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900 Meter zu bewältigen. Bei einem täglichen Fortschritt von 3-4 Metern wird das Jungfraujoch im Spätherbst dieses Jahres erreicht werden. Die Bahn steigt in einem schmalen Felsgrat direkt neben und unter mächtigen Fels­lagern zum Jungfraujoch empor.

Durch einen eingestürzten Stollen im Schacht einge: schlossen wurden auf einer Grube bei Betzdorf gestern drei Arbeiter. Nachdem 32 Mann einen ganzen Tag gearbeitet hatten, konnten die Eingeschlossenen wieder befreit werden. Sie waren vollkommen erschöpft.

Ein rabiater Pariser Kellner warf einem Kunden, der ihn getadelt hatte, drei große, mit Speisen gefüllte Zink­schüsseln an den Kopf, so daß der Herr blutüberströmt mit einer tiefen Wunde an der Schläfe und halb abgerissenem Ohr vom Stuhl sank. Der Kellner wurde verhaftet.

Das unvorsichtige Umgehen mit einem brennenden Spi­rituskocher hat wieder einmal ein schweres Unglück im Gefolge gehabt. Die Witwe Piejoviak aus der Invaliden­straße in Berlin füllte in der Küche einen Spirituskocher nach, ohne vorher die Flamme zu löschen. Die Kleidungs­stücke der Frau sowie ihres Kindes, das sie auf dem Arme hatte, fingen Feuer. Mutter und Kind wurden mit schwe­ren Brandwunden nach dem Krankenhaus gebracht.

Durch eine herabfallende Saallampe, die explodierte, gerieten in Radom in Russisch- Polen während eines Balles die Kleider zweier Tänzerinnen in Brand. Beide Mäd­chen wurden so schwer verletzt. daß sie alsbald starben. Die Mutter erhängte sich aus Gram über den Tod ihrer Kinder.

Vermischtes.

Bei dem gemeldeten Juwelendiebstahl im Reichstanz­lerpalais entwendeten die Diebe aus einem Zimmer einige fleinere. der Schwägerin des Kanzlers gehörige Schmuckgegenstände, die einen Wert von vielleicht 2000 M haben dürften. Die Diebe sind bei ihrer Arbeit entweder gestört worden, oder sie haben doch nicht eine so genaue Kenntnis der Wohnungsverhältnisse gehabt, wie man an­nehmen mußte, denn sonst hätten sie sich sicher in das an­stoßende Boudoir der Frau v. BethmannHollweg begeben, in dem ein Schmuck sich unverschlossen befand, den der Reichskanzler erst kürzlich seiner Gemahlin zum Geschenk gemacht hat, und der einen Wert von 160 000 Mark repre­sentiert. Wie festgestellt worden ist, haben die Diebe durch das Auswärtige Amt den Weg in das Kanzlerpalais ge­nommen und es anscheinend auch auf demselben Wege wie­der verlassen. Die Art der Ausführung des Diebstahls er­innert an ähnliche Diebstähle, die vor kurzem beim badi­schen Gesandten, dem Fürsten Dohna und anderen Per­sonen der Hofgesellschaft ausgeführt worden sind.

Verhaftung der Zwillingsschwestern Blazet. Auf Grund eines vom Berliner Landgericht ausgestellten Haft­befehls, den ein Schausteller aus Hannover erwirkt hatte, erschien Freitag früh in der Wohnung der zusammenge­wachsenen Schwestern, die sich gegenwärtig in Berlin auf­halten, ein Gerichtsvollzieher, um Rosa Blazek zu verhaf­ten. Da er Rosa nicht allein verhaften konnte, nahm er beide Schwestern mit nach Moabit. Auf die Intervention des Rechtsbeistandes des in Mitleidenschaft gezogenen Di­rektors eines Berliner Panoptikums erfolgte nach Hinter­legung der strittigen Summe im Laufe des Vormittags die Freilassung der Zwillingsschwestern. Es soll nun wegen des Eingriffs in die persönliche Freiheit der unschuldig verhafteten Josepha Blazek Klage angestrengt werden. Das wird ein verwidelter Fall werden.

Nach dem Muster der Lichtenrader Bombenleger ver­fuhr im Dorfe Pogez im Fürstentum Razeburg der Hof= besizer Harms, der jetzt wegen versuchter Erpressung ver­haftet worden ist. Sechs Tage nach dem Bombenattentat in Lichtenrade gingen acht Bewohnern der Dörfer Cas­low und Pogez anonyme Drohbriefe zu, in denen unter Androhung von Dynamitattentaten Geldsummen bis zu 5000 Mart gefordert wurden. Der Briefschreiber nahm in seinem Schreiben Bezug auf die Lichtenrader Erpresser­affäre, und einige Tage später wurde auf dem Wege nach Pogez in der Nähe des Anwesens von Harms eine Dyna­etwa einen Tag früher in Neuyork ankommen, als der Dampfer, auf dem die beiden Verbrecher die Fahrt zurück­legen. Außerdem ist auch die Neuyorker Polizei tele­graphisch von der Ankunft der Mörder verständigt worden, so daß ihr Entweichen bei der Landung ausgeschlossen er= scheint, auch wenn sie in der durch täglichen Funkspruch bedienten Schiffszeitung lesen, daß man ihnen auf der Spur ist.

Schuljungen mit Revolver und Luftflinte. Ein Forst­gehilfe erwischte im Walde bei Hohenstein- Ernstthal in Sachsen eine Anzahl Jungen, die sich durch Schießen mit einem sechsschüssigen Revolver die Zeit vertrieben. Die Bürschchen, die mit einer einzigen Ausnahme noch alle schulpflichtig waren, bildeten eine regelrechte Schießgesell­schaft und waren im Besitz einer Luftflinte, eines Revol­vers und der dazu gehörigen Munition. Mit ersterer schossen sie auf Spatzen, die jedoch nur meist verwundet und dann gequält wurden. Mit dem Revolver hätte der un­vorsichtige Schüze beinahe einen anderen Knaben erschos­sen. Die Feststellungen ergaben, daß die vielversprechen­den Früchtchen die nötigen Mittel in der Hauptsache von einem 11jährigen Knaben erhielten, der das Geld wieder­um seiner Großmutter aus der Ladenkasse stahl. Für Waf­fenanfäufe hatten sie in letzter Zeit zirka 20 Mark aus­gegeben, weitere 40 Mark dienten für Näschereien.

Ein Protest der Gänse während einer Königskinder": Aufführung. Buchstäblich einen Skandal bei offener Szene provozierte am Montag bei einer Königskinder"-Auf­führung im Halleschen Stadttheater die Gänseherde. An­stelle der sonstigen Darstellerin der Gänsemagd" gastierte bertretungsweise Frl. Merrem vom Leipziger Stadtthea­ter. Als die Künstlerin die Szene betrat, protestierten jedoch die Gänse heftig gegen diese neue Hüterin und gin­gen ihr mit aller Energie zuleibe, so daß der Regisseur die Künstlerin nur mit großer Mühe vor den Angriffen der wütenden Tiere schützen konnte. Die Gänse verur­sachten dabei einen derartigen Lärm, daß im Orchester der Dirigent abklopfen mußte. Erst als die den Gänsen bekannten Darsteller des Holzhacker und Besenbinder" auf der Bühne erschienen, beruhigten sie sich etwas. Der Ausspruch von der dummen Gans" ist hier gründlich zu­Schanden geworden.

Ein Sturm auf die bayerischen Postämter. Unter un­geheurem Andrange des Publikums begann am Freitag bei den Postämtern der Verkauf der aus Anlaß des Ge­burtsfestes des Prinzregenten herausgegebenen neuen Post­wertzeichen. Die neuen Postkarten, die nur in beschränk­ter Auflage herausgegeben werden, waren schon nach ganz furzer Zeit eine halbe bis eine Stunde auf sämt= lichen Postämtern ausverkauft und werden jetzt in den Privatgeschäften mit erheblichem Preisaufschlag weiterver­faust, obgleich Anordnungen von der Behörde getroffen waren, jedem Käufer nur bis zu 5 Stück auszuhändigen. Die Nachfrage nach Marken war nicht ganz so rege. Auf einem Bostamt war der Zudrang des Publikums so stark,

daß drei Scheiben des Schiebefensters eingedrückt wur den, wobei ein Beamter durch Glassplitter erheblich am Auge verletzt wurde.

Das neue Wunderkind. Aus Berlin schreibt man den 2. N. N.": Der kleine Wolfgang Korngold aus Wien ist in einer Matinee im Saale Bechstein vor einem eingela­denen Kreise von Fachmusikern und Musikfreunden erschie= nen und hat durch seine Leistungen als Komponist und Pianist gewaltiges Staunen und große Bewunderung er= regt. Der dreizehnjährige Komponist hat sein Klaviertrio, aus der Partitur auf das Klavier übertragen, wiederge­geben, dann eine Klaviersonate und einige Märchenstizzen, die bisher noch nicht im Druck erschienen sind, vorgetra­gen Der Junge soll in jeder Hinsicht eine Wundererschei­nung sein.

Ein Testament, das aus einem einzigen Worte besteht. In Toulouse starb vor einiger Zeit ein reicher Sonderling, und seine Erbin wurde eine Nichte, mit der er ewig in Un­frieden gelebt, weil diese Nichte gegen den Willen ihres Onkels zur fortschrittlichen Frauenpartei gehörte und sich verschiedene Freiheiten nahm, mit denen der Onkel nicht einverstanden war. Als er sein Ende herannahen fühlte, ließ er diese Nichte kommen und versicherte ihr, daß sein ganzer Besitz ihr gehöre, wenn sie ihn mit einem einzigen Worte umfassen könne. Zu dieser Schenkungsurkunde hat­ten sich auf Veranlassung des Erblassers acht Notare ein­gefunden, die Zeugen sein sollten. Das junge Mädchen stuzte einen Augenblick, machte dann eine umfassende Hand­bewegung und sagte: Mein" Der Kranke war verblüfft, lächelte aber und machte die gleiche Handbewegung, indem er sagte: Dein." Natürlich wollten andere Erben das Testament anfechten. Die acht Notare aber, die bei dieser Schenkung dabei waren, fonnten bezeugen. daß der Son­derling durchaus im Besize seiner geistigen Zurechnungs­fähigkeit gewesen ist. Und so wurde das junge Mädchen, das bisher in den dürftigsten Verhältnissen gelebt und das sich durch Erteilen von Privatstunden das Studium möglichte, die Besitzerin von fast zwei Millionen, einzig und allein durch ihre Geistesgegenwart.

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Eine Briefmarkenklebemaschine. Eine Maschine. die das lästige und in Geschäftsbetrieben mit großem Briefver­kehr so sehr zeitraubende Markenkleben besorgt, ist jetzt auf den Markt gekommen. Den Namen ihres Erfinders fennt man allerdings nicht. So versichert wenigstens Professor Bellet, der im Kosmos" den neuen Apparat beschreibt; doch scheint es, daß dieser Wohltäter der Briefmarken kle= benden Menschheit ein Engländer ist, weil die Maschine aus England auf den Weltmarkt gebracht wird. Sie gleicht in Größe und Form einer kleinen Schreibmaschine und bleibt, nachdem sie genügend mit Marken beschickt" worden ist, in einem Gehäuse verschlossen, aus dem nur ein Knopf her= ausragt. Ihre Bedienung ist überaus einfach. Mit der einen Hand wird das Drücken und Loslassen des Knopfes besorgt, während die andere für das Auflegen der Brief= umschläge oder anderer Postsachen, die mit Marken verse­hen werden sollen, frei bleibt. Das Fortnehmen des fran­fterten Briefes besorgt die Maschine selbst, indem sie ihn nach rückwärts in einen Behälter wirft. Man soll imstande sein auf diese Weise ungefähr 4000 Marken in einer Stunde aufzukleben. Diese Angabe scheint nun freilich ein wenig hoch, denn es könnten dann etwa 67 Kuverts in einer Mi­nute beklebt werden. Man wird aber auch eine Leistung von 1200 beflebten Kuverts in einer Stunde oder 20 in einer Minute für eine ganz anständige Arbeit erachten können, die bei der Massenabfertigung von Postsachen eine erhebliche Zeit- und Personalersparnis bedeutet. Die Ma­schine kann 50 000. Marfen, die in sechs Reihen geordnet wer­den, auf einmal aufnehmen.

Bekommen wir demnächst heiße Tage? Ueber die mut­maßliche Frühjahrs- und Sommerwitterung äußerte sich dieser Tage Dr. Maurer, der Leiter der meteorologischen Anstalt in Zürich. Er bezeichnete es als eine merkwürdige Erscheinung in der Witterungsgeschichte, daß die Früh­lings- und namentlich die Sommermonate der letzten fünf Jahre, von 1906 bis 1910, ein ganz bedenkliches Defizit an Wärme aufwiesen. Die auffällig starken Fehlbeträge in den mittleren Temperaturen der einzelnen Monate von April bis Juli, die oft zwei bis drei Grad erreichten, er­weckten völlig den Eindruck, als ob wir uns in einer an­dauernden Kälteperiode befänden. Ungefähr diefelbe Er­scheinung, aber weniger stark, zeigte sich in den Kühlwetter­jahren 1886 bis 1890; noch viel mehr aber und in ähn= lichem Grade wie jetzt in der Zeit von 1836 bis 1845. Es hat sich aber noch stets gezeigt- man kann hier aus einer bald hundertjährigen Reihe von zuverlässigen Witterungs­aufzeichnungen schließen, daß solch ungewöhnlich starken und anhaltenden Temperaturrückschlägen stets wieder Wär­meerzesse folgen, und Dr. Maurer ist der Ueberzeugung, daß wir in allernächster Zeit, im Frühling, noch mehr aber im Sommer, jene Wärmeüberschüsse zu spüren bekommen werden.

Wasser als neuestes Betäubungsmittel. Die von John Hopkins in Baltimore begonnenen Versuche, Wasser als Betäubungsmittel zu verwenden, sind jeßt, wie aus Neu­york gemeldet wird, von Dr. Joseph Saphir in Neuyork mit gutem Erfolg weiter fortgesetzt worden. Dr. Saphir erklärt, die Betäubung durch Wasser ist höchst einfach, vor allem aber gefahrlos. Durch unter hohem Druck einge= spritztes Wasser wird eine Pression auf die Nervenenden ausgeübt und eine lokale Betäubung erzeugt. Nach etwa zehn Minuten läßt die Betäubung nach, ohne irgendwelche Begleiterscheinungen, wie die meisten anderen Betäubungs­mittel, zur Folge zu haben. Dr. Saphir hat die Wasser­betäubung im Neuyorker Volkshospital in zahlreichen Fäl­len erprobt und sogar bei schweren Operationen, wie Ent­fernung des Blinddarms angewendet.

Ein Malkünstler ohne Hände. Vor einiger Zeit be­richteten die Zeitungen von einem in Amerika lebenden Sekretär, der ohne Hände und Füße seine Schreibarbeit mit dem Munde verrichtet. Als Gegenstück zu dieser ge= wiß außergewöhnlichen Erscheinung lebt, wie die Straßb. Post" schreibt, in Freiburg i. Br. ein 18jähriger Krüppel, Sohn eines unteren Beamten, der ebenfalls ohne Hände und Füße zur Welt kam und sich nun seit etwa zwei Jah­ren mit Leidenschaft der Malerei und Zeichenkunst widmet. Er hat es auf diesen Gebieten bereits zu recht ansehnlichen Leistungen gebracht. Eine Reihe von hübschen Aquarellen und Kohlezeichnungen- Borträts und Landschaftsbilder zeugt von dem trefflichen Talent, das in dem jungen Künstler steckt. Bei seiner Arbeit hält er Pinsel und Bei­chenstift zwischen den Zähnen, und auf diese Weise arbeitet er mit einer Gewandtheit und Sicherheit, die ihm so man­cher wohlgewachsene Mensch mit der Hand nicht so bald nachmachen wird. Auch in der Delmalerei will er sich aus­bilden, was ihm bei seinem Talent hierfür wohl nicht schwer fallen wird.

Aus der Schule. Lehrer: Wann werden denn die Tage immer länger?" Schüler( Sohn eines kleinen Be­amten): Gegen Ende des Monats."

ter Eile das auf den Tischen liegende deutsche, österreicht­sche und russische Geld im Gesamtbetrage von etwa zehn­tausend Mark und flüchteten mit ihrem Konplicen, der vor dem Hause Schmiere" stand. über die österreichische Grenze. Sie mieteten fich einen Wagen, der sie bis Krakau bringen sollte. Bei Trzebinia brach jedoch ein Wagenrad, so daß fie schon dort den Kutscher entlohnen und entlassen mußten. Von hier an fehlte zunächst jede Spur der Verbrecher. Der Benthener Grenz kommissar, Polizeirat Mädler, nahm ihre Verfolgung auf und vermochte schließlich ihre Spur bis nach Krakau zu finden. Er stellte ferner fest, daß sich der eine der drei Verbrecher, namens Liß, nach Rußland ge= wandt hatte, während die beiden andern, der Kellner und Mechaniker Badura und der Schlosser Bednarz, nach Dester­reichisch- Polen geflüchtet waren. Badura und Bednarz wa­ren zunächst verschwunden. Vor etwa vierzehn Tagen fehr­ten jedoch die beiden Verbrecher, die unzertrennlich sche nen, plötzlich wieder nach Myslowitz zurück. Badura wit­terte alsbald die ihm drohende Gefahr und flüchtete. Als thm unten auf der Straße ein Polizeibeamter beggegnete, gab er auf diesen einen Revolverschuß ab. Der Beamte wurde am Fuß getroffen und mußte Badura entwischen las= sen. So entfam er mit seinem Freunde Bednarz, der sich in der Nähe aufgehalten hatte, zum zweiten Male. Ein Berliner Kriminalbeamter, dem inzwischen die Photogra­phien der beiden Verbrecher vorgelegt wurden, erkannte in Badura einen der Berliner Kriminalpolizei wohlbekann= ten Taschendieb wieder und nahm die Verfolgung der Flüchtigen auf. Ihre Spuren führten nach Hannover, Hamburg und Bremen. Da sich Bednarz früher schon län­gere Zeit in Amerika aufgehalten hatte, lag der Verdacht nahe, daß sich beide auf einem Ozeandampfer einschiffen würden. Die Annahme hat sich, wenigstens zum Teil, als richtig erwiesen. Der Kellner Badura befindet sich, wie die Kriminalpolizei einwandfrei feststellen konnte, augen­blicklich auf der Fahrt von Hamburg nach Neuyork Es wird jedoch angenommen, daß sich auch der zweite Verbre= cher Bednarz in seiner Begleitung befindet. Das Berliner Polizeipräsidium hat inzwischen auf Antrag der Staatsan­waltschaft Beuthen einen Kriminalbeamten auf einem Schnelldampfer nach Neuyork entsandt, um Badura und vielleicht auch Bednarz bei der Landung zu verhaften. Der Schnelldampfer, auf dem der Kriminalbeamte reist, wird mitpatrone zur Explosion gebracht. Der zuständige Gen­darm beauftragte mehrere Einheimische mit Nachforschun= gen nach dem unbekannten Verbrecher, u. a. auch den Be­sizer Harms. Erst durch das Schriftgutachten eines Ber­liner Schreibsachverständigen wurde der etwa 35 Jahre alte, verheiratete Harms als der Täter festgestellt.

Drabtnachrichten und neuestes.

Die elsaß- lothringische Verfassungsfrace. Berlin, 11. März. Die Konservative Korrespondenz schreibt zur elsaß- lothringischen Verfassungsfrage: Nach der Stellungnahme der einzelnen Parteien dürfte das Zustan= dekommen der Vorlage gesichert sein. Die Mehrheit wird aus dem Zentrum, den Nationalliberalen und Freisinnigen bestehen. Die konservative Partei dürfte die ganze Ver­faffungsvorlage ablehnen, da sie die Zeit für eine solche radikale Aenderung der bestehenden Verhältnisse noch nicht für gekommen erachtet.

Die Gießener Reichstagsersatzwahl.

Gießen, 11. März. Das vorläufige amtliche Wahl­resultat bei der gestrigen Reichstagserfabwahl ist: Dr. Wer­ner( W. Vg) 7958, Beckmann( Soz.) 7976, Korell( Fortschr. Volksp.) 5059 und Gisevius( natf.) 2516 Stimmen. Zer­splittert waren zwei Stimmen. Mit Ausnahme von Gie­ßen, wo von 6000 Wahlberechtigten 5160 abstimmten, war die Wahlbeteiligung etwas schwächer als im Jahre 1907. Damals haben bei 28 230 Stimmberechtigten 22 897 abge= stimmt, dieses Mal von rund 30 000 Stimmberechtigten 23 380. Der Wahlkampf war äußerst scharf. Die einzelnen Parteien hatten ihre Hauptredner hierher beordert. Der nationalliberale Abgeordnete Paasche hatte den Ausfall der Wahl als eine sogenannte Probe für die im Herbst statt= findende Hauptwahl bezeichnet. Eine wichtige Rolle bei der Agitation spielte die Zündholzsteuer.

München im Festschmuck.

München, 11. März. Aus Anlaß des morgigen 90. Geburtstages des Prinzregenten trägt die Stadt reichen Flaggenschmuck. In den Hauptstraßen sind die Häuser be= sonders reich geschmückt. Der Prinzregent hat eine ganze Reihe von Ordensauszeichnugen verliehen. Eine Reihe frü­herer Offiziere erhielten sein Bildnis. Ferner stiftete der Prinzregent eine besondere Auszeichnung für 40jährige Dienstzeit im Hof, Staats- oder Gemeindewesen, die den Namen Luitpoldfrenz" trägt.

Der Kulturkampf in Spanien.

Madrid, 11. März. Ministerpräsident Canalejas erklärte in der Deputiertenfammer, er werde noch vor Ab­lauf des Monats den Entwurf eines Vereinsgesetzes vor= legen. Der Vatikan habe in der letzten Note erklärt, er werde die Verhandlungen nur unter der Bedingung wie­der aufnehmen, daß das Gesetz erneut Gegenstand eines Uebereinkommens mit ihm werde. Die Regierung könne die Ausübung der nationalen Souveränität nicht von dem Ergebnis der Unterhandlungen mit dem Heiligen Stuhl abhängig machen und habe ihm eine dahin entsprechende Antwort erteilt. Niederlage der Aufständischen in Marokko. Tanger, 11. März. Von der Sultansarmee hier eingetroffene Kuriere berichten, daß diese von befreundeten Stämmen unterstützt, die Aufständischen gestern bet dem Berge Jelfat geschlagen und ihnen schwere Verluste beige­bracht hat. Die Sultanstruppen umzingelten die Aufstän­dischen, die viele Tote und Verwundete hatten.

Der Adventist Naumann.

Berlin, 11. März. Das Reichsmilitärgericht hat gestern über den Fall des Adventisten Naumann das ent­scheidende Wort gesprochen. An jedem Sonnabend weigerte sich Naumann, militärischen Dienst zu tun. Er wurde des­halb vom Kriegsgericht zu strengen Arrest- und Gefängnis­strafen verurteilt, die sich schließlich auf insgesamt 5 Jahre und 6 Monate beliefen. Er weigert sich auch heute noch im Spandauer Festungsgefängnis an jedem Sonnabend Ar­beit zu verrichten. Das Reichsmilitärgericht hob lediglich das Urteil aus formalen Gründen insoweit auf, als der Angeklagte zur Ehrenstrafe der Degradation verurteilt wor­den ist. Nach dem entscheidenden Spruch des Reichsmilitär­gerichts ist also für Naumann vorläufig feine Aussicht vor­handen, jemals das Gefängnis wieder zu verlassen.

Tödlicher Sturz in einen Kellerschacht. Angermünde, 11. März. Hier fand im Kasino des 3. Bataillons des Infanterieregiments Nr. 64 zu Ehren der städtischen Behörden ein Festmahl statt. Als der Regie rungsassessor Graf von Wedel, der ebenfalls an der Feier teilgenommen hatte, seine Wohnung aufsuchte, öffnete er in der Dunkelheit eine falsche Tür, die in einen Keller Graf Wedel die Kellertreppe hinunter und erlitt einen schweren Schädelbruch. Graf Wedel starb unter den Hän­den des Arztes.

Eine Verbrecherjagd über den Ozean, führte. In dem Glauben, in fein Zimmer zu treten, stürzte

die in ihren Einzelheiten an die Verfolgung des englischen Gattenmörders Crippen und seiner Geliebten, Miß Le Neve, durch den Detektivinspektor Dem erinnert, spielt sich, wie dem B. T." aus Beuthen gemeldet wird, gegenwärtig ab. Wie erinnerlich, wurde in Myslowit am 21. Dezember vorigen Jahres der Bankier Aniol ermordet. Um die fünfte Abendstunde betraten zwei Männer die Kassenräume der Polnischen Bank in Myslowiß, um sich Geld wechseln zu laffen. Während Aniol mit ihnen sprach, gab plötzlich einer der Männer einen Revolverschuß auf den Bankier ab. Aniol sant sofort tot zu Boden. Die Verbrecher raubten in größ­

Geheimnisvolles Verschwinden eines Kaufmanns. Krefeld, 11. März. Aufsehen erregt das geheim­nisvolle Verschwinden des Kaufmanns Jirmes von hier, der am 23. Februar die Fahrt von Neuyork an Bord des Dampfers Bremen angetreten hatte. In der Nacht zum 2. März verschwand er plötzlich vor Scilly Island von dem Dampfer. Es ist unaufgeklärt, ob er Selbstmord beging oder das Opfer eines Unglücksfalls oder Verbrechens ge worden ist.