Die französische Antwort.
Berföhnlich, aber feft.
Der französische Ministerrat wird sich voraussichtlich beute schon über die Antwort auf die deutschen Gegenvorschläge schlüssig machen. Ueber den Sinn dieser Antwort war gestern in allen Pariser Beitungen viel zu lefen, und zwar in einer so einheitlichen Form, daß eine offiziöse Einwirkung unverfennbar ist. Frantretch wird in versöhnlicher Form, aber mit größter Festigkeit alle Gegenvorschläge ablehnen, welche direkt obert ndirekt die allgemeinen Grundsätze des zu schaffenden Vertrages schäbigen können. Einige Detailfragen sollen dagegen im Sinne Deutschland entschteden werden. Die Schädigung der allgemeinen Grundsätze wird darin gesehen, daß Deutschland nicht wirtschaftliche Gleichheit, sondern wirtschaftliche Privilegien in Maroffo verlange. Die„ Köln. 8tg." bezeichnet die Behauptung, Deutschland verlange eine wirtschaftliche Vorzugsstellung in Marotto, die dann natürlich eine Benachteiligung der anderen in Maroffo beteiligten Mächte mit sich bringen würde, als eine grobe Erfindung, dazu bestimmt, die anderen Mächte über unsere Absichten zu täuschen. Was Deutschland in Marotto wirtschaftlich anstrebt, ist nur das Verlangen, ein Uebergewicht Frankreichs in wirtschaftlicher Hinsicht zum Schaden der übrigen in Maroffo interessierten Staaten zu verhindern.
Wenn sich schließlich aber auch die französische Negierung davon überzeugen lassen sollte, daß Deutschland in Maroffo feine Privilegien anstrebt, muß damit ge= rechnet werden, daß sie die deutschen Vorschläge nicht ohne Einwendungen lassen wird, so daß eine Gegenäußerung sich als notwendig erweisen wird.
Die„ Berlin" bleibt in Agadir.
tterung, Munition und unterhalt von Mannschaften und Offizieren auf 3 bis 4 Milliarden erhöht.
Rundschan oom Cage. Politisches.
Kaiser Wilhelm und von Riderlen. Die„ Nordd. Allg. 8tg." schreibt bestätigend, der Kaiser habe am Sonntag vormittag den Staatssekretär des Auswärti= gen von Riderlen- Wächter nach Potsdam berufen, um sich vor der Abreise ins Manöver über die Einzelheiten der Maroffoverhandlungen Vortrag haften zu lassen. Der Staatssekretär nahm darauf an der Frühstückstafel teil. Die Reifedispositionen des Kaisers. Der Kaiser wird am Freitag nachmittag 5 Uhr in Elbing eintreffen und sich im Auto nach Ca dinen begeben. Die Kaiserin und die Prinzessin Vittoria Luise treffen zwei Stun den vorher dort ein. Am 18. Oftober fommt der Kaiser zur Enthüllung eines Denkmals für Kaiser Friedrich nach Aachen.
Die Voss. 3tg." verzeichnete gestern abend das Gerücht, die Berlin" solle von Agadir abberufen werden. An ihre Stelle solle ein Kriegsschiff einer neutralen Macht( man rät auf Desterreich- Ungarn) den Schutz der Europäer in jenem Teile Maroffos übernehmen. Dieses Gericht wurde gücklicherweise aber sofort nach Bekanntwerden von Wolffs Telegraphen- Bureau als unrichtig bezeichnet.
Herr von Kiderlen ist hoffnungsvoll.
Behn Millionen zur Abwehr des landwirtschaftli= chen Rotstandes. Wie die„ Cöln. 3tg." erfährt, hat die Leitung der Preußischen Zentralgenossenschaftskasse beschlossen, den mit ihr in Verbindung stehenden Genossenschaften einen Betrag von zunächst 10 Mill. Mart zu etwa 3%% zum Zwecke des Ankaufs von Futter= mitteln und der Erhaltung des Viehbestan= des zur Verfügung zit stellen. Die Darlehnsnehmer müssen sich verpflichten, das Geld ausschließlich zum Ankauf von Futtermitteln zu verwenden und ihren Vichbestand nicht zu verringern. Die Darlehen dürften bis zum Herbst n. J. gewährt werden.
Herr von Kiderlen- Wächter, in dessen Brust das Geheimnis des augenblicklichen Standes der marokkanischen Verhandlungen wie in einem eisernen Schranke wohlverschlossen ruht, hat sichwährend der letzten Tage bet verschiedenen Gelegenheiten im geselligen Zusam= mensein dahin ausgesprochen, daß er die Lage günstig beurteile und einen glücklichen Ausgang der VerHandlungen mit vollst er Zuversicht erwarte. Da der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes ein Mann ist, der in einer langen Reihe von Dienstjahren gelernt hat, den Wert seiner Worte abzuwägen, und da andererseits seiner Natur jede unangebrachte Sentimentalität fern Itegt, so verdienen diese Aeußerungen die allge= meinste Beachtung.
Die Rüstungen in Belgien.
Nach einer Meldung aus Brüssel bestätigt sich das Gerücht, daß die beschleunigte Rückkehr des Königs in der Spannung der internationalen politischen Lage th= ren Grund habe. Der König trifft heute in Brüssel ein, wo der Ministerrat sofort weitere umfassende Verteidigungsmaßnahmen beraten wird, da der Kriegsminister die bisherigen Vorkehrungen als ungenügend bezeichnet hat.
Folgen des Marotfostreites.
stralien her in Marseille ein. Das Schiff führt die erste Sendung australischer Butter für Europa an Bord. 10 To. find für Frankreich bestimmt, während 240 To. Butter nach London weitergehen.
Die Aussperrungen in der Metallindustrie sollen in Chemnitz und Dresden am 13. September abends aufgehoben werden. Die Aussperrungen werden jedoch am 27. September in vollem Umfange wieder aufgenommen, falls bis 23. September abends die Verhand= lungen in Leipzig nicht zu einer vollen Einigung ge= führt haben werden. Vermischtes.
Fleischeinfuhr nach Deutschland? Die deutsche Negierung hat den schweizerischen Bundesrat um Auskunft ersucht über die Erfahrungen, die die Schweiz mit der Einfuhr von gefrorenem, überseeischem, insbesondere argentinischem Fleisch gemacht hat. Der Bundesrat wird der deutschen Regierung die Antwort demnächst übermitteln.
Einem französischen Blatte zufolge soll ein großes Pariser Warenhaus Bestellungen in Höhe von 1% MilItonen Mark, die es in Deutschland gemacht hatte, z u= rit cf gezogen haben.
Das Schicksal der Fran v. Schönebeck. Wie aus Forst gemeldet wird, befindet sich Frau v. SchönebeckWeber seit einigen Tagen nicht mehr in Berlin. Sie hat mit Erlaubnis der Staatsanwaltschaft Berlin verlaffen, um auf einem Landgut in der Lausitz ihre durch die Manipulationen ihres Mannes völlig zerstörte Gesundheit wieder herzustellen. Sie soll sich zurzeit in einer bitteren Notlage befinden. Ihr 200 000 Mart betragendes Bermögen habe A. O. Weber mit Ausnahme der festgelegten Staution völlig verbraucht. Auch die Investierung eines Teiles diefes Geldes in das sogenannte Weberhaus sei, wie sich jetzt herausstelle, lediglich ein Trick gewesen, der verdecken sollte, daß Weber auch diesen Teil des Geldes au seinem persönlichen Verbrauch bestimmt batte. Tatsächlich habe Weber sich diese 40 000 Mart sofort nach Einzahlung angeeignet; angeb lich habe er dem Weberhaus dafür seine Autorrechte" verfauft. Frau Weber erzählte, sie habe ein paar Tage lang ohne jeden Pfennig Geld eristiert und von Kaffee und Brot gelebt, bis sie sich entschlossen habe, an be freundeter Stelle 5 Mark zu entleiben. A. O. Webers Verhaftung soll unmittelbar bevorstehen, zumal der Staatsanwaltschaft mitgeteilt worden sei, daß Weber von verwandtschaftlicher Seite die Mittel zur Flucht ins Ausland zur Verfügung gestellt werden sollen.
Auf dem sozialdemokratischen Parteitag in Jena wurden am Dienstag nach sehr erregten Debatten, in denen vor allem Bebel mit Rosa Luremburg und Ledebour hart aneinandergeriet, schließlich die Mißtrauensanträge gegen den Parteivorstand zurückgezogen. Bur Maroffofrage ist eine Resolution des Parteivorstandes eingelaufen, in der es heißt:„ Der Varteitag fordert die sofortige Einberufung des Reichstages, damit der Volksvertretung Gelegenheit gegeben wird, thre Meinung zu äußern und den volksfeindlichen Machinationen entgegenzutreten."
Die Anerkennung der Republik Portugal. England, Deutschland. Desterreich- Ungarn, Italien und Spanien haben die Republik Portugal anerkannt. Die Anerfennung des deutschen Reiches erfolgte durch den deutschen Gesandten Freiherrn von Bodman. Infolge der Anerkennung der Republit durch diese fünf Mächte wurden in Lissabon lebhafte Freudenkundgebungen veranstaltet. Die Menge veranstaltete vor den beteiligten Gesandtschaften Kundgebungen.
Ein chinesisches Flottenbanprogramm. Jm Marineministerium Chinas ist ein sich auf sieben Jahre er= streckendes Flottenbauprogramm ausgearbeitet worden, nach dem China am Ende der genannten Frist acht Linienschiffe. zwanzig Kreuzer, zehn andere Schiffe und 50 Torpedoboote, sowie vier Marinearsenale besitzen wird.
Die Kosten eines dentsch- französischen Krieges hat ein französischer Offizier, der Hauptmann Lautte, in einer Pariser militärischen Zeitschrift berechnet. Danach würde ein einziger Tag in dem der Berech nung zugrunde gelegten deutsch- französischen Kriege Frankreich annähernd 33 Millionen, und Deutschland, je nach der Einberufung der Altersflaffen, 37 bis 70 Millionen Franken kosten. Frankreich würde demzufolge in einem Monat für die Kriegführung 918 375 000 Franken, Deutschland 1098 900 000, und, falls auch der Landsturm eingezogen werden sollte, 2 307 000 000 Franken aufzubringen has ben. Daß auch der„ Krieg im Frieden" recht kostspielig ist, dafür erbringen vor allem die Flottenmanöver recht anschaulichen Beweis. So bedeuteten bet spielsweise die auf der Flottenparade in Toulon abgefeuerten Kanonenschitsse einen Munitionsverbrauch von 7 bis 8 Millionen Franken, da jeder Schuß 1750 Franten fostete. Die im Hafen von Toulon versammelte Flotte repräsentiert mit ihrem 468,000- Tonnengehalt einen Herstellungspreis von 1 Milliarde 150 Millionen, der sich durch die Kosten fitr Armierung, Verprovian
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Wefferwolken.
Roman von M. v. Buch.
( Nachdruck verboten.) Das Palais des Grafen Brithl, das Kunstschätze und Kostbarkeiten ohnegleichen barg, war preußischer Aufficht unterstellt worden.
Kleine Nachrichten.
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Das nervöse Zeitalter. Als Gipfel der Empfindfamkeit galt bisher die schöne Märchenprinzessin, die eine Erbie durch sieben Daunenbetten bindurch fühlte. Die Prinzess'it wird sich im Grabe berumdrehen, wenn sie folgende Geschichte hört. Ein Nürnberger Einwohner wandte sich mit einem Schreiben an den Magistrat und beschwerte sich, daß er in gröblicher Weise in seiner Nachtruhe acstört werde. Diefes Attentat auf die Nacht ruhe verübten aber nicht, wie gewöhnlich, iraendwelche Nachtschwärmer, sondern Nachtfalter und Mücken, die sich direkt als nächtliche Radaumacher betätigten. Sie flogen zusammen mit den altern um eine brennende Laterne, wie das die Gewohnheit derartiger Tierchen ist, und zwar mit solchem Gebrumm, daß der arme Mann, vor dessen Wohnung die Laterne stand, nicht schlafen fonnte. Sein Ansinnen ging also dabin, schleunigst die Laterne zu entfernen, um dadurch auch die Mücken und Falter los zu werden. Der Nürnberger Magistrat scheint weniger zart befaitet zu sein; er wies ohne jeg liche Spur von Mitgefühl das seltsame Gesuch furzer Hand ab.
Der Divisionspfarrer Vollmer in Berlin, der durch seine jüngsten Jatho- Predigten bekannt geworden war, hat in eine Anstalt gebracht werden müssen. Er zeigte am Freitag Spuren von Geistesstörung und hielt von dem Balkon seiner Wohnung herab eine Ansprache über den Fall Jatho, die einen großen Straßenauflauf verursachte.
Nur einige Zimmer batte man aus besonderer Courtoisie der Gräfin und ihrer Tochter reserviert.
Ingenieur Richter ist Dienstag mittag 12% Uhr in Jena angekommen, wo er von einer großen Menschenmenge erwartet und lebhaft begrüßt wurde. Richter fuhr mit seiner Mutter, setner Frau und seiner Tante in einem offenen mit Blumen geschmückten Wagen zu seiner Wohnung, unterwegs dauerte die Begrüßung fort.
Beide Damen saßen in dem behaglich eingerichteten Boudoir der Gräfin. Es war falt, trotzdem der April Ins Land gezogen war, und so loderte im Ofen, der einer antiken Säule nachgebildet war, ein helles Feuer. Die Damen sahen ein wenig leidend aus, Komtesse Beate sehr ernst.
Ausreichend mit Belobigung." Wie die Tgl. Rdsch." mitteilt, ist die Prädikatsskala bei den Prüfungen der preußischen Gerichtsassessoren durch ein neues Prädikat Ausreichend mit Belobigung" erweitert worden. Es soll allen denen zuteil werden, die in ihren Pritfungsleistungen das ausreichende Maß zwar übertreffen, aber das Prädikat„ Gut" nicht rechtfertigen.
Der deutsche Anwaltstag in Würzburg lehnte den Numerus clausus( Beschränkung der Zahl der Anwälte) mit 619 gegen 244 Stimmen ab.
Sie dachte an das Gefühl, das sie einst an jenem Maimorgen empfunden, und das sie dem Baron Malzahn, als sie dieser wenige Stunden später am Klavezin belauscht, gestanden hatte. Damals hatte sie eine Ahnung von den künftigen schlimmen Ereignissen Aberkommen, es war ihr gewesen, als wanke der Boden unter ihren Füßen, als habe sie keine Zukunft mehr au erwarten. Alzit rasch waren die schlimmen Ahnungen Wirklichkeit geworden. Ihr Vater war geflüchtet, sie selbst und ihre Mutter waren halb und balb Gefangene in dem Hause, in dem die Preußen das Regiment führten.
Die erste australische Butter für Europa. Der engItsche Dampfer Mivoltan" traf am Montag von Au
Malzahn hatte sie im Laufe des Winters nur wenig gefeben. Die Damen hielten sich, wie begreiflich, der Gesellschaft, in der die Preußen vorherrschend waren, ferit. Und hatte man sich te hin und wieder getroffen, so blieb Malzahn in fühler Reserve.
Ein Polizeibeamter von Kroaten erstochen. In dem Orte Deleckte bei Soest geriet in einer Wirtschaft ein Metzger mit fünf bei dem Bau der Möbnetalsperre beschäftigten Kroaten in Streit. Der Metzger erbielt Dolchstiche in Geficht und Arm. Der Wirt rief den Polizeisergeanten Wulff zu Hilfe, der sich bemühte, die Streitenden zu trennen. Hierbei wurde der Beamte von den Kroaten erstochen. Die Mörder flüchteten in den Wald. Ein zu ihrer Verfolgung beordertes Bolizelaufgebot fonnte vier der Verbrecher festnehmen. Der ermordete Beamte hinterläßt Frau und sechs Kinder. Ein propellerlofer Luftkreuzer, Die Berliner Luftantriebsgesellschaft erbaut zurzeit in der Barfevalhalle zu Reinickendorf für die preußische Heeresverwaltung einen propellerlosen Luftkreuzer, der seine Triebfraft in einer von Oberingenieur Schneider neufonstruterten harmonikaartigen Vorrichtung erhält. Das Luftschiff ist bis auf Kleinigkeiten bereits fertiggestellt. Die bisher vorgenommenen Proben haben ein durchaus befriedigendes Resultat ergeben.
Heute las sie nicht im neuen, sondern im alten Testament. Die Geschichte Judiths, die den Feind ihres Volkes, Holofernes, erschlägt, hatte sie beschäftigt.
Die Gräfin fand die Erzählung, wie sie sagte, aus verschiedenen Gründen sehr lehrreich. Diese Judith wurde als Retterin ihres Volkes gepriesen. Es gab also doch Zustände, in denen Totschlag oder Mord als gerechtfertigt erscheint. Nachdem sie darüber gesprochen, flagte sie über die schlechten zetten.
Die Gräfin hielt ein aufgeschlagenes Buch auf dem Schoß. Es war die Bibel, in der sie, obwohl sie vorgab, Freigeist zu sein, in der letzten Zeit zuweilen las. Ste meinte, es ließe sich in der heiligen Schrift doch Troft finden.
Die entführte Millionärstochter. Aus Budapest wird der B. 3. a. M." berichtet: Die Budapester Po lizei erhielt vor einigen Tagen folgende Depesche von der Berliner Polizei:„ Wir ersuchen, Josef Ortner, Bri vatdetektiv aus München, nicht aus dem Auge ait lasfen. Ortner trifft Sonntag mit dem Oderberger Zug in Budapest ein. Bitten zu erfahren, mit wem er ver fehrt, wo er fich ständig aufhält." Ortner wurde denn auch hier bei seiner Ankunft sofort erkannt und ständig beobachtet. Er wurde am Bahnhof von einem Manne erwartet, mit dem er in ein Kaffeehaus ging. In diesem Manne erkannte die Budapester Polizei einen steinreichen Breßburger Kaufmann, einen Junggesellen, der als Don Juan schon häufig der Polizei zu schaffen machte. Zwei Tage nach Ortner fam in Budapest der Berliner Detektiv Stache an und gab zur Erklärung der eingangs erwähnten Depesche an, daß der Preßburger Kaufmann ein 16jähriges Mädchen, Tochter eines Ber liner Millionärs, an sich gelockt habe und dann mit ihr erquickliche Zustand, in dem sich das Land befindet, geschaffen worden ist. Nebenbei bemerkt, was den Verräter betrifft, so habe ich meine ganz besondere Ansicht darüber. Kanzleisekretär Menzel hat, nachdem er setnen Abschied genommen, Dresden verlassen." Beate horchte auf.
„ Es ist entsetzlich, wie wir behandelt werden," Jammerte sie.„ Ich weiß, daß ich keinen Brief erhalte, der nicht zuvor durchstöbert und gelesen worden ist. Es ist unmöglich, mich mit Deinem Vater in Warschau zu verständigen. Da hat er uns neulich ein Faß Wein geschickt," fuhr sie fort, und die Preußen, die alles wis= sen, haben auch das ausspioniert. In den Keller famen Soldaten, vor deren Augen meine Leute es abstehen mußten. Das Faß aber barg Briefe und Papiere, deren Empfängerin ich hätte sein sollen, während die Geheimnisse nun den Preußen in die Hände fielen. Ist solche Behandlung nicht barbarisch? O, wie ich die Preußen hasse, thren König an der Spizze!" Beate schwieg, fie schaute vor sich hin. " Warum so stumm?" fragte die Mutter.
Ich überlege nur, ob der König in der Tat so barbarisch handelt, wie Sie behaupten, meine Mutter," entgegnete fie.„ Wenn wir Sachsen gemeinschaftlich mit den Desterreichern ihn zu überfallen gedachten, so ist das auch kein Freundschaftsbeweis, und der König Friedrich hatte recht, auf seiner Hut zu sein.
„ Aber Beate!" rief die Mutter, hast Du vergessen, wie dieser kleine Marquis de Brandenbourg unsere arme Königin behandelt hat. Der Kommandant von Dresden ist ins Schloß gedrungen, um im Geheimarchiv nach den bewußten Papieren zu suchen, Du weißt, die Dokumente," schaltete sie ein, deren Inhalt dem Könige verraten, und wodurch dieser jetzige un
" Menzel," wiederholte sie und fuhr dann fort: " Das arme Aennchen, ich denke zuweilen an sie.. Die Gräfin zuckte die Achseln.
„ Kind, werde nicht sentimental. Es war ihre Schuld, die Schuld des Mädchens, meine ich. Warum hat fie sich das Leben genommen? Ihr Liebhaber Glasau, dem fie zumutete, sie zu heiraten, nachdem sie sich an ihn fort geworfen, konnte sich wirklich nicht so ohne weiteres an das erste beste Gänschen binden. Der Mensch hatte eine Zukunft vor sich. Er stand mit hohen Herren in Verbindung, die noch viel von ihm erwarteten." „ Woher wissen Sie das, Mama?" fragte Beate er
staunt.
„ Kind, frage nicht; genug, daß ich es weiß", sagte die Gräfin ein wenig ungeduldig.„ Höre weiter von unserer armen Königin. General von Wylich verlangte Einblick in das Archiv. Man sagte, daß dazu nur Ihre Majestät die Schlüssel befäße, den diese natürlich verweigerte. Das Archiv steht, nebenbei bemerkt, mit den Gemächern der Königin in Verbindung. Was tut nun dieses Ungeheuer von Wylich? Er dringt bis an das Zimmer Jhrer Majestät vor. Diese ist außer sich. Wylich verlangt den Schlüssel, und als ihn die Königin von neuem verweigert, erzwingt er sich, hörst Du wohl, erzwingt er fich den Eintritt durch die geheiligten Räume der Königin in das Geheimarchiv."
Beate seufzte ein wenig.
" General Wylich gewann Einblick in die Aften auf Befehl seines Königs; ich finde, in diesem Falle tat er einfach seine Pflicht und Schuldigkeit! Wie hätte er den Auftrag erfüllen sollen? Ich weiß es nicht."
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