, es zu veröffentlichen. Vor zwei Tagen erhielt Alfred die Anzeige des Brautpaares, dessen Ver­trauter er in Petersburg war. Daß mein Sohn eine andere Liebe hat, weißt Du wohl nicht?"

Errötend fenfte Karla das Haupt.

Karla?"

" Weißt Du, wem das Herz meines Kindes gehört, Frau Uchatscheff ist neben Tante Thekla niederge­sunken und verbirgt das Gesicht an der Brust der älte­ren Frau.

Lange sprachen beide zusammen. Alfreds Mutter ist ein guter Anwalt, sie sagt der vor ihr Kntenden, daß der Sohn sie liebt, daß er es hier in Strandhof bei dem wochenlangen Beisammensein klar erkannt hat, wie set­nes Lebens Glück in Karlas Besitz liegt.

Ehefrau eingetragen, was aber nicht hinderte, daß der revidierende Einwanderungsinspektor sofort Verdacht schöpft und das Paar nach Ellis Island, dem Fegefeuer der verdächtigen Einwanderer, bringen ließ. Bet dem hier vorgenommenen Verhör gestand Hearings Beglei­ferin denn auch schließlich, daß fie nicht seine Gattin sei. Die beiden der falschen Angabe des Personenstan des Ueberführten wurden nun vor die Wahl gestellt, entweder auf der Stelle die Ehe miteinander einzugehen oder auf der Stelle die Vereinigten Staaten zu verlas sent. Sie entschieden sich ohne viel Besinnen für die Ehe­schließung, die auch sofort von einem eilig herbeigehol­ten Geistlichen gegen Zahlung von zwei Dollars voll­zogen wurde, worauf die Neuvermählten das Fege­feuer verlassen und das Gelobte Land der Freiheit be­treten durften. Auf die Frage, wodurch sein Verdacht rege geworden war, antwortete der findige Einwande­rungsinspektor schmunzelnd:" Je nun, ein Ehemann benimmt sich seiner Frau gegenüber nicht so galant, wie es der Chilene seiner angeblichen Gattin gegenüber tat."

Der Erbonkel ans Amerika. Der Frff. 3tg." wird aus Wachenheim, Pfalz, gemeldet: Gottfried Morse, et­ner der angesehensten Anwälte Bostons, der aus Wa­chenheim gebürtig war, starb auf einer Erholungsreise, die er in diesem Sommer nach der alten Welt machte. Die jetzt erfolgte Testamentseröffnung ergab, daß Morse ein Vermögen von ca. 20 Millionen Mark hin­terläßt, von dem ein großer Teil an Verwandte nach der Pfalz und dem übrigen Deutschland entfällt.

Der älteste Mann der Welt. In Neuyork ist ein Mann angekommen, der sich Joseph Fret nennt, und der erklärt, er set 111 Jahre alt. Der Mann soll ein Aussehen haben wie ein Sechziger, und seine geistige Frische dokumentierte er damit, daß er die Reporter ber großen Zeitungen empfing und erklärte, er set im Jahre 1800 in Warschau geboren worden, und habe die Reise über den Ozean int Alter von 28 Jahren angetre­ten. Gelebt habe er in Nashville, wo er im Jahre 1886 amerikanischer Staatsbürger geworden set. Fret besitzt 18 Kinder, 24 Enkel und 7 Ürenkel. Die Meldung flingt etwas amerikanisch.

Aus einer Berliner Gemeindeschule. In der letzten Klasse einer Berliner Gemeindeschule befand sich ein fleiner Junge, der sehr unsauber war und trotz włe­derholter Mahnungen der Lehrerin immer ungewaschen erschien. So hielt es denn das Fräulein für seine Pflicht, die Mutter durch einen Brief, den es dem kleinen mit­gab, auf diesen Umstand aufmerksam zu machen und sie zu bitten, den Jungen doch einmal zu baden, da er stark rieche und dadurch auch den Unterricht erschwere". So pflichtgemäß und richtig diese Mahnung auch war, fand sie doch nicht das erwartete Verständnts; die mütterliche Eitelkett, die sich durch jeden Tadel thres Sprößlings schwer beleidigt fühlt, machte sich auch hier geltend. Schon am nächsten Tage tam die Antwort, ebenfalls schriftlich; sie lautete kurz und bündig:" Wertes Fräu­lein! Lassen Sie meinen Sohn nur, wie er ist. haben ihn ja nur zu belehren, nicht zu bertechen!"

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Des Weißbinders Arbeitsrhytmus. Der Franks. Rettung" wird geschrieben: In einer mitteldeutschen Universitätsstadt wurde der Stzungssaal des Rathau­ses einer Renovation unterzogen. Der Bürgermeister, der sich täglich über den Stand der Arbeiten informiert, beobachtet nun einmal, wie ein Weißbinder auf dem Gerüst fizend gar langsam mit dem Pinsel streicht und zwar nach dem Taft des Lieds, das er halblaut pfeift: ite- ueb im- mer Treu und Re- e- edlichkelt Bi- ts an dein fit- hles Gra- a- ab! Der Bürgermeister, der von dem in seine Melodie versunkenen Weißbinder nicht bemerkt wird, steht eine Weile zu. Dann unterbricht er den bedächtigen Rhythmus des Pinselers mit den Wor­ten: feber Mann, nach dte fe r Melodie wird die Ar­beit bis Ende des Monats nicht fertta. Das Mindeste wäre Wohlauf Kameraden, aufs Pferd, aufs Pferd", wenn Sie aber ein übriges tun wollen, dann pinseln Sie nach der Melodie: So leben wir, so leben wir..." Das Geschichtchen ist in fener Stadt zum Volksmit geworden, denn wenn sich fetzt dort einer durch allzu langsames Arbeiten auszeichnet, pflegt man zu sagen: " Der arbettet auch nach der Melodte: Web immer Treu und Redlichkett."

Eine schwäbische Diebeskomödie.

Die gefangenen Schnklente.

Aus Württemberg wird der Frkft. 8tg." geschrie­ben: JmSchwabenland liegt eine Stadt, die viele alte Türme hat. Einer dieser Türme diente herrenlosen Tauben als bequeme Nistgelegenheit und hatte des­halb die besondere Aufmerksamkeit einiger Leute auf fich gelenkt, die Liebhaber eines guten und dabet billigen Bratens waren. In einer warmen, sternenhellen Som­mernacht, nachdem die soliden Bürger längst schon den Schlaf der mehr oder weniger Gerechten gefunden und die städtischen Laternen thr strahlendes Licht zurückge= zogen hatten, fasten fene Gourmands den tühnen Ent­schluß, sich der leckeren Vögel endlich zu bemächtigen.

" Deine Mutter weiß alles," schließt Frau Groten­bach, sie ist mit Alfreds Wünschen einverstanden. Er will selbst mit Dir sprechen, Karla, laß mich nur machen, heute soll ein Ausflug an den Herthasee unternommen werden, ich werde es einrichten, daß Ihr allein seid."

Es mußten noch viele Stunden vergehen, ehe Gro­tenbach das heiß ersehnte Ziel erreichen konnte. Karlas Wesen war heute von einem mädchenhaften Zauber um­geben, etne holde Befangenheit ließ sie noch anziehender erscheinen, sie senkte die Wimpern vor dem leuchtenden Blick, mit dem Alfred sie ansah; es lag etwas von einem Eigentumsrecht darin, sie fürchtete sich ein ganz klein wenig vor ihm und liebte ihn nur noch mehr.

Am Nachmittag brach die Gesellschaft nach dem Herthasee auf.

Alfred hoffte mit Frau Uchatscheff in demselben Wagen zu fahren, aber Frau Haideck sagte:

Die Jugend findet auf der Liniendroschke Plaz; Karla mit Kolja, Oldens, Du, liebe Thekla und ich fahren im Landauer!"

Es fiel dem Herrn Doktor schwer, sich zu fügen; der Weg erschien ihm endlos, er spähte immer nach dem holden Gesicht im ersten Wagen.

Nun war der Herthasee erreicht, man bewunderte die mächtige Buche, den Opferstein der Heiden und das dunkle Gewässer, umgeben von einem Kranze prächtt= ger, breitwipfliger Bäume. Die Gesellschaft zerstreute sich, einige erklommen die Anhöhe, andere benutzten das Boot zu einer Spazierfahrt auf dem See.

Die beiden Jugendfreundinnen waren im Wagen geblieben, letse sprachen sie zusammen, thre Hände ruh­ten ineinander. Ihre Kinder Itebten sich und sie wuß­ten, daß sie glücklich würden.

Immer finsterer wurde Alfred Grotenbachs Ge­sicht; Karla saß im Boot, er steht auf der Anhöhe, er atmete schneller und sah auf die Uhr.

Mit einer langen Letter versehen, um den hochgelegenen Eingang zum Turm erreichen zu können, warteten fie mit Ruhe, die nur ein gutes Gewissen zu verleihen pflegt, ab, bis die letzte Schußmannspatrouille den Platz passiert hatte, und begaben sich dann schleunigst ans Werk. Allein, die Polizet, die alles weiß, alles ficht und alles mertt, hatte Lunte gerochen. Sie fehrte wie­der um, entdeckte die Leiter und legte sich am Fuße der felben auf die Lauer, begierig, zu erfahren, wer da wohl schließlich erscheinen wirde. Inzwischen hatten die Taubenfreunde ihre Beute eingefact und machten sich wieder auf den Rückweg. Unten angelangt, wurden sie natürlich von den Schußleuten sogleich in sorgliche Ob hut genommen und samt den Vögeln auf die Wache ge= lettet. Dort gaben sie jedoch an, die Tauben gehörten ihnen, fie seien ihnen nur entflogen, um auf dem Turme ungestört dem Brutgeschäfte obliegen zu können, und da die Tiere tags nicht zu kriegen gewesen wären, hät ten sie sie halt nur nachts fangen tönnen. So mußte man die Beute wieder freilassen. Die umsichtigen Polt­zisten aber erhielten noch den Befehl, ungefäumt im Turme nachzusehen, ob nicht irgendwelch sonstiger Un­fug gestiftet worden wäre. Mit militärischer Pünktlich­teit gingen fie sogleich an die Ausführung dieses Be­fehls, und die Taubenmänner, die ihn noch mitange hört hatten, famen hinterher. Als die Polizei nun mit felst der noch angelehnten Letter in das alte Bauwerk eingestiegen war, langten auch die anderen wieder auf dem Schauplatz an, nahmen ihr Eigentum, die Leiter, weg und zogen feelenruhig und vergnitgt damit von dannen. Mit Schrecken aber und Zorn mußten die wackeren Schußleute wahrnehmen, daß sie im Turm gefangen waren, bis sie die ersten Frithaufsteher um Be­fretung anrufen fonnten. Ob nunmehr die unterneh menden Täubler schließlich noch wegen Freiheitsberau­bung angeklagt werden bleibt abzuwarten; dagegen lacht jetzt die ganze Stadt R. mitsamt den alten Titr men, denen so etwas noch nie vorgekommen, über die unglücklichen Opfer ihres Diensteifers.

Drabtnachrichten und Deuestes.

Deutschfeindliche Tschechenkundgebung. Breslan, 14. August. Der Ballon Winds­braut" des Schlesischen Luftschiffahrtvereins, der am Donnerstag in Breslau zu einer wissenschaftlichen Be­obachtungsfahrt unter Führung des Seismologen Prof. von dem Borne aufgestiegen war, wurde bei der Lan­dung unweit des Dörfchens 3laber bei Semil in Böh­men von einer herbeigeströmten Tschechenmenge aufs feindseligste behandelt. Die Ballontafelung wurde durch Zerschneiden aufs schwerste beschädigt, die wertvollen Instrumente und der sonstige Gondelinhalt gestohlen. Großfeuer in Frankfurt.

Frankfurt, a. M., 14. August. Durch die Er­plosion mehrerer Düngerwagen hatte ein Heuschober der Milchkuranstalt Sachsenhausen Wiesenhüttenweg gestern abend gegen 11 Uhr Feuer gefangen, das auf die Stallungen und das benachbarte Grundstück der Baufirma Lang übergriff und den ganzen Komplex in eine einzige Feuerlohe verwandelte. Der ganze Stra ßenzug stand durch die heftige Luftbewegung in Gefahr. Der Schaden wird auf 80- bis 100 000 Mart geschätzt. Einige Pferde sind verbrannt.

Zehn Personen im Rhein ertrunken. Göln, 14. August. Beim Baden in der Nähe von Odenkirchen sind gestern zehn Personen im Rhein ertrunken. Das Rheinbad war gestern von 40 000 Per­sonen besucht.

Ein Lebenszeichen von Richter.

Saloniki, 14. August. Die Zeilen, die Richter an den letzten Brief der Räuber hinzufügte, lauten nach Angabe des hiesigen deutschen Konsuls:" Ich soll Ihnen schreiben, Sie sollen endlich alles Geld schicken. Ich werde sonst wahrscheinlich gleich getötet. Ich be­finde mich an einer steilen Felswand nordwestlich vor einer Platane. Machen Sie schnell. Mit Gruß Edwart Richter."

Ein englischer Dampfer gestrandet.

London, 14. August. Nach einer Lloydmeldung aus Aden ist der englische Dampfer Fifeshire" südlich von Kap Guardafut gestrandet. Die Besabung und 75 Passagiere sind in Aden gelandet. Ein Boot mit 30 Passagieren wird vermißt.

Handel und Verkehr.

Eine Folge der schlechten Zuckerkonjunktur. Die un günstige Situation des deutschen Zuckermarktes hat ihr erstes Opfer gefordert. Die befannte Raffinadezucker­großhandlung Kuchne u. Bieberstein in Magdeburg ist infolge der schlechten Lage des Raffinademarktes in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Wie mitgeteilt wird, dürfte sich der Konkurs taum vermeiden lassen. Die Passiven betragen über 200 000 Mart. Zur Hauptsache soll die Mitteldeutsche Privatbank an der Firma betet­Itgt sein. Die Aktiven werden mit 10-15 000 Mart an= gegeben.

Schau, etne Stunde sind wir hier," dachte er un­geduldig. Da tam ihm seine Mutter zu Hilfe. " Ich denke, die Jugend geht bis Stubbenkammer zu Fuß," sagte sie.

" Wir Alten fahren voraus und bestellen denkaffee," fuhr Frau Haideck fort, bitte, Itebe Karla, gib uns Kolja, Du tommst wohl mit den übrigen nach."

Einige Minuten später lag der Herthasee einsam bis auf ein junges Paar, das zurückgeblieben war. Auf einem der großen Steinblöcke saß eine weißgekleidete Frauengestalt, ein Mann lehnte daneben am Stamm einer Buche. Nur der Wind rauschte in den Bäumen, es war still um die beiden. Karla!"

Wie heißes Flehen zitterte es durch das eine Wort. Er liebte ste grenzenlos, aber er fürchtete, sie durch seine Leidenschaft zu erschrecken. Karla war aufge= sprungen, sie möchte fliehen, nicht aus Sofetterte das Weib in thr wollte sich nicht zu leicht ergeben, sie bangte davor, thr tiefstes Empfinden zu verraten, sie verschloß es noch teusch in sich. Alfred misverstand thre Bewegung, er wurde sehr bleich und trat einen Schritt zurück.

,, Ste fliehen mich," sagte er traurig, und ich habe gehofft," da richtete sich das schöne Haupt auf, thre feucht­schimmernden, stolzen Augen sprachen zu ihm. Aber das genügte ihm nicht, er mußte von ihren Lippen sein Glück vernehmen.

Sprechen Sie, Karla," flehte er, sagen Sie mir das erlösende Wort! Ich habe so lange gedarbt, ich blteb Ihnen fern, weil Ste mich immer wieder kalt zurückwiesen. Oft fürchtete ich, Sie allzu sehr zu Ite­ben."

( Schluß folgt.)