Ausgabe 
15.7.1911 Erstes Blatt
 
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Aus den Gerichtssälen.

Die Hochstapeleien des Grafen Wolff- Metternich beschäftigen gegenwärtig die Straftammer des Berliner Landgerichts. Nach der Anklage soll der Graf in 31 Fällen verschiedene Personen um Beträge von 20 Mart bis zu 50 000 Mart unter Vorspiegelung falscher Tat­( achen betrogen haben. Zu der Verhandlung sind 25 Beugen und zwei Sachverständige geladen. Die Verneh­mung des Angeklagten ergibt im wesentlichen folgen­bes: Er ist als Sohn eines Kammerherrn in Holland geboren, war früher katholisch und ist test evangelisch, Er ist verheiratet mit der Wiener Schauspielerin Claire Ballentin. Er war längere Zeit in Chile, In Berlin erhielt er von seinem Vater eine monatliche Zulage yon 30 Mart. Da er mit diesem Betrage nicht aus­tommen tonnte, versuchte er auf alle mögliche Weise, fich Geld zu verschaffen. Nach seiner Angabe hat er da­mals auch Chancen gehabt, sich mit einer sehr vermö genden Dame zu verloben; von der Familte dieser Dame wurde er auch zu einer größeren Reise nach Ita­Iten eingeladen. Als der Vorsitzende hierzu bemerkte, er ſet jedenfalls gewissermaßen als Reisemarschall enga­gtert worden, erwiderte der Angeklagte mit Emphase: Ein Graf Wolff- Metternich hat sich noch nie zu einem Reisemarschall hergegeben, sondern sich stets suchen las­fen." Später ging der Angeklagte nach England, fam dann nach Wien, verheiratete sich mit einer Schauspielerin und erlangte angeblich eine Stelle mit monatlich 300 Kronen. Die Verhandlung dürfte meh­rere Tage dauern.

armen

Wegen unlauteren Wettbewerbs verurteilte die Straffammer in Bonn einen Möbelfabrikanten aus Cöln, der Arbeiter der Honnefer Möbelfabrik in set­ner in Lengsdorf bei Bonn gelegenen Möbelfabrik an­gestellt und sie veranlaßt hatte, thm verschiedene Be­zugsquellen der Honnefer Fabrik zu verraten, zu 300 Mart Geldstrafe.

Vermischtes.

Die Ursache der Dynamitexplosion in Würgendorf hat sich noch nicht ermitteln lassen. Es heißt, daß sie auf die Unvorsichtigkeit eines im Dellager beschäftigt ge­wesenen Arbetters zurückzuführen set, jedoch wird sich dies schwerlich genau feststellen lassen, da diejenigen Arbeiter, die Auskunft geben könnten, tot sind. Gestern wurden die fehlenden sechs Leichen gesucht. Gefunden wurden nur Leichenteile eines Arbeiters. Die Aufräu­mungsarbetten gehen nur langsam von statten, da man neue Explosionen befürchtet. Man hofft, die fehlenden Leichen heute alle zu bergen. Sie sollen gemeinsam be­erdigt werden. Der Schaden wird auf 60 bis 100 000 Mark geschätzt. Der Betrieb in Würgendorf ruht. Die Gewerkschaft Wetßenburg, Eigentümerin der Fabrik, läßt in Hoppecke wetter arbeiten und dorthin auch die Vorräte schaffen.

Eine Deutschlandfahrt amerikanischer Lehrer. In Buffalo wurde ein Lehrertag des nationalen deutsch­amerikanischen Lehrerbundes eröffnet, der darüber be= riet, ob und wie die nächstjährige Lehrerfahrt nach Deutschland veranstaltet wird. Die Reise soll in Neu­york ihren Anfang nehmen und durch ganz Deutschland führen. Folgende Städte werden besucht: Hamburg, Cöln, Rüdesheim,( Niederwald- Denkmal), Wiesbaden, Heidelberg, Mannheim, Stuttgart, München, Nürnberg, Frankfurt a. M., Cassel, Etsenach, Weimar, Jena, Dres­den, Leipzig und Berlin. Man rechnet auf eine Teil­nehmerzahl von mindestens 600 amerikanischen Lehrern.

Das Preisgericht für den deutschen Rundflug 1911 trat am Donnerstag in Berlin zur Entscheidung über die Verteilung der Preise zusammen. Auf Grund der von den Zeitnehmern geführten offiziellen Listen ergab sich folgende Schlußwertung und Preisverteilung: Benno König 1882,50 Im., 40 000 M., Hans Vollmöller 1873,50 Im. 25 000 M., Bruno Büchner 1363,75 lm. 10 000 M., D. E. Lindpaintner 1222,50 Im. 7000 M., Dr. Wittenstein 941,50 m. 6000 M., Eugen Wiencziers 751,00 Im. 5000 M., Schauenburg 585,50 Im. 4000 M, Robert Thelen 497,00 Km. 3000 Von den beiden Preisen des Kriegsministeriums fiel der erste Preis von 5000 Man König, da er Steger des Rundflugs, Deutscher ist, sämtliche Strecken des Rundflugs mit Passagier zurückgelegt und auf der Etappe Nordhausen­Halberstadt eine Höhe von 400 Metern erreicht hat, was den Bedingungen für diesen Preis entspricht. Der 2. Preis des Kriegsministeriums von 4000 M. fiel an Voll­möller, der auf der Strecke Nordhausen- Halberstadt eine Höhe von 1350 Metern erreicht hat. Von den Preisen der Stadt Berlin fiel der erste Preis im Werte von 2500 M. an König. Der zweite Preis im Werte von 1500 Mark wurde Büchner zugesprochen. Der Prets war für den Flieger ausgesetzt, der auf der letzten Strecke Halberstadt- Berlin die beste Zeit erziekte. Der dritte Prets der Stadt Berlin im Werte von 1000 M. sollte demjenigen Teilnehmer am Deutschen Rundflug zufallen, der auf den Streckenflügen die größte absolute Höhe erreicht hätte. Er wurde Vollmöller zugesprochen. Den Extrapreis des Kronprinzen für den Steger des Rundflugs erhielt König.

Eine mysteriöse Geschichte. Das Dienstmädchen Franziska Poledniz in Potsdam unternahm am Mitt­woch mit den sechs Kindern seiner Herrschaft und denen einer befreundeten Familie einen Ausflug nach Ned­Ittz bei Potsdam. In der Nähe des Sakrow- Parezer Kanals nahm es mit den Kindern ein Bad. Als ste sich im Wasser befanden, schwamm vom entgegengesetz­ten Ufer ein Mann auf die Gruppe zu und erbot sich, das Mädchen im Schwimmen zu unterrichten. Dieses näherte sich dem Fremden auch, der es nach der Erzäh­lung der Kinder an der Hand ergriff und trotz seines Sträubens in das tiefere Wasser zog. Hier drückte er es mit aller Gewalt solange unter Wasser, bis es unter­ging, und schwamm dann ans Ufer zurück. Die Leiche des Dienstmädchens konnte noch nicht geborgen werden. Die sofort angestellten Nachforschungen nach dem Frem­den blieben bisher ohne Erfolg.

Ein fünfzehnjähriger Defrandant und Lebemann" wurde im Treptower Park in Berlin verhaftet. Der Laufbursche Fritz Bruch aus Magdeburg hatte vor meh­reren Tagen eine größere Geldsumme, die er im Auf­trage der Firma, bei der er beschäftigt war, nach der Post tragen sollte, unterschlagen. Das abenteuerlustige Bürschchen wandte sich nach Berlin, wo es in lustiger Gesellschaft, auch die holde Weiblichkeit fehlte nicht, das unterschlagene Geld klein machte. Als er gestern im Treptower Park von einem Kriminalbeamten erkannt und festgenommen wurde, waren nur noch wenige Mark vorhanden. Der Defraudant machte einen äußerst beruntergekommenen Eindruck.

Eine 108jährige Zwergin gestorben. Im Pariser, Vorort Clichy starb eine Zwergin, die Spanierin Maria Laurens, die zwar nicht ganz einen Meter hoch an Maß, dafür aber das respektable Alter von 108 Jahren hatte. Maria Laurens fristete als populäre Persönlichkeit ihr Leben in wandernden Schaubuden. Im Wagen der fahrenden Leute zog das kleine Persönchen von Ort zu Ort, und in einem Wanderzirkus ist sie auch zur Ruhe gegangen. Das Geburtsjahr der greisen Zwer­gin, 1803, ist in ihrem Passe amtlich von den spanischen Behörden bestätigt.

Lieber Mörder als Soldat. Um sich dem Militär­dienst zu entziehen, hat ein junger Mann in dem Dorfe Tassat bet Bordeaux ein schreckliches Verbrechen began­gen. Als die Erntearbeiterin Moine nach getaner Ar­bett des Abends nach Hause zurückkehrte, und an das Bett ihrer fünfjährigen Tochter trat, rollte ihr der Kopf des Kindes entgegen. Ste rief um Hilfe, die Nachbarn eilten herbet und man stellte fest, daß ein Unbekannter das Mädchen zunächst durch einen Stich ins Herz ge­tötet und ihm dann den Kopf abgeschnitten hatte. In der Wohnung fand man dann auch noch ein Paket. Da­rin war ein Brief erhalten, in welchem ein Arbetter seinem Bruder den Vorschlag machte, den wilden Mann zu spielen und sich auf diese Weise dem Militärdienst zu entziehen. Die polizeilichen Nachforschungen führ= ten bald zu der Ermittelung des Mörders, der ein vol­les Geständnis ablegte.

Die unverzollten Schinken. Ein niedliches, wenn auch nicht mehr ganz neues Zollabenteuer wird dem " Tägl. Korr." von einem gelegentlichen Mitarbetter aus dem Bayerischen Walde erzählt: Fuhr da von Lam eine Bauersfrau mit der Post ins Böhmische, um ihren Sohn zu besuchen und ihm gleichzeitig vom letzten Schlachtfest zwet feiste Schinken mitzubringen. Es ging etwas eng in dem Postkasten zu und so brachte die Frau thr Gepäck nicht gut unter und setzte sich daher kurz ent schlossen auf das Mitbring" für den Sohn. Geschäfts­mäßig fam an der Grenze der Zollbeamte und fragte im Amtston nach verzollbaren Sachen. Zwoa Schin­ten hob t", meint die Bäuerin bedächtig. Der Beamte stuzte. Ja, wo denn?"" I sit drauf", sagte dte Alte ruhig. Nur mühsam unterdrückten die Reisenden thr Lachen. Der Beamte kneift die Augen zu und entfernt sich brummend: An anders mal hal'n S' wem andern zum besten ols an t. t. Beamten!" So gelangten die Schinken unverzollt und unbeanstandet in die Hände des Sohnes.

Der Roman einer Namenlosen. Die Geschicke einer geisteskranken Frau, deren Identität trotz 19jähriger Nachforschungen nicht festgestellt werden konnten, und die in den Akten stets nur als Unbekannt" bezeichnet werden konnte, beschäftigen aufs neue die Armendirek­tion der Stadt Berlin. Die Unbekannte wurde am 16. Oftober 1892 vor Castans Panoptikum verhaftet, als sie zwet Damen Geld aus der Tasche stahl. Alle Ver­suche, den Namen und die Herkunft der verhafteten Frau herzustellen, verliefen ergebnislos, Die Nachforschun­gen wurden dadurch erschwert, daß dte Unbekannte taubstumm war und weder lefen noch schretben konnte. Eine im Jahre 1893 hinzugezogene Taubstummenleh­rerin konnte zwar aus der Kranken herausbekommen, daß sie im Kreise Inowrazlaw in Posen geboren und daß ihr Vater ein Landarbetter gewesen set; thre beiden Eltern seien tot, sie selbst befinde sich im Alter von 31 Jahren und habe zwei Kindern das Leben gegeben, die gestorben sind. Alle Recherchen, die auf Grund von Photographien mit Hilfe der Staatsanwaltschaften, Strafanstaltsdirektionen, Lanbratsämtern, und anderen Behörden an der Hand dieser Angaben angestellt wur­den, verliefen nach wie vor ohne Resultat. Die Unbe= kannte, die inzwischen wegen lödsinns für getstesfrank erklärt und entmündigt worden ist, befindet sich jetzt in der Anstalt Wuhlgarten. Die Armendirektion der Stadt Berlin hofft jetzt, das Dunkel, das auf dieser Per­sönlichkeit ruht, durch eine Veröffentlichung in der Bresse zu lüften. Wenn auch anzunehmen ist, daß viele Personen, die vor 19 Jahren die jetzt 50 Jahre alte Kranke hätten wiedererkennen können, gestorben sind, so ist es doch nicht ausgeschlossen, daß sich in Ostdeutsch­land noch Personen befinden, die sich der Namenlosen erinnern.

Die Waldbrände in Kanada.

Die verheerende Wirkung der von uns beretts ge­meldeten Waldbrände in Kanada läßt sich vorläufig noch nicht übersehen. Die Brände haben eine Aus­dehnung angenommen, die die Bewohner der zwischen den ausgedörrten Wäldern gelegenen Städte und Ort­schaften in Angst und Schrecken versetzt und zum Tell obdachlos gemacht hat. Von North- Bay bis Porcupine herrscht in etner Ausdehnung von 200 Metlen

ein einziges Flammenmeer.

Alle Kohlenfelder sind ausgebrannt. Der Himmel ist von großen Rauchwolken bedeckt. Männer, Frauen und Kinder sind den Seen und den Wasserläufen nach ge= flohen. Flüchtlinge der zerstörten Städte Borcubine und Pottsville haben Zuflucht in Golden City gefun­den. Die Vorstädte von Golden City find völlig nieder­gebrannt. Die Lebensmittel sind sehr rar. In Coch­rane sind die Einwohner ohne jede Nahrung und Un­terkunft und müssen in Güterwagen übernachten. Zahl= reiche Flüchtlinge sind in den großen Seen ertrunken. Alle Straßen, die durch die Wälder führten und

alle Brücken sind vernichtet.

Fast sämtliche Besizungen mußten von ihren Bewoh­nern verlassen werden. Es wird den Ueberlebenden schwer werden, einen Weg nach zivilisterten Gegenden zu finden. Zur Ausbreitung des Feuers hat besonders Die Trockenheit der Gräser und der Ernten beigetragen. Nach den letzten Nachrichten aus Detroit sollen 500 Todesopfer festgestellt sein. Die Flüchtlinge aus den zerstörten Städten erzählen, daß die Zahl der Opfer noch gar nicht übersehen werden könne. Eine große Banik entstand in Tawas City, als die Flammen in die Stadt einschlugen. Viele Frauen und Kinder fte­len in den Straßen ohnmächtig nieder. Andere flüch­teten sich in die Kirchen und öffentlichen Gebäude, die aber auch bald von den Flammen umzingelt waren. Dreihundert Personen wurden an Bord eines Dam­pfers genommen, der gerade im Hafen von Oscoda lag, und den Flammen auf dem Huronsee entführt. Vom Schiff aus beobachteten die Leute, wie ihr Besitz­tum in Flammen aufging. Züge der Ontario- Eisen­bahn- Gesellschaft haben Hunderte von Flüchtlingen aus den Flamment entführt. Süd- Porcupine lag zwanzig Minuten, nachdem sich die ersten Flammen gezeigt hat­ten, in Ruinen; die Bewohner, die sich über den Por=

cupine- See retten wollten, kämpften um die Plätze in den wenigen vorhandenen Fahrzeugen, wobei fünfzehn Personen ertranten. Die meisten Menschen famen in den Bergwerfen um, namentlich in Dome und West­dome, wo 300 Leute, die von jeder Rettung abgeschnit ten waren, sich in weniger tiefe Schächte flüchteten, wo sie erstickten. Weitere Waldbrände werden aus dem amerikanischen Staate Michigan gemeldet, mehrere Dörfer stehen dort in Flammen; auch in Maine und Newhampshire witten Brände.

Erzählung einer Geretteten.

Fräulein Doris Diamond, eine der Ueberlebenden aus der zerstörten Stadt Porcupine, erzählte, daß der Anblick in den brennenden Straßen furchtbar war. Männer, Frauen und Kinder seien tot niedergefallen. Bahlreiche Eltern warfen ihre Kinder in die Fluten des Huronsees, um sie vor dem Brande zuretten. Acht fleine Städte am Huronsee find völlig eingeäschert wor­den. Der Schaden ist noch gar nicht zu übersehen. Die Feuersbrunst zieht sich in einer Ausdehnung von Hun berten von Kilometern im Norden von Ontario zwi schen der North- Bay und der Hudson- Bay bin. Man fürchtet, daß die Zahl der Opfer weit größer sein wird, als bisher gemeldet wurde.

Flüchtlinge aus den zerstörten Distrikten schätzen die Zahl der bei den Waldbränden umgekommenen Berfonen auf 300 bis 400. Wie amtlich gemeldet wird, fst das Feuer im Porcupine- Distrikt seit gestern mit­tag auf seinen Herd beschränkt. Der Schaden wird auf etne Million Dollars geschätzt. Aus den großen Städ­ten des westlichen Ontarios laufen zahlreiche Geld­spenden ein.

Drabtnachrichten und Deuestes.

Ansschreitungen der streikenden Bauarbeiter in Paris Paris, 14. Jult. Gestern abend ist es in vers schiedenen Stadtvierteln wieder zu Ausschreitungen der Streifenden Bauarbeiter gekommen, so daß die Polizei einschreiten mußte. Zehn Bauarbeiter wurden verletzt, mehrere davon schwer.

Opfer der size.

London, 14. Jult. In Birmingham haben ge­stern sechs Personen durch Hitschläge ihr Leben ein­gebütßt. Trier, 14. Jult. Infolge der abnormen Size find in Saarbrücken ein italienischer Arbetter und ein Zugführer trrfinnig geworden. Beide mußten inter­ntert werden. Defertenre der Fremdenlegion.

Madrid, 14. Juli. Aus Melilla wird gemeldet, daß sich nach hier gelangte Deserteure der Fremden­legion in das spanische Lager geflüchtet hätten. Kürz Itch wurden 16 Fremdenlegionäre, die sich auf das Ge­btet der Bufajt geflüchtet hatten, von bewaffneten No maden überfallen und ermordet.

Wiederaufleben der Kämpfe in Marokko.

Paris, 14. Jult. Aus Oran wird gemeldet, daß die Führer der zwischen Fez und dem Muluja­fluß ansässigen Stämme eine Versammlung abgehalten und beschlossen haben, nach der Ernte von neuem gegen dte Franzosen ins Feld zu ziehen.

Generalstreik in Spanien.

Saragossa, 14. Jult. Hier ist der Generalstretk ausgebrochen. Die Läden und Geschäfte sind geschlossen, das Geschäftsleben liegt still. Bisher herrscht in der Stadt Ruhe.

Neuer Aufstand in Meriko.

Merifo, 14. Jult. In Puebla fam es zu einem ernsten Zusammenstoß zwischen Republikanern und Anhängern Maderos, wobei über 40 Personen, darun­ter mehrere Frauen, getötet wurden. Der Anlaß zu dem Zusammenstoß soll ein Angriff betrunkener Re­volutionäre auf das Gefängnis gewesen sein. Berliner Getreide und Schlachtviehmarkt.

In der am 12. Jult beendeten Berichtswoche haben die Getreidepreise am Berliner Markte eine Abschwäch­ung erfahren. Die Ursache hierzu ist hauptsächlich durch den Umstand gegeben, daß diesmal mit einer verhält­nismäßig frühen Ernte zu rechnen ist und infolgedessen die inländische Landwirtschaft schon jetzt mit Verkäu­fen vorgeht. Außerdem hat es den Anschein, als ob die Klagen über mangelhafte Entwickelung der Saaten übertrieben gewesen sind. Wenigstens wirfte es eint­germaßen überraschend, daß die Ertragsschätzung für Winterroggen ein Ergebnis von 7 837 000 Tonnen an­gibt gegen eine vorjährige definitive Schätzung von 7 974 000 Tonnen. Dieses günstige Resultat tst Haupt­sächlich der voraussichtlich reichen Ernte der westlichen Provinzen zuzuschreiben. Die Etnerntung hat im In­lande bet prachtvollem Wetter nahezu durchweg be­gonnen. Während so im Inlande die Verhältnisse sich besser anlassen, als man noch vor kurzem glaubte er­warten zu können, werden die Ernteaussichten der wich­Hgsten ausländischen Produktionsländer etwas weniger vorteilhaft als früher beurteilt. In Berlin wäre Wet­zen infolge inländischen Angebots noch weiter im Pret­se zurückgegangen, wenn nicht russische Deckungskäufe etne Stütze geboten hätten. In Hafer werden die Jult­Iteferungen durch russische Ware beglichen. Mais ist in guter Ware sehr knapp, und bei dem niedrigen Wasser­stand ist das Herbeischaffen neuer Ware schwierig. Am letzten Tage der Berichtswoche stellten sich die Preise für Lieferung im September wie folgt: Weizen 199,25 M., Roggen 166,50 M., Hafer 163,75 M., Mais 148,00 M

Breise des städtischen Schlachtviehmarktes. 1. Dch­fen: a) vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlacht wertes, ungefocht 81 bis 86 M., b) junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 76 bts 80 M., c) mäßig genährte junge und gut genährte ältere 70 bts 75 M. 2. Bullen: a) vollfleischige, ausgewachsene höch sten Schlachtwertes 73 bis 78 M., b) vollfletschige jün gere 71 bis 76 M., c) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 70 bis 72 M. 3. Färsen und Kühe: a) vollfleischige, ausgemästete Färsen höchsten Schlacht­wertes bis M. 6) vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes, bis zu 7 Jahren 65 bts 70 M., c) ältere ausgemästete und wenig guf entwickelte jüngere Kühe und färsen 60 bis 65 M., b) mäßig ge nährte Kühe und Färfen 57 bis 60 M., e) gering genähr te Kühe und Färsen bis 62 M, f) gering genährtes Jungvieh( Fresser)- M. 4. Stalber: a) Doppellender feinster Mast 107 bis 136 M., b) feinste Mastfälber 92 bis 98 M, c) mittlere Mast- und beste Saugtälber 80 bis 88 M., d) geringere Mast- und gute Saugtälber 74 bis 83 A, e) geringe Saugfälber 55 bis 67 M. 5. Schafe a) Mastlämmer und jüngere Maithammel 82 613 88 M 6) ältere Masthammel, geringere Mastlämmer und gut genährte junge Schafe 76 bis 80 M, c) mäßig genährte Sammel und Schafe 68 bts 81 M. 6. Schweine: a) Fett schweine über 3 3entner Lebendgewicht 56 M., b) voll fleischige Schweine 240 bis 300 Pfund 55 bis 56 M., C vollfleischige 200 bis 240 9fund 53 bis 56 M., d) vol fletschige Schweine 160 bis 200 Pfund 52 bis 54 M., vollfleischtae Schweine unter 160 Pfund 50 bts 51