Ausgabe 
14.1.1911 Erstes Blatt
 
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angesichts der Gemeingefährlichkeit seiner Handlungsweise zu einem Jahre Gefängnis. Das Gericht beschloß die so= fortige Berhaftung des Angeklagten.

Vermischtes.

Wo wohnen die Abgeordneten in Berlin? Reichs­boten und Landboten sind wieder, viele Hunderte an der Zahl, in Berlin erschienen, um für mehrere Monate das reichshauptstädtische Pflaster zu treten. Kein kleiner Bazen Geld, der in dieser Zeit den Spreeathenern zugute kommt. Jeder steigt gern wieder im alten Quartier ab, wenn es seinen Wünschen einigermaßen entsprach. Nur wenige sind in Berlin ansässig. Die anderen wohnen in Hotels, in Pensionaten, möblierten Zimmern und Vororten. Einige führen auch einen eigenen Berliner Haushalt. Etwa 90 v. H. aller Abgeordneten siedeln sich in Berlin selbst an. Die anderen verteilen sich auf Charlottenburg, Schöne­berg, Zehlendorf. Westend, Wilmersdorf, Stegliz, Frie­denau. Einige haben überhaupt keinen festen Berliner Wohnsit, sie wohnen entweder ganz in der Nähe der Reichs­hauptstadt oder sie fommen nur selten nach Berlin, meistens bloß zu wichtigen Abstimmungen.

König Eduards Esprit. In einer interessanten Studie über König Eduard erzählt ein Franzose einige geist­reiche und wikige Bemerkungen, mit denen der verstorbene Herrscher taktvoll allerlei kleine Entgleisungen wieder gut machte, die andere begangen hatten. Eines Tages fragte ihn eine Dame der französischen Gesellschaft, die mit dem höfischen Ton und mit der Hofetikette wenig vertraut war, mit der Miene naiver Selbstverständlichkeit:, Welche Laufbahn werden Eure Majestät Ihren Sohn einschlagen laffen?" König Eduard lächelte der republikanischen Dame freundlich zu und erwiderte: Ich hoffe ihn über kurz oder lang König von England werden zu lassen." Als ein an­deres Mal ein Franzose in einer Aufwallung von Begeisterung im Kreise seiner Freunde dem König zurief: ,, Sire, Sie sollten nach Frankreich ziehen, um die Monar­chie populär zu machen," da antwortete der König freund­lich lächelnd: Nein, Ihr Franzosen nutzt mir Eure Kö­nige zu rasch ab." Diese Geistesgegenwart verließ König Eduard auch nicht bei wichtigen und feierlichen Gelegen­heiten. Als er in Irland die Schule von Maynooth be suchte, bat er darum, sich mit der Feder Leo 13. in die Besucherliste eintragen zu dürfen und dieser Zug eroberte ihm die Herzen der irischen Katholiken. König Eduards persönlicher Taft erwirfte auch in den Friedensbestrebun­gen nach dem Burenkrieg mehr, als das berühmte Eman­zipationsdekret. Er machte damals eine Bemerkung, die ihm die Achtung und das Vertrauen der besiegten Buren erwarb und die den König auch als Sieger großmütig er­scheinen ließ. Die Buren," so sagte er, sind Gentlemen. Und mit Gentlemen werden wir uns stets verstehen."

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Prinz Georg und sein Intimus. In Belgrad wurde vor einigen Monaten ein Waffenschmied namens Büchele ausgewiesen. Dieser ist ein geborener Belgrader, aber in Wien heimatberechtigt. Die Ausweisung erfolgte, ob­gleich sich der Prinz Georg, dessen Intimus Büchele ist, bagegen ins Beug- gelegt hatte. Büchele hatte sich dann nach Semlin an der Grenze begeben und richtete an die serbischen Behörden von da aus das Ersuchen, ihm die Rüdlehr zu gestatten. Das wurde aber abgeschlagen. Dann brachten Belgrader Blätter kürzlich die Meldung, der öster­reichische Polizeichef in Semlin Dr. Spieß habe den Büchele veranlaßt, im Auftrage des österreichischen Gesandten in Belgrad zwei Protokolle zu unterschreiben. In dem einen Protokoll hätte gestanden, daß Prinz Georg einem Men­schen 6000 Francs übergeben habe, damit er Kaiser Franz Joseph ermorde, und in dem anderen, daß er Büchele auf Veranlassung des Prinzen Georg einem anderen dunklen Ehrenmann zu politischen Zweden 20 000 Francs ausgefolgt habe. Hierzu wird nun aus Belgrad gemel­bet: Ein Mitarbeiter der Belgrader Tribuna" hatte eine Unterredung mit dem Semliner Polizeichef Dr. Spieß, der ihm sagte, er habe mit Büchele nur am Tage vor dessen Ausweisung aus Belgrad von Amtswegen gesprochen, habe feine Schriftstücke von ihm in Empfang genommen und sich nur darauf beschränkt, ihn zu beobachten. Wörtlich sagte Spieß dann: Ich habe mich persönlich davon überzeugt, daß Prinz Georg dreimal des Nachts mit einem Kahne auf unseren Boden hinüberfuhr und Büchele nach Belgrad mitnahm." außerordentliches Aufsehen. Man glaubt, daß Prinz Georg wiederum in eine peinliche Affäre verwickelt werden wird.

Staltungen so lange bontottiert, bis das Liter vier wie­der 40 Heller und der Wein wieder 80 Heller kosten. Außer­dem ist ein aus hohen Staatsbeamten und Bediensteten wie Vertretern der christlichen und freien Gewerkschaften bestehender Teuerungsausschuß seit gestern in Kufstein in Permanenz getreten, der dem Ringe der Produzenten einen solchen der Konsumenten gegenüberstellen will; er will nicht nur billigere Lebensmittel von auswärts beschaffen, sondern auch die Wohnungsfürsorge in die Hand nehmen.

Eine schwere Gasvergiftung wird aus Mecklenburg ge­meldet. In dem Orte Zarenthin wurde in letzter Zeit ein Gaswerk errichtet, das gestern in Betrieb genommen wurde. Gestern früh fand man nun die Familie eines Schuhwaren­händlers in ihrer Wohnung in bewußtlosem Zustande auf. Die 85jährige Mutter, die mit einem dreifährigen Enkel zusammengeschlafen hatte, war schon tot, die übrigen vier Personen gaben noch Lebenszeichen von sich, doch schweben fie noch in Lebensgefahr. Es ist mit Sicherheit festgestellt, daß die Vergiftung durch die neue Gaseinrichtung herbet­geführt worden ist.

Von einem Fortbildungsschüler getötet wurde gestern abend in Coswig bei Dresden der Schußmann Bachmann. Er wollte den 17jährigen Fortbildungsschüler Gabriel, der wegen ungebührlichen Betragens zu einer Karzerstrafe ver­urteilt worden war, nach der Ortszelle befördern. Wäh­rend des Transportes versuchte Gabriel Widerstand zu lei­sten und versetzte dem 62fährigen Beamten einen so heftigen Fußtritt in den Unterleib, daß dieser zu Boden stürzte und nach wenigen Stunden unter furchtbaren Schmerzen starb. Der König von Siam auf Freiersfüßen. Am Hofe von Bangkok ist man in argen Nöten: Der König Vajiravudh, der jüngst den Thron bestiegen hat, ist noch nicht verhet­ratet, und das bringt ihn bei den Siamesen ein bißchen um seinen Kredit. In Siam verlangt man nämlich kategorisch, daß der Träger der Krone eine Nachkommenschaft habe. Der neue König, der eine ausgesprochen englische Erziehung ge= noffen hat, weiß genau, daß man sich in Europa, auf deffen Urteil er großen Wert legt, über die am siamesischen Hofe herrschenden Sitten nicht schlecht lustig macht. Es ist be­tanut, daß in Siam der Monarch Hunderte von Weibern zur Verfügung hat, und daß er trotzdem als legitime Frau­en nur seine eigenen Schwestern heimführt. Die Mädchen, die aus solchen Verbindungen geboren werden, sind alle zur Chelosigkeit und zur Klausur verurteilt, wenn sie nicht einen Bruder haben, der sich erbietet, sie zu heiraten. Diesem in die neue Zeit nicht mehr hineinpassenden Liebesregime möchte der König Vajiravudh ein Ende machen: er möchte eine Prinzessin heiraten, die nicht seine Schwester ist. Wo aber eine solche Prinzessin suchen und finden? Eine japa­nische Prinzessin soll es nicht sein, weil die Stamesen auf den Gedanken kommen könnten, daß Japan fich in Stam festsetzen wollte. Aus demselben Grunde wäre auch eine chi­nesische Prinzessin abgelehnt worden. Eine Prinzessin aus Kambodscha könnte es darum nicht sein, weil Kambodscha früher ein Vasallenstaat Siams war. Eine indische Prin­zessin würde in den Augen der mißtrauischen Siamesen eine britische Kontrolle darstellen. Bltebe also nur eine perfi­sche Heiratskandidatin. Auf keinen Fall wird man sagen können, daß der arme modern erzogene König die Qual der Wahl habe.

Künstliche Diamanten. Londoner Meldungen zufolge soll es einem Engländer, dessen Name noch nicht genannt wird, nach jahrelangem Forschen gelungen sein, Diamanten zu machen, die von den natürlichen nur von erfahrenen Sachverständigen unterschieden werden können. Diese syn­thetischen Diamanten besigen angeblich 98 Prozent der Härte der natürlichen Diamanten. Unter dem Einfluß von Rönt­genstrahlen zeigten sie genau dieselben Lichteffekte wie na­türliche Steine. Der Erfinder behauptet, er set instande, die künstlichen Diamanten für ein Fünftel der Kosten der natürlichen herzustellen, und zwar bis zur Größe eines Ka­rats. Ihr Glanz ist wunderbar, wenn er auch den blauen Schimmer der allerbesten natürlichen Steine vermissen läßt. Die Steine sollen sich auch zur Verwendung für Glaser­werkzeuge und Bohrmaschinen vorzüglich eignen.

Der Dienstweg. Die in Wien erscheinende Muskete" erzählt folgende Anekdote: Oberst M. hatte das Kommando des 156. Infanterieregiments bekommen. Die erste Mittet­lung hierüber erhielt er durch ein Telegramm der Firma Moritz Filler u. Co., Uniformschneider, Wien. Das zweite Telegramm war von der Firma Becker, Schneider, Wien. Die dritte Depesche kam vom Armeediener Wokurka im Kriegsministerium, einem ehemaligen Unteroffizier des 156. Jufanterieregiments. Bulegt, gerade 24 Stunden nach dem ersten Telegramm und einen Tag vor Publikation des Ver­ordnungsblattes, kam der telegraphische Glückwunsch des Hauptmanns M., des Bruders des Obersten. Der war zum Präsidialbureau des Kriegsministeriums fommandiert.

Die Ausage des Dr. Spieß macht in Belgrad Rittmeister v. Krosigks Mörder ermittelt?

Ein treuer Wächter. Gestern nachmittag wurde die Londoner Polizei nach einem kleinem Hotel gerufen. Ein Gast namens Hyatt, der seit zwei Jahren dort wohnte, hatte sein Zimmer nicht verlassen, antwortete nicht auf An­ruf oder Klopfen, und man glaubte, daß ihm ein Unglück zugestoßen sei. Fünf Polizisten klopften nun an die Türe Hyatts, aber die einzige Antwort, die sie vernahmen, war das wütende Knurren Vics", einer Hündin, mit der Hyatt Freud' und Leid teilte. Das Tier, eine starke Bulldogge, war offenbar sehr aufgeregt, und in diesem Zustande war, wie der Wirt warnte, nicht mit ihm zu spaßen. Die Po­lizei hielt also Kriegsrat und beschloß, vorläufig erst mal zu refognoszieren. Es wurde also ein Loch durch die Türe gebohrt. Der Mann, der zuerst das Auge an die Oeffnung hielt, fuhr mit einem Schrei der Ueberraschung zurüd: am Boden ausgestreckt lag Hyatt mit durchschnittenem Halse und über ihm stand knurrend und mit blizenden Augen Bic", die Bulldogge. Zwei Sergeanten, die inzwischen bazu gekommen waren, befahlen vorerst die Türfüllung auszubrechen und zu versuchen, sich irgendwie des Tieres zu versichern. Das geschah, und nun versuchte man, dem wütenden Hund einen Strid um den Hals zu werfen. Aber ,, Vic" ließ sich nicht beikommen. Nicht viel mehr Glück hatte man mit dem Versuche, sie mit einer Stange in die Ecke zu treiben. Inzwischen war es bereits drei Uhr ge­worden. Ein Arzt wurde herbeigeholt, um dem Hund Chloroform zu geben, aber auch dieses Manöver scheiterte an Vics" Mißtrauen. Man setzte Vic" nun eine mit Strychnin gewürzte Schale Milch vor, aber das mißtraui­sche Tier roch daran, und dann setzte es sich verächtlich mit­ten in die Milch hinein. Jetzt wurde ihm ein Stück ver­giftetes Fleisch zugeworfen. Mit großer Gier fing ,, Vic" es auf, schluckie es hinab und wartete dann gespannt, ob es noch meh: gebe. Da man ihm offenbar zu wenig Gift gegeben hatte, wurde die Dosis noch einmal verstärkt wie­derholt, und dann fiel das treue Tier lautlos zu Boden und frümmte sich im Todeskampfe neben der Leiche seines Herrn. Von nachmittags bis abends hatte Vic" gegen zwölf Menschen ausgehalten. Ihr Herr hatte Selbstmord begangen.

Wirtshausboykott in Kufstein. Eine Radikalkur hat die Kufsteiner Bevölkerung mit ihren Wirten begonnen; diese werden sämtlich auch für gesellschaftliche Veran­

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Die Erinnerung an den zehn Jahre zurückliegenden, bisher unaufgeklärten Mord an dem Rittmeister v. Krosigk vom 11., damals in Gumbinnen liegenden Dragonerregt­ments wird durch eine überraschende Nachricht von der Ver­Haftung des angeblichen Mörders wachgerufen. Der am Bahnbau der Strecke Wunstorf- Haste beschäftigte Arbeiter Fischer ist Mittwoch abend verhaftet worden, nachdem er das Geständnis abgelegt hat, daß er vor zehn Jahren den Ritt­meister v. Krosigk erschossen habe. Fischer war seit etwa 14 Tagen an dem Bahnbau beschäftigt und zeigte in der letzten Zeit ein auffallend gedrücktes Wesen. Er wurde schließlich von seinen Arbeitskollegen zur Rede gestellt, weigerte sich aber, irgendwelche Angaben zu machen. Erst als ihn der Schachtmeister ins Gebet nahm, gab er unter Tränen die Erklärung ab, daß er den Rittmeister v. Krosigk er­schossen habe. Er bat aber flehentlich, niemanden davon et­was zu sagen. Als Grund für den Mord gab er folgendes an: Er habe gerade vor der Beförderung zum Unteroffizier gestanden und sei vom Rittmeister v.Krosigt, ohne daß das Geringste vorgefallen sei, zu dret Tagen Arrest verurteilt worden. Infolgedessen sei er nicht zum Unteroffizier be­fördert worden und habe aus Aerger darüber Rittmeister v. Krosigk erschossen. Fischer wurde nach dem Geständnis sofort verhaftet und in das Amtsgerichtsgefängnis zu Ro­denberg eingeliefert. Bei seiner Vernehmung gab Fischer an, daß er zwar nicht ableugnen wolle, die Aeußerung über das Verbrechen getan zu haben, den Mord habe er aber nicht begangen. Seine schwer belastenden Mitteilungen will er im Delirium gemacht haben. Auch auf dem Regiments­bureau in Lyck ist bereis die Meldung von der Verhaftung und dem Geständnis des Bahnarbeiters Fischer eingetrof­feit. Das 11. Dragonerregiment, befanntlich früher in Gumbinnen stationiert, wurde einige Zeit nach dem Prozeß gegen die vermutlichen Mörder des Rittmeisters v. Krosigk nach Lyck verlegt. Im Bureau des Regiments wurden ge= stern vormittag die Mannschaftslisten aus dem Jahre 1901 geprüft, um nähere Feststellungen zu machen.

Die Geschichte der Tat.

Ueber das Verbrechen an dem Rittmeister v. Krosigk, das seinerzeit so großes Aufsehen erregte, sei nachstehen­des in Erinnerung gebracht. Rittmeister von Krosigk ließ am 22. Januar 1901 in Gumbinnen nach einem Scharfschie= Beu auf dem Scheibenstande von seiner Schwadron die Ka­rabiner im Vorraum der Reitbahn ablegen und eine Ab­teilung reiten. Er selbst schoß, um die Pferde an den Knall zu gewöhnen, mit Platpatronen, mittels eines Revolvers, als durch ein Guckloch in der Seitenwand ein scharfer Schuß fiel. v. Krosigk konnte noch den neben ihm stehenden Wachtmeister fragen, ob er geschossen habe, dann brach er, durch die Brust getroffen, zusammen. Der Tod trat nach

vier Minuten ein. Der Karabiner, mit vem der hus ab gefeuert worden war, wurde noch rauchend aufgefunden. Er trug die Nummer 19 und gehörte cinem Dragoner, der in der Abteilung selbst mit ritt. Die Untersuchung wurde sofort eingeleitet und die unter Rittmeister v. Krosigk die­nenden Unteroffiziere Marten, Hickel und Domnig unter dem Verdacht der Täterschaft bezw. der Beihilfe verhaftet. In der Verhandlung vor dem Gumbinner Kriegsgericht fam es zur Sprache, daß gerade Marten von dem Rittmeister, der sonst als strenger Vorgesetzter wenig beliebt war, manche Wohltaten empfangen und keinen Grund hatte, ihm nach dem Leben zu trachten. Der Hauptbelastungszeuge Dragoner Skopec wurde als unglaublich befunden und nicht vereidigt, und so kam das Gericht zu einem Freispruch Mar­tens. Infolgedessen wurde auch der wegen Beihilfe ange­flagte Unteroffizier Hickel freigesprochen. Gegen diesen Freispruch legte der Gerichtsherr Berufung ein, und das berfriegsgericht kam zu einer anderen Entscheidung. Es hielt Stoped für glaubwürdig, vereidigte ihn und fällte auf Grund der Beweisaufnahme ein Todesurteil gegen Mar­ten, während Hickel wiederum freigesprochen wurde. Mar­ten legte gegen dieses Urteil Revision beim Reichsmilitär­gericht ein, da das Oberkriegsgericht nicht ordnungsmäßig besetzt gewesen sei. Das Gericht erkannte diesen Grund an und wies die Sache zur nochmaligen Verhandlung an das Berufungsgericht zurück. Hier kam es dann, nachdem ein Jahr nach der Tat verflossen war, zu einer vierten Ver­handlung des Prozesses, in der der Gerichtshof zu dem Schluß gelangte, daß die gegen die Angeklagten vorliegen­den Verdachtsgründe zu einer Verurteilung nicht hinreich­ten. Es verwarf daher die Berufung und stellte das erste freisprecheude Urteil gegen Marten und Hickel wieder her, das nunmehr rechtskräftig wurde.

Zu der Angelegenheit meldet uns ferner ein Tele­grammi: Lyd, 13. Januar. Wie die Masurische Zeitung" hört, ist auf Grund der Mannschaftsliste festgestellt worden, daß bei der 4. Schwadron des 11. Dragonerregiments, deren Chef Rittmeister von Krosigk war, zu der in Frage kommen­den Zeit ein Mann namens Fischer nicht gedient hat, wohl aber bei der 2. Schwadron.

Drabtnachrichten und Deuestes.

Hiobsmeldungen aus dem zentralasiatischen Erdbebengebiet

Frankfurt a. M., 13. Januar. Der Frtf. Zeitung" wird aus Petersburg gemeldet: Die Nachrichten aus Wier­nyi lanten wesentlich schlimmer als die offiziellen Angaben. Die Mehrzahl der Einwohner haust danach unter freiem Himmel und leidet äußerste Not. Ueberall flaffen Spalten und Erdtrichter, alle Pulverfeller sind versunken. Es herrscht scharfer Frost. Auf dem Wege nach Prschewalk liegen Hun derte von Leichen. An den Ufern des Jffikkulsees sind alle Törfer zerstört. Hier hat sich die Bodengestalt völlig ver­ändert, so daß sie nicht mehr zu erkennen ist. Die Post­straßen sind vielfach verschüttet. Stellenweise klaffen Spal­ten von fünfzehn Metern Breite. In Tokmak Itegen massenhaft unbestattete Leichen.

Ein Offizier als Lebensretter. Hildesheim, 13. Januar. Durch einen Offizier eines hiesigen Regiments wurden gestern vier Kinder, die beim Schlittschuhlaufen eingebrochen waren, gerettet.

Sturm in der Nordsee.

Hamburg, 13. Januar. Der Südweststurm hat in der Nordsee und besonders auch an der deutschen Küste schweren Schaden angerichtet. Im Aermelkanal herrschte ein so hef= tiger Sturm, daß der Verkehr nach Calais aufgegeben wer­den mußte.

Cholerafälle an der belgischen Grenze. Köln, 13. Januar. In dem belgischen Grenzort Dols hein unmittelbar an der preußischen Grenze sind zwei To desfälle vorgekommen, bei benen es sich nach Ansicht der Aerzte um asiatische Cholera handelt.

Der Ansstand der Wiener Cafeekellner greift weiter um sich und es wird mit der Möglichkeit eines Generalstreiks aller in Gastwirtschaften Angestellten ge­rechnet: Wien, 13. Januar. Die Angestellten der Cafeehäus ser haben den Verband der in Gastwirtschaften Angestellten aufgefordert, Maßnahmen zu einem allgemeinen Ausstand in die Wege zu letten.

Das Streiffieber in Portugal. Madrid, 13. Januar. Nach den letzten Nachrichten aus Portugal streifen sämtliche Bahnlinien. Telegraph und Postverbindung mit Spanien ist völlig unterbrochen. Den Eisenbahnern sowie den Handlungsgehilfen schloffen sich mehrere andere Kategorien von Arbeitern an, so daß die Zahl der Ausständigen bereits auf 40 000 angewachsen ist. In der Stadt herrscht große Erregung. Das Militär so­wie die republikanische Garde besetzte alle öffentlichen Ge­bäude; die Volksstimmung ist unsicher, jeden Augenblic können Unruhen ausbrechen.

Die Befestigung des Panamafanals wird eine ganz gewaltige sein. Die Regierung der Ver­einigten Staaten will eben für alle Fälle vorbeugen. Es wird gemldet:

Washington, 13. Januar. Der Bericht des Befestt­gungsausschusses, der sich an Tafts Botschaft über den Pa namakanal anschloß, führt aus, daß die Befestigung bestehen soll aus 4 14zölligen, 12 63ölligen und 24 12 zölligen Ge­schüßen. Die Garnison soll in Friedenszeiten bestehen aus 12 Kompanien Küstenartillerie, 4 Kompanien Infanterie, 1 Batteric Feldartillerie und 1 Schwadron Kavallerie.

Folgenschwere Gaserplosion.

Neuyork, 13. Januar. Eine Gasexplosion ereignete sich gestern in einem Ladengeschäft in Connelsville( Pennsylva= nien). in dem sich gerade 20 junge Mädchen und vier Män­ner befanden. Die Wand stürzte ein und die Trümmer fingen Feuer. Drei Mädchen wurden getötet, 20 der An­wesenden verletzt, darunter drei schwer.

Handel und Verkebr.

Frankfurt, 12. Januar. Viehmarktpreise v. 12. Januar. Preise für 1 Zentner Kälber: a) Doppelender, feinste Mast ( Lebendgewicht) M 59-62,( Schlachtgewicht) M 98-103, 6) feinste Mast( Vollmilchmast) und beste Saugkälber( Lebend­gewicht) M 55-58,( Schlachtgewicht) M 93-98, c) mittlere Mast- und gute Saugfälber( Lebendgewicht) M 50-53, ( Schlachtgewicht) M 85-90, d) geringere Saugfälber( Lebend­gewicht) M- -( Schlachtgewicht) M Schafe: a) Mast­lämmer und jüngere Masthämmel( Lebendgewicht) M 38, ( Schlachtgewicht) M 80, 6) ältere Masthämmel und gut ge nährte Schafe( Lebendgewicht) M 32,( Schlachtgewicht) M 76, c) mäßig genährte Hammel und Schafe( Merzschafe)( Lebend­gewicht) M( Schlachtgewicht) M d) Marsch oder Niederungsschafe( Lebendgewicht) M ( Schlachtgewicht) MSchweine: a) Fettschweine über 3 Zentner Lebend­gewicht( Lebendgewicht) M--( Schlachtgewicht) M b) vollfleischige Schweine über 3entner Lebendgewicht ( Lebendgewicht) M 53-55,( Schlachtgewicht) M 66-69, c) vollfleischige Schweine über 2 Zentner Lebendgewicht( Le bendgewicht) M 52-55,( Schlachtgewicht) M 66-69, 5) voll fleischige Schweine bis zu 2 Zentner Lebendgewicht( Le­bendgewicht) M 52-55,( Schlachtgewicht) M 60-69, e) flet­schige Schweine( Lebendgewicht) M 50-52%,( Schlachtge= wicht) M 64-67.