haben. In Wirklichkeit hat sich die Einfuhr 1910 gegen
Der Reichstag nach den Weihnachtsferien. über der 1907 noch günstiger gestaltet. Den günstigen
Das war ein fröhliches Begrüßen und Händeschütteln am Dienstag im Reichstage, der ersten Sigung im neuen Jahre. Da tönten nachträgliche Profit Neujahr- Rufe, und fn eifriger Unterhaltung standen kleine Gruppen beisammen, um die Erlebnisse während der Weihnachtsferien auszutauschen. Die Glocke des Präsidenten machte dem Geplauder ein Ende. Große Stille trat ein, als der Prästbent nach kurzem Neujahrsgruß der verstorbenen beiden Bentrumsabgeordneten Hirschberg und Schmidt gedenkt, um dann dem letzten Präsidenten der vorigen Session, dem verstorbenen Grafen Ballestrem, einen ehrenvollen Nachruf zu widmen, wobei er ihm vor allem seine strenge Unpartetlichkeit und seine mit föstlichem Humor gepaarte unvergleichliche Liebenswürdigkeit nachrühmt. Dann forderte Ste Gegenwart ihr Recht und es gelangte die
freisinnige Interpellation wegen Aufhebung der Zündholzsteuer
Monatsdurchschnitt von 1907 hat das Jahr 1910 schon im August voll erreicht und mit der November- und Dezembereinfuhr in recht nennenswerter Weise überschritten. Der Geschäftsgang der Tabakindustrte bewegt sich also schon seit einem halben Jahre im früheren Gleise. 3u allgemeinen Klagen über schlechten Geschäftsgang kann somit keine Veranlassung mehr vorliegen.'
zur Verlesung. Es lag klar auf der Hand, daß sie aus den berschiedensten naheliegenden Gründen ein positives Ers gebnis nicht haben konnte. Abg. Enders begründete sie unter Bezugnahme auf die Betriebseinschränkungen der Bündholzfabriken und Arbeiterentlassungen, besonders in Sachsen- Meiningen. Er glaubte, nachweisen zu können, daß es sich nicht mehr um die Nachwirkungen der überaus Starten Vorversorgung, sondern um dauernde Folgen han bele; cs habe sich eine neue blühende Industrie aufgetan, bie steuerfreie Zündholzersazmittel herstelle. Er bezeich nete die Zündholzsteuer als die odiöseste aus der ganzen Finanzreform.
Fürst Bülows Wunsch.
In seiner Erwiderung auf
eine Ansprache des deutschen Botschafters in Rom v. Jagow bei der Feier der Silberhochzeit des Fürstenpaares sagte Fürst Bülow: Das Beste in seinem Leben verdanke er seiner Frau. Ohne ihre Liebe, ohne thre treue, verständnisvolle Pflege hätte er es taum vermocht, die Mühfal einer zwölffährigen Ministerschaft zu ertragen. Er habe feinen anderen Wunsch, als daß seinem Hause auch weiterhin freundliche Sterne leuchten mögen, daß Gott ihm die Gattin erhalte und daß über den Fortgang der Dinge im Vaterlande nur gute Kunde zu ihm dringe. Dem Amte habe er entsagt. Die Liebe zum Vaterlande lebe ungeschwächt fort. Im Laufe des Festtages sind über 1000 Telegramme und Glückwünsche in der Villa Malta eingetroffen.
Hierin erblickte Staatssekretär Wermuth, der die Interpellation sofort beantwortete, den Hauptgrund für die Beunruhigung der Zündwarenindustrie, die dabei sei, sich der neuen Steuer anzupassen und sich inmitten des vorausgesehenen durchaus normalen Entwickelungsganges befinde. Sie würde den Prozeß viel leichter überstehen, wenn bie Verstimmung im Volke nicht so stark gemacht wäre. Bei zugrundelegung des 25prozentigen Konsumrückganges ergebe sich aus der Statistik und dem tatsächlichen Aufkommen aus der Steuer im ersten Jahr, daß es nur die Nachpirkungen der Vorversorgung sind, die die Zündwarenindustrie drücken. Die Arbeiter haben zum überwiegenden Teile anderweit Unterkunft gefunden. Vor allem aber set es mit der Aufhebung einer Steuer nicht getan, vielmehr sei Ersak zu fordern. Man könne nicht ein Gesetz, noch bevor es Wurzel geschlagen, mit der Wurzel ausreißen, ein Steuerobjekt, das erfaßt sei und sich der Steuer anbequeme, wieder aus der Hand lassen und nach einem neuen greifen.
Der diesjährige deutsche Katholikentag findet vom 6. bis 10. August in Mainz statt. Kardinal Dr. Fischer in Köln hat sein Erscheinen zum Katholikentage bestimmt in Aussicht gestellt.
Marokkanische Justiz. Der marokkanische Machsen hat in Fez eine Gesellschaft eingeborener Falschmünzer verhaften laffen, die falsche Haffant- Silbermünzen und Louisdors Herstellten. Sie wurden zur Strafe des Händeabschneidens verurteilt.
Das Einjährige für preußische Mittelschüler? Wie die Franff. 3tg." erfährt, genehmigte der preußische Kriegsminister die künftige Zulassung der Mittelschüler zur Einjährigenprüfung unmittelbar nach Schulschluß und nicht mehr erst nach vollendetem 17. Lebensjahre, ferner ihre Zulassung zur Zahmeisterlaufbahn. Außerdem erhalten sie die Berechtigung für die mittlere Beamtenlaufbahn bei der Post und Telgraphie.
Mit dieser entschiedenen Ablehnung des Schazsekre= tärs hätte füglich die ganze Interpellation beendet sein fönnen, da ste doch irgendwelche weiteren Erfolge nicht haben tann. Aber die über den Weihnachtsferien ange( ammelte Redelust drängte nach Betätigung. Infolgedessen beschloß das Haus einstimmig Besprechung der Interpellatton. Es tamen aber nur drei Abgeordnete zum Wort, die Herren Graf Oppersdorf( 3entrum), Dr. Osann( ntl.) und Dr. Hahn( tons.) Dann war das Haus arbeitsmüde und vertagte sich auf Mittwoch, wo zunächst die Besprechung der freisinnigen Interpellation fortgesetzt werden soll.
Rundschau vom Cage. Politisches.
Wissenschaft, Runst und Literatur.
Ein neues Thermometer. Professor Barnes von der Universität Montreal hat ein neues Thermometer von außerordentlicher Feinheit erfunden und dazu benußt, die Temperatur des Seewassers zu messen. Es ist wünschenswert, gerade zu diesem Zweck ganz besonders feine Instrumente zu verwenden, weil die Unterschiede der Temperatur des Seewassers sowohl in verschiedenen nebeneinander_gelegenen Gebieten als in den übereinander liegenden Wasserschichten von großer Bedeutung sind. Hängen doch davon die Bewegungen des Wassers zum großen Teil ab, so zwar, daß man wenigstens zu deren vollem Verständnis nur durch möglichst genaue Untersuchungen der Temperaturverhält nisse gelangen kann. Allerdings erscheint es etwas übertrieben, wenn Prof. Barnes seine Messungen mit dem unerhört feinen Thermometer bis auf den tausendsten Teil eines Grades bestimmt haben will. Er hat dafür einen besonderen Grund. Im nördlichen Atlantischen Ozean ist die Schiffahrt vielfach durch Eisberge gefährdet, und bei unsichtigem Wetter kann die Nähe eines solchen Kolosses oft nur an einer Abnahme der Seewassertemperatur erkannt wer= den, für die ein anderer Grund in dem betreffendem Gebiete nicht gegeben ist. Prof. Barnes hat nun in der Hudson- Bat Versuche mit seinem Thermometer angestellt, die merkwürdige, aber erfolgreiche Ergebnisse geliefert haben. Es zeigte sich nämlich, daß die Annäherung eines Eisfeldes sich zu nächst durch eine schwache Steigerung der Wassertemperatur fundgibt, der dann erst eine Abkühlung folgt. Diese be trägt, wenn der Abstand von dem schwimmenden Eise aus etwa 1 Kilometer sich vermindert hat, ungefähr vier Grad. Außerdem aber meint der Forscher, daß es mit seinem Thermometer auch möglich sein werde, die Nähe von Land zu erkennen, weil an den Küsten sich größere Wechsel der Tem peratur zeigen als im offenen Meer.
Der Haager Friedenspalast wird im Jahre 1913 er öffnet werden. Die Einweihung fällt in die Zeit, wo Holland die Jahrhundertfeier seiner Losreißung von Frankreich und seine Unabhängigkeitserklärung begeht. Ebenfalls im Jahre 1913 soll im Haag eine große internationale landwirtschaftliche Ausstellung veranstaltet werden.
Kleine Nachrichten.
Auf dem Totenbett getraut. Im Prager Wetnberger Krankenhause spielte sich gestern eine erschütternde Szene ab. Ein Soldat, der auf Urlaub weilte, lag im KrankenHause in den letzten Zügen; er wurde auf dem Sterbebette mit seiner Geliebten getraut, damit ihr das Kind legittmiert werde. Unmittelbar nach der Trauung verschied der Soldat.
Der Beamteneid, den Prinz August Wilhelm von Preußen am Montag als Referendar ablegte, hatte folgenden Wortlaut:„ Ich August Wilhelm Heinrich Viktor Günther Prinz von Preußen schwöre zu Gott, dem Allmächtigen und Allwissenden, daß dem König von Preußen, meinem allergnädigsten Herrn, ich untertänig, treu und gehorsam sein und alle mir vermöge meines Amtes obHiegenden Pflichten nach meinem besten Wissen und Gewissen genou erfüllen, auch die Verfassung gewissenhaft be= bachten will, so wahr mir Gott helfe."
Pistolenschießerei in einer Berliner Gemeindeschule. In der fünften Gemeindeschule zu Weißensee schoß gestern vormittag während der Pause ein 14jähriger Schüler beim Spielen mit einer Pistole seinen gleichalterigen Mitschüler in die Stirn. Dieser wurde nur leicht verletzt. Im Kranlenhause, wohin man ihn auf Anordnung des Rektors schaffte, wurde er einer Operation unterzogen.
In der preußischen Wahlrechtsfrage hat die Fraktion der Fortschrittlichen Volkspartei beschlossen, den bereits in früheren Sessionen eingebrachten Antrag auf Einführung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts in den Einzelstaaten, sowie auf Einführung einer zeitgemäßen Wahlkreiseinteilung im preußischen Abgeordnetenhause wieder einzubringen.
Ueber die Lage der Tabatarbeiter schreibt die„ Norddeutsche Allg. 3tg.":" Schon die statistische Mitteilung, die kürzlich durch die Presse gegangen, ließ den Schluß zu, daß bereits jetzt Verbrauch und Beschäftigung wieder die vor den Finanzreformverhandlungen bestehende Höhe erreicht
Der Familienschmuck der Wallutjeffs.
Kriminalroman von Freifrau G. v. Schlippenbach. Nachdruck verboten.
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Weil er wegen Ehrenkränkung zu Gefängnis verurteilt worden war, ließ sich in Hettstedt in der Provinz Sachsen ein 63jähriger Berginvalide einen Sarg anfertigen und erschoß sich in der Leichenhalle.
Ein Backfisch als Dramatikerin. Die junge Dichterin Margarete Zöllner, Tochter des bekannten Komponisten Professors Heinrich Zöllner, deren erster Band Lyrik aus ihrem 11. und 12. Lebensjahre schon zwei Auflagen erlebt hat, ist nun, nach Herausgabe einer Novelle„ Märzschnee". unter die Bühnendichter gegangen und hat ein zweiaktiges Drama verfaßt, das unter dem Titel„ Jutta Sanden" am 18. Januar in Antwerpen zur ersten Aufführung gelangen wird. Die noch im Backfischalter stehende Dichterin überflügelt somit den frühreifsten aller Dramatiker, den Dichter der„ Räuber".
Ein Familiendrama hat sich gestern abend in Dresden abgespielt. Der Magazinverwalter Kämpf hat seinen fünfzehn Jahre alten Sohn im Bett erschossen und sich dann selbst getötet. Er lebte seit neun Jahren von seiner Frau getrennt, hatte sich aber anscheinend wieder mit ihr ausgesöhnt.
„ Mein Herr, ich bin hier fremd; bitte, sagen Sie mir, wo der Laden des Juwelies Häuserling ist."
Im Bett erstickt aufgefunden wurde das im zweiten Lebensjahre stehende Söhnchen einer in der Brüderstraße in Leipzig wohnenden Familie. Das kleine Wesen hatte sich mit dem Köpfchen in die Betten verwickelt und hatte sich nicht wieder befreien können.
„ In der Rößli- Gasse", versetzte der Angeredete,„ aber tommen Sie mit mir, ich wohne ihm gerade gegenüber in der Mansarde, wo ich meine Schuhmacherwerkstätte habe."
Einen entsetzlichen Tod fand Sonntag abend ein hochbetagtes Ehepaar Timm aus Kleve( Holstein) auf der Heimreise von einem Besuche bei seinem Sohne. An einem Bahnübergang scheute das Pferd des von dem Sohne geführten Wagens und dieser stürzte rückwärts in einen Sumpf. Dabei waren die alten Leute unter den Wagenkasten zu liegen gefommen und mußten im Morast ersticken.
Sie gingen etwa hundert Schritte, dann bogen sie in eine schmale Seitengasse ein und später wieder in eine andere. Während des Weiterschreitens plauderten sie. Der Wegweiser erzählte, daß der Juwelier ein steinreicher Mann gworden, der sich besonders mit dem Modernisieren und Umfassen kostbarer Steine für die vornehmen Fremben beschäftige und dabei sehr viel Geld verdiene.
Aus den Gerichtssälen.
Waun liegt eine geschlossene Ortschaft vor? Eine interessante Gerichtsentscheidung über den Begriff der geschlos senen Ortschaft fällte nach der Rheinisch- westfälischen 3tg. die Straffammer des Königlichen Landgerichtes Düsseldorf als Berufungsinstanz. Gegen den Lenker eines Automobila hatte die Polizeiverwaltung und, durch Bestä= tigung auch das Schöffengericht, eine Geldstrafe festgesetzt, weil er im Vororte Mörsenbroich entgegen der polizeilichen Bestimmung die erlaubte Geschwindigkeit von 15 Km. in der Stunde überschritten haben sollte. Die Straffammer hob die Vorentscheidung auf, und sprach den Beschuldigten von Strafe und Kosten frei. Die Polizeiverwaltung verbtetet, so führte das Urteil aus, eine höhere Geschwindigkett ausdrücklich nur innerhalb geschlossener Ortschaften; als solche sind Wegestrecken anzusehen, die geschlossene Bebauung aufweisen. An dem in Betracht kommenden Teile aber war die Straße nicht ausgebaut, es waren nur einzelstehende Häuser vorhanden. Die Polizeiverordnung konnte im vorliegenden Falle also nicht zur Anwendung gelangen und sie wurde auch nicht dadurch gerechtfertigt, daß an der fraglichen Stelle polizeiliche Warnungstafeln aufgestellt worden waren.
Raub in einem Postgebäude. In Zarki bei Bendzin an der russischen Grenze wurde ein Postgebäude von Banditen überfallen und beraubt. Bei der Verfolgung der Räuber sollen mehrere Personen getötet worden sein.
Eine Giftmordaffäre erregt zurzeit in Kirchatten im Oldenburgischen großes Aufsehen. Dort starb vor einiger Zeit eine 23jährige Witwe ganz plötzlich. Der Umstand, daß mit ihr ihre drei Kinder tot aufgefunden wurden, ließ den Verdacht aufkommen, daß die Todesursache keine natürliche sei. Die Untersuchung erbrachte den Beweis, daß Vergiftung durch Arsenik vorlag. Die auf Grund dieses Ergebnisses angestellten Nachforschungen führten zur VerHaftung eines nahen Verwandten der Witwe.
Trotz seines Reichtums behält Häuserling seinen alten Laden in der abgelegenen Straße bei. Er müßte sich am Quai ein schönes Lokal mieten. Aber was meinen Sie? Der närrische Kauz sagt, daß ihm das nicht paßt. Sein Vater hat in demselben Hause das Juweliergeschäft betrieben, und damit glänzend reussiert, deshalb bleibt Jakob Häuserling dort wohnen."
,, So, so, nun, das gefällt mir," warf der Rotbärtige dazwischen ein.
Erst jetzt betrachtete der gesprächige Mann seinen Begleiter genauer. Ein breites Lächeln trat auf das Gesicht des Schuhmachers.
lich Kellner und reise nach Meran, habe dort eine Stelle angenommen. Sobald ich den ersten Monatslohn erhalte, löse ich die Uhr wieder ein."
,, Nun, mein Bester," sagte er spöttisch ,,, werden Sie etma bei Häuserling einen Schmuck taufen?"
„ Ich glaube kaum, daß Häuserling darauf eingeht, er ist ein durch und durch seiner Mann und gibt sich nicht mit derartigen Geschäften ab. Gehen Sie doch lieber in ein Versazamt oder zu einem Italiener, der auf sicheres Unterpfand hin für hohe Zinsen Geld ausleiht", sagte der Schweizer.
,, Nein," entgegnete der Gefragte schnell, ich will meine Uhr versetzen."
„ Ist sie von Gold?" Wieder lag ein geheimer Spott in der Frage, aber der fremde Mann überhörte es. ,, Natürlich", entgegnete er, viel ist sie zwar nicht wert, aber immerhin doch einige Franken. Ich bin näm
In dem zweiten Moabiter Krawallprozeß, der sich vor dem Schwurgericht abspielt, wurde Montag die Beweisaufnahme mit der Zeugenvernehmung des Polizeimajors Klein begonnen, der das Oberkommando über die Polizetmannschaften während der Moabiter Unruhen geführt hat. Polizeimajor Klein gab über die von der Polizei getroffe= nen Maßnahmen, über die Entwicklung der Unruhen selbst und über die sonstigen Vorgänge in genau derselben Weise Auskunft wie vor der Straffammer.- In dem Prozeß vor der Straffammer beraumte der Vorsitzende am Dienstag einen neuen Termin zur Urteilsverkündung auf Mittwoch nachmittag 2 Uhr an.
,, Sie meinen wirklich? Nun, dann bitte ich um eine gute Adresse."
„ Gern! Doch sehen Sie, dort ist der Juwelierladen, das Schaufenster mit der elektrischen Bogenlampe darüber. Da Sie nun einmal hergekommen sind, rate ich Ihnen, sich die Kostbarkeiten anzusehen. Seit einigen Tagen liegt ein wundervoller Schmuck aus, den Häuserling neu gefaßt hat; er soll einer reichen Russin gehören. Wie der Drache seinen Schatz. so bewahrt der Juwelier das ihm anvertraute Gut. Jede Nacht bewahrt er ihn in seinem eisernen Kassenschrank, der in seinem Schlafzimmer steht; wenigstens behauptet es der Lehrling, der ein Bekannter von mir ist."
Vermischtes.
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Eine recht tüchtige Leistung im Schlafen vollbrachte der Bergmann Emil Thomas in Dortmund, der die Folgen eines Silvesterrausches erst nach 40 Stunden überwand. Er hatte mit einigen Freunden in einer Grube bei Kirchhörde eine kleine Feier veranstaltet, wobei man fräftig das neue Jahr leben ließ. Mit der ausfahrenden Schicht verließen die Zecher dann die Grube. Nach einiger
„ Ich danke Ihnen für Ihre liebenswürdige Begleitung. Darf ich Sie nun noch um die Adresse eines guten Pfandleihers ersuchen?"
seine hellen, schräg gestellten Augen, die einen falschen Blick, etwas Kazenartiges haben."
Der Fremde erhielt das Gewünschte und verabschiedete sich von dem geschwähigen Schuhmacher, ihm zum Abschiede die Hand schüttelnd. Ohne einen Blick auf das Schaufenster zu werfen, schritt der Mann mit dem roten Bart schnell die Straße hinunter.
Der Schuhmacher verschwand in seinem Hause. Ei fand eine Bestellung vor, die schnell erledigt werden mußte und seine Gedanken vollständig von dem eben Erlebten ablenkte.
Eine halbe Sunde, nachdem der Rotbärtige sich von seinem Führer getrennt hatte, betrat er wieder die stille. Straße und stand jetzt vor dem Schaufenster des Juweliers. Es lagen viele Armbänder, Ringe und Schmucksachen aus; goldene und silberne Kannen, schön gravierte Humpen, schwere Eßbestecke sprachen von der Kunst ihres Verfertigers; aber das alles wurde überstrahlt von der Pracht der Steine, die in der Mitte lagen. Weich gebettet auf der blauen Sammetunterlage funkelte und gleißte es in augenverblendender Herrlichkeit. In feurigen Garben sprühte es dem Beschauer entgegen, das ganze Farbenspiel des Regenbogens wiedergebend. Und daneben der edle, milde Glanz der fast haselnußgroßen Perlen, die aus drei Reihen bestanden, von einem gelblichen, prächtigen Diamanten geschlossen. Es war der Familienschmuck des Grafen Wallutjeff.
Der freundliche Führer blickte ihm kopfschüttelnd nach. „ Ein unangenehmes Gesicht hat der Mensch," dachte er, ,, ich weiß nicht, weshalb es mir so vorkommt. Vielleicht trägt der große Bart die Schuld. Sehr vertrauenerweckend sah der Kerl nicht aus. Ich habe mich wieder einmal verleiten lassen, zu viel zu schwägen. Halt, jetzt weiß ich, was mir an dem Fremden besonders auffiel. Es sind
Lange stand der Fremde im Anblick der gleißenden Pracht versunken; sein Atem ging feuchend. Er mußte offenbar eine gewaltige Aufregung niederkämpfen, die sich seines Gemütes bemächtig hatte. Seine langen, trallenartigen Hände schlossen sich fest, ein unartikulierter Laut brach aus seiner Kehle. Ganz scheu sah er sich um, aber es war niemand in der Nähe. Es hatte angefangen zu regnen, ein feiner, falter, durchdringender Sprühregen, der wohl die Menschen in den Häusern festhielt. Mit einem schweren Seufzer trennte sich der Fremde von dem verlockenden Anblick des Schmudes; er begann langsam die Straße auf- und abzugehen. Ich muß warten", sagte, er ungeduldig, aber wo, damit ich nicht unnötig aufs falle?" ( Fortsetzung folgt.)
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