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geordnete Rentner Emil Schmiot- Nakel, der den 2. Brom berger Wahlkreis im Abgeordnetenhaus vertritt. Er wur de Freitag morgen in bewußtlosem Zustande aufgefunden und ins Krankenhaus gebracht. Man fürchtet für sein Leben.

Im Schulzimmer verbrannt. In der Schule zu Kon­rabsdorf bei Neisse kam die achtjährige Tochter eines Schmiedemeisters, als sie ihr Kopftuch am Ofen wärmen wollte, mit ihren Kleidern der Ofentür zu nahe. Die klei­der fingen Feuer, und das Mädchen erlitt so furchtbare Brandwunden, daß es ihnen erlag.

Wahnsinnsfall eines Regimentsadjutanten. In Ulm wurde der Leutnant und Regimentsadjutant im ulanen­regiment Nr. 19 Freiherr Bühler von Brandenburg plöhlich irrsinnig. Er bedrohte seine Mutter und versuchte, sie zu erwürgen. Auf die Hilferufe der bejahrten Dame eiltem Nachbarn zu Hilfe und hielten den unglücklichen Offizier fest. Er wurde in das Lazarett überführt. v. Brandenburg wollte in furzer Zeit heiraten.

Durch einen unglücklichen Zufall erdolcht. In Unter­grombach bei Bruchsal unterhielten sich Freitag abend im Gasthaus Bum Lamm" einige Gäste mit Billardspielen. Infolge eines unglücklichen Zufalls fam einer der Spieler dem langen Messer der Wirtin, die am Büfett Schinken schnitt, zu nahe; er wurde direkt durchbohrt und war so­fort tot.

Vermischtes.

Ein Blick hinter die Kulissen der Berliner Cafees häujer. Ueber die Arbeits- und Lohnverhältnisse in den Berliner Kaffeehäusern sind vor einiger Zeit Erhebungen angestellt worden, die sich auf 244 Betriebe erstrecken. Die Arbeitszeit in diesen Lekalen entspricht den Anforderun­gen ciner modernen Sozialhygiene nicht im geringsten. Daß von 1800 in den Nachtcafees beschäftigter Personen über 1000 eine Arbeitszeit von mehr als zehn Stunden hatten, daß diese Arbeitszeit in zahlreichen Fällen 16 Stunden überschreitet, fällt deshalb besonders ins Gewicht, weil es eben in der Hauptsache Nachtarbeit ist. Und zwar eine­Nachtarbeit ohne Ruh' und Rast in rauchgeschwängerten Bokalen, bei künstlichem Licht, ohne Freiheit, ohne Sonne. Das Hilfspersonal ist dabei noch schlimmer daran als der Kellner. Von den Herdmädchen hatten über die Hälfte eine Arbeitszeit von mehr als 13 Stunden. Das möchte kingehen, wenn die Lohnverhältnisse geordnete wären. Aber gerade hier herrschen im Kaffeehausleben im allge­meinen traurige Zustände. Die Zahl- und Revierkellner erhalten bekanntlich weder Lohn noch irgend eine andere Entschädigung. Sie haben vielmehr noch das ihnen unter­stelite Personal von den Trinkgeldern, die sie einnehmen zu besolden. Wo die Revierkellner Lohn erhalten, beträgt er 10 bis 25 Mark monatlich, fällt also taum ins Gewicht. Dagegen wurden von den 3ahl- und Revierkellnern an 224 fest angestellte Zuträger insgesamt jährlich rund 270 000 Marf gezahlt. Vielfach haben die Zahlkellner ei­nen gewissen Prozentsaz von der Tageslösung, meist 2-5 Prozent, an den Unternehmer abzugeben. Zu diesen Ab­gaben kommen noch Bruchgeld, Pukgeld und Wäschegeld hinzu. Den Standpunkt des Unternehmers kann man be­greifen, wenn man vernimmt, daß von den erwähnten 244 Berliner Kaffeehausbetrieben 108 mehr als 10 000 Mart Miete zahlen müssen, 19 üher 50 000 Mart. Aber es ist bemgegenüber aud) intereffoni, daß in den Berliner Ca­fees jährlich etwa 19% nonen Mark umgesetzt werden.

Ueber einen Fall schwerer Kindesmißhandlung be­richten Berliner Blätter. Der Arbeiter Friedrich Schet­tat, der in der Frankfurter Allee wohnt, hat vor mehr als zwei Jahren seine erste Frau durch den Tod verloren. Aus seiner ersten Ehe stammten zwei Kinder, ein 7 Jahce alter Knabe und ein 5 Jahre altes Mädchen namens Rosa. Noch vor Ablauf des Trauerjahres heiratete Schettat zum zweiten Male. Von dieser Zeit begann das unglaubliche Martyrium dieser beiden Kinder aus erster Ehe. Die Stiefmutter hatte bald ein eigenes Kind, ein Mädchen. Ihr Kind behandelte sie ganz gut, pflegte es sorgfältig, zog es nett an und ging mit ihm häufig aus. Auch der Stiefsohn hatte noch ein halbwegs erträgliches Leben, denn er mußte zur Schule, und da sahen ihn ja die Leute. Aber auch er bekam nie satt zu essen und wurde sehr häufig in der unbarmherzigsten Weise geprügelt. Der Junge ist infolgedessen körperlich auch stark zurückgeblieben. In der haarsträubendsten Weise aber wurde die kleine Rosa ge= inartert. Ihre Stiefmutter wollte sie zweifellos langsam zu Tode quälen. Zwei Jahre hindurch hat das Kind die Wohnung zuerst nicht verlassen dürfen, dann wegen Schwä che aber nicht mehr verlassen können. Seitdem das Ehe= paar Schettat in die Wohnung eingezogen ist, hat das Kind den Hof, die Straße nicht gesehen, ist es niemals an die Luft gekommen, hat es fein Mensch, weder ein Verwand­ter noch ein Hausbewohner, überhaupt zu Gesicht bekom­men. Das Kind war in der Wohnung eingesperrt und mußte splitternadi in einer mit Sand gefüllten Kiste lie­gen und durfte sich nicht herausrühren. Zwei Jahre lang hat dieses arme fleine Wesen nur die allernotdürftigste Nahrung bekommen, gerade nur soviel, daß es nicht direkt Sungers starb. Zwei Jahre lang ist dieses Kind weder ordentlich gewaschen, nech sonst gepflegt worden. Zwei volle Jahre lang hat die kleine Rosa weder ein Hemdchen noch ein Kleidchen am Leibe gehabt, während ihr Stief­schwesterchen stets neue Kleidchen erhielt und in der sorg­samsten Weise genährt und gepflegt wurde. Und nicht genug bamit: Die unmenschliche Frau fesselte das Kind in der Weise, daß sie ihm mit Schnüren die Aermchen fest an den Leib band. So mußte das Kind in der Kiste auf dem Sande liegen. Und so wurden die Schnüre angezogen, baẞ später an einen: Arm nicht weniger als drei Knochen­brüche festgestellt wurden. Man kann ermessen, was das arme Würmchen zwei Jahre lang gelitten hat. Gegen die entmenschte Mutter ist Anzeige erstattet worden.

Das Eisenstià im Gehirn. Im Armenhaus von Chell in England sand vor einiger Zeit der Schuster Graty Auf­nahme, der so große Kopfschmerzen hatte, daß er nicht mehr arbeiten konnte. Die Aerzte, die ihn untersuchten. waren der Meinug, daß sich ein Geschwür unter der Schädeldecke befände und nahmen eine Operation vor. Man fand cin zwei Zoll langes und ein Viertel Zoll dickes, spizzes, stäh­Ternes Werkzeug im Gehirn des Mannes, das nur durch das Ohr eingedrungen sein fonnte. Der Batient erklärte feine Ahnung zu haben, wie und wann das geschehen sein fonnte. Er starb wenige Tage nach der Operation. Im Leichenschauhause erklärte gestern seine Witwe, der Ver­storbene sei ein starter Trinker gewesen; vermutlich sei er in trunkenem Zustande mit dem Ohr auf das spige Eisen gefallen und habe es bei dem Versuch, sich davon zu be= freien, ungeschickter Weise selbst mit dem Finger in das Gehirn getrieben.

Ein elfjähriger Räuberhauptmann. Die Pariser Po­Itzet hat eine Bande von jugendlichen Missetätern gefaßt, deren erwählter Häuptling ein elfjähriger Schlingel ist. Die Bande hatte die Plünderung von Geschäftsauslagen

zu ihrer Spezialität gemacht und darin bereits erhebliches geleistet. Der hoffnungsvolle Anführer, ein winziges Kerl­chen mit schlauem Gesicht, zeigte sich sehr mißvergnügt über die Festnahme, da er sich gerade mit dem Plane einer ganz großen Unternehmung trug. In kurzem hätte sie mir," ertlärte der Kriips ernsthaft ,,, ein großes Vermögen ein­gebracht, denn ich hatte ein ganz neues Mittel gefunden, um die Vorstadtmärkte zu plündern. Na, aufgeschoben ist nicht ausgehoben!"

Eine feltsame Grabschändung wurde in Erie in Penn­sylvanien ausgeübt. Italiener, die zu der Bande der Echwarzen Hand" gehören, brachen in das prächtige Mau­soleum des verstorbenen Millionärs Scott, eines Freundes des ehemaligen Präsidenten Cleveland, ein und stahlen den Earg der Frau Mc. Collum, einer Verwandten des Millionärs. Es heißt, daß die Erben des Mr. Scott, eine Bamilie Strong, bereits vor einiger Zeit Drohbriefe von Italienern erhielter und daß die Bande die Leiche stahl, um ein Lösegeld von der Familie Strong zu erpressen. Die Erpresserbande hat noch andere Särge des Mausoleums zerstört.

Dawrensoneidermeisterinnen werden die nächste große Errungenschaft auf dem Gebiete der Frauenbewegung sein. Sicherlich hat es Damenschneiderinnen von Ruf und Schick zu allen Zeiten gegeben, allein geprüfte Meisterinnen ihres Faches sollen uns erst in nächster Zeit beschert wer­den. Vierzig junge Damen bereiten sich in einem von der Berliner Handwerkskammer eingerichteten Kursus für die Meisterinnenprüfung vor. Also eine neue Kategorie der in Wort und Lied so oft besungenen Frau Meisterin". Nur daß sie sich diesen Titel nicht erheiratet, wie es bis­her Sitte war, sondern durch Fleiß und Studium und Ab­legung einer Prüfung ihn sich selbst erringt. Auch das ,, Fräulein Meisterin" wird dann nicht zu den Seltenhet­ten gehören, wie es ja auch Fräulein Doktorinnen gibt, und welche Konsequenzen sich daraus entwickeln werden, ist noch gar nicht abzusehen. Nach glücklich bestandener Prü­fung stehen nun dem Fräulein Meisterin" alle Rechte eines zünftigen Meisters zu: es fann am Quartal teil­nehmen, Lehrlinge halten und ausbilden usw. Da ent­steht nun die akademische Dottorfrage: wenn das Fräu­lein" Meisterin sich verheiratet, erlangt dann der Mann auch den Meistertitel Und wie gestaltet sich das Ver­hältnis, wenn die junge Meisterin sich in einen ihrer Lehr­linge verliebt und ihn heiratet?- Doch wie alle Doktor­fragen, sind auch dies müßige Fragen, die Praxis wird darauf schon die Antwort geben.

Der Bestnachrichten werden von Tag zu Tag mehr, zum Teil widersprechen sie sich auch, und es ist natürlich schwer, so fern von Seuchenherd die richtige Kontrolle aus­zuüben. Immerhin bestätigt es sich aber täglich stets von neuem, daß die Zustände in der Mandschurei viel schlim­mer sind, als man sie sich vorstellen kann. So sind in Charbin gestern wieder dreißig Chinesen und ein Euro­päer gestorben, während 800 Tote auf einmal verbrannt wurden. Der in Charbin tätige Dr. Hafffin, ein Neffe des Entdeckers des Haffkinschen Serums, hat aber erklärt, daß die Pestbakterien neuerdings einer Veränderung un­terliegen, die ein Nachlassen der Pest anzuzeigen scheint. Dr. Safftin setzt seine Untersuchungen fort. Merkwürdig gut sind bisher die in der Mandschurei lebenden Japaner weggekommen. Sie beweisen eine auffallende Immuni­tät gegen die Seuche. Bis Mitte Januar war in den japanischen Kolonien der Orte überhaupt kein Bestfall zu verzeichnen, erst in den letzten Wochen sind vereinzelt Japaner erkrankt und auch gestorben. Nach einer Mel­dung des New York Herald" aus Peking hat die Epi­demie in der Provinz Tschang- Tschu ihren Höhepunkt er­reicht. Es waren an einem Tage 140 Tote zu verzeichnen. Infolge der Meldung, daß Hunderte von Pestleichen die Straßen und Felder in der Nähe der Städte und Dörfer im Norden und Osten von Charbin bedecken, hat das diplo= matische Korps gestern bei der chinesischen Regierung sehr ernste Vorstellungen erhoben und sie gebeten, Kavallerie­abteilungen nach diesen Gebieten zu schicken, die die Leichen bestatten sollen. Der ganze Norden der Mandschurei ist nunmehr von der Seuche heimgesucht. Man zählte bisher 441 Tote in Mukden.

Die Wohlhabenheit der Berliner Vororte spiegelt sich in den gegenwärtig zur Beratung stehenden Haushalts­plänen für das Rechnungsjahr 1911 wieder. Der Bürger zahlt an Staatseinkommensteuer im Durchschnitt in Char­Tottenburg für das laufende Rechnungsjahr 47,50 M, in Wilmersdorf 44,80 M, Großlichterfelde 35,05 M, Friedenau 84,24 M, Behlendorf 32,17 M, Schöneberg 29,33 M, Treptom 28,68 M, Steglit 23.60 M, Mariendorf 20,92 M, Lankwiz 18,31 M, Tempelhof 15,98 M usw. In Rixdorf beträgt der Durchschnittssat 7 M, in Lichtenberg 6,90 M, Weißensee 6,14 M.

Ein nobler Millionengewinner. Der glückliche Gewin­ner der spanischen Sechsmillionenlotterie ist jetzt ermittelt worden. Es ist ein Mexikaner Reimerdo Camara. Er be­saß eine Zündholzfabrik im Werte von einer halben Mil­lion, die gerade am Vorabend der Ziehung niederbrannte. Nunmehr der glückliche Besizer von sechs Millionen, hat er sich dankbar gegen die junge Dame des Bankhauses er­wiesen, die ihm das Los gezogen hatte. Fräulein Cervera hat von ihm seiner Zusage entsprechend Million Pe­setas erhalten. Den beiden Waisenknaben, die die Ziehung ausführten, schenkte er je 3000 Pejetas.

Einladungskarten ans echtem Gold. Der Moskauer Großfaufmann Spiridonow sandte, wie aus Petersburg ge­schrieben wird, vor einigen Tagen Einladungskarten zur Feier seiner goldenen Hochzeit aus. Die Empfänger die­ser Einladungskarte waren aufs angenehmste überrascht, als sie den Briefumschlag lösten und ihnen blankes Gold entgegenstarrte. Anfangs nahmen sie an, daß die Kärtchen nur eine goldene Farbe trugen, um dadurch gleichsam die Feier der goldenen Hochzeit auzudeuten. Eine nähere Prü­fung ergab aber, daß diese Annahme irrig sei, und daß der bekannte Millionär wirklich echt goldene Karten, die aller­dings ziemlich dünn gewalzt waren, verschickt hatte. Jede Karte wog 20 Gramm. In ganzen hatte der Millionär Spiridonow 200 derartiger Einladungskarten an sämtliche Moskauer und Petersburger Großkaufleute verschickt. Diese 200 Einladungskarten wogen also zusammen rund 4 kilo­gramm. Die Karten wurden tatsächlich von einem Mos­fauer Juwelier aus dieser Masse Gold in funstvoller Weise mit Emailleeinlagen hergestellt. Das Gold. das zu den Karten verwendet worden ist, steht zu dem Jubilar noch in einer besonderen Beziehung, da es nämlich in seinen ei­genen Goldbergwerken geschürft worden ist. Spiridonow, der Veranstalter der goldenen Hochzeit, ist einer der größ­ten russischen Goldgrubenbesitzer und hat hier auch sein Millionenvermögen erworben. Jede Karte stellt Wert von rund 100 Mark dar.

Eine Biographie Edisons.

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Zwei Amerikaner veröffentlichten fürzlich eine Biogra phie Edisons. Wollte man diese Biographie epigrammatisch zusammenfassen, so könnte man es mit einem von Edisons

eigenen geflügelten Worten tun: Das Genie besteht zu einem Prozent aus Inspiration und zu neunundneunzig Prozent aus- Transpiration!" Denn da ist keine Seite, die nicht die ungeheuere Arbeitsleistung und Arbeitskraft, des großen Erfinders dokumentiert, gepaart natürlich mit außerordentlicher Geistesschärfe. Von 1868 bis 1909 mel dete er 1300 Patente an, von denen ihm über 900 erteilt wurden. Das heißt also, daß er vierzig Jahre lang durch­schnittlich alle elf Tage ein Patent ausarbeitete. Seine Gra findungen bewegen sich auf den verschiedensten Gebieten; außer dem der Elektrizität, der Phono-, Photo- und Tele graphie und Telephonie auch auf denen des Automobils, der Flugmaschine, des Spiegelglases, der Schreibmaschine, des Signalisierens auf Bahnstrecken usw.

Der Erfinder par excellence( so kann man Edison wohl heißen, denn er hat sich das Erfinden zum Beruf gemacht) ist der dealtypus seines rastlosen, schlaflosen Landes. Für ihn scheint es faum eine Grenze der Arbeitsfähigkeit zu ge= ben. Wenn gewöhnliche Sterbliche übermüdet zusammen brechen, nimmt er einen kleinen Imbiß, schläft auch wohl auf dem Hock ein oder zwei Stunden und arbeitet dann ebenso frisch weiter, als ob er eine Nacht in seinem Bette zugebracht hätte. In einem Falle soll er fünf Tage und) Nächte ohne Unterbrechung gearbeitet haben. Die allen Angelsachsen so notwendige Bewegung scheint ihm ebenso entbehrlich, wie sie Joseph Chamberlain entbehrlich gewe­sen ist; ebensowenig braucht er Ferien oder sonstige Er­holung.

Von holländischer Abstammung blickt er auf eine Reihe Vorfahren zurück, die es bis zu hundert Jahren und da­rüber gebracht haben, und von ihnen mag er auch den Gleichmut und die Geduld ererbt haben, die ihn bei all sei­nen Experimenten begleiten. Wie methodisch er arbeitet, bezeugen seine Notizbücher, in denen er jedes einzelne Ex periment niederschreiben ließ. Es sind über 1000 Bände von je 200 Seiten. Edisons eiserner Optimismus half ihm auch über die unendlichen Miseren weg, die das Patent­wesen für jeden Erfinder im Gefolge hat, ebenso über Schicksalsschläge, wie die plößliche Entwertung seines größ ten Unternehmens, das die Ausbeutung von Magneterzen zum Ziel hatte, aber durch Auffindung leichter zu bear­beitender Erzlager am Obersee zwecklos wurde und ihm sein ganzes Vermögen kostete. Edison- von dem man übrigens so spät vernimmt, daß er seinen Namen mit dem langen englischen E, also Jdis'n, ausspricht- steht jetzt im 64 Lebensjahr. Sein Lehrer hielt ihn für schwachsinnig, und so verließ er die Schule nach drei Monaten. um von' seiner Mutter die Anfangsgründe des Unterrichts zu ers lernen. Sie gestattete ihm auch, ihren Keller als Labora torium für seine Versuche zu benüßen, und probierte alles. Von all seinen Erfindungen sind wohl der Phonograph( mit seiner modernen Entwicklung zum Grammophon) und der Kinematograph die volkstümlichsten geworden.

Drabtnachrichten und Deuestes.

Schwierigkeiten bei der Auszahlung einer Veteranenspende. München, 11. Februar. Die Verteilung der Hundert­taufendmarkspende, die der Prinzregent zu Gunsten der Kriegsveteranen gestiftet hat, verursacht den Behörden er­hebliche Schwierigkeiten. Es haben sich nämlich von den etwa 50 000 bayerischen Veteranen nicht weniger als 41 000 Bewerber zur Berücksichtigung gemeldet, darunter auch viele reiche Leute. Da aber die Spende für wirklich Bedürftige bestimmt ist, sollen jetzt die 4000 Bedürftigsten ausgesucht? und mit je 25 M bedacht werden.

Ein erdichteter Naubüberfall.

Berlin, 11. Februar. Die Frau eines Steuererhebers wollte, wie gestern gemeldet, auf dem Wege zum Postamt, wo sie über tausend Mark einzuzahlen hatte, im Flur thres Hauses überfallen und ihres Geldes beraubt worden sein. Sie legte neuerdings ein umfassendes Geständnis ab, daß fie den Ueberfall erdichtet habe. Angeblich weil ihr Mann öfters kleine Fehlbeträge bet den Geldern hatte, entschloß ste sich, den Ueberfall zu fingieren, um in den Besitz dei Summe zu gelangen, die sie nach dem Postamt tragen sollte. Um den Ueberfall glaubhaft zu machen, zerzauste sie sich die Haare, zerriß sich die Kleidung und fiel in Ohnmacht, als die Hausbewohner auf ihre Hilferufe herbeieilten.

Verurteilung eines Schwindlers.

Kiel, 11. Februar. Der Matrose Windisch wurde gestern vom Oberkriegsgericht zu vier Jahren Zuchthaus, Aus­stoßzung aus der Marine, fünf Jahren Ehrverlust und 3400 Mark Geldstrafe verurteilt. Windisch hatte hauptsächlich in Süddeutschland Angehörige von Matrosen der Marine un­ter dem Vorwande, daß er mit diesem befreundet sei, um größere Summen geschädigt.

Verunglückte Bergleute. Dortmund, 11. Februar. Beim Abteufen eines Schachtes auf der Zeche Teutoburgia" bei Castrop, die dem Bochumer Verein gehört, kam durch hereinbrechende Ge steinsmassen ein Arbeiter zu Tode, zwei wurden schwer ver Tezt.

Trinidad( Colorado), 11. Februar. In einem Bergwerk bei Cofedale sind infolge einer Explosion siebzehn Mann verschüttet worden. Von den Verschütteten sind bis jetzt neun als Leichen geborgen worden. Bei den Rettungsar­betten sind zwei Freiwillige ungekommen.

Aus dem Pestgebiet.

Petersburg, 11. Februar. Aus Charbin wird gemeldet: Die Stadt Fudsjadjan ist vollständig ausgestorben. Die Straßen liegen leer und verlassen da. Alle Häuser sind unbewohnt. Was nicht der schwarze Tod ereilt, ist geflohen, um wenige Stunden hinter der Stadt der Pest zu verfallen. Die Bazare und Märkte sind geschlossen. Nur ein Bestge­stant zeugt von dem einstigen Leben, das hier frisch pul­sierte. Die Hospitäler liegen verlassen da. In wenigen Tagen hat die Best auch in Aschiche einen ganz unglaublichen Umfang angenommen. Die Zahl der Todesfälle beträgt täglich 400. Im Laufe weniger Wochen sind ganze Stadt­viertel ausgestorben. Die Epidemie gleicht einer Feuers­brunst. Die chinesischen Behörden haben vollständig den Kopf verloren. Demagogen halten aufreizende Reden an das Volk, daß die Best China zur Strafe heimgesucht habe, weil die Europäer im Lande seien. Nur der heilige Borer­frieg, der allen Fremden den Tod bringe, könne China von der Pest befreien. Diese Agitation nimmt einen bedenklichen> Charakter an.

Kälte und Wolfsplage in der Türkei. Konstantinopel, 11. Februar. Infolge der furchtbaren Kälte sind mehrere Wölfe in die Stadt gedrungen. Auf einer Straße wurden zwei erschossen. In den Vororten find mehrere Personen von ihnen angefallen worden. Die Wölfe haben auch unter dem Vieh gehauft. Eine Eisenbahn­linie und eine Schiffsgesellschaft stellten den Verkehr ein, weil die Kohlenvorräte ausgegangen sind. Somit ist die Verbindung mit dem asiatischen User abgeschnitten. Die Preise für Feuerungsmittel sind ungeheuer gestiegen. Die arme Bevölkerung Konstantinopels, die auf solchen Winter in feiner Weise vorbereitet ist, leidet schrecklich.

Eine friegerische Friedensrede.

Paris, 11. Februar. Im Senatsgebäude erfolgte gestern im Beisein mehrerer Mitglieder des diplomatischen Korps die feierliche Ueberreichung einer Nobelpreis- Er-> innerungsmedaille an den bekannten Vorfämpfer der Frie densbewegung, Baron d'Estournelles de Constans. Dabet sagte der Senatspräsident Dubost folgendes: Vergessen Sie bei Ihren lobenswerten Bemühungen um den Weltfrieden nicht, daß wir Söhne des verstümmelten Frankreich inmite ten des waffenstarrenden Europa, die Hand auf den Degem fnauf gestützt, die Stunde der ausgleichenden Gerechtigkeit erwarten. Den Tag der allgemeinen Menschenverbrüde rung werden wir faum erleben.