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Kleine Nachrichten.

Der Berliner Schlachthof ist wegen Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche am Montag abermals gesperrt worden.

Eine Versicherung gegen Schäden durch Maul- und Klauenseuche hat eine Versammlung von Viehhändlern in Göln zu gründen beschlossen. Die Versicherung soll auf die Provinzen Rheinland und Westfalen ausgedehnt werden.

Die Arbeiten am Panamakanal sollen so gefördert wer­den, daß er bereits Ende nächsten Jahres in Betrieb genom­men werden kann. Die Eröffnungsfeierlichkeiten aber sind für später vorgesehen; die feierliche Eröffnung ist für 1. Januar 1915 geplant.

Verratene Prüfungsthemata. Im Gymnasium zu Mys­Iowitz wurde auf Grund einer anonymen Denunziation festgestellt, daß ein Oberlehrerssohn den Abiturienten gegen Belohnung die Themata der schriftlichen Arbeiten verraten hatte. Der Hauptanstifter des Betrugsversuchs soll nach dem Oberschlesischen Tageblatt" der Sohn eines Sanitäts­rats sein.

Ein großer Einbruchsdiebstahl ist in der Nacht zum Sonntag in Cöln bei einem Kaufmann verübt worden. Es wurde eine Kassette mit Bargeld, Wertpapteren und Spar­kaffenbüchern im Werte von über 50 000 M gestohlen. Von den Dieben fehlt jede Spur.

Der Topfhnt als Lebensretter. Glück hatte eine Pub­macherin in Pankow bei Berlin. Als sie spazieren ging, fiel von einem Dach, auf dem Klempnerarbetten verrichtet wurden, ein schwerer Lötkolben auf den Kopf des jungen Mädchens, sodaß es in die Knie stürzte. Glücklicherweise trug es einen hohen Topfhut mit starkem Drahtgeflecht, wo­durch der Schlag so gemildert wurde, daß es nur leichte Verlegungen erlitt.

Lichtbilder in der Kirche. In dem Gotteshause zu Elgin ( Illinois) wird der Pfarrer seinen Kirchenbesuchern dem­nächst anstatt der Predigt Lichtbilder vorführen, weil ihm alle Versuche, mit anderen Mitteln den Kirchenbesuch zu heben, bisher nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben. Nun will er Heiligenlegenden und bedeutsame Ereignisse aus der Kirchengeschichte sowie der Bibel entnommene Handlungen durch den Film seiner Gemeinde näherbringen. Mordversuch und Flucht zweier Gefangener. Zwet Verbrecher schlugen im Gefängnis zu Innsbruck einen Auf­seher mit den eisernen Füßen threr Bettstellen nieder, raub­ten die Schlüssel, öffneten die Tore und entflohen. Beide fonnten später wieder ergriffen werden. Der Aufseher i schwer verletzt.

Ein schweres Automobilunglück wird aus dem Rhein­land gemeldet. Das Automobil eines Fabrikdirektors in Viersen rannte auf der Fahrt nach Dülken gegen einen Baum. Die Steuerung zerdrückte dem Führer den Brust­forb. Der Direktor wurde aus dem Wagen geschleudert und erlitt ebenfalls schwere innere und äußere Verletzungen. Der Zustand der Verletzten ist hoffnungslos.

Aus den Berichtssälen.

Ein großer Landfriedensbruchprozeß, der gegen 16 An­geklagte geführt wird, begann am Montag vor der Straf= kammer in Cöln. Es handelt sich um Ausschreitungen ge­gen Arbeitswillige auf einer fiskalischen Baustelle im Of tober vorigen Jahres. Als Schuhleute die Arbeitswilligen nach Hause begleiteten, entstand ein regelrechter Kampf, wobei man mit Pflastersteinen und Gummischläuchen auf die Polizisten eindrang, während diese mit blankem Säbel vorgingen. Es wurden hterbet zahlreiche Personen verlebt. Ein Schußmann starb infolge der erlittenen Verwundung. Der Gewerkschaftssekretär Fröhlich und der Arbeiter Uel­penich werden beschuldigt, durch aufhebende Reden die Leute zu dem Verbrechen getrieben zu haben. Der Prozeß dürfte die ganze Woche hindurch dauern.

Vermischtes.

Vorbereitungen für die Korfureise. Wie der Inf." mitgeteilt wird, werden auch bei der diesjährigen Korfu= reise mehrere Künstler und Gelehrte den Kaiser begleiten oder Einladungen zu einem Besuch auf Korfu während des Aufenthalts des Kaisers auf der Insel erhalten. Der diesjährige Aufenthalt im Achilleion dürfte über­haupt unter dem Zeichen der Besuche stehen. Man darf als sicher annehmen, daß der Kronprinz und die Kron­prinzessin im Laufe des Monats April auf Korfu ein­treffen. Eine bestimmte Zeit ist dafür noch nicht in Aus­ficht genommen; voraussichtlich wird die Ankunft des Kronprinzen mit seiner Gemahlin zwischen dem 10. und 14. April erfolgen. Ein Vertreter des Auswärtigen Am­tes wird sich im Gefolge des Kaisers befinden, um die amtlichen Angelegenheiten zu erledigen. Zum Teil ist das Schloß Achilleion für den Aufenthalt der kaiserlichen Fa­milie bereits völlig vorbereitet. Jm linken Flügel des eigentlichen Schlosses neben dem sogenannten Kavalier­haus sind 4 Zimmer für die Kinder des Kronprinzen fer­tiggestellt worden, die das Kaiserpaar auf der diesjäh­rigen Reise begleiten. Die Kinderzimmer befinden sich neben den Gemächern der Kaiserin. Desgleichen sind in dem Park bereits Spielpläge für die kronprinzlichen Kin­der angelegt worden. Die Automobilwege, die nach dem Schloß führen, sind verbessert worden, da sie im letzten Winter durch Einflüsse der Witterung stark gelitten ha­ben. Ein Teil der Dienerschaft wird sich zugleich mit mehreren Chauffeuren in den nächsten Tagen nach Korfu einschiffen, um an die Instandsetzung der Räume die letzte Hand anzulegen.

Ein Kind von einem Bären geraubt. Jm Orte Mu­ris an der russischen Jrinowkabahn hat sich während der starken Fröste vor einigen Tagen ein höchst seltenes Vor­fommnis ereignet. Ein von seinem Winterlager aufge­scheuchter Bär hatte das Kind eines Bauern, ein kleines Mädchen, geraubt. Der vom Hunger gequälte Bär hielt sich in den letzten Tagen in der Umgegend des Dorfes in der Nähe der Kuhställe auf, offenbar in der Absicht, in diese bei einer günstigen Gelegenheit einzubrechen. Die Kinder des Dorfes, etwa zwanzig an der Zahl, spielten gerade auf dem Eise des Flusses, als plötzlich ein verzwei­feltes Angstgeschrei ertönte. Aus einem Gebüsch schnellen Laufes ein mächtiger Bär einer Gruppe Kindern zu. Vor den Augen aller packte der Bär ein vierjähriges Mädchen, machte Kehrt und lief davon. Auf das Geschrei der Kinder eilten die Bauern des Dorfes herbei, die sich auf Schneeschuhen an die Verfolgung des Tieres machten. Die ganze Zeit hielt der Bär, der im tiefen Schnee nur sprungweise vorwärtskommen konnte, feine Beute im Rachen. Die von den Bauern abgefeu­erten Schüsse trafen zwar nicht, hatten jedoch zur Folge, daß der Bär seine Beute fortwarf und sich nun eilig bavonmachte. Das Mädchen war, als man es am Wal­besrande aufhob, bereits tot.

eilte von

Schredensszene in einer Menagerie. Als gestern abend in Billancourt bei Paris der Löwenbändiger Ah­med ben Amar in den Käfig seiner Menaaerie stieg, um'

den Löwen Artagnan dem Publikum in sogenannter freier Dressur vorzuführen, zog sich das Tier in die äußerste Ede seines Gefängnisses zurüd und reagierte auch nicht auf Zurufe und Peitschenhiebe des Bändigers. Mit einem Male aber sprang es auf ihn zu und schlug ihn mit seinen Tagen nieder. Schnell eilten Wärter mit glühenden Ei­senbarren hinzu, und nach vielen Bemühungen gelang es ihnen auch den Löwen von seinem Opfer abzubringen. Ahmed ben Amar wurde blutüberströmt in das Kranken­haus gebracht.

Durch Willenskraft zur Körperkraft. Im Berliner Ar­chitektenhause zeigte sich am Sonnabend Herr Stein- Nordini vor einem geladenen Publikum, um seine eigenartigen und, wie man fast sagen darf, wunderbaren Körperkräfte vorzu­führen: Es ist in der Tat verblüffend wie Stein- Nordini nicht allein seine Muskeln in Gewalt hat und sie beliebig ,, butterweich" oder stahlhart machen kann, sondern auch, was er seinem Körper alles zumuten kann, ohne daß er Ver­legungen davonträgt. So läßt er Stachelkugeln aus an= sehnlicher Höhe auf seine stahlhart" gemachten nackten Arme herabfallen, läßt eine mit Spiritus getränkte bren= nende Kugel über seinen nackten Oberkörper rollen und jongliert damit wie mit einem Apfel. Einen mit bren= nendem Spiritus gefüllten Kupferbecher stellt er auf seinen Handrücken, hält seine Arme in die Flammen so lange Zeit, daß der Zuschauer vom bloßen Zusehen Brandblasen bekommt! Es sind dies alles Kunststücke ähnlich denen, wie sie von den indischen Fatiren" gezeigt werden. Das Haupt­stück war aber, daß sich Herr Stein- Nordini lebendig begra= ben" ließ. Er hüllte seinen Körper zum Schuße gegen den Sand in einen Federanzug, verstopfte Nase und Schlund mit Baumwolle. ließ sich in einen verglasten Kasten legen und sich dann mit etwa 10 3Zentner Sand völlig bedecken! Alle vollen Minuten wurde ihm ein Zeichen gegeben. Erst nach 9% Minuten begann er, sich aus seinem Grabe zu be-= freien. So lange hatte er also ohne merkbares Atmen unter der Sandlast zugebracht.- Den interessanten Vor­führungen wohnte auch eine Anzahl von Aerzten bei, die vor und nach dem Experiment Herrn Stein- Nordini un­tersuchten. Es wurde festgestellt, daß zwar der Puls nach­her sehr schwach, sonst aber feine Schwächung des Körpers zu erkennen war. Stein- Nordini behauptet, diese Gewalt über seinen Körper nur durch planmäßige Schulung seiner Willenskraft erreicht zu haben. Um auch anderen diese Fähigkeit zur körperlichen Selbstbeherrschung zugute kom­men zu lassen, will er demnächst in Berlin eine Anstalt für Körperkultur" einrichten, wo er mit eigens von ihm er­sonnenen Apparaten seine Methode lehren wird.

Drei Brüder nach 49jähriger Trennung vereint. Wie aus Chicago berichtet wird, feierten dort deri Brüder, die fast ein halbes Jahrhundert nichts voneinander gehört hatten und nur zufällig zusammentrafen, ein frohes Wie­dersehen. Beim Ausbruch des Bürgerkrieges im Jahre 1861 trennten sich die Brüder David, Cyrus und James Howell in noch sehr jugendlichem Alter. Um sich bei einer späteren Begegnung wiederzuerkennen, hatten sie fich gleich­artige Knöpfe, wie sie ähnlich von den Mitgliedern der re­publikanischen Armee getragen werden, anfertigen lassen und sich gegenseitig das Versprechen abgenommen, diese Abzeichen immer sichtbar an einem oberen Kleidungsstück zu befestigen. Cyrus und David trafen nun schon vor einigen Jahren zusammen und begründeten gemeinsam eine Bank- und Versicherungsgesellschaft in Chicago. Von dem ältesten Bruder hatte keiner von ihnen je etwas ver­Da kam vor kurzem James Howell, der in Wheeling im Staate West- Virginia ein blühendes Geschäft betreibt, in geschäftlichen Angelegenheiten nach Chicago. Ein Bekannter bemerkte den eigentümlichen Knopf, den Howell am Rockfragen trug, und sagte, daß er einen Herren fenne, der ein ähnliches Abzeichen trage. Da stellte es sich heraus, daß der andere Knopfträger Howells jüngster Bru­der war. Alle drei Brüder fanden sich nun zusammen.

nommen.

Kleingeld aus alten Kanonen. Aus bisher unaufge­klärten Gründen macht sich in Paris seit längerer Zeit ein Mangel an kleinen Geldmünzen unangenehm bemerkbar, und da soll nun so schnell wie möglich von der Münze die ansehnliche Summe von drei Millionen Frank in halben und ganzen Sou- Stücken herausgegeben werden. Zum erstenmal feit der Revolution werden nun wieder alte französische Kanonen eingeschmolzen werden, um daraus Kleingeld zu prägen, und zwar hat das Kriegsministerium der Münze alle alten Kanonen zum Geschenk gemacht, die in den Befestigungen in und um Paris umherstehen und teinen rechten Wert mehr haben. Das für den Schmelz= ofen bestimmte Metall dieser ausrangierten Geschütze weist ein Gewicht von etwa sechstausend Zentnern auf.

Luxusliebende Einbrecher. In die Räumlichkeiten eines Klubs, der die Oberen Zehn" einer kleinen englischen Stadt zu seinen Mitgliedern zählt, brachen fürzlich mehrere Bur­schen ein. Bares Geld fanden sie nicht, doch haben sie, wie an den hinterlassenen Spuren nachzuweisen war, einige Stunden lang es sich dort sehr bequem gemacht. Die reich­lich vorhandenen Speisevorräte sind auf die Tafel des Eß­zimmers getragen und bis auf kleine Reste vertilgt worden. Dazu wurde Wein getrunken und tapfer geraucht. Eine Anzahl Zigarren und Zigaretten müssen dann noch mitge­nommen worden sein. Das Erstaunlichste aber ist, daß. die Herren Einbrecher, ehe sie den Klub verließen, noch in aller Seelenruhe ein warmes Wannenbad in den mit Gasöfen versehenen, komfortabel eingerichteten Badezellen genom­men haben.

Der Geldwert von Pianistenfingern. Die respektable Summe von 72 000 Marf ist wie eine Neuyorker Zei­tung berichtet- einem Klaviervirtuosen, Professor Ber­nardo Catillo, gerichtlich zugesprochen worden als Entschä­digung für einen Unfall, den er vor kurzem in einem elek= trischen Wagen in Philadelphia erlitt. Bei einem Zusam­menstoß wurde er an den Händen verlegt und nach erfolg­ter Heilung stellte es sich heraus, daß die Geschmeidigkeit der Finger nicht wieder erlangt werden würde und der Pianist somit auf sein Einkommen von etwa 2000 Mark monatlich verzichten mußte. Er kann jetzt nur noch Unter­richt erteilen, der verhältnismäßig schlecht bezahlt werden dürfte, und somit hat der Gerichtshof die Gesellschaft zur Zahlung des oben genannten Vermögens verurteilt.

Ein Projekt amerikanischer Kapitalisten. Eine ame= rikanische Zeitung behauptet, daß eine Anzahl amerikani­scher Kapitalisten unter Führung des Kupfertönigs Clarce drei Viertel der Republik Guatemala angekauft habe. Das Unternehmen sei mit einem Kapital von 60 Millionen ge­gründet worden, das später auf 200 Millionen erhöht werden soll. Von dem Präsidenten Cabrera wurde die unbegrenzte Ausbeutung von 30 Millionen Acres, unge­fähr des ganzen Landes, genehmigt. Gegen 10 Pro­zent des Nettogewinnes soll die Gesellschaft das ausschließ­liche Recht erhalten, die Minen des außerordentlich erz­reichen Landes auszubeuten, Eisenbahnen zu bauen, Was­serkräfte auszunuzen, Telegraphen- und Telephonverbin­dungen zu errichten und die öffentliche Verwaltung die­ses Gebietes zu übernehmen. Die Ratifizierung des Pro­jektes durch die Regierung von Guatemala steht zwar noch aus, doch wird behauptet, daß sie zweifellos erfolgen werde. Die deutschen Kapitalisten in der Republik Guatemala wollen dieser ungeheuren Konzession gegenüber, der größ­ten, die je eine fremde Gesellschaft angestrengt hat, auf das heftigste opponieren. Die Deutschen besitzen zahlreiche Kautschuk- und Kaffeeplantagen und sind auch industriell mit großem Kapital interessiert.

Der Tod durch Einbildung.

Die Frage, wie weit eine Einbildung die Gesundhett eines Menschen gefährden oder gar seinen Tod herbeifüh­ren kann, erhielt durch einen vor einigen Tagen auf der Arkansas- Bahn in Nordamerika vorgekommenen Unglücks­fall eine eigenartige Beleuchtung. Unter den Beamten der Bahn hatte sich eine Loge gebildet, bei der ein neues Mit­glied nur dann aufgenommen werden konnte, wenn er aller­lei Martern aushielt, die allerdings nur durch Einbildung hervorgerufen wurden. Da aber der Betreffende nicht wuß= te, daß es sich nur um Sinnestäuschungen handelte, so er litten alle neuen Mitglieder nach ihrer eigenen Aussage bei den angeblichen Martern die größten Schmerzen. Diese hörten sofort auf, wenn man ihnen die Binde von den Au­gen nahm und ihnen zeigte, daß sie tatsächlich weder ver­brannt, noch geschnitten worden sind. Die Geheimloge zum gelben Band" bietet ihren Mitgliedern aber beträchtliche Vorteile, so daß der Andrang dazu ein recht großer ist, trotzdem alle bisher glaubten, daß sie zum Beweise ihres Mutes und ihres festen Charakters große Qualen bei der Aufnahme aushalten mußten. Durch den Tod eines Eisen­bahnbeamten William Macduff fam aber die ganze Täu­schung an den Tag, und die Marterzermonie wurde ver­boten. Macduff hatte sich zur Aufnahme in die Loge zum gelben Band" gemeldet. Bevor er als Mitglied eingeführt wurde, mußte er aber die vorgschriebene Marterzeremonie durchmachen. Ihm wurden die Augen verbunden. Dann sagte der Großmeister der Loge nach dem jetzt bekannt ge­wordenen Reglement folgende Worte: Gib mir das glüh­ende Eisen her, damit ich es ihm in das Bein bohre." Diese Worte sagte er vorschriftsmäßig so laut, daß der vor ihm mit zugebundenen Augen Dafißende sie hören mußte. Mac= duff begann sofort zu zittern. Tatsächlich nahm aber der Großmeister nicht ein glühendes Eisen, sondern ein völlig faltes Eisenstück, das auf Eis ein bischen gefühlt worden war. Als er nun mit der eiskalten Eisenspitze die Hand des armen Eisenbahnbeamten berührte, schrie dieser furchtbar auf. Dann wurde damit auf sein Bein gestoßen, wobei der Beamte vor Schmerz ohnmächtig wurde, trotzdem seine Haut ganz unberührt war. Als er aus der Ohnmacht erwachte, fammerte er über die furchtbaren Schmerzen, die er durch die beiden Brandwunden erlitten hatte. Dann wurde er in einem Kühlwagen eingeschlossen, und es wurde ihm mitge= teilt. daß er in der angeblichen Eisesluft des Kühlwagens mindestens zwei Stunden bleiben müsse. 3wet Mitglie= der der Loge blieben bei ihm. Er erklärte ihnen, daß er die Kälte nicht ertrage, und daß seine Füße und Hände bereits erstarrt seien. Er bat die beiden Logenmitglieder, ihm nur für kurze Zeit einen der Pelze zu leihen, mit denen sie bekleidet waren. Tatsächlich war aber der Kühlapparat gar­nicht in Tätigkeit und es herrschte in dem Kühlwaggon, wie durch ein Thermometer, das im Wagen hing, festgestellt wurde, eine Temperatur von 9 Grad Celsius. Es war also verhältnismäßig warme Luft. Plöblich sagte Macduff un­ter Fieberschütteln, daß die Kälte an sein Herz greife und ihn völlig erstarre. Die beiden Logenmitglieder sahen ihn erbleichen und umfallen; sie sprangen zu, um zu sehen, was ihm fehle. Sie hatten aber nur noch eine Leiche vor sich. Die eingebildeten Qualen hatten den Mann tatsächlich ge= tötet. Wie von Aerzten festgestellt wurde, schien sein Tod tatsächlich nur durch Einbildung hervorgerufen worden zu sein.

Drabtnachrichten und neuestes.

Der neue Oberpräsident der Provinz Westfalen. Berlin, 14. März. Zum Oberpräsidenten der Provinz Westfalen ist anstelle des verstorbenen Staatsministers von der Recke der Regierungspräsident Dr. jur. Karl Prinz von Ratibor und Corvay in Koblenz berufen worden. Der Zehnstundentag.

Guben, 14. März. Der Arbeitgeberverband der Laufiber Tuchindustrie hat beschlossen, vom 1. Oktober ab den Zehnstundentag für alle Arbeiter einzuführen.

Verständigung zwischen Luftballon und Erde. Frankfurt a. M., 14. März. Zum ersten Mal ist es gelungen, durch elektrische Wellen eine Verständigung zwischen einem schwebenden Ballon und der Erde herzu­stellen. Vom benachbarten Griesheim stieg ein Freiballon auf. Die ihm nachgesandten elektrischen Wellen wurden von der mitgenommenen Empfangsstation aufgenommen. Bis 600 Meter war die Verständigung sehr gut.

Verunglückte Kinder.

Würzburg, 14. März. Hier wurden von einem um­stürzenden Bretterhaufen dret Kinder des Gärtners Söhn­lein verschüttet. Ein Kind wurde getötet, die beiden an­deren starben später an ihren Verlegungen.

Mord in der Trunkenheit.

Göslin, 14. März. Der Arbeiter Grünwald und der Tischler Klaehn hatten zusammen in der Stadt gezecht und fehrten dann in trunkenem Zustande in das Asyl, in dem fie zu nächtigen pflegten, zurück. Als sie dort ankamen, nötigte Grünwald den Klaehn in seinen Schlafraum, er­griff ein Beil und bearbeitete ihn so lange damit, bis er blutüberströmt zusammenbrach. Er starb furz darauf. Der Mörder wurde verhaftet.

Drei Bergleute getötet.

6 Essen, 14. März. Auf dem Schacht Karl Theodor der Gewerkschaft Diergardt durchschlug die Seilscheibe eine Bühnenzimmerung, auf der 7 Arbeiter standen. Dret von ihnen wurden getötet.

Verbotene Vieheinfuhr aus Frankreich. Straßburg i. E., 14. März. Wegen der Maul- und Klauenseuche wurde die Einfuhr französischen Schlacht­viehes für Elsaß- Lothringen erneut verboten. Die Schlacht­hofbehörden sind angewiesen worden, keine Erlaubnisscheine für französisches Schlachtvieh mehr auszustellen.

Rußland und China.

Petersburg, 14. März. Chinas durchaus unbefriedigende Antwortnote beschäftigt hervorragend die hiesigen offiziellen Kreise. In diesen Tagen wird der Ministerrat zusammen­berufen. Da Rußland auf der Erfüllung der vertrags­mäßigen Rechte fest besteht, wird es China ein letztes ulti­matum mit genauer Frist überreichen. Hiesige offizielle Kreise hoffen, China werde einen Ausweg aus der ver­zwickten Lage finden, indem es erklärt, die unbefriedigende Antwort sei unter dem Druck fremden Einflusses erfolgt. Gemeint ist natürlich Amerika. China werde jenen Ein­fluß abstreifen und nunmehr selbständig entscheiden durch Zustimmung zu den russischen Forderungen.

Vom Vesuv.

Rom, 14. März. Vom hiesigen Laboratorium meldel ein Sonderberichterstatter der Tribuna: Infolge des am Sonntag erfolgten Zusammenbruches des südwestlichen Kraterrandes des Vesuvs hängt die Station der Drahtseil­bahn förmlich in der Luft und kann jeden Augenblick in den Abgrund stürzen. Da der Schlund des Vulkans glück­licherweise nicht verschüttet wurde, strömen die Dämpfe aus dem Innern des Berges ungehindert hervor. Die Seis­mographen sind ruhig. Der Einsturz war nicht die Folge eines Erdbebens, sondern die natürliche Wirkung der Aschen wände des Kraters.

Rom, 14. März. 50 Touristen befanden sich beim Einsturz des Kraterrandes auf der Fahrt dorthin. Der Verspätung der Drahtseilbahn um 5 Minuten verdanken sie ihre Rettung.

Beraubung eines Postwagens. Rom, 14. März. Vom Peninsularexpreßzug wurd zwischen Ala und Bologna der Postwagen erbrochen. Ste ben deutsche Postsäcke sollen geraubt worden sein.