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Der Sieg der Blauen.

Im Kaisermanöver fiel am Mittwoch die Entschet­dung. Die blaue Armee durchstieß mit überlegenen Kräften das Zentrum der roten( gelandeten) Armee und bedrohte deren rechte Flante. Der Sieg der blauen Ar­mee stand damit fest. Wenn man, so meldet ein Kriegs­berichterstatter" feinem Blatte, die Truppen nach den langen Märschen und den aufreibenden Gefechten sah, wenn man beobachtete, wie fest sie in der Hand ihrer Führer waren, wie glanzend die Feuer- und Schüßen­disziplin des einzelnen Mannes troz aller förperlichen Anstrengung sich zeigte, und damit der Beweis für die intensive, bis ins fleinste gehende Detailarbeit des Aus­bildungsdienstes, dann fonnte man doch auch wieder ohne zu viel Selbstüberhebung sagen: Lieb Baterland, magst ruhig sein! Um so weniger ist es eigentlich zu verstehen, daß wir mit solchen Truppen unsere Boft­tion nicht beffer ausnüßen. Die drei kaiserlichen Söhne taten während dieses ganzen Manövers Frontdienst. Man konnte den Prinzen Ostar als Pa­fewalter Kürasiter eifrig Patrouille reiten sehen und dem Prinzen Eitel Friedrich wurden feine von den unzähligen Staubwolfen geschenkt, die vom Manö­verfelde, insbesondere aber von den berittenen Trup­pen, verräterisch zum Himmel stiegen.

Die Kriegsverwendbarkeit der Flugzeuge. Die Meldungen der Flugzeuge haben die Manöver­leitung außerordentlich befriedigt. Allerdings war das Wetter für die Flüge sehr günstig. Ste haben fo­Ioffale Dienste geleistet. Der Satser hat nach Schluß der Manöver jedem einzelnen Flieger seinen Dank und setne Anerkennung ausgesprochen. Beide Armeeführer haben sich dahin geäußert, daß sie ihre Operationen im wesentlichen auf die Meldungen der Flieger aufgebaut haben. Oberleutnant Mackenthun hat am ersten Tage fn 35 Minuten die feindliche Front abgefahren und Mel­dung erstattet, mozu die Kavallerie etwa vier Stunden nötig gehabt hätte.

Beförderungen.

Der Kaiser hat den Großherzog von Mecklenburg­Schwerin zum General der Kavallerie ernannt. Prinz Johann Georg von Sachsen, der Bruder des Königs Friedrich August, der als Generalleutnant aus dem aftiven Militärdienst ausschied, ist am Mittwoch im Kat­fermanöver vom Kaiser Wilhelm zum preußischen Ge­neral der Kavallerie à la suite des 2. Garde- lanen­Regiments befördert worden.

Borbereitungen Frankreichs für alle Fälle". Fortgesetzt herausfordernd tst die Sprache des " Pariser Temps", der ersichtlich zum Kriege hezt und fortfährt, allenthalben einen üblen Eindruck hervorzu­rufen. Regierungsfreise glauben, daß die Tempsartikel von einer französischen Marottoipetulan= tengruppe eingegeben sind. Auch englische Einflüsse scheinen mitzuspielen. Obwohl alle Bariser Zeitungen " ganz genau" den Inhalt der französischen Antwortnote auf die deutschen Gegenvorschläge anzugeben wissen, weiß man doch nichts Tatsächliches darüber, wie über den wahren Inhalt der deutschen Gegenvorschläge. Was die Zeitungen veröffentlichen, find leere Kombinationen. Unterdessen sett Frankreich seine Vorbereitungen für alle Fälle fort, die Bant von Frankreich zieht alles Gold ein, auch aus Belgien und der Schweiz, wo das Goldagio infolgedessen bereits sieben pro Mille beträgt, also so viel wie 1870.

Der Kampf Englands".

Eine englische Marokkoautorität, Cunningham Graham, erklärt fm Evening Standard" Deutschland tämpfe den Kampf Englands, denn wenn die Franzosen freie Hand in Marokko erhielten, würden sie zweifellos den englischen Handel ebenso ausschließen, wie sie dies in Madagaskar getan hätten.

Die neue Zusammenkunft.

Donnerstag abend ist die Antwortnote der fran­zösischen Regierung auf die deutschen Vorschläge über Maroffo in Berlin eingetroffen. Botschafter Cambon wird sie im Laufe des heutigen Tages Herrn von Ki­derlen- Wächter zustellen. Nach einer Meldung des Temps wird Botschafter Cambon in der neuen Unter­redung mit dem Staatssekretär v. Kiderlen- Wächter die von diesem zu stellenden Fragen genau nach dem Sinn und nach dem Wortlaut des ihm übermittelten Memo­randums beantworten. Die Pariser Presse gibt der Er­wartung Ausdruck, daß nunmehr einem, jedes Miß­vergnügen ausschließenden Maroffopakte zwischen Deutschland und Frankreich die Wege geebnet sind.

Rundschau oom Cage. Politisches.

Anläßlich des fünfzigjährigen Militärdienstjubi­läums des Kommandanten des Kaiserlichen Hauptquar:

Geben und nehmen im Marottoftreit. Hiers, Generaloberst von Bieffen,

In den Aeußerungen der französischen Presse be= gegnet man häufig der irrtümlichen Auffassung, als wurden die deutsch- französischen Verhandlungen immer wieder dadurch in die Länge gezogen, daß Deutsch­land Forderungen an Frankreich stellt, die dieses nicht bewilligen könne, oder mit anderen Worten, als set Berlin der ewig heischende und Paris der nur widerwillig gewärende Teil im ganzen Marokkohan­del. So charakteristisch diese Auffassung und ihre Ver­breitung für die französische Denfungsart ist, so wenig entspricht sie den wirklichen Tatsachen. Man wird sich vor allem vor Augen halten müssen, daß Deutschland es ist, das den Franzosen gerade dasjenige zu gewäh­ren vermag, worum es ihnen in diesem Handel am met­sten zu tun ist: die politische Sonderstellung oder, wie es dem französischen Ohr wohllautender flingt, das p0= Itttiche Protettorat über Maroffo. Man wird schon hinsichtlich dieser für Frankreich verlockenden Aussicht kaum mehr von deutschen Forderungen und französischer Nachgiebigkeit reden können. Aber auch in anderer Beziehung muß daran erinnert werden, daß es mit dem Geben und Nehmen im Maroffostreit sich umgekehrt verhält als die in der französischen Presse zutage tretenden Auffassungen wahrhaben wollen. Am 31. Dezember dieses Jahres erlischt bekanntlich das den Franzosen von den Algecirasmächten erteilte Bolt­etmandat in den marokkanischen Küstenstädten. Für Frankreich ist es natürlich von größter Bedeutung, auch fürderhin Mandatar dieser Mächte zu bleiben, und man darf wohl annehmen, daß es sich in dieser Rich­tung bereits bei den einzelnen Regierungen bemüht hat. Wie wäre es nun, wenn die Republif in Berlin nicht fenes Entgegenkommen fände, an dem ihr gelegen sein muß, falls Frankreich auch vom 1. Januar 1912 an feine polizeilichen Funktionen in Marokko legalt­fiert sehen will? Läge es nicht vielleicht in Deutsch­lands gutem Willen, angesichts der schlimmen Erfahrun­gen, die es mit diesem Mandat in Marokko gemacht hat, dieses über den genannten Termin hinaus nicht zu ver­längern? Ind ist es nicht wieder Paris, das seine ganze Aufmerksamkeit daranseben muß, um sich um die Ertet­lung der deutschen Vollmacht von neuem zu bemüthen? Es scheint an der Zeit, so schließt diese anscheinend offt­ziöse Darlegung, die der Berl.- Lot.- Anz." veröffent Itcht, auf die hier angeführten Tatsachen besonders hin­zuweisen und der Verkehrtheit des französischen Stand­punktes den wahren Sachverhalt ausdrücklich gegen= überzustellen.

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Wetterwolken.

Roman von M. v. But ch.

abend im Neuen Palais zu Potsdam beim Kaiser Tafel statt. Generaloberst von Plessen saß zur Rechten des Kaisers. Ferner waren u. a. geladen: Generaloberst v. Kessel, Kriegsminister von Heeringen, der kommandie­rende General des Gardekorps, von Loewenfeld, Ober­Hofmarschall Graf Eulenburg, sowie das gesamte Haupt­quartier des Kaisers.

( Nachdruck verboten.) Aber Mama," rief Beate Kopfschüttelnd, solange Krieg im Lande herrscht, ist wirklich nicht Zeit, zu jubeln und zu trillern. Halb unbewußt griff ich in die Tasten. Ein Lied aus alter Zeit," fügte sie träumerisch Hinzu.

in Kraft. Ebenso wird für diesjährige Naffe die Aus­fuhr untersagt. Deutschland hat im Jahre 1910 aus Serbien für 4,78 Mill. Mark Mais importiert bet 61,18 Mill. Mark Gesamteinfuhr.

Japan bleibt mißtrauisch. Angesichts der oftenta­tiven Russerfreundlichkeit der japanischen Re­gierung und Presse warnt die Tokioter Zeitung Nicht Nicht" in einem Leitartikel vor Illufionen und betont, daß Japan nach wie vor mit der Gegnerschaft Rußlands rechnen müsse.

Des Kaisers Dank an Mecklenburg. Auf Befehl des Großherzogs von Mecklenburg- Schwerin wird eine Ka­binettsorder des Kaisers zur allgemeinen Kenntnis ge= bracht, in der es heißt: Die Beendigung der diesjährt­gen, von mir abgehaltenen Manöver bietet mir einen erwünschten Anloß. Eurer Königlichen Hoheit versichern zu können, daß ich von den Truppen des großherzog­lichen Kontingents wiederum nach jeder Richtung hin einen ausgezeichneten Eindruck bekommen habe. Mit besonderer Befriedigung habe ich auch davon Kenntnis erhalten, daß die Bevölkerung, trotz der unvermeidlich starken Belegung die Leistungen der Truppen aller Orten durch eine gastliche Aufnahme hat wirksam un­terstützen helfen. Dankbar würde ich es begrüßen, wenn Eure Königliche Hoheit den Bewohnern Ihres Lan­des meine lebhafte Genugtuung darüber zu erkennen geben möchten."

Die Gräfin griff aus Beates Entgegnung nur den einen Satz heraus.

Solange Krieg im Lande herrscht", meinte sie mit hoch gezogenen Lippen. Nun hoffentlich dauert der Zustand nicht mehr zu lange."

Was sollte geschehen, um ihn zu beenden?" rief das junge Mädchen.

Närrchen Du," sagte die Gräfin achselzuckend und verließ das Zimmer.

Kleine Nachrichten.

Der Deutsche Richtertag, der soeben in Dresden tagte, hat eine Resolution beschlossen, in der er den Er laß eines deutschen Richtergesezes zur Sicherung der Unabhängigkeit der Richter fordert.

Der Zwischenfall in der Charlottenburger Luisens firche ist noch immer nicht beigelegt. Der Kirchenrat der Luisengemeinde hat gestern abend beschlossen, beim Kommando der 2. Gardedivision die Strafverfolgung der Offiziere zu beantragen, die am 28. Jult den Gottes­dienst in der genannten Kirche durch den Befehl zum Abrücken ihrer Mannschaft störten.

Der nene Linienschiffstrenzer Moltke" erreichte bet den Probefahrten 29% Seemeilen Geschwindigkeit. Er ist damit das schnellste Schiff großen Typs in der deut­schen Flotte.

Angebliche Aenßerungen des scheidenden Kriegsmi­nifters Schönaich veröffentlicht ein ungarisches Blatt. Der Minister habe u. a. gesagt: Mein Rücktritt ist kein freiwilliger. Als pflichtbewußter Soldat hätte ich gern gewartet, bis das Wehrgesetz in beiden Parlamenten angenommen war. Ich bin ein Opfer des Mißfal= lens des Thronfolgers. Ich habe Weisungen nur vom Kaiser angenommen. Der Erzherzog brach jede Verbindung mit mir ab. Während meines Urlaubs rich­teten fich meine Vertreter gegen meine Absichten nach den Befehlen aus dem Belvedere( des Erzherzogs, d. Red.). Ich gehe in allen Ehren, aber ohne Aussicht, je wiederzukehren.

Beate blieb allein aurite. Ste spielte nicht mehr, sie dachte an das soeben gehörte Gespräch im Neben­fabinett. Nun wußte sie, daß sie die Unterhaltung nur belauscht hatte, um das Entsetzliche, das verab­redet worden war, zu verhindern. Es durfte nicht geschehen und ihre Mutter nicht zur Verbrecherin werden. Und sie sann und fann, was zu tun set. Rat mußte geschafft werden. Vierundzwanzig Stunden Beit hatte sie; morgen abend erst sollte das Bewußte, Entsetzliche geholt werden...

Der geplante Aeroplanflug durch Amerika, den der amerikanische Aviatiker Fowler von San Franzisko aus angetreten hatte, um von dort nach Neuvort zu fliegen, hat ein schnelles Ende gefunden. Nach Zurüc legung von 142 m. stirate Fowler bei der Ueberque­rung eines Gebirges ab, wobei seine Maschine in Trümmer ging. Fowler selbst blieb unverlegt.

Marokko und die deutschen Fürsten. Der Vor­sigende des Alldeutschen Verbandes, H. Claß in Mainz, hatte fürzlich sämtlichen deutschen Fürsten seine Schrift West marotto deutsch" überreicht. Von den Fürsten haben sämtliche, mit Ausnahme von zweten, ge­antwortet, und aus den Antworten geht hervor, daß die deutschen Fürsten im allgemeinen in der Marokkofrage ebenso fühlen und empfinden wie die ganze Nation.

In der Nacht wurde das junge Mädchen vont einem heftigen Fieberanfall gepackt. Sie weckte ihre Bofe und ließ von dieser das vom Arzte bei solchen Anlässen verordnete Chinin in doppelter Portion fich reichen. Sie durfte nicht krank werden, jetzt nicht. Am nächsten Morgen war das Fieber gewichen, allein sie war so matt, daß sie sich kaum zu erheben vermochte. Wie gelähmt lag sie im Bett und mußte tmmerwährend an das eine Entsetzliche denken: daran,

Mit Rücksicht auf den großen Futtermangel hat das Generalfommando des 7. Armeekorps in Münster an­geordnet, daß die Korpsmanöver, die vom 20. bis 22. September stattfinden sollten, ausfallen. Die Truppen werden daher schon am 19. September in ihre Garni­sonen zurückkehren.

Der serbische Handelsminister hat mit Rücksicht auf die schwache Ernte und den großen Bedarf an Mais nach dem Berl. Lot.- Anz." die Ausfuhr von neuem Mais verboten. Das Ausfuhrverbot tritt am 14. Oktober

Zu Festungshaft begnadigt. Der Kaiser hat den wegen einer Revolverschießeret im Wilhelmshavener Weinrestaurant Rheingold zu dret Monaten Gefängnis verurteilten Leutnant 3. S. a. D. Opolski zu Festungs­haft begnadigt.

Ein tödlicher Fahrstuhlnnfall ereignete fich gestern auf dem Neubau der Firma Jsrael in der Spandauer Straße zu Berlin. Dort gertet ein Monteur zwischen einen Fahrstuhl und den Fahrstuhlschacht, so daß ihm der Kopf vom Rumpf abgerissen wurde. Der Tod trat auf der Stelle ein.

daß man dem Preußenkönige nach dem Leben trachtete. Ste, die darum wußte, durfte es nicht geschehen lassen; auf die eine oder andere Weise mußte das Unheil verhindert und der König gewarnt werden. Aber wie sollte es geschehen? Sie zerbrach sich den Kopf. Tausend Pläne kreuzten ihr Hirn, Pläne, die sich als untauglich erwiesen, und die sie immer wieder ver­warf.

Endlich aber glaubte sie das Rechte gefunden zu haben. Sie mußte zu Baron Malzahn gehen, ihm die erlauschte Unterhaltung mitteilen, und er mußte alsdann das Wettere veranlassen.

Ein Knabenmord im Rheinland. In der Nähe des Königsstuhls bei Koblenz wurde gestern nachmittag ein achtjähriger Knabe von einem 22jährigen stellungslosen Arbeiter erwürgt. Der Mörder ist nach einigen Stunt den mit Hilfe von Polizeihunden ermittelt worden.

Ein Hagelsturm verheerte die Weinberge in der Um­gebung der Stadt Würzburg und zerstörte viele Gärt nereien. In den Straßen der Stadt lag der Hagel fußhoch.

Infolge des Genusses giftiger Pilze tam in Ga­lizisch- Ofna die achtköpfige Familie des Gutsbesitzers Rosanski ums Leben.

Als sie zu diesem Entschlusse gekommen war, wur­de Beate merklich ruhiger. Sie ließ sich sogar einen fleinen Jmbiß und ein Glas Wein reichen; beides tat thr gut. Sie fühlte sich kräftiger und beschloß, sich au erheben. Eine Zofe war ihrer jungen Herrin behülf­Itch. Diese mußte Beate in warme Kleidung hüllen und einen warmen Mantel zurechtlegen. Dann schickte sie das Mädchen aus dem Zimmer mit der Weisung, sie wünschte vorläufig nicht gestört zu werden.

Inzwischen war es dämmerig geworden; das war die beste Zeit, um ihr Vorhaben auszuführen.

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Der Großherzog von Luxemburg gehört bekannt lich zu den reichsten Fürsten und dieser reiche Fürst lebt seit Jahren gelähmt und der Sprache und Sehkraft be­raubt, außerdem an einer schweren innerlichen Krant­hett leidend, auf dem Bergschloß Hohenburg bei Tölz, wo er sich ständig in Behandlung von ärztlichen Autort täten befindet. Morgen wird der Großherzog Wilhelm von seiner Gattin nach dem neuen Schloß Solmarberg in Luxemburg gebracht werden. In dem Sonderzug ist ein Krankensalonwagen für den Großherzog eingestellt. Politische Rücksichten legten es der Großherzogin- Ne­gentin nahe, die Residenz nach Luxemburg au verlegen, da es seit langem als Uebelstand befunden wurde, daß die Regentin wegen der Krankheit des Großherzogs weit mehr im Ausland, als im eigenen Lande verweile. Der Schülerstreit in England. Die sogenannten Schulstreiks dehnen sich mit derselben Schnelligkeit wie seinerzeit die Transportarbeiterstreits über das ganze Land aus. In den Londoner Vorstädten haben sich so­gar Schulmädchen den Streifern angeschlossen. In Lt= verpool und Manchester sind die Jungen wieder zu ihren Schreibtafeln zurückgekehrt, dagegen wird von neuen Streits in anderen Orten berichtet. In Porn­dersend haben die Jungen einen großen Sieg errungen; nicht länger darf eine gewöhnliche Lehrerin oder ein Lehrer sie züchtigen. In Zukunft wird nur noch der Leiter der Schule die Rute führen. In Grimsby filbrte ein verwegener Junge auf einem Pony rettend seine mit Besen bewaffneten Kameraden zum Sturm auf die Schule. Der Angriff wurde jedoch von dem Türhüter abgeschlagen.. Wie die Alten seinerzeit, so haben auch die Jungen feine flare Idee davon, weshalb sie eigent­

Ste hüllte sich in den dunklen Mantel und legte ein schwarzes Tuch über die ungepuderten, heute nur leicht aufgesteckten Haare. Nun war sie berett. Als sie sich der Türschwelle näherte, fiberflog sie ein Teichtes Bittern. Sie fühlte sich recht matt und elend, aber sie wußte, daß sie sich diesem Empfinden nicht Hingebn durfte. Sie mußte, und dieses Muß gab ihr Kraft und Mut. Für einen Augenblick setzte sie sich, um Ruhe zu schöpfen, in den Lehnstuhl. Der Schwin­del ging voritber.

Sie verließ das Bimmer, dessen Tür unweit einer Nebentreppe mündete, so konnte sie hoffen, falls fie nur ein wenig von den Umständen begünstigt wunde, unbemerkt das Haus zu verlassen. Und sie hatte Glitd.

Kein Domestik war sichtbar, wie ein Schatten schlüpfte sie durch das Hinterpförtchen aus dem Schlosse.

Als sie ins Freie gelangt war, atmete sie tief auf. Ste fühlte sich wie erlöst, aber doch wußte sie, daß der schlimmste Teil ihres Vorhabens noch nicht erledigt war. So drängte sie vorwärts. Auf den Straßen war es still; sie traf wenig Fußgänger, feine Bekannten. Wer hätte auch in der dichtverschleierten, eilig dahin­schteßenden Frauengestalt die junge Komtesse Brühl vermutet! Vorwärts, vorwärts, das war ihr einziger Gedanke.

Endlich gelangte sie an das Palais, das den preußt­schen Botschafter beherbergte. Das Tor war verschlos­sen, allein, nachdem sie den Klopfer in Bewegung ge­setzt, wurde ihr geöffnet.

Der Pförtner betrachtete mit Mißtrauen die dicht­vermummte Frauengestalt. Dann fragte er barsch, was und zu wem sie wolle.

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Sie wünsche zum Herrn Baron von Malzahn ge­führt zu werden, Klang die mit leiser Stimme gegebene Antwort.

Darob erneutes Staunen des stattlichen Pförtners und schließlich die Bemerkung, daß der Herr Baron nicht so ohne weiteres jedes Frauenzimmer empfange. Beate wurde glühend rot.

Erst jetzt empfand sie eigentlich, was sie wagte, tn­dem sie sich zur Abendzeit in das Haus eines unver­Heirateten Mannes drängte.

Bitte," erwiderte sie endlich, ich muß den Herrn Baron sprechen, Sachen von höchster Wichtigkeit.. Der Pförtner zuckte die Achseln, endlich meinte er:" Rann Sie mir nicht sagen, um was es sich handelt? Ohne weiteres möchte ich den Herrn Baron stören."

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Gottlob, daß er zu Hause ist, dachte Beate, zu­gleich nachsinnend, ob sie dem Baron nicht ein Er­fennungszeichen senden könne.

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