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find aufgefordert worden, sogleich nach ber vermißten Sendung eingehendste Nachforschungen anzustellen, und bet der Auffindung sofort die Oberpostdireftion in Breslau zu benachrichtigen. Merkwürdig ist, daß diese Aufforderung erst test ergeht, trotzdem das Paket bereits am 21. Ottober aufgeliefert wurde. Die während dieser Zeit geheim angestellten Nachforschungen haben also einen negativen Erfolg gehabt, so daß man fich jetzt zu dieser öffentlichen Aufforderung entschlossen hat. Bei der Epionage, die namentlich von unseren Bettern fenfeits des Kanals getrieben wird, ist es vielleicht anzunehmen, daß beim Verschwinden dieses wichtigen Inftruments hier auch verbrecherische Absichten im Spiele gewesen find.
Von einem traurigen Geschick ist der fünfzehnjährige Schiller Albert Siber in Berlin betroffen worden. Der junge Mann, der ein Gymnasium besucht, beschäf= tigte sich mit der Erzeugung eines neuen MagnesiumItchtes. Durch irgendeinen Zufall geriet das Magnesium in Brand und explodierte mit lautem nall. Der junge Durch ein Erfinder selbst wurde schwer verwundet. emporgeschleudertes Elsenstitc erlitt er Verletzungen am Kopf und an den Augen. Ferner wurde die rechte Hand so schwer verbrannt, daß sie im Krankenhaus amputiert werden mußte.
Der umftürzlerische Ochse. Von einem EtsenbahnIdyll wird der„ Köln. 3tg." aus Geinsheim in der Pfalz berichtet: Die Sekundärbahn, die von Neustadt a. H. durch das Gäu nach Speyer führt und daher Gäubahn genannt wird, hatte schon wiederholt das Pech, daß dem Bügle unterwegs der Dampf ausging und es nicht mehr weiter tonnte. Zugentgleisungen sind an der Tagesordnung und Zugverspätungen so häufig, daß die Fabriken feine Arbeiter mehr einstellen wollen, die des Morgens mit der Gäubahn eintreffen. Dieser Tage nun hatte die obligate Entgleisung eine ganz besondere Ursache. In einen Wagen war nämlich ein Ochfe geladen worben, deffen Gewicht im umgekehrten Verhältnis zu dem des Wagens stand. Auf der Strecke zwischen Geinsheim und Gommersheim nun verlor der Ochse das Gleichge wicht und fiel gegen die Wand des Wagens, was zur Folge hatte, daß dieser umstürzte und der Zug entgleiste. Es war eine mühsame Arbett, den Wagen samt Bem Ochsen wieder in die Höhe zu bringen. Erst nach etwa einstündiger Verspätung konnte das Bügle wetterfahren.
Abdul Hamids Gläubiger. Der Exfultan Abdul Hamid wird auch jetzt noch von seinen alten Gläubtgern verfolgt. So ist am Sonntag die türktsche Regterung in Parts vorstellig geworden, um für zwet alte Schulden die Summe von 508 000 Mart aus den versteigerten Juwelen zu erhalten. 500 000 Mart fordert etn Kinematographenbesizer als Entschädigung, dessen Vermögen bet Ausbruch der jungtürkischn Revolution verloren gegangen tst. Die restlichen 8000 Mart verlangt ein Damenschneider, der die Kleidung für die Haremsdamen angefertigt und bis jetzt noch nicht sein Geld dafitr erhalten hat.
Raubzüge einer Gouvernante. Auf dem Hauptbahnhof in Frankfurt a. M. wurde am Sonntag eine Betrügerin verhaftet, die auch von der Berliner Kri minalpolizei gesucht wurde. Es handelt sich um die 30fährige Gouvernante Babette Hartmann, die in den legten Monaten durch Diebstähle die Summe von etwa 20 000 Mart erbeutet hat. Trotzdem thr die Kriminal= poltzet von Berlin und anderen Städten schon öfter bart auf den Fersen war, ist es ihr immer wieder, manchmal noch im letzten Augenblick, gelungen, zu ent tommen. Ste hatte so verbindliche Umgangsformen und trat so sicher und selbstbewußt auf, daß sie es immer wieder verstand, bei älteren, allein stehenden Damen als Gesellschafterin Stellung zu finden und fich das Vertrauen ihrer Herrinnen zu erwerben. Sie ist schon mehrfach mit Zuchthaus bestraft, es gelang ihr aber stets mit Hilfe von gefälschten Mietsbüchern ihre Vortrafen zu verheimlichen. Bulegt verübte sie ihre Diebtähle in Dresden, Nürnberg, Würzburg, München, Wiesbaden und Frankfurt a. M., wo fie fett verhaftet worden ist. Ihr letter größerer Coup gelang thr in Wiesbaden. Dort hatte sie unter dem Namen Luise Behringer bei einer alleinstehenden Dame Stellung als Gesellschafterin gefunden. Schon bald nach ihrem Dienstantritt stahl sie aus dem Schreibtisch ihrer Serrin für 3000 Mart Wertpaptere und für 5000 Mark Schmucksachen. Es gelang ihr, die Wertpapiere zum Teil zu Geld zu machen, während sie die Schmucksachen versetzte und verkaufte.
Wie Hunde schmuggelu lernen. Der Finanziere", das Organ der italienischen Zollbeamten erzählt wie die ttalienischen Schmuggler an der schweizerischen Grenze thre Hunde zu Schmugglern erziehen. Der Hund- auf die Rasse kommt es nicht an- wird auf schweizerischem Gebiet in einem dunklen Raume irgendeiner elenden Hütte eingesperrt gehalten; man läßt thn hier hungern und durften und macht ihn dann eines Tages zum Ziel eines ungefährlichen Schusses: Die Munition besteht aus Salzkörnchen, und der Schüße ist ein als Zollbeamter verfleideter Schmuggler. Die Verlegungen, die der Hund davongetragen hat, sind bald wieder ausge
„ Ob er der Täter ist oder nicht," unterbrach ihn Felicia ungeduldig, ist mir vorläufig gleichgültig. Jedenfalls aber möchte ich einmal diesen Menschen, der verhältnismäßig so schleunigst von der Bildfläche zu verschwinden wußte, genauer kennen lernen. Sind Ste über sein Privatleben unterrichtet, Herr Justizrat?"
" Darum habe ich mich nicht bekümmert. Er war ein brauchbarer Arbetter und hatte vorher eine ähnliche Stellung in Frankfurt a. M. inne gehabt. Eigentlich follte er ja Jurist werden."
„ Ah, er war also ein verkrachter Student?" " Wenn Ste's so nennen wollen, ja. Er hatte zwei Semester in Lausanne und zwet in Freiburg studiert, als sein Vater plötzlich starb und er ganz mittellos da= stand. Da griff er schnellentschlossen zu dem ihm zunächst Itegenden Broterwerb. Ach richtig, da fällt mir ein, daß ich Ihnen doch einiges über seine Person sagen kann: Er sprach fließend französisch und rühmte außerdem manchmal setne große Sicherheit im Schießen und daß er es mit einem Kunstschüßen aufnehmen könne. Das ist ja allerdings bet etnem Sohne der Schwetz, wo fich viele in dieser Fertigkeit von Jugend auf üben, nicht wetter auffallend."
Felicia lauschte gespannt. Dieser funge Mann wird ja immer intereffanter! Setne Gestalt wächst or= bentlich, je mehr man über thn hört. Wenn er nun aber nach der Schwetz ging, wovon wollte er dort leben?"
„ Ich glaube aus seinen versteckter Anspielungen schließen zu können, daß er dort so eine Art Winkeladbokatur aufmachen wollte, worauf er große Hoffnungen su sezen schten."
Wie hieß der Ort?"
" Nimiton. Uebrigens, mein Kompliment, wertes Fräulein. Ste haben wirklich nicht geringes Talent aum Untersuchungsrichter. Wenn Herr von Scharffen
yett, aber es bleibt dem Tier eine entsetzliche Furcht, ble fyftemattsch verschäft wird, da der verkleidete Schmuggler den Hund fortwährend schlägt und in jeder erdentlichen Weise peinigt. Wenn das Tier seinen Pete niger gründlich haffen gelernt hat, jagt man es auf Schleichwegen über die Grenze, in der Annahme, daß es sich mit dem sicheren Justinkt in das Haus flüchten werde, in welchem es, bevor es auf schweizerisches Gebiet gebracht wurde, sich einer besonders guten Behand lung zu erfreuen hatte. Trifft diese Annahme zu, und findet der Hund allein den erwünschten Ort jenseits der Grenze, so fann seine Erziehung als abgeschlossen be= trachtet werden. Er wird dann zunächst noch einmal nach der Schweiz in sein Gefängnis gebracht und von bem Pfeudobeamter in der gewohnten Weise angefettet und geprügelt. Darauf bindet man ihm die aus Tabat, Zucker, Schokolade, Uhren usw. bestehende Schmuggelware auf den Rücken und jagt ihn, nachdem man thm noch eine gehörige Tracht Brügel erteilt hat, zum zweitenmal über die Grenze. Es ist unglaublich, wie schlaut die armen Tiere zu Werke gehen, um dem verhaßten Zollbeamten, wenn sie ihn von fern sehen, auszuweichen. Sie schauen vorsichtig und ängstlich um fich, schnuppern, aber so leise, daß nicht ein Atemzug zu hören ist, schlagen neue Wege ein, verstecken sich hinfer Steinhaufen und Buschwert und suchen so lange, bis fte ficher zu dem guten Herrn gelangen. Manchmal aber schickt fie ein gutgezielter Flintenschuß des Zollbeamten ins Hundeparadies.
Ein menschenfreundlicher„ Prophet". In Neuyork wurde am Sonnabend ein neuer Elias, der Reverend S. W. Sandford. zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt, weil er sechs felner Jünger so lange hungern ließ, bis fte starben. Der neue Prophet hatte zwet Schiffe ausgerüstet, mit denen er herumzog und alle Welt befehren wollte. Das eine Schiff scheiterte in diesem Jahre an der Westküste Afrikas. Auf dem anderen segelte der Prophet 18 Monate Herum, verlor endlich die Richtung und wurde dadurch bekannt, daß er alle vorbeikomment den Passagierdampfer anbettelte. Endlich gelang es ihm, nach Portland im Staate Mane zu kommen, wo fechs feiner Jünger vor Hunger starben. Er wurde verhaftet und jetzt verurteilt.
Bombenexplosion in einem Bergnügungslokal.
Im Wintergarten in Lüttich, etnem hauptsächlich vom Arbeiterpublikum der Industrie- Vorstädte viel be= fuchten Vartetee- Theater, ereignete sich Sonntag abend gegen 10 Uhr, als der Saal während einer kinematographischen Aufführung verdunkelt war, eine furchtbare Explosion. Mit dem Getöse eines Kanonenschusses war eine gewaltige Erschütterung des gesamten Gebäudes verbunden, wodurch das Glasdach und die Fenster gesprengt wurden und auf die Menge herabftitrzten. Gleichzeitig ertönte schreckliches Wehegeschret und eine tolle Panik brach unter dem etwa 3000 Personen zäh= Jenden, im Dunkeln sißenden Publikum aus. Es gelang glücklicherweise schnell, das elektrische Licht wieder etnzuschalten, und man stellte dann fest, daß mitten im Saale unter einem Sihplah eine Bombe explodiert war, wodurch in einem Umtreffe von etwa zehn bis zwölf Meter einige vierzig Personen mehr oder minder fchwere Verwundungen erlitten hatten. Einem jungen Manne, der bewußtlos ins Hospital eingeliefert wurde, und der bisher noch nicht vernehmungsfähig ist, waren sämtliche Fleischteile von den Beinen geriffen. Ueberhaupt Ifegen die Verwundungen zumeist an den unteren Körperteilen. Es fehlt noch jeder Anhaltspunkt über den Täter. An der Stelle, wo das Geschoß ge= plagt war, bas eine mit etwa 200 Gramm Sprengstoff und vielen klein gehackten Bleistücken gefüllte Metallbüchse gewesen sein muß, ist der zementierte Fußboden ttef aufgeriffen. Die zunächst Stzenden wurden durch die Explosion mit großer Gewalt fortgeschleudert und meist durch die kleinen Bletstücke verwundet. Etwa ein Dutzend Aerzte war alsbald zur Stelle und ließ die Verwundeten nach Anlegung von Notverbänden in die nächst gelegnen Sofpitäler befördern. Von den Schwerverletzten sind im Laufe der Nacht zwet gestorben. Ueber den Urheber des Verbrechens ist noch keine Klarheit gefchaffen; man vermutet, daß es sich nicht um ein anarchistisches Attentat handelt, sondern um einen Racheaft agen die Leitung des Wintergartens und die Tat eines Alkoholikers, der vielleicht unter den entlassenen Angestellten zu suchen wäre.
Bum Tode verurteilte Araber.
Nach dem Araberaufstand vom 23. und 26. Oktober vollzoger die Italiener zunächst die Todesstrafe an den Arabern, die mit den Waffen in der Hand getroffen wurden, durch Erschießen in den Rücken. Das italtentsche Strafaefetzbuch kennt zwei Arten des Erschießens, von denen der Schuß in die Brust als die ehrenvolle, der in den Rücken als die ehrlose gilt. Nach italienischem Urteil scheinen aber die Massenerschießungen auf die Araber noch nicht genügend Eindruck gemacht zu haben und man hat deshalb vierzehn Angeklagte, die teilweise wegen Krankheit oder Verwundung bisher noch nicht
stein hier wäre, ich glaube, er würde seine helle Freude daran haben, wie Sie mich auszuholen verstehen."
Felicia war viel zu sehr mit Nachdenken beschäftigt, um auf diese hals lustige Bemerkung etwas zu erwidern. Ihre blizenden Augen schienen in die Ferne gerichtet zu sein und dort forschend nach etwas Geheimnisvollem, Schattenhaftem zu suchen.
„ Nun fehlt mir nur noch die Angabe seiner Wohnung und feiner damaligen Wirtin, Herr Justizrat," „ Es wäre mir sehr lieb, sagte sie nach einer Pause. wenn ich beides recht bald wüßte."
„ Es kostet mich nur einen Gang nach meinem Büro, den" tch Ihretwegen gern unternehme," sagte Heinroth höflich und verließ das Zimmer. Schon nach wenigen Minuten tam er wieder zurück.
Christian Frank wohnte in Berlin, Culmstraße 98, bet Frau Witwe Negendant. Stud Sie nun zufrieden, Fräulein?"
Felicia notterte sich die Angaben sorgfältig und sagte:„ Bufrieden bin ich noch lange nicht, Herr Justizrat. Das wird erst der Fall sein, wenn ich mein 8tel erreicht habe."
" Dweh, das kann noch Jahr und Tag dauern," rief Fritz bestürzt.
" Set unbesorgt," versicherte Felicia ruhig.„ Wenn ich in vier Wochen die Wahrheit weiß, dann fahren wir unbekümmert hinüber."
„ Und wenn Du sie nicht weißt?"
" Dann fahren wir erst recht."
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Das soll ein Wort sein!" rief Frit freudig. " Morgen vormittag fönnen wir uns nicht hinfeßen," setzte sie hinzu.„ Denn ich werde wahrscheinlich eine lange Konferenz mit der ehemaligen Wirtin dieses merkwürdigen Frank haben."
" Ich begleite Dich."
" Nein, Friz, Du hast Dich bisher nicht um meine Nachforschungen aekümmert, nun mußt Du mich auch
gerichtet werden konnten, zum Tode„ nach der ortsith. fichen Weise" d. h. durch den Strang, verurteilt. Diefe Todesart gilt nämlich bei den Mohammedanern als schimpflich, weil die Seele nicht durch den zugeschnürten Hals entweichen und ins Baradies geben kann. Ueber den Prozeß und die Hinrichtung entnimmt die Frff. 8tg." einem italienischen Blatte folgende Schilderung.
Die vierzehn Angeklagten standen zwischen 20 und 65 Jahren. Sie werden als Haupträdelsführer, die den Aufstand vorberetteter, angesehen. Die Verhandlung fand im ehemaligen Kinematographensaal statt, eine große Menge von Stalienern, Inden und Maltesern, dagegen nur wenige Araber, wohnten ihr bet. Der Ver treter der Anklage führt aus, die vierzehn Araber näh men ihre Zuflucht zur Litge, um der Gerechtigkeit zu entgeben. Sie feien gemeine Mörder, die die italienischen Soldaten von hinten angegriffen hätten. Der Vertet diger betont dagegen, daß ihm die Schuld der Angeklag ten nicht erwiesen scheine; man dürfe nicht verurteilen, wo feine Klarheit herrsche. Er wünscht, daß nach dem Sturz der türkischen Herrschaft nunmehr die Gerechtig= fett einzöge. Die ganze Verbandlung gegen die vierzehn Angeklagten dauerte dreiviertel Stunde. Dann zieht sich das Gericht zurück und verurteilt fämtliche Angeklagte zum Tode nach der ortsüblichen Wetse".
Die Verurteilten wurden dann in einen der oberen Säle des Serails gebracht; sie waren zunächst gefakt; jedoch gegen Abend fingen einige von ihnen in der Erwartung des baldigen Vollzugs zu zittern an. In der Nacht konnten nicht alle Schlaf finden. Um 3 Uhr morgens wurden sie von den Karabiniert gewedt. Man hatte beschloffen, ihnen die Augen zu verbinden, um ihnen den traurigen Anblick des Vollzugs zu ersparen. Als die Verurteilten erfubren, daß sich thr Schicksal erfüllte, fingen fie an, Allah anzurufen, die et nen ruhig, die anderen aufgeregt. Aber feinen von ih nen sprach ein Wort mit den Baptees, den türkischen Gendarmen, die man mit der Henkersarbett betraut hatte, um sie den italienischen Soldaten zu ersparen.
Am Brotmarkt mitten in der Stadt war während der Nacht ein Galaen mit vierzehn Schlingen errichtet worden. Im Gänsemarsch wurden die vierzehn Berurtellten herangeführt, einem jeden zur Sette ging ein Raptiee und ein Karabiniere, da fie sonst wegen der Binde den Weg nicht hätten finden können. Einige mußten geschleppt werden, andere schritten leicht dahin. Zu aleicher Beit wurden sie dann auf ein kleines bewegItches Gerüst gestellt, die Gendarmen legten ihnen die Schlinge um den Hals. Einer bietet seinen Kopf fret willig dar, andere müssen gestützt werden, da sie barb ohnmächtig sind, zwet von ihnen rufen inbrünstig Allah an. Die anwesenden Bürger und Soldaten wagen kaum zu atmen. Eine Minute später wird das Gerüst, auf dem die vierzehn steben, weggezogen, die Schlingen ziehen fich zu und der Tod tritt sofort ein.
Der Soldatenfordon wird eingezogen, aber einige Journalisten und Neugierige bleiben zurück, um zu fe hen, welchen Eindruck der gräßliche Anblick auf die Araber macht, wenn sie nach Sonnenaufgang ausge hen. Die ersten Eingeborenen, die sich einzeln zeigen, find tief bement. sie wenden den Blick ab und entfernen sich sofort. Dann aber kommen sie in Gruppen, bletben stehen und besprechen sich. Ihre Gesichter, die sonst meist undurchdringlich sind, verraten doch manchmal eine tiefe Bewegung; fie ziehen sich zurück und führen ein leises Gespräch. Das Kommando bat viele Spione In den Kaffeeehäusern und an den Stellen, wo fich die Araber einzufinden pflegen, verteilt, um die Kommen tare zu sammeln.
Vom Kriegsschauplah in Tripolis
verfiegt der Quell der Nachrichten nach und nach. Sicher ist, daß in den Operationen von Tripolis zunächst eine Bause eingetreten ist. In der Cyrenaika dauern die Rusammenstöße der beiden Parteten an. Nach italtent= fchen Meldungen griff in der Nacht vom Montag zum Dienstag der Feind einen Teil der vorgeschobenen itaItentschen Stellungen heftig an, wurde jedoch nach furzem, heißen Kampfe durch einen Bajonettangriff au= rlicgeworfen. Die Verlufte des Feindes find 36 Tote, dte auf dem Kampffelde liegen gelassen wurden, außerdem viele Tote und Verwundete, die unter dem Schube der Nacht fortgeschafft wurden. Die italienischen Verluste find 3 Tote und 12 Verwundete.
Aus Tripolis melden italienische Blätter: Nachrich ten aus dem türkischen Lager besagen, daß einige Araber- Häuptlinge die Türfen dazu nötigen wollen, den Krieg fortzusetzen. Die Araber beschuldigen die Türken, fie verkauft zu haben, und drohen ihnen, sie zu verlas= sen, wenn sie den Krieg nicht fortfesten.
Auf der Suche nach Aviatikern.
Das türkische Kriegsministerium hatte fich vor etniger Zeit an eine Agentur in Parts gewandt, um für den Krieg in Tripolis Aviatifer zu engagieren. Die Agentur hat bisher nicht weniger als 70 Angebote, darunter auch das einer Dame, erhalten. Die meisten Aviatiker, die fich darum bewerben, in türkische Striegsdienste zu treten, stammen aus Frankreich.
die Sache allein zu Ende führen lassen."
,, Et, et, Ste sprechen fa, als wenn Sie den richtigen Täter bereits am Kragen hätten!" drohte der Justizrat. ,, Der Gang könnte auch mit Gefahr für Sie verEnüpft sein," wandte Frau Heinroth ein.
,, D," sagte Felicia,„ ich fürchte mich nicht." Ste faßte mit der Rechten in eine Seitentasche und brachte einen zierlichen Revolver. mit Perlmuttergriff zum Vorschein.
" Hiermit," setzte sie mutig hinzu, treffe ich auf zehn Schritt ganz sicher, und das genügt hoffentlich."
Sie bat nur, daß Emmt sie begletten möge, damit fte für alle Fälle einen Zeugen bet sich habe, und die Freundin war mit Freuden dazu berett....
Am andern Morgen begaben sich die beiden Damen nach der Culmstraße. Sie hatten sich absichtlich möglichst einfach gekleidet, um jedes Aufsehen zu vermelden.
Ein grauer, unfreundlicher Nebel erfüllte die Luft und überrtefelte alles mit kleinen, dichten Wassertropfen, als fte in der Culmstraße anlangten. Zu threr Enttäuschung erfuhren fte, daß Frau Negendant schon seit Anfang des Jahres nicht mehr dort wohnte, sondern verzogen war. Wohin, fonnten ihnen die Mieter und auch der Verwalter des Hauses nicht genau angeben.
,, Also müssen wir auf dem Poltzelbüro nachfragen," erklärte Emmt.
Der marttaltsche Polizeiwachtmetster gab den fungen Damen, in denen er sofort etwas Vornehmes witterte, gern die gewünschte Auskunft. Die Gesuchte war hoch nach dem Norden der Stadt, nach der Badstraße verzogen.
( Fortsetzung folgt.)


