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Junt v. J. gegen die 62jährige Matertalwarenhändlerin Räge einen Raubmordversuch unternommen und am 8. Dezember die 69jährige Materialwarenhändlerin Gedlich und deren 37jährige Tochter ermordet sowie das von ihnen bewohnte Grundstück in Brand gesteckt. Gleichfalls zum Tode verurteilt wurde vom Schwurgericht in Gleiwit der Silfsweichenſteller Kempa, der nachts in die Wohnung sei­nes Kollegen, des Weichenstellers Bialla, eingedrungen war und ihn ermordet und beraubt hatte.

Vermischtes.

Zeppelinschiffe für die Militärverwaltung. Nachdem ber Bertrag wegen Lieferung eines weiteren ,, Zeppelin": Luftfreuzers für die Militärverwaltung zwischen dem preußischen Kriegsministerium und der Luftschiffbau­Beppelin"-Gesellschaft in Friedrichshafen perfekt geworden ist, wird demnächst das dritte 3"-Luftschiff an die Mili­tärbehörde übergeben. Von den beiden bisher gelieferten 3"-Schiffen steht freilich nur noch eins, der im Novem­ber 1908 unter der Bezeichnung 3 1" vom Reich über­nommene Luftkreuzer, zur Verfügung, der in Metz statio­niert ist. Das andere, im August 1909 als, 3 2" über­nommene Luftschiff verunglückte bekanntlich am 25. April 1910 bei Weilburg auf der Rückkehr von einer militä­rifchen Uebungsfahrt von Homburg nach Köln.

Massentod von Pferden durch Elektrizität. Auf der östlichen Strecke der Pariser Straßenbahn gab es Sonn­abend rormittag ein Massensterben von Pferden. Infolge Kurzschlusses wurden die Stahlblöcke, die sich zwischen den Gleisen auf eine Entfernung von 50 bis 100 Meter be= finden, elektrisch geladen. So oft nun ein Pferd einen biefer Blöde mit den Hufen berührte, sant es vom elet trischen Schlage getroffen tot zu Boden. In furzer Zeit waren auf diese Weise zwölf Pferde getötet worden, so daß man fich gezwungen sah, die Straßen bis zur Beseitigung des Schadens für den Verkehr zu sperren.

Taufe des deutschen Ozeanluftschiffes. Nach dem miß­glückten Versuch Wellmanns, den Atlantischen Ozean im Luftschiff von Amerita nach Europa zu überfliegen, hat die­fen Plan die transatlantische Flugerpedition wieder auf­genommen, die den Flug in umgekehrter Richtung ausfüh­ren will. Die Gesellschaft läßt gegenwärtig das Expedi­tionsluftschiff Suchard" in der Luftschiffhalle des Ver­eins für Motoruftschiffahrten" in Kiel montieren. Am nächsten Mittwoch wird Prinzessin Heinrich von Preußen die Taufe des Luftschiffes vollziehen. Nach Ausführung ei­niger Probefahrten in der Umgebung Kiels wird das Luft­Schiff abmontiert und nach den Kap- Verdischen Inseln ge= bracht, um von dort seinen Ozeanflug anzutreten. Man glaubt, daß die Fahrt von Madeira bis Amerika fünf bis lechs Tage dauern wird. An der Fahrt werden sechs Per­jonen teilnehmen.

Eine Sparkünstlerin, und zwar eine, die es noch besser fonnte als die in England verstorbene Frau eines Tram­bahnangestellten, von der wir fürzlich berichteten, ist jetzt in Bamberg gestorben. Es ist die 81jährige Witwe des vor wenigen Jahren verstorbenen früheren Bahnhofsvor­Standes Enzler in Lichtenfels. Die Frau, die seit ihrem 38. Lebensjahr erblindet ist, hatte mit ihrer Wirtschafterin ausgemacht, täglich nicht mehr als 76 Pfennig gemein­Jam zu verbrauchen und hat jetzt eine halbe million hin­terlaffen. Der größte Teil des Geldes geht an die katho­lische Kirche. Die Erblasserin hat jedoch auch bedürftige bayerische Bahnbeamte mit einem Legat und auch die Blin­denanstalt mit einer Zuweisung bedacht.

Juwelendiebstahl in einem Wiener Palais. Jm Hause der Fürstin Leontine Fürstenberg, der Gemahlin des Für­ten Mar Egon Fürstenberg in Wien, wurde am Sonn­abend ein großer Diebstahl entdeckt, der schon vor Mo­naten begangen war und durch geschickte Fälschungen ge= hemgehalten wurde. Die Diebe sind die Frau des Tür­tehers des fürstlichen Palais, Johanna Markowski und ihr Mann. Beide sind bereits verhaftet. Die Fürstin wollte vor einiger Zeit aus Anlaß einer bevorstehenden Festlichkeit ihr Brillantdiademt, das einen Wert von einer halben Million Kronen repräsentiert, einer Prüfung un­terziehen und entdeckte dabei, daß drei Brillanten heraus­gebrochen und durch falsche Steine ersetzt waren. Sie re vidierte nun ihre übrigen Schmudgegenstände und fand, daß bei zwei Ohrgehängen und zwei Ringen die Brillan­ten durch täuschende Imitationen ersetzt waren. Nach dem Ergebnis der geheim betriebenen Nachforschungen hat die frau des Türstehers die Schlüssel zu der Kasse, in der der Schmud lag, und die ihr Mann in Verwahrung hatte, ohne Wissen ihres Mannes an sich genommen. Sie gestand, daß le die Brillanten aus dem Schmudgegenstand herausge brochen und durch Nachahmungen ersetzt habe. Insgesamt habe sie 16 Solitäre aus dem Diadem herausgenommen und daraus Broschen machen lassen, die sie versetzte. Der terursachte Schaden beträgt fünfundzwanzigtausend Kro­en. Im Versatzhause hatte die Diebin 6000 Kronen er­halten.

Eine Hochzeit ohne Brautpaar wurde dieser Tage in der Nähe von Vilshofen in Bayern gefeiert. Verwandte und Freunde waren der Einladung zahlreich gefolgt, aber hon nach der standesamtlichen Trauung bereute die Braut en Schritt und weigerte sich, am andern Morgen zum raualtar zu schreiten, worauf sich auch der beschämte Bräutigam aus dem Staube machte. Aber der Wirt ließ Musik spielen, bald war die Verstimmung der Hochzeits­esellschaft überwunden und eine richtige niederbayerische Bauernhochzeit im Gang, wenn auch die Hauptbeteiligten fehlten.

Der Unfall auf der Brüsseler Weltausstellung, der, bie gemeldet, sich am Sonnabend durch den Einsturz der deutschen Maschinenhalle ereignete, ist in seinen Folgen nicht so schwer gewesen, wie zuerst angenommen wurde. Es ist nur ein Arbeiter getötet worden, während drei leichte Verlegungen erlitten. Die deutsche Regierung trifft feinerlei Verantwortung für den Unfall, da die Halle an einen Privatunternehmer verkauft war, der den Abbruch auf eigene Rechnung und Gefahr vornimmt. In dem deut­en Panillon der Brüsseler Weltausstellung nahm die Maschinenabteilung den größten Raum ein. In zwei ge= walltigen Sälen waren die Kolosse aus Stahl und Eisen ausgestellt, die stumm, aber doch sehr beredtes Zeugnis abl egten von der großartigen Leistungsfähigkeit der deut­hen Maschinenindustrie. Dieser Teil der Ausstellung er­tegte allgemeine Bewunderung. Als zwei Tage nach der offiziellen Eröffnung der Brüsseler Weltausstellung das belgische Königspaar dem zuerst fertig gewordenen deut­en Pavillon einen mehrstündigen Spezialbesuch abstat­tete und dabei in die große Maschinenhalle fam, wurde der König von dem deutschen Kommissar Geheimrat Albert nsucht, auf einen Knopf zu drücken. Der König tat dies unt in einem Moment begannen alle Maschinen zu ar= betrten. Es war ein überwältigender Eindruck. So stark

wirkte insbesondere ein Riesentran, der in der Höhe durch den ganzen Saal lief, auf die Königin, daß sie unbedingt eine Luftfahrt mit diesem Kran unternehmen wollte. Es fostete Mühe, ihr diesen Plan auszureden.

Demonstrationen gegen eine Stiefmutter. Der trau­rige Fall der kleinen Rosa Schettat, den wir am Sonn­abend veröffentlichten, hat in Berlin großes Aufsehen und insbesondere im Osten Berlins, wo das Ehepaar Schet­tat wohnt eine nicht geringe Erregung hervorgerufen. Die Erregung hat ein ungewöhnlicher Fall sogar zu Straßendemonstrationen gegen das Schettatsche Ghe­paar geführt. Freitag in den Abendstunden sammelte sich eine auf sechshundert Personen geschätzte Menge vor dem Hause Frankfurter Allee 197, wo Schettat wohnt, an und machte Miene, in die Schettatsche Wohnung einzudringen. Die Stiefmutter, die die kleine Rosa beinahe zu Tode ge­martert hat, wäre fast das Opfer einer Lynchjustiz gewor­den, wenn nicht aus den zwei nächsten Polizeirevieren Schutzleute herbeigeeilt wären und den Hauseingang be­setzt hätten. Bis zehn Uhr abends dauerten die Demon­strationen an und die Verwünschungen, mit denen das Ehepaar bedacht wurde, waren nicht wenige. In allen Geschäften der Nachbarschaft wurde über Frau Sch. der Bontott verhängt und fast einmütig erklärten die Kunden, daß sie in den Geschäften nichts mehr kaufen würden, wo an Frau Sch. Ware verabfolgt werden würde. Auch die Nachbarn der Schettat sind über die Vorgänge derartig empört, daß die Frau sich nicht mehr auf den Treppen oder auf dem Hofe sehen lassen durfte.

Gründung einer Keuchhustenkolonie. Einer Anregung des preußischen Gesundheitsamtes zufolge hat sich in Erkenntnis der großen Gefahr, die der Besuch feuchhusten­franker Kinder den Kur- und Badeorten bringt, eine An= zahl von Sachverständigen und Förderern der Wohlfahrts­pflege zusammengefunden, um die Einrichtung einer Keuch­hustenkolonie in die Wege zu leiten. Diese ist, wie das ,, Berl. Tgbl." meldet, am Ostseestrande, fernab von jedem Badeverkehr und unter Benutzung anderer Zufahrtsstra= Ben, geplant. Die Anlage soll in der Form fleiner, durch Anpflanzungen von einander abgegrenzter, oder mit Liege­hallen und Spielplägen versehener Familienhäuser errich­tet werden. Der Wirtschaftsbetrieb wird von einem Zen­tralgebäude aus erfolgen. Die vorbereitenden Arbeiten liegen in der Hand des Dr. med. Helwig im Ostseebad Zinnowitz.

Der Streit um das zweite Frühstück der französischen Kanoniere. Die Mannschaft einer Batterie des zwölften Artillerieregiments in Versailles weigerte sich, zur Dienst­leistung anzutreten, weil das für das zweite Frühstück be­stimmte Geld seit einiger Zeit nicht diesem Zwecke zuge­führt wurde, sondern in der Regimentstasse blieb. Die übrigen Kanontere in der Kaserne schlossen sich dieser Kundgebung an. Als erste Folge der eingeleiteten Unter­suchung ist die Bestrafung des dienstführenden Menageun­teroffiziers zu betrachten, der bei der Meldung von der begangen hatte, indem er sie nicht weiter gab. Der Quar­ttermeister hat seit Eintritt der Rekruten Ersparnisse von Dienstverweigerung einen Verstoß gegen das Reglement über 700 Francs gemacht, die auf die Verminderung der Morgenmahlzeit zurückzuführen sind. Er wurde ebenfalls in Haft genommen.

Aus dem Leben Albert Rothschilds.

Der Chef des bekannte ner Bankhauses Roth­schild, Baron Albert von Rothschild, ist am Sonn­abend einem Herzschlage erlegen. Aus seinem Leben dürf= ten einige Angaben von allgemeinem Interesse fein.

Das mit Albert von Rothschild verstorbene Wiener Haupt der Finanzfamilie Rothschild ist am 29. Oktober 1844 in Wien geboren. Der Reichtum der Rothschilds ist sprich­wörtlich geworden in allen Ländern; Baron Albert Roth­schild war vielleicht der reichste unter allen. Zweifellos war er der reich ste Mann in Europa. Und diesen Reich­tum in seinem heutigen Umfange hatte er nicht etwa ererbt. Als er im Jahre 1874 nach dem Tode seines Vaters An­selm Freiherr von Rothschild die Leitung des Wiener Hau­ses übernahm, wurde das Vermögen auf nicht mehr als 400 Mill. Kronen geschätzt. Heute beziffert sich der Bestand des Hauses auf über eine Milliarde. Die Gebäude dieses fann onormen Aufschwunges sind mannigfach. Erstens Rothschild kaum den zehnten Teil seines Vermögens aufge= zehrt haben, so daß dauernd Zinsen zum Kapital geschlagen wurden. Und dann hat Baron Albert die größten Erb­schaften vielleicht der ganzen Erde gemacht. Sein ver­storbener Bruder Nathaniel hatte den ältesten Sohn Al­berts, Georg, zum alleinigen Erben eingesetzt und somit das Wiener Vermögen um etwa 100 Millionen Kronen erhöht. Und beim Tode seines Schwiegervaters, des Chefs des Pa­riser Hauses, Baron Alfonse Rothschild, find gleichfalls Unsummen nach Wien gewandert. So kam es, daß das Haus Rothschild in letzter Zeit um neue Geschäfte nicht mehr warb; weder im industriellen Leben noch an der Bör­se. Das Vermögen war eben zu enorm geworden, setne Verwaltung verlangte die volle Zeit und die ganze Tat­fraft des Barons. Ein Bankgeschäft besteht wohl, aber ein böses Witwort hat davon behauptet, daß sich Albert Roth­schild dieses Bankgeschäft gehalten habe, wie etwa ein rei­cher Kavalier seinen Marstall. Also zur Zerstreuung, nicht aber zum Gewinn.

Baron Albert Rothschild war selbstverständlich auch einer der größten Grundbesther Oesterreich 3. Er hinterließ herrliche, ausgedehnte Waldungen, landwirt­schaftliche Dekonomien und Paläste und Schlösser in großer Zahl. Die Frage seiner Nachfolgerschaft als Haupt des Wiener Hauses dürfte vielleicht testamentarisch geregelt sein. Der Verstorbene hinterläßt fünf Kinder. Vier Söhne und eine Tochter. In dieser Beziehung war der Verstorbene, dem sein Vermögen fast über den Kopf wuchs, vom Unglüd verfolgt. Sein ältester Sohn Georg ist seit vielen Jahren als irrsinnig in einer Heilanstalt, sein jüngster Sohn Oskar ist vor zwei Jahren plötzlich gestorben; es hieß da­mals, er habe sich erschossen. Zu allem Unglück ist die ein­zige Tochter Noemi unheilbar taub. In Betracht als Leiter der Firma und Haupt des Hauses dürfte eigentlich nur der jezt 30 Jahre alte Baron Louis Rothschild kommen, der in lezter Zeit schon stets von seinem Vater zu allen wichtigen war. Viel finanziellen Beratungen zugezogen worden

Aufsehen erregte, wie erinnerlich, vor Monaten der Be­such des österreichischen Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand bei dem Baron. Es hieß damals, dieser Besuch müsse ganz besondere politische oder andere Gründe haben. Denn gerade der Thronfolger ist dem Hause Rothschild nie­mals gewogen gewesen, zumal der früher verstorbene Bru­der Freiherr Nathanael, mit dem Vater des Thronfolgers, dem verstorbenen Erzherzog Karl Ludwig, dem ältesten Bru­der des Kaisers Franz Josef in offener Feindschaft lebte. Daß der verstorbene Baron große Summen für Wohl­tätigkeitszwecke gestiftet hat, ist allbekannt. Und in den mei­sten Fällen suchte er es zu verhindern, daß die Oeffentlich­keit von diesen seinen Wohltaten etwas erfuhr. So man cher Mensch- namentlich die Witmen und Waisen- wer­den dem Verstorbenen eine ehrliche Träne nachweinen. Die Erbschaftssteuer, die die Erben des Verstorbenen an den österreichischen Staat zu entrichten haben, beträgt etwa 20 Millionen Kronen.

Pest- Nachrichten.

Die Seuche auf dem Wege nach Europa.

Nach einer Meldung aus Petersburg rückt die Pest dem europäischen Rußland schon bedenklich näher. In der 11m gegend von Blagowjeschtschenst an der sibirischen Grenze sind die ersten drohenden Anzeichen der Epidemie erschienen. Mehrere Sterbefälle haben sich dort ereignet. Die Grenze wurde abgesperrt und der Handelsverkehr Wladiwostok­Charbin endgültig eingestellt.

In einem aus Schanghai an die Frtf. 3tg." gelangten Briefe von Ende Januar heißt es: Wir scheinen hier aus den Aufregungen nicht herauskommen zu sollen. Als ob wir an der von Süden her drohenden Beulenpest nicht ge­nug hätten erscheint jetzt im Norden das Gespenst eines noch viel fürchterlichen Würgengels, der Lungenpest. Es set jedoch gleich bemerkt, daß es sich hierbei nicht um ver schiedene Seuchen handelt, sondern nur um zwet Arten einer und derselben Krankheit. Soweit es sich aus den bisher vorliegenden Meldungen ersehen läßt, handelt es sich in der Mandschurei ausschließlich um die Lungenpest in ihrer schauerlichsten Form. Man wird an die Zeit des schwarzen Todes im 14. Jahrhundert erinnert, wenn man von den Zu ständen in der Mandschurei hört. Nur ein einziges Bei­spiel set davon angeführt: in einem Hause war fein Lebens­zeichen zu entdecken, und als es gewaltsam geöffnet wurde, fand man dessen sämtliche Bewohner, elf an der Zahl, als Leichen vor. Der entsetzliche Würgengel hatte hter also seine Arbeit besonders gründlich getan. Sobald einmal die Lunge ergriffen ist, scheint keine Hoffnung mehr da zu sein. Der Kranfe beginnt dann stark zu husten und Blut zu speien, worauf das Gesicht eine schwarze Farbe annimmt, und dann ist auch bald das Ende da. Oft tritt schon wenige Stunden nach dem Beginne des Anfalles der Tod ein. Die Theorie, Luft und Licht seien das oberste Erfordernis zur Bekämpfung der Pest, steht mit den jetzigen Erfahrungen in der Mandschurei vortrefflich im Einklange. Während des Winters ist die Kälte dort nämlich so grimmig, daß die ärmeren Leute gezwungen sind, ihre Wohnungen monate­lang hermetisch verschlossen zu halten, was den besten Nähr­boden für das Weiterwuchern des Pestbazillus abgibt, so­bald er einmal in einem Hause erschienen ist. Vor dem Eintritt der wärmeren Jahreszeit wird man deshalb dort der Seuche wohl ziemlich machtlos gegenüberstehen.

Drabtnachrichten und Deuestes.

Von der Reise des Kronprinzen.

Kalkutta, 13. Februar. Der von der deutschen Kolonie zu Ehren des Kronprinzen veranstaltete Empfang nahm einen glänzenden Verlauf. Um die getroffenen Arrange­ments nicht zu stören, hatte der Kronprinz doch noch sein Erscheinen zugesagt. Er ließ sich sämtliche Mitglieder der Kolonie vorstellen und rerweilte während des Abends in zwanglosem Gespräch im Kreise der hiesigen Deutschen. Vor dem Empfang hatte bei dem Generalkonsul Prinzen Hein­rich III. von Reuß ein Diner stattgefunden, zu dem dte Spitzen der Kolonie eine Einladung erhalten hatten.

Stadtrechte für die Berliner Vorortdörfer. Berlin, 13. Februar. Im Rathaus von Weißensee bet Berlin findet heute eine Konferenz der Bürgermeister und Gemeindevorsteher aller Vororte Berlins statt, die über 15 000 Einwohner haben und moch die Bezeichnung Dorf" tragen. Aufgabe der Konferenz soll es sein, über Maß-> nahmen zu beraten, wie alle diese Gemeinden das Stadt­recht erlangen können.

Auf Wache erfroren.

Krakau, 13. Februar. Die große Kälte, die gegenwärtig' in Galizien herrscht, hat auch unter der Garnison der Grenz festung Przemysl Todesopfer gefordert. Mehrere Soldaten des 9. und 10. Infanterieregiments, die bei den äußersten Forts Wache standen, sind erfroren.

Holland protestiert.

Gölu, 13. Februar. Wegen eines angeblichen Ueber­griffs eines preußischen Gendarmen hat die holländische Reichsregierung Vorstellungen bei der preußischen Behörde erhoben und Genugtuung verlangt. Der Gendarm soll den berüchtigten Schmuggler Kersten, auf dessen Ergreifung 300 M Belohnung ausgesetzt war, bet Grafwegen, 50 Meter jenseits der Grenze, auf holländischem Gebiet verhaftet ha­bem. Kersten setzte der Verhaftung großen Widerstand ent gegen, wobei er sowohl als der Gendarm verlegt wurden. Schließlich wurde Kersten auf einem Handkarren nach Kra­nenburg, später in das Gefängnis nach Cleve geschafft. Die Beschwerde Hollands richtet sich gegen die Verhaftung eines holländischen Staatsbürgers auf holländischem Boden und gegen die gewaltsame Verschleppung eines Schwerverletzten auf preußisches Gebiet.

Verhaftung eines Postanweisungsschwindlers.

0 Berlin, 18. Februar. Durch die Verhaftung eines vor zehn Jahren aus dem Dienst entlassenen aus Danzig gebürtigen Postassistenten, ist ein abgefeimter Postanwel sungsschwindel aufgeklärt worden, bei dem dem Schwind-> Ier 8500 Mark zur Beute fielen.

Auf der Straße vom Tode ereilt.

Berlin, 18. Februar. Von einem jähen Tode wurde gestern nachmittag der Oberst du Plessier, der in Prenzlau stand und sich besuchsweise in Berlin aufhielt, auf offener Straße ereilt. Als der alte Herr den Potsdamer Plat überschritt, brach er plötzlich infolge eines Herzschlages tot zusammen. Die Leiche wurde nach dem Garnisonlazarett gebracht.

Der Anstifter des Gladbecker Raubüberfalls. Effen, 13. Februar. Bezüglich des Raubüberfalles auf den Geldwagen der königlichen Schächte von Bottrop tst jetzt festgestellt, daß der vor einiger Zeit aus dem Bucht­haus entsprungene Räuberhauptmann Straßmann den gan­zen Ueberfall geleitet und die Rollen verteilt hat. Straß­mann war auch derjenige, der die Schüsse abgegeben hat. Die drei verhafteten Personen, darunter ein Bruder und ein Neffe des Anführers, haben zugegeben, von dem beab­fichtigten Anschlage unterrichtet gewesen zu sein. Straß mann selbst ist entkommen. Der ganze Anschlag ist da burch fehlgegangen, daß einige der Genossen des Räubera micht rechtzeitig erschienen.

Eine neue Ballonfahrt über den Ozean. Nennort, 18. Februar. Eine neue Lentballonfahrt über den Atlantischen Ozean vlant Wellmans Ingenieur Vaniman. Er will Anfang Juli von Cincinnatti aus zur 11eberqueruna des Ozeans abfliegen. Die Kosten schätzt er auf 280 000 Mart, die von einer Gruppe von Finanzlenten garantiert werden.

Banif bei einem Warenhansbrand.

Renport, 18. Februar. In der Nacht zum Sonntag geriet ein Kaufhaus in Brooklyn in Brand. Taufende von Frauen und Verkäuferinnen stürzten in wilder Haft die Treppen hinunter und rollten, zu Knäuelu geballt, auf die Straße. Ob Verluste au Menschenleben zu beflagen sind, ist noch nicht festgestellt.

Handel und Verkehr.

Cassel, 11. Februar. Weizen( 100 Kilogramm) 19,30 bis 19,70 M. Roggen( 100 Kilogramm) 15,50 bis 16,00 M.. Gerste( 100 Kilogramm) 00,00-00,00 M. Hafer( 100 p gramm) 15,25 bis 10,75 M. Hen( Zentner) 2,70 bis 3,30 M Stroh( Zentner) 1,6 bis 2,40 M.