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Der Kampf gegen die Tuberkulose.

auf eine Revision des Besoldungsgesetzes gerichteten Wün­schen nicht Rechnung getragen haben. Der Verbandstag bittet, durch eine entsprechende Revision oder auf andere geeignete Weise eine ausreichende Einkommensverbesse­rung der unteren Beamten herbeizuführen und spricht die Erwartung aus, daß der nächstjährige Etat eine ausrei­chende Zahl neuer etatsmäßiger Stellen vorsehen werde.

Das neue italienische Wahlgesez ist jetzt veröffentlicht worden. Der Entwurf bewilligt das Wahlrecht allen Bür­gern, die ein Alter von 30 Jahren erreicht oder Militär­dienste geleistet haben, selbst wenn sie nicht lesen und schrei­ben können. Auf Grund des neuen Gesetzes wird die Zahl der Wähler auf 7701 000 berechnet, das heißt 82 Prozent aller großjährigen Männer und 22 Prozent der gesamten Bevölkerung, somit eine Vermehrung der Wähler um 3 642 000 gegenüber dem alten Gesetz. Eingeführt wird von der nächsten Legislaturperiode ab eine jährliche Ent­schädigung der Abgeordneten von 6000 Lire.

Die 15. Generalversammlung des Deutschen Zentral­lomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose fand am Sonn­abend im Reichstagsgebäude unter dem Vorsitze des Staats­fekretärs Delbrück und unter Beteiligung zahlreicher Mitglieder und anderer Zuhörer statt. Zur Verhandlung stand das wichtige Thema:" Die Aufgaben der Gemeinden zur Kinder fürsorge bei der Tuberkulosebe. tämpfung". Nach Dr. Frhr. v. Pirquet, der als erster Redner zu dem Thema sprach, entsteht die Tuberkulose des Kindes in der Mehrzahl der Fälle nicht durch Vererbung oder durch Genuf tuberkuloser Milch, sondern durch Ein­atmung von Bazillen, die von Lungenkranken aus­gehustet worden sind. Die Infektion der kleinen Kinder ist mit allen Mitteln zu vermeiden und die Lungenkranken sind aus kinderreichen Familien absolut zu entfernen. Zu biesem Zwecke ist die Anzeigepflicht einzuführen und sind Fürsorge- und Heilanstalten in genügender Zahl zu errich­ten. Der zweite Referent, Beigeordneter Dr. med. Kra u t- wig- Cöln, führte aus: Die erste Pflicht im Kampfe gegen die Tuberkulose in der Kinderwelt ist die Verhütung der Ansteckung. Sie ist möglich auf zwei Wegen: durch die frühzeitige und dauernde Entfernung des Kranken aus der Familie und durch die frühzeitige und dauernde Ent­fernung der noch gesunden Kinder aus der Familie. Der erste Weg erscheint mir der aussichtsvollere. Besondere Auf­merksamkeit verdienen die Kinder vom zweiten bis sechsten Lebensjahre, die der Säuglingsfürsorgestelle entwachsen find, aber die besondere Fürsorge des Schularztes noch ent­behren. Für vorschulpflichtige und mehr noch für schul­pflichtige Kinder ist eine der wichtigsten Schutz- und Heil­maßregeln die Land- und Erholungskur, die in beständig steigendem Maße den bedrohten Kindern durch die Gemein den und durch gemeinnüßige Vereine zuteil werden soll. Als wichtigste Sorge spielt hier hinein die Wohnungs­frage, deren Bedeutung gerade für die Tuberkulosebe­tämpfung besonders hoch anzuschlagen ist. Zu überlegen ist, ob man nicht gerade tuberkulösen Familien gesunde Woh­nungen an der Peripherie der Stadt anmieten oder erbauen soll. Zu empfehlen ist die Bereitstellung von Schrebergär­ten und Landparzellen an lungenkranke Familien.

Tirol erhänge sich der zur Kur wellende Wiener Ton fünstler Josef Fiedler wegen unheilbaren Leidens. Seine Frau vergiftete sich.

Frankreichs Haltung zur spanischen Marokkoaktion. Die Besetzung der westmarokkanischen Hafenstadt Larrasch und des umliegenden Gebietes durch die Spanier erregt nach wie vor lebhaft die öffentliche Meinung Frankreichs. Es wird von französischer Seite zwar noch immer erklärt, Spanien habe einen Bruch der Algecirasakte begangen, und es wird der spanischen Regierung mit einem Einschrei­ten der Algecirasmächte gedroht. Ein Stimmungswechsel scheint sich aber bereits insofern in der französischen Haupt­stadt vollzogen zu haben, als man in dem Vorgehen Spa­niens einen nicht unwillkommenen Anlaß findet für eine Ausdehnung der französischen Machtsphäre in Nordma­rokko, was den Franzosen die Hauptsache zu sein scheint.

In der hieran anschließenden Diskussion erwähnte Ge­heimrat Kirchner vom preußischen Ministerium des In­nern, daß zwa. die Abnahme an der Tuberkulosesterblich­feit sehr erfreulich sei, um so bedauerlicher ist es aber, daß die Tuberkulosesterblichkeit im Kindesalter an dieser Maß­nahme nicht teilhat, sondern daß sie sogar zugenom­men hat. Sehr bedauerlich ist der Mangel der Anzeige= pflicht der Tuberkuloseerkrankungen im Reiche und Preu­ben, während Bayern sie vor kurzem eingeführt hat. Wich­tig ist vor allem die Durchführung der Desinfektion bei je­dem Wohnungswechsel, worauf die Gemeinden ihr Augen­merk zu richten haben. Die Quelle der Tuberkulose ist der Franke Mensch. Diesen Satz von Koch müssen wir immer wieder und immer mehr und mehr beherzigen und deswe­gen muß der Kranke von dem Gesunden isoliert werden, vor allem von den Kindern, sei es durch Wegnahme des Kranken aus der Familie, oder durch Wegnahme der noch gesunden, aber gefährdeten Kinder aus der kranken Fa­milie.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

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Der Dichter Adolf Wilbrandt ist am Sonnabend nach­mittag in Rostock a estorben. Adolf Wilbrandt wurde als Sohn eines Universitätsprofessors am 24. August 1837 in Rostock geboren. Er studierte Philologie und Geschichte. In München begann er seine literarische Laufbahn. Wäh­rend der folgenden Jahre lebte er in Berlin, Frankfurt, Südfrankreich und Rom. 1871 siedelte er nach Wien über, wo er sich mit der Schauspielerin Auguste Baudius ver­Heiratete. Im Jahre 1881 wurde er zum artistischen Direk­tor des Wiener Hofburgtheaters ernannt; im Juni 1887 trat er freiwillig von dieser Stellung zurück. Seitdem lebte er wieder in Rostock. Von seinen dramatischen Dichtungen sind die bekanntesten Arria und Messalina", Kriemhild" und Der Meister von Palmyra".

Bäderfrequenz. Baden- Baden 26 108; Badenweiler 2289; Brückenau 659; Davos 12 508; Ems 4021; Friedrich­roda 3663; Homburg 3406; Karlsbad 18 968; Kissingen 9734; Königstein 2809; Kreuznach 3844; Marienbad 6425; Nauheim 11 235; Neuenahr 6416; Oberstdorf 585; Deynhausen 6490; Orb 1256; Pyrmont 6501; Salzschlirf 1003; Salzungen 1135; Sooden- Werra 1693; Soden 1053; Travemünde 724; Wester­land- Sylt 789; Wildbad 3590; Wildungen 3476.

Die Reichspost- und Telegraphenverwaltung verein­nahmte im Rechnungsjahr 1910 705 728 749 M, der Vor­anschlag betrug 693 226 325 M. Die Reichseisenbahnverwal­tung vereinnahmte im Jahre 1910 132 224 971 M, der Vor­anschlag betrug 122 319 000 M.

Der Stapellauf des Linienschiffes Friedrich der Große" erfolgte am Sonnabend auf der Vulkanwerft in Hamburg. Die Taufe vollzog die Prinzessin August Wilhelm von Preußen.

Die Aufnahme einer Anleihe von 323 Millionen hat der Berliner Magistrat zur Errichtung und Erweiterung städtt­scher Bauten und Anlagen beschlossen.

Die Tierwelt des Südpols. In der Pariser Akademie der Wissenschaften wurde dieser Tage auf Grund der wissenschaftlichen Ergebnisse der Forschungsreise von Charcot die Tatsache behandelt, daß die Tierwelt am Süd­pol zweifellos zahlreicher und mannigfaltiger ist als am Nordpol. Allein in der sehr merkwürdigen Gruppe der Wassergliedertiere, der Rüsselasseln, die gewissermaßen dem Leben tu Wasser angepaßte Spinnen darstellen, wurden eine ganze Anzahl neuer Arten entdeckt; darunter ist eine be­merkenswert, weil sie zehn Füße, anstatt acht aufweist. Bet einem einzigen Zuge mit dem Schleppnet war die Hälfte der heraufgebrachten Tiere bisher unbekannt. Diese Tat­sache erklärt sich dadurch, daß am Südpol ein großes Fest­land oder mindestens eine gewaltige Infelwelt gelagert ist, während sich am Nordpol tiefes Meer befindet. Es gibt also am Südpol viele Küstengebiete, und diese sind es, die im Meere die meisten Tiere beherbergen, weil nur hier zwischen 0 und 15-20 Meter Tiefe Gewächse und Algen vorkommen, die den von pflanzlichen Nahrungsstoffen sich nährenden Fischen das Fortkommen ermöglichen, die ihrer­seits wieder die Beute der fleischfressenden werden.

Die Grundsteinlegung zu einem Eugen Richter- Turm erfolgte in Hagen t. W. in schlichter Weise in Anwesenheit der Reichstagsabgeordneten Cuno und Müller und des Landtagsabgeordneten Bilstein, sowie von Vertretungen der Bezirksverbände Rheinland und Westfalen der fort­schrittlichen Volkspartei.

Rentengüter für Eisenbahnarbeiter in Bosen. Ein vor einiger Zeit erschienener Erlaß, der dem Mangel an deut­schen Eisenbahnarbeitern in der Provinz Posen abhelfen sollte, befaßt sich mit der Begründung Kleiner Rentengüter an den Eisenbahnstrecken in der Nähe von Bahnhöfen. Es ist nun bestimmt worden, daß, wenn die Kosten solcher Rentengüter sich auf 3800 bis 4000 Mark stellen, 500 Mark vom Ansiedler gezahlt werden sollen. Das Restkaufgeld von 3300 bis 3500 Mark ist mit 3% Prozent zu verzinsen und mit Prozent zu amortisieren. Für die Landpar­zelle sind ungefähr 20 Mark Pacht jährlich zu zahlen. Bis zur Tilgung des Restkaufgeldes nach 35 Jahren stellen sich demnach die jährlichen Aufwendungen auf 185 bis 200 Mark. Den Arbeitern, die 500 Mart nicht anzahlen kön= nen, sollen nach Möglichkeit Erleichterungen gewährt, so­wie freie Eisenbahnfahrt bewilligt werden.

An dem Wettflug der Militärbrieftanbenvereinigung des rheinisch- westfältschen Industriebezirks, der gestern in Berlin vom Tempelhofer Feld aus begann, waren 3000 Tauben beteiligt. Um 18% Uhr nachmittags trafen die ersten von ihnen in Hattingen ein. Sie hatten die 640 Kilometer betragende Strecke in acht Stunden zurückgelegt, mithin den Kilometer mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von einer Minute durchflogen.

Der Verband der unteren Postbeamten, der mit 90 000 Mitgliedern die stärkste deutsche Beamtenorganisation dar­stellt, tagte in den letzten Tagen in Berlin und nahm nach ausgedehnter Diskussion eine Resolution an, in der be­dauert wird, daß trotz der ungenügenden Berücksichtigung der unteren Beamten bei Erhöhung der Gehälter und des Wohnungsgeldzuschusses die gesetzgebenden Körperschaften des Reiches den vom Reichstag als berechtigt anerkannten

3wei Kirschen an einem Stengel.

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Roman von A. von Liliencron. ( Nachdruck verboten.)

Tolstois Stammgut wird Staatseigentum. Der russische Ministerrat beschloß, Tolstois Stammgut Jasnaja Poljana mit allen Einrichtungen für eine halbe Million Rubel zu erwerben

Eine schwere Bootskatastrophe wird aus Neustrelitz ge meldet. Der Marine- Unteroffizier Behnke begab sich mit zwei Kindern namens Segert zum Segeln auf den Zierker­see. Jufolge des stürmischen Wetters fenterte das Boot; alle drei Personen fielen ins Wasser und ertranken.

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Neue Gondeln für die Parsevale". Die Parseval- Luft­schiffe haben, wie der Korrespondenz Heer und Politik" aus Luftschifferkreisen mitgeteilt wird, Gondeln von ganz neuen Formen erhalten. Sie sind nämlich länger und schmaler geworden, um teils die Betriebssicherheit, teils die Geschwindigkeit zu erhöhen. Mit diesen neuen Gondeln sind bisher im Betrieb die besten Erfahrungen gemacht worden, so daß alle Parseval- Luftschiffe in Zukunft mit der neuen Gondelform ausgestattet werden. Auch vom militäri­schen Standpunkte haben die neuen Gondeln bedeutende Vorteile aufzuweisen, unter denen die Erhöhung der Ge­schwindigkeit obenan steht.

Ein Kinderwagen in den Rhein gestürzt. Als in Cöln ein Mädchen, das am Rheinufer mit einem Kinderwagen entlang fuhr, einem fortgelaufenen Knaben nacheilte, gertet der Wagen ins Rollen. Ehe das Mädchen die Gefahr er kannte, stürzte der Wagen mit dem Kinde in den Rhein und verschwand in den Wellen.

Verzweiflungstat einer Mutter. Die Frau des Arbei­ters Brandt in Hecklingen in Anhalt stürzte sich am Sonn­abend mit ihren dret Kindern im Alter von 1-10 Jahren in die Bode, uu sich zu ertänken. Es gelang, die Frau noch lebend aus dem Wasser herauszuziehen, während die dret Kinder ertranfen.

Aus dem Reiche der Technik.

Kleinpflaster. Im Straßenbau macht sich jetzt eine Bewegung geltend, die Berücksichtigung verdient: die Pro­pagierung des Kleinpflasters. Hierunter versteht man be­tanntlich gepflasterte Fahrstraßen, nur daß nicht die be­kannten großen, sondern wesentlich kleinere Steine für die Herstellung benutzt werden. In der Herstellung ist dieses fleinere Pflaster billiger als das gewöhnliche Pflaster, da­gegen natürlich teurer als gewöhnliche Chauffierung. In einem Artikel im Zentralblatt der Bauverwaltung wetst jedoch Gravenhorst- Stade auf Grund eigener 25jähriger Erfahrung darauf hin, daß derartige Kleinpflasterstraßen auf die Dauer viel sparsamer sind als andere. Eine von dem Genannten im Sommer 1885 hergestellte Kleinpflaster­Probestrecke, auf der täglich etwa 130 Bugtiere verkehren, hat in der ganzen Zeit, also seit etwa 25 Jahren, nicht einen Pfennig für Ausbesserung gekostet und ist jetzt noch in so gutem Zustande, daß man auf eine weitere Dauer von zehn bis fünfzehn Jahren rechnen kann. Die Staubplage wird durch derartiges Pflaster zum größten Teil beseitigt.

Ein gewaltiges Schadenfeuer ist in der Nacht zum Sonntag geger 2 Uhr in der Teppichläuferstoffabrik von Feibisch am Treptower Park in Berlin ausgebrochen. Ge­gen 4 Uh morgens erfolgte der Zusammenbruch des zweiten Flügels, welcher vollständig ausgebrannt war. Der Brandschaden beträgt etwa eine Million Mark.

Ein neuer tödlicher Fliegerunfall. Bei dem gestern be­gonnenen Flugmeeting in Wien ist der Flieger Vincent Wiesenbach mit seinem Flugzeug aus einer Höhe von etwa 40 Metern abgestürzt. Er war sofort tot.

So umspann nun Frau Sorge das Herz der armen Kathi immer fester mit ihren starken, unzerreißbaren den, und jetzt war der Augenblick gekommen, wo sie nicht mehr ein noch aus wußte. Der Doktor war noch nicht be­zahlt, neue Arznei sollte geholt werden, und im Haus­halte fehlte es am Nötigsten für den täglichen Bedarf. Die beiden Herrschaften, für die sie immer plättete, waren ver­reist, erst in der nächsten Woche würde sie da wieder Ar­beit bekommen. Für den Laden hatte sie genäht, das wollte sie hinbringen und versuchen, ob sie etwas Vorschuß bekäme. Wenn ihr der aber abgeschlagen wurde, was dann was dann? Sie rechnete, wieviel sie für ihre Arbeit bekommen müßte, und überschlug, wie weit das Geld reichen würde. Die Medizin, die recht teuer war, fonnte sie dafür kaufen, ein Brot und ein Liter Milch, mehr aber nicht. Fünf Tage lagen vor ihr, wo sie keinen Groschen Geld verdienen konnte, und dabei brauchte Ju­lius notwendig einen neuen Rod, wenn er wieder einen Dienst antrat. Er hatte sich eben auf den Weg gemacht, um einen Platz zu suchen.

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Tragödie eines Wiener Künstlerpaares. In Mals in

füßt hatte sie es vorher doch noch, und eine Träne war auch noch darauf gefallen, das hatte sie nicht unterdrücken fönnen. Nun machte sie das Kind und sich zum Ausgehen fertig, nahm im Korbe die Arbeit, die sie abliefern wollte, und trat hinaus in den warmen Maienabend.

Sie seufzte und zermarterte ihr Hirn, ob sie nicht noch irgend etwas besäße, das sie veräußern könnte. Nur ein einziges in ihren Gedanken wertvolles Stüd war noch thr Eigentum, das sie hergeben konnte. Aber es wurde ihr so bitter schwer, sich davon zu trennen. Doch was half's, Kindi mußte alle Tage seine Milch haben Kindi durfte nicht darben, nicht verfommen!

Im Laden wurde ihr der Lohn ausgezahlt, Vorschuß aber verweigert. Das war in so schroffer, fühler Weise geschehen, daß sie feine Bitte wagte und still hinausschlich.

Zögernd ging sie an ihre Truhe und nahm das kleine Papptästchen, mit den Blumen darauf geklebt, heraus. Es stammte noch aus ihrer fröhlichen Mädchenzeit, und das Kreuz, das Hans ihr einst geschenkt, lag darin.

Vermischtes.

Eine schwere Bluttat ist im Dorfe Netzen bei Lehnin in der Nähe von Berlin verübt worden. Während die Frau des Bauerngutsbesitzers Hinze in ihrer Wohnung be­schäftigt war. trat plötzlich ein maskierter Mann in die Wohnstube, der über die Frau herfiel und sie zu erwürgen suchte. Auf die Hilferufe der Frau eilte ein im Hause be= schäftigter Malergehilfe herbei. Der Fremde ließ nun von der Frau ab und fiel über den Malergehilfen her. Er er­griff eine Eisenstange und versetzte dem Maler mehrere schwere Hiebe über den Kopf, sodaß er blutüberströmt zu= sammenbrach. Dann nahm der Verbrecher ein Fahrrad aus deu Hausflur und suchte das Weite. Die Frau benachrich­tigte den Ortsvorsteher und die Polizeibehörde. Die Ver­folgung des Täters wurde sofort aufgenommen. Wahr­scheinlich ist der Einbrecher ein Schweizergehilfe, der früher im Dorfe Nehen beschäftigt war. Der schwerverletzte Ma­lergehilfe dürfte kaum mit dem Leben davon kommen.

Die kleinen Besorgungen waren rasch gemacht, nun galt's noch den schweren Gang zu tun zum Pfandhause. Der Weg führte sie durch die Parkanlagen, an die ein fleines Wäldchen stieß. Der Abend war köstlich, die Son­nenstrahlen fielen schräg durch die Bäume, und die Kie­fernstämme glühten dabei rot im Abendschein. Es war so still hier, so friedlich, das tat ihrem Herzen wohl. Die Kleine jauchzte und trippelte munter vorwärts an ihrer Hand. Der Gang heute wäre eine Erquidung für sie, wenn die Veranlassung dazu ihr nur nicht so bitter schwer ge­wesen wäre. Da rief vom nahen Baume, wie zum Ab­schiedsgruß für den scheidenden Tag, der Kuckuck, und da packte sie brennende Sehnsucht nach der Heimat mit über­wältigender Macht.

Rasch, als fürchtete fte, eine Schwäche könne sie über­rumpeln, steckte fie das Kreuzchen in die Tasche. Aber ge­

war noch nicht Herr geworden über die Liebe zu dem törich­ten Trotzkopf. Aber sie war das Weib eines andern, eine unüberbrüdbare Kluft trennte ihn, und darum wollte er die Jugendgespielin meiden, wollte sie nicht aufsuchen, ob gleich er wußte, daß sie in Friedenau lebte, wohin er auf zwei Tage gekommen war.

Auch diesem kraftvollen jungen Ulanen war der Kudud­Schrei durchs Herz gegangen, und es war ihm lieb, daß das Tier sich diesmal mit ein paar Rufen begnügte und dann verstummte. Trübe waren die Gedanken, die ihm durch den Kopf jagten, und dazu paßte nicht das fröhliche Kinder­jauchzen dicht vor ihm. Fast unwillig blidte er dahin. Ein kleines Mädchen, das die Mutter auf dem Arm trug, hatte jubelnd ihre Hände in deren blondem Haare ver­graben und es zu Wege gebracht, daß der Strohhut der Mutter sich löste und zur Erde fiel.

Wann's Frühjahr kummt und de Kuckuck schrit," mur­melte sie, und dabei liefen ihr die Tränen über die Backen. Noch einer hatte den Kuckuckruf gehört, dem derselbe Gedanke durch den Kopf fuhr. Wann's Frühjahr fummt und de Kuckuck schrit, dann is min Hoyt, dat grote Glück," so hatte eine in ihr Heimatdorf geschrieben, deren Bild er noch immer nicht vergessen konnte. Ganz deutlich meinte er sie oft vor sich zu sehen mit dem krausen Blondhaar und den strahlenden Braunaugen, meinte er ihr Lachen, das fröhliche Vogelgezwitscher, zu hören und ihre jubelnde Stimme, wenn sie seinen Namen rief. Wie hatte er sie doch lieb gehabt, so über alle Maßen lieb, und hätte es nie gedacht, daß sie ihm das antun könnte, gegen seinen Willen den Stadtdienst im Gasthause anzunehmen und dann gar den Vetter zu heiraten. Er konnte es nicht überwinden,

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Der junge Ulan starrte einen Augenblick auf das lodige Goldhaar, mit dem der Abendwind spielte, auf die schlanke Gestalt, die sich so flink und geschmeidig bewegte, als sie rasch den Hut aufnahm und wieder aufsetzte. Er innerte ihn das nicht an Kathi die jetzt seine Kathi einem andern gehörte? Eine heiße Blutwelle war ihm in die Stirn gestiegen und sein Herz pochte in raschen Schlä­gen. Noch konnte er sich nicht entschließen, ob er sie an­reden solle, oder nicht, aber folgen wollte er ihr, er mußte sich wenigstens überzeugen, ob sie es wirklich war.

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Jett bog sie ab in die Straße ein und stand einen Augenblick zögernd vor einem großen Hause still. War das ihre Wohnung? Er mußte sie noch erreichen, bevor sie in der Haustür verschwand. Rasch war er dicht hinter ihr in dem Augenblicke, wo sie die Ladentür öffnete. Leihinstitut" las er auf dem Schilde darüber, und ohne sich zu besinnen, trat auch er, unbemerkt von der Voranschreitenden, ein.

( Fortsetzung folgt.)

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