Ausgabe 
14.10.1911 Zweites Blatt
 
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Riecht nicht!

Gießener Zeitung

( Neueste Nachrichten)

Bezugspreis 40 Pfg. monatlich sierteljährlich 1,20 Mr., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 90 Pfg.- Erscheint Redaktion: Dienstage, Donnerstags, Samstags. Seltersweg 83.- Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

Nr. 210.

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( 2. Blatt.)

Heffische Landtagswablen 1911.

Jeder Wähler

Wo kann man wählen? wählt dort, wo er in die Wählerliste eingetragen ist, das ist nun dort, wo er seinen Wohnsitz hat resp. wo er die ganze oder den größten Teil seiner Gemeindesteuer zu zahlen hat.

Wie wird gewählt? Geheim und direkt. Wer das 50. Lebensjahr zurückgelegt hat, hat zwei Stimmen.

Wer kann wählen?

Wer unter 500 Mt. Einkommen hat, und also nicht zur Staatssteuer veranlagt ist, dagegen über 200 Mark und somit zur Gemeindesteuer veranlagt ist, oder doch veranlagt werden kann, ist wahlberechtigt, auch wenn in seiner Einkommensklasse Gemeindesteuer nicht erhoben wird. Er muß in die Wählerliste eingetragen werden.

Wählen kann schließlich jeder, der in die Wähler­lifte eingetragen ist, wenn dies auch vielleicht zu Un­recht erfolgt ist. Eine Wahl kann auf Grund von Jrr­tümern in der Wählerliste nicht mehr angefochten wer­den. Das ist eine Neuerung von weittragendster Bedeutung. Darum ist eine Jneinsichtnahme in die Wählerliste für jeden die heiligste Pflicht.

Diese Wählerliste bildet die wichtigste Grundlage der Wahl. In ihr muß jeder Wahlberechtigte stehen mit Namen und mit Tag und Jahr der Geburt( wegen des 50. Lebensjahres).

Enthält alle amfl. Bekanntmachungen

der Großherzoglichen Bürgermeisterei

des Großherzoglichen Polizei Amfes sowie vieler anderer Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83.

( Haus Brüder Schmidt.)

Samstag, den 14. Oftober 1911.

bei

? Eigener Herd ist Goldes wert. Prak-| tische Familienhäuser auf dem Lande und in Vororten schon für 3500 Mt. aufwärts. Ein Wegweiser für alle diejenigen, die auf dem Lande im eigenen Hause gesund und billig wohnen wollen. Herausgegeben von M. Spindler, Amtsbaumeister a. D. 96 Seiten mit 150 Abbildungen. 3. Auflage. Preis Mt. 1.50, gebunden 2 Mt.( Porto 20 Pfg.) Westdeutsche Verlagsgesellschaft, Wiesbaden 35. Wenn wir hier sehen, daß man zweckmäßigster Raumausnüßung Familienhäuser mit 3 und 4 Zimmern nebst Küche 2c. bei 280 und 360 Abm. umbautem Raum( je 12-15 Mk.) für 3-4000 bezw. 4-5000 Mt. bauen kann, so zeigt sich, daß man auch im Eigenheim billig wohnen wird. Idyllisch ist das Leben im Eigenhause, in jeder Beziehung ist es ideal. Zur Verbesserung der Lebenshaltung dient der Ertrag des Gartens und die Kleintierzucht, denn 1 Ar Gartenland mit Obstbäumen und Beerenkulturen bringt einen Durchschnittsertrag von 100 Mt. jährlich, andere Kulturen ebenfalls. Aus Hühnerzucht ist nach Abzug aller Unkosten pro Huhn 8-10 Mt., aus einem Bie­nenstock 20 Mt., von einer Milchziege 240 Mk. zu er= zielen, durch Kaninchenzucht 2c. sind weitere wirtschaft­liche Vorteile geboten, sodaß man den Ausführungen des Verfassers nur beistimmen kann.

- In Sturm und Notim Lenkballon. Von Otto Promber. Mit 18 Vollbildern Mt. 3.-. Der Autor schildert die Entstehung und die Fahrt eines lenkbaren Luftschiffes, dessen Zweck es sein soll, den Ka­nal und die Nordsee zu überfliegen. Das kühne Wag­die nis mit all seinen Gefahren, die Annäherung an englische Küste, die eintretende Katastrophe, die Stran­dung auf einer Doggerbank, das moderne Robinsohn­

geprüften Ueberlebenden, bei denen sich auch ein junger deutscher Kaufmann befindet, bietet unendlich viel frische und farbenreiche Schilderungen.

Das Stimmrecht ruht für: 1. Personen, gegen die ein Hauptverfahren eingeleitet ist wegen eines Vergehens oder Verbrechens, bei welchen auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte bezw. der Fähigkeit, öffent- leben, die schließliche Rettung und Heimkehr der schwer­liche Aemter zu bekleiden, erkannt werden kann. Das Stimmrecht ruht bis zur Beendigung des Verfahrens. 2. Personen, über die Untersuchungs- oder Strafhaft ver­hängt ist. 3. Mitglieder der ersten Kammer. Wer darf nicht wählen? Kein Stimmrecht haben 1. Personen, über die eine Zuchthausstrafe ver­hängt ist; ihr Stimmrecht ruht von dem Tage, an wel­chem das Urteil rechts giltig geworden ist, bis zum Ab­lauf von 5 Jahren nach Verbüßung, Erlaß oder Ver­jährung der Strafe.

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2. Personen, über deren Vermögen der Konkurs ver­hängt ist, solange bis das Konkursverfahren beendet ift.

3. Personen, die auf rechtskräftiges Urteil hin die bürgerlichen Ehrenrechte verloren haben, oder denen die Fähigkeit öffentliche Aemter zu bekleiden, abgesprochen ist, solange der Verlust dauert.

4. Personen, die unter Polizeiaufsicht stehen.

5. Personen, die der Landespolizeibehörde überwie­fen sind; bezüglich der Dauer des Verlustes gilt das unter 1 Gelagte.

6. Personen, die früher öffentliche Aemter bekleideten resp. Rechte auf Grund öffentlicher Wahlen ausübten, denen diese Aemter bezw. Rechte durch rechtskräftiges Ur­teil entzogen sind. Dauer des Verlustes wie bei 1.

7. Personen, die unter Vormundschaft oder Pfleg= chaft stehen.

8. Personen, die am Tag der Wahl mit der Ent­richtung der direkten Staats- oder Gemeindeſteuern mehr als zwei Monate im Rückstand sind.

9. Personen, die gerade eine nicht bloß vorüber= gehende Armenunterstützung aus öffentlichen Mitteln be­ziehen, oder in den letzten 12 Monaten vor der Wahl bezogen haben.

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Zum Punkte Armen unterstützung ist zu be­merken: Als Armenunterstützung gelten nicht: 1. Ar­2. Kran menunterstützungen, die zurückerstattet sind. fenunterstützung. 3. Anstaltspflege, die wegen för­perlicher oder geistigen Gebrechen gewährt wurde. 4. Unterstützungen, die nur einmalig in augenblicklicher Notlage gegeben sind.

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Literarisches.

? Faber's Kursbuch für Mittel- und Nord= deutschland ist in seiner vom 1. Oftober 1911 bis zum 30. April 1912 gültigen Winterausgabe soeben rechtzeitig erschienen, um seinen vielen Freunden bei gute ihren Reisen nach dem Winterfahrplan wieder Dienste zu tun. Eine Eisenbahnkarte vervollständigt den Snhalt, des praktischen Büchleins, das für den außer­odentlich mäßigen Preis von 25 Pfg. durch sämtliche Buchhandlungen zu beziehen ist. Eventuell wende man fich an die Faber'sche Verlagsbuchhandlung in Magde­burg, Breiteweg 6.

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Kein Glüd Romantische Liebe. Von Carl Bleibtreu. Illustriert von Chr. Speyer. In farbigem Umschlag geh. 1 Mt., eleg. geb. 2 Mark. Carl Krabbe Verlag Erich Gußmann in Stuttgart. Bleibtreu wendet sich hier dem intimen Privatleben Na­poleons 1. zu. Die bekannte Liebesgeschichte mit der polnischen Gräfin Walewska gibt ihm Anlaß dazu. In der anderen Novelle werden geistreich verknüpft der junge St. Croix, den inmitten glänzender Laufbahn als Günst­ling Napoleons 1. ein jäher Tod wegraffte, und der geheimnisvolle Oudet, Haupt der republikanischen Phi­ladelphen, der bei Wagram auf verdächtige Weise ums Leben fam. Beide Novellen gehören zum Bedeutend­sten, was Bleibtreu je geschaffen hat.

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? Robert Walter: Götterdämmerung. Eine Geschichte vom Untergange Wotans, mit Bildern von Franz Stassen( Mainzer Volks- und Jugendbücher, Band 14). 192 Seiten. Gebunden 3 Mt. Verlag von Seitdem die alten Volkssagen Jos. Scholz, Mainz. vom Sachsenherzog Wittekind durch Wilhelm Kozzde neu erzählt und herausgegeben wurden, haben sich die Blicke wieder stärker auf diese Heldengestalt gelenkt, die in ihrer Tragik und unerschütterlichen Größe zu den erha­bendsten in der deutschen Geschichte gehört. Es ist die Tragödie eines Volkes, die im Schicksal dieses Helden sich verkörpert. Dieses immer erneute Aufbäumen gegen den überlegenen Frankentönig, um Glaube und Frei­heit zu wahren, es lehrt unsere oft schwachmütige Zeit, was es heißt, sein Alles für die hohen Güter seines Volkes hingeben.

Kathuninnus Malzlaffen. Der bewährte Zusatz zum Bohnenkaffen.

( Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 15 Pfg.

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Stellen die 44 mm breite Inseratenzeile. gesuche und Familienanzeigen 10 Pfg.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pfg. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs. zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bet Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Berlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg.

Ein Triumph der Wissenschaft. Beseitigung der chronischen

Stuhlverstopfung

ohne Abführmitttel.

Der einzig richtige Weg zur Blutreinigung".

Blut ist ein ganz besonderer Satft", sagt Goethe. Blut iſt flüssiges Leben", sagt der Arzt. Blue ist das Del der Lebens­flamme, der Bekämpfer, aber auch dr Urheber zahlreicher Er­frankungen. Wie bekannt, liegt die Quelle des Blutes im Darm. Von dorther stammen mithin schon die Krankheitskeime, die von dem Blut durch den ganzen Körper verschleppt werden. Wenn daher der Darm nicht richtig funktioniert, ist auch der ganze Organismus in Unordnung.

Neuere Forschungen haben nun nachgewiesen, daß die bei mangelhafter Darmfunktion sich bildenden Krankheitskeime sehr häufig von gewissen in Darm schmarotze den Kleinlebewesen ( Bakterien) herrühren, und in diesen letzterennsieht jetzt die Wissen­schaft die Hauptursache zahlreicher schwerer, sowohl afuter wie chronischer Leiden. So, um nur eines der wichtigsten herauszu­greifen, die der chronischen Stuhlverstopfung in zahlreichen Fällen. Mit der Erkenntnis der wahren Ursache dieses Allerwelt­leidens sind natürlich jetzt auch die Wege zu seiner radikalen Beseitigung gegeben. Wenn man die chronische Stuhlverstopfung bislang mit Abführmitteln zu beseitigen suchte, so war man dabei, wie dies jeder bestätigen kann, der schon einmal längere Zeit daran gelitten, ganz und gar auf dem Jrrwege. Mit Abführ­mitteln läßt sich wohl das Leiden für den Augenblick, nicht aber seine Ursache bekämpfen. Im Gegenteil, je länger Abführmittel genommen werden, desto schlimmer wird die Sache. Die Ursache des Uebels liegt eben sehr häufig in den genannten Fäulnis­bakterien, und erst dadurch, daß man diese unschädlich macht, kann man das Leiden mit seinen oft furchtbaren Folgen mit der Wurzel ausrotten. Bakterien lassen sich nun aber nicht durch Abführmitel aus dem Darm vertreiben. Zu ihrer Vernichtung müssen ganz andere Wege eingeschlagen werden, dun die führen uns zu den Desinfektionsmitteln. Durch sie muß der Nährboden ber Mikroben, der doch ihr Wachstum und ihre Vermehrung allein ermöglicht, so beeinflußt werden, daß ihre Lebensbe­dingungen aufhören.

Als ein solches Mittel, das eine ganz enorme Darmdesin­fektion ohne jede schädliche Nebenwirkung ermöglicht, empfiehlt der Direktor des weltberühmten Pasteur- Instituts zu Paris, der für seine genialen Forschungen mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Bakteriologe und Arzt Professor Dr. E. Metschnikoff, die bulgarische Sauermilch den Yoghurt. Dieses seit Jahr­hunderten im Orient als lebenverlängerndes Mittel in hohem Ansehen stehende Milchpräparat, das ähnlich wie Kefir zubereitet wird, enthält ein heseartiges Ferment, Majamia genannt, das die merkwürdige Eigenschaft besitzt, erst im Darm große Mengen Milchsäure zu erzeugen. Und Milchsäure in ihrem Entwickelungs­stadium ist der grimmigste Feind der schädlichen Darmbakterien, weil durch sie deren Nährboden so versäuert" wird, daß ein Weiterwachstum aufhört.

Mit Hilfe von Majamin, welches wir unter der ständigen Kontrolle des Bakteriologischen Instituts Dr. Piorkowski in Berlin aus bulgarischer Yoghurt- Milch isolieren lassen, ist heute jeder in der Lage, nach einem ganz einfachen Rezept sich Yoghurt für wenige Groschen selbst herzustellen. Neuerdings lassen wir aber auch aus Majamin ein äußerst wohlschmeckendes Dessert- Gebäck, Majapan genannt, herstellen und geben so denjenigen Patienten, denen die Zubereitung des Yoghurt zu umständlich sein sollte, oder die fürchten durch längeren Genuß von Yoghurt an Gewicht zuzunehmen, eine neue Darreichungsform des Wajamin- Fermentes für sich allein. Der Gehalt eines einzigen Stüdchens Majapan an wirksamer Yoghurt- Substanz entspricht dem einer großen Tasse Yoghurt; es besitzt mithin die gleiche darmdesinfizierende Wirkung und ist dabei noch wesentlich billiger. Bequemer kann man dem Menschen, der Yoghurt anzuwenden genötigt ist, aber aus dem einen oder anderen Grunde Milch nicht gerne nimmt, seine, Bille", in diesem Falle ein feines Dessert, gar nicht verabreichen,

In Majapan ist jetzt endlich das Ideal eines ebenso unschädlichen, wie angenehm zu nehmenden Mittels zu einer gründlichen Desinfektion des Darmes geschaffen worden, das auch dann noch hilft, wenn Abführmittel versagt haben. Da bei besitzt Majapan keinerlei abführende Wirkung und kann auch Kindern, die es gerne nehmen, monatelang als Dessert zu den üblichen Mahlzeiten gegeben werden.

Es sollen Majapan nicht nur Patienten nehmen, die an chron. Stuhlverstopfung leiden, oder die an einem anderen Darmleiden ( Durchfall, Brechdurchfall, Blähungen, Verdauungsschwäche, Hä­morrhoiden), an einem Leberleiden( Anschoppung), Gallenleiden ( Gallensteinen), Nierenleiden( Eiweiß, Zucker, Wassersucht, Nieren­gries und Blasensteinen), an Gicht oder Rheumatismus erkrankt sind, oder die eine Disposition zur Blinddarmentzündung be­fizzen, sondern auch Bleichsüchtige, Nervöse, Korpulente usw. Alle diese Leiden haben eben mehr oder weniger ihren Ursprung in einer ungeregelten Darmtätigkeit. Dann soll aber auch Ma­japan bei keiner Mahlzeit jener Patienten fehlen, bei denen die im Blut zirkulierenden schädlichen Stoffe sich als Hautausschlag, Flechten, Pustelu, Geschwüre, Furunkel usw. abzulagern pflegen. Hier wirkt Majapan ganz anders als die sogenannten Blutreinigungstees, als Seifen usw., mit denen immer nur ein Symptom des Leidens, niemals aber dieses selbst getroffen wird. Wer sich für den Gegenstand interessiert, lasse sich von uns cine Probe kommen, die wir bereitwilligst kostenlos und franko jedem zusenden, der uns den hier angehängten Bestellzettel aus­gefüllt einsendet und ihm 20 Pfennig für Porto usw. beifügt. Wir legen der Sendung eine, aus der Feder eines praktischen

Dar. Gehalt macht' 61 Arztes stammende, hochintereſſant geſchriebene Broschüre bei, in

der zahlreiche Aeußerungen hervorragender Professoren und Mediziner über die darm- und blutreinigende Wirkung des Yog­hurt und des Majamin- Fermentes abgedruckt sind.

Yoghurt- Centrale

Dr. J. Schaffner& Co., Berlin- Grunewald.