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Gießener Zeitung
( Neueste Nachrichten)
Bezugspreis 50 pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen
olerteljährlich 1,50 Mr., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mt. Erscheint jeden Werktag früh.- Die„ Humoristischen Blätter" Redaktion: liegen wöchentlich einmal gratis bei. Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Herausgeber: Albin Klein& Otto Fischer.
Nr. 61.
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Telephon: Nr. 362.
Reichstagswahlvorbereitungen.
Vertrauensmänner- Versammlung der christlich: fozialen Partei.
Wetzlar, 13. März 1911.
Es war eine imposante Versammlung, welche gestern nachmittag im„ Römischen Kaiser" tagte. An 200 Personen aus vielen Ortschaften des Wahlkreises WetzlarAltenkirchen waren herbeigeeilt, um Stellung zu nehmen gegen die Agitation unserer Gegner und zu den Vorgängen im„ Weklarer Anzeiger".
Nachdem die Versammlung mit einem Kaiserhoch durch den Vorsitzenden Wilhelm Schmidt- Azzbach eröffnet worden war, beleuchtete Generalsekretär Wallbaum- Bielefeld in 1½ stündiger Rede die Kampfesweise des Liberalis= mus, wie er die unglaublichsten Verdächtigungen gegen den Abg. Behrens ausgestreut habe, um den bewährten Parlamentarier bei seinen Wählern in Mißkredit zu bringen. So soll Behrens für die Zündholz- und Tabaksteuer und für die Erhöhung des Kaffeezolles gestimmt haben. Das ist selbstverständlich unwahr. Das erhellt nicht nur aus den amtlichen Abstimmungen, sondern auch aus folgendem Schreiben, welches auf Ersuchen einem Gemeindevorsteher aus dem Reichstage zugegangen war und in dem es wörtlich heißt:
Auf das gefällige Schreiben vom 2. d. Mts. teile ich Ihnen ergebenst mit, daß der Herr Abgeordnete Behrens in der 269. Plenarsizung vom 24. Juni 1909 bei der namentlichen Abstimmung über Art. 1§ 9a des Entwurfs eines Gesetzes wegen Aenderung des Der Erbschaftssteuergesetzes mit" Ja" gestimmt hat. Herr Abgeordnete hat ferner in der 280. Plenarsizung vom 10. Juli 1909 bei der namentlichen Abstimmung über§ 1 des Art. 4 des Entwurfs eines Gesetzes, betreffend Aenderungen im Finanzwesen nach den Beschlüssen 2. Beratung) mit dem Zusazan trage Dr. Roesice u. Gen. mit„ Nein", also gegen die Erhöhung des Kaffeezolles auf 60 bezw. 85 M., ferner bei der Abstimmung über den§ 2 des genannten Artikels 4 mit„ Ja“, also für die Erhöhung des Bollsages für Tee von 25 Mt. auf 100 Mk., endlich bei der Abstimmung über§ 1 des Art. 6 des ge= nannten Gesetzes mit„ Nein", also gegen die Einführung der Zündwarensteuer gestimmt.
Der Direktor beim Reichstag. Jungheim.
In der letzten Zeit hat man nun einen anderen Trick erfunden. Man sagt:„ Wenn Behrens auch nicht gegen diese angegebenen Steuern gestimmt hat, so hat doch die Finanzreform diese unpopulären Steuern dem Volke aufgehalst. Behrens hat aber für die Finanzreform gestimmt, folglich ist er mitschuldig". So soll auch Herr Leitz in der Hörnsheimer Versammlung, auf die wir in einer der nächsten Nummern noch ausführlicher zurückkommen werden, argumentiert haben.
Der Referent beleuchtete auch die Arbeit unseres Abgeordneten Behrens im Reichstag, wie er sich redlich abmühe für das Wohl seines Wahlkreises zu sorgen.
Mit einem warmen Appell, die christlich- soziale Sache hochzuhalten, schloß der Referent seine interessanten Ausführungen.
Der Vorsitzende Schmidt- Atzbach ergänzt in einigen Punkten die Ausführungen und schlägt folgende Resolu
tion vor:
,, Die heute am 12. März 1911 im„ Römischen Kaiser" zu Wetzlar tagende Vertrauensmänner- Versamm lung der christlich- sozialen Partei spricht unserem Reichstagsabgeordneten Behrens für seinen Fleiß und seine Tüchtigkeit als Reichstagsabgeordneter und besonders für seine Mitarbeit an der für unser Volk und Vaterland so dringend notwendige Reichsfinanzreform den herzlichsten Dank aus.
Wir verurteilen aufs schärfste die falsche und unzutreffende Agitation unserer linksstehenden Gegner ge= gen Herrn Behrens, der nach den Grundsätzen der den christl.- soz. Partei sich zur Aufgabe gestellt hat, wirtschaftlichen Frieden zu fördern und ganz besonders für die Interessen der Landwirtschaft, des kleinen Mannes und des Mittelstandes einzutreten.
Wir bedauern lebhaft, daß auch von den DeutschKonservativen Herrn Behrens ein Reichstagskandidat gegengestellt worden ist, was die gemeinsamen Interessen der rechtsstehenden Parteien schwer schädigen wird und nur den Gegnern zugute kommt.
Weiter bedauern wir, daß auch die Vertrauens= männer des B. d. L. in Wetzlar- Altenkirchen sich für den konservativen Kandidaten erklärt haben, mehr als nicht allein Herr Behrens, sondern auch viele christlich- soziale Wähler Mitglieder des B. d. L.
umso
der Großherzoglichen Bürgermeisterei
sowie vieler anderer
des Großherzoglichen Polizei- Amtes Behörden Oberhessens
Expedition: Seltersweg 83.
( Haus Brüder Schmidt.)
Montag den 13. März 1911
splitterung und Unzufriedenheit hervorgerufen werden wird.
( Gießener Tageblatt)
Anzeigenpreis 15 Pfg.
die 44 mm breite Petitzeile oder deren Raum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Reklameteil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50% Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Gesamtleitung: Albin Klein.
Telephon: Nr. 362.
23. Jahrg.
daten gehen ab, 5 verbleiben. Zu diesen 5 kommen Studierende.
Wir bringen auch fernerhin Herrn Behrens unser * Vom Vogelsberg, 3. März. Ein größeres volles Vertrauen entgegen und werden, soviel in unGruppenwasserwerk ist im Entstehen begriffen. Die Orte seren Kräften steht, ein jeder an seinem Teil dazu bei- Meiches, Dirlammen und Frischborn haben schon ihre tragen, daß Herr Behrens bei der nächsten Reichs= tagswahl wiedergewählt wird."
*
Diese Resolution wird einstimmi g'angenommen.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 13. März Gießen. In einem Arbeitsraum der HassiaWerke fand am Samstag eine. Benzin- Explo= sion statt. Der Arbeiter Mähler aus Klein- Linden erlitt dabei schwerere Brandwunden.
* Gießen. Nach dem Jahresbericht der hessischen Handwerkskammer ist die Zahl der Gesellenprüfungsausschüsse auf 173 angewachsen. Auf Ortsgewerbevereine verteilen sich hiervon 103, auf Innungen 64, auf die Handwerkskammer sechs Gesellenprüfungsausschüsse. Die Gesellenprüfungen haben sich von 1902 bis 1909 von 1306 auf 2266 im Jahr vermehrt. Die Entwickelung der Meisterprüfungen ist ebenfalls eine gute. 1902 be= standen 112, im Jahre 1909 334 Meister. Nach den Prüfungsnoten werden unzureichende Leistungen, auch im theoretischen Teil, immer seltener. Die Leistungen der Handwerkskammer bezüglich des gemeinsamen Einkaufs von Maschinen, Werkzeugen und aller Materialien sind ebenfalls vorzügliche. Zu diesem Zweck wurde eine Zentralgenossenschaft hessischer Handwerker gegründet. Dieselbe verfügt über ein Kapital von rund 200 000 M. und gestattet den Handwerkern Ratenzahlungen.
*
Gießen, 13. März. Bei der Prämiierung zur Landes- Geflügelausstellung für das Großherzogtum Hessen erhielt der Züchter Rübsamen von hier den Großherzog gestifteten Ehrenpreis auf weiße Wyandot
tes.
vom
Teilnahme am Werk beschlossen, Storndorf steht noch mit seinem endgültigen Beschlusse aus. Vadenrod baut gegenwärtig ein eigenes Werk. Den gemeinsamen Wasserbezug planen auch die Orte Nösberts, Vaitshain und Weidmoos. Sie wollen sich an das Wasserwerk Grebenhain anschließen.
Vom Westerwalde. Bei einer außerordentlichen Revision der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaftskasse in Langendernbach sind jahrelange Unregelmäßigkeiten und Schiebungen des Rechners aufgedeckt worden. Bis jetzt ist ein Defizit von nahezu einer halben Million festgestellt worden.
Soziales.
Steinarbeiter und deutsch schwedischer Handelsvertrag.
war
Der bevorstehende Neuabschluß des deutsch- schwedischen Handelsvertrages hat in der Pflastersteinindustrie eine lebhafte Bewegung hervorgerufen. Der im Zolltarifgesetz vor 1902 vorgesehene 3oll auf Pflastersteine beim letzten Abschluß des Handelsvertrages mit Schweden 1906 völlig außer Wirksamkeit gesetzt worden. Dank der günstigen geographischen Lage der schwedischen Steinbrüche am Meer und den billigen Wasserfrachten stieg seit dieser Zeit die Jahres- Einfuhr schwedischer Pflastersteine bis 1907 auf 500 689 Tonnen im Wert von 10 Millionen Mark. Selbst in der Periode der allgemeinen Absatzstockungen 1907-08, während welcher bedeutende deutsche Pflastersteingebiete kaum drei Viertel ihrer Erzeugung absetzen konnten, ist die schwedische Einfuhr nun
der 442 848 Tonnen erreicht. Die schwedischen Kampfum 7 Prozent zurückgeblieben und hat 1910 bereits wiepreise, die in absehbarer Zeit zu erwartende Fertigſtellung neuer, im Bau befindlicher Kanäle, das sich letzter Zeit bemerkbar machende Eingreifen der internationalen Hochfinanz in die schwedischen Betriebe, An
in
* Gießen. Eine preisgekrönte Mitbürgerin! In dem Wettbewerb für französische Schüleraufsätze ist die Oberprimanerin uise Spoerer der Oberrealschule in Gießen mit einer Reise nach Paris prämiiert worden. Es handelt sich um den Wettbewerb, den die inwendung der modernsten technischen Hilfsmittel 2c. lassen eine weitere rapide Ausdehnung der Pflasterstein- EinBerlin erscheinende französische Zeitung„ Journal d'Allemagne", mit dem„ Komitee für internationalen Schüler- fuhr erwarten. austausch" veranstaltet hat und bei dem die 50 besten Arbeiten mit einer kostenlosen Reise nach Paris belohnt wurden. Die Beteiligung war eine sehr große, denn es waren über 3000 Arbeiten eingegangen. Wir wünschen unserer jungen Mitbürgerin eine recht gnügte Osterreise.
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Diese Entwickelung ist nicht allein für die Industrie, sondern namentlich auch für die Tausende von Arbeitern äußerst bedenklich. Schon jetzt werden immer mehr Betriebe wegen Mangel an Absatz stillgelegt. Wenn die Pflastersteinindustrie beim bevorstehenden Vertragsabschluß mit Schweden wiederum keinen Schutz in Form eines ausreichenden Zolles erhält, erscheinen umfang *) Gießen, 13. März. Ein hiesiger junger Mann, reiche Betriebseinstellungen unvermeidlich. Trotz dieser der so schon nervös ist, wurde durch seine kürzlich folgte Ziehung zur Infanterie noch mehr niedergeschla- schwierigen Situation hat der sozialdemokratische Steinarbeiterverband aus parteipolitischen Gründen gegen den gen. In einer heute früh angekommenen geistigen Depression sprang er aus seinem im 2. Stock gelegeneno notwendigen Schutz der Steinindustrie Stellung genommen und trägt so nun der sozialdemokratischen Par3immer auf die Straße. Die Verletzungen sind nicht schwer.
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Wetzlar, 13. März. Der Evangelische Bund, Zweigverein Wetzlar, hielt gestern abend im Schützen= garten einen Familien- Abend ab. Pfarrer Schröder- Aß lar hielt einen interessanten Vortrag über„ Szenen aus Luthers Leben“. Das gesprochene Wort fand eine treff liche Ergänzung durch zwei mimische Darstellungen: ,, Luther in Oppenheim“ und„ Frau Holles Spinnabend".
Wetzlar, 11. März. Heute Abend findet die Hauptversammlung des Wetzlarer Zweigvereins des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins statt.
Wiesbaden, 11. März. Auf dem hiesigen Schlacht- und Viehhof wurde bei einem Rind die Maulund Klauenseuche festgestellt. Der Abtrieb des auf dem Markt befindlichen Viehes war infolgedessen heute verboten. Auch mußte das ganze aufgetriebene Vieh im Laufe des Tages abgeschlachtet werden.
-w- Azzbach, 12. März. Das 6. Bundesturnfest des mit Lahn- Dünsberg- Turnerbundes findet, verbunden Fahnenweihe des Turnverein„ Gut Heil" am 1., 2. und 3. Juli hier statt.
Friedberg. In der nächsten Zeit wird mit dem Bahnhofsneubau begonnen. Gleichzeitig wird eine Verbesserung der Bahnstrecke von Gießen nach Friedberg vorgenommen werden. Für die Arbeiten sind 740 000 Rubikmeter Erde erforderlich. Hiervon hat der Unternehmer vertraglich 200 000 Rubikme ter zu beschaffen. Diese Erdmassen werden von Unternehmer aus der Gegend des Ossenheimer Wäld= chens herbeigebracht. Der Rest wird von der Eisenbahnverwaltung geliefert werden. Die Kosten des Umbaues des Viadukts werden etwa 200 000 Mark betragen. Friedberg. Jm hiesigen Predigerseminar fin
*
dem
sind und so auch in den Reihen des B. d. L. Zer det am 29. März die Entlassungsfeier statt. 11 Kandi
teigrundsätze willen nach Kräften dazu bei, seine eigenen Mitglieder brotlos zu machen. Die im christlichen
Keram und Steinarbeiterverband
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ganisierten Arbeiter haben sich nunmehr in einer Reihe von Versammlungen in den bedeutendsten Steinbruch= gebieten entschieden für die Einführung eines Pflasterſteinzolles ausgesprochen und ihren Wünschen in nachſtehender Resolution Ausdruck gegeben:
„ Die zwecks Stellungnahme zur Frage des Pflastersteinzolles einberufene Versammlung christlich und nationaldenkender Steinarbeiter hält die Einführung eines ausreichenden Schutzzolles auf schwedische Pflastersteine für dringend geboten. Die Versammelten sind der Ueberzeugung, daß eine weitere zollfreie Masseneinfuhr schwedischer Pflastersteine die schwersten Schäden für die Industrie und namentlich für die Arbeiter zur Folge haben muß. Schon jetzt macht sich in vielen Pflastersteingebieten eine starke Abnahme der Arbeitsgelegenheit bemerkbar, die beim Abschluß eines neuen Handelsvertrages, ohne den notwendigen Zollschutz, noch ungleich schärfer in Erscheinung treten wird. Da in den meisten Steinbruchgebieten andere Arbeitsgelegenheit nicht vorhanden ist, andererseits aber der Besitz eines fleinen landwirtschaftlichen Anwesens die Abwanderung nach anderen Gegenden außerordentlich erschwert, erblicken die Steinarbeiter in der Frage ge= des Pflastersteinzolles eine Lebensfrage für die samte in den Steinbruchgebieten ansässige Bevölkerung. Die Versammelten geben darum der Erwartung Ausdruck, daß seitens der maßgebenden Stellen diese besonderen Verhältnisse der vielen Tausende von Pflastersteinarbeitern beim Abschluß des neuen schwedischen Handelsvertrages Berücksichtigung finden und der Industrie der so notwendige 3ollschuß gewährt wird!"


