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Drei Soldaten ertrunken. Die Lyder Zeitung meldet aus Jucha: In der Nacht zum Freitag wollten der Serge ant Sauer, Sergeant Gronmeyer I und Unteroffizier Gron­meyer II, fämtlich aus Gorlowfen, sowie Sergeant Strehl aus Gorlen vor: Jesziorowsken über den See nach Gorlen fahren. Mitten auf dem See schlug das Boot um, die drei ersteren ertranken, während Strehl das Ufer erreichte. Die ungen Leute befanden sich auf Urlaub; ihre Garnisonen And Tilsit Berlin, Insterburg, Potsdam.

Ueber den Mord an einem deutschen Ingenieur in Sa­loniki wird aus Konstantinopel gemeldet: Der 33jährige deutsche Staatsangehörige Richard Scherrer, früher lang­jähriger Ingenieur bet der Maschinenfabrik Augsburg­Nürnberg wurde am Sonnabend früh in Saloniki von dem Korsen Martinetti erschossen, der sich durch einen wet­teren Schuß selbst entleibte. Scherrer war im vergangenen Jahre als Ingenieur der Firma Dyderhoff& Widmann nach der Türkei gekommen und leitete seit dem 1. Januar den Bau der Staatsstraße im Wilajet Saloniki, den seine Firma in Kontrakt übernoumen hatte. Martinetti war im Bureau der Firma angestellt gewesen und wegen Verun­treuungen entlaffen worden. Den Kündigungsbrief hatte Scherrer unterschrieben. Der rachsüchtige Korse, der fung verheiratet war und ein zweijähriges Mädchen besitzt, kam Sonnabend morgen auf das Bureau der Firma und erschoß dort zuerst den jungen, hoffnungsvollen Ingenieur und da­rauf sich selbst.

Seinen Gläubiger an die Fremdenlegion abgeschoben. Ein junger Lebemann in Göln, der bei einem Cölner Wirt start verschuldet war, machte den Versuch, seinen Gläubiger in die französische Fremdenlegion zu bringen. Er richtete an das Werbebureau in Toul die schriftliche Anfrage, ob es bereit sei, einen Freund von ihm, wobei er den Namen des Wirtes angab, für 10 Jahre in die Fremdenlegion zu engagieren unter der Bedingung, daß der Anzuwerbende in Marokko Verwendung finde, was sein ausdrücklicher Wunsch set. Die Antwort lautete bejahend. Nunmehr re­dete er dem Wirt zu, daß er eine reiche Tante in Toul habe, die einen Teil seirer Wechsel einlösen werde. Beide reisten dahin. Nachdem sie sich in französischem Rotwein einen tüch­tigen Rausch geholt, machten sie einen Rundgang durch die Stadt und kamen dabei in das Werbebureau, das der Schuldner seinem Gläubiger als ein historisches Gebäude von großer Bedeutung" bezeichnete. Beide besuchten schließ lich das angeblich historische Gebäude, und der betrunkene Wirt zeichnete sich nach seiner Meinung in das Fremden­buch ein. Erst als ihm erklärt wurde, daß er sich in die Ka­serne zu begeben habe, erkannte er seine Lage. Es kam zn eineu stürmischen Auftritt, der durch den Kommandanten des Bureaus unterbrochen wurde. Dieser ließ sich den Her­gang erzählen, und als der Wirt mit Beschwerde beim Aus­wärtigen Amt drohte, annullierte er den Vertrag. Der Wirt hat gegen seinen Schuldner ein gerichtliches Verfah­ren angestrengt.

Ein Bankrun in Wittenberge. Auf die Filiale der Mitteldeutschen Privatbank in Wittenberge wurde am Sonnabend von den Kunden der Bank ein heftiger An­fturm unternommen. Am Donnerstag abend erschien in dem Bureau der Bank ein angetrunkener Arbeiter und verlangte die Einlösung eines Klebeheftes vom Rabattspar­verein. Da das Heft nicht vollständig beklebt war, wurde die Auszahlung verweigert. Der Arbeiter teilte darauf seinen Bekannten mit, daß die Privatbank und der Na­battsparverein in Zahlungsschwierigkeiten geraten seien. Diese Gerüchte fanden rasche Verbreitung und griffen auch nach dem benachbarten Perleberg über. Die Folge war ein förmlicher Nun auf die Bank, die im Laufe des Tages etwa 200 000 Mart auszahlen mußte. Inzwischen haben fich die erregten Gemüter wieder beruhigt.

Eine Indianerhochzeit in Paris. In Paris hält sich gegenwärtig eine aus Kanada importierte Truppe von Stour- Indianern auf, die durch einige Jrokesen vervoll­ständigt wird. Am Sonnabend nun heiratete der Große Stter" der Stour das Flteßende Wasser", eine hübsche Frokesin. Eigentlich mischen sich Stour und Frokesen sel­ten. Aber in Europa halten sie weniger streng an ihren Ueberlieferungen fest. Die Feierlichkett ging mit dem gan­zen Indianerpomp in Szene. Den Vorsitz führte der große Häuptling, der 105 Jahre alt sein soll. Der Bräutigam war in sein bestes Kriegsgewand gehüllt. Die Braut trug ein weißes Kleid. Die Indianer zogen mit zwei Cowboys an der Spitze mit Schellen- und Tamburinmusik und unter dem üblichen Indianergeheul durch die Straßen von Neu­illy, nach der Mairie, wo der Beigeordnete des Maire mit Hilfe von Dolmetschern das zarte Band zwischen dem " Großen Stier" und dem Fließenden Waffer" knüpfte. In der St. Pierrekirche wurde es noch weiter besiegelt, mobet dte Rothäute Zigaretten rauchten. Im Jardin d'Acclima­tation fand das Hochzeitsmahl statt.

Das Schicksal eines russischen Sanitätszuges. Die Re­vision des Senators Medem in Sibirien hat zur Aufdeckung eines unglaublichen Vorkommnisses aus der Zeit des rus­fisch- japanischen Krieges geführt. Auf der sibirischen Bahn entgleiste am 25. Dezember 1904 bei der Station Wodoras­del ein Sanitätszug, der von der Großfürstin Olga Niko­lajewna, der ältesten Tochter des Zaren, ausgerüstet wor den war. Von dem großen Zuge waren bei der Entglet­sung nur drei Wagen beschädigt worden. Um die ganze Angelegenheit auf einfache Weise aus der Welt zu schaffen, ordnete der Stationschef an, den ganzen 3ug mit seiner wertvollen Lazaretteinrichtung mit Petroleum zu begießen und zu verbrennen. In wenigen Stunden waren von dem Buge nur noch die Eisenteile übrig, die von dem Stations= chef als altes Eisen verkauft wurden. Der Inhalt des Buges war etwa eine Million Rubel wert. Damit die Affäre nicht ruchbar werden sollte, wurde nach Petersburg gemeldet, der Zug sei von den Japanern erbeutet worden. Dieser Willkürakt des Beamten wurde jetzt vom Baron Medem aufgedeckt und in allen Einzelheiten untersucht.

Eine raffinierte Entführung, die alles bisher auf die­sem Gebiet Dagewesene in den Schatten stellt und wahr­scheinlich auf das Konto Mädchenhandel zu setzen sein wird, ist in Riemke bei Bochum zur Ausführung gebracht wor­den. In die Wohnung eines jüngst verheirateten Berg­mannes, bei dem auch die jugendliche, hübsche Schwester der Frau wohnt, die sich durch Näharbeiten gut und ehrlich ernährt, trat, während der junge Ehemann auf Arbeit war, ein sich als Kriminalbeamter vorstellender Mann ein, legte eine gewichtige Aftenmappe auf den Tisch und erklärte, er sei vom Vormundschaftsgericht in Bochum be­auftragt, das junge Mädchen in Fürsorgeerziehung abzu­holen. Darob große Aufregung bei den Frauen, Bitten und Flehen, der Herr Beamte möge doch so lange warten, bis der Mann von der Zeche zurück sei. Der Beamte blieb aber unerbittlich. Schließlich machte sich das junge Mäd­chen zum Mitgehen fertig und entfernte sich in Begleitung des Mannes. Als der Schwager nach Hause kam, war der erste Weg zum Vormundschaftsamt in Bochum. Doch hier wußte man von der Sache nichts; ebensowenig bei den Po­lizeidienststellen. Bis zum Abend war noch keine Spur von der Entführten gefunden. Man nimmt an, daß das Junge Mädchen über die belgische oder holländische Grenze gebracht worden ist.

Heroismus im Leuchtturm. Eine ergreifende Ge­schichte erzählt der Steuereinnehmer von Belle- Isle- en­Mer in einer Zuschrift an den Figaro", die allgemeines Aufsehen macht. Am 18. April d. I. wurde der Wächter, ber dazu bestellt ist, den Dienst im Leuchtturm von Ker­donis bet Locmaria zu versehen, frühmorgens frank. Bis

zur Mittagszeit versah er mit Aufwand aller Kräfte sein Amt, dann mußte er sich niederlegen. Und bald erkannte sein Weib, daß es gegen seine Krankheit keine Hilfe gab. Was tun in der Weltabgeschiedenheit ihrer Wohnung im Leuchtturm? Der Mann im Sterben und der Leuchtturm unangezündet! Sie läßt den. Sterbenden mit den zwei Kindern allein, eilt in den Turm empor, entzündet das Feuer, und als sie nach der umständlichen Arbeit wieder­tommt, tann sie dem Gatten nur mehr die Augen zum ewigen Schlaf zudrücken. Und mitten ins Schluchzen um den Toten tönt der Ruf eines Kindes an ihr Ohr:" Mut­ter, der Leuchtturm dreht sich nicht!" Wenn er sich nicht dreht, ist das sehr gefährlich für die Schiffer draußen auf dem Meer, denn das ist sein charakteristisches Merkmal, dadurch unterscheidet sich sein Licht von allen anderen Lich­tern auf freier See. Endloses Unglüd muß verhütet wer den! Die Frau steigt wieder zur Laterne empor, um nach dem Drehwerk zu sehen. Aber der sich darauf verstand, ist tot, und da die Frau den Mechanismus nicht recht zu handhaben weiß, schickt sie ihre beiden Kinder, von denen das ältere noch nicht 10 Jahre alt ist, in die Laterne hin­auf, damit sie das Drehwert mit ihren fleinen Händen in Gang erhalten. Zehn Stunden lang, von 9 Uhr abends bis 7 Uhr morgens standen die Kinder im Feuerzimmer" an der Kurbel und drehten und drehten, auf daß die vor­überfahrenden Schiffe kein Unglüd treffe. Damit aber die­sem Heroismus nicht auch das groteste Nachspiel fehle, er­zählt der genannte Steuereinnehmer ein Stücklein vom heiligen Bureaukratius. Der Staat schuldet der Witwe des Leuchtturmwächters an Taglohn vom 1. bis zum 18. April 54 Francs 17 Centimes, und trotz wiederholter Be­mühungen ist der Erzähler nicht imstande gewesen, ihr die Auszahlung dieses Betrages zu erwirken, obwohl die Witwe derzeit ohne Brot und ohne Bett ist.

Wieviel hnen hat der Mensch? Diese Frage findet sich in der Internationalen Hygiene- Ausstellung in Dres­ben an einigen lehrreichen Tafeln beantwortet. Jeder Mensch hat zwei Eltern, vier Großeltern, acht Urgroßeltern, sechzehn Ururgroßeltern, vorausgesetzt, daß niemals Hei­raten zwischen irgendwie blutsverwandten Personen statt­gefunden haben. Unter diesen Voraussetzungen würde eine Im Jahre 1910 lebende Person, wenn sie ihren Stamm= baum um zehn Generationen zurückverfolgen könnte, also etwa bis in die Zeit der Reformation, 1024 Ahnen auf­weisen, die damals gelebt haben. Würde sie einundzwan zig Generationen zurückgehen können, etwa in die Zeit Kaiser Barbarossas, so würde die Zahl ihrer damals leben­den Ahnen schon über zwei Millionen ausmachen und zur Zeit Christi Geburt würden es 18 Millionen Menschen sein, die damals gelebt haben müßten und die alle dieser eine Mensch als seine Ahnen betrachten tönnte. In Wirk­lichkeit wird diese Summe natürlich dadurch sehr verrin­gert, daß Heiraten, wenn auch sehr entfernt blutsverwand­ter Personen nicht nur vorkommen, sondern an der Ta gesordnung sind. Nur wissen wir es nicht, da ja nur recht wenig Menschen ihre Ahnen über die dritte Generation zurüd verfolgen können. Für Kaiser Wilhelm ist die Ahnentafel auf der Ausstellung zu finden, und da zeigt es sich, das bereits in der vierten Generation vor ihm ein Ahnenverlust eintritt, er sollte 16 Urgroßeltern haben und hat deren nur 14, in der achten Generation sollten es theo­retisch 256 sein, es sind aber mit Einschluß der nicht mehr bekannten Ahnen bloß 116, in der zwölften Generation soll­ten es 4096 sein, davon sind uns nur 275 bekannt, unbe­fannt sind uns ganze 258, sodaß die wirkliche Ahnenzahl wahrscheinlich nur 533 beträgt.

Eine weibliche Feuerwehrbrigade ist die neueste Er­rungenschaft des frauenfreundlichen Englands. In Bur­ton on Trent gab sie jüngst vor 10 000 Zuschauern den er­sten Beweis ihrer Leistungsfähigkeit. Sobald die Nach­richt von dem improvisierten Brande eintraf, waren auch schon die Pferde eingespannt und die Löschmaschine raste mit Windeseile zur Brandstelle. Der Wichtigkeit ihrer Rolle vollauf bewußt, sprangen die behelmten und ent­sprechend uniformierten Feuerwehrdamen vom Wagen und nun ging es allen Ernstes ans Löschen des gründlich in Brand gesetzten Hauses. Fingierte Opfer in Form von menschenähnlichen Puppen wurden prompt gerettet und alles ging so gut von statten, als handelte es sich um Feuer­wehrmänner. Die Umsicht und Entschlossenheit der Damen setzte alle Zuschauer, unter denen sich der Bürgermeister, der Polizeidirektor, sämtliche Honoratioren des Ortes und zahlreiche Feuerwehrleute befanden, in helle Bewunderung. Jezt handelt es sich nur noch um die Frage, ob sich die löschenden Damen auch im Ernstfall in demselben Maße bewähren werden.

Der Tiger als Baltongaft.

Einen sonderbaren Abendbesuch hatte, wie der Inf." aus Amsterdam mitgeteilt wird, eine Familie, die dort an­fäffig ist. Die Mitglieder dieser Familie befanden sich des Abends zur Erholung auf dem Balkon, der zur ebenen Erde gelegen ist, und unterhielten sich beim Glase eines küh­lenden Weines. Plötzlich bemerkte die Hausfrau, wie das jüngste Töchterchen, ein Mädchen von 10 Jahren, im Hin­tergrunde des ziemlich geräumigen Balfons sich eifrig mit einem Gegenstand beschäftigte, der in der Dunkelheit nicht deutlich zu erkennen war und den die Hausfrau für den Hund, der Hof und Garten bewachte, hielt. Dieses Tier, das sich ganz ruhig benommen hatte, und das sich mit sicht­lichem Behagen von dem Kinde streicheln Iteß, machte aber plötzlich eine Bewegung, wie man sie an einem Wachhunde faum jemals beobachten kann. Zugleich gewahrte man ein eigentümliches Glänzen in den Lichtern des Tieres. Der Schreck, der sich der Familie jäh mitteilte, Iteß sie erstarren. Das war ja ein Tiger, der da vor ihnen stand, und der sich von dem Kinde so ruhig liebkosen ließ. Noch traute man seinen Augen nicht, aber bei näherem Hinschauen konnte kein Zweifel mehr herrschen. Die Frauen fielen in Ohn­macht, die beherzten Männer machten sich leise auf, um das Tier nicht aus seiner Ruhe zu stören, und fesselten es schließ= lich, gerade in dem Moment, wo die Lichter des Tigers un­heimlich zu glänzen begannen, und er sich zum Sprunge anschicken wollte, als hätte er die Absicht, sich auf einen der Menschen zu stürzen. Im gefesselten Zustande brachte man den Tiger in einen Stall, wo er fein Unheil anrichten fonnte. Am nächsten Tage wurde der Besuch dieses unheim­lichen Balkongastes bekannt gegeben, es meldete sich als Verlierer ein Seemann, der das Tier von einer Auslands­reise mitgebracht hatte. Am späten Abend erst wurde er gewahr, daß sein Tiger sich aufgemacht hatte, anscheinend, um Land und Leute der Holländer zu besichtigen. Man kann sich vorstellen, in welch entfehlicher Angst der Seemann die Nacht umherirrte, um den Ausreißer einzufangen, der ja unendlichen Schaden hätte anrichten fönnen. Er meldete seinen Verlust auch sofort der Polizei und erfuhr auf diese Weise, wo die Bestie sich aufhielt. Glücklicherweise hatte man das wilde Tier gänzlich in Ruhe gelassen, und es so durchaus nicht gereizt. Wäre das Erscheinen des Tigers sofort bemerkt worden, dann wäre wahrscheinlich eine Panit ausgebrochen, und durch diese Furcht wären wohl alle Fa­milienmitglieder dem Tiere zum Opfer gefallen. So wurde

es von dem Seemann wieder in Empfang genommen, aber er hatte keine Lust, sich noch länger den Gefahren auszu setzen, die die Begleitung des Tigers mit sich brachte, und übergab das Tier, übrigens ein prächtiges Exemplar, dem Zoologischen Garten. Die Familie, die diesen unheimlichen Balkonbesuch hatte, fonnte sich von dem ausgestandenen Schrecken nur schwer erholen. Am wenigsten litt das Kind aber darunter, das den ganzen Abend das Fell des Tigers mit seinen zarten Fingern gestreichelt und so den Sinn der Bestie wahrscheinlich gezähmt hatte.

Der deutsche Rasdflug 1911

um den B.3.- Preis der Lüfte" hat am Sonntag früh auf dem Flugplaße Johannisthal bei Berlin begonnen. Eine Strecke von 1856 Kilometern ist zu durchmessen, eine Ents fernung, die der von Berlin zur nordafrikanischen Küste gleichkommt. Von Berlin- Johannisthal aus werden die Flieger, unter denen sich Jeannin, Thelen, Lindpaintner, Vollmoeller, Wiencziers, Büchner, Laitsch und andere Mas tadore des Flugsports befinden, zunächst nach Magdeburg fliegen. Von hier geht es nach Schwerin, dann nach Hams burg und Kiel und weiter über Lüneburg, Hannover und Münster nach Cöln. Der Rückflug findet über Dortmund, Cassel, Nordhausen und Halberstadt statt. Am 7. Juli fol­len die Flieger wieder in Berlin eintreffen. An Preisen winken den Fliegern außer dem vom Verlage der B. 3. a. M." gestifteten Hunderttausend- Mark- Preise noch eine ganze Reihe Streckenpreise, die an den Zielorten der ein­zelnen Etappen zu gewinnen sind. dazu kommen Preise des preußischen Kriegsministeriums, die für örtliche Schauflüge ausgeschriebenen Preise usw Im ganzen erreichen die Preise die Höhe von ungefähr 400000 M.

Der auf früh 5 Uhr angesetzte Start hatte trotz der frühen Morcenstunde ein nach Hunderttausenden zählendes Publikum nach dem Flugplaße in Johannisthal gelodt. Ganz besonders stark waren die Berliner Stadtbahnzüge be­setzt. Sie wurden direkt gestürmt und viele erkletterten die Dächer. Selbst auf den äußeren Laufbretern standen Menschen und unabsehbare Wagenreihen bewegten sich nach dem Flugplatzgelände. Auf Startplatz und Tribüne hatte schon in den frühesten Morgenstunden lebhafte Tä­tigkeit eingesetzt. Als erster erhob sich Lindpainter um 5 Uhr 11 Min. in die Luft. Ihm folgte Vol I II er um 5 Uhr 15 Min. mit einem Passagier, dann Reichardt ohne Mitfahrer um 5 Uhr 20 Min., Schauenburg um 5 Uhr 26 Min. mit Passagier, Müller um 5 Uhr 44 Min. ohne Paffagier, König um 5 1hr 48 Min. mit Passagier, Thelen um 5 1hr 51 Min. mit Passagier. Um 8 Uhr traf die Meldung ein, daß Lindpaintner mit dem ihn begleitenden Leutnant Heyler um 7 Uhr 24 Min. glatt auf dem Landungsplatz in Magdeburg eingetroffen set. Er hatte sich fast während der ganzen Fahrt in einer Höhe von 850 Metern gehalten. Führer und Passagier hatten stark unter der Kälte gelitten. Sie wurden bet der Landung von der zahlreichen Menschenmenge mt großem Beifall be­grüßt.

Ueber das Schicksal der anderen Flieger liegen folgende Meldungen vor: Schauenburg landete wegen eines Defektes bet Brandenburg. Vollmöller ging auf dem Flugplatze bei Potsdam nieder, weil die Welle seines Mo­tors gebrochen war, Reichardt nahm in der Nähe von Burg bei Magdeburg eine Zwischenlandung vor, Müller fam bis Drewiß, wo er kurz nach 6 Uhr landete. König zog es wegen der starken Böen vor, bei Colbitz nieder­zugehen. The' en ist in der Nähe von Brandenburg a. Havel geland- 1, aber bald wieder aufgestiegen. Er Ian­dete zum zweitenmale bei Lostau in einem Kornfelde. Der Apparat erlitt geringe Beschädigungen. Thelen zog sich eine Verstauchung des Daumens vor, während sein Mitfahrer unverletzt blieb.

Magdeburg, 12. Junt. Der Flieger König ist um 5 Uhr und der Flieger Büchner kurz nach 8 Uhr hier an­gekommen. Der Flieger Laitsch ist zehn Kilometer von Magdeburg wegen Benzinmangels gelandet. Er gedenkt heute abend nach Magdeburg weiter zu fliegen.

Johannisthal, 12. Juni. Jeannin ist beute morgen 3,50 Uhr zum Rundflug aufgestiegen. Er mußte nach eini­gen Minuten landen, da der Motor nicht richtig arbeitete. Jeannin gedenkt heute abend von neuem aufzusteigen.

Ueber die Fliegeckatastrophe in Johannisthal werden jetzt weitere Einzelkeiten bekannt. Danach ist am wahrscheinlichsten die Annahme, der auch die meisten Jo­hannisthaler Piloten zuneigen, daß Schendel und sein Pas­fagier bereits während des rasenden Falles aus 1500 auf 1000 Meter Höhe von dem ungeheuren Luftdruck ge­tötet worden sind. Beide Leichen waren, als man sie auf­fand, vollständig blau, ein Zeichen für diese Tatsache. So­wohl die Dorner- Flugzeug- Gesellschaft, als auch zahlreiche Johannisthaler Flieger, die den Sturz mit Krimstechern beobachtet haben, behaupten übereinstimmend, daß Schendel schon in 1000 Meter Höhe regungslos am Steuer gesessen habe, und daß sie den Eindruck hatten, als ob er schon in der Luft tot oder wenigstens betäubt gewesen sei. Wäre der Apparat in die Straßen oder auf einem Platz in Ad­lershof herabgestürzt, so wäre die Katastrophe noch viel entsetzlicher gewesen.

Drahtnachrichten und neuestes.

Beim Segeln ertrunken.

Berlin, 12. Juni. In einem Segelboot waren zwei Berliner Herzen mit dem sechsjährigen Sohn des einen auf den Peetz- See hinausgefahren. Bei dem böigen Winde vers suchten die nicht sehr gewandten Segler eine Wendung, wo­bet das Boot fenterte und die Insassen in das Wasser stürz ten. Während der Knabe gerettet werden konnte, wurden die beiden Herren nach zweistündigem Suchen als Leichen geborgen.

Familientragödie.

Worms, 12. Juni. Der von seiner Ehefrau ge= schiedene Lorenz Walter drang gestern mittag in das Haus ihres Schwagers, wo die Frau zu Besuch weilte, warf sie zu Boden und feuerte sechs Schüsse auf sie ab. Die Frau war sofort tot. Der Mörder entfloh auf dem Rade, wurde aber auf dem Bahnhof zu Frankenthal in der Pfalz ver­haftet und in das Wormser Amtsgerichtsgefängnis ver bracht.

Berufung eines Hochschullehrers.

Tübingen, 12. Mai. Der Professor der Philosophie Dr. Maier an der hiesigen Universität hat einen Ruf nach Göttingen angenommen.

Todessturz eines französischen Rittmeisters. Paris, 12. Mai. In Saint Omer stürzte bei einem Offiziersrennen der Rittmeister Gausile, als er ein Hinder nis nehmen wollte, und blieb auf der Stelle tot.

Bandel und Verkehr.

Preußische Zentral- Genossenschaftskasse. Das Institul erzielte im Etasjahr 1910, das am 31. März 1911 ablief, eine Steigerung des Gesamtumsages von 15 197 auf 15 946 Mill. Mark; davon entfallen u. a. auf den Kassenverkehr 6 237 ( 5 902) Millionen, auf den Depositenverkehr 2093( 2353) Millionen und auf den Verkehr in laufender Rechnung 1588( 1 258) Mill. Mart. Der Gewinn beträgt 4 666 810 M 6,10%. Siervon sind zu kürzen die Verwaltungsfosten mit 835 652 Mark= 1,09%, fodaß ein Reingewinn vers bleibt von 3 231 158 M= 5,01%.

=

Caffel, 10. Juni. Weizen( 100 Kilogr.) 19,50 bis 20,25 M Roggen( 160 Kilogr.) 17,25 bis 17,75 M. Gerste( 100 Kilogr.) bis M. Safer( 100 Kilogr.) 19,00 bis 20,50 M. Heu ( Bentner) 2,80 bis 2.60 M. Strob( 3entner) 1,80 bis 3,00 M.