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Beit meldeten sich aber die Angehörigen des Thomas und gaben an, daß er nicht nach Hause gekommen sei. Da man befürchtete, daß ihm ein Unglüd zugestoßen sei, fuhren einige Beamte sofort wieder in die Grube ein, fanden auch Rock, Mütze und Kaffeeflasche, nicht aber den Mann. An den beiden folgenden Tagen wurde aufs neue nach ihm ge­sucht. Man gab ihn schon verloren, als er sich am zweiten Tage abends durch Klopfen an einer Eisenstange bemert­bar machte. Er gab an, daß er sich hingelegt habe, um Seinen Rausch auszuschlafen. Dann sei er im Dunkeln in der Grube umhergeirrt. Außer den Folgen eines star­fen Kazenjammers hat der Langschläfer nachteilige Folgen bes unfreiwilligen Aufenthalts in der Grube nicht verspürt.

Einen eigenartigen Tod erlitt der Bäckermeister Gün­ther in Bitterfeld. Er fuhr gestern nach seinem Revier, um dort zu frettieren. Hierbei passierte es, daß sich das Frettchen festsetzte und nicht wieder herausfam 6. be­gann nun mit Graben und stach eine große Höhlung, in die er selbst mit dem Oberkörper hinein konnte. Als er nach dem Frettchen suchte, brach plötzlich das obere Erdreich nach und begrub den Jäger, ohne daß sich dieser retten konnte. Nach drei Stunden bemerkte ein vorbeigehender Gutsinspektor die aus dem Boden hervorschauenden Beine des Günther. Der Inspektor machte sich sofort an das Ret< tungswerk, doch gelang es nicht, den Toten ins Leben zu­rüdzurufen.

Was tostet ein Gentleman"? Diese Frage wollen wir heute, so ausführlich es geht, zu beantworten suchen, schreibt der Konf.". Und zwar benutzen wir als Quellenmaterial dazu das Inserat eines Berliner Warenhauses. 1 Her­rennormalhemd 1,55 M, 1 Herrenunterbeinkleid 1,20 M, 1 Paar Socken( fein) 0,75 M, 1 Krawatte( Selbstbinder) 0,80 M, 1 Beinkleid, gestreift 6 Mart, 1 Pikee- Weste 4 M, 1 Jadett 11 Mart, macht 25,30 M; ferner ein Paar weiße Ringwood- Handschuhe 0,35 M, 1 Kragenschoner 0,25 M, 1 Kragen 0,40 M, 1 Hut, weich( schwarz) 1,90 M, dazu ein Gummimantel 15 M, macht Summa Summarum 43,40 M. Treiundvierzig Mart und 40 Pfennig kostet also ein vol­lendeter ,, Gent" in Berlin. Man kann ihn aber auch noch billiger haben, denn der Kragenschoner fann gut fortblei­ben und die Eoden brauchen auch nicht 75 Pfennig zu fosten. Wenn ich also rund 40 M ausgebe, habe ich einen Gentleman, wie ihn sich manches Mädchenherz wünschen mag.

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Vom tapferen Schneiderlein in der Landschaft Eider­stedt erzählen nordmärkische Blätter eine amüsante Ge­schichte. Ein Schneider in Koldenbüttel hatte in diesen Tagen Rechnungen ausgetragen und dabet dem ihm von seiner Kundschaft gebotenen Punsche in etwas reichlichem Maße zugesprochen. Kein Wunder, daß er auf dem Heimwege ein­mal die Balance verlor und hinstürzte. Als er sich erheben will, sieht er plötzlich einen Mann vor sich stehen. Der Ge­danke an das viele einfassierte Geld, das er bei sich trägt, läßt ihn einen Ueberfall vermuten, und mutig haut er mit der Laterne auf den vermeintlichen Straßenräuber los. Wie er sich umdreht, steht hinter ihm ein zweiter Bandit. Schnell entschlossen langt er diesem einige forsche Hiebe mit dem Schirme und sucht dann eiligst das Weite. Zu Hause ange­tommen, eilt er sofort zum Amtsvorsteher und meldet den Vorfall. Am andern Morgen wird daraufhin der Ort der Tat aufgesucht an dem einen Pfahle eines Hecktors lag die zertrümmerte Laterne, an dem anderen Pfahle der zer­brochene Schirm.

Ein neuer Wilhelm Tell. Die Neuyorker Staats- 3tg." bringt folgende Geschichte, die sich in Kalifornien zugetragen hat: In dem Orte Clifton plünderten drei Räuber einen Laden, fesselten einen darin beschäftigten Verkäufer an Hän­den und Füßen und suchten dann das Wette. An einer meh­rere Kilometer von Clifton gelegenen Stelle stellten sich vier Knaben, die sich auf der Kaninchenjago befanden, den Räu­bern mit ihren Gewehren entgegen. Drei von den Knaben wurden jedoch von den Räubern gefangen genommen und gezwungen, die Beute acht Meilen weit fortzuschleppen. Der vierte Knabe lief nach Beistand, und als darauf eine bewaff= nete Mannschaft herbeieilte, hielten die Räuber die Kna­ben als Schild vor sich, um sich gegen die Schüsse der Ver­folger zu schützen. Der Vater eines der gefangenen Kna­ben wagte auf die Gefahr hin, seinen eigenen Sohn zu er= schießen, einen Schuß auf die betreffenden Räuber und tö­tete diesen auf der Stelle, ohne seinen Sohn zu verlegen. Die beiden anderen Räuber ließen sich dann entwaffnen und gefangen nehmen.

Mit der Flugmaschine durchs Fenster. Der belgische Avi­atifer Morock, der gegenwärtig in Amerika durch seine kühnen Flüge die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt hat, hat einen neuen Reford aufgestellt, dessen er sich freilich nicht sehr rühmt, war es doch nur ein boshafter Zufall, der ihm zu seiner ungewöhnlichen Landung verhalf. Die glückliche junge Gemahlin eines Hausbesitzers saß um die Mittags= stunde sorglos mit ihrer Gesellschafterin am Fenster ihrer Villa und plauderte vielleicht von den schönen Errungen­schaften der modernen Technik. Da erschütterte plöblich ein furchtbarer Stoß das fleine Haus, und klirrend brachen die Fensterscheiben. Die beiden Frauen stürzten entsetzt zu­rück, und sahen nicht, wie sonderbar geformte steife Lein­wandflächen einen Augenblick in das Zimmer hereinragten, um dann unter wunderlichem Gepolter zu verschwinden. Der Hausherr, der in dem Parterrezimmer seiner Villa gerade die Chancen einer kleinen Spekulation berechnete, stürzte auf die Straße, just in dem Augenblick, als eine riesige Flugmaschine herabfiel und vor seinen Füßen lie­gen blieb. Es war der Aeroplan Morocks, mit dem der Bel­gier von dem Flugplatz in Guttenberg in New Jersey nach dem Columbia- 3irfus fliegen wollte. Der Sturz verlief übrigens ohne schlimme Folgen, nur an den Knien trug der Flieger einige Hautabschürfungen davon.

3000 Flugmaschinenpatente. Mit welch regem Eifer sich die Erfinder der Verbesserung der Flugmaschinen und Lenk­ballone zugewendet haben, zeigte eine interessante Patent­statistik aus dem Patentamte in Washington. Im ganzen sind dort bisher 3000 in diese Gruppe gehörige Patente an­gemeldet worden, und durchschnittlich werden in jedem Mo­nat 90 neue eingereicht. Die meisten davon beziehen sich nicht etwa auf neue Flugmaschinentypen, sondern auf Ver­besserungen. Sehr viele Erfinder wollen die Elektrizität zur Fortbewegung der Flugmaschine verwenden, ja, es gibt fogar einige darunter, die die Fortbewegung der Flugma­schine durch Elektrizität erreichen wollen, die der Atmosphäre entnommen wird. Eine beinahe ebenso große Rolle unter den angemeldeten Patenten spielen Erfindungen, die das Bleichgewicht der Flugmaschine erhalten, namentlich solche, hie das Ueberschlagen verhindern sollen. Wieder andere Patente haben den Abflug und die Landung im Auge, wo­hei das unmittelbare Erheben in die Luft und das Landen auf ganz furzer Strecke erreicht werden soll.

Auf dem Sklavenmarkt.

Wo Anhänger des Propheten zu finden sind, gibt es Auch Sklaven. Nichts erscheint dem frommen Moslem un= gerechter, ia unheiliger und sinnwidriger als das Verbot des Sklavenhandels, wie es beispielsweise die Türkei un= ter dem Druck europäischer Mächte erlassen hat. Anders noch in Marokko. Trotzdem das Geschäft in den letzten Jahr­zehnten bedeutend nachgelassen hat, werden immer noch all­fährlich einige Hundert Neger aus dem Süden gebracht, und zwar aus verschiedenen Strichen zwischen Wendekreis and Aequator.

Wir entnehmen die Beschreibung des Sklavenmarktes dem Werke Kreuz und quer durch Marokko, Kultur- und Sittenbilder aus dem Sultanat des Westens", von Otto C. Artbauer( Verlag Strecker u. Schröder, Suttgart):

Ein gitterbedeckter Gang hinter dem Basar der Wollen­weber führt zum arkadenumsäumten Hof einer geräumigen Ofalla. An den Wänden stehen oder fauern Kauflustige, stimmfräftige Ausrufer führen Neger beiden Geschlechtes umher, ihre Vorzüge preisend. Seht diese Schultern, diese Muskel! Gott, welche Kraft!" So ruft ein Händler, auf einen kohlschwarzen Sohn des palmenreichen Südens zet­gend. Beige deine Arme, o Freund!" ruft er ihn an und der Schwarze läßt grinsend seine Muskel spielen. Ein an­derer Ausrufer hat junge Mädchen. D, über diese unge­fuickten( d. h. jungfräulichen) Blumen! Mögen sie den Ha­rem eines Paschas zieren! Wo ist der, dem Allahs Güte Reichtum geschenkt!?" Diese Sorte Blumen ist nämlich ein bißchen teuer! Wieder ein anderer hat ältere Arbeitsskla= vinnen: 100 Duros, 100 Rial, wer braucht Hilfe für die Gebieterin seines Hauses? Guten Kuskussu kann sie kochen und Durra reiben und Brot backen! 100 Taler! Sie ist gar nicht so alt!" meint er treuherzig zu einem Käufer, nimm fie, wenn sie nicht folgt, schichst du sie mir wieder!" Ein vierter führt an jeder Hand einen Knaben und versucht sie möglichst günstig loszuschlagen. D, wie fleißige Wächter find dies, von starken Eltern und wohlgeformt! Wie müs= fen Gerichte munden, die von ihnen aufgetragen werden! Wenige Jahre und sie sind groß und stark wie die Pal= men des Bab Dukkala!"

In solcher Tonart werden Säumige aufgemuntert. Da findet man stämmige Sudanhünen, weißbärtige Neger, de­ren gekräuselter Mannesschmuck sonderbar das schwarze Ge­ficht umrahmt, Knaben aller Altersstufen, daneben kleine Mädchen, auch reifere Frauen mit kleinen Kindern. Dies natürlich nur für den Fall, daß sie geradewegs aus dem Süden kommen, also noch keinen mohammedanischen Ge­bieter hatten; denn, wird die Sklavin Mutter, so darf ste nicht verkauft werden, hat sie vom Gebieter einen Sohn, wird sie sogar frei. Auch viele welke Frauen von abstoßen­der Häßlichkeit mit wirren Haarsträhnen. Unter des Sü­dens fruchtbarer Sonne welft die Frau so rasch! Die mei=" sten Negerinnen kommen direkt über den Atlas oder von den Gebieten nördlich des Senegals, selten werden welche von ihren Herren zum Verkauf geschickt. Denn der marok­fanische Städtebewohner liebt Negerinnen in seinem Harem, nur pekuniäres Mißgeschick- oder Freude an Abwechsel­ung bewegt ihn zu deren Verkauf.

Der Verkauf vollzieht sich wie jedes andere Geschäft. Es ist eine absolut öffentliche Sache, und man benimmt sich auch danach. Das Publikum befühlt Arme und Beine der zu Kaufenden, prüft Muskelstärke und Kenntnis der ara= bischen Sprache( ohne welche der Sklave um vieles geringer wertet), sieht nach den Zähnen und sucht das Alter zu schätzen. Der entblößte Oberkörper wird bei Männern und Frauen gründlich betastet, und diese lassen es ruhig über sich ergehen. Sie würden es wohl merkwürdig finden, wenn man nicht so verführe, und haben nur den einen Wunsch, in ein reiches Haus zu kommen, wo viele Sklaven, also wenig Arbeit, aber gute kost und zahlreiche Gesellschaft ist. Ist der Neger satt, braucht er nicht zuviel zu arbeiten und bekommt er wenig Prügel, so ist er seelenvergnügt und küm­mert sich wenig darum, wie sein Herr heißt, ob er von Freunden oder Verwandten getrennt wird oder nicht. Ich sah junge Negerinnen ihr Kind ohne weiteres von der Brust weggeben, zufrieden, wenn sie sich dafür mit bunten Lappen behängen durften. Händler und Käufer feilschen aus Leibeskräften. Endlich wird der Kauf vor dem Kadi abge= schlossen und der Sklave ziehf mit dem neuen Herrn in dessen Heim.

Das alles spielt sich in aller Ruhe und vollkommen ge­schäftsmäßig ab. Selten sieht man ergreifende Szenen, und allemal nur, wenn solche Diener verkauft werden, die lange in einem Haus geweilt und den Herrn wechseln müssen, den kaum anders als plötzlicher Ruin zu diesem Schritt veranlassen kann. In diesem Fall gibt es allerdings auf bei= den Seiten gleichviel Tränen, die aber oft beim Neger viel schneller trocknen als beim Herrn. Wirklich traurig ist dann meist nur derjenige, der durch Aufenthalt in einem vorneh­men Haus sozusagen bereits zum Menschen erzogen wurde. Selbst der Sklavenhändler ist freundlich mit seiner schwar­zen Ware und füttert sie gut, da sie sonst nicht so gut aus­sehen würde, also weniger teuer zu verkaufen wäre. Der Orientale fennt seinen Vorteil und liebt Geld ebenso wie der Abendländer.

Weitaus die meisten Sklavenhändler sind wohlhabende Leute, besonders wenn sie die Ware direkt und nicht durch Zwischenhändler zu erwerben verstehen. Doch nicht immer heimsen sie reichen Verdienst. Krankheit und besonders auf beschwerlichem Transport zahlreiche Sterbefälle schmälern den Verdienst mitunter ganz gewaltig, auch kann es vor­kommen, daß manche entlaufen und ins Korps der Buwa­chir eintreten, in das Negerregiment, das in einer Stärke von etwa 3000 Mann bei Mekines haust. Dorthin Geflüch­teten darf nicht nachgestellt werden, denn die Buwachir sind eine Art Leibgarde des Herrschers.

Der Soldat als Adventist.

Vor dem Oberkriegsgericht des 3. Armeekorps in Berlin ist am Montag der Fall des Musketters Naumann zur Verhand­lung gekommen, über den wir schon mehrmals berichtet ha­ben. Der Musketier Naumann ist ein überzeugter Adven­tist und verweigert deshalb an den Sonnabenden, die er heilig hält, jeden Dienst. Das geht nun schon seit dem Jahre 1907 so und Naumann hat den größten Teil der Zeit fett­her mehr im Festungsgefängnis als in der Kaserne zuge­bracht, denn er wurde immer wieder wegen Gehorsamsver­weigerung vor das Kriegsgericht gestellt und verurteilt. Der Einfachheit halber wurden immer 15-20 Fälle von Gehor= samsverweigerung in einer Anklage vereinigt. Mit der Ge­fängnisstrafe war aber der Fall nicht erledigt. Denn im Ge­fängnis verweigerte Naumann am Sonnabend ebenfalls jede Arbeit, und das hatte neue Anklagen zur Folge. Alles in allem ist Naumann bisher zu fünf Jahren sechs Mona­ten Gefängnis verurteilt worden. Der Verhandlungsleiter suchte aus dem Angeklagten herauszubringen, aus welchem Grunde er so hartnäckig zu seinem Nachteil bei seinem Vor­satz verharre und sich förmlich zum Märtyrer seiner Sefte mache. Naumann erzählte, er sei als christlich vereidigter Soldat nicht verpflichtet, Gottes Gebot zu schänden und am Sabbath zu arbeiten. Durch Studieren in der Bibel habe er ersehen, daß die Christen in der Beobachtung des Sonn­tags falscher Ansicht seien. In erster Linie müsse man Gott als Obrigkeit ansehen und ihm gehorchen. Der Verhand­lungsleiter machte ihn darauf aufmerksam, daß er bei sei­nem fortgesetzten Beharren nach menschlichem Ermessen das ganze Leben hinter Gefängnismauern zubringen müsse. Ob er denn im Hinblick auf diesen Umstand bei seinem Vorsab verbleibe. Ruhig antwortete der Angeklagte Jawohl!" Auf die Frage, ob er bei Ausbruch eines Krieges an einem Sonnabend mit ins Feld ziehen werde, erwiderte N., er werde dann gehorchen, und zwar, weil ein Unglück vor der Tür stehe. Das Oberfriegsgericht bestätigte das von der er­ſten Instanz gefällte Urteil, monach Naumann zu fünf Jah­ren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden ist. Der Angeklagte hat sofort Revision eingelegt. Es bleibt nun abzuwarten, wie sich das Reichsmilitärgericht zu der Ange­legenheit verhält. Weist es die Revision zurück, so ist für den Angeklagten, wenn er auf seinem Vorsaße beharren bleibt, so gut wie gar keine Möglichkeit vorhanden, ie wieder aus dem Spandauer Festungsgefängnis herauszukommen. Nau­mann muß in diesem Falle sein ganzes Leben hindurch als Märtyrer für die Adventistenfekte hinter Gefängnismau­ern aubringen,

Drabtnachrichten und neuestes.

Unterschlagungen bei der Darmstädter Bank. Berlin, 11. Januar. In der Filiale der Darmstädter Bank in Kottbus sind gestern 25 000 Mark unterschlagen worden. Ein 21jähriger Buchhalter, der mit dieser Summe nach der Post geschickt worden war, ist von diesem Geschäfts­gang nicht zurückgekehrt. Es wird angenommen, daß er flüchtig ist.

Großes Schadenfeuer in der Reichshauptstadt. Berlin, 11. Januar. Im Norden Berlins brach gestern abend ein Kellerbrand in einem Tapetenlager aus, der die Feuerwehr über fünf Stunden in Anspruch nahm und bei dem vier Feuerwehrleute verunglückten. Bei der großen Verqualmung konnten die Löschmannschaften nur mit Be­nuzung des Rauchhelms vordringen. Dieser bot aber fei­nen absoluten Schutz. Ein Feuerwehrmann mußte nach dem Krankenhaus gebracht werden. Die drei anderen be­gaben sich in ihren Wohnungen in ärztliche Behandlung. Bei einem Scheunenbrande umgekommen. Halle a, d. S., 11. Januar. In dem Orte 3scherben bet Müschel brannte gestern eine Feldscheune nieder. Bei den Aufräumungsarbeiten fand man in dem Schutt drei ver= fohlte Leichen. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist der Brand durch drei Handwerksburschen verursacht worden, die in der Scheune übernachtet haben und in den Flammen umgefom­men sind.

Beim Barbier tödlich verletzt.

Klausenburg, 11. Januar. Ein Arzt wollte sich wegen einer Halsgeschwulst einer Operation unterziehen. Er ließ sich vorher rasieren. Hierbei schnitt der Barbier in die Ge­schwulst und traf die Schlagader. Der Arzt starb sofort. Unterschlagungen bei einer Handwerkerkrankenkasse. Köln, 11. Januar. Große Unterschlagungen sind in der Ortskrankenkasse für Handwerker in Köln vorgekommen. Die Veruntreuungen liegen viele Jahre zurück und wur den nicht aufgedeckt, weil Kassierer und Buchhalter Hand in Hand arbeiteten. Die Höhe der veruntreuten Summe konnte noch nicht festgestellt werden.

Baron de Mathics und der Vatikan.

OKöln, 11. Januar. Wie die Köln. 3tg." aus Rom erfährt, ist nach Mitteilung von zuverlässiger Seite aus dem Vatikan Baron de Mathies bisher nicht direkt vom Papste aufgefordert worden, dem König von Sachsen Ab­bitte zu leisten, da der Papst erwartet hatte, daß Mathies dies aus eigenem Antriebe tun werde. Jetzt sollen Schritte unternommen werden, Mathies dazu zu veranlassen.

Heißblütige Italiener.

Köln, 11. Januar. In einer italienischen Kolonie im Rheinland erstach ein 19jähriger Italiener einen 25jährigen Landmann im Streit. Als dem Täter das Messer ent­rissen werden sollte, sprang ihm sein Bruder bei und ver­letzte einen anderen Italiener durch Stiche in Hals und Arm lebensgefährlich.

Folgenschwere Explosion einer Dynamitpatrone. Köln, 11. Januar. In Bärbroich bei Köln legte der Steinbruchbesizer Broichhagen eine gefrorene Dynamitpa­trone zum Aufwärmen auf den Ofendeckel. Es erfolgte eine Explosion, wobei Broichhagen getötet und sein Sohn verletzt wurde.

Lawinenunglück im Berner Oberlande.

Zürich, 11. Januar. Das Kiental im Berner Oberland war gestern der Schauplatz eines Lawinenunglücks, dem drei junge Bürger der Gemeinde Scharnachthal zum Opfer fielen. Vier Mann waren mit Holzsägen beschäftigt, ein fünfter war auf dem Wege zu ihnen, als er eine Lawine vom Horn herabrollen sah, die seine Kameraden begrub. Eine Hilfskolonne war bald zur Stelle. Sie gruben zu­nächst den Bruder des verschont Gebliebenen aus. Der Un­glückliche war so schwer verleßt, daß wenig Hoffnung be= steht, ihn am Leben zu erhalten. Nach mühevoller Arbeit konnten die drei anderen geborgen werden. Sie waren alle tot.

Die Bestepidemie in Charbin.

Petersburg, 11. Jan. Furchtbar wütet die Best im Chinesenviertel von Charbin, wo täglich beinahe hundert Todesfälle vorkommen. Da es unmöglich ist, genügend Menschen und Zeit für die Begrabung der Verstorbenen zu finden, werden die Leichen auf die Straßen geworfen und verpesten in weitem Umkreise die Luft. Jedes zwette Haus im Chinesenviertel von Charbin und der benachbarten Stadt Fuersidjan beherbergt Pestkranke. Mit unheimlicher Schnel­ligkeit verbreitet sich die Seuche von einem Stadtviertel ins andere. Schon hat sich die Epidemie auch den Toren der Europäerstadt von Charbin genähert. Zwei Russen sind bereits der Pest erlegen. Bei den ununterbrochenen Be­ziehungen der Bestgegend nach dem europäischen Rußland ist die Gefahr einer Verbreitung der Pest in Rußland ohne 3weifel sehr groß.

König Alfons auf marokkanischem Boden.

Melilla, 11. Jan. König Alfons besuchte heute das Truppenlager und die Kasernen. Dann wohnte er der Er­öffnung zweier Schulen bei sowie einer Sibung der Han delskammer. Bei dieser Gelegenheit hielt Ministerpräsident Canalejas eine patriotische Ansprache, die mit den Worten schloß: Wir werden niemals ablassen von unserem Werk, die Zivilisation zu verbreiten auf diesem, von spanischem Blut getränkten Boden."

Handel und Verkebr.

Cassel, 10. Januar. Schlachtviehpreise. 1. Rinder. A Ochsen: a) vollfleischige angemästete höchsten Schlachtwertes, die noch nicht gezogen haben( ungejocht) Schlachtgewicht 81 bis 85 Mb) vollfleischige ausgemästete im Alter von 4 bie 7 Jahren 81--85 M, c) junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 77-78 M, d) mäßig genährte jün­gere, gut genährte ältere M. B. Bullen: a) vollfleischi­ge ausgewachsene höchsten Schlachtwertes 76-78 M, 6) voll­fleischige junge 75-76 M, c) mäßig genährte jüngere, gut genährte ältere 68-70 M. C. Färsen und Kühe: a) voll­fleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes 78 bis 80 M, 6) vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren 75-77 M, c) ältere ausge­mästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen 66-72 M, d) mäßig genährte Kühe und Färsen 55 bis 65 M, e) gering genährte Kühe und Färsen 50-55 M. D. Gering genährtes Jungvieh( Fresser)- M. 2. Kälber. Lebendgewicht. a) Doppellender feinster Mast M. 6)

feinste Mastkälber M, c) mittlere Mast- und beste Saug­fälber 56-58 M, d) geringere Mast- und gute Saugfälber 50-52 M, e) geringere Saugfälber 45-48 M. 3. Schafe. Schlachtgewicht. A. Stallmastſchafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthammel 76-78 M, 6) ältere Masthammel, ge­ringere Masthämmel und gut genährte junge Schafe 75 M, c) mäßig genährte Hammel und Schafe( Merzschafe) 70 M. B. Weidemastschafe: a) Mastlämmer- M, b) geringere Lämmer und Schafe 65-70 M. 4. Schweine. Schlachtgewicht. a) Fettschweine über 150 Kilo M, b) vollfleischige von 120-150 Stilo 68-69 M, c) vollfleischige von 100-120 Kilo 66-67 M, d) vollfleischige von 80-100 kilo 64-65 M, e) vollfleischige unter 80 Kilo 64 M, f) unreine Sauen und geschnittene Eber 60-62 M.

Cassel, 10. Januar. Weizen( 100) Kilogramm) 19,00 bis 19,50 M. Roggen( 100 Kilogramm) 14,75-15,50 M. Gerste ( 100 Kilogramm) M. Hafer( 100 Kilogramm) 15,50 bis 16,50 M.