Ausgabe 
14.3.1911 Erstes Blatt
 
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Tot aufgefunden wurden am Sonnabend in Berlin in hrer Wohnung in der Wrangelstraße der Hausbesitzer Vogt und seine Ehefrau. Beide hatten sich in gegenseitigem Ein­verständnis durch Einatmen von Gas das Leben genommen. Gin unheilbares Lungenleiden des Mannes hat das Ehe­paar in den Tod getrieben.

Durch Explosion chemischer Stoffe während eines Vor: trages getötet wurde in Zürich ein Professor der Chemie. Seine Leiche wurde schwer verstümmelt. Die Schüler blie= ben unverletzt.

Das unvorsichtige Umgehen mit einer Schußwaffe hat abermals ein Opfer gefordert. In Essen wurde die Frau des Theaterdirektors Hartmann in ihrer Wohnung von ihrem Sohne, einem Studenten, der mit einer Browning­pistole unvorsichtig hantierte, durch einen Schuß in die linke Brustseite getötet.

Ueber ein Grubenunglück wird aus Eisleben berichtet: Auf dem Vittumschacht wurden Sonnabend abend durch et­nen zu früh losgegangenen Dynamitschuß ein Steiger und awei Berglente sofort getötet.

Ein tödlicher Unfall ereignete sich gestern in einer Ka­ferne in Graz. Knapp vor Beginn des Einjährig- Freiwil­ligen- Unterrichts lud ein Einjähriger sein Gewehr mit et= ner scharfen Patrone und erhob das Gewehr zum Anschlag. In dem Moment, als er losdrückte, betrat ein anderer Ein­jähriger das Zimmer. Die Kugel drang diesem in den Kopf, und der Getroffene war in wenigen Minuten tot. Der un­glückliche Schüße beging in der Verzweiflung einen Selbst­mordversuch, der aber mißglückte.

Vermischtes.

Das neue Militärluftschiff M. 4" hat Sonnabend nachmittag vom Tegeler Schießplag aus den ersten Auf­stieg unternommen und ist nach 40 Minuten langer Fahrt glatt gelandet. Das Luftschiff ist 96 Meter lang, hat ei nen Durchmesser von 12% Meter und faßt 10 000 Rubik­meter Gas. Das Luftschiff hat zwei Gondeln, die mit je 200- PS.- Motoren ausgerüstet sind, welche wiederum zwei vierflüglige Propeller an beiden Seiten der Gondeln trei­ben. In den Gondeln befanden sich zusammen 10 Mann. Auch das neue Siemens- Schuckertluftschiff unternahm am Sonnabend von seiner Ballonhalle in Biesdorf eine grö­ßere Fahrt rund um Berlin. Es nahm seinen Kurs über Rirdorf, Tempelhof, Schöneberg und Charlottenburg nach dem Tegele: Schießplay, wo es über dem Gelände des Luftschiffervereins längere Zeit kreiste, dann wandte es fich über Reinickendorf, Niederschönhausen, Weißensee und Biesdorf zurück. An der Fahrt hatten 12 Personen teilge=

nommen.

Der Diebstahl im Reichskanzlerpalais. Die Krimi­nalpolizei ist, wie Berliner Blätter erfahren, dem Dieb, der im Reichskanzlerpalais eine Brillantnadel des Reichs­tanzlers im Werte von etwa 1800 M. gestohlen hat, auf der Spur. Nach der Entdeckung des Diebstahls war bei den Bediensteten des Reichskanzlers sofort eine Untersu= worden. chung ihrer Koffer und Kleider vorgenommen Bei einer der Köchinnen fand man eine Momentphoto­graphic, die die Köchin in Gesellschaft eines eleganten Herrn darstellt. Die Ermittelungen ergaben, daß dieser Herr, der die Bekanntschaft der Köchin gemacht hatte, schon früher längere Zeit in einem Hotel Unter den Linden ge= wohnt hatte, und daß er sich auch bis vor zwei oder drei Tagen in Berlin aufgehalten hat. Die Polizei nimmt an, daß dieser Mann, dessen Personalien ermittelt sind, in Verbindung mit dem Diebstahl steht. Er hat Berlin inzwischen verlassen und soll sich augenblicklich in Ham­burg aufhalten.

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Zur Tragikomödie der Schwestern Blazek werden noch folgende Einzelheitengemeldet: Die zusammengewach= fenen Schwestern Blazet, die sich zurzeit im Passage- Pa­noptikum in Berlin als Naturwunder zeigen, wurden, wie schon mitgeteilt, durch den Gerichtsvollzieher dem Amts­gericht vorgeführt, um den Offenbarungseid zu leisten. Die Schwestern sollen in Hamburg, wo sie dem Direk­tor Geisler für ein Museum verpflichtet waren, vertrags= brüchig geworden sein. Sie wurden zur Zahlung einer Konventionalstrafe von 1000 Mark verurteilt, die aber nicht beigetrieben werden konnte, weil die Schuldnerinnen zu schnell ihren Aufenthaltsort wechselten. Herr Geisler ließ sie daher zum Offenbarungseid laden und, da sie nicht und hier famen, zwangsweise vorführen. Rosa war begint die Besonderheit der Tragik von Anfang an bereit, den Eid zu leisten. Aber Josepha weigerte sich, und ohne diese konnte jene nicht zum Termin erscheinen, und als jetzt Josepha verhaftet wurde, da mußte Rosa das Schicksal der andern teilen. Die Haft der beiden nahm freilich sehr bald das gewünschte Ende, da der Im­presario die Geldsumme hinterlegte. Rosa soll empört sein über das, was man ihr getan: sie hat den Eid inzwischen geleistet. Sie meint, sie dürfe doch nicht verhaftet wer­den, wenn ihre Schwester hierzu Anlaß gebe. Sie ver­langt unbedingte Achtung ihres Rechts auf Freiheit. An­derseits aber verlangt der Staat Anerkennung seiner Ge­setze. Aber die Gesetze lösen hier das juristische Problem nicht, aus dem einfachen Grunde, weil sie nur normale Menschen voraussetzen, keine Naturwunder. Und dennoch muß ein praktischer Ausweg gefunden werden: man wird lieber auf die Strafe verzichten, als einem harmlosen Menschen Unrecht zu tun. Also, lieber Gesetzgeber, ruft jemand in der B. 3. a. M.", heran an den Entwurf einer Ler Blazek!

Eine Stiftung von einer halben Million Mark ist der Stadt Berlin zugefallen. Die verstorbenen Eheleute Rentner Friedrich Wilhelm Mickisch haben ihr gesam= tes etwa 540 000 Mart betragendes Vermögen der Stadt Berlin unter dem Titel Fritz und Franziska Mickisch­Weihnachtsstiftung von 1911" vermacht. Die Zinsen der Stiftung sollen nach Abzug verschiedener Legate an franke unbescholtene bedürftige verschämte geborene Berliner bei­derlei Geschlechts und jeder Religion nicht unter 50 Jahre alt pro Kopf mit 100 Mark alljährlich am 24. Dezember als Krankenweihnachtsunterstützung verteilt werden.

Die westeuropäische Zeit in Frankreich. Seit Sonn­abend Mitternacht ist in ganz Frankreich offiziell die westeuropäische Zeit eingeführt. Natürlich konnte die

große Zahl der öffentlichen und staatlichen Uhren bisher noch nicht völlig umgestellt werden. Auf dem Pariser Ob­servatorium hatte man schon am Freitag nachmittag da mit begonnen, die Zeit richtigzustellen; die neue Zeit wird auzer in ganz Frankreich auch in den französischen Ko­lonien eingeführt werden, natürlich nur insoweit diese un­ter den Meridian von Greenwich fallen.

Den Teufel" erschossen. In dem an der böhmisch­berfränkischen Grenze gelegenen Dorfe Girsch kam ein als Teufel verkleideter Spizbube in ein Bauernhaus und ver= langte von dem allein zurückgelassenen 11jährigen Jun­gen, ihm das Geldversteckt seines Vaters zu zeigen, sonst würde er ihn mit in die Hölle nehmen. Aber der wadere Anabe fort sich nicht, holte des Vaters Jagdgewehr und

erschoß den Teufel. In zottige Schaffelle gehüllt, wurde er von herbeieilenden Nachbarn in einer Blutlache aufge­funden.

50 fostenlose Schülerreisen nach Paris. In dem Wett­bewerb für französische Schüleraufsäge, den die in Berlin erscheinende französische Zeitung Journal d'Allemagne" unter Mitwirkung des Komitees für internationalen Schüleraustausch veranstaltet hat, fand kürzlich die Ver­teilung der Preise 50 tostenlose Reisen nach Paris statt. Die Beteiligung war sehr groß, es waren nicht weniger als 3234 Aufsätze eingegangen. Prämiiert wur­den die Arbeiten von 38 Schülern und 12 Schülerinnen, 18 Preise fielen nach Berlin. Die Reise nach Paris findet während der diesjährigen Osterferien statt. Die jungen Leute reisen gemeinsam. Ebenso finden die Ausflüge, Theaterbesuche usw. gemeinsam statt. In Paris wohnen die Schüler in der Pension eines staatlichen Gymnasiums, die auf Veranlassung des französischen Unterrichtsministe= riums zur Verfügung gestellt ist. Die jungen Mädchen erhalten Unterkunft in einem Töchterpensionat.

gustav nagel als Bürgermeisterkandidat. Der Kon­flift in der Kommunalverwaltung von Bad Kösen treibt immer niedlichere Blüten. So hat jetzt der bekannte Na­turmensch gustev nagel an den Kösener Stadtverordneten Ruttmann einen Brief geschrieben, in dem er sich als Bürgermeister von Kösen anbietet, weil er erfahren habe, daß der jetzige Bürgermeister Kretschmar Oberbürgermei­ster geworden sei, und da er außerdem Leutnant der Heilsarmee sei, werde er wohl nicht viel Zeit für die kom­munalen Geschäfte übrig haben; nagel verspricht dagegen, das Amt gewissenhaft zu verwalten.

Riesige Erdgasmengen in Siebenbürgen. Eine Kom­mission von ungarischen Reichstagsabgeordneten und Ver­tretern der Stadt Budapest hat sich nach Sarmas in Sie­benbürger begeben, wo die Regierung Erdgasbohrungen vornehmen läßt Das Erdgas strömt mit donnerähn= lichem Getöse in der Menge von täglich ungefähr 900 000 Kubikmeter mit einem Druck von 30 Atmosphären aus dem Bohrianal. Es wird beabsichtigt, das Erdgas mit­tels einer Fernleitung für Industrie und Beleuchtungs­zwecke nach der Hauptstadt zu führen.

Ein Doktor als Falschmünzer. Wegen Anfertigung falschen Papiergeldes wurde gestern der 31jährige Dr. phil. Max U., der einer angesehenen Familie in Baden entstammt, in Berlin verhaftet. Bis vor zwei Jahren war er in einer hochstehenden Familie als Erzieher tätig, siedelte dann nach Paris über und kam erst vor einem Monat nach Berlin zurück. Dreimal hat er in dieser kur­zen Zeit die Wohnung gewechselt. Seinen Wirtsleuten war es aufgefallen, daß er eine Presse und zahlreiche pho­tographische Sachen bei sich führte. Bei der gestrigen Haussuchung wurden nun eine große Anzahl photographi­scher Aufnahmen, mit denen falsche Zehnmarkscheine her­gestellt wurden, vorgefunden.

Petroleum in Blöcken. Eine Londoner Petroleum­gesellschaft bringt, wie der Neuen Badischen Landes- 3tg." gemeldet wird, Petroleum in Blöcken auf den Markt. Der Erfinder dieser neuen Form des bekannten Brennmate= rials behauptet, daß ein damit versehenes Automobil 1200 englische Meilen( etwa 12 000 Kilometer) ohne Aufenthalt zurüdlegen könne. Diese Eigenschaft und die Tatsache, daß Blockpetroleum weniger Raum als flüssiges Petroleum einnimmt, läßt den Erfinder hoffen, daß sein Produkt das Heizungsmaterial der Kriegsschiffe der Zukunft werde. Das Blockpetroleum soll zu 80 Prozent aus Erdöl, einem gewissen Prozentsaz einer seifigen Masse und 1 Prozent eines geheimgehaltenen Materials bestehen, das der Masse die Festigkeit verleiht.

Verdächtige Aufklärung. Sie: Jetzt sind die neuen Handschuhe, die Du gestern zum ersten Male angehabt, schon zerrissen! Er: So? Da müssen die Lausbuben wieder Glasscherben auf das Trottoir geworfen haben!"

Boshaft. Sängerin: Ich habe hier ein ärztliches Attest, daß ich heute abend nicht singen kann.- Theater­direktor: Deshalb brauchen Sie sich nicht aufzuregen! Ich will Ihnen sogar ein Attest geben, daß Sie nicht singen können!"

Wie Prinz Luitpold das Eiserne Kreuz erwarb.

Eine Episode aus der Schlacht bei Gravelotte. Am 1. August 1870 war Feldzeugmeister und General­inspekteur der bayerischen Armee Prinz Luitpold mit ſei= nen beiden Adjutanten, Rittmeister Freiherrn v. Limpöck und Hauptmann der Infanterie, Freyschlag von Freyen­stein, sowie mit dem Ministerialsekretär und Hauptmann a la suite der bayerischen Armee Maximilian Grafen von Berchen von München nach Mainz abgereist, um sich dort als Vertreter seines Königs dem Großen Hauptquartier der deutschen Feldarmee anzuschließen. In welch warmer Freundschaft sich König Wilhelm von Preußen und Prinz Luitpold bald näher getreten sind, davon gibt eine bisher noch wenig bekannte Episode beredtes Zeugnis, die sich am 18. August gegen Schluß der blutigen Schlacht bei Grave­lotte abgespielt hat und deren Einzelheiten Schreiber die­ser Zeilen aus dem Munde des nun verstorbenen bayeri­schen Generalleutnants v. H. erfuhr, dem sie kein Geringe­rer als Bismarck selbst mitgeteilt hat.

Seit Mittag war auf der ganzen Linie der Kampf ent­brannt. Am Spätnachmittag trat infolge Erschöpfung der deutschen Armeeteile eine Art Gefechtspause ein, da es die­sen trotz heroischen Ringens bisher nicht gelungen war, den tapferen Gegner aus seinen meist stark befestigten Stel­lungen zu werfen. König Wilhelm, der mit dem großen Hauptquartier sett fünf Uhr nachmittags seinen Standpunkt auf einer Höhe nordwestlich von Gravelotte nächst der Fer­me Mogador, kaum einige hundert Meter hinter feuernden Batterien des 3. Korps. eingenommen hatte, wollte noch vor Einbruch der Dunkelheit die Entscheidung herbeiführen. Er befahl dem General Steinmetz mit allen ihm noch ver­fügbaren Kräften im Verein mit dem ihm außerdem zuge­teilten, eben anrückenden 2.( Pommerschen) Korps die Hö­hen von Point- du- four zu stürmen. Kaum hatten jedoch die Franzosen die diesen Angriff einleitenden Bewegungen er­kannt und zugleich das Vorgehen der geschlossenen Kolon­nen der Pommern bemerkt, als sie sofort zum Gegenstoß an­setzten. Dichter weißer Pulverdampf entquoll plötzlich den langen Linien der schleunigst wieder auf die Höhen östlich von St. Hubert vorgezogenen französischen Batterien, die dann die vorliegenden Waldungen und die Hochfläche um Gravelotte mit einem Hagel von Geschossen überschütteten. Aus dem Geschützdonner hob sich deutlich das Knarren der Mitrailleusen und das rollende Schnellfeuer der Infan­teriemassen heraus, die durch die heraneilenden Reserven der Korps Frossard und Leboeuf verstärkt worden waren. Bald zeigten sich auch über der Ferme Mogador die weißen Wölfchen zerspringender Schrapnelles, deren Stücke pfeifend die Luft durchpflügten. Schon schlugen Granaten hinter die vorliegenden, im heftigsten Geschützkampfe befindlichen preu­ßischen Batterien ein und zischten bereits einzelne Chasse­potgeschosse in bedenklicher Nähe des Königs vorbei, der sich jedoch in seiner gespannten Aufmerksamkeit auf die vor ihm abspielenden Vorgänge nicht beirren ließ.

Als aber die feindlichen Geschoffe immer zahlreicher und näher famen und der Adjutant des Kriegsministers bereits eine Verwundung erhalten hatte, wollte seine Umgebung die schwere Verantwortung für seine Sicherheit nicht mehr länger übernehmen. Doch erst die eindringlichsten Vor­stellungen vermochten den König zu bewegen, den so ge= fährdeten Standpunkt zu verlassen. Kaum waren die Pfer­de bestiegen, als sich Prinz Luitpold als erster dicht an die Seite seines Großoheims sette, um ihn gegen feindliche Ge­schosse mit seinem eigenen Leibe zu decken.

Die übrigen Fürstlichkeiten mit ihren Begleitern folg­ten sofort diesem Beispiel und bildeten während des lang­samen Rittes über den Hang gegen Gravelotte zu einen lebendigen Schutzwall um die teure Person der Majestät, bis der Gefahrbereich hinter ihnen lag. Als Rezonville erreicht war und sich alle um das Biwakfeuer geschart hatten, an dem König Wilhelm die weiteren Nachrichten über den Verlauf der Schlacht erwartete, da dankte dieser ganz besonders dem Prinzen Luitpold für die ihm eben bewiesene rührende Hin­gabe für seine Person und versicherte ihm und den Fürst­lichkeiten, daß er diese Kundgebung nicht vergessen werde.

So hat Prinz Luitpold das ihm am 3. September 1870 verliehene Eiserne Kreuz nicht aus Gründen der Courtoisie erhalten, sondern er hat es sich auf dem Schlachtfelde er­rungen durch sein furchtloses Eintreten vor drohender Ge­fährdung des Oberbefehlshabers der deutschen Armee, wie auch durch unerschütterliches Ausharren in so gefahrvollen Stellungen wie auf den Höhen von Gravelotte und vierzehn Tage später vor Sedan.

Drabtnachrichten und neuestes.

Verzweiflungstat einer Mutter.

Berlin, 13. März. Gestern vormittag zeigte die 31 Polizei an, daß sie am Abend vorher ihre drei Kinder, eine Jahre alte Kutscherfrau Mathilde Runge geb. Gloditsch der Tochter von 6 und zwei Söhne von 5 und 4 Jahren mit Cyankali vergiftet habe. Sie habe die Tat aus Verzweif­lung vor Mißhandlungen ihres geisteskranken Mannes be­gangen. Die Kinder wurden in der Wohnung Waldemar­straße tot aufgefunden und die Leichen dem Schauhaus zu­geführt. Ueber die Tat werden noch folgende Einzel­heiten gemeldet: Die Frau hatte ihren Mann, einen Trin­fer, der schon wiederholt in Anstalten untergebracht war, im September wieder zu sich genommen, ohne daß eine Bef= serung eintrat. Am Freitag abend gab es wieder einen bösen Auftritt. Deshalb hat die Fraue den Entschluß ge= faßt, sich und die Kinder umzubringen und hat diesen Ent­schluß sehr faltblütig ausgeführt, indem sie, beim Kleinsten anfangend, den Kindern das Zyankali mit schwarzem Kaffee gemischt einflößte und mit dem nächsten Kinde immer war­tete. bis der Tod bei dem jüngeren eingetreten war. Das hatte zur Folge, daß das älteste heftig widerstrebende Kind das Gift nur mit Gewalt eingeflößt erhielt. Nachdem die Kinder tot waren, ging die Frau zu ihrer verheirateten Schwester und deren Mann und dann zu einem Bruder und erzählte ihnen die Sache. Der eine der beiden Män­ner lehnte eine Einmischung in die Sache ab, weil er Wahl­zettel austragen müsse, der andere, weil er feine Schere= reien mit der Polizei haben wolle. Schließlich kehrte die Frau mit ihrer Schwester in die Wohnung zurück und sie sprachen sich aus, was mit den Möbeln und sonstigen Haus­gerätschaften geschehen solle. Endlich ging die Kindermör­derin selbst zur Polizei. Als Erklärung dafür, daß sie ihren Kindern nicht in den Tod folgte, gab sie dort an, sie wolle verhüten, daß ihr Mann ihr etwas Schlechtes nach­sage. Die Frau wurde in Haft genommen.

Eine Frau in Männerkleidern.

Berlin, 13. März. Eine 24jährige Dame in Friedenau erhielt von der Polizei die Erlaubnis. Männerkleidung tragen zu dürfen. Die Dame gleicht im Aeußern so sehr einem Manne, daß sie wiederholt in den Verdacht kam, sich verkleidet zu haben. Es wurde ihr nahegelegt, dafür zu sorgen, daß das Tragen von Männerkleidung zu keinen Mishelligkeiten führe und die öffentliche Ordnung dadurch nicht gestört werde.

Bei einem Ausritt tödlich verunglückt.

Magdeburg, 13. März. Bei einem Spazierritt in der Umgebung von Magdeburg scheute das Pferd des Ober­leutnants von Schönemark und sprang gegen einen Later­nenpfahl. Der Reiter wurde schwer verletzt vom Platze getragen und starb kurz darauf.

Kratereinsturz am Vejuv.

Portici, 13. März. Gestern nachmittag erfolgte am Krater des Vesuvs ein großer Einsturz. Das Gestein stürzte in einer Länge von 300 Metern 80 Meter tief ab. Das Er­eignis war von einer Erderschütterung begleitet. In dem Augenblick des Einsturzes war eine Gesellschaft von zwan­zig Fremden mit ihren Führern im Begriff, den Krater zu besteigen, kam jedoch mit dem bloßen Schrecken davon. Es folgten noch einige kleine Gesteinsstürze. Eine gewal­tige Aschensäule erhebt sich über dem Vulkan. Der Vesuv macht den Eindruck, als wäre ihm das Haupt abgeschlagen. Studentenausschreitungen in Belgien.

Brüssel, 13. März. In Lüttich ist es gestern zu blu­tigen Studentenkrawallen gekommen. Der fatholische Stu­dentenbund feierte gestern in Lüttich das Fest seines 25­jährigen Bestehens. Zu dieser Feier waren auch die Kom­militonen der Universität Löwen nach Lüttich gekommen. Der Bischof nahm persönlich die Fahnenweihe in der Kirche vor. Diese Zeremonie reizte die antiflerifalen Studenten auf, die die aus der Kirche kommenden Studenten erst ver­höhnten und dann tätlich angriffen. Es fam zu einer Schlä­gerei, bei der es auf beiden Seiten Verwundete gab. Der Kampf hörte erst auf, als die Polizei die Studenten mit der Waffe auseinandertrieb und einige besonders hervorragende Schläger verhaftete.

Angriff auf das Kaiser Friedrich- Krankenhaus in San Remo.

San Remo, 13. März. Gestern nachmittag gegen 5 Uhr wandten sich an den Portier des Kaiser Friedrich Kranken­hauses 5 Männer und verlangten in deutscher Sprache Al­mosen. Der Hauswart wies die Leute an den deutschen Konsul. Darauf versuchten die Leute in das Krankenhaus einzudringen und begannen, als sie zurückgedrängt waren, ein Steinbombardement gegen das Krankenhaus. Mehrere Kranke wurden in ihren Betten durch die hereinpraffeln= den Steine verletzt. Das Personal des Krankenhauses trat den Burschen, von denen zwei verlebt wurden, mit Gewalt entgegen und hielt sie so lange fest, bis sie von Gendarmen verhaftet werden konnten. Ob die von ihnen angegebenen Namen und Nationalität richtig sind, steht noch nicht fest. Menterei französischer Matrosen wegen schlechter Kost. Toulon, 13. März. Auf dem Schulschiff La Couronne" ist eine Meuterei unter den Matrosen ausgebrochen. Diese beklagten sich über die schlechte Kost und weigerten sich, Ar­beit zu verrichten. Eine von dem Vorgeseßten sofort an geordnete Untersuchung führte zu dem Resultat, daß die Klagen der Mannschaften begründet waren. Infolgedessen wurde der Befehl gegeben, daß den Matrosen von jetzt ab eine bessere und reichlichere Kost verabreicht werde, worauf die Arbeit wieder aufgenommen wurde.

Handel und Verkebr.

Cassel, 11. März. Weizen( 100 Klogramm) 19.00 bis 19.50 M, Roggen( 100 Kilogramm) 15.50-16.00 M, Gerste ( 100 Kilogramm) 15.50-16.50 M, Hafer( 100 Kilogramm) 16.00-17.50 M, Heu( Zentner) 2.60-3.30 M. Stroh( Bent­ner) 1.60 2.40 M.