Ausgabe 
15.7.1911 Erstes Blatt
 
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Die Größe der Kolonialreiche.

Es dürfte von Interesse sein, einiges über die 5 größten Kolonialmächte Europas, nämlich Deutsch­land, England, Frankreich, Holland und Belgien zu er­fahren. Eine vergleichende Zusammenstellung über Größe, Menschenmaterial und Finanzen der bedeutend­ften überseeischen Gebiete der europäischen Kolonial­mächte ist jüngst auf Grund amtlicher Berichte erschie nen und besagt folgendes:

Deutschlonds Kolonien umfassen ein Areal von 2 657 000 Geviertfm.( fünfmal die Größe des Mut­terlandes) mit etwa 11 Millionen Farbigen. Der Jah­resetat beträgt etwa 78 Millionen Marf, der gegen­wärtige Stand der Schuld etwa 148 Millionen Wiart. Die Reichszuschüsse sind befanntlich bedeutend gesun­fen und belaufen fich für 1911 noch auf etwa 25%, ill. Mart. Das britische Kolonialreich mit seinem ungeheueren Gebiete von 28% Millionen Geviertfm. und 350 Millionen Einwohnern besitzt einen Jahres­etat von 3% Milliarden Mart und eine Schuld von fast 17 Milliarden Mart. Davon entfallen auf die selb ständigen Kolonien mit 18% Millionen Geviertfm. und nur 16 Millionen weißer Bewohner ein Etat von 1,7 Milliarden Mart( in Ausgabe etwas weniger) und 10% Millionen Mart Schulden. Auf Indten mit fast 5 Millionen Gevierttm. und gegen 300 Millionen Far­biger ein Etat von 1,4 Milliarden Mart( in Ausgabe etwas mehr) und ein Schuldbetrag von 5,7 Milliarden, auf die tronkolonien mit 5 Millionen Geviertfm. und 36 Millionen Einwohner ein Etat von 365 Millionen Mart. Erhebliche Zuschüsse von Seiten des Mutterlan­des zusammen fast 17 Millionen Markt erforder= ten namentlich eine Reihe von noch nicht voll entwickel­ten afrikanischen Kolonien, Ostafrita, Uganda, Niassa­land, Somaliland, Betschuanaland, Nordnigerten. Frankreichs Kolonten mit 5,8 Millionen Ge­viertfm. und 32% Millionen farbiger Einwohner be­sigen zusammen einen Jahresetat von 185% Millionen Mart und eine Schuldenlast von etwa 500 Millionen Mart. Die Zuschüsse des Mutterlandes fitr feine Sto= Tonten, insbesondere für deren militärischen Schuß, be­tragen etwa 65 Millionen Mark jährlich. Algier, das als französische Provinz verwaltet wird, und das Pro­tektorat Tunts find in vorstehenden Ziffern nicht be rücksichtigt. Die holländischen Kolonten mit 2 Millionen Geviertfm. und fast 40 Millionen Einwoh­nern haben einen Etat von 329 Millionen Mart in Einnahme und 373 Millionen Mart in Ausgabe und erfordern daher beträchtliche Zuschüsse. Der Etat des belgischen Kongo mit 2,4 millionen Geviertfm. und 20 bis 30 Millionen Einwohnern( die Angaben schwanken start) ist für 1911 auf 82,7 Millionen Mark veranschlagt. Belgten lehnt es bekanntlich ab, für die Entwickelung dieser aussichtsreichen Kolonie in nen­nenswerter Weise beizutragen.

Geheimhaltung der Vorftrafen im gerichtlichen Verfahren.

Wie der Inf." mitgeteilt wird, hat die Kommis sion zur Aufstellung eines Entwurfes des Strafgesetz­buches in ihrer letzten Sizung für das Einführungs­gesetz eine Vorschrift in Aussicht genommen, daß ge­Löschte Borstrafen im gerichtlichen Verfahren geheim zu halten und nur dann zu erwähnen oder zum Gegen­tand der Berhandlungen zu machen sind, wenn es für die zu treffende Entscheidung nötig ist, und wenn die sonstigen Vorschriften über das Verfahren die Veröf fentlichung unvermeidlich machen. Es handelt sich dabet um die neue Einrichtung der Löschung der Be­strafung in den Registern usw., über deren näheren Bestimmungen der Vorsitzende der Kommission Wirk­licher Geheimer Rat Dr. Lucas in der demnächst er= scheinenden Nummer der Deutschen Juristen- Zeitung" folgende Mitteilungen macht: Von der Löschung" sind nur 3uchthausstrafen ausgeschlossen, die Bestimmung des Vorentwurfs, der auch längere als einjährige Gefängnis- oder Haftstrafen gegen Erwach sene ausnehmen wollte, ist weggefallen. Die Fristen für die Löschung sind nach dem Vorentwurf bemessen, fedoch fitr iugendliche Berurteilte bei den leichteren Strafen von zwet auf drei Jahre verlängert. Der betreffende Absatz des Vorentwurfs ist dahin ein­geschränkt, daß über gelöschte Vermerke( sowohl in dem Strafregister wie in den sonstigen amtlichen Strafver­zeichnissen) nur den Gerichten, den Behörden der Staatsanwaltschaft sowie auf ausdrückliches Ersuchen den höheren Verwaltungsbehörden Auskunft erteilt werden darf. Welche Behörden als höhere Verwaltungsbehörden anzusehen sind, bestimmen die Landesregierungen, für die Reichsbehörden der Reichs­fanzler. Neu hinzugefügt sind endlich folgende Vor­fchriften: Ist einem Jugendlichen, der vorher eine Freiheitsstrafe nicht erlitten hatte, Löschung einer Be strafung bewilligt und hat er sich sett der Löschung wet fere 10 Jahre gut geführt, so tann das Gericht ihn voll­ständige Tilgung der Verurteilung bewilligen, so daß sie in ihren Folgen als nicht geschehen zu erach­fen ist.

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Jugendfreundschaft.

Roman von G. v. Schlippenbach.

( Nachdruck verboten.) Latour stußzte. Sollte ein glücklicher Zufall thm günstig sein?

Zwischen den Buchenstämmen sah er diejenige auf sich zukommen, an die er seit der Bekanntschaft in Nizza voll Sehnsucht gedacht hatte. Seine heißen Augen um­faßten die schlanke Mädchengestalt, er eilte auf sie zu und ergriff ihre beiden Hände.

Sie sehen, ich bin gekommen," sagte Latour mit von Leidenschaft bebender Stimme.

Eva suchte ihm die Hände zu entstehen, thr holdes Gesicht war rosig erglüht. Sie war allein, Adam und Kurt sind mit dem großen Bernhardiner Tante Annas fortgelaufen.

O, sehen Sie mich an," flebte der Franzose, in­dem er Kuß auf Kuß auf die zarten Mädchenhände drückte, wenden Sie sich nicht von mir, das ertrage ich nicht, ich habe mich namenlos nach dieser Stunde gefebnt, nach Ihnen."

" Diese Sprache ist zu fühn, mein Herr," sagte Eva mit mädchenhafter Abwehr, wer gibt Ihnen das Recht dazu?"

Sie wollie gehen, aber er hielt sie zurück. ,, Nein, bleiben Sie," bittet er, bleiben Sie, ich verspreche Ihnen, daß ich mich beherrschen werde."

Er spricht das elegante Pariser Französisch seiner Vaterstadt.

Ein scheuer Blick Evas streift Latour, endlich sagte fie Ieise:

Kommen Sie, ich werde Ihnen den Weg zeigen, wohin wollen Sie?"

Nach Saßnitz; aber morgen werde ich meine Vt­fite in Strandhof machen."

" Ich weiß nicht, ob man sie annehmen wird." ent­

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Wechsel auf höheren preußischen Verwaltungspo ften? Das B. T." erhält von einer Seite, die in Per­fonalfragen orientiert ist, Mitteilungen von einem in Aussicht stehenden Wechsel auf höheren Verwaltungs­posten, die wir unter Vorbehalt wiedergeben. Danach sei als Nachfolger des in den Ruhestand tretenden Prä­sidenten der Oberrechnungskammer in Potsdam, v. Magdeburg, der Oberpräsident von Sachsen, v. Hegel, in Aussicht genommen. Als fünftigen Oberpräsidenten von Sachsen nenne man in erster Linie den Berliner Polizeipräsidenten v. Jagow, und in zweiter Linie den Regierungspräsidenten von Wiesbaden, v. Meister. Weiter wird für jeden Fall als Nachfolger des Herrn v. Jagow der Breslauer Polizeipräsident v. Oppen be­zeichnet.

Eine Konferenz der Vertreter der deutschen Hand­werkerverbände, die soeben in Cassel getagt hat, nahm eine Entschließung an, in der ausgeführt wird, daß die gegenwärtige Zersplitterung in verschiedene Bünde den wirtschaftspolitischen Forderungen des deutschen Hand­werks sehr schädlich und baldmöglichst zu beseitigen ist. Die versammelten Vertreter der Handwerkerverbände beschließen daher, sich zu vereinigen, um eine einheit= liche Haltung des deutschen Handwerks in wirtschafts­politischen Fragen zu ermöglichen. Es sollen die be­stehenden Bünde unter Beibehaltung ihres Bestandes und ihrer statutarischen Aufgaben zu einer Vereinigung zusammentreten. In Bundesstaaten und Provinzen, in denen noch keine Handwerkerbünde bestehen, sind solche zu begründen und der Vereinigung anzugliedern.

Die erste Hauptversammlung des Reichsverbandes deutscher landwirtschaftlicher Genossenschaften hat am Donnerstag unter Beteiligung von 20 000 landwirt­schaftlichen Genossenschaften Deutschlands in Hannover stattgefunden. Der Vertreter des preußischen Finanz­ministeriums wies darauf hin, daß die in letzter Zeit von einigen wenigen extremen Kreisen gehegte Befürch= die tung, Zentralgenossenschaftskasse strebe nach einer Monopolisierung des preußischen Genossenschafts­wesens, unberechtigt ist. Die preußische Zentralge­nossenschaftskasse will die Selbsthilfe nicht durch den Staat ersetzen. Sie will die Selbsthilfe, wo es immer möglich ist, unterstützen und dazu beitragen, daß das Genossenschaftswesen gedeiht. Die preußische Zentral­genossenschaftstasse kann und will nur dort mitwirken, wo sie Aussicht hat, einen möglichst hohen Grad von Selbsthilfe zu erzielen.

Der mecklenburgische Ritterschaftskonvent, der ge­stern zur Beratung der Verfassungsfrage in Rostock zu­sammengetreten war, sprach sich für den Ausschluß all­gemeiner Volkswahlen bei der Zusammensetzung des mecklenburgischen Landtages aus.

Ueber die Zentrumskandidatur für die Reichstags= erfazwahl in Düsseldorf am 19. September meldet der B. L.-A.", daß, nachdem eine frühere Kandidatur sich zerschlagen hat, vom Zentrum nunmehr der Bankdt­rektor Friedrich als Kandidat aufgestellt werden soll. Die Kandidatur ist deshalb besonders interessant, wetl Friedrich Mitglied des Hansabundes ist.

Der Verfügung des Reichskolonialamtes, daß zur Erleichterung der Eheschließung zwischen deutschen Ko­Iontalbeamten und deutschen Frauen den deutschen Bräuten von Schutzgebietbeamten eine staatliche Bethilfe zu gewähren set, wenn sie zwecks Vornahme einer Eheschließung ihre Ausreise nach den Kolonten antreten, ist auch die Reichspostverwaltung für die in den Kolonien tätigen Postbeamten mit einer ähnlichen Verfügung gefolgt.

Stadtgemeinden und Reichswertzuwachsstener. Be­kanntlich hatten bereits vor dem Inkrafttreten der Reichswertzuwachssteuer zahlreiche Stadtgemeinden eine Wertzuwachssteuer eingeführt. Da der Anspruch dieser Stadtgemeinden auf die Steuer laut 8 60 des Gesetzes erst am 1. April 1915 erlischt, so versucht, wie man hört, jetzt das Reichsschazamt, die betroffenen Ge­meinden entsprechend abzufinden. Zu diesem Zweck läßt es an Ort und Stelle durch Ministerialbeamte mit den Gemeinden verhandeln, um eine finanzielle Einigung zu erzielen.

Das Kanonenboot Panther", das bekanntlich zu­nächst für Agadir bestimmt war, tritt, wie offiziös mit­geteilt wird, von Teneriffa aus die Heimreise an. An seiner Stelle übernimmt der derzeitige Stationär von

gegnete Eva, die die Abneigung Frau Hatdecks gegen den jungen Franzosen kannte.

" Warum sind Sie hier so anders als in Nizza?" rief Latour, warum diese abweisende Art gegen einen Menschen, der Ste,"

" Nicht weiter," schneidet Eva ihm das Wort ab, sie darf und will es nicht hören, was er ihr sagen möchte, das zudringliche, sieggewohnte Auftreten Ro­bert Latours verletzt sie und dennoch, dennoch,

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ihr Herz pocht so wild, so stürmisch in seiner Nähe. Die herbe Jungfräulichkeit thres Wesens flößt dem Lebemann eine gewisse Scheu ein, sie mehrt aber nur sein leidenschaftliches Verlangen, das Mädchen zu er­obern, das so ruhig und stolz neben ihm einherschreitet.

" Da ist Saßnis," sagte Eva, dann geht sie nach einer fühlen Neigung ihres hübschen Kopfes. Ja, sie hat recht getan, ihn nicht zu ermutigen hinter dem Rücken ihrer gütigen Pflegemutter. Warum ist aber das junge Herz so schwer?

Sie ist doch nicht so leicht zu erobern," denkt La­tour, aber es muß gehen. Erstens ist sie reizend, ich bin ernstlich verliebt und die Frau Haided muß sehr retch sein. Nun heißt es diplomatisch vorgehen, um nichts zu verderben."

In namenloser Aufregung erreichte Eva Strand­hof. So war Latour ihr doch gefolgt! Was würde Tante Anna dazu sagen? Und wieder durchlebte das junge Mädchen die Zeit in Nizza. Welche Macht besaß der Mann über sie, den sie so wenig fannte. Wie ein magnetisches Etwas zog es sie zu ihm hin, gab es denn einen Zauber, dem man willenlos unterliegen muß? Liebte sie ihn wirklich?

Heiße Röte färbte Evas Wangen, sie mußte Frau Haideck sagen, daß Latour in Saßniß war, eine Heim­lichkeit wäre Eva unmöglich gewesen, dazu war ihr Cha­rafter zu wahr und zu offent.

" Tante Anna." sagle Eva offen, Latour ist in Saß­

Deutsch- Südwestafrika Eber", für den vor Agadir Ite genden Kreuzer Berlin" den Post- und Telegraphen­dienst und wird die Berlin" zeitweilig ablösen, falls diese zum Kohlen vorübergehend einen andern Hafen aufsuchen sollte.

Kleine Nachrichten.

Ehrengeschenke Kaiser Wilhelms. Kaiser Wilhelm hat am Donnerstag, wie aus Dover gemeldet wird, goldene Uhren als Ehrengeschenke für die Küstenwache gesandt, die seinerzeit dem bet Dover gescheiterten Se gelschiff Preußen" Hilfe in der Not erwiesen hatte. Prinz Adalbert von Preußen, der zur Marineata demie tommandiert und bis zum Beginn der großen Herbstmanöver beurlaubt ist, übernimmt nach Beendt gung des Urlaubs das Kommando auf dem zur ersten Reserve- Torpedoboots flotille gehörigen Torpedoboot " G. 110".

Die Königin von England wird, wie die Kreuzatg. mitteilt, noch vor ihrer Reise nach Indien nach Deutsche land gehen, um einige Tage in Neu- Strelik bet ihrer Tante, der Großherzogin- Witwe von Mecklenburg Streliz zuzubringen, die am 19. Jult in ihr 90. Lebens jahr tritt.

Beschimpfung eines Geistlichen durch französische Soldaten. Gestern abend wurde ein Priester beim Vo rübergehen an der Kaserne von Soldaten des 49 In fanterieregiments in Bayonne auf die gemeinste Weise befchimpft. Der Regimentsfommandeur entschuldigte sich persönlich und bestrafte das Bataillon, dem die Schuldigen angehören, mit Urlaubsentziehung.

Ueber eine Aufsehen erregende Erfindung wird aus Paris gemeldet: Der Vizefähnrich Lemair erfand einen Kompaß, der nicht den magnetischen, fondern den geo graphischen Nordpol anzeigt. Die Erfindung ist um To wertvoller, als die ungeheuren Stahlmassen der Kriegsschiffe den Kompaß start beeinflussen.

Durch Bruch des Hauptrohres der Berliner Wassers werke wurde Donnerstag der Wilhelmsplatz zu Char lottenburg und seine Umgebung im weiten Umfretse unter Wasser gefeßt. Durch die Wassermengen, die mit elementarer Gewalt dahinströmten, wurden in den an­stoßenden Straßen zahlreiche Keller überschwemmt und ber Verkehr auf lange Zeit gesperrt.

Interessante Schießversuche wurden auf dem Trup penitbungsplatz Felsenborn bet Cöln angestellt. Das Artillerieregiment Nr. 51 brachte mit dem neunten Schuß einen Ballon zur Erde, das Artillerieregiment Nr. 15 schoß nach wiederholten Versuchen das den Bal Ion haltende Drahtseil entzwet. Der Ballon verschwand in südwestlicher Richtung über die Grenze.

65 000 leerstehende Wohnungen gibt es zurzeit in den 48 Gemeinden Groß- Berlins; davon sind in Ber Iin selber annähernd 30 000, darunter 21 000 sogenannte Kleinwohnungen bis zur Größe von zweiẞimmern und Kliche. Von einem Wohnungsmangel fann also m Berlin nicht gut die Rede sein.

Auf einem Ziegelofen erftidt. 8wei auf einem Bie gelofen eingeschlafene Arbeiter eritidten in Dutsburg burch ausströmenden Rauch. Die Wiederbelebungsver suche waren erfolglos.

Schwerer Fliegernnfall. In Leuwarden in Holland machte der Flieger Clieslagers abends einen Aufstieg. Er fah sich plötzlich zur Landung gezwungen und ging mitten unter der dicht gedrängten Menge nieder. Vier Damen wurden verletzt, davon eine schwer.

Volkswirtschaftliches.

Arbeitslöhne in Japan. Dem Finanziellen und wirtschaftlichen Jahrbuch für Japan, das vom japant schen Finanzminister herausgegeben wird, entnimmt die " Soziale Praris" eine Reihe bemerkenswerter An gaben. Wir geben daraus die wichtigsten Daten über die Höhe der in Japan gezahlten Arbeitslöhne wie der, ba bet der internationalen Konkurrenz Japans der Lohnfaktor von größter Bedeutung ist. Die bestbezahl ten Arbetter find die Siegelbrenner, die täglich 0,960 Yen( 1 Yen gleich 2,09 Mart) verdienen. Es folgen bte Steinmetzen und Stegeldachdecker mit einem Tages­verdienst von 0,870 en. Am schlechtesten sind bezahlt von industriellen Arbeitern die Soyabrenner, die einen Monatslohn von 8,34 Yen haben oder 0,278 Yen täg Itch, bie Retsreiniger mit 0,340 Yen und di ezucker­bäder mit 0,360 Ven. Einfache Tagearbetter verdienent durchschnittlich 0,490 en, die Löhne der übrigen gelern ten Arbeiter schwanken zwischen 0,450 Yen und 0,700 Yen. Die Löhne für weibliche Arbeiter stellen sich durch schnittlich um die Hälfte niedriger, eine Tatsache, die bet dem Umstande, daß ein hoher Brozentsatz Frauen in den Gewerben beschäftigt sind, sehr ins Gewicht fällt. Sehr niedrig stehen auch die Löhne für landwirtschaft­liche Arbetter. Der Jahreslohn beträgt etwa 39 Yen, Etwas besser stellen sich die Löhne für die Arbeiter, dte in den landwirtschaftlichen Nebengewerben beschäf tigt find. Im allgemeinen sind also die Arbeitslöhne in Japan immer noch sehr niedrig, obwohl fie, nament Itch nach dem russisch- japanischen Kriege, eine steigende Tendenz aufweisen.

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nitz, ich traf ihn heute im Walde."

" Ich kann nicht sagen, daß er mir angenehm ist," entgegnete Frau Haided, ich bege ein gewisses Miß­trauen gegen diesen Abenteurer."

" Ist das nicht ein zu harter Ausdrud," versetzte Eva leise, wir wissen doch nichts Schlechtes von thm." " Komme einmal her, mein liebes Kind," sagte Frau Haided zärtlich, denke, daß ich Deine Mutter fet, dte zu Dir redet. Du hüllst zu leicht jeden in das ideale Gewand Deines poetischen Gemittes, ich aber möchte Dir bittere Enttäuschungen ersparen. Ich bitte Dich, gegen mich immer gleich offen zu sein; ich habe leider an Karla erleben müssen, daß sie sich hinter meinem Rücken mit einem Manne verlobte, den ich nicht als ihren Gatten gewählt hätte. Da Latour uns hierher folgte, muß ich glauben, daß er ernste Absichten hat; fage mir offen, wußtest Du, daß er kommt?" " Nein, Tante."

Evas Augen flossen über, aber der freimütige Blic überzeugte Frau Haideck, daß sie die Wahrhett sprach.

Ich fann ihn nicht aufgeben," dachte Eva, als sie in der Nacht schlaflos dalag, jetzt erst weiß ich, daß ich Robert Latour liebe. Ob er es verdient, weiß ich nicht fragt denn die Liebe danach?"-

Es war schon Sommerbesuch in Strandhof und am folgenden Tage tamen noch mehrere befreundete Fa milien an. Frau Haldeck, die selbst die größte Be herrschung übte, verlangte sie auch von Eva. Diese wusch ihre verweinten Augen und fleidete sich an; der Stettiner Dampfer wurde erwartet, ein liebenswürdi ges altes Baar, intime Freunde des Hauses, ein Herr Olten und seine Frau sollten ankommen. Eva bekam den Auftrag, in der Villa Petersburg nachzusehen, ob die Zimmer für die Gäste in Ordnung waren. Ich gehe zum Landungsplatz hinunter," sagte Frau Hatbed.

( Fortsetzung folgt.)