Ausgabe 
14.1.1911 Erstes Blatt
 
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Die Kleine Strafgesetzreform

vor dem Reichstag.

Der Reichstag verhandelte am Donnerstag über einen Tell der Bülowschen Erbschaft. Das ist die sogenannte fleine Strafgesetreform, die ihren Ursprung im jungen Frühling des Blockes hat, wo Fürst Bülow in seiner be= fannten, vielerörterten Programmrede unter allerlei an= deren Reformen auch solche ankündigte, die auf dem Gebiete des Strafgesetzes liegen. Das Gesetz ist eigent­Itch nur als Notgesetz gedacht und will wenigstens die schretendsten Ungerechtigkeiten aus dem Strafrecht heraus­bringen, bis etne grundlegende Strafreform erfolgen kann, beren Vorarbetten ja beretts eingesetzt haben. So zerfällt es in eine Reihe von einzelnen Teilen, die verschiedene Paragraphen aus dem Strafgesetzbuch herausgreifen, um ste dem veränderten Rechtsempfinden anzupassen. it. a. ist eine schärfere Bestrafung wegen Hausfriedensbruchs, Belet­digung, Tierquälerei und Nahrungsmittelfäschung vorgese­hen. Die Kommission hat einen neuen Paragraphen einge­fügt, in dem die Ausnüßung minderjähriger Personen zum Betteln, gewinnsüchtigen oder unstttlichen Zwecken un­fer Strafe gestellt wird. Ferner eine Bestimmung zur fchärferen Bestrafung von Betrug und Täuschung. Die Bestimmungen über die Beleidigung( größerer Schutz der persönlichen Ehre) sind in zweiter Lesung von der Kom­mission schließlich ganz fallen gelassen.

gebnisse des Prozesses und das Urteil geeignet sind, die Anschauungen des Reichskanzlers über das Gesamtbild der Moabiter Vorgänge zu bekräftigen. Das Gericht hat so­wohl die Janhagel- Theorie sowie auch die provozierende These, die von der Sozialdemokratie aufgestellt wurde, ver­worfen, genau so, wie es der Reichskanzler getan hat. Die Urteilsbegründung verbreitet über Ursprung und Gesamt­bild der Krawalle soviel Klarheit, daß keine dialektische Kunst imstande ist, die Darlegungen des Reichskanzlers über die moralische Mitschuld der Sozialdemokratie zu ent­kräften."

Der Pole v. Dziembowski befürwortete einen polnischen Antrag seiner Fraktion, in dem eine Aenderung des§ 130 St. G. B. dahin verlangt wird, daß öffentliche Aufreizung zu Gewalttätigkeiten verschiedener Bevölkerungsklassen gegeneinander mit Geldstrafe bis zu 600 M oder mit Ges fängnis bis zu zwei Jahren nur dann bestraft wird, wenn die Wirkung der Aufreizung in naher Zukunft Itegt. Das Reichsgericht hat dahin entschieden, daß auch solche Straf­fälle getroffen werden, deren Wirkung in naher Zukunft liegt. Der Antrag wurde gegen Polen und Sozialdemo­traten abgelehnt, die Bestimmungen über den Hausfriedens­bruch und Fretheitsberaubung wurden angenommen.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Für das vierhundertjährige Jubiläum der Reforma­tion, das die protestantische Welt im Jahre 1917 begehen wird, sind die Vorbereitungen bereits im Gange. Auf dem vorjährigen großen Gustav- Adol- f& est in Stralsund wurde die Veranstaltung einer Jubiläumsspende angeregt. In Straßburg píant man die Errichtung eines Denkmals des elsässischen Reformators Martin Bucer, und da sSchwaben­land will Luther und den württembergischen Reformator Johannes Brenz in einem großen Reformationsdenkmal unter dem Kreuz Christi darstellen.

Eine Reforddividende soll nach dem B. T." die Kolo. niale Bergbaugesellschaft zur Verteilung bringen. Die Ge sellschaft hat im letzten Jahre eine Ausbeute von 312 684 Karat Diamanten zu verzeichnen. Dabei wurde ein Reins gewinn von ca. Millionen Mark erzielt, der auf das Aktienkapital von 100 000 Mark verteilt werden soll. Das wären 2500 Mark Dividende.

Ueber einen Jagdunfall des Königs von Schweden ge­langen erst jetzt Mitteilungen an die Oeffentlichkeit. Der König, der ein eifriger Jäger ist, war im Begriff, ein Wild zu verfolgen, als er plößlich über eine Baumwurzel strau chelte und zu Fall kam. Er schlug dabet so heftig gegen einen Baum, daß er eine ziemlich schwere Verlegung davon rug, die ihn zwang, einige Tage das Bett zu hüten.

Der deutsche Heimarbeiterfongreß ist am Donnerstag in Berlin eröffnet worden. Prof. Franke gab eine Dar­stellung über die Entstehung der Arbeitsschutzgesetze und bezeichnete als Ziel der Gesetzgebung und der Organisa­tion, daß der Arbeiter zur Selbsthilfe erzogen werden soll. Vor allen Dingen müsse das Lohnproblem gelöst werden. Der Kongreß nahm zunächst das Hauptreferat des Profes­sors Dr. Wilbrandt- Tübingen entgegen. Seinen Aus­führungen legte er eine Resolution zugrunde, in welcher alle Wünsche der Heimarbeiter enthalten sind. In der Resolution heißt es u. a.: Der Deutsche Heimarbeitertag gibt der Ueberzeugung Ausdruck, daß mit der Verwirk lichung dieser Forderungen dem Elend in der hausindu­striellen Bevölkerung gesteuert werden kann, und erwartet deshalb vom Bundesrat und Reichstag, daß diese Reso­lution bei der Beratung über die Beschlüsse volle Berüd­sichtigung findet.

Es folgten die Vorschriften über die Tierquälerei. Nach der Vorlage sollte Tierquälerei als Vergehen mit Ge­fängnis bestraft werden, die Kommission hat sie als Ueber­tretung angesehen und läßt auch Haftstrafe zu. Hter ent­( pann sich eine recht lange Erörterung. Die Kommission hat landesrechtliche Schächtverbote, wie sie in einigen Bun­desstaaten, wie im Königreich Sachsen, bestehen, ausdrücklich im Gesetz für ungültig erklärt. Abg. Gröber( Zentr.) hält etne Regelung von Reichswegen für notwendig. Es kann nicht festgestellt werden, daß das Schächten inhuman und grausam sei. Ihm trat Abg. Graf- Weimar( wirtsch. Vgg.) entgegen, der das absolute Schächtverbot als eine Forderung der öffentlichen Moral und Humanität bezeichnete; sämtliche Tterschutz- und Tterärztevereine hätten, ohne Unter­schted der politischen Gesinnung ihrer Mitglieder, Gutach­ten gegen das Schächten abgegeben, und wer letzteres etumal mit angesehen habe, fühle sich abgestoßen und halte jedes Gutachten für überflüssig. Staatssekretär Lisco sprach ein glattes Unannehmbar zu dem Kommissionsbeschluß( unum= fchränkte Zulässigkeit des Schächtens im ganzen Reich) aus. Der konservative Redner Wagner- Sachsen achtet die Ueber­zeugung orthodoxer Juden, die am Glauben der Väter fest­halten, aber darum handele es sich hier nicht. Abg. Heinge ( natl.), ebenfalls etn Sachse, erklärte, daß die Nationallibe­ralen in der Frage geteilt feien. Redner selbst kann dem Kommissionsbeschluß nicht beitreten. Die Erörterung zog fich noch eine Beit lang hin, schließlich wurde zur Abstimm= ung geschritten, die mit großer Mehrheit Annahme des Kommissionsbeschlusses ergab.

Mit gesunden Vierlingen, zwei Knaben und zwei Mäd­chen, beglückte in Klein- Nenndorf im Kreise Rintelu ote Ehefrau Callier ihren Gatten.

Die Generalversammlung des Bundes der Landwirte findet am 20. Februar in Berlin statt. Zum ersten Mal hat sich die Bundesleitung entschlossen, nicht wie bisher im Zirkus Busch zu tagen, sondern die Versammlung nach dem Sportpalast einzuberufen, weil dieser für einige tausend Personen mehr Platz bietet.

Auch die Beleidigungsparagraphen wurden dann noch erledigt, und zwar ohne jede Debatte. In der Kommission war in zweiter Lesung ein Beschluß hierüber nicht zustande gekommen. Im Plenum wurde die Regierungsvorlage an­genommen. Danach wird bet öffentlichen Beleidigungen eine Höchststrafe von 10 000 M oder zwei Jahre Gefängnis festgefest und, wo das öffentliche Interesse nicht in Frage tommt, der Wahrheitsbeweis nur mit Zustimmung des Be­leidigten für zulässig erklärt.

Nachklänge zu den Moabiter Krawallen.

Die Pest brettet sich in der Mandschuret immer weiter aus und fordert immer mehr Opfer; namentlich die Lun­genpest tritt in der ärgsten Form auf. Zahlreiche auslän­dische Aerzte leisten Hilfe.

In der Nordsee gesunken ist gestern früh der Hamburger Dampfer Marie Ruß" infolge übergegangener Ladung Zwölf Mann der Besatzung ertranken, drei Mann wurden durch den Oldenburger Lotsenschoner" Peter" gerettet.

Eine Scharlachepidemie wütet in dem westfälischen Städtchen Bocholt und fordert zahlreiche Opfer. In den letzten Tagen starben täglich 8 bis 10 Kinder. In einem Nachbarort starben innerhalb 14 Tagen 12 Kinder. Neben den Scharlacherkrankungen treten auch viele Erkrankungen von Kindern an Masern auf.

Die Gründung eines deutschen Industriemuseums in Berlin in die Wege zu leiten, war der Zweck einer Ver­sammlung, die kürzlich in der Berliner Technischen Hoch­schule stattfand. Das Arbeits-, Handels- und Kriegsmini­sterium, sowie das Reichspost-, Marine- und Kolonialamt waren durch Räte vertreten. Das Museum soll weder pri­vaten Unternehmungen noch dem Deutschen Museum in München Konkurrenz machen, vielmehr die Industrie in der Neuzeit darzustellen und dadurch zu fördern bestrebt sein.

Aus Anlaß der Moabiter Streifunruhen sind bei dem Berliner Magistrat insgesamt 201 Entschädigungs­ansprüche auf Grund des Gesetzes vom 11. März 1850, betreffend die Verpflichtung der Gemeinde zum Ersatz des bet öffentlichen Aufläufen verursachten Schadens, angemel= det worden. 110 Anträge sind nach Maßgabe dieser Be­ftimmungen abgelehnt. In 55 Fällen sind bis jetzt Ent­Schädigungen im Gesamtbetrage von 4040 M bezahlt worden. Die einzelnen Beträge schwanken zwischen 2,65 und 975 M. In drei Fällen ist Klage gegen den Magistrat auf Scha­denersatz erhoben worden. Unter anderem fordert der Be­fizzer der Automobildroschke, in welcher die englischen Jour­nalisten gefahren sind, Ersatz für Beschädigung seines Wa­gens.

Ein ungetreuer Fabrikdirektor. Direktor König von den Bismarckfahrradwerken in Bergerhof bet Elberfeld tst nach Unterschlagung von 80 000 M verhaftet und in das Elberfelder Gefängnis gebracht worden. Er ist geständig.

Selbstmord eines amerikanischen Millionärs in einem Harzer Kurort. Der millionenreiche Kaufmann Sidney Jo­seph aus Cincinnati in Ohio, der sich seit längerer Zett in einem Sanatorium in Blankenburg befindet, sprang ge­stern von einer steilen Felswand des Regensteins in den Abgrund, wo er tot liegen blieb. Joseph dürfte die Tat im Irrfinn begangen haben.

Ein tödlicher Unfall in einer Schule hat sich in Neube natek( Böhmen) ereignet. Der Schullehrer Zezulka, ein Asthmatiker, hatte sich, um das Stiegensteigen zu ersparen, im Kohlenaufzuge in das zwette Stockwerk des Schulgebäu­des emporwinden laffen. Oben angelangt, riß plößlich die Kette, und der Lehrer stürzte bis in den Keller hinab, wo er mit zerschmettertem Schädel tot liegen blieb.

Das neunte Petitionsverzeichnis ist im Reichstag zur Verteilung gelangt. Wie immer bezieht sich eine Reihe von Petitionen auf Aenderung der Gewerbeordnung, be­sonders auf die Bestimmungen über die Sonntagsruhe und über das Wandergewerbe. Ziemlich groß ist die Zahl der Beamtenpetitionen. Mehrere verlangen die Versehung be­stimmter Otte in eine höhere Klasse des Wohnungsgeld­zuschußtariss. Der Verband christlicher Tabatarbeiter Deutschlands bittet um Gewährung weiterer Mittel zur Unterstützung der arbeitslos gewordenen Tabatarbeiter. Sehr groß ist ferner die Zahl der Petitionen um Ableh­nung des Zuwachssteuergesetzes, während andere dessen Einführung wünschen.

Der Reichskanzler und das Moabiter Urteil. Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung" bemerkt am Schlusse einer Auslassung über das Urteil in dem Prozeß: Im Gegensatz zu der Auffassung in der sozialistischen Presse und einiger liberaler Blätter behaupten wir, daß die Er­

Der Familienschmuck der Wallutjeffs.

Kriminalroman von Freifrau G. v. Schlippenbach. Nachdruck verboten.

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Ein tödlicher Rodelunfall hat sich im Wuppertale er­eignet. Bei Remscheid stießen zwei Rodelschlitten zusam­men. Rektor Köhler stürzte gegen eine Mauer und wurde tödlich verletzt. Mehere andere Personen wurden teils schwer, teils leicht verlebt.

Ueber einen eigenartigen Selbstmord wird dem B. L.­A." aus Bunzlau berichtet: Die Frau des Fleischermeisters Goettner in Röthbach legte sich die zur Tötung von Vieh be= stimmte Maske über den Kopf und brachte die in der Maske befindliche Patrone durch einen Hammerschlag zur Ent­ladung. Die Frau war selbstverständlich auf der Stelle tot.

Internationale Friedensinstitute werden im Jahre 1913 eingeweiht werden. Das Komitee der Carnegiestif­tung beschloß nämlich, daß die Einweihung des Friedens­palastes im Haag 1913 stattfinden soll. Man will die Feier nach Möglichkeit mit der Errichtung anderer inter­nationale Institute zusammenfallen lassen, namentlich mit der Errichtung einer internationalen Völkerrechts­hochschule, der Einweihung eines Gebäudes für die inter­nationalen Kongresse und der internationalen Landwirt­schaftsausstellung.

Papst Pius hat nach Privatmeldungen aus Rom in einem Schreiben an den König von Sachsen sein Bedauern über den Angriff des Barons de Mathies ausgesprochen.

Kleine Nachrichten.

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

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Unveröffentlichte Memoiren von Richard Wagner. Die Frankfurter Zeitung" veröffentlicht Mitteilungen über ein großes unveröffentlichtes Memoirenwerk Richard Wagners. Das Geheimnis, das bisher über die nur vermutete Selbst­biographie Wagners waltete, ist nunmehr gelüftet. Die Fa­milie Wagner wird die tatsächlich vom Meister selbst ver­faßten Lebenserinnerungen der Deffentlichkeit übergeben. Die Abfassung fällt in die Jahre 1868 bis 1873. Wagner benutzte fortlaufend geführte Notizbücher, die später ver­nichtet wurden. In Wagners eigenem Vorwort heißt es: Die in diesen Bänden enthaltenen Aufzeichnungen find im Laufe verschiedener Jahre von meiner Freundin und Gattin, welche mein Leben von mir sich erzählt wünschte, nach meinen Diktaten unmittelbar niedergeschrieben wor­den. Da der Wert der hiermit gesammelten Autobiographie in der schmucklosen Wahrhaftigkeit beruht, welche unter den bezeichneten Umständen meinen Mitteilungen einzig nur einen Sinn geben konnte, deshalb auch meine Angaben ge= nau mit Namen und Zahlen begleitet sein mußten, so könnte von einer Veröffentlichung derselben, falls bei un­seren Nachkommen hierfür noch Teilnahme bestehen sollte, erst einige Zeit nach meinem Tode die Rede sein." Memoiren, deren Manuskript vier Bände, 1158 Seiten, um­faßt, werden im Mai d. J. in einem Münchener Verlage erscheinen.

Ein moderner Pranger für Schuldner. Eine eigenar­tige Neuerung ist in dem westfälischen Orte Soest in Kraft getreten. Laut Beschluß des Stadtverordnetenkollegiums werden die Namen der zahlungsunfähigen Steuerzahler für die Folge durch die Tagesblätter bekannt gegeben.

Jahren erhielten wir den Talisman unseres Hauses wie­der, aber das Unglück verfolgte uns während der ganzen Zeit. Wir verloren unsere älteren Kinder, Dein Vater fing an zu kränkeln und mußte seine vielversprechende Laufbahn am Hofe aufgeben. Du selbst, unser Jüngster, warst ein zarter Knabe. Wir zitterten für Dein Leben; deshalb verließen wir Petersburg und zogen nach unserem Tulaschen Gut, das mitten im Wald gelegen ist.

Die Gnade des Zaren Alexanders III. zeichnete uns aus und Deine beiden Geschwister Tanja und Gawrill blühten damals noch in Gesundheit und Kraft. Jetzt bin ich eine alte franke Frau geworden, die fern von der Hei­mat lebt, fern von Euch, meine heißgeliebten Kinder, die letzten, die mir geblieben sind. Die Geburt meines Enkel­Sohnes hat mich, wie Du weißt, mit großer Freude erfüllt. Kann ich nun doch hoffen, daß unser alter Name nicht aus stirbt, daß er in Deinem Erben weiter leben wird. Ich ichide Deiner Frau den Familienschmuck der Wallutjeffs. Sie soll ihn tragen und ich denke, die Diamantsterne wer­den schön in ihrem Schwarzen Haar aussehen, das Perlen­follier soll ihren weißen Hals zieren. Ich muß Dir jezt etwas erzählen, das Dir bis jetzt unbekannt war, mein lieber Sohn! Es knüpft sich eine alte Sage an das kost= bare Geschmeide. Es ist gut, wenn Du davon hörst, da mit Du den Schmuck sorgsam hütest und ihn noch höher schätzen lernst. Die erhabene Kaiserin Katharina die Große schenkte ihn Deiner Ahne, der schönen Gräfin Ljuba Gawrillowna Wallutjeff, die Palastdame war., Hüte mein Geschenk mit Sorgfalt!" sagte die Kaiserin zu ihr. So lange Du es bewahrst, soll das Haus, dessen Namen Du trägst, blühen und gedeihen, geht aber der Schmud verloren, so wird das Unglüd über Euch kommen. Aber auch die­jenigen, welche wissentlich oder unwissentlich an dem Raube teilnehmen, sollen es büßen. Nur die Frauen des Hauses Wallut eff dürfen den Schmuck tragen, jeder anderen ist es verwehrt, und ob sie auch noch so unschuldig daran wäre, sie würde es büßen müssen." Diese Worte der Kaiserin haben sich schon mehreremale bewahrheitet. Der Schmuck wurde auch mir durch eine Kammerfrau ent­wendet. Es würde zu weit führen, Dir die näheren Um­Stände, die damit verknüpft waren, zu erzählen. Erst nach

Aus den Gerichtssälen.

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Ein gemeingefährliches Frauenzimmer. Das Dresdener Landgericht verurteilte die 32 Jahre alte, bereits vorbe­strafte Arbeiterin Elisabeth Anna Bauer aus Dresden, die in zahlreichen Fällen Kinder auf der Straße angehalten und ausgeplündert hatte, zu einem Jahre Gefängnis.

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Verurteilung eines Eisenbahnattentäters. Die Düssel­dorfer Straffammer verurteilte den früheren Eisenbahn­angestellten Josef Erfen, der mit Steinen nach Eisenbahn­zügen geworfen und dabei mehrere Reisende verletzt hatte,

verbringen. Ich hoffe, auch Euch im Januar dort zu sehen, meine lieben Kinder! Du mußt um Urlaub bitten, Euer Söhnchen fann so lange unter der Obhut der Großmutter mütterlicherseits bleiben. Und wills Gott, dann ist meine Gesundheit im Sommer so weit hergestellt, daß wir uns alle in Walkowa, unserem Stammsiz im Tulaschen, zu­sammenfinden. Und nun lebt wohl, meine Geliebten, Gott behüte Euch. Es umarmt Euch alle drei

Dein Vater hatte einen Geheimpolizisten beauftragt, Nachforschungen über den Verbleib des entwendeten Schmuckes zu veranstalten. Lange herrschte tiefes Dunkel über der Sache, endlich gelang es aber dem findigen Mann, die richtige Spur zu entdecken. Es ist eine merkwürdige Geschichte, die ich Euch einmal mündlich erzählen werde; jetzt nur so viel, daß wir endlich wieder in den Besitz des Schmuckes tamen. Die freche Diebin wurde ihres Ver­gehens überführt und vergiftete sich, um der Strafe zu ent­gehen. Leider war die Freude darüber, sein Eigentum zurüderlangt zu haben, nicht imstande, Deinem Vater die verlorenen Kräfte wieder zu geben. Er starb, hatte aber vorher noch das Glück, Dich frisch und gesund werden zu sehen. Es scheint fast, als beruhe die alte Sage auf Wahr­heit. Du wirst es verstehen, welchen Wert ich auf die Erhaltung des Geschmeides lege. Ich glaube, daß ich einen nochmaligen Verlust nicht überleben könnte. Ich schreibe Dir einen Tag vor Andreis Abreise, damit Du weißt, wann er ankommt. Bitte, hole ihn selbst vom Bahnhof ab, ich zittere bei dem Gedanken, daß unser Talismann noch in elfter Stunde abhanden kommen könnte. Sobald Du im Besitz des Schmuckes bist, so sende mir Drahtnach­richt. Ich gebe Andrei fünftausend Rubel mit für die wohltätige Stiftung, zur Erziehung der Soldatenwaisen; wie Du weißt, gehöre ich dem Komitee an. Andrei soll sich acht Tage in Petersburg ausruhen und dann die Rück­reise hierher antreten. Er muß mir viel von Euch, meine Lieben, erzählen. Sobald unser treuer Diener wieder in Luzern ist, reisen wir noch Nizza, um den Winter dort zu

Eure treue Mutter und Großmutter Anastasia Pawlowna Wallutjeff.

Dieser Brief der alten Gräfin tam richtig und prompt im Palast ihres Sohnes, des Garde- Leutnants Jegor Alerejewitsch, in Petersburg an. Er saß gerade mit seiner reizenden, jungen Frau am Frühstückstisch, als die Post eintraf. Das Zimmer war von dem milden Licht einer großen Hängelampe erhellt, denn obgleich es schon 10 Uhr war, herrschte noch ein trübes Zwielicht in der Newastadt. Erst gegen 11 Uhr wurde es von der kurzen Helligkeit des Herbsttages vertrieben. Es war ein schöner Raum, in dem das gräfliche Paar seine Mahlzeiten einzunehmen pflegte. Ein Diener in grüner, goldverzierter Jägerlivree ging geräuschlos hn und her und bediente die Herrschaften. Die beiden schönen, jungen Menschen, paßten durch ihre vornehmen Erscheinungen in den Rahmen ihrer Umgebung. Gräfin Maria Nicolajewna war eine bildhübsche, schlanke Dame von 21 Jahren, deren tiefbrünetter Kopf auf einem schlanken, zierlichen Körper saß. Ihre braunen lachenden Augen blickten sonnig; es schien, als ob sie noch nie Trä­nen des Kummers vergossen hätten. Ein Liebling des Schicksals mußte dieses schöne, junge Weib sein.

Ob ihr wohl immer die Sonne des Glückes lächeln würde? Ob nicht auch für sie einst trübe Tage in Sicht waren, jene schweren Stunden des Leidens, die keinem Menschen erspart bleiben, die früher oder später kommen müssen?

( Fortsetzung folgt.)

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