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1. Oftober 1907

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40 Personen unter Bergiftungserscheinungen erkrankt. In Klein- Auheim im Kreise Offenbach sind etwa 40 Per­onen an Vergiftungserscheinungen erkrankt. Man führt tefe Erkrankungen auf den Genuß verdorbenen Hackflets ches zurüd.

Die Gattin eines Arztes vom Kottbuserdamm in Ber­Jin wurde gestern nachmittag von einem Omnibus über­fahren. Die Räder gingen ihr kurz unterhalb des Halses aber den Körper. Man rief einen in der Nähe wohnenden Arzt herbet, der zu seinem Entsetzen feststellte, daß die Ver­letzte seine Frau war.

Gemeindevorsteher, Schöffe und Nachtwächter verhaftet. Unter dem Verdacht des wissentlichen Meineids wurden im Straftammerfizungssaale des Landgerichts Ratibor in Oberschleften der Gemeindevorsteher, der Schöffe und ber Nachtwächter, sämtlich aus dem Dorfe Leng bei Ratibor ver­haftet. Der Affäre Itegt eine Wilderergeschichte zugrunde.

Kinder ohne Aufsicht. In Altena( Westfalen) entzün dete ein fünffähriges Kind einen Kinderwagen, in dem sein 1½jähriges Brüderchen schlief. Das Kind erlitt so schwere Brandwunden, daß es bald darauf starb.

Todessturz einer Nachtwandlerin. Eine 34jährige Frau in Lüttich erhob sich in der Nacht im Schlafe aus dem Bett, erstieg das Dach und hängte sich fest schlafend mit den Hän­den an die Dachrinne. Eine Nachbarin erwachte von dem Geräusch, sah die Schlafwandlerin und rief fte entsetzt beim Namen. Die Unglückliche erwachte, stürzte etwa 20 Meter ttef in den Hof und starb infolge Schädelbruches.

Aus den Gerichtssälen.

Das Döberiger Wildererdrama. In dem Berliner Prozeß wegen der Ermordung des Gefreiten Brandt wurde gestern in später Nachtstunde das Urteil gesprochen. Der Angeklagte Arbeiter Bunde wurde wegen Ermordung zum Tode und wegen gewerbsmäßigen Wilderns zu dret Jahren Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte Gärtner Arndt wurde wegen einfacher Hehlerei zu fünf Monaten Gefängnis unter Anrechnung der Untersuchungshaft von neun Monaten verurteilt. Er wurde aus der Haft ent Jassen.

Vermischtes.

Jm Aeroplan von Darmstadt in die Schwetz. Ober­leutnant Real, der bei Euler in Darmstadt das Fliegen erlernt hat, hat das seinem Lehrer gegebene Versprechen, von Darmstadt in seine Heimat zu fliegen, am Donners­tag erfüllt. Er war unter sehr ungünstigen Wetter- und Windverhältnissen Tags vorher von Darmstadt weggeflo­gen und brauchte bis Bensheim 20 Minuten, wo er wegen des böigen Windes glatt landete. Von Bensheim bis Ba­den- Baden brauchte der Eulerpilot 1 Stunde 6 Minuten. In Baden- Baden übernachtete der Flieger. Der Mitt­woch erlaubte ihm infolge des Sturmes, der Gewitter und des Regens eine Wetterreise nicht. Am Donnerstag ist Real von Baden nach Basel, mit einer fleinen Unter­brechung in Heidersheim in Baden, geflogen, wo er um 8 Uhr 10 Minuten abends glatt landete. Er mußte sich auf der ganzen Strede, da, wo er landete, seine Betriebs­mittel selbst beschaffen, sodaß der Flieger, wie im Ernst­falle, ohne jede vorherige Dispositionen ganz auf sich selbst angewiesen war, wo er zufällig landete. Ober leutnant Real hat die Absicht, noch weiter in die Schweiz bis Bern zu fliegen.

Das Offiziersduell in Dels. Auf den Schießständen beim Dorfe Katuschke fand, wie schon telegraphisch ge meldet, Donnerstag abend zwischen den Leutnants Frei­Herrn Jost von Dalwig und Freiherrn Eugen von Loë ein Duell statt, bei dem Leutnant von Loë beim ersten Kugelwechsel einen Schuß in die Brust erhielt. Er wurde schwer verwundet in das Lazarett geschafft, jedoch soll seine Verlegung nicht lebensgefährlich sein. Die beiden Duel­lanten waren bisher die besten Freunde gewesen, man sah fte stets zusammen, und sie schienen unzertrennlich zu sein. Sie standen als einzige Leutnants bei der Maschinenge­wehrabteilung Nr. 8 in Dels, die dem 2. Schles. Jägerba­taillon Nr. 6 zugeteilt ist. Anfangs dieser Woche gerieten fte im Kasino des Jägerbataillons aus geringfügiger Ur­lache in Streit miteinander, der sich zwischen den beiden Freunden so zuspißte, daß es auf der Straße zu Tätlich­feiten zwischen ihnen tam. Nun war ein Duell unver­meidlich, das vom Ehrenrat auch gut geheißen wurde. Wie perlautet, soll Freiherr v. Dalwig der Fordernde gewesen Jein. Der verwundete Freiherr v. Loë entstammt der dem westfälischen Uradel angehörenden Familie Loë.

Schläge im Gerichtssaal. Eine aufregende Szene spielte sich am Freitag im Verhandlungszimmer des Schöffengerichtes zu Hannover ab. Gegen die Eheleute Former Georg Adermann wurde unter Ausschluß der Deffentlichkeit wegen schwerer Beleidigung eines Fabri­tanten verhandelt. Der Ehemann wurde zu einem Mo­nat, die Ehefrau zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt. Nach Verkündigung des Urteils machte die verurteilte Ehefrau fortgesezt Verbeugungen und bedankte sich in ironischer Weise für das gerechte Urteil". Als sie diese das Gericht start verhöhnenden Auslassungen fortsette, rief das Ge­richt sie nochmals vor die Anklageschranke und vernahm ste wegen der Ungebühr Während das Gericht sich dann zur Beratung zurückzog, fiel die Ehefrau Adermann wie eine Furie über den ahrungslos dastehenden Kläger her und mißhandelte diesen. Er vermochte sich gegen die wüten­den Angriffe der Frau nicht allein zu wehren, der dienst­habende Gerichtsdiener mußte unter voller Kraftaufwen= dung die schlagfertige Frau von weiteren Tätlichkeiten abhalten. Frau A. wurde wegen Ungebühr vor Gericht In eine sofort zu vollstreckende 24stündige Haftstrafe ge­nommen; sie wird sich demnächst nun auch noch wegen Körperverletzung verantworten müssen.

Eine Erinnerung an Johann Orth. Der verstorbene österreichische Feldmarschalleutnant Csanadi, der zur Zeit ,. als Erzherzog Johann Salvator auf seinen Rang verzich­tete, der Wiener Militärkabinettskanzlei angehörte, soll in engem Kreise folgendes erzählt haben: Kaum hatte Johann Orth die Monarchie verlassen und sich nach der Schweiz gewendet, als der Kaiser mir auftrug, Orth nach­zureisen und ihn zur Rückkehr zu bewegen und ihm schließ­lich einen Brief zu übergeben, den der Kaiser mir einhän­digte. Ich holte den Erzherzog in Zürich ein und bot meine ganze Beredsamkeit auf, thn zur Rückkehr nach Wien zu bewegen, doch ohne Erfolg. Ich will endlich einmal auf eigenen Füßen stehen," erwiderte Orth. Ich habe Geld, 70 000 Gulden, nun will ich sehen, wie mir die Selb­ständigkeit glückt." Da ich sah, daß meine Worte nichts fruchteten, zog ich den Brief des Kaisers hervor. Orth flog rasch das Schreiben durch. Plötzlich wurde er leichen­blaß. Der Kaiser schrieb ihm, daß sein Verzicht auf den Titel eines Erzherzogs und den Rang eines Feldmarschall­leutnants akzeptiert sei, doch mit der Bedingung, daß er die Grenzen der österreichisch- ungarischen Monarchie nicht

wieder überschreiten dürfe. Zitternd vor Erregung zeigte mir Johann Orth diesen Passus. Nach meiner Rüdfehr meldete ich mich zur Audienz beim Kaiser. Der Kaiser nahm meinen Bericht mit Spannung, doch ruhig entgegen. Bloß als ich auf die 70 000 Gulden zu sprechen fam, fiel mir der Kaiser ins Wort: Er muß viel mehr Mittel ha= ben." Die erwähnte Bedingung wurde genau eingehalten. Johann Orth hat seinen Fuß nie mehr über die Grenzen der Monarchie gesetzt.

Von einem Regiments- Fouragewagen überfahren. Freitag vormittag ereignete sich ein schwerer Unfall auf der Chaussee nach Baumgartenbrüd bei Potsdam. Die Frau eines Bierfahrers aus Berlin befand sich mit ihrem 8 Jahre alten Sohn auf dem Heimweg nach Potsdam. Als ein Fouragewagen des Regiments Gardeduforps vorüber­tam, bat die Frau den Führer, thren sehr ermüdeten Kna ben mit auf den Wagen zu nehmen. Der Soldat wollte den Wunsch der Frau erfüllen und hob den Jungen zu sich auf den Wagen. In diesem Augenblid zogen die Pferde an, der Soldat stürzte vom Wagen und riß den Knaben mit sich. Die Räder des Wagens gingen über das Kind hinweg, bas nur noch als Leiche hervorgezogen werden fonnte. Der Solbat hatte eine Fußverlegung erlitten.

Der Traum der Kaiserin Elisabeth. Ein französischer Schriftsteller, Emil Durer, machte, wie der Pester Lloyd berichtet, bei einem Besuche von Glion bei Montreur die Bekanntschaft einer früheren Lehrerin Mme. Amondruz. Diese erzählte ihm einst, sie habe bet ihren wiederholten Besuchen des Kirchleins von Glion die Kaiserin Elisabeth tennen gelernt, ohne zu wissen, wer die schöne, unglück­liche Dame war. Eines Tages," so erzählt Mme. Anion= weiter, sehr verstimmt; fragte, ob

Abrennen von Brandröhren, die beim Sturm auf gedeckte Räume durch vorkriechende Leute angezündet und in die Schießscharten gehalten werden, um die Leute im Innern auszuräuchern". Die Wirkung ist außerordentlich, da die brennenden Röhren so starke Rauchmassen und derartige Dünste in den Räumen verursachen, daß die Leute im In­nern ausrüden müssen, um nicht zu ersticken. Hieran schloß sich eine Sprengung von Baum stammen, wobei Sprengkörper von etwa 5 Zentimeter Größe um den Baum gebunden oder als Bohrladung in den Baum ge­steckt und elektrisch entzündet werden, sodaß selbst die schwersten Stämme wie dünne Stöcke abfuiden. Dann ka men Tretminen an die Reihe. Es sind das Minen, öle im Sande leicht eingegraben, sofort explodieren, sobald jemand auf fie tritt. Bei dieser Vorführung wurde natür­Itch an dieser Stelle scharfer Munition die Wirkung nur durch Rauchkörper zur Darstellung gebracht. Die Minen werden vom Verteidiger vor seinen Befestigungen angelegt. Sodann wurde ein Stück einer Verteidigungs­stellung dargestellt: Schüßengräben mit Beobachtungs­stand, Drahthindernis und Beobachtungsminen. Die Minen wurden seitens des Verteidigers gezündet, das Drahthin­bernis durch den Angreifer zerstört. Letzteres war beson­Ders interessant. Ein Drahthindernis von 20 Meter Län­ge und 10 Meter Breite war vor einer Feldbefestigung an­gelegt; es schien absolut unzugänglich und ein starker Schutz. Da pirschte sich die Kolonne in Schleichanzügen, d. h. graugrünen Anzügen, fast unsichtbar heran, warf ihre Bomben in das Hindernis hinein und sprang in großen Säßen zurück aus dem Bereich der gefährlichen Bomben. Nach zirka einer Minute ertönte ein fürchterlicher Knall, und das gesamte Hindernis mit seinen Pfählen und dem vielen Stacheldraht war wie vom Erdboden ver schwunden, und ein zerwühltes, aber immerhin passier­bares Gelände bot an seiner Stelle den angreifenden brauchbaren Weg an feindliche

leiben jet. Sie erwiberte, bag ihre Gesundheit nichts au Stellung. An diese Gefechtsepiſode schloß sich eine awette,

wünschen übrig lasse, daß sie aber ein merkwürdiger Traum, den sie in der Nacht gehabt habe, bebrüde. Sie wohnte ihrem eigenen Leichenbegängnisse bei, hörte die Glocken läuten und sah ihren Gatten, ihren Bruder und ihre Freunde dem Leichenwagen, der ihre Leiche trug, fol­gen. Am nächsten Tage sah ich sie nicht in der Kirche, er­htelt aber einen Brief von ihr, daß sie für einen Tag nach Genf gefahren sei. Wenige Stunden später war das ganze Land in Aufruhr. Man hatte in Genf die Kaiserin- kö­nigin von Desterreich- Ungarn erstochen. Ich ging ahnungs­los nach dem Markte von Vevey und sah zu meinem Er­staunen in allen Schaufenstern das Bild jener Dame, der ich täglich in der Kirche begegnet war. Jch eilte mit dem Brief und einem Bildnis der Dame, das sie Elisabeth Wittelsbach" unterschrieben hatte, zu dem Bürgermeister, der ergriffen sagte: Liebe Madame, Sie sehen Ihre Freundin niemals wieder, denn sie ist es, die erstochen wurde. Gott tröste Sie."

Unhonorige Zauberkünstler. In Paris existiert eine Gewerkschaft der Illusionisten", zu der sich die Zauber­Künstler Frankreichs vereinigt haben, und die sich in letter Zeit mit den Praktiken gewiffer Spiritisten beschäftigt hat. Einer der bekanntesten französischen Taschenspieler, M. Re­my, hat nun ein Buch über die spiritistische Praxis erscheinen laffen, in dem er die Vorträge zusammenfaßt, die er über dieses Thema vor der Gewerkschaft der Illusionisten ge halten hat. Er sieht in 50 Proz. aller sogenannten spirt­tistischen Manifestationen Betrügereten der Medien. In Neuyork besteht eine regelrechte Schule, wo angehende Me­dien gelehrt werden, Gegenstände mit den Zähnen zu schleudern, durch einen besonderen Mechanismus Tische tnaden zu lassen, mit Phosphor und Wafferstoff überna­türliches Licht" zu erzeugen oder mit 5 Metern feinen Stoffes, die in einer Eierschale Plaß finden, ein Gespenst zu machen. Am einfachsten machte es freilich ein Medium, das zwet Pariser Gelehrte einmal düpterte. Dte betden Herren waren sehr mißtrautsch und beffanden darauf, wäh rend der Experimente te eine Hand des Mediums zu hal­ten. Durch einen Regtefehler leuchtete plöblich bas Licht auf, und die beiden gelehrten Herren sahen, wie ste da­saßen und sich gegenseitig die Hände drückten. Das Me­dtum hatte inzwischen mit ihren beiden freten Händen die allerschönsten Phänomene" hervorgerufen.

Heiteres vom Wählen. Bei der Landtagsersazwahl, die Fürzlich im bayerischen Wahlkreise Straubing- Bogen- Mit­terfels- Kößting stattfand, spielten sich in mehreren Fällen heitere Szenen ab. In einem Straubinger Wahlbezirk trat ein Wähler ins Wahllokal; es wurde ihm bedeutet, in den als Nebenraum bestimmten Verschlag zu treten, um seinen Wahlzettel unbemerkt ins Kuvert zu stecken; er folgt der Anweisung, setzt sich aber auf den im Verschlag befindlichen Stuhl und Harrte der Dinge, die da kommen sollten. Die übrigen Wähler kamen und gingen, nur der eine blieb ruhig fizen. Schließlich wurde thm die Sache doch zu bunt; er stieg auf den Stuhl, lehnte sich über die Brüstung des Verschlags und rief ins Wahllokal hinein: Wann tomm' denn i d'ran?"- Ein anderer Wähler trat an die Wahl­urne, um seine Stimme abzugeben. Nach Durchsicht der Liste wird ihm vom Wahlvorsteher bedeutet, daß er nicht wählen könne, weil er nicht in der Liste stehe, da er ver­mutlich keine direkten Steuern bezahle. Was zahle ich nicht? Keine Steuern? Zahle ich doch Hundesteuer!" war die in empfindlichem Ton gegebene Antwort. In einem Wahlorte des Bayrischen Waldes tam ein einfaches Bäuerlein mit dem Wahlzettel in der Hand ins Wahllokal. Sein Name stand nicht in der Wählerliste, da er auch keine direkten Steuern bezahlte. Auf den Bescheid, daß er nicht wählen könne, erwiderte er: No, wenns mi do net wähl'n laff'n wollte, nachha muaß t' halt mein Wahlzettel schon dem Kandidaten nunter­selber zum Plarnbauern trag'n!" Einem andern Wähler eines ländlichen Wahl­ortes passierte es im Eifer für die gute Sach", daß er statt des Wahlzettels eine an ihn gerichtete- Fischrech­nung in die Wahlurne legte. Zum Glück fam's auf seine Stimme nicht an.

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Bei Konventionalstrafe teine Strafe! Anmieter ver­sichern, daß sie keine eigenen Kinder haben und auch fünftig soíche nicht halten wollen; im Falle der Zuwiderhandlung gegen diese Vertragsbestimmung soll der Vermieter nicht nur berechtigt sein, von dem Vertrag zurückzutreten, son­dern die Mieter auch eine Vertragsstrafe von 1000 M an den Vermieter zu zahlen haben." Wer es nicht glaubt, daß eine solche Bestimmung jemals in einen Mietvertrag aufgenom= men worden ist, der lasse sich durch die Tatsache belehren, daß kürzlich in Cöln diese wörtlich wiedergegebene Ver­tragsklausel Gegenstand einer gerichtlichen Klage war. Der betreffende Hauswirt hatte ein junges Ehepaar auf Bah­lung der Vertragsstrafe verklagt, weil es in Nichterfüllung der Vertragspflicht dem Kindersegen nicht gewehrt hatte. Der Richter erkannte selbstverständlich die Vertragsklausel als den guten Sitten widersprechend an und wies den Hauswirt mit seiner Klage ab.

Die Sprengminen im Kriege.

Auf dem Truppenübungsplatz Döberitz fand am Don­nerstag eine glänzend durchgeführte Sprengübung der Garde- Pioniere statt, bei der gezeigt werden sollte, mit wel­chen grausigen Mitteln im modernen Feldkriege unsere Pioniere den anderen fechtenden Truppen zur Seite stehen können, vor allem durch Zerstörung von Feldbefestigungen. Das Hochinteressante Schauspiel wurde eingeleitet durch

bte nicht weniger interessant war. Eine Abteilung Pioniere hatte sich bei einem RückzugsGefecht über einen Fluß zu­rüdgezogen, über den eine starke Pfahljochbrücke führte. Sowie sie an die Brücke kamen, wurden Sprengpatro­nen an die Brücke gelegt, und kaum war der letzte Mann hinüber, da flog auch die schwere Brücke mit lautem Knall hoch in die Luft und fam in lauter kleine Stücke zer­frümmert wie ein Regen aus der Luft zurück. Der Feind mußte jenseits des Flusses zusehen, wie die fliehende Trup­pe einen immer größeren Vorsprung gewann. Den Schluß ber Uebung bildete ein Angriff mit Sprengungen auf ein Gehöft. In wenigen Sekunden war auch hier alles wie vom Erdboden rasiert.

Bei all diesen gefährlichen Sprengexperimenten zeigte sich eines ziemlich gleichmäßig: der Pionier, der Minen fprengen und Brandröhren an Schießscharten halten will, muß ein Held sein, ein Tapferer, der mit Freuden sein Le ben für König und Vaterland in die Schanze schlägt, denn wohl in nicht ganz seltenen Fällen wird eine Kugel aus Feindeshand, manchmal wohl auch seine eigene Sprengmt. ne, ihm seine Kühnheit mit dem Leben büßen lassen.

Drabtnachrichten und neuestes.

Vom Kriegsschauplah in Mexiko.

Nenyork, 19. Mai. Die merikanische Stadt Cht­huahua ist von einer großen Schar Insurgenten, angeblich von 2000 Mann, bedrängt. Bewaffnete Banden erschienen in der Vorstadt Nombre de Dios, plünderten die Läden und führten die Pferde fort, trotzdem 1500 Mann Truppen in ber Stadt waren. In Juarez ist im Hospital der Typhus ausgebrochen. Der Ausbruch der Krankheit ist vorzugs­weise darauf zurückzuführen, daß die merikanische Regte­rung fast gar keine Vorkehrungen für die Pflege der Ver­wundeten oder santtäre Maßnahmn getroffen hat. In der Nähe der Stadt Mazatlen soll der Deutsche Katerfeld bet ber Verteidigung seiner Farm von den Insurgenten er schoffen worden sein.

Die beiden Hauptgewinne der preußischen Klaffen: lotterie, gezogen.

Berlin, 18. Mat. Die beiden Hauptgewinne der preußischen Klassenlotterie, je 500 000 Mark, fielen auf die Nummer 12 882, Abteilung 1 und 2.

übt.

Blutiges Familiendrama wegen eines Erbes. Bamberg, 13. Mat. Eine schwere Bluttat wurde l Ober- Wurmbach bei Gunzenhausen in Mittelfranken ver Dort ermordete der Bauernsohn Schuster seinen Schwager, weil dieser einen Bauernhof, auf den er selbst Anspruch zu haben glaubte, geerbt hatte. Schuster überfiel seinen Schwager im Walde bei der Arbeit, schoß ihn nieder und tötete ihn vollends durch zahlreiche Messerstiche ins Genick. Darauf ertränkte er sich in einem nahen Weiher

Von Darmstadt nach Bern im Aeroplan. Basel, 13. Mai. Der schweizerische Flieger Ober Ieutnant Real ist heute früh 5,35 Uhr in Basel zur Fort­segung des Fernfluges Darmstadt- Bern aufgestiegen. Auf der Höhe des Jura stieß das Fahrzeug mit dem rechten Flügel gegen einen Baum und wurde beschädigt. Real blieb unverletzt.

Streifausschreitungen in Zürich.

Zürich, 18. Mat. Der Maurerstreif nimmt bedenkliche Dimensionen an. Eine Polizeiabteilung, die Arbeitswil­Itge beschützen wollte, wurde mit Steinen beworfen und befchoffen; sie zog sich in Eile auf die Wache zurück, auf die die Volksmenge auch Steine warf. In den nachfolgen­den Straßenkämpfen machte die Polizei von der Waffe Be­brauch; es gab auf beiden Seiten Verwundete. Der Regte­rungsrat beschloß die sofortige Aufbietung der Milizen. Englische Staatsmänner im Aeroplan.

London, 18. Mai. Gestern stieg der Aviatiker Gra­ham White auf einem Farman- Zweidecker mit Lord Bal four bis zu einer Höhe von 100 Fuß auf und umflog drei­mal den Flugplatz von Hendon. Später stieg auch der erste Lord der Admiralität Mc. Kenna mit White zu einem Fluge auf.

Bandel und Gerkebr.

Frankfurt, Mai. Viehmarktpreise vom 11. Mai: Preise für 1 3entner Kälber; a) Doppellender feinste Mast ( Lebendgew.) M( Schlachtgew.) M, b) feinste Mast ( Vollm.- Mast) und beste Saugkälber( Lebendgew.) M 57 bis 60,( Schlachtgem.) M 95-100, c) mitttlere Mast- und beste Saugtälber( Lebendgew.) M 52-56,( Schlachtgem.) M 86 bis 93, d) geringere Sangfälber( Lebendgew.) M 45-50, ( Schlachtgew.) M 75-83. Schafe: A. Stallmastschafe: Mast­lämmer und füngere Masthämmel( Lebendgem.) M 41-42, ( Schlachtgew.) M 86-88, 6) ältere Masthämmel, geringere Mastlämmer und gut genährte junge Schafe( Lebendgew.) M( Schlachtgew.) M Schweine: a) vollfleischige Schweine von 80 bis 100 Kilogramm Lebedgewicht( Le­bendgew.) M 47-49,( Schlachtgem.) M60-62, 6) vollfleischige Schweine unter 80 Kilogramm Lebendgewicht( Lebendge­wicht) M 46-47,( Schlachtgew.) M 59-60, c) vollfleischige Schweine von 100-120 Kilogramm Lebendgewicht( Lebend­gewicht) M 47-48,( Schlachtgew.) M 58-59, 6) vollfleischige Schweine von 120-150 Kilogramm Lebendgewicht( Lebend gewicht) M 45-46,( Schlachtgew.) M 56-58.

Briefkasten.

28. 10. Die Beantwortung der Frage in dieser allge­meinen Form ist nicht möglich. Dazu bedarf es einer ein= gehenden Darlegung des Falles.