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Berthold Timendorfer
G- helmer Juffzrat
No im Fesirf bes Hammergun
No. 1230 Not- Reg. Jabr 1910.
Berlin, ben 6. September 1910.
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Gießener Zeitung
Bezugspreis 50 Pfg. monatlich
( Neueste Nachrichten)
Erscheint
oierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mt. jeden Werktag früh.- Die„ Illuftr. Weltrundschau" liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.
Nr. 87.
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Telephon: Nr. 362.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 12. April 1911. -) Gießen. Der bisherige Kommandeur der 25. ( Großh. Hess.) Division Generalleutnant v. Strank ist zum kommandierenden General des 5. Armeekorps befördert worden.
)( Gießen. Im Mai wird Graf Zeppelin bei einer Fahrt mit eines seiner Luftschiffe nach Gotha die Richtung auch über Gießen nehmen und hoffent= lich auf wenige Stunden auch hier landen.
*) Gießen. Landgerichtsrat Weiffenbach in Darmstadt wurde zum richterlichen Mitgliede der Landeskommission für Feldbereinigungssachen ernannt. *) Gießen. Die Gemeinde steuerzet. tel werden jetzt ausgetragen und damit kommt für manchen wieder die Frage, wo das Geld hernehmen bei den teuren Zeiten?
Enthält alle amfl. Bekanntmachungen
der Großherzoglichen Bürgermeisterei
sowie vieler anderer
des Großherzoglichen Polizei Amfes Behörden Oberhessens
Expedition: Seltersweg 83. ( Haus Brüder Schmidt.)
Mittwoch den 12. April 1911
Schotten, 10. April. Heute starb im Alter von nahezu 86 Jahren der älteste Einwohner Konrad Nies. Er war noch sehr rüstig und hätte am 28. September die diamantene Hochzeit gefeiert.
* Lindheim. Die oberhessische Haushaltungsschule erfreut sich seit Jahren eines sehr starken Zuspruchs, so daß die vorhandenen Räumlichkeiten nicht mehr ge= nügen. Die Landwirtschaftskammer hat den Erweiterungsbau genehmigt, und schon vor Pfingsten soll da= mit begonnen werden.
*) Grünberg. Rendant Friedrich Bitsch in Schlitz ist als Bezirkskassierer nach hier versetzt.
Lich, 10. April. Zu einem Konflikt zwischen den Bürgern und der Gemeindeverwaltung kam es anläßlich der Verpachtung der Gemeindejagd. Diese war freihändig für 3600 Mt. vergeben worden. Hiergegen wandten sich die Bürger in einer Eingabe an das Ministerium. Jetzt ist angeordnet worden, daß die Jagd öffentlich meistbietend zu versteigern sei.
*) Alsfeld. Der an unserem Kreisamt schon längere Zeit tätige Kreisamtsassessor ist zum Kreisamt
mann ernannt worden.
Homburg v. d. H. Zu der Einweihung des Zeppelin- Gedenksteins in Homburg v. d. H., der zur Erinnerung an die vorjährige Luftschiffparade errichtet wird, hat Graf Zeppelin, dessen Neffe seit 1. April Kurdirektor in Homburg ist, sein Erscheinen zugesagt.
() Gießen. Jm Schuljahre 1910-1911 hatte das Landgraf Ludwigs- Gymnasium 366 Schüler, davon 115 in der Vorschule. Das Realgymnasium besuchten 437 Schüler und die OberFulda, 11. April. Zum Bau und Betrieb realschule 593. An vorgenannten 3 Schulen sind der Ueberlandzentrale Fulda und Umgegend hat sich eine insgesamt 102 Schüler nicht aus dem Großherzogtum vorbereitende Gesellschaft gebildet, die über ein Kapital von 1 Million Mark verfügt. In der Form einer TkHessen. Gießen. Die hessische Kohlenproduktiengesellschaft, deren Sitz Fulda ist, will dann die Untion weist für Monat März folgende Zahlen auf: An ternehmerin an den Bau und Betrieb der ElektrizitätsRohbraunkohle wurden gefördert 45 138 Tonnen, verzentrale herangehen. tauft 156 Tonnen. Der größte Teil wurde weiter verarbeitet. 3955 Tonnen Braunkohlenbriketts und 929 Tonnen Naßpreßsteine wurden erzeugt. Auf Lager befinden sich 3463 Tonnen Braunkohlen und Braunkohlenprodukte im Gesamtwert von 36 300 Mark. Gießen. Der Taunusklub hat zur Förderung seiner Wanderbestrebungen auch unter der Jugend folgende Lehrlingsherbergen eingerichtet: In Cransberg im Gasthof„ Zur Burg Cransberg" ( Jos. Walter); in Grävenwiesbach im Gasthaus„ zum Löwen"( Karl Born); in Langhecke im Gasthaus„ 3um Englischen Hof"( Josef Hingott); in Oberems im Gast-hof„ 3um Taunus"( Karl Usinger); in Oberjosbach im Gasthof Zum Lindentopf"( Johann Jungels); in Rod a. d. Weil im Gasthof„ Zur Post"( Heinrich Haibach). In der Zeit vom 1. Mai bis 30. September erhalten Lehrlinge, deren Väter oder Lehrherren Mitglieder des Taunusklubs sind, hier freies Nachtquartier und Frühstück.
*) Gießen. Die Vorturner des Gau Hessen hatten am letzten Sonntag in der Turnhalle des Turnvereins Gießen ihre Gauvorturnerstunde. Der Leiter war Gauturnwart Will. Für die Bezirkswetturnen sind Freihoch, Gewichtheben, Hindernislaufen und Weitsprung bestimmt worden.
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Wetzlar. Hier beabsichtigt man die Errichtung eines Goethe Denkmals. = r- Wetzlar, 12. April. Der Generaldirektor der Buderus werke, Herr Kaiser, hat aus Anlaß der Feier seiner silbernen Hochzeit, für die Arbeiterschaft des Hüttenwerkes ein Kapital von 40 000 Mt. gestiftet. Den Bestimmungen gemäß sollen die Zinsen alljährlich dazu verwendet werden, den Kindern der Arbeiter vom Hüttenwerk den Besuch einer höheren Schule zu ermöglichen. Die Arbeiter dankten ihrem verehrten General- direktor dadurch, daß sie Herrn Kaiser gestern abend inen Fackelzug brachten. Der imposante 3ug nahm , einen Weg unter Vorantritt einer Musikkapelle durch die Bahnhofstraße, Langegasse, über die hintere Lahnbrücke nach der Wohnung des Jubelpaares. Man konnte hier beobachten, daß Herr Kaiser, der seit 1892 mit unermüdlicher Kraft das Amt eines Generaldirektors Buderus werke verwaltet, während dieser Zeit auch stets die Liebe und Verehrung der Arbeiterschaft sich be= wahrte. Am deutlichsten kam dies zum Ausdruck bei der Ueberreichung der Blumenspende. Nach der Ovation vor der Wohnung bewegte sich der Zug nach dem Schützengarten, wo ein Festessen stattfand. Es ist wahrlich fein Leichtes 4500 Arbeitern gerecht zu werden. Die gestrige Feier legte aber Zeugnis dafür ab, daß dem verehrten Herrn Generaldirektor dennoch gelungen ist, sich die Sympathie der Arbeiterschaft zu erringen.
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(*) Krofdorf, 11. April. Am vergangenen Sonntag wurden hier 65 Konfirmanden eingesegnet, da= von von hier 34, von Gleiberg 13 und von Kinzenbach
18.
*) Gleiberg. Hier wütet zur Zeit unter den Kindern die Scharlachkrankheit. Leider ist auch eine erst 23jährige Frau dieser heimtückischen Krankheit zum Opfer gefallen.
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Wiesbaden. Kriegsminister von Heeringen ist zu längerem Kurgebrauch hier eingetroffen.
Wiesbaden. Der Landesausschuß hat in seiner hier abgehaltenen Sitzung am 8. April einen von der Landwirtschaftskammer für den Regierungsbe= zirk Wiesbaden geforderten Zuschuß zur Verbesserung der Weiden auf dem Westerwald abgelehnt, ebenso die Mitwirkung Sachverständiger bei der Durchführung der Weidenmeliorationen.
* Kassel. Hier wurde der Tuchfabrikant Günther Katz wegen fahrlässiger Tötung zu 1 Monat Gefängnis verurteilt. Er hatte im Februar d. Js. die Ehefrau des Schlossers Hauck mit seinem Automobil überfahren und dadurch ihren Tod herbeigeführt.
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Guntersblum. In unserem Ort waren die Schwalben zu früh zurückgekehrt. Die große Kälte der letzten Tage und der dadurch hervorgetretene Nahrungsmittelmangel hat viele getötet.
Neustadt. Die Oberpostdirektion ist mit einem Gesuche an die hiesige Stadtvertretung herangetreten, dieselbe möge eine Geldunterstützung für die Fortsetzung der Fahrten der Post Alsfeld- Neustadt bewilligen, widrigenfalls die Einstellung erfolgen müsse.
Staden i. H. In unserem kleinen Staden ist vor ein paar Tagen ein interessantes Stückchen passiert. Eine alte Frau, die sich allzu großer Sparsamkeit rühmen wollte, wollte sich 30 Mark sparen. Sie wußte aber kein anderes Sparbüchslein, wie ein Mauseloch, sie nähte das Geld in ein Säckchen und versteckte es in das Loch, das in ihrem Zimmer sich befand. Als die sparsame Frau vor einigen Tagen mal nach ihrem verborgenen Schatz sehen wollte, gewahrte sie zu ihrem Schrecken, daß die Mäuslein das Säckchen zerfressen hatten und 20 Mark in die Tiefe gerollt waren und sie nur noch 10 Mark retten konnte. Die Frau wird sicher nichts mehr im Mauseloch aufheben.
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Frankfurt, 11. April. Volksbildung und Kinematograph. Der Rhein- Mainische Verband für Volksbildung versammelte am letzten Samstag Mitglieder und Freunde, sowie Vertreter von Schul-, Kreis- und Gemeindebehörden aus Hessen, Nassau und den angrenzenden Gebieten, um die Frage zu besprechen, ob und wie der Kinematograph als Volksbildungsmittel nutzbar zu machen sei. Die Versammlung war sich darüber einig, daß der Kinematograph sowohl in den Dienst der Volksbelehrung wie der edlen Volksunterhaltung gestellt werden könne, und daß er mentlich ein wichtiges Mittel zur Darbietung edler Lebensfreude für das flache Land sei. Auch für die Jugenderziehung könne der Kinematograph, wenn seine Vorführungen pädagogisch richtig geleitet würden, von Bedeutung sein. Die Versammlung empfahl deswegen dem Verbandsvorstand, kinematographische Vorführungen mit erziehlicher Tendenz in die Wege zu leiten. Besonders wichtig erscheint diese Aufgabe deswegen, weil
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23. Jahrg.
sonst zu erwarten sei, daß sich auf dem Land ein dem Theaterschmierenwesen und den minderwertigen musikalischen Darbietungen ähnliche nichtsnutzige finematographische Vorführungen entwickeln würde. Diesem vorzubeugen sei eine notwendige Aufgabe. Der Verband wird Veranstaltung von finematographischen Veranstaltungen deswegen schon in nächster Zeit mit der versuchsweisen beginnen und wäre dankbar, wenn ihm Interessenten des neuen Arbeitsgebietes recht bald Vorschläge für die Ausgestaltung der volksbildnerischen Kinematographie, sowie ihn darüber benachrichtigen wollten, ob sie der Veranstaltung finematographischer Vorstellungen näher treten möchten.
*) Frankfurt, 10. April. Gestern fand in der " Harmonie", Sachsenhausen, eine außerordentliche Hauptversammlung der Vereinigten Landwirte von Frank furt a. M. und Umgegend statt. Es wurde folgende Resolution angenommen:„ Die Versammlung begrüßt es mit Genugtuung, daß der Kampf um den erhöhten Milchpreis mit Erfolg durchgeführt ist, und fordert alle Landwirte auf, unter allen Umständen an dem bewilligten Mehrpreis festzuhalten. Die noch ausstehenden Ortsgruppen der vereinigten Landwirte werden aufgefordert, die Forderung nachzuholen und bedingungslos daran festzuhalten. Die Versammlung spricht die tiefste Mißbilligung gegen das Vorgehen der Stadtverwaltungen in Frankfurt a. M. und in Offenbach aus.
Darmstadt. Der seit Anfang des Jahres mit der Führung der Geschäfte der hessischen Gesandtschaft und des Bundesratsvertreters in Berlin beauftragte Geh. Staatsrat Krug von Nidda weilt seit einigen Tagen wieder in Darmstadt und dürfte auch nicht mehr auf seinen Posten nach Berlin zurückkehren. Gutem Vernehmen nach wird Geheimrat Frhr. v. Biegeleben demnächst zum hessischen Gesandten in Berlin ernannt werden.
Darmstadt, 11. April. Der Oberbürgermeister von Darmstadt, Dr. Wilhelm Glässing, hat sein Mandat als Landtagsabgeordneter niederge= legt, sodaß demnächst auch in Darmstadt eine Ersatzwahl stattzufinden hat. Als Ursache gibt Dr. Glässing an, daß ihm sein arbeitsreiches Amt als Oberbürger meister der Residenzstadt eine weitere Ausübung der parlamentarischen Tätigkeit nicht gestatte. Die Darmstädter Ersazwahl dürfte die letzte sein, die unter dem bisherigen indirekten Wahlrecht in Hessen vollzogen wird.
* Darmstadt. Bei der Landtagswahl in Lampertheim wurde der Kandidat des Zentrums, Rechtsanwalt Dr. Boxheimer- Worms mit 32 Stimmen ge= wählt. Nur 3 Stimmen entfielen auf den nationalliberalen Kandidaten Friedrich Groß- Rohrheim, 3 Stim men waren ungültig.
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Darmstadt. Herr Wilhelm Lehrbach stiftete aus Anlaß seines 25jährigen Geschäftsjubiläums und seiner silbernen Hochzeit 1200 Blumenkörbchen für den Darmstädter Blumentag.
Worms. Hier sind eine ganze Anzahl Einwohner einem Inseratenschwindler zum Opfer gefallen. Ein Herr Knöfler aus Leipzig inserierte, daß ein Mädchen diskreter Geburt gegen einen einmaligen Erziehungsbeitrag von 4000 Mt. zu vergeben sei. Allen sich Meldenden ging ein gleichlautendes Schreiben zu, in dem es hieß, sie möchten zunächst 6,50 Mt. für Porto 2c. einsenden. Darauf aber kam es dem Schwindler an, denn nachher ließ er nichts mehr von sich hören.
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Bingen. Nach dem Voranschlag stellt sich die Schuld der Stadt Bingen auf 8 026 725,13 Mt., das Vermögen beläuft sich auf 11 400 972,70 Mark.
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Siegen. Bei eutem Zusammenstoß zwischen Streifenden und Polizei machten die Streifenden von ihren Revolvern Gebrauch. Die Villa des Hüttendirektors wurde durch ein Steinbombardement schwer beschädigt.
Weltrokord fuhr der Breslauer R. Scheuermann am Sonntag, den 2. April, in Frankfurt a. M., indem er auf seinem schnellen Brennaborrade 50 Kilometer in 34 Minuten 50,3 Sekunden zurücklegte und den Großen Frühlingspreis gewann. Den ersten Plaz im dortigen Hauptfahren belegte B. Wegener. In Straßburg i. E. ging Jean Böschlin aus dem 30 Kilometer- Rennen um den großen Eröffnungspreis als Sieger hervor und A. Rizenthaler wurde sowohl im Prämienfahren wie im Rennen um den Elisen- Fliegerpreis Erster. Die drei letztgenannten fahren die Marke Brennabor, welche auch der Europameister Theile benutzt, der am Sonntag, den 9. April, auf der Dresdener Rennbahn alle drei Läufe des 70 Kilometer- Rennens um den Frühlingspreis gewann.


