Ein Attentat vor fünfzig Jahren.
Es war am 14. Jult des Jahres 1861. Das herrhe Garten- und Waldrevter in Baden- Baden leuchtete in Sommergrün und Sonnenglanz. Röntg 28 ilhelm weilte in dem berühmten Bad als Kurgast, um neue Spanntraft für Körper und Geist zu gewinnen. Er bedurfte der Ausspannung um so mehr, als er eben erst die feit der Mobilmachung 1859 als Notwendigkeit erfannte Reorganisation der preußischen Armee vollendet hatte. Jeden Morgen pflegte er einen längeren Spaziergang zu machen. Auch am 14. Jult, vormitfags, zwischen acht und neun Uhr, schritt er mit seinem Begleiter, dem preußischen Gesandten Brafen Flemming, langsam die schöne Lichtenthaler Allee entlang. Da, mit einem Male, in unmittelbarer Nähe ein furzer, Scharfer Stnall und das 8tschen einer Kugel. Der König tust, macht eine Handbewegung nach dem Haupte, fagt gelaffen:„ Es ist nichts!" und wendet sich um. Auch Graf Flemming hat sich umgewandt. Wenige Schritte von ihnen entfernt steht ein junger Mann, dessen Unruhe den Täter verrät. Der Graf stürzt sich auf ihn und hält thn feft:„ Wer hat geschoffen?" Jch!" Auf was oder auf wen?"" Auf den König!" und die Bistole?"" Dort im Grase!" Während der Graf im Berein mit herbeigeeilten Sturgästen die Verhaftung des Frevlers bewirkt, setzt der König, der feinen Augenblid setne Geistesgegenwart verloren hat, den Weg nach Lichtenthal, den seine Gemahlin ahnungslos vorangegangen ist, mit einer Ruhe fort, als ob nichts vorges fallen fet. Nicht mit einer Bewegung, nicht mit dem letfesten Ausdruck des Schmerzes verrät er, daß die Sugel ihn gestreift hat. Das aus nächster Nähe abgefeuerte Geschoß des fundigen Schüßen war zwar durch den Rodfragen des Königs gedrungen, hatte aber glücklicherweise nur eine blutig unterlaufene Kontusion in der Größe eines Talers an der linten Seite des Halses erzeugt.
Der Attentäter gab an, Oskar Beder zu heißen und seit 1859 in Leipzig Rechts- und Staatswissenschaft zu studieren. Gefragt, warum er den Mordversuch unfernommen, gab er zur Antwort: weil er in der Perfon des Königs ein Hindernis für die Einigung Deutschlands erblice. Die weiteren Feststellungen ergaben, daß Becker am 18. Juni 1839 in Odessa geboren war, wo fein aus Leipzig gebürtiger Bater das Amt eines Lyzeumsdirektors befleidete, und daß er die Tat aus fretem Antriebe ohne die Mitwissenschaft anderer Berfonen ausgeübt hatte. Das Schwurgericht zu Bruchfal verurteilte ihn zu zwanzig Jahren Zuchthaus. Die Erregung über das Attentat war in Deutschland so allgemein, daß König Wilhelm am 2. August 1861 in einem Erlaß seinen herzlichen Dank veröffentlichte. Der FitrSprache des hochherzigen Königs hatte es Becker zu verbanken, daß er im Oftober 1866 begnadigt wurde. Er siedelte nach Nordamerika über und trat von dort aus im Jahre 1868 eine Reise nach dem Westen an, auf der er im Oktober desselben Jahres starb.
Auf der Jagd nach Ingenieur Richter.
Aus Konstantinopel wird der„ Inf." geschrieben: Die Räuber des Ingenieurs Richter zeigen eine unglaubliche Verbrechergewandtheit, wie sie nur in den wildesten Kriminalromanen zu finden ist. Die türkische Regierung hat bereits den schnellsten und geschicktesten Soldateft gegen ihn mobil gemacht. Der von allen Räuberbanden gefürchtete Jägerhauptmann Hamid Bey von den Salonifer Jägern ist mit 2500 Mann gegen die Näuber aufgebrochen, ohne scheinbar auch nur eine Spur von ihnen zu finden. Wenigstens offiziell gibt es noch keine Spur. Da aber Samid Bey ein Mann der Tat und nicht des Wortes ist, so fann man vielleicht an= nehmen, daß er den Räubern dicht auf den Fersen ist. Seine 2500 Jäger, die mit ihm ziehen und fedes Dorf und jeden Pfad im Gebirge fennen, sind von der Geschicklichkeit der Indianer und gewährleisten fast sicher einen Erfolg. Hin und wieder wird das Stillschweigen, das von den Verfolgern bewahrt wird, durch irgend ein nur dem Vertrauten sichtbares Zeichen unterbrochen. Vor einigen Tagen machte sich plößlich der Major Halid Ben mit 1000 Mann auf, um einen Uebungsmarsch anzutreten, von dem sie nicht mehr zurückkehrten. Da die 1000 Mann woht faum geraubt worden sind, so wird Ihr Verschwinden durch kein Verbrechen begründet sein, fondern man nimmt an, daß sie von Hamid Bey ein Beichen bekommen haben und zu ihm gestoßen sind, um fich auf anderen Wegen an der Verfolgung zu beteiltgen. Dazu marschiereit des Abends oder nachts aus Saloniki Soldatenabteilungen nach allen Himmelsrichfungen, feldmarschmäßig ausgerüstet, mit bestimmter Order. Es ist keine Frage mehr, daß das Versteck der Räuber ausgefundschaftet ist, und daß fie jetzt von allen Seiten umsingelt werden, um nicht mehr entweichen zu fönnen. Zuerst wird eine Abteilung den Räubern das Lösegeld bringen, um den gefangenen Ingenieur lebendig aus ihren Händen zu befreien. Sie werden sich des Lösegeldes aber nicht lange freuen können; denn selbst auf den schwierigsten und unwegsamsten Gebirgs
Jugendfreundschaft.
Roman von G. v. Schlippenbach. 14) ( Nachdruck verboten.) Karla, die von ihrer Mutter gehegte, einzige Tochter sab sehr ernst aus, eine leise Wehmut lag über dem reizenden Geficht.
" Ja, ja," sagte Frau Haldeck mit seltsam schwerer Betonung, so sieht jetzt mein Liebling aus, sie ist erst ein Jahr verheiratet."
" Du glaubst, daß sie nicht glidlich ist?" fragte Frau Grotenbach Telfe.
" Glücklich!" rief Anna,„ kann sie es mit Jenem Manne sein, der nicht zu ihr paßt; ich habe es kommen sehen, Uchatscheff versteht Starla nicht!"
Sie war so bewegt, daß sie lange schwieg, endlich fagte fie:
" Was vermögen wir Eltern, wenn es gilt, gegen awei Verliebte anzukämpfen? Wir müssen schließlich gegen unsere bitterste Ueberzeugung nachgeben."
„ Du schienst aber selbst eine günstigere Ansicht über Deinen Schwiegersohn gewonnen zu haben", warf Frau Grotenbach elt.
„ Leider steckt nichts hinter seinem bestechenden Wefen, er ist eben aus einer ganz anderen Sphäre als Karla, ein Lebemann und ein Mensch, der ihr eigenstes Wesen oberflächlich beurteilt, und Karla ist eine sehr feinfühlige Natur, die schweigend leidet und zu stola zum Klagen ist über das, was sie selbst gewollt bat."
" Dit siehst vielleicht zu schwarz, Liebste," sagte Frau Grotenbach.„ Da Du ja bald zu Deiner Tochter reisen willst, kannst Du selbst urteilen, und ich hoffe von ganzem Herzen, daß Du Dich getäuscht hast."
" Gott gebe es," versetzte Frau Haideck inbrünstig. Adam und Kurt kamen, um die Mutter abzuholen; swaren ein paar prächtige Buben geworden, mit of
pfaden, auf denen sie den Rüdzug antreten werden, wird sich ihnen plöglich eine Abteilung Jäger zum Gruß entgegenstellen, die ihnen die runde Million mit Vergnügen wird abnehmen und die Herren Räuber ins Gefängnis führen wird. Man sagt hier, wo Hauptmann Hamid Bey seine Hand im Spiele hat, ist noch nie etwas verloren worden. Hoffentlich bewährt sich sein Geschäft auch dem Ingenieur Richter gegenüber und befreit ihn lebend aus der Gefangenschaft.
Rundschau vom Cage.
Politisches.
Ein Reichspetroleummonopol. Dem im nächsten Jahre zusammentretenden Reichstag dürfte, wie dem " B. T." von unterrichteter Sette mitgeteilt wird, vom Bundesrat der Entwurf eines Petroleummonopols vor= gelegt werden. Bekanntlich forderte eine Resolution des Abgeordneten Stresemann und Genossen schon während der diesjährigen Etatsberatung im Interesse der deutschen Konsumenten ein Verkaufsmonopol für PetroIeum. Der Kampf zwischen den amerikanischen und den österreichischen Petroleumproduzenten hat im letzten Jahre Formen angenommen, die die Reichsregierung zwingen, einzuschreiten. Die ununterbrochenen Preisunterbietungen der Rockefellergruppe bringen die Gefahr mit sich, daß die österreichischen Raffineure sich ganz vom deutschen Markt zurückziehen und den Amerikanern das Feld überlassen. Wenn die Amerikaner diese letzte Konkurrenz beseitigt haben, werden sie unzweifelhaft dem deutschen Konsum die Preise diktieren. Um dem dem deutschen Nationalvermögen drohenden Schaden zu begegnen, soll ein Reichspetroleummonopol vorgeschlagen werden.
In der gestrigen Schlußßigung des Zentralverbandes der Ortskrankenkassen Deutschlands, der in Dresden tagte, fam es zu einem scharfen Zusammenstoß zwischen den Vertretern der beiden Richtungen für und gegen die freie Aerztewahl. Der Kassenvorstand Pollender aus Leipzig vertrat energisch den Standpunkt, daß denfenigen Kaffen, die wie Leipzig selbst und viele andere gute Erfahrungen mit der freten Aerztewahl gemacht haben, freie Hand gelassen und sie nicht von der Mehrheit mundtot gemacht werden sollten. Der Abgeordnete Fräßdorf dagegen betonte, daß den Kassen im Kampf gegen die Aerzte von der Leipziger Richtung nicht in die Parade gefahren werden dürfe. Pollender( Leipzig) wurde infolge seines Verhaltens in der Aerztefrage nicht wieder in den Vorstand gewählt. Dagegen wurde Fräßdorf wieder zum Vorsitzenden und Dresden zum Vorort gewählt. Im Schlußwort betonte Fräßdorf, daß fte in den Ortskrankenkassen keine Parteipolitik, sonbern im Verein mit Behörden und Arbeitgebern nur Sozialpolitik treiben wollten.
Die 24. Hauptversammlung des Evangelischen Bundes vom 5. bis 8. Oktober in Dortmund steht unter dem Gesichtspunkt: Nationale Aufgaben des deutschen Protestantismus. Es werden folgende Vorträge ge= halten werden: Der Protestantismus und die deutschen Boltsstämme, Stadtpfarrer Fikenscher( Fürth), Der Brotestantismus und die deutschen Volksschichten, untversitätsprofessor Dr. v. Wenckstern( Breslau), Die Vorbedingungen eines wahren konfessionellen Friedens, Landtagsabgeordneter Amtsgerichtsrat Dr. Lohmann ( Weilburg), Das protestantische und das ultramontane Schulideal, Professor Dr. Wolff( Düsseldorf).
Die niederrheinisch- westfälische Bezirksgruppe des Sansabuudes gewann, wie aus Essen gemeldet wird, in den letzten Tagen wieder mehrere hundert Mitglie= der, so daß ihre Gesamtzahl jetzt etwa 1500 beträgt. Die Gruppe vertritt bekanntlich die durch den Austritt des Landrats a. D. Rötger hervorgerufene Sonderstellung.
Das Reichsviehsenchengeset wird, wie verlautet, im Frühjahr des nächsten Jahres in Kraft gesetzt werden, nachdem das preußische Ausführungsgesetz vom Landtage noch kurz vor Schluß der Session verabschiedet worden war.
Die Kleinen Kreuzer der Hochseeflotte sind, nachdem„ Berlin" in Marokko eingetroffen und damit einstweilen aus seinem bisherigen Verband ausgeschieden ist, sämtlich mit Turbinen versehen.„ Augsburg" gilt bisher als der schnellste Städtekreuzer, da er eine Höchst= geschwindigkeit von 27 Seemeilen erzielte.
Zu den deutsch- französischen Marokkoverhandlungen wird in französischen Regierungskreisen versichert, daß die Verhandlungen bisher aus dem Stadium des allgemeinen Ideenaustausches noch nicht hinausgekommen
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fenen, Iteben Gesichtern. Adam war ein langaufgeschos= sener Jüngling von fünfzehn Jahren, der zwölffährige Sturt ein bildhübscher, aufgeweckter Knabe, dessen Wunsch es war, die militärische Karriere zu ergreifen. „ Es Itegt mir fern, Dich zu beneiden, liebe Thekla," sagte Frau Haideck, aber wenn ich Deine Söhne sehe, so bedauere ich immer, daß ich nicht auch welche habe. Wie stolz mußt Du auf Alfred sein und wie Iteb sind die beiden jüngeren Söhne. Im Sommer macht Ihr Euch doch fret, Lina und Klara können Dich in der Pension vertreten, Du und Adam und Kurt, Ihr besucht mich in Strandhof."
" Ich folge gern Deiner Einladung," entgegnete Frau Grotenbach, wie geht es mit Deinem KrankenHause, hast Du jetzt eine tüchtige Lefterin an Vinas Stelle?"
„ Ja, es geht. Wie verschieden doch Deine Töchter find! Eva ist in allen Stücken das Gegenteil der älteren Schwester."
" Ich finde Evchen sehr ernst geworden; hat es etnen tieferen Grund?"
fie:
Frau Haideck schien etwas verlegen, dann sagte
„ Evchen hat mehr als einen Heiratsantrag gehabt; tch muß Dir jetzt erzählen, was ich Dir nicht verschwetgen darf. Bei meinen Bekannten in Rizza lernte Eva einen jungen Franzosen kennen, der ich thr in werbender Huldigung näberie; er heißt Robert Latour und ist ein bildschöner Mensch. Ich erkundigte mich nach thm, aber niemand wußte mir näheres zu sagen. So viel es in meinen Kräften stand, habe ich den allzu häufigen Verkehr der beiden jungen Leute verhindert, und als ich zu befürchten anfing, daß Eva sich die Sache zu Herzen nehmen würde, beschleunigte ich unsere Abreise von Nizza."
„ Und Du fürchtest, daß der Franzose Evas Liebe gewann?" fragte Frau Grotenbach bewegt.
find. Zu Pessimismus Itege jedoch kein Grund vor, aber auch eine optimistische Auffassung wäre verfrüht.
Das Gehalt des Präsidenten der Republik Portugal ist auf 55 000 Mark jährlich festgesetzt worden. Dazu erhält er noch etwa 30 000 Mart Repräsentationsgelder. Wenn der Präsident einen fremden Besuch- fet er vom Militär oder von der Marine empfängt, so soll er von einem besonders ernannten Offizier der Armee bezw. der Marine begleitet sein. Mitglieder der Familie des Präsidenten haben bet öffentlichen Funk tionen keine Bevorzugung zu erwarten.
Kleine Nachrichten.
Die Baffagierfahrten mit dem Zeppelinluftschiff „ Schwaben" werden am nächsten Sonnabend aufgenom men werden. Die Fahrten, die die ganze nächste Woche hindurch ausgeführt werden, bewegen sich in der Hauptfache über dem Bodenseegebiet. Am Montag, 24. Jult, wird das Luftschiff nach Baden- Baden übergeführt werden.
Entschädigung für die Witwe eines unschuldig Vers urteilten. Der Witwe des Fuhrmanns Robert Jmberg aus Herne, der im Meineidsprozeß Schröder zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt worden war, bewilligte der Justizminister für die von ihrem verstorbenen Mann unschuldig verbüßte Strafe 2400 Mark Entschädigung.
Ein Bund der kaufmännischen Angestellten wurde gestern in Berlin gegründet, der die kaufmännischen Angestellten der Industrie ähnlich wie die Techniker im Bund der technisch- industriellen Beamten auf unabhängiger gewerkschaftlicher Grundlage organisieren will. Ueber 4000 faufmännische Angestellte aus verschiedenen Teilen des Reiches beteiligten sich an der Gründung.
Für die Opfer des Erdbebens in Kecskemet hat Kaiser Franz Josef 100 000 kronen gespendet. Aus der Erdspalte bei Kecskemet kommt noch immer in regelmägen Zeitintervallen heißer Schlamm und feiner bläutficher Sand hervor Schwache Erdbeben erneuern sich täglich. Die Bevölkerung wagt noch nicht, in die Häuser zurückzukehren, da sie eine Wiederholung der Katastrophe befürchtet.
Der Bädergehilfenstreit in Budapest dauert noch immer an. Budapest ist seit drei Tagen ohne jedes Weiß- und Feingebäck. Dies wird besonders in den Spitälern schwer empfunden. Die Bäckermeister wollen gegenüber den hohen Lohnforderungen der Gehilfen feinesfalls nachgeben.
Erdbeben in Mezedonien. In Ochrida und Umgebung wurden gestern mittag mehrere heftige Erdstöße verspürt. Die Bevölkerung, unter der großer Schrecken herrscht, hat sich ins Freie begeben und schickt sich an, im Freien zu fampieren.
Versehentlich vergiftet hat sich in Wildenfels bet Zwickau der 40 Jahre alte verheiratete Stadtarzt Schreiter. Er hatte in seinem Sprechzimmer, während thn Batienter fonsultierten, aus einer Flasche gekostet, die eine Zyankalilösung enthielt. Der Arzt starb auf der Stelle.
Die Marter einer Irrfanigen. Die Poltzet int München- Gladbach befreite aus der Wohnung eines Stellmachers dessen geistesschwache dreißigjährige Schwägerin, die der Schwager seit mehreren Jahren hinter Schloß und Ricael htelt und mißhandelte.
Die Tat eines achtzehnjährigen Luftmörders bat die Umgegend von München in Aufregung verfeßt. Auf dem Gute Kläham hat der 18jährige Dienstbursche Georg Gschwendtner, ein entlassener Fürsorgezöaling, das 8fährige Töchterchen Cäcilie feines Dienstherrn, des Bauern Wietaler, ermordet. Die Gendarmerie fonnte den Mörder nur mit Mühe der Voltsiustiz entziehen und in das Gefängnis nach Landshut bringen.
Wissenschaft, Kunst und Litteratur.
Ein neuer Komet mit Schweif, der am 6. Jult im Sternbilde des Fuhrmann im Fernrohr auf der Licksternwarte in Kalifornien entdeckt wurde, ist am Mittwoch unt 2 Uhr nach langem Suchen auf hellem Him melsgrund von der Remetssternwarte in Bamberg als augenfälliges Objekt achter Größe mit einem Schweifanfaß im Fernrohr gesichtet worden. Der Komet entfernt sich scheinbar von der Sonne im Gegensatz zu den amerikanischen Meldungen. Er kann von den nördlichen Sternwarten aus besser beobachtet werden.
Ein Denkmal für Frik Renter. In Gegenwart des Großherzogs und der Großherzogin von Mecklenburg, des Regenten von Braunschweig und des Prinzen Heinrich der Niederlande sowie Vertretern von Reutervereinen und im Beisein vieler Tausender wurde gestern auf dem Marktplatz zu Stavenhagen das Dentmal Frizz Reuters, das Professor Wandschneider ge= schaffen hat, feierlich enthüllt. Bei der Vorfeier teilte Professor Golder( Rostock) mit, daß in Rostoc eine Reuterprofessur, der die wissenschaftliche Pflege der plattdeutschen Frage obliegen wird, und ein Reuterarchiv gegründet werden sollen.
„ Ich glaube es zuweilen, Evas mädchenhaftes, echt weibliches Empfinden verschließt sich feusch, sie gleicht der Mimose, die vor der leisesten Berührung erschrickt. Wenn ich im Herbst zu Karla reise, bleibt Eva bet. Dir; es wird ihr gut tun, einige Zeit die mütterlichen Flügel um sich zu fühlen, hoffentlich hat Latour Teinen ble benden Eindruck auf sie gemacht, die Zeit war ja wohl auch zu kurz."
Sechstes Kapitel.
Eva.
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Der Buchenwald in Rügen stand im Schmud seiner saftigen Blätter da. Schimmernd hoben sich die Kreide felsen gegen das grüne Laub ab. In smaragdgrüner Bläue breitete das Meer sich aus und goldene Sonnenfunken tanzten auf seiner Fläche. Wie Riesenzuckerhüte erhoben sich die Wissower Klinken, man genoß von dort aus einen herrliche Rundblic. Ein Fremder, der an diesem Tage in Saßnig eingetroffen war, stieg die Anhöhe empor, er hatte den Strohhut von schwarzen lockigen Haaren abgenommen, seine stechenden dunklen Augen hielten Umschau.„ Ich muß sie wieder finden," murmelte er in französischer Sprache, „ Ich muß."
Er schritt durch den Wald, spähend sah er sich um, aber erst nach längerem Wandern begegnete er einer Bauersfrau, die in stark gebrochenem Deutsch nach dem nächsten Weg nach dem Strandhof fragte. Auf ihren Bescheid hin schritt Latour denn er war es weiter. Blötzlich hörte er Stimmen und folgte ihnen. Es waren zwei Knaben, die sich auf einer Waldwiese mit einem Hunde tummelten.
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„ Guten Tag, meine jungen Herren," sagte der Fremde höflich. „ Eva, Eva!" rief der kleinere Junge, wo steckst Du? Komm her!"
( Fortsetzung folgt.)


