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Des Kronprinzen Heimkehr.

Im Marmorpalais zu Potsdam traf der Kronprinz des Deutschen Reiches und von Preußen nach monatelanger Weltreise am Dienstag wieder ein, und die deutsche Heimat grüßte im ersten Grün den jungen Hohenzollern, der unter fremden Völkern den Ruhm des deutschen Namens zit meh­ren verstand. Auch die Kronprinzessin bezog wieder nach ih­rer Meeresfahrt und ihrem Aufenthalt im Pyramiden lande das traute Heim am Heiligen See, um im Kreise ihrer Söh­ne ein echtes deutsches Familienleben zu pflegen. Ein fro= hes Willkommen schallt dem kronprinzlichen Paare von allen Vaterlandsfreunden entgegen. Ueber den Mai hinaus sollte die Reise des Kronprinzen dauern, der mit der Bahn quer durch Sibirien zurückkehren sollte, doch widrige Umstände veranlaßten bekanntlich in Salkutta die Umkehr des deut­schen Thronerben. Eine geeignetere Zeit soll ihn nach Siam, China und Japan führen, denn die Bemohner dieser Länder, die einen glänzenden Empfang für den Kronprin­zen vorbereitet hatten, empfinden es schmerzlich, daß sie ih rer freundschaftlichen Gesinnung für das Deutsche Reich keinen Ausdruck zu geben vermochten.

Trotz der vorzeitigen Unterbrechung ist die Weltreise des Kronprinzen eine äußerst glückliche gewesen. Außer den Genüssen im indischen Märchenlande war es dem fünf­tigen Träger der deutschen Kaiserkrone auf der Rückfahrt auch vergönnt, zum ersten Male eine große politische Mission auszuüben. Bei der Vertretung des Kaisers in Rom hielt der Kronprinz eine Ansprache an den Köntg von Italien, deren Bedeutung für die internationale Po­litik wirkungsvoll hervorgetreten ist. In dem verbündeten Desterreich, und ganz besonders in der schönen Donau­stadt, dankte man dem Kronprinzen in heller Begeisterung für die Hervorhebung der österreichisch- ungarischen Bundes­treue. Noch vor zwei Jahren bedauerte der Thronerbe in einem Briefe an den Jugendgespielen, den Grafen Hoch­berg, daß ihm so wenig Gelegenheit gegeben set, Einblick in das politische Leben und Treiben zu tun. Auch das mag wohl nun anders werden, nachdem der Kronprinz seine Sendung nach der Siebenhügelstadt mit bestem diplomati­schem Erfolge ausgeführt hat.

Der persönliche Gewinn des Kronprinzen aus feinen Gefahrungen im Orient und im Occident ist natür­lich auch ein Gewinn des Reiches, als dessen einstiger Herr­scher er aller menschlichen Voraussicht nach ausersehen ist, Der Besuch der ältesten Kulturstätten des Menschenge­schlechts, mit denen heute, und sogar in erhöhtem Maße, die europäische Politik verknüpft ist, wird zweifellos dazu beitragen, seinen politischen Blick zu erweitern. Die schwere Aufgabe eines modernen Monarchen in der Aera der gro= ßen Weltpolitik wird dem Fürsten einst durch die Samm­lung nußbringender Kenntnisse von Land und Leuten we­sentlich erleichtert werden, und deshalb dürfte gelegentlich eine Fortsetzung der Weltreisen erfolgen. Der günstige Stern, der über der Fahrt des Kronprinzen geschwebt hat, möge ihm auch ferner leuchten. Je mehr sich sein Geist und sein Wissen vertiefen, um so berufener wird er sein, im Zeitalter des Verkehrs ein großes und weit hinaus strebendes Volk zu herrlichen Zielen zu führen.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Die Abreise des Kronprinzenpaares aus Wien erfolgte am Montag abend 9 Uhr vom Nordbahnhofe. Der Kai­ser hatte sich von seinen Gästen nach Beendigung der Hof­tafel in Schönbrunn in herzlicher Weise verabschiedet und fie bis zum Wagen geleitet. Kurz vor 9 Uhr erschien das Kronprinzenpaar, geleitet vom Erzherzog Franz Ferdi­nand, mit dem Ehrendienst im Fürstenzimmer des Bahn­hofs. Hier verabschiedete sich das Kronprinzenpaar in herzlichster Weise von den Damen und Herren der Bot­schaft und nahm sodann die Abmeldung der Herren des Ehrendienstes entgegen, denen der Kronprinz unter Wor­ten des herzlichsten Dantes sein Porträt mit Unterschrift überreichte. Alsdann führte der Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand die Kronprinzessin auf den Perron zum Zuge, nahm hier von ihr herzlich Abschied und verabschie= dete sich hierauf in herzlichster Weise vom Kronprinzen. Ehe der Zug die Halle verließ, erschienen der Kronprinz und die Kronprinzessin nahe dem herabgelassenen Waggon­fenster und wechselten noch einige Worte mit dem Erzher­zog Franz Ferdinand, worauf der Zug punkt 9 Uhr die Halle verließ. Kaiser Franz Josef hat dem Kronprinzen die Plakette zum Geschenk gemacht, die er anläßlich seines 80. Geburtstages den Mitgliedern des kaiserlichen Hauses und auch dem Deutschen Kaiser überreicht hat.

Bei der gestrigen Reichstagserfahwahl im 4. Berliner Reichstagswahlkreise wurden im ganzen 73390 Stimmen abgegeben. Davon haben erhaiten Kassenbeamter Otto Büchner( Sozialdemokrat) 69872 Stimmen, der Zählkandi­dat des Zentrums Graf Oppersdorf 1827 Stimmen. Stimmen wurden abgegeben für Konservative, 718 für Polen und 13 für die Fortschrittliche Volkspartei. 189

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Des Rätsels Lösung.

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Roman von Ludwig Blüm ck e. ( Nachdruck verboten.) ,, von Reyther!" kam Edelgard ihrem Gedächtnis zur Hilfe. Na, schöner, das will ich gerade nicht behaup­ten. Aber es sind ein paar Kavaliere, wie wir deren lange nicht gesehen. Gefallen sie denn Dir nicht, Schwe sterlein?"

Wieder gähnte die Gräfin. Was heißt mir gefal­len? Ich bin zum alten Eisen geworfen worden und soll hier ausruhen. Also lasse mich verschont und verliebe Dich meinetwegen in beide!"

Edelgard setzte sich an den Flügel und spielte nach dem Gedächtnis, was ihr gerade an ,, Modernstem" in den Sinn fam.

Die Gräfin aber griff nach einem anderen Gedicht­band, schaute hinaus durch das große Fenster, das eine Herrliche Aussicht gewährte, und seufzte. Sie meinte Schö neres gesehen zu haben und stand ganz unter dem er­drückenden Gefühl Patientin zu sein, sein zu müssen, da= mit die Tage der Rosen, der Jugend, nicht gar zu schnell vorüber rauschten. Ach, sie zählte ja zu den Armen, die Jugend und Jugendglück um eitlen Flitter verkauft und nun den kleinen Rest, denen man ihnen von der Kaufsumme erlassen, so gut wie nur irgend möglich ver­werten wollen.

Ihr Gemahl, der sie einmal vergöttert, der ihr alles erfüllt, was sie von ihm an dem, was Reichtum zu bieten vermag, verlangt, hatte sich, nachdem er ihren wahren Charakter mehr und mehr erkannt, von ihr abgewandt und war ein berüchtigter Lebemann geworden. Die Kluft, die zwischen ihm und seiner Gattin Klaffte, kannten aller­dings nur wenige. Vor den Augen der Welt bestand nach wie vor das beste Einvernehmen unter ihnen.

Auch Hardis Vater, der gelegentlich eines Besuches bei seinem zweiten Sohn die Familie kennen gelernt, war

Stimmen waren zersplittert, 694 ungültig. Büchner ist so­mit gewählt.

Fürst Bülow und die Reichsfinanzreform. Von ver­schiedenen Seiten ist berichtet worden, Fürst Bülow hätte ursprünglich die Absicht gehabt, dem Blockreichstage als erste Aufgabe die fertig ausgearbeitete Reichsfinanzreform zu übergeben, sich aber durch den Rat nationalliberaler Führer überreden lassen, die Einbringung der Finanzre­form zu verschieben. Rechtsstehende Politiker hätten den Fürsten von Bülow angeblich vor den Folgen dieser Ent­schließung gewarnt. Die N. Gesellsch. Korr." hat dem Fürsten von Bülow von dieser Darstellung Kenntnis ge­geben und ihn gefragt, ob er zu ihr Stellung zu nehmen gedenke. Fürst Bülow hat darauf folgendes geantwortet: ,, Rom, 9. 4. 11. Verbindlichen Dank. Ich möchte auch jezt nicht aus der Zurückhaltung heraustreten, die ich mir seit meinem Rücktritt auferlegt habe."

Ein Sozialdemokrat als Budgetbewilliger. Der ko­burgische Speziallandtag verabschiedete am Freitag den Etat der Staatskasse, für den auch der sozialdemokratische Abgeordnete Mämpel in allen seinen Kapiteln stimmte. Der Etat schließt in Einnahme mit 1 270 000 Mark und in Ausgabe mit 1 290 750 Mart ab. Das Haus setzte hierauf auf zwei Stunden die Sizung aus und nahm dann das Abgabengesetz( Grundsteuererhöhung) an. Dabei erklärte der sozialdemokratische Abgeordnete( der Koburger Land­tag hat nur einen aufzuweisen), daß er gegen das Ab­gabengesetz und damit auch gegen den ganzen Etat stimme. Der Präsident bemerkte hierauf, daß er, Mämpel, den Etat in seinem ganzen Umfange angenommen habe, und daß diese Erklärung deshalb zu spät komme.

Revolutionäre Kundgebung in Spanien. Nach in Pa-. ris aus Madrid eingegangenen Meldungen hat in Cannil­las de Accituno( Provinz Malaga) ein Teil der Einwoh­nerschaft die Republik ausgerufen und einen Angriff auf die Gendarmeriefaserne gemacht. Fünf Personen wurden verwundet. Verstärkungen der Gendarmerie wurden an Ort und Stelle gesandt, um die Ordnung wieder herzu­stellen.

Die Lage in Marokko. Aus Madrid wird gemeldet, daß sich Frankreich und Spanien tatsächlich dahin geeinigt haben, gemeinsam in Marokko vorzugehen, wenn der Ber­beraufstand zu einem Sturz des Sultans oder zu einer ern­sten Bedrohung des Lebens der Europäer in Fez führen sollte. In Zusammenhang mit der Zuspikung der Dinge in Marokko bringt man auch die lange Unterredung, die der deutsche Botschafter am spanischen Hofe, Prinz von Ratibor am Sonntag mit dem spanischen Ministerpräsiden­ten Canalejas hatte.

Eine neue revolutionäre Bewegung in China. Nach Meldungen aus Hongkong ist in Kanton eine ernstliche revolutionäre Bewegung im Gange. Der Tartarengeneral, der die Truppen befehligte, ist ermordet worden. Es wur­den Truppen nach der Stadt, über die der Belagerungs­zustand verhängt ist, entsandt. Der Mörder des Generals wurde ergriffen.

Kleine Nachrichten.

Der Kaiser als Architekt. Der Kaiser hat die Pläne für einen Pavillon in der Art eines römischen Tempels ent­worfen, der zur imfassung der neuerbauten Kaiserin- Au­gusta- Vittoria- Quelle in Homburg v. d. H. dienen soll. Die Quelle sprudelt über einen römischen Altar, der ebenfalls vom Kaiser selbst gezeichnet wurde.

Das Ergebnis des württembergischen Blumensonntags beläuft sich, soweit bisher festgestellt werden konnte, auf rund 450 000 M. In Stuttgart allein wurden über 100 000 Marf eingenommen, wovon 81 000 Mauf den Blumen- und Ansichtskartenverkauf entfallen.

Aenderungen in der englischen Hofetikette. Nach einer Meldung des Londoner Daily Telegraph ist die unter der Regierung der Königin Viktoria innegehaltene Regel, feine aeschiedene Personen bei Hofe zu empfangen, wieder einge­führt worden. Unter König Eduard war diese Bestimmung nicht in Kraft.

Einen militärischen Erkundungsflug führte am Montag der Aviatiker Grade in Magdeburg aus, indem er sein et­genes Pionierbataillon, bei dem er zurzeit eine achtwöchige Reserveübung ableistet, bei einem Elbbrückenbau mit seinem Flugzeug überraschte. Ein zweiter Flug war ein Ueber= landflug im Osten von Magdeburg, wobei er mit seinem kleinen Eindecker eine Höhe von 1400 Meter erreichte.

Die vermißten Tertianer aus Sprottan sind wiederge= funden. Sie weren, wie berichtet, flüchtig geworden, weil sie nicht versetzt worden sind. Jetzt haben sie sich in Fiume der Behörde gestellt. Den Jungen war das Geld ausge­gangen, und so mußten sie, wohl oder übel, ihren Reise­plan, der nach Nordafrika führen sollte, vorzeitig aufgeben. Eine folgenschwere Explosion hat sich am Montag in der Pulvermühle zu Reichenstein in Schlesien ereignet. Die ge­samte innere Einrichtung wurde vollständig zerstört. Nur

nichts anderes bekannt, als daß das Ehepaar trotz des Altersunterschiedes in bester Harmonie lebte. Er wußte auch, daß der Graf bei Hofe eine Rolle gespielt und seine Gattin von sehr vornehmer Herkunft war. Freilich, daß sie dennoch den alternden Mann nur seines enormen Ver­mögens wegen genommen, war ihm niemals zu Ohren gekommen.

Bei dem nächsten großen Souper, zu dem Hardi na­türlich auch geladen worden, war die bereits von der gan­zen Thalbrückener vornehmen Herrenwelt, vergötterte Kom­tesse Edelgard seine Tischdame, ein Vorzug, der ihn mit nicht geringem Stolze erfüllte. Fürwahr, eine Fürstin konnte nicht imposanter auftreten als diese Schönheit! Welch ein Wert repräsentierte ihre Robe! Von den bunt­farbigen Juwelen, die sie überreich zierten, strahlte ein Glanz aus, der die Damen der Thalbrückener Gesellschaft geradezu blendete. Auch Hardi mußte sich eingestehen, selbst bei Hofe kaum größeren Lurus gesehen zu haben. In der Tat, die in Wien lebende Mutter der Komtesse mußte Millionen besitzen. Um so weniger war es ihm verständlich, daß die ältere Schwester sich entschließen fonnte, einen Mann wie den Grafen Rossau zu heiraten.

In Wirklichkeit war nun an der schönen Edelgard lange nicht alles Gold, was glänzte, und die funkelnden Juwelen waren zum großen Teil noch gar nicht bezahlt. Aber das wußten außer ihr selber nur noch die leid­tragenden Juweliere.

An diesem Abend taute Hardi einmal wieder ordent­lich auf, und es schten, als hätte er den Liebesgram, der an seinem Herzen nagte, verwunden. Er war der inter­essante Gesellschafter, als welchen man ihn in der Residenz in allen Kreisen seines Verkehrs so sehr geschätzt. Selbst der geistreiche Assessor von Reyther, welcher der Komtesse an der Tafel gegenüber saß, vermochte mit seinen Wizen und Schwänken nicht gegen ihn anzukommen. Dieser erntete denn auch bedeutend weniger verliebte Blicke als

die starke Umfassungsmauer ist stehen geblieben. Zwei Ara better wurden getötet, ein dritter erlitt schwere Verlegungen.

Wegen großer Unterschlagungen ist der frühere Krets­ausschußsekretär Friedrich in Bitterfeld in Untersuchungs­haft senommen worden. Die veruntreute Summe beträgt etwa 40 000 M.

Das Opfer eines Erpressers. Vor einigen Tagen ver­übte der Direktor der Volksbank in Frankenthal( Rhein­pfalz) Heinz, Selbstmord. Die Revision der ihm unterstell­ten Kasse ergab, daß alles in Ordnung ist. Jetzt wird be= kannt, daß Direktor Heinz das Opfer einer langjährigen Erpressung durch den Bankkassterer Weilland geworden ist. Hinter dem Flüchtling ist ein Steckbrief erlassen worden.

Ein folgenschweres Wagenunglück hat sich in Helm­brechts in Oberfranken ereignet. Das Fuhrwerk eines Müllers, in dem fünf Personen saßen, stürzte an einer ab­schüssigen Straßenstelle um. Alle Insassen und die Pferde erlitten schwere Verlegungen. Ein des Weges kommender Webschüler aus Münchberg fand die Leute bewußtlos auf der Straße Itegen und holte Hilfe.

Im Backofen verbrannt. Der epileptisch veranlagte Ar­better Drawz in Obliwiß in Pommern wurde beim Heizen eines entfernt gelegenen Backofens von Krämpfen befallen. Er konnte wahrscheinlich sich nicht mehr allein aus dem Ofen retten, denn als nach längerer Zeit seine Frau mit dem zu backenden Brot erschien, lagen die verkohlten Ueberreste ih= res Mannes auf den noch klimmenden Kohlen im Ofen.

Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich am Montag nachmittag im Mainzer Hauptbahnhof. Ein in einer Dienst­wohnung im zweiten Stock mit Fensterputzen beschäftigtes Mädchen, das erst morgens seine Stelle angetreten hatte, verlor das Gleichgewicht, stürzte durch das Glasdach des Hauptbahnhofs und fiel auf den Bahnsteig mitten unter die erschreckten Reisenden. Die Unglückliche war sofort tot; sie hatte das Genick abgestürzt und dazu bei dem Durchschlagen des Glasdaches schreckliche Schnittwunden erlitten.

Ein mächtiges Feuer brach Montag nachmittag im ober­sten Dachgeschoß des Hotel Bayerischer Hof" am Prome­nadenplatz in München aus, das mit großer Schnelligkeit um sich griff und bald den größen Teil des Dachstuhls zer­stört hatte. Dem energischen Eingreifen der Feuerwehr ge= lang es jedoch, den Brand zu löschen.

60 goldene Hochzeiten. In Reims feterten am Sonn­tag gleichzeitig sechzig Paare ihre goldene Hochzeit. Der Kardinal- Erzbischof von Reims segnete die Paare in der Kathedrale ein, worauf sie von dem Bürgermeister der Stadt im Rathause Medaillen erhielten. Unter den golde­nen Hochzeiten befindet sich ein Paar, das zusammen 170 Jahre alt ist.

Deutsche Kolonisten im Kaukasus ermordet? Londoner Blätter melden aus Odessa, daß neun deutsche Kolontsten in Alutska im nördlichen Kaukasus von iussischen Kosaken überfallen und ermordet worden seien. Einzelheiten feh= Ien noch.

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

Ein neues Typhussernm. Von medizinischer Seite er­hält die Straßb. Post" eine Zuschrift, wonach es neuer­dings gelungen sei, ein Serum gegen den Unterleibs­typhus herzustellen, was man bisher trob zahlreicher Ex­perimente vergeblich versucht hatte. Professor N. Kraus in Wien hat aus Pferdeblut ein neues Heilserum gegen Typhus bereitet, mit dem bei ziemlich schweren Epidemien verhältnismäßig günstige Ergebnisse erzielt worden sind. Die damit behandelten Patienten machten ihre Krankheit leichter und ohne die beim Typhus häufigen Komplika= tionen durch als diejenigen Kranken, die nicht spezifisch behandelt wurden. Besonders häufig wurde in all den Fällen ein Erfolg sichtbar, in denen frühzeitig, furz nach Ausbruch des Typhus, die Serumeinspritzung vorgenommen wurde und noch nicht die Organe vom Typhusgift in Mit­leidenschaft gezegen waren.

Aus dem Reiche der Technit.

Der Hamburger Elbtunnel, welcher die beiden Ufer der Elbe miteinander verbindet, steht jetzt unmittelbar vor der Vollendung. Schon im Laufe des vorigen Jahres wa­ren die beiden Tunnelrohre fertiggestellt, welche gleichzei­tig vom Nord- und vom Südufer in Angriff genommen worden sind. Die Rohre sind je 400 Meter lang und 6 Meter hoch. Sie sind bis auf die Asphaltierung der Fahr= bahnen und die Ausführung einiger Dekorations- und Be­leuchtungsarbeiten fertiggestellt. Ebenfalls sind jetzt die aus Basaltlava aufgeführten imposanten Einfahrtshallen fast vollendet. Die Aufzüge, welche sowohl die Passanten als auch Fahrzeuge aller Art und Pferde in den Tunnel hinab und auf der anderen Seite wieder hinauf befördern sollen, sind jetzt soweit fertiggestellt, daß am Anfang des nächsten Monats mit ihrer Ausprobierung begonnen werden kann. Für die Fußgänger befinden sich an den Eingängen neben den Aufzügen noch Treppen, während Fuhrwerke und Pfer­de nur durch die Aufzüge in den Tunnel gelangen können. Man hegt schon jetzt Zweifel, ob es nicht richtiger gewesen wäre, auch für die letzteren eine direkte Einfahrt in den Tunnel herzustellen, da der Verkehr durch die Notwendig= keit der Benutzung der Aufzüge zum mindestens erheblich verzögert werden dürfte. Die Eröffnung des Tunnels wird

sein Rivale, was ihn mit glühender Eifersucht erfüllte. War es für ihn ja doch schon abgemachte Sache, diesen herrlichen Goldfisch zu angeln.

Acht Tage nach dem Diner im Jagdschloß, zu dem Seine Exzellenz v. Eschenholdt auch geladen war, aber nicht hatte eri inen können, fand im Schloß Wedelstein der gräflichen Familie zu Ehren eine Feier statt, wie die ältesten Bedienten sie hier noch nicht erlebt. Der General wollte den Leuten aus der großen, glänzenden Welt ein­mal beweisen, daß auch er Prunk und Pracht entfalten fönnte. Seinem Sohn zuliebe tat er das, nachdem er ihn am Tage nach dem Diner gesprochen, war er mit der fröh­lichen Zuversicht in sein graues Schloß zurückgekehrt, daß nun auch sein Jüngster noch zu Ehren kommen und sein Herzeleid bald vergessen würde.

Während der Wintermonate verging fast keine Woche, in welcher Hardi nicht wenigstens einmal Gelegenheit ge= habt hätte, mit den Rossauschen Damen zusammenzutreffen. Da ja in der kleinen Garnison" ein ganzes Aristokraten­viertel", das recht gut bevölkert war, existierte, so wech­selten sich Bälle, Wohltätigkeitsbasare, Schlittenpartien und allerlei andere Veranstaltungen, welche die fröhliche Geselligkeit fördern sollten, in bunter Reihenfolge ab.

In der Tat ist in diesem verrufenen Winkel mehr los, als in der Residenz", mußte Hardi seinem Vater zu­gestehen. Ich fühle mich recht wohl hier."

Er trug sich ernstlich mit dem Gedanken, bald zu hei­raten. Die Komtesse würde ihm keinen Korb geben, durfte er hoffen. Und an der Seite dieses Weibes würde sich ihm ein ganz neues Leben, ein Fürstendasein, erschließen. War sein Vater auch ein sehr wohlhabender Edelmann, stand ihm auch ein ansehnliches Erbteil dermaleinst in Aussicht, etwas Großes schien ihm das doch nicht, seit ihn Edelgards Diamanten geblendet. Er war nun einmal ein Schwärmer, trotzdem ihm jeder seiner Vorgesezten das Zeugnis eines tüchtigen Offiziers ausstellen mußte,(&. f.)

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