Einzelbild herunterladen

Gießener Zeifung

( Neueste Nachrichten)

Bezugspreis 50 pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen

vierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­Erscheint ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mr. jeden Werktag früh.- Die Humoristischen Blätter" Redaktion: liegen wöchentlich einmal gratis bei. Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.

-

Herausgeber: Albin Klein& Otto Fischer.

Nr. 37.

Telephon: Nr. 362.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 13. Februar. = r Gießen, 13. Febr. Heute Montag nachmittag 3 Uhr hält der Leiter der hiesigen Gewerbeschule, Bau­meister Traber, einen Vortrag über die Sicherungen der Bauforderungen. Alle Bauhandwerker sollten sich in ihrem Interesse dazu einfinden.

der Großherzoglichen Bürgermeisterei

sowie vieler anderer

des Großherzoglichen Polizei- Amtes

=

Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.)

Montag den 13. Februar 1911

herrschaften als Gesinde entweder darnach zu richten oder etwa daraus Veranlassung und Anregung zu anderwei­ter zulässiger Regulierung dieser Punkte nehmen wer­den. 1. Die ortsübliche Antrittszeit des Gesindedienstes ( Umzugstermin, Wechselzeit) ist, wenn nicht anders ver­tragsmäßig bestimmt ist, der 25. März, 25. Juni, 29. gelnder anderweiter Uebereinkunft der nächste dieser Ter­September und 27. Dezember, so daß also bei man­mine entscheidend ist. 2. Die Dauer der Dienstzeit ist, wenn nichts anderes bestimmt ist und erweislich ist resp. aus der unzweideutig auf die Dienstzeit bezogenen Be­stimmung der Lohnzahlung flar hervorgeht, eine jährige. 3. Die Kündigungsfrist ist, bei mangelnder anderweiter Bestimmung a) bei Monatsmieten von 1 bis 2monat­licher Dauer: eine 14tägige, b) bei mindestens 3monat lichen und längeren Mieten: eine 3monatliche, vor Ab

Gießen. In der Freitag stattgefundenen Sitz­ung des Landwirtschaftskammer- Vorstandes wurden die Wahlen besprochen und eine Revision der Landwirt= schaftskammer- Sitzungen beschlossen. Unweit Bensheim soll eine Muster- Obstpflanzung ins Leben ge­rufen werden. Ferner bewilligte man vorlagsweise einen größeren Betrag an den Ausschuß Rheinhessen zur Ge­währung eines Zuschusses an den Obst- und Gartenlauf der Dienstzeit. 4. Ein in der ortsüblichen oder ver­bauverein Ober- Ingelheim.

Gießen. Vom Großherzog wurde am Samstag u. a. Handelsrichter Eichenauer mit= empfangen.

Gießen. Kriminalschutzmann Zink wurde laut Stadtverordnetenbeschluß zum Kriminalwacht= meister ernannt. Bekanntlich wurde unser seitheriger Wachtmeister Pfeffer zum Polizeisekretär gewählt.

T= Gießen. Wie wir hören, findet der geplante allgemeine hessische Blumentag zum Besten der Mutter und Säuglingsfürsorge in Hessen, wie nun­mehr definitiv feststeht, Anfang Mai dieses Jahres statt. Man scheint auch in allen größeren Städ, en des Lan­des bereits mit der Bildung örtlicher Komitees vorzu­gehen. Erfreulicherweise begegnet der schöne Gedanke un­serer Großherzogin im Hinblick auf seinen gemeinnützi­gen 3wed in allen Kreisen der Bevölkerung einem regen Interesse. Die eingehenden Beträge werden von der Zentrale in dem Bezirk wieder verwandt, wo sie eingegangen sind, sodaß sie den einzelnen Teilen des Landes wieder zufließen.

*) Gießen. Das Reichsgericht hat die Re­vision gegen das Urteil über den Bombenattentäter Werner zurückgewiesen, da nicht der Verurteilte selbst, sondern nur seine Eltern diese eingereicht hatten. Spruch des Schwurgerichtes ist jetzt rechtskräftig worden.

Der ge=

-- Gießen, 13. Febr. Am letzten Samstag kaufte sich auf dem hiesigen Wochenmarkte ein junger Mann Aepfel und wollte mit einem neuen 25- Pfennig- Stück die Ware bezahlen. Die Bäuerin wies das Geldstück aber mit einer mißtrauischen Gebärde zurück. Ja was der Bauer nicht kennt

== Lich, 13. Febr. Zum Andenken an den ver= dienstvollen Komponisten Ne e b, der hier geboren und lange Jahre in Frankfurt mehrere Gesangvereine diri­gierte, ist gestern an dessen Geburtshause von der Frank­furter Liedertafel" eine Gedenktafel feierlich ent­hüllt worden. Der Verein war vollzählich nach hier gekommen, hat nach der Enthüllungsfeier im Schloß noch gesungen und am Abend in Steins Garten ein Konzert gegeben. Die Frankfurter Sänger sind mit den besten Erinnerungen heimgekehrt.

Krofdorf, 9. Febr. Gleich wie des Winters Herrschaft anhält, so scheinen auch die diesjährigen Holz­preise für Brennholz auf der seitherigen Höhe zu blei­ben. Kosteten doch selbst in dem entfernten Distrikt ,, Beuerstätt" Buchenscheite 8-9 Mark und Buchenknüp­pel durchschnittlich 7 Mark pro Raummeter. Auch im Gemeindewald werden durchweg hohe Preise gezahlt.

Kinzenbach. 3u 12 Mark Geldstrafe wurde der hiesige Schreibgehilfe Fr. M. verurteilt. Er hatte sich eine Beleidigung gegen den Polizeisergeanten Lange zuschulden kommen lassen.

Darmstadt. Oberpfarrer H. Bernbeck in Michelstadt ist auf sein Ersuchen aus Gesundheitsrück sichten von der ihm übertragenen Pfarrstelle zu Eber­stadt enthoben worden. Pfarrer Joh. Paul- Seligenstadt wurde an seine Stelle für die Pfarrstelle Eberstadt ernannt.

Wetzlar, 13. Febr. Gestern unternahm der Taunusklub bei schönstem Wetter eine Tour in den Schöffengrund nach Grävenwiesbach und der Au­denschmiede.

* Wetzlar. Aus der häufig vorhandenen Un­kenntnis des wechselnden Publikums über die zur Er­gänzung des§ 13 und 14 der Rheinischen Gesinde= ordnung vom 19. August 1844 gereichenden gewohn= heitsmäßigen Ortsgebräuche, welche im Falle mangeln der Vertragsbestimmungen hier in deren Stelle eintre­ten, entstehen sehr häufig Mißverständnisse und Gesinde streitigkeiten, deren Schlichtung eben nur auf Grund die­ser Ortsgewohnheiten erfolgen kann. Der Bürgermei­ster erläßt nur eine Bekanntmachung, in der die hier bestehenden und zu fortdauernden Anwendung kommen­den gewohnheitsmäßigen Gebräuche zur allgemeinen Kenntnis gebracht werden, wonach sich sowohl Dienst­

tragsmäßigen Kündigungsfrist nicht gekündigter Dienst­vertrag ist schon durch die bloße Unterlassung der Kün­digung stillschweigend verlängert, außer wenn etwa vertragsmäßig ausdrücklich jede etwaige Verlängerung an eine förmliche Verabredung der Fortdauer gebunden war( Gesinde- Ordnung§14). Der Dienstvertrag hört also mit einfachem Ablaufe der Dienstzeit ohne Kündig­ung stillschweigend und von selbst nur in dem letzten Falle auf, wenn nämlich vorher die etwaige Fortdauer desselben an eine noch erst zur verabredende Verlänger­ung gebunden war; außer diesem einen Falle ist stets eine Kündigung in ortsüblicher oder verabredeter Frist erforderlich, um den Dienstvertrag zu lösen, der sonst als stillschweigend erneuert gilt. 5. Die stillschweigende Erneuerung bezieht sich auf alle Bestimmungen des bis­herigen Dienstvertrages seinem ganzen Inhalte nach, führt also die frühere Dauer und Kündigungsfrist, so wie denselben Lohn mit sich( jedoch kein zu wiederhol­endes Mietsgeld). 6. Das Mietsgeld( welches gesetzlich zur Gültigkeit des Vertrages nicht erforderlich ist, son= dern nur als ein Zeichen und ein der mehreren mög­lichen Beweismittel des Vertragsschlusses anzusehen ist) beträgt gewohnheitsmäßig 3 Mark. Dasselbe bildet kei­nen Teil des Lohnes und wird auf den Lohn der ge­leisteten Dienstzeit nicht abgerechnet. Am Schluß der Be­fanntmachung wird noch auf die entscheidende Zweck mäßigkeit aufmerksam gemacht, alle Vertragsbestimmun­gen im eigenen Interesse zur Vermeidung jeglicher Jrr­ungen und gegenseitiger Mißverständnisse in einer be­weiskräftigen Form( schriftlich oder unter Zuziehung von Zeugen) zu bewirken.

-n- Wezlar. Die Franks. 3tg." hat einen Artikel veröffentlicht, in dem es u. a. heißt: Die Liberalen ( Freisinnige und Nationalliberale) müßten zusammen­halten. Er bemühe sich nach allen Richtungen für eine Verständigung. Auch den Nationalliberalen in Hes­sen und in Wetzlar sei geschrieben worden, sie han­delten unverantwortlich an der Partei, wenn sie durch ihre Querköpfigkeit ihnen in anderen Bezirken Schwie rigkeiten machten. Daraufhin soll die für Kreuznach= Simmern gegenüber Geheimrat Pasche beabsichtigte fort­schrittliche Kandidatur bestimmt zurückgezogen werden, wenn die Nationalliberalen von Wetzlar- Alten­firchen auf eine eigene Kandidatur verzichten und den fortschrittlichen Kandidaten, Professor Dr. Schloßmann, unterstützen.

( Gießener Tageblatt)

Anzeigenpreis 15 Pfg.

die 44 mm breite Petitzeile oder deren Raum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Reflameteil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50% Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs­zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Gesamtleitung: Albin Klein.

Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg.

*) Darmstadt. Finanzminister Braun hat sich in günstigster Weise von seinem Anfall erholt. Er muß sich aber noch vom Dienst fernhalten und hat deshalb einen weiteren dreimonatlichen Urlaub angetreten.

Oeffentlicher Sprechsaal.

Aus Niederwe z erhalten wir folgendes Ein­gesandt:

Am 8. Februar hatten wir die Ehre, den Parteisekre tär Jakobs der fortschrittlichen Volkspartei" zu hören. schichte, die in der Volksschule nur nach dem Geschmack Er verbreitete sich über die preußische und deutsche Ge­der Junker gelehrt würde. Die Lehrer seien wohl über die bösen Taten dieser Herren orientiert, dürften sie jedoch nicht erwähnen, da sie sonst Gefahr liefen, gemaßregelt zu werden. Gott sei Dank, daß die Regierung noch die Gewalt über die Schule hat, denn wenn es nach dem freisinnigen Programm ginge, würden nur die Schat­tenseiten unseres Volkes in den Geschichtslehrbüchern zu finden sein. Die Folge davon wäre, daß wir bald den modernen Zukunftsstaat hätten. Und wen würde dieser Bauernstand, der diesen Fortschrittsmännern ein moderne Staat zuerst ruinieren? Den freien verwachsen ist, weiß, wo ihn der Schuh drückt und läßt Dorn im Auge ist. Dieser Stand, der mit der Scholle sich durch die Locktöne der fortschrittlichen Herren nicht irre machen, sondern hält fest an den christlichen Grund­laden unseres Staatswesens!

Redner verbreitete sich dann über Gemeinde-, Kreis­und Provinzangelegenheiten überall würde nach seiner Ansicht gegen die Verfassung gehandelt. Aber er machte damit keinen Eindruck, weil hier alle Wähler auf dem rechten Flügel zu finden sind. Und so dumm sind hier die Bauern nicht. Mit Liebesgabe, Beamten­und Offiziershetze treiben diese Freisinnigen eine mo­derne Bauernfängerei. Und warum sollte es denn der Herr Jakobs nicht auch hier tun. Aber seine Verdreh­ungen wurden natürlich hier nicht ernst genommen. Zum Schluß lobte der fortschrittliche" Jakobs auch noch die Arbeiter, denen er bei Arbeitsunfähigkeit die Pensionen der Beamten in Aussicht malte. Die Beamten wurden dagegen ob ihrer Königstreue gehörig heruntergekanzelt. Wir Bauern haben häufig selbst Söhne in Unterbeam­tenstellungen, sogar viele Lehrer; Beamte und Richter gehen aus dem Bauernstand hervor. Das wollen diese Freisinnigen eben nicht; denn solange ein solch gesunder Beamtenersatz in unserem Vaterlande möglich ist, sind die Pläne der fortschrittlichen Volkspartei" Luftschlösser.

Zum Schluß sagte der Redner: Sie haben Herrn Behrens aus Gutmütigkeit in den Reichstag gewählt". Dazu bemerke ich, der Einsender: So viel an uns Nie­derwetzer liegt, sorgen wir dafür, daß Herr Behrens mit schon bei dem ersten Wahlgang in unserem Orte großer Mehrheit aus der Wahlurne hervorgeht.

Aus dem Gerichtssaal.

Strafkammer.

Gießen, 11. Februar 1911. Der Werkmeister Friedrich Weber in Gießen wurde vom Schöffengericht wegen Körperverletzung er hatte einem Dienstmann den Spazierstock auf den Kopf ge schlagen zu 10 Mark Geldstrafe verurteilt. Seiner Be

-

-

== Hermannst ein. Unsere Schule wird bald in eine 4klassige ausgebaut; der letzte Erweiterungsbau erfolgte 1904. Unsere Schule hat übrigens eine etwas interessante Geschichte. Als Hermannstein noch Hessen- rufung wurde teilweise stattgegeben und die Strafe auf 3 Mark ermäßigt, da er von dem Verletzten gereizt wor­den war. darmstädtisch war und die Gemeinde zum Schulhausbau schreiten mußte, da hat der damalige Lehrer selbst das erste Scherflein freilich ungewollt- dazu beigetra­tragen; nämlich ein Teil seines Gehaltes wurde ihm zurückbehalten und dem Schulhausbaufond überwiesen.

Waldgirmes. Eine Geldstrafe von 10 Mt. erhielt der Weißbinder G. Sch. wegen Beleidigung des hiesigen Polizeidieners Schmidt.

Don

Lüzellinden. Der Landwirt W. B. hier wurde vom Schöffengericht Wetzlar wegen Jagd= vergehens zu 12 Mark Geldstrafe verurteilt.

*) Biskirchen. Die Vermögens- Uebersicht der hiesigen Spar- und Darlehenskasse schließt für das Ge­schäftsjahr 1910 in Einnahme und Ausgabe mit 63 323 Mark ab. Die Mitgliederzahl ist von 95 auf 98 ge= stiegen.

Limburg. Der zweigleisige Ausbau der Strecke Höchst- Niedernhausen hat begonnen. Auch die Verbind­ung Niedernhausen- Eschhofen wird zwei gleisig ausgebaut.

-

Merzhausen( Taunus). Vergangene Woche brach hier ein Zimmerbrand aus, wobei der über 80 Jahre alte W. Müller mit verbrannte.

Friedberg. Ihren Veteranen mit Ein­kommen unter 1800 Mark bewilligten die Stadtverord­neten einen Ehrensold von je 25 Mark.

Der Knecht Gustav Kurz zu Grünberg fälschte einen Brief, auf Grund dessen er von einem Schuhma­cher ein Paar neue Schuhe erhielt. Dies trug ihm we­gen Urkundenfälschung und Betrug 3 Monate Gefäng­nis ein.

In Lauterbach machte der Knecht Ludwig Braun aus Helpershain mehrere Zechen und kaufte sich Wurst unter der Angabe, sein Dienstherr zahle. Urteil: 2 Jahr 4 Monate Zuchthaus, unter Anrechnung einer früheren Strafe.

Der seither in Gießen als Rechtskonsulent tätige Christian Reibling hat in elf Fällen Geld seiner Klien­ten unterschlagen. Es handelt sich um etwa 400 Mark, die ausfallen werden, da der Angeklagte vermögenslos ist. Er bekam 2 Monate Gefängnis.

Unter Drohung mit einer Anzeige, versuchte der Fa­britarbeiter Otto John aus Dachwig, von einem Schmied in Petterweil 200 Mark zu bekommen. Die Ver­handlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt, Ab­weil der Angeklagte dem Schmied Verbrechen der treibung nachweisen wollte, was ihm jedoch nicht ge­lang. Der Angeklagte wurde wegen Erpressungsversuch zu 5 Monaten Gefängnis und 5jährigem Ehrverlust ver­urteilt.

Die Kur.

Die Kur.

Unter den Indianern.

Unter den Indianern.

Persönliche Erinnerungen.