Ausgabe 
15.2.1911 Zweites Blatt
 
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abten die frechen Jungen Schwindeleien. Sie suchten Ge­schäfte auf und zeigten heulend den Zettel vor. In den meisten Fällen ließen sich die Geschäftsinhaber auch erwei­then und gaben Geld. Die erschwindelten Beträge wurden von den Knaben sofort vernascht.

Ein Kind durch einen Flugapparat verletzt. Im der Nähe von Paris streifte der niedergehende Eindecker eines Aviatifers ein neunjähriges Kind und schleifte es eine Strecke von mehreren Metern mit. Das rechte Ohr war ab­gerissen, und der Unterleib zeigte Schürf- und Rißwunden.

Ein tödlicher Unfall beim Rodeln ereignete sich am Sonntag in der Nähe von Pirna. Am Abhange des Hirsch­berges fuhr ein mit einem 11jährigen Mädchne und einem etwas jüngeren Knaben besetzter Schlitten mit voller Ge­walt gegen eine am Bahnwärterhaus angebrachte eiserne Schranke. Das Mädchen erlitt hierbei so schwere Ver­legungen, daß es kurze Zeit darauf starb, während der Kna­be mit leichteren Verlegungen davonfam.

Selbstmord zweier Sergeanten. Zwei Sergeanten der 10. Kompanie des Infanterieregiments Nr. 122 in Heil­bronn haben sich in der Nacht zum Montag am Playpatro­Ste nenmagazin aus unbekannten Ursachen erschossen. wurden morgens nebeneinander sigend tot aufgefunden.

Eine aufregende Szene spielte sich am Sonntag in der Saarbrücker Straße in Berlin ab. Aus unbekannter Ur­fache stürzte sich dort eine 40jährige Schneiderin aus einem Fenster ihrer Wohnung auf den Hof hinab, wo sie mit zer­Schmettertem Schädel liegen blieb.

Aus den Gerichtssälen.

Die Verhandlung gegen den Berliner Rektor Bock ist nunmehr auf den 4. März festgesetzt. Der Angeklagte ist von seiner schweren Erkrankung wiederhergestellt. Bock wird von zwei Rechtsanwälten verteidigt.

Gin sensationeller Beleidigungsprozeß. Unter dem Titel Harden und seine Freunde moralisch geohrfeigt", war seinerzeit ein Artikel in der in Berlin erscheinenden " Wahrheit" erschienen. Dieser gab Anlaß zu einer Privat­flage, die am Montag vor einem Berliner Schöffengericht verhandelt wurde. Privatkläger war der Verleger des Hannoverschen Couriers", Dr. Jänice. Angeklagt war der Redakteur der Wahrheit", Otto Weber. In dem inkrimi­nierten Artikel war die Behauptung aufgestellt worden, daß der Privatkläger, der Reserveoffizier war, durch setne Beziehungen zu dem Schriftsteller Maximilian Harden feine Ehre als Offizier verloren habe und deshalb durch den Oberst Engelbrecht veranlaßt worden sei, seinen Abschied einzureichen. Auf Grund dieses Artikels hat Dr. Jäntde die Privatklage angestrengt. Das Urteil lautete auf 900 M Geldstrafe und Publikation. Die Verurteilung erfolgte wegen Beleidigung und weil das Gericht der Ueberzeugung war, daß von allen Behauptungen der Wahrheit" lediglich die Tatsache erwiesen sei, daß Dr. Jänicke im Anschluß an die Unterredung mit dem Obersten Engelbrecht seinen Abschied eingereicht habe. Alles andere sei unwahr.

Vermischtes.

Der Polizeihund als Ehrenretter. In Stafforth bel Karlsruhe in Baden standen vier Bürger im Verdacht des Baumfrevels. Sie sollten an mehreren hundert jungen Föhren die Knospen böswillig weggebrochen haben und wurden deshalb im Walde an verschiedenen Plätzen auf­gestellt und ein Polizeihund trat in Tätigkeit. Allein, ber fümmerte sich gar nicht um die Männer, sondern schaute immer nur an den Bäumen hinauf, um dort die Grevler zu suchen. So kam man dahinter, daß es Eich­hörnchen waren, welche die Baumfnospen weggebissen und verschleppt hatten, und die vier unschuldig Verdächtigten standen glänzend gerechtfertigt da.

Die Seringspartie nach Kielemal" vor dem Schöffen­gericht. Das Schöffengericht Tempelhof bei Berlin ver­handelte am Montag gegen die Teilnehmer einer Land­partie wegen Uebertretung des Vereinsgesetzes und groben Unfugs. Mehrere junge Leute hatten eines Sonntags einen Ausflug nach Kiekemal" unternommen, bei dem sie ein großes Pappschild wie eine Fahne voraustrugen. An dem Schilde hingen mehrere Heringe und rohe Kar­toffeln. Das Echild selbst trug die Aufschrift: Etsch, wir machen eine Landpartie!" Die Staatsanwaltschaft nahm an dieser Heringspartie Anstoß und erhob gegen die Teil­nehmer Anklage, da eine Veranstaltung im Sinne des Reichsnereinsgesetzes vorgelegen habe und dazu die poli­zeiliche Genehmigung nicht eingeholt worden sei. Außer­dem sei durch den öffentlichen Aufzug ein grober Unfug verübt worden. Das Schöffengericht stellte sich nach kurzer Berhandlung auf den vom Verteidiger vertretenen Stand­punkt, daß die Auffassung der Staatsanwaltschaft nicht zutreffe, und erkannte gegen die Angeklagten auf Frei­Sprechung.

Die Entführung auf dem Zweidecker. In Lyon spielte fich ein Eifersuchtsdrama ab, das großes Aufsehen erregte. Ein zwanzigjähriger Student liebte eine Verkäuferin, die seine Leidenschaft erwiderte, bis ein Aviatiker in ihre Lebenstreise trat. Der flüchtige" Gast entführte die Schöne auf seinem Zweidecker, und aus der Ferne meldete die Treulose dem verlassenen Liebhaber ihre baldige Rück­tehr. Nach fünf Monaten erblickte er sie plötzlich wieder und beschwor sie in neu erwachter Leidenschaft, das alte Verhältnis wiede: aufzunehmen, fand jedoch keine Gegen­liebe mehr. Mun beschloß er, sie und sich zu töten. Er feuerte zwei Revolverschüsse auf sie ab und schoß sich dann eine Kugel in den Kopf. Beide wurden nach dem Spital gebracht.

Offiziersduell in Budapest. Aus geringfügiger Ver­anlassung wurde gestern in Budapest ein schweres Duell zwischen dem Honvedleutnant Benzen und dem Kanzlei­offizier Losonczny ausgefochten. Der Kanzleioffizier glaub­te, daß der Leutnant in einem Kinematographentheater seine Frau figiert und ihr einige Worte zugeflüstert habe, weshalb er dem Leutnant eine Ohrfeige gab. Die Folge war eine Duellforderung. Das Pistolenduell verlief re­sultatlos, und die Duellanten griffen, da sie unbedingt bis zur Kampfunfähigkeit des einen Gegners kämpfen wollten, zu ihren Säbeln. Beide Gegner gingen mit gro­Ber Heftigkeit aufeinander los, und der Honvedleutnant rückte gegen Losonczy derart vor, daß dieser schließlich mit dem entblößten Rüden gegen einen stark geheizten eisernen Ofen gedrückt wurde und dabei Brandwunden erlitt. Der Zweikampf wurde trotzdem fortgesetzt, aber erst beim ach­ten Gange gelang es dem Honvedleuinant, seinen An­greifer fampfunfähig zu machen. Losonczy erlitt an der rechten Kopfseite und auf der Brust Verlegungen und ei­nen schweren Hieb auf die Schulter. Der Honvedleutnant blieb unverlegt.

Ein Streich amerikanischer Spekulanten. In dem baumwollzüchtenden Süden der Vereinigten Staaten wurde eine ungeheure Sensation durch eine Erklärung des Mr. Smith, des kürzlich gewählten Gouverneurs des Staates Georgia, hervorgerufen. Smith sagte, es sei ein Komplott geschmiedet worden, die Baumwollernte dieses Jahres vollständig zu vernichten, und zwar wollen Spe=

fulanten aus Neuŋort Tausende von Insekten einführen, um damit Georgia und Südkarolina, welche beide Staaten bisher von diesen die Baumwollzucht vernichtenden In­seften nicht befallen waren, zu überschwemmen. Wie Smith weiter behauptet, beabsichtigen die Spekulanten, Oftoberbaumwollernte aufzukaufen und sie zu Riesenprei­sen loszuschlagen, sobald der Fehlschlag der letzten Ernte bekannt wird. Smith versicherte, daß er diese ungeheure Anschuldigung auf Grund ganz genauer Erfundigungen erhebe und sie bereits dem Bundesdepartement für Land­wirtschaft mitgeteilt habe.

Ein feiner Kunde. Einen Blid in das Kreditunwesen, unter dem namentlich Handwerker und Kleine Kaufleute zu leiden haben, gestattet ein Vorfall, der sich dieser Tage in Röllinghausen abspielte. Ein Bergmann hatte bei ei­nem Kolonialwarenhändler Waren auf Kredit entnom= men, so daß schließlich eine Schuld von 17 M aufgelaufen war. Da der Kaufmann auf gütlichem Wege nicht zu sei­nem Gelde fommen fonnte, sah er sich veranlaßt, den säu­migen Schuldner zu verklagen. Vor Gericht erklärte sich der Bergmann bereit, die Schuld in Raten abzutragen, und zwar monatlich je eine Mart. Nach dem Termin be­fam der Kaufmann nun folgenden drastischen Brief: ,, Be­treffs der 17 M wissen Sie bereits, daß Ste pro Monat 1 M triegen. Die vereinbarte Mark muß aber bei mir im Hause abgeholt werden, und zwar am Abschlag( dem Tage der Vorschußzahlung an die Bergleute) 50 Pfg. und am Lohntag 50 Pfg., oder jeden Abschlag 1 M. Wie ich Ihnen vor Gericht bemerkt habe, werden Sie nun auch angezeigt, weil Sie die polizeilichen Vorschriften über­treten haben, und zwar öfters, was ich Ihnen beweisen fowie beschwören fann und werde. Ich will Sie trotzdem nicht ins Unglück und sonstige Unannehmlichkeiten hinein­stürzen, weil ich davon keinen Nutzen und auch keinen Schaden habe. Aber Sie müssen mir schriftlich geben, daß Sie mir die Kosten, zu denen ich gestern verurteilt wurde, wieder zurückzahlen wollen." Dieser Gemütsmensch von Schuldner ist aber mit seinem Schreiben an den Unrechten gefommen. Der Kaufmann hat ihn wegen des in dem Briefe offenbar vorliegenden Erpressungsversuches der Staatsanwaltschaft angezeigt, so daß die eigenartige Me­thode, seine Schulden oder wenigstens die Gerichtskosten loszuwerden, noch das Gericht beschäftigen dürfte.

" M. 3" im Schulaufsatz. Aus Eisenach wird der Franks. 3tg." geschrieben: Die Bewohner der Wartburg­stadt hatten, als M. 3" in Gotha verankert lag, tag­täglich nach dem fühnen Segler sehnsüchtig ausgeschaut, und als dann endlich am Dienstag früh der Luftriese in herrlichem Fluge über der Wartburg erschien, da fannte die Begeisterung der Eisenacher feine Grenzen. Natürlich besprach man das denkwürdige Ereignis auch in den Schu­len, und manchem Lehrer schien es ein passendes Aufsatz­thema. In einer hiesigen Bürgerschule lieferte ein acht­jähriger Schüler folgende in Briefform gehaltene Beschrei­bung des Luftschiffs: Liebe Tante. Entschuldige Tante, daß ich heute morgen den Luftballong von Gota aus ge= sehen hatte. Das hatte so eine Form wie'n Schwein oder wie ne 3igarre, nur die Ohren nich so lang raus, es stäfte inein Nätz mit Striden und unten hörte man den Mongtar schnurren. Die Pubiller machten allen Wind hintenraus es fuhr mit die Hörschel( gemeint ist ein Flüßchen) und bei der Wartburg hat es sich geduckt. Von Städtfäld fährt es nach Meh und wird dann frischgebumpt. Härzlichen Grus von Karle."

Einer, der vergessen wurde. In dem Hause Leipziger­straße Nr. 130 zu Berlin, das von der Firma Wertheim für einen Vergrößerungsbau angekauft worden ist, wohnt ein Mieter mit dem schönen Namen Männchen, der jetzt, um die Bedeutung seines Namens zu verwirklichen, vor dem Warenhaus und dem Verkäufer des Hauses ganz tüch­tig feine Männchen macht. Er hat einen mehrjährigen Mietvertrag, dessen Auflösung von dem Verkäufer ver­gessen wurde, und er besteht nunmehr, obschon die Abbruch­arbeiten an mitverkauften Häusern schon vollendet sind, auf der Wahrung seines Rechtes, so daß er förmlich in einem Meer von Trümmern wie auf einem einsamen Ei­land wohnt. Es sind ihm bis jetzt bereits eine Viertel­million Mark geboten worden, aber er ist immer noch nicht mit der Ablösungssumme zufrieden.

Aus dem Reiche der Technit.

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Ein Tunnel unter dem Kaiser Wilhelm- Kanal. interessanter Tiefbau wird im Laufe dieses Sommers in Angriff genommen werden, der einen der wichtigsten, aber auch schwierigsten Teil der Kieler Kanalisation bilden wird: der Bau eines drei Meter weiten, und 180 Meter langen Kanalisationstunnels, der 50 Meter östlich von der neuen Holtenauer Hochbrücke in einer Tiefe von 6 Meter unter der jetzigen und 4 Meter unter der neuen Kanalsohle des Wilhelm- Kanals hindurchzuführen ist, um die Abwässer der Stadt Kiel unter dem Kanal hindurchdrücken zu können; von dort werden sie dann durch einen weiteren, 1500 Meter langen Druckanal weiterbefördert, bis sie durch einen Ka­nal mit natürlichem Gefälle in die Ostsee bei Bülk abge­leitet werden können. Da durch den auf 1% Jahre berech­neten Bau des Kanaltunnels der Verkehr im Kaiser Wil­helm- Kanal feine Beeinträchtigung erfahren darf, wird beim Bau Preßluft zur Anwendung gebracht, ebenso für das Trockenhalten der Baugrube sowie für das Zurück­drängen von Grund- und Kanalwasser. Die Kosten der Tunnelanlage allein sind auf rund eine halbe Million M veranschlagt.

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

Hermann Sudermann hat, wie die Nationalzeitung" erfährt, soeben ein neues Werk vollendet. Es ist eine fünf­aftige Tragödie. Sie führt den Titel: Der Bettler von Syrakus". Die Handlung des Stückes spielt im Altertum. Ein Fall der Heilung von Malaria durch das Ehrlich: Hata wird in Breslau viel besprochen. Ein dortiger Kauf­mann, der in Kamerun an chronischer Malaria erkrankt war und deshalb nach Breslau zurüdfehren mußte, fonnte sich hier nur gegen Verwendung großer Mengen Chinin aufrecht erhalten. Ein Breslauer Spezialarzt machte nun eluen Versuch mit Salvarjan. Es wurde dem Kranken eine Lösung von 800 Gramm( 400 Gramm des Mittels mit 400 Gramm Salzlösung) in eine Vene des rechten Armes einge­führt. Nach mehrmaliger Wiederholung der Injektion fühlt sich der Patient jetzt völlig malariafrei und ist auch durchaus gesund.

Hundert- Millionen- Erbschaften.

Die holländischen und russischen Millionenerbschaften, die nach Deutschland fallen sollen, schießen jetzt wie Bilze nach dem Regenwetter aus der Erde. Und merkwürdig, es finden sich immer Leute, die diese Phantasie für Erust nehmen und Geld und Zeit opfern, um diese Millionen"

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flüssig zu machen. Schon seit mehreren Wochen wurde, włe berichtet, in einer Anzahl Taunusorte eifrig über eine neue Millionenerbschaft disputiert, die von Holland nach Deutsch­land kommen soll. Es hat damit folgende Bewandtnts: Am 1. März 1719 wurde in dem Taunusdorf Oberio 8- bach ein Mann namens Johann Christoph Kilp geboren, der in späteren Lebensjahren nach Holland auswanderte. Hier rettete er einem reichen holländischen Grafen Leben und wurde von diesem dafür zum Universalerben eingesetzt. Kilp ist unverheiratet gestorben und hat setm großes Vermögen einer wohltätigen Anstalt in Amsterdam vermacht mit der Bestimmung, daß der Zinsgenuß dieser Anstalt hundert Jahre zufalle und nach dieser Zeit das Ka­pitalvermögen nebst den inzwischen auflaufenden Zinsen unter seine Verwandten zu verteilen sei. Um das Jahr 1860 sollen die hundert Jahre verflossen und die Erbschaft soll fünf Jahre ausgeschrieben gewesen sein. Sie soll jetzt die Höhe von 159 Millionen Mark erreicht haben. Ersf in den letzten Jahren haben sich einige der Erben um die Sache gefümmert und auf eigene Faust Recherchen ange stellt, die aber noch kein positives Ergebnis gezeitigt haben. Es wurde ihnen aus Holland mitgeteilt, daß zu einer ge­nauen Nachforschung bei den holländischen Behörden Gelder flüssig gemacht werden müßten. Darauf wurde von den Hauptinteressenten zu einer Versammlung aller Erbberech tigten eingeladen, die Sonntag nachmittag um 3 Uhr in dem Taunusstädtchen Kelkheim stattfand und die von etwa 250 Personen besucht war. Vertreten waren Erbberechtigte aus zweiundfünfzig Orten. Nach längerer Besprechung über die bisherigen Schritte bestimmte die Versammlung 47 Vertrauensleute, die wiederum unter sich einen geschäfts­führenden Ausschuß von 17 Mitgliedern wählten, an deffen Spize als Umparteitscher Rechtsanwalt os bach, Frank­furt a. M.- Rödelheim steht. Dieser Ausschuß wird jetzt die weiteren Recherchen nach der Millionenerbschaft in die Hand nehmen Von der Versammlung wurde ihm für die ersten laufenden Ausgaben ein größerer Betrag zur Verfügung gestellt

Seit einigen Tagen befindet sich auch die Bevölkerung in Niederhausen bet Weilburg in einer gewaltigen freudigen Erregung wegen einer Erbschaft von über hun­dert Millionen Gulden holländischer Währung, von denen man fest und sicher behauptet, daß sie dem Ort, in welchem fast sämtliche Einwohner näher oder weiter miteinander verwandt sind, zufallen müssen Es handelt sich um die Hin­terlassenschaft des im vergangenen Jahrhundert verstorbe nen Admirals der holländischen Flotte. Würz, der ein Deutscher war. Dessen Riesenvermögen ist vom holländischen Staate in Verwaltung genommen, weil sich bei seinem Ab­leben legitimierte Erben nicht meldeten. Nun hat eine Familie Georg in Niedershausen seit Urgroßväterzeiten in einer Ecke auf dem Boden eine alte verschlossene Truhe stehen, vor der man annahm, daß fie leer fet. Der jetzige Eigentümer wurde von der Neugier geplagt, er ließ einen Schlosser kommen, der das alte Kunstschloß der altertüm­Itchen Kiste öffnete, worin man einen Stammbaum des Ad­mirals Würz vorfand, der 1828 auf Grund der Kirchenbücher vom Pfarrer aufgestellt ist und der klipp und klar den Nach­mets bringt, daß der berühmte holländische Seemann in Niedershausen geboren ist, und daß dessen nächste Ver­wandte 1828 noch dort gelebt haben, deren Nachkommen sich jetzt als Erben betrachten. Der Stammbaum ist betreffs feiner Richtigkeit 1828 vom damaligen holländischen Konsul in Frankfurt a. M. amtlich beglaubigt. Auf Grund des wohlerhaltenen Dokumentes sollen nun die Erbansprüche durch einen Rechtsanwalt geltend gemacht werden.

Drabtnachrichten und neuestes. Zusammentritt des Dentschen Landwirtschaftsrates.

Berlin, 14. Februar. Heute begann im Herrenhause dte 29. Plenarversammlung des Deutschen Landwirtschafts­rates, au der auch der Herzogregent von Braunschweig, fer­ner Staatssekretär Delbrück und der preußische Landwirt­schaftsminister von Schorlemer teilnahmen. Nach seiner Be­grüßungsansprache, die mit einem Hoch auf den Kaiser, die deutschen Bundesfürsten und die freien Städte schloß, teilte Graf Schwerin- Löwiß mit, daß der Kaiser seinen Besuch für Freitag in Aussicht gestellt habe. Staatssekretär Delbrück überbrachte die Grüße der Reichsregierung. Zum Vorsißen­den wurde Reichstagspräsident Graf Schwerin- Löwitz ge­wählt.

Keine Beteiligung der Flotte an den Kaisermanövern. Berlin, 14. Februar. Von der in der Preffe ge meldeten Beteiligung der Hochseeflotte an den diesjährigen Kaisermanövern der Armee ist an unterrichteter Stelle nichts befannt.

Flugapparate für die Militärverwaltung. Berlin, 14. Februar. Eine Militärfommission erschien gestern auf dem Flugplatz Johannistal und besichtigte zwei Beide Apparate Farmanapparate des Aviatikers Frey. werden in den nächsten Tagen nach Döberitz transportiert werden.

Verhaftung eines Postdefraudanten.

O Bonn, 14. Februar. Wie der Bonner Generalan zeiger mitteilt, ist der Obertelgraphenassistent Hutanus, der, wie gemeldet, nach Unterschlagung von über 90 000 Mart flüchtig geworden war, in Marseille verhaftet worden. Mihhandlung eines Polizisten.

30ppot, 14. Februar. 3u schweren Ausschreitungen gegen einen Polizeibeamten kam es gestern hier. Eine Schar radaulustiger Arbeiter begegnete dem auf einem Patrouil lengange befindlichen Polizeisergeanten Rirmann, der die Leute zur Ruhe verwies. Sofort wurde er von den Bur­schen umzingelt und tätlich angegriffen. Er versuchte sich mit seinem Säbel zu verteidigen, fiel aber dabei zu Boden und nun bearbeiteten ihn die Burschen mit Steinen, Knüp­peln und seinem eigenen Säbel so lange, bis er besinnungs­Ios aus vielen Wunden blutend liegen blieb. Der Beamte liegt im Krankenhause schwer darnieder. Die Erzedenten wurden später in ihren Wohnungen verhaftet. Die russischen Studenten. Petersburg, 14. Februar. Die heutigen Vorlesun gen an der Universität standen unter polizeilicher Bewa­chung. Etwa 1500 Studenten wurden von der Polizei abge­sperrt und 380 in Haft genommen, jedoch bis auf einige Nädelsführer wieder freigelassen. Auch die höheren Frauen­furse wie die anderen fünf hiesigen Hochschulen wurden tagsüber von der Polizei bewacht. In anderen Universi­tätsstädten sind die Versuche, die Hochschulvorlesungen zu stören, fehlgeschlagen.

Ein Wohltäter der Armen.

Wien, 14. Februar. Am Tage der Beerdigung des Bas rons von Rothschild werden in Wien 200 000 Stronen und in Budapest 100 000 kronen an die Armen verteilt werden.

Schwerer Rodelunfall.

Bern, 14. Februar. Jn Geigenhof im Kanton Thurgau fuhren drei junge Leute mit einem Rodelschlitten derart gegen einen Baum, daß ein junger Mann auf der Stelle tot blieb und die beiden anderen lebensgefährlich verlegt wurden.

Schneejälle in Italien.

Mailand, 14. Februar. In Oberitalien sind neuer­dings starte Schneefälle eingetreten. Der Eisenbahnverkehr ist dadurch sehr erschwert. Drohender Generalausstand in Italien. Parma, 14. Februar. Sier fand ein Kongreß der im Syndikat vereinigten Arbeiterorganisationen Italiens statt. Es waren eine viertel Million Arbeiter vertreten. Man be­schloß, im Falle eines Versuchs der Regierung, den Eisen­bahnerausstand gewaltsam zu unterdrücken, in ganz Ita lien den allgemeinen Ausstand zu erklären.