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Der deutsche Michel als Nothelfer.

Man hat fich allmählich daran gewöhnt, daß an allen un­ngenehmen Dingen, die in der Welt passieren, Deutschland te Schuld trägt. In der Welt der Politik stellt Deutsch­fand sozusagen das böse Prinzip dar. Dieser üble Ruf, in den der deutsche Michel geraten ist, hat aber nicht in allen Fällen die abschreckende Wirkung gehabt, die man sich da= von versprochen hatte. Die Macht des Bösen hat noch immer auf alle Bedrängten un Bedrückten eine geheimnisvolle Anziehungskraft ausgeübt. So ist der deutsche Michel nicht nur der schwarze Mann", von dem alles Unheil stammt, sondern zugleich für alle Unterdrückten ein Nothelfer ge= worden, den man anruft, wenn man sich anders nicht zu Helfen weiß. Als Persien zwischen England und Rußland gerdrückt zu werden schien, richtete es hilfeflehend die Blicke nach Deutschland. Auch in Marokko hat man stets in Deutschland einen Beschüßer gesehen, und wenn sich Muley Hafid jetzt die französische Hülfe gefallen läßt, so mag dabet der geheime Hintergedanke maßgebend sein, daß Deutschland französische Uebergriffe nicht dulden werde. Auch die Tür­fei fieht in Deutschland einen Beschüßer ihrer Unabhängig­teit und weiß bei passender Gelegenheit den deutschen Mi­chel geschickt gegen andere Mächte auszusptelen, wie man bet der Anletheaffäre gesehen hat.

Aber was will das alles besagen gegenüber der Tatsache, daß man jetzt sogar in Frankreich nach dem schwarzen Mann" gerufen hat! Die Nachricht, daß die aufrührert­schen Winzer im Aube- Gebiet vielfach die deutsche Flag­ge gehißt und in Plakaten an den deutschen Kaiser appelliert Haben, zeigt deutlich, wie sich infolge des ständigen Geredes von dem deutschen Schreckgespenst auch in den Köpfen der Franzosen allmählich die Vorstellung festgesetzt hat, als ob Deutschland eine Art von europäischen Schuhmann dar­stelle, der seine Nase in alle Händel dieser Welt zu stecken bereit ist. An sich braucht man die Sache nicht gerade tra­gtsch zu nehmen; sie hat sogar zweifellos einen starken Stich ins Komische. Indessen hat sie doch auch eine ernste Seite. Mit tem Appell an Deutschland wollten die Win­zer nichts wetier als die Regierung ärgern. Natürlich wird man diesen Arger nun wieder Deutschland auf die Rech­nung setzen, obwohl sich die französische Regierung und vor allem die französische Presse sagen sollten, daß sie allein mit ihrem ewigen Hezen gegen Deutschland die Schuld daran tragen, wenn sich in den Köpfen der Winzer solche wahn­wißigen Vorstellungen gebildet haben.

Eine Totenmesse für die Fremdenlegion.

In Paris wurde am Donnerstag eine kirchliche Feier für die im Dienste Frankreichs, besonders in Marokko, ge fallenen Soldaten veranstaltet. Zu dieser patriotischen Kul­tusfeier waren die Minister des Krieges und des Aus­wärtigen, Vertreter des Präsidenten der Republik und der Großmeister- General der Ehrenlegion erschienen. Zwei kleine Mädchen in elsässischer und lothringischer Tracht trugen Fahnen mit der Aufschrift Metz 1870" und Straß­burg 1870" zum Altar. Die Trauerpredigt hielt der Bischof Herscher von Largres. Darin rief er aus: Ihr beschet­denen Soldaten der Fremdenlegion, die ihr so heftig und hinterlistig angegriffen werdet, seid mit eurem Ruhme über alle Verleumdungen erhaben, von wo sie kommen. Ihr vielgeliebten Kinder Elsaß- Lothringens seld es, die ihr in Marokko die alte Tradition fortsetzt.

Die Rheinisch- Westfälische Zeitung schreibt dazu, auf das tiefste entristet: Unter priesterlichem Segen vereinig ten sich also am 8. Junt die Vertreter des amtlichen Frank­reichs zu einer politischen Kundgebung wider den Frank­furter Frieden, zu einer unerhörten Herausforderung des Deutschen Reiches. In der Tat sett diese Verherrlichung der Fremdenlegton und des elsässischen Protestlertums allem die Krone auf, was wir bisher von Frankreich uns gefallen ließen. Dem gallischen Hahn ist der Kamm ge­schwollen! Trachtenpuppen mit reichsländischen Flügelhau­ben und Brusttüchern legen protestlerische Fähnchen Frank­reich zu Füßen, man preist die Aermsten der Armen als erhabene Heldensöhne der elsaß- lothringischen Erde, die für das alte Vaterland Marokko erobern. Dem ist ja nun let­der fast so. Es waren verlorene Söhne deutschen Bluts vor allem, welche Frankreich sein neues, gewaltiges So­Ionialreich 17mal größer als das Mutterland- schufen, die Algier und Tongking und jetzt Marokko für die Triko­Tore erobern. Ein bedeutsames Zeichen der Bett, daß das amtliche Frankreich heute die Legionäre als Helden und Märtyrer fetert, dieselben, deren Leben man andererseits mit vier Pfennigen täglicher Löhnung einschätzt, die man erbarmungslos auf die Straße stößt, wenn sie als mensch­Itche Wracks den entnervenden Dienst überdauert haben, die man der arme Weißrock war nur einer von Tau­fenden unter afrikanischer Sonne mit wunden Füßen am Wegesrand den Berberweibern zur Verstümmelung, den Hyänen zum Fraß überläßt, denen General Negrier seine berüchtigte doch nur allzu wahre Parole: Verreck' oder marschiere!" ins Ohr schrie'

Zwei Kirschen an einem Stengel.

BO)

Roman von A. von Liliencron. Nachdruck verboten.)

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Der achte deutsche gewerbliche Genossenschaftstag, der gegenwärtig in Frankfurt a. M. seinen Kongreß abhält, beschäftigte sich u. a. mit der Frage der Vergebung von öf­fentlichen Arbeiten und Lieferungen an gewerbliche Ge­nossenschaften. Nach Mitteilung des Referenten hatte der preußische Kriegsminister darauf hingewiesen, daß die Lie­ferungen der Handwerkervereinigungen nicht immer voll befriedigt hätten. Daraufhin hat der Verbandsvorstand sich mit dem Deutschen Handels- und Gewerbe- Kammertag in Verbindung gesetzt, und beide Korporationen haben be­stimmte Gesichtspunkte aufgestellt, die eine Gewähr für ord­nungsmäßige Ausführung der Arbeiten bieten soll. Das Kriegsministerium hat diese Vorschläge gebilligt und wird fährlich einen festen Prozentsaz der zur Bekleidung und Ausrüstung des Heeres notwendigen Gegenstände an Hand­werkervereinigungen überweisen.

Aber er nahm nur ihre Hand, in die er das Kreuz­chen gelegt und hielt ihre zuckenden Finger fest, ganz fest umschlossen.

Eine nachahmenswerte Verfügung hat das hessische Ministerium erlassen, indem es die dortige Oberrechnungs­fammer anwies, von der Einziehung zu wenig verlangter oder zu viel verausgabter Beträge, wie auch umgekehrt, von der Auszahlung zu viel vereinnahmter oder zu wenig verausgabter Beträge abzusehen, soweit es sich um gering­fügige Summen handelt, oder insofern die Ein- oder Aus­zahlung mit Kosten verbunden wäre, welche nicht im rich­tigen Berhältnis zur Höhe des Betrages stehen.

" Das Dingel da sollst nit weggebe," sagte er ,,, und das, was ich Dir dafür gebe dät, das war for das Plä­fier, daß Du min Geschenk noch so achten dätst und..."

Mit einem Rudk hielt der Kutscher an, klopfte mit dem Peitschenstiel an das Fenster und sagte: Det is die Nummer."

Es war den beiden, als ob sie aus einem Traum er­wachten.

,, Das Kleine is auf min Schoß eingeduselt, ich bring se noch die Treppe ruf," sagte er, Kutscher, warten Se a beten!"

Die Neuwahlen zum österreichischen Reichsrat haben am Dienstag stattgefunden. Von den 516 Sigen des Ab­geordnetenhauses befonden sich vor dessen Auflösung 231 im Besize deutscher Abgeordneter. Darunter gehörten 96 der christlich- sozialen Partei an, 85 der deutschfreiheitlichen und 50 den sogenannten deutschen Sozialisten. Der Aus­fall der Wahlen scheint zu bestätigen, daß die Neuwahl den Sozialdemokraten einen bedeutenden Stimmenzuwachs verschaffen würde.

Wünsche der französischen Sozialisten. Die Angestell­ten der drei größten sozialistischen Arbeiterkonsumvereine von Paris, die einen Mindestlohn von 50 Francs wöchent­lich verlangen, sind wegen dieser Forderung in den Aus­stand getreten. Der Verbandsausschuß der Arbeiterkon­sumvereine erklärte, er könne die Forderung der Angestell­ten nur dann erfüllen, wenn auch die Pariser Kaufleute von ihrem Personal gezwungen würden, eine solche Lohn­erhöhung zu bewilligen.

Kathi eilte ihm voran, die Hintertreppe hinauf in den vierten Stock, wo sie wohnten. Vor der offenen Flurtür standen ein paar Männer. Sie kannte die Gesichter, aber nicht die Namen, so manches Mal hatten sie ihren Mann, wenn er nach Hause tam, in ihrer Gesellschaft gesehen. Einer von ihnen berührte ihren Arm, als sie an ihm vor­bet wollte. Madamken, Ihren Mann is was passiert," sagte er. ,, Er hatte ein bißchen schief geladen, denn nach ber Krankheit is ihm das bißken Schnaps fleich zu Kopfe festiegen. Wie er hernach aus der Türe fing, is er die Treppe runner jesaust. Wir haben ihm hier ufs Bette jelejt."

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Die monarchistische Bewegung in Portugal scheint doch ernster zu sein, als es ursprünglich den Anschein hatte. Wie aus Lissabon gemeldet wird, hat an der spanischen Grenze ein Trupp Monarchisten versucht, das Volk aufzureizen. Es soll auch zu einem Zusammenstoß mit den Truppen ge­tommen sein, der mit deren Rückzug endete. Der gestrige Ministerrat beriet über die Mobilisierung von Truppen, die zur Verteidigung der Südprovinz Algarve für den Fall eines Angriffs der Monarchisten dienen sollen. Sämtliche Militärschüler sowie zu Studienzweden beurlaubte Kadet­ten erhielten den Befehl, sich sofort bei ihren Regimentern zu melden. Ausbleibende werden als Deserteure be= trachtet.

Kathi hatte sich kaum die Zeit gelassen, bis zu Ende zu hören, sie trat hastig in ihre Stube. Da lag ihr Mann besinnungslos auf dem Bette.

Ruland, der jedes Wort des Mannes gehört hatte, war mit ihr zugleich in den ärmlichen Raum getreten. Er hatte das schlafende Kind in den Korbwagen gelegt

Der Sultan der Türkei Mehmed V. wird in Uesküb, wohin er sich, wie berichtet, von Salonikt aus begeben hat, ganz außerordentlich gefeiert. Es fanden ein Festzug und Vorführungen von Nationaltänzen statt. Der Sultan ver­teilte Geldgeschenke und spendete den Wohltätigkeitsan­stalten eine bedeutende Summe.

Der türkische Albanesenfeldzug, der von der Türkei große Opfer forderte und auch in letzter Zeit die Kabinette von Desterreich- Ungarn und Italien beschäftigte, ist ein­gestellt worden. Für heute wird eine offizielle Kundgebung erwartet, daß die Aufständischen sich unterworfen haben. Es wird allgemeine Amnestie proflamiert, Reformen wer­den angekündigt. Der Friedensschluß wird auf Grund der Wiener Ratschläge auf den persönlichen Einfluß des Sul­tans zurückgeführt. Ein allgemeiner Systemwechsel scheint bevorzustehen.

Kleine Nachrichten.

Verlobung eines Erzherzogs. In Viareggio fand ge­stern die Verlobung des Erzherzogs Franz Josef mit der Prinzessin Zita von Bourbon- Parma statt. Nach der Feier tst der Erzherzog nach London abgeretst, um den Kaiser Franz Josef bet den Krönungsfeierlichkeiten zu vertreten.

Die 31. Hauptversammlung der Deutschen Reichsfecht schule hat am Sonntag in Schwabach bei Nürnberg getagt Die Jahresrechnung für 1910 zeigt an Einnahmen 117 159 an Ausgaben 82 205 M, fodaß 34 948 M teberschuß bleiben Seit seinem Bestehen hat der Verein für die Reichswaisen. häuser verausgabt: 1045 100 M, für Bau und Einrichtung 416 400 M, an Zuschüsser zu ihrer Unterhaltung 536 927 M. Es bestehen bis jetzt 5 Reichswatsenhäuser.

Die frühere kaiserliche Jacht Kaiseradler", deren Ver­fauf in den letzten beiden Jahren wegen zu niedrigen An­gebots zweimal scheiterte, soll durch Vermittelung einer Danziger Schiffsbaufirma mit Genehmigung des Reichs­marineamts nach Chile zu befriedigendem Preise verkauft worden sein.

und wandte sich an die junge Frau, die dem Bewußtlosen das Blut von der Stirne wusch.

Der Deutsche Drogisten- Verband von 1873, E. V., htelt seine von nahezu 500 deutschen Drogisten besuchte 30. De legiertenversammlung in Dresden ab. An dieser Versamm. lung nahmen avd teil Vertreter der Drogistenforporatio. nen Desterreichs, der Schweiz und aus Rußland.

Eine Spur vom gefangenen Ingenieur Richter. Eine Patrouille hat in der Umgebung von Livadia in den Bergen eine Visitenkarte des Ingenieurs Richter gefunden. Man nimmt an, Richter habe sie geflissentlich fallen lassen, um die Verfolger auf die Spur der Räuber zu führen. Eine Versammlung der Generalstreif der Seelente. Seeleute in Amsterdam hat gestern einstimmig die Verfün­digung des allgemeinen Ausstandes bei sämtlichen Schiff­fahrtsgesellschaften beschlossen. Der Ausstand soll heute be­

Jch bring Di a Dofter," sagte er, sie nickte stumm und sah ihn dankbar an.

Eine halbe Stunde später kam er mit dem Arzte zu­rück. Der stellte eine Gehirnerschütterung fest und eine innerliche Verlegung. Eine Heilung hielt er nicht für ausgeschlossen, aber lebenslanges Siechtum für wahrschein­lich.

Trostlose Aussichten," dachte Ruland, und ein tiefes Weh überkam ihn bei dem Gedanken, welch schweres Kreuz auf seiner Jugendfreundin ruhte.

ginnen.

Cholerafall auf einem Lloyddampfer. An Bord des von Genua in Neuyork gestern angekommenen Lloyddampfers Berlin starb auf offener See der Russe Bragio an Cholera. Der Dampfer ging in Quarantäne und wurde vollständig desinfiziert.

Absturz eines Fliegers in Italien. Der Flieger Frey ist gestern abgestürzt. Er fiel in einen Wald auf dem Berge Cimino und wurde von einem Hirten aufgefunden. Er lag ohnmächtig mit gebrochenen Armen und Beinen un­ter dem Motor. Später kam er wieder zum Bewußtsein und wurde ins Krankenhaus gebracht.

Ein schweres Eisenbahnunglück hat sich Dienstag mit­tag in der kleinen Station Schwarzenacker in der Pfalz er­eignet. Dort fuhr der Güterzug auf einen Prellbock auf. Die Lokomotive, der Tender und einige Güterwagen stürzten übereinander. Der Lokomotivführer ist tot, mehre­re andere Beamte wurden schwer verletzt aus den Trüm­mern gezogen.

Von den Hausbewohnern hatte er ohne seinen Willen mehr über die beiden gehört. Er wußte nun Bescheid. Die Zähne biß er zusammen, wenn er an diesen Mann dachte, der ihm sein Liebstes genommen und den Schatz nun nicht einmal achtete, sondern ihr noch über Gebühr aufbürdete. Sie aber, sein sonniges Liebchen, sein troziger Brausekopf, war herangereift zu einer tapferen Frau, die, ohne zu flagen, mutig vorwärts ging und feine Arbeit, feine Ent­behrung scheute. Konnte er nicht, wie er es einst geträumt, thr und sich das Nest bauen, nun, so wollte er doch wenig­stens für sie sorgen, soviel es in seiner Macht stand.

Am nächsten Tage tam Hans nochmal zu Katht. Der Zustand ihres Mannes war derselbe, große Schwäche, teil­weise Bewußtlosigkeit. Hans stand mit ihr am Kranken­bette.

Eine folgenschwere Explosion rief in der Nacht zum Dienstag auf dem Bahnhof in Pforzheim große Aufregung hervor. In einem Bahnpostwagen explodierte ein Paket mit Knallforken. Der Bahnpostschaffner erlitt einen Schen­kelbruch und wurde im Gesicht so schwer verlcht, daß beide Augen gefährdet sind.

Es wird nicht leicht sein, die Pflege," meinte er ,,, gelt Kathi, Du darfst nit zu arg treibe. Mußt Dir halt auch a bissel Ruhe gönne!"

Großer Schaden durch Kälte und Unwetter. In den beiden letzten Nächten machte sich in Rheinland- Westfalen, besonders im Sauerland, eine ganz enorme Kälte bemert­bar. Es hat an den höher gelegenen Stellen stark gefroren, wodurch großer Schaden an den Feldfrüchten angerichtet wurde. Auch in einigen Weinbergsanlagen hat die plötzlich aufgetretene Kälie sich sehr fühlbar gemacht.

Sie trocknete dem Kranken den Schweiß von der Stirn. Hier is mein Plaz, hier bliew ich und halt ut. Gott wird helpe!"

Ein schauriges Familiendrama hat sich gestern in dem kleinen spanischen Orte Benavento in der Provinz Zamora abgespielt. Dort hatte der Stadtrichter Valverdo gemein­fam mit seinem Sohn seine hochbetagte Mutter ermordet. Der Anlaß zu der Tat soll in Familienzerwürfnissen zu suchen sein.

Er drückte ihr die Hand. Was bist for a braves Wief! Gelt, a ganz klein bissel fannst mir was zu Gefalle tun!"

Sie sah ihn fragend an, und er fuhr fort: Schau.

Ein ungewöhnliches Verbrechen ereignete sich in einer Barbierstube in der spanischen Stadt Toledo. Zwischen dem Inhaber und einem seiner Kunden, den er gerade unter dem Messer hatte, kam es zu einer Auseinandersetzung. Der Barbier wurde plötzlich wild und schnitt seinem Kun­den mit dem Rasiermesser mit einem Ruck die Kehle durch. Der Mörder konnte entkommen.

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

In den Richard Wagner- Festspielen im Münchener Prinzregenten- Theater 1911 wird, wie uns die General­agentur, das amtliche Bayerische Reisebureau G. m. 6. H., vormals Schenker u.Co., München, mitteilt, wie alljährlich auch heuer Fräulein Morena als Sieglinde mitwirken. Außer den schon genannten Gästen treten auf: Frau Schu mann- Heink als Erda, Waltraute, Norne im zweiten und dritten Niebelungenring und Herr Liszewsky( Cöln) als Kurwenal in Tristan und Isolde" am 31. Jult.

Kopfgröße und Begabung. Im deutschen Verein für Schulgesundheitspflege hielt Dr. Bayerthal- Worms einen Vortrag über Kopfgröße und Intelligenz im schulpflichtigen Alter. Er kennzeichnete zunächst den Zusammenhang zwi schen Kopfform und Hirnvolumen und zeigte weiter, wie mit abnehmender Kopfgröße die über der Normale stehen­den Anlagen abnehmen. Dagegen findet sich der größte Kopfumfang nicht bei den begabtesten Kindern. Die In­telligenz des Kindes hängt entschieden von der Gehirngröße ab. Der Kopf der Knaben ist immer größer als der der Mädchen, und infolgedessen ist auch das Mädchen nicht so intelligent wie der Knabe. Dem Tabellenmaterial des Red­ners war zu entnehmen, daß sehr gute intellektuelle An­lagen ausgeschlossen erscheinen: bet Knaben im Alter von 7 Jahren mit einem Kopfumfang unter 48 Zentimeter, tm Alter von 12 bis 14 Jahren mit einem Kopfumfang unter 50% Zentimeter; bet Mädchen im Alter von 7 Jahren mit einem Kopfumfang unter 47 Zentimeter, im Alter von 12 bis 14 Jahren mit einem Kopfumfang unter 49% Zenti

meter.

wenn Du mich nit bitter kränke willst, dann nimm das noch von mi, ich hab' sonst kein Ruh nit!" Er drückte ih einen Brief in die Hand und war davongeeilt, ehe sie ihn zurückrufen konnte.

Fünf Hundertmarkscheine lagen darin, sein Erspartes und er schrieb ihr dabei, sie solle ihm die einzige Liebe tur und davon nehmen, was sie brauchte. Das Geld könne zu nichts Besserem benutzt werden.

Helle Tränen liefen über Kathis Wangen, als ste schrieb: Vergelts Gott! Ich will davon nehme für min arme Kranke, und nachher will ich arbeite, bis ich Di alles wiedergebe kunnt, aber nie nit werd ich vergesse, wie gut wie furchtbar gut Du gewest."

Vierzehn Tage noch pflegte Kathi in Treue ihren Mann. Die Pflege war nicht schwer, nein, sie war wie ein versöhnender Abschluß ihrer Ehe, denn Julius' Augen hin gen an ihr, wo sie ging und stand, und so manches Mal drückte er ihre Hand und flüsterte: Arme Frau, bist so gut- so gut fannst mir verzeihen?" Seine Hand in der ihren, ein Dankeswort auf den Lippen, so schlummerte er hinüber.

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Ein Jahr war vergangen. In Hennigbach war man fleißig beim Heuen, und Frau Kathi arbeitete tüchtig mit Jetzt war Mittagspause. Die Mutter hatte ihr das Esser herausgebracht und auch ein Körbchen mit Kirschen vom Baume vor der Haustür. Nun saß sie unter dem Heide rosenbusch, verzehrte thr Essen und freute sich an der Klei nen, die neben ihr mit Blumen spielte.

, Willst mir auch was abgebe?" fragte da eine wohl bekannte Stimme.

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Hans Ruland stand neben ihr und setzte sich an ihre Seite. Er sollte dem Vater beim Heuen helfen und hatte ein paar Tage Urlaub bekommen, erzählte er ihr, aber erst hätte er herüberkommen müssen, um zu sehen, wie ihr's ginge.

( Schluß folgt.)

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