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abten die frechen Jungen Schwindeleien. Sie suchten Gefchäfte auf und zeigten heulend den Zettel vor. In den meisten Fällen ließen sich die Geschäftsinhaber auch erweithen und gaben Geld. Die erschwindelten Beträge wurden von den Knaben sofort vernascht.
Ein Kind durch einen Flugapparat verletzt. Im der Nähe von Paris streifte der niedergehende Eindecker eines Aviatifers ein neunjähriges Kind und schleifte es eine Strecke von mehreren Metern mit. Das rechte Ohr war abgerissen, und der Unterleib zeigte Schürf- und Nißwunden.
Ein tödlicher Unfall beim Rodeln ereignete sich am Sonntag in der Nähe von Pirna. Am Abhange des Hirschberges fuhr ein mit einem 11jährigen Mädchne und einem etwas jüngeren Anaben besetzter Schlitten mit voller Gewalt gegen eine am Bahnwärterhaus angebrachte eiserne Schranke. Das Mädchen erlitt hierbei so schwere Verlegungen, daß es furze Zeit darauf starb, während der Knabe mit leichteren Verlegungen davonfam.
Selbstmord zweier Sergeanten. Zwei Sergeanten der 10. Kompante des Infanterieregiments Nr. 122 in Heilbronn haben sich in der Nacht zum Montag am BlabpatroSte nenmagazin aus unbekannten Ursachen erschossen. wurden morgens nebeneinander sigend tot aufgefunden.
Eine aufregende Szene spielte sich am Sonntag in der Saarbrüder Straße in Berlin ab. Aus unbekannter Urfache stürzte sich dort eine 40jährige Schneiderin aus einem Fenster ihrer Wohnung auf den Hof hinab, wo sie mit zerSchmettertem Schädel liegen blieb.
Aus den Gerichtssälen.
Die Verhandlung gegen den Berliner Rektor Bock ist nunmehr auf den 4. März festgesetzt. Der Angeklagte ist von seiner schweren Erkrankung wiederhergestellt. Bock wird von zwei Rechtsanwälten verteidigt.
Unter dem
Ein sensationeller Beleidigungsprozeh. Titel„ Harden und seine Freunde moralisch geohrfeigt", war feinerzeit ein Artikel in der in Berlin erscheinenden " Wahrheit" erschienen. Dieser gab Anlaß zu einer Privatflage, die am Montag vor einem Berliner Schöffengericht verhandelt wurde. Privatkläger war der Verleger des Hannoverschen Couriers", Dr. Jänice. Angeklagt war der Redakteur der Wahrheit", Otto Weber. In dem inkrimt= nierten Artikel war die Behauptung aufgestellt worden, daß der Privatkläger, der Reserveoffizier war, durch setne Beziehungen zu dem Schriftsteller Maximilian Harden feine Ehre als Offizier verloren habe und deshalb durch den Oberst Engelbrecht veranlaßt worden set, seinen Abschted einzureichen. Auf Grund dieses Artikels hat Dr. Jäntde die Privatklage angestrengt. Das Urteil lautete auf 900 M Geldstrafe und Publikation. Die Verurteilung erfolgte wegen Beleidigung und weil das Gericht der Ueberzeugung war, daß von allen Behauptungen der Wahrheit" lediglich die Tatsache erwiesen sei, daß Dr. Jänicke im Anschluß an die Unterredung mit dem Obersten Engelbrecht seinen Abschied eingereicht habe. Alles andere sei unwahr.
Vermischtes.
Der Polizeihund als Ehrenretter. In Stafforth bet Karlsruhe in Baden standen vier Bürger im Verdacht des Baumfrevels. Sie sollten an mehreren hundert jungen Föhren die Knospen böswillig weggebrochen haben und wurden deshalb im Walde an verschiedenen Plägen aufgestellt und ein Polizeihund trat in Tätigkeit. Allein, ber fümmerte sich gar nicht um die Männer, sondern schaute immer nur an den Bäumen hinauf, um dort die Frevler zu suchen. So kam man dahinter, daß es Eichhörnchen waren, welche die Baumfnospen weggebissen und verschleppt hatten, und die vier unschuldig Verdächtigten standen glänzend gerechtfertigt da.
Die Heringspartie nach„ Kletemal" vor dem Schöffengericht. Das Schöffengericht Tempelhof bei Berlin verhandelte am Montag gegen die Teilnehmer einer Landpartie wegen Webertretung des Vereinsgesetzes und groben Unfugs. Mehrere junge Leute hatten eines Sonntags einen Ausflug nach, Kiefemal" unternommen, bei dem sie ein großes Pappschild wie eine Fahne voraustrugen. An dem Schilde hingen mehrere Heringe und rohe Kartoffeln. Das Schild selbst trug die Aufschrift:„ Etsch, wir machen eine Landpartie!" Die Staatsanwaltschaft nahm an dieser Heringspartie Anstoß und erhob gegen die Teilnehmer Anklage, da eine Veranstaltung im Sinne des Reichsvereinsgesetzes vorgelegen habe und dazu die polizeiliche Genehmigung nicht eingeholt worden sei. Außerdem sei durch den öffentlichen Aufzug ein grober Unfug verübt worden. Das Schöffengericht stellte sich nach kurzer Berhandlung auf den vom Verteidiger vertretenen Standpunkt, daß die Auffassung der Staatsanwaltschaft nicht zutreffe, und erkannte gegen die Angeklagten auf Freisprechung.
Die Entführung auf dem Zweideder. In Lyon spielte fich ein Eifersuchtsdrama ab, das großes Aufsehen erregte. Ein zwanzigjähriger Student liebte eine Verkäuferin, die seine Leidenschaft erwiderte, bis ein Aviatiker in ihre Lebensfreise trat. Der„ flüchtige" Gast entführte die Schöne auf seinem Zweidecker, und aus der Ferne meldete die Treulose dem verlassenen Liebhaber ihre baldige Rückfehr. Nach fünf Monaten erblidte er sie plötzlich wieder und beschwor sie in neu erwachter Leidenschaft, das alte Verhältnis wiede: aufzunehmen, fand jedoch keine Gegenliebe mehr. Mun beschloß er, sie und sich zu töten. Er feuerte zwei Revolverschüsse auf sie ab und schoß sich dann eine Kugel in den Kopf. Beide wurden nach dem Spital gebracht.
Offiziersduell in Budapest. Aus geringfügiger Veranlassung wurde gestern in Budapest ein schweres Duell zwischen dem Honvedleutnant Benzen und dem Kanzleioffizier Losonczy ausgefochten. Der Kanzleioffizier glaubte, daß der Leutnant in einem Kinematographentheater seine Frau fixiert und ihr einige Worte zugeflüstert habe, weshalb er dem Leutnant eine Ohrfeige gab. Die Folge war eine Tuellforderung. Das Pistolenduell verlief resultatlos, und die Duellanten griffen, da sie unbedingt bis zur Kampfunfähigkeit des einen Gegners kämpfen wollten, zu ihren Säbeln. Beide Gegner gingen mit großer Heftigkeit aufeinander los, und der Honvedleutnant rückte gegen Losonczy derart vor, daß dieser schließlich mit dem enthlößten Rüden gegen einen stark geheizten eisernen Ofen gedrückt wurde und dabei Brandwunden erlitt. Der Zweikampf wurde trotzdem fortgesetzt, aber erst beim achten Gange gelang es dem Honvedleutnant, seinen Angreifer fampfunfähig zu machen. Losonczy erlitt an der rechten Kopfseite und auf der Brust Verlegungen und ei= nen schweren Hieb auf die Schulter. Der Honvedleutnant blieb unverleht
Ein Streich amerikanischer Spekulanten. In dem baumwollzüchtenden Süden der Vereinigten Staaten wurde eine ungeheure Sensation durch eine Erklärung des Mr. Smith, des kürzlich gewählten Gouverneurs des Staates Georgia, hervorgerufen. Smith sagte, es sei ein Komplott geschmiedet worden, die Baumwollernte dieses Jahres vellständig zu vernichten, und zwar wollen Spe=
fulanten aus Neuŋort Taufende von Insekten einführen, um damit Georgia und Südtarolina, welche beide Staaten bisher von diesen die Baumwollzucht vernichtenden Insetten nicht befallen waren, zu überschwemmen. Wie Smith weiter behauptet, beabsichtigen die Spekulanten, Oftoberbaumwollernte aufzukaufen und sie zu Riesenpreisen loszuschlagen, sobald der Fehlschlag der letzten Ernte bekannt wird. Smith versicherte, daß er diese ungeheure Anschuldigung auf Grund ganz genauer Erkundigungen erhebe und sie bereits dem Bundesdepartement für Landwirtschaft mitgeteilt habe.
Ein feiner Kunde. Einen Blid in das Kreditunwesen, unter dem namentlich Handwerker und kleine Kaufleute zu leiden haben, gestattet ein Vorfall, der sich dieser Tage in Röllinghausen abspielte. Ein Bergmann hatte bei einem Kolonialwarenhändler Waren auf Kredit entnom= men, so daß schließlich eine Schuld von 17 M aufgelaufen war. Da der Kaufmann auf gütlichem Wege nicht zu setnem Gelde kommen fonnte, sah er sich veranlaßt, den säumigen Schuldner zu verklagen. Vor Gericht erklärte sich der Bergmann bereit, die Schuld in Raten abzutragen, und zwar monatlich je eine Mart. Nach dem Termin befam der Kaufmann nun folgenden drastischen Brief: ,, Betreffs der 17 M wissen Sie bereits, daß Ste pro Monat 1 M triegen. Die vereinbarte Mart muß aber bei mir im Hause abgeholt werden, und zwar am Abschlag( dem Tage der Vorschußzahlung an die Bergleute) 50 Pfg. und am Lohntag 50 Pfg., oder jeden Abschlag 1 M. Wie ich Ihnen vor Gericht bemerkt habe, werden Sie nun auch angezeigt, weil Sie die polizeilichen Vorschriften übertreten haben, und zwar öfters, was ich Ihnen beweisen fowie beschwören kann und werde. Ich will Sie trotzdem nicht ins Unglüd und sonstige Unannehmlichkeiten hineinstürzen, weil ich davon keinen Nutzen und auch keinen Schaden habe. Aber Sie müssen mir schriftlich geben, daß Sie mir die Kosten, zu denen ich gestern verurteilt wurde, wieder zurückzahlen wollen." Dieser Gemütsmensch von Schuldner ist aber mit seinem Schreiben an den Unrechten gefommen. Der Kaufmann hat ihn wegen des in dem Briefe offenbar vorliegenden Erpressungsversuches der Staatsanwaltschaft angezeigt, so daß die etgenartige Methode, seine Schulden oder wenigstens die Gerichtskosten loszuwerden, noch das Gericht beschäftigen dürfte.
„ M. 3" im Schulaufsaz. Aus Eisenach wird der Frants. 3tg." geschrieben: Die Bewohner der Wartburgstadt hatten, als M. 3" in Gotha verankert lag, tagtäglich nach dem fühnen Segler sehnsüchtig ausgeschaut, und als dann endlich am Dienstag früh der Luftriese in herrlichem Fluge über der Wartburg erschien, da kannte die Begeisterung der Eisenacher keine Grenzen. Natürlich besprach man das denkwürdige Ereignis auch in den Schulen, und manchem Lehrer schien es ein passendes Aufsazthema. In einer hiesigen Bürgerschule lieferte ein achtjähriger Schüler folgende in Briefform gehaltene Beschreibung des Luftschiffs:„ Liebe Tante. Entschuldige Tante, daß ich heute morgen den Luftballong von Gota aus gesehen hatte. Das hatte so eine Form wie'n Schwein oder wie ne Zigarre, nur die Ohren nich so lang raus, es stätte inein Nätz mit Striden und unten hörte man den Mongtar schnurren. Die Pubiller machten allen Wind hintenraus es fuhr mit die Hörschel( gemeint ist ein Flüßchen) und bei der Wartburg hat es sich geduct. Von Städtfäld fährt es nach Metz und wird dann frischgebumpt. Härzlichen Grus von Karle."
Einer, der vergessen wurde. In dem Hause Leipzigerstraße Nr. 130 zu Berlin, das von der Firma Wertheim für einen Vergrößerungsbau angekauft worden ist, wohnt ein Mieter mit dem schönen Namen Männchen, der jetzt, um die Bedeutung seines Namens zu verwirklichen, vor dem Warenhaus und dem Verkäufer des Hauses ganz tüchtig seine Männchen macht. Er hat einen mehrjährigen Mietvertrag, dessen Auflösung von dem Verkäufer vergessen wurde, und er besteht nunmehr, obschon die Abbrucharbeiten an mitverkauften Häusern schon vollendet sind, auf der Wahrung seines Rechtes, so daß er förmlich in einem Meer von Trümmern wie auf einem einsamen Eiland wohnt. Es sind ihm bis jetzt bereits eine Viertelmillion Mark geboten worden, aber er ist immer noch nicht mit der Ablösungssumme zufrieden.
Aus dem Reiche der Technit.
Ein
Ein Tunnel unter dem Kaiser Wilhelm- Kanal. interessanter Tiefbau wird im Laufe diefes Sommers in Angriff genommen werden, der eimen der wichtigsten, aber auch schwierigsten Teil der Kieler Kanalisation bilden wird: der Bau eines drei Meter weiten, und 180 Meter langen Kanalisationstunnels, der 50 Meter östlich von der neuen Holtenauer Hochbrücke in einer Tiefe von 6 Meter unter der jetzigen und 4 Meter unter der neuen Kanalsohle des Wilhelm- Kanals hindurchzuführen ist, um die Abwässer der Stadt Kiel unter dem Kanal hindurchdrücken zu können; von dort werden sie dann durch einen weiteren, 1500 Meter langen Drudkanal weiterbefördert, bis sie durch einen Kanal mit natürlichem Gefälle in die Ostsee bei Bülk abgeleitet werden können. Da durch den auf 1½ Jahre berechneten Bau des Kanaltunnels der Verkehr im Kaiser Wilhelm- Kanal feine Beeinträchtigung erfahren darf, wird beim Bau Preßluft zur Anwendung gebracht, ebenso für das Trockenhalten der Baugrube sowie für das Zurückdrängen von Grund- und Kanalwasser. Die Kosten der Tunnelamlage allein sind auf rund eine halbe Million M veranschlagt.
Wissenschaft, Kunst und Literatur.
Hermann Sudermann hat, wie die Nationalzeitung" erfährt, soeben ein neues Werf vollendet. Es ist eine fünfaltige Tragödie. Sie führt den Titel:„ Der Bettler von Syrakus". Die Handlung des Stückes spielt im Altertum. Ein Fall der Heilung von Malaria durch das Ehrlich: Hata wird in Breslau viel besprochen. Ein dortiger Kaufmann, der in Kamerun an chronischer Malaria erkrankt war und deshalb nach Breslau zurückkehren mußte, fonnte sich hier nur gegen Verwendung großer Mengen Chinin aufrecht erhalten. Ein Breslauer Spezialarzt machte nun einen Versuch mit Salvarjan. Es wurde dem Kranken eine Lösung von 800 Gramm( 400 Gramm des Mittels mit 400 Gramm Salzlösung) in eine Vene des rechten Armes eingeführt. Nach mehrmaliger Wiederholung der Injektion fühlt sich der Patient jetzt völlig malariafrei und ist auch durchaus gesund.
Hundert- Millionen- Erbschaften.
Die holländischen und russischen Millionenerbschaften, dte nach Deutschland fallen sollen, schießen icht wie Pilze nach dem Regenwetter aus der Erde. Und merkwürdig, es finden sich immer Leute, die diese Phantasie für Ernst nehmen und Geld und Zeit opfern, um diese Millionen"
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flüssig zu machen. Schon seit mehreren Wochen wurde, wke berichtet, in einer Anzahl Taunusorte eifrig über eine neue Millionenerbschaft disputiert, die von Holland nach Deutschland kommen soll. Es hat damit folgende Bewandtnis: Am 1. März 1719 wurde in dem Taunusdorf Oberio 8- bach ein Mann namens Johann Christoph Kilp geboren, der in späteren Lebensjahren nach Holland auswanderte. Hier rettete er einem reichen holländischen Grafen das Leben und wurde von diesem dafür zum Universalerben eingesetzt. Kilp ist unverheiratet gestorben und hat großes Vermögen einer wohltätigen Anstalf in Amsterdam vermacht mit der Bestimmung, daß der Zinsgenuß dieser Anstalt hundert Jahre zufalle und nach dieser Zeit das Ka pitalvermögen nebst den inzwischen auflaufenden Zinsen unter seine Verwandten zu verteilen sei. Um das Jahr 1860 sollen die hundert Jahre verflossen und die Erbschaft soll fünf Jahre ausgeschrieben gewesen sein. Sie soll jetzt dte Höhe von 159 Millionen Mark erreicht haben. Erst in den letzten Jahren haben sich einige der Erben um die Sache gekümmert und auf eigene Faust Recherchen ange stellt, die aber noch kein positives Ergebnis geseitigt haben. Es wurde ihnen aus Holland mitgeteilt, daß zu einer ge nauen Nachforschung bei den holländischen Behörden Gelder flüssig gemacht werden müßten. Darauf wurde von den Hauptinteressenten zu einer Versammlung aller Erbberech tigten eingeladen, die Sonntag nachmittag um 3 Uhr in dem Taunusstädtchen Kelkheim stattfand und die von etwa 250 Personen besucht war. Vertreten waren Erbberechtigte aus zweiundfünfzig Orten. Nach längerer Besprechung über die bisherigen Schritte bestimmte die Versammlung 47 Vertrauensleute, die wiederum unter sich einen geschäftsführenden Ausschuß von 17 Mitgliedern wählten, an deffen Spitze als Umparteiischer Rechtsanwalt Hosbach, Frankfurt a. M.- Rödelheim steht. Dieser Ausschuß wird jetzt die weiteren Recherchen nach der Millionenerbschaft in die Hand nehmen Von der Versammlung wurde ihm für die ersten laufenden Ausgaben ein größerer Betrag zur Verfügung gestellt
Seit einigen Tagen befindet sich auch die Bevölkerung in Niederhausen bei Weilburg in einer gewaltigen freudigen Erregung wegen einer Erbschaft von über hundert Millionen Gulden holländischer Währung, von denen man fest und sicher behauptet, daß sie dem Ort, in welchem fast sämtliche Einwohner näher oder weiter miteinander verwandt sind, zufallen müssen Es handelt sich um die Hinterlassenschaft des im vergangenen Jahrhundert verstorbe nen Admirals der holländischen Flotte. Würz, der ein Deutscher war. Dessen Niesenvermögen ist vom holländischen Staate in Verwaltung genommen, weil sich bei seinem Ableben legitimierte Erben nicht meldeten. Nun hat eine Familie Georg in Niedershausen seit Urgroßväterzeiten in einer Ecke auf dem Boden eine alte verschlossene Truhe stehen, vor der man annahm, daß sie leer set. Der fetzige Eigentümer wurde von der Neugter geplagt, er Iteß einen Schlosser kommen, der das alte Kunstschloß der altertumlichen Kiste öffnete, worin man einen Stammbaum des Admtrals Würz vorfand, der 1828 auf Grund der Kirchenbücher vom Pfarrer aufgestellt ist und der klipp und klar den Nachweis bringt, daß der berühmte holländische Seemann in Niedershausen geboren ist, und daß dessen nächste Ver wandte 1828 noch dort gelebt haben, deren Nachkommen sich jetzt als Erben betrachten. Der Stammbaum ist betreffe feiner Richtigkeit 1828 vom damaligen holländischen Konsul in Frankfurt a. M. amtlich beglaubigt. Auf Grund des wohlerhaltenen Dokumentes sollen nun die Erbansprüche durch einen Rechtsanwalt geltend gemacht werden.
Drabtnachrichten und neuestes.
Zusammentritt des Deutschen Landwirtschaftsrates.
O Berlin, 14. Februar. Heute begann im Herrenhause dte 29. Plenarversammlung des Deutschen Landwirtschaftsrates, an der auch der Herzogregent von Braunschweig, ferner Staatssekretär Delbrück und der preußische Landwirts schaftsminister von Schorlemer teilnahmen. Nach seiner Bea" grüßungsansprache, die mit einem Hoch auf den Kaiser, die deutschen Bundesfürsten und die freien Städte schloß, teilte Graf Schwerin- Lömitz mit, daß der Kaiser seinen Besuch für Freitag in Aussicht gestellt habe. Staatssekretär Delbrüc überbrachte die Grüße der Reichsregierung. Zum Vorsitzenden wurde Reichstagspräsident Graf Schwerin- Löwitz ge-, wählt.
Keine Beteiligung der Flotte an den Kaisermanövern. Berlin, 14. Februar. Von der in der Presse ges meldeten Beteiligung der Hochseeflotte an den diesjährigen Kaisermanövern der Armee ist an unterrichteter Stelle nichts bekannt.
Flugapparate für die Militärverwaltung. Berlin, 14. Februar. Eine Militärkommission erschien gestern auf dem Flugplatz Johannistal und besichtigte zwei Farmanapparate des Aviatikers Frey. Beide Apparate werden in den nächsten Tagen nach Döberitz transportiert werden.
Verhaftung eines Postdefraudanten. Bonn, 14. Februar. Wie der Bonner Generalanzeiger mitteilt, ist der Obertelgraphenassistent Hutanus, der, wie gemeldet, nach Unterschlagung von über 90 000 Mark flüchtig geworden war, in Marseille verhaftet worden. Mißhandlung eines Polizisten.
3oppot, 14. Februar. Bu schweren Ausschreitungen gegen einen Polizeibeamten fam es gestern hier. Eine Schar radaulustiger Arbeiter begegnete dem auf einem Patrouil lengange befindlichen Polizeisergeanten Rirmann, der die Leute zur Ruhe verwies. Sofort wurde er von den Burschen umzingelt und tätlich angegriffen. Er versuchte sich mit seinem Säbel zu verteidigen, fiel aber dabei zu Boden und nun bearbeiteten ihn die Burschen mit Steinen, Knüppeln und seinem eigenen Säbel so lange, bis er besinnungsIos aus vielen Wunden blutend liegen blieb. Der Beamte liegt im Krankenhause schwer darnieder. Die Erzedenten wurden später in ihren Wohnungen verhaftet.
Die russischen Studenten.
Petersburg, 14. Februar. Die heutigen Vorlesun gen an der Universität standen unter polizeilicher Bewachung. Etwa 1500 Studenten wurden von der Polizei abgesperrt und 380 in Haft genommen, jedoch bis auf einige Nädelsführer wieder freigelassen. Auch die Höheren Frauenfurse wie die anderen fünf hiesigen Hochschulen wurden tagsüber von der Polizei bewacht. In anderen Universitätsstädten sind die Versuche, die Hochschulvorlesungen zu stören, fehlgeschlagen.
Ein Wohltäter der Armen.
Wien, 14. Februar. Am Tage der Beerdigung des Ba rons von Rothschild werden in Wien 200 000 kronen und in Budapest 100 000 kronen an die Armen verteilt werden.
Schwerer Rodelunfall.
Bern, 14. Februar. In Geigenhof im Kanton Thurgau fuhren drei junge Leute mit einem Rodelschlitten derart gegen einen Baum, daß ein junger Mann auf der Stelle tot blieb und die beiden anderen lebensgefährlich verletzt wurden.
Schneejälle in Italien.
Mailand, 14. Februar. In Oberitalien sind neuerdings starfe Schneefälle eingetreten. Der Eisenbahnverkehr ist dadurch sehr erschwert.
Drohender Generalausstand in Italicu. Parma, 14. Februar. Hier fand ein Kongreß der im Synsifat vereinigten Arbeiterorganisationen Italiens statt. 63 waren eine viertel Million Arbeiter vertreten. Man beschloß, im Falle eines Versuchs der Regierung, den Eisens bahnerausstand gewaltsam zu unterdrücken, in ganz Itas Iten den allgemeinen Ausstand zu erklären.


