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Telebox Anschluß: tekem, s. 362.
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( Berhesfischer Beobachter)
Nr. 88.
Probenummern
Telephon: Nr. 362.
der„ Gießener Zeitung" stehen unseren Lesern in beliebiger Anzahl jederzeit kostenlos und portofrei zur Verfügung. Wir bitten unsere Leser und alle Freunde unseres Blattes wo nur möglich für dasselbe zu werben, solches in Bekannten- und Freundeskreisen zu empfehlen und uns freundl. Adressen aufzugeben, welche sich für unsere Zeitung interessieren dürften.
Lokalanzeiger
für die Kreise Alsfeld, Grünberg und Schotten.
Donnerstag den 13. April 1911
tigsten Rohstoffe, nämlich der Baumwolle und der Wolle, noch sehr unbefriedigend ist. Allerdings ist die Baumwollproduktion in Togo von 1909 auf 1910 von 3000 Doppelzentnern auf 5400 Doppelzentner und die Baumwollproduktion von Deutschost= afrika von 2600 auf 3000 Doppelzentner gestiegen. Doch kommen diese 5-8000 Doppelzentner so gut wie gar nicht in Betracht gegenüber unserem Jahresbe darfe von mindestens 4 Millionen Doppelzentner. Die Frage ist aber um so ernsthafter, als der Baumwollbedarf in der ganzen Welt außer= ordentlich steigt und die für den Anbau der Baumwolle geeignete Fläche beschränkt ist. Noch geringer ist die Wollproduktion unserer Kolonien, die im Jahre 1909 faum 3000 Doppelzentner betrug, was für unseren Bedarf kaum in Betracht kommt, trotzdem gerade in Deutsch südwestafrika weite Gebiete für die Schafhaltung außer ordentlich geeignet sind.
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Die Deckung des deutschen Bedarfes an Rohstoffen ist eine der wichtigsten Aufgaben und wird mit dem Anwachsen der deutschen Bevölkerungs= zahl immer wichtiger, da der Bevölkerungszuschuß zum größten Teil in den Städten zusammenströmt und der Industrie sein Brot verdient. Die Industrie bedarf aber der Rohstoffe, von ihrer Lieferung in guter Beschaffenheit und zu angemessenen Preisen hängt das wirtschaftliche Gedeihen einiger Millionen deutscher Arbeiter mit ihren Familien ab. Mit dem Bezuge dieser Rohstoffe ist Deutschland, das nur einen geringen Teil davon selbst hervorbringt ursprünglich fast vollständig yom Auslande abhängig gewesen, das diese Abhängigkeit durch Preistreibereien zu seinen Gunsten ausgebeutet hat. Eine Aenderung in dieser Hinsicht schien möglich, als Deutschland durch den Erwerb eigener Kolonien in die Reihe der Kolonialmächte trat. Aber ein Jahrzehnt nach dem andern verging, ohne daß diese Hoffnungen sich verwirklichten. Eine Besserung trat erst ein, nachdem man in Deutschland an eine wirkliche kolonisato= rische Arbeit in großem Umfange und unter Bereitstellung bedeutender Mittel hervorgegangen ist. In erster Linie ist hier der Ausbau unseres kolonialen Eisenbahnnetzes zu nennen, das gegenwärtig rund 4000 Kilometer umfaßt und die notwendige Grundlage für einen ertragreichen Plantagenbau darstellt.
Diese hauptsächlich auf das letzte Jahrzehnt entfal= lenden Erschließungsarbeiten haben bereits ihre Früchte getragen. So werden von Deutschland Kakaobedarf in der Höhe von rund 440 000 3entner bereits 30 000 3entner, also etwa 7 v. H., in den deutschen Kolonien selbst erzeugt, von denen allerdings nur etwa 12 000 3entner, also etwa 2 v. H., ihren Weg nach Deutschland gefunden haben. Wesentlich bedeutender ist schon der Anteil der deutschen Kolonien an unserem Kautschukbedarf. Von der Gesamteinfuhr von Kautschuk im Jahre 1910 in der Höhe von über 185 000 Doppelzentner entstammten unseren Kolonien bereits über 30 000 Doppelzentner, also fast ein Sechstel, wäh= rend im Vorjahre der Anteil unserer Kolonien 16 000 Doppelzentner nur etwas mehr als ein Zehntel des rund 155 000 Doppelzentner betragenden Bedarfs ausmachte. An der wichtigen Erzeugung von Sisal hanf sind die deutschen Kolonien sogar bereits
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rund einem Viertel beteiligt. Der Gesamtbedarf Deutschlands daran betrug im letzten Jahre 75 000 Doppelzentner, von denen aus den Kolonien 19 000, im Vorjahre 17 000 Doppelzentner bezogen wurden. Sehr beträchtlich ist auch bereits die Produktion unserer Kolonien an Kopra( getrockneten Kokosnußkernen), Palmöl und Palmkernen, von denen das Deutsche Reich im Jahre 1909 rund 4 Millionen Doppelzentner einführte. Bereits im Jahre 1909 wurden aus unseren westafrifanischen Kolonien rund 55 000 Doppelzentner Palmöl ausgeführt. Ferner führten in demselben Jahre unsere gesamten Schutzgebiete etwa eine Viertelmillion Doppelzentner gedörrte Kokosnußschnitzel aus rund ein Sechstel des deutschen Bedarfes, und 215 000 Doppelzentner Palmkerne, weit über ein Zehntel unseres Bedarfes.
Bedeutungsvoll für unseren heimischen Bedarf ist auch die Produktion an edeln Hölzern, wofür besonders Kamerun in Betracht kommt, das von 36 000 Doppelzentner der deutschen Einfuhr rund 8000, also fast ¼ geliefert hat, während Ostafrika in demselben die Jahre 14 000 Doppelzentner Gerb- Rinde lieferte, allerdings nur etwa 3 v. H. unseres über 400 000 Doppelzentner betragenden Jahresbedarfs ausmachen. Auherdem führte Ostafrika noch etwa 1700 Doppelzentner Wachs aus und trug dadurch nicht unerheblich zur Deckung unseres sich auf rund 20 000 Doppelzentner belaufenden Jahresbedarfs bei.
Dagegen läßt sich nicht leugnen, daß der Anteil der deutschen Kolonien und der Erzeugung unserer wich
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Reichstagswahlvorbereitungen.
Frankenthal. Der Landesausschuß der Fortschrittlichen Volkspartei der Pfalz beschloß die Kandidatur für den Wahlkreis Kaiserslautern- Kirchheimbolanden dem Landtagsabgeordneten Professor Hermann Hummel in Karlsruhe anzutragen. Der Wahlkreis Kaiserslautern ist jetzt durch den Bündler Dr. Rösicke vertreten. In der Hauptwahl 1907 erhielt er mit Ünterstützung der Nationalliberalen 10 979 Stimmen, der Sozialdemokrat 7629, der Zentrumsmann 4413 und der Volksparteiler 4072. Jn der Stichwahl siegte dann Rösicke mit 14 727 Stimmen über den Sozialdemokraten, der 13 689 erhielt.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 13. April 1911.
* Gießen, 10. April. Nach den vom Ministerium des Innern genehmigten Beschlüssen der hessischen firchlichen Behörden sollen im Rechnungsjahr 1911 zur Bestreitung der Bedürfnisse der Gesamtheit der evangelischen Kirche 12 Prozent, der Gesamtheit der katholischen Kirche 5½ Prozent Zuschlag zu den direkten Staatssteuern erhoben werden.
*) Gießen, 13. April. Der Vorstand des Hauptausschusses für den Blumentag, Frau Dr. Usinger, erläßt einen Aufruf an junge Frauen und Mädchen( über 15 Jahre), die sich als Verkäuferinnen bei dem Blumentag betätigen wollen. Näheres siehe Inserat.
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Gießen. Die neue Tagesverbindung von Koblenz über Ems, Nassau, Limburg und Wezlar nach Berlin wird am 1. Mai mit der Einführung des neuen Fahrplans eingerichtet. Sie kommt durch die neuen deutschen Bäderzüge zustande, von denen wir berichtet haben. Von diesem Bäderzuge verläßt ein Teil morgens 9 Uhr 8 Min. Wiesbaden und 9 Uhr 59 Frankfurt a. M., um in Bad- Nauheim vereinigt zu werden und 7 Uhr 33 Min. abends am Potsdamer Bahnhof in Berlin wieder einzutreffen. An diesen schließt eine besondere Verbindung von Koblenz an. Von hier fährt man 8 Uhr 47 Min. früh ab. Der Bäderzug, wie der Anschluß von der Mosel wird als D- Zug mit allen drei Klassen ausgestattet. Der neue Zug verkehrt vorläufig bis zum 30. September. Im nächsten Jahre soll er aber schon am 1. März wieder aufgenommen werden.
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Gießen. Das hessische Kreisamt Dieburg erließ neuerdings an die Bürgermeistereien eine sehr zeitgemäße Warnung vor den umherziehenden Altertums- Händlern und-Privatsammlern, die nur aus Gewinnsucht den Leuten die Altertümer gegen ein ge= ringes Entgelt abschwätzen. Erinnerungen aus früheren Zeiten und die mit einem Baue verbundenen Altertümer sollten überhaupt nicht abgegeben werden. Der einzelne Besitzer, wie auch die ganze Gemeinde sollten ihre Ehre darein setzen, alle Wahrzeichen der engeren Heimat an Ort und Stelle zu erhalten. Altertümer in Gestalt beweglicher Gegenstände sollten vor ihrer Weggabe oder vor ihrer beabsichtigten Beseitigung einem unserer Heimatmuseen angeboten werden.
* Buzzbach. Das Jouz'sche Geschäftshaus und Hofreite an dem Marktplatz wurde zum Preise von 49 000 Mark an die Gräfl. Görtz'sche Brauerei in Schlitz, Inhaber Graf Görtz- Schlitz, verkauft. Verkaufstosten trägt der Käufer. In dem Hause soll eine Wirtschaft nebst Logierhaus eröffnet werden.
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- Wetzlar. Die Stadtverordneten gaben ihrer letzten Sitzung die Zustimmung für den Ankauf des Amtsgerichtsgebäudes für 60 000 mt. und des Gefängnisses für 14 000 Mt. von dem Fiskus.
( Bote aus berhelfen)
Telephon: Nr. 362.
23. Jahrg.
Wetzlar. Die Bilanz des Vorschuß- und Kreditvereins schließt mit Mt. 213 924 in Aktiva und Passiva ab. Die Haftsumme der 456 Mitglieder beträgt 228 000 Mark.
Wetzlar. In einer mehrtägigen Sitzung des Landwirtschaftlichen Vereins für Rheinpreußen sprach man sich für 3 wangsversicherung der Viehbesiger gegen Maul- und Klauenseuche aus und bezeichnete die gegenwärtigen Fleischpreise als in großem Mißverhältnis zu den Viehpreisen stehend, die verhältnismäßig gering seien. Der Vorstand beschloß, auf die Presse einzuwirken, daß regelmäßige Veröffentlichungen der Vieh- und Fleischpreise erfolgen.
- Nieder- Ramstadt, 10. April. Die epileptischen Schuljungen des Männerhauses hatten den Großherzog in einem originellen selbstverfaßten Brief um sein Bild gebeten. Sie wollten einen Rahmen aus Naturholz dazu verfertigen, und dann sollte das Bild ihren an Wandschmuck noch armen Stationsraum zieren hel= fen. Der Großherzog ist nun in der freundlichsten Weise auf diese Kinderbitte eingegangen und hat ein schönes Bild mit seiner eigenhändigen Namensunterschrift ge= sandt.
-r- Eichelsachsen, 7. April. Zur Abschiedsfeier des Lehrers Braun, welcher 5 Jahre hier amtierte, hatte sich gestern abend eine größere Anzahl Personen bei dem Gastwirt Schröder eingefunden. Lehrer Br. siedelt nach Rudingshain über, während Lehrer Schaaf von Rudingshain nach hier kommt.
Mainz. Die Holzarbeiter und Holzbildhauer haben für den 1. Mai den seit 1906 bestehenden I a= rifvertrag gekündigt. Sie verlangen außer einem vierjährigen Tarifvertrag Lohnaufbesserung und fürzere Arbeitszeit. Aussicht auf eine friedliche Einigung ist vorhanden. Ein hiesiger Jäger hatte vor einigen Tagen das seltene Glück, bei Mombach einen Adler zu erlegen. Das erlegte Tier hat eine Länge von 65 Zentimeter und eine Flügelspannung von 1,60 Meter.
Braunfels. Mühlenbesitzer Schäfer in dem Nachbardorfe Philippstein beabsichtigt seine Mühle in ein Elektrizitätswert umzuwandeln u. Philippstein, Bermbach und Altenkirchen mit elektrischem Licht zu versehen.
* Weil münster, 12. April. Dr. med. Becker von der hiesigen Landes- Heil- und Pflegeanstalt wurde zum Oberarzt ernannt.
* Diez. Zu der vom 13. Mai ab stattfindenden Oraniensteiner Ausstellung sind schon über 200 Gegenstände angemeldet. Am letzten Tage der Ausstellung findet ein Blumentag statt.
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Kassel. Der Exerzierplatz der Garnison Kassel soll auf das linke Fuldaufer, auf ein zu dem Rittergute Freienhagen und den Gemeinden Niederzwehren und Rangershausen gehörenden Grundstücke verlegt werden. Das Gelände des Exerzierplazes bei Waldau ist Eigentum der Stadt.
Frankfurt a. M. Der bisherige Botschafter in Tokio, Freiherr Mumm von Schwarzenstein, ist wieder in seiner Vaterstadt Frankfurt eingetroffen.
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Stuttgart. Am Blumentag zur Feier der silbernen Hochzeit des geliebten württembergischen Königspaares, der bekanntlich am 8. d. Mts. abgehalten wurde, haben die Stuttgarter Sozialdemokraten sich nicht beteiligt. Dies wurde begründet mit der Erklärung, daß diese Veranstaltung„ eine Demonstration der bürgerlichen Parteien für die monarchische Staatsform" sei. Die Veranstaltung selbst wurde als Mißbrauch des Wohltätigkeitssinnes der Bevölkerung zu politischen Zwecken zeichnet. Zu einer derartigen Zergliederung dieser Veranstaltung kann doch nur Phanatismus führen. Das ganze Ergebnis des Blumentages fommt in erster Linie den Armen und Bedrängten zugute. Unter diesen werden sich doch wohl sehr viele befinden, die sozialdemokratischer Gesinnung sind. Warum dann diesen Mißton in die freudige Stimmung der Einwohnerschaft Stuttgarts und des ganzen Landes, durch solche gänzlich deplacierte Parolen? Deutlicher kann der Haß gegen die Monarchie nicht mehr zum Ausdruck gebracht werden.
Citerarisches.
Frizz Boehle. Ein Buch seiner Kunst. 14 Blätter nach Gemälden und Handzeichnungen in vollfommener Doppelton- Wiedergabe, verschiedenfarbig auf starkem Kunstdruckpapier gedruckt. Einleitung von W. Kozde. Jn Mappe geheftet 1 Mark. Verlag von Jos. Scholz in Mainz.


