Aus den Parlamenten.
Deutscher Reichstag.
Die Vorbereitungen zu den Reichstagswahlen haben begonnen. Die beteiligten Behörden haben nunmehr in Preußen und in den anderen Bundesstaaten die Anweisung erhalten, die Vorbereitungen zu den Reichstagswahlen unverzüglich in die Wege zu leiten.
Zur Beratung des Marokkoabkommens sind im Reichstag Anträge gestellt worden. Der nationallibe= rale Antrag fordert, einen Gefeßentwurf einzubringen, wonach unter Klarstellung oder Aenderung der Ver= fassung ausgesprochen wird, daß die Erwerbung oder Veräußerung von Schußgebieten der Form der Reichsgefeßgebung bedürfe. Die Fortschrittliche Volkspartet beantragt, dem Reichstag ein Weißbuch vorzulegen über die Verhandlungen mit Frankreich und das deutsch- französische Abkommen der Budgetkommission zu überweisen sowie einen Gesezentwurf vorzulegen, durch den das verfassungsmäßige Recht des Reichstags, heim Erwerb und Abtretung von Schnitz= gebieten mitzuwirken, Klargestellt wird. Das Zentrum stellt den Antrag, das Schußgebietsgesetz in§ 1 durch die Bestimmung zu ergänzen, daß die Grenzen eines jeden Schutzgebietes nur durch Gefeß geändert werden können. Ein sozialdemokratischer Antrag bewegt sich in der gleichen Richtung.
Selbstmord eines Oberlandesgerichtsrats. Der als opferwilliger Kunstmäcen bekannte Oberlandesgerichtsrat Gmelin in Stuttgart hat sich in einem Anfall et ner nervösen Depression erschossen.
Taufe, Konfirmation nnd Heirat an einem Tage. In der Kirche zu Balga( Ostpreußen) fand kürzlich eine feltene eter statt. Das 20 Jahre alte Mädchen Hoffmann aus Kahlholz empfing an ein und demselben Lage die Taufe, wurde konfirmiert und reichte am Altar einem Manne die Hand fürs Leben.
Die Erfolge der franzöfifchen Zähigkeit. Der französische Minister des Auswärtigen de Selves erklärte gestern in der Kammerkommission für auswärtige Angelegenheiten, daß das deutsch- französische Abkommen das Maximum an Zugeständnissen darstelle. Der Zähigkeit der französichsen Diplomatte fet es gelungen, die deutschen Forderungen soweit herabzudrücken, bis sie annehmbar wurden. Die Kommission möge die Raitfizierung so bald wie möglich befürworten.
Der 9. November war zweifellos der schwerste Tag Leben des fünften Reichstanzlers. Es war für den Stetsstag eine sogenannter großer Tag". Saal und Tribünen waren gedrängt voll. Sogar der deutsche Thronfolger war von Danzig herbeigeeilt, um zu hö= ren, was der Reichskanzler zur Verteidigung des Marokko- Kongo- Abkommens zu sagen hätte. Neben thm bemerkte man in der Hofloge den Prinzen August Wilhelm. Der Reichskanzler leitete die Besprechung des deutsch- französischen Abkommens über Marokko und den Kongo mit einer einstündigen Nede ein, wobet er zunächst auf die Vorgeschichte des Abkommens einging. Mit großer Bitterfeit, fa mit Heftigkeit wandte fich Herr von Bethmann gegen all die Vorwürfe der lebten Monate. Von keiner Seite sei ein Anfinnen gestellt worden, das mit der Ehre eines der beiden Telle unverträglich gewesen wäre; mit der Faust auf den Tisch zu schlagen, fet niemals Anlaß gewesen; er würde aber auch im gegebenen Augenblick das Handeln dem Drohen vorgezogen haben. Deutschland sei stark genug, auf Mittel wie Drohungen zu verzichten. Wenn es die Not gebiete, werde es sein Schwert zu ziehen wissen. Der Kaiser habe die stritte Durchführung des bereits im Mat d. J. festgelegten Programms in allen Phasen der Verhandlungen gefordert, in dem vollen Bewußtsein, daß jede politische Aktion einer Großmacht die Schickfalsfrage Krieg oder Frieden heraufbeschwören könne und in der festen Bereitschaft, für die Ehre der Nation jederzeit mit dem Schwerte einzutreten. Darin habe ich der Kaiser mit dem Volfe eins gewußt, das in dieser ganzen Zeit und in allen seinen Schichten von dem entfchloffenen Getste erfüllt gewesen sei, seine Lebensintereffen und feine Ehre gegen jedermann zu wahren. Besonders tief habe im Volfe gefressen, daß wir angeblich vor England zurückgewichen seien. Aber in der vielbesprochenen Bankettrede des englischen Ministers Lloyd George set Deutschland nicht erwähnt worden. Als die Presse sie gegen Deutschland gehäfftg auslegte und dem von englischer Seite nicht entgegengetreten wurde, habe er in London die Sache zur Sprache bringn lassen und die englische Regierung habe nicht mehr den Versuch gemacht, sich einzumischen. Zu dem Rücktritt des Herrn von Lindequist teilte der Kanzler mit, daß der Staatssekretär von Anfang an dem Wunsche auf die Erwerbung eines Kolonialbestßes von der Größe des uns jetzt zugefallenen widerstrebt habe, da kleinere und schon mehr kultivierte Gebiete leichter und billiger zu verwalten wären; dieses Stel fet aber nicht erreichbar gewesen. Der Staatssekretär habe ihm vor wenigen Tagen erklärt, daß er die Kompensationen im Reichstag nicht vertreten könne, weshalb er sein Entlassungsgesuch befürwortet habe. Der Kanzler schloß: Wir verlangen fein Lob, fürchten aber auch keinen Tadel. In der Debatte sprachen die Abgg. Frhr. v. Hertling ( 3tr.), v. Heydebrand( fons.), Bebel( Soz.) und Bassermann( nail.). Alle übten an dem Vertrage scharfe Kritik.
Rundschau oom Cage.
Politisches.
Von Kameraden zu Tode mißhandelt. Beim Fußballspiel in Tangerhütte wurde dieser Tage ein zehnfähriger Knabe im Streit von anderen Schülern derar= tig mishandelt, daß ihm die Eingeweide rissen. Das Kind erlag gestern seinen Verlegungen.
Eine schwere Bluttat wurde in Zawodzie, Oberschlesien, verübt. Ein Kaufmann aus Sosnowice fam zu einem wohlhabenden Fleischer in Zawodzie, um Gelder einzufassieren. Während er sich über den Tisch beugte, schlug thm ein Geselle des Fleischermeisters von hinten mit einer Art auf den Kopf. Dem so besinnungslos Gemachten wurde dann der Kopf abgeschnit= ten, der in einem Loche vergraben wurde. Der Fletscher, dessen Ehefrau, der Geselle und ein Bruder des Fleischers wurden verhaftet.
Ciu Aufruf an kolonialpolitischer Metätigung. In einem Aufruf, der u. a. von dem Direktor der Ham= burg- Amerika- Linte, des Nordd. Llord, ferner von hervorragenden Industriellen und Bankfirmen unterzeich net ist, wird gegen die anläßlich des Abschlusses des deutsch- französischen Abkommens eingeleitete Agitation Front gemacht, die geetanet set, das Ansehen und die Machtstellung des deutschen Metches im Auslande zu schädigen. Alle deutschen Männer werden zu gemeint= schaftlicher Weiterarbeit an Deutschlands kolonialmirtschaftlicher Rufunft aufgefordert.
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Die Typhusepidemie in Rheinland und Westfalen fordert noch immer neue Opfer. In den beiden Hamborner Krankenhäusern erkrankten vier Krankenschwestern. Zwet von ihnen sind bereits der Seuche zum Opfer gefallen.
Englische Freundlichkeiten gegenüber Deutschland. Dem englischen Ministerpräsidenten ist eine von etwa 80 Mitgliedern des Unterhouses aller Parteten unterzeichnete Kundgebung übermittelt morden, in der aus= gedrückt wird wie michttg es fet. Schritte zu tun, erstens um den in Deutschland herrschenden üblen Eindruck wegen der Haltung Englands aegenüber Deutschland zu beseitigen, mettens, der deutschen Regierung und dem deutschen Volf die Gemißhei zu geben, daß keine verantwortliche Stelle in England Deutschlands berechtigte Großmachtbestrebungen mit Feindseltakett ansteht.
Keine Aktion der kaiserlichen Prinzen gegen den Kanzler. Die von der Berliner Nationalzettung" ver= breitete Notiz, nach der der Kronprinz eine allgemeine Aktion mit feinen Brüdern gegen den Reichskanzler plant, entspricht nach einer Mitteilung des kronprinzItchen Hofmarschallamtes nicht den Tatsachen.- Das war auch von vornherein anzunehmen.
Der Kanzler als Gast beim Kaiserpaar. Der Reichskanzler und Frau v. Bethmann Hollweg folgten Don= nerstag abend einer Einladung des Katserpaares zur Abendtafel.
Gin Flug Wien- Berlin. In den nächsten Tagen beabsichtigt der Flieger Held, mit einer Etrich- Taube vom Wien- Neustädter Flugplatz nach Berlin zu fliegen. Die Flugstrecke beträgt etwa 600 setlometer.
Wegen Einfuhr des Nachtabfuhrwesens streifen in Neuport die Kutscher des städtischen Abfuhrwesens. Ste wollen nur am Tage arbeiten. Auf den Straßen häufen sich die Mülltonnen. Der Bürgermeister verfügte die Entlassung der Streifenden, doch ist diese wirkungslos, da ein Ersatz schwer zu beschaffen tst.
Bei dem gestrigen Offiziersrennen der Offiziere des Luftschifferbataillons in der Berliner Jungfernbeide ist der zu dem Luftschifferbataillon kommandierte Leutnant Runkel vom 4. lanenregiment lebensgefährlich verunglückt. Bei dem Nehmen einer Hürde ging das Pferd durch und schleuderte den Reiter mit dem Kopf gegen einen Baumstamm, so daß ihm ein Ast durch die Stirn in das Gehirn drang.
Vermischtes.
Die Sturmschäden auf Helgoland. Der ganze Nordstrand Helgolands ist mit Schutt und Steinen bedeckt. Es wurde sogar das starke Bollwerk von den aufgepeitschten Wogen zerbrochen und ein großer Streifen Landes in das Meer gespült. Desgleichen hat die Dline start gelitten Geradezu verheerend hat der Sturm beim Reichskriegshafen gewirkt. Das große etferne Gerfist, das zum Bau der Schutzmauren errichtet ist, ist vollständig vernichtet. Hier beträgt der Schaden allein etwa 200 000 Mart Die Mannschaft der im Hafen liegenden Schiffe fonnte nur mit Mühe gerettet werden. Ein Schiff, das den Hafen aufgesucht hatte, wurde gegen die Ostmauer geschleudert und zerschellte.
Der französisch- svanische Geheimvertrag hat in Frankreich lebhaftes Mißveranüaen erregt. Der Abschluß des Vertrags scheint eine Brivatarbeit des Herrn Delcasse zu sein. Es wird nämlich gemeldet, daß mehrere Deputierte, welche den früheren Kabinetten ange= hörten, lebhafte Ueberraschung und unverhohlenen Unwillen über den Geheimvertrag äußerten und erklärten, daß außer Delcaffé tein Mitalied der Regierung diesen Vertrag gekannt habe. Der Vertrag wird von verschie= denen Blättern in recht ungünstigem Sinne erörtert. Der Steger in den deutsch- französischen Verhandlungen sei Spanien, das ohne Opfer und ohne Gefahr den besten und fruchtbarsten Landstrich und das mittelländische Küstengebiet Marokkos erhalte. Der Vertrag hat in Deputiertenfreifen lebhaftes Befremden erregt. Fast afte Deputierten feten der Ansicht, daß Frankreich nicht mehr das Protektorat über ganz Marokko, sondern nur über ein zerstückeltes Marokko erlangen tönnte, dessen wertvollster Teil den Spantern preisgegeben werde. Der allgemeine Eindruck set, daß das Abkommen mit Deutschland nunmehr ein ganz anderes Aussehen geminne, und daß die Kammer die Pflicht habe, vor Genehmigung des Abkommens die aanze Frage genau zit prfiefn.
Eine Kolonie Großkamerun. Wie verlautet, follen die neu erworbenen Gebtete im Kongo nicht als selbstständiges Verwaltungsgebiet eingerichtet, sondern mit Kamerun zu der Kolonte Großkamerun vereinigt wer= den.
Zwölf Friedens= Demonftrationsversammlungen sind für nächsten Sonntag von der Berliner Sozialde= motratte, entsprechend dem Beschluß des internationalen sozialistischen Bureaus, einberufen worden.
Die Reichstagskandidatur des Grafen Haefeler. Nach einer Meldung aus Cöln hat das Zentrum beschlossen, die Kandidatur des Feldmarschalls Grafen Haefeler in Duisburg nicht zu unterstüßen und an einer eigenen Kandidatur festzuhalten. Damit wäre die Kandidatur aussichtslos und Graf Haefeler wird seine Zufage wahrscheinlich zurückziehen.
Die Reichstagsstichwahl in Ratibor hat am Mittwoch stattgefunden. Es erhielt Grundbesitzer Sapletta in Ratibor( Zentrum) 10 050 und Pfarrer Banas in Lubowitz( Pole) 5600 Stimmen. Ersterer ist somit ge= wählt.
22)
Aus Eifersucht.
Roman von Mar Hoffmann.
Der merikanische Bürgerkrieg hat noch immer nicht ausgetobt. Nach Telegrammen aus Merito ist die dortige Lokalpresse voll von Nachrichten über eine furchtbare Schlacht zwischen Regierungstruppen und Rebellen in Juchitan im Staate Ortca. Welcher Teil sieg= retch gewesen ist, wird nicht gemeldet, sondern nur, daß mehrere tausend Menschen getötet worden sind.
( Nachdruck verboten.) " Umsomehr, da ich diesen Menschen entlarvt habe," setzte Weide vergnügt hinzu.
„ Es ist ja wahr." sagte Felicia nachdenklich.„ Was aber war unter den Worten„ Ich bereue" zu verste= hen?"
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Kleine Nachrichten.
Im Weltmeer verfchlagen. In Buenos Aires ist am Freitag der Dampfer firia" eingetroffen, der im Karaibischen Meere einen venezuelanischen Fischer von furchtbaren Leiden und einem qualvollen Tode rettete. Der Unglückliche, der Juan Rodrfanez heißt, war am 26. September mit seinert Fischerboot von La Guanra in See aeftochen, wurde von einem Sturme überrascht, der das Segel des fleinen Bootes entführte, und trieb nun 30 Tage lang in seinem offenen Boote hilf- und stener( ns auf dem Weltmeere. Ich hatte nur fiinf BalIonen Wasser, vier Pfund Kartoffeln, zwei Bfund Brot, Käse und Butter im Boot. Nach einigen Tagen begann mein Fahrzeug Waffer durchzulassen: ich lan mun in alübender Sonne im Salzwasser, mein Proviant ging zu Ende mti m.tner Angel begann ich zu fischen und nährte mich ffirmerlich von meinem Fana. den ich roh verzehren mitßte. Es war grauenhaft. Mein ganzer Körper bedeckte sich mit Blasen und Benlen, Hate schwammen hinter meinem Boote, und nachts glaubte ich, diese ungeheuer durch die dünnen Blanken unter mir zu spüren; als nach 30 Tagen, am 26. Oftober, die kiria" erschien hatte ich bereits alle Hoffnung aufge= geben" Rodriguez ist wohl 400 Seemetlen weit herum= getrichen
Dem Brinzen Heinrich von Preußen wurde am Donnerstag der Ehrenbürgerbrief der Stadt tel überreicht. In dem Ehrenbriefe wird darauf hingewiesen, daß der Prinz sett 24 Jahren in tel setne Residenz hat und daß er durch warmherziges Eintreten für die Wohlfahrt und das Aufblühen der Stadt Kiel sich die Liebe und die Wertschäßung der Kieler gesichert habe.
„ Scheint so! Und deshalb eben war es so unsinnig. Mein Vater hatte nichts zu bereuen."
Felicia sah thn ungläubig an.„ Rätselhaft bleibt es doch!" versicherte sie. und woher famen jene Klopftöne?"
Ich bin überzeugt, daß sie auch jener blasse Herr hervorgebracht hat," sagte Weide. Jedenfalls war er ein ziemlich geschickter Taschenspieler."
Die Klage des Reichsorafen Günther von der Schnt= lenburg auf Aufhebung seiner vom Amtsgericht Velbert ausgesprochenen Entmündigung ist am Donnerstag vom Landgericht Elberfeld abgewiesen worden. Es bleibt also bei der Entmindiauna.
,, Und wir selber sind in unserer Angelegenheit nicht um einen Deut weitergebracht," gestand Friz unmutig. „ Im Gegenteil," ftel Felicia lebhaft ein.„ Ich bin da auf einen ganz besonderen Gedanken gebracht worden, den ich gewiß verfolgen werde."
Die Luftreise eines Kinderballons. Ueber die Landung eines deutschen Kinderluftballons in Rußland wird folgendes gemeldet: Auf dem am 24. Oktober in Bütow in Mecklenbura abaehaltenen Herbstmarkt fauf= te sich ein dortiger Schüler für zehn Pfennig einen BalIon, befestigte an thm eine Roftfarte mit seiner Adresse und bat, der Finder möchte ihm über den Fundort Nachricht zukommen lassen. Der Aufstieg des Ballons erfolate an dem genannten Tage um 5 Uhr nachmittags. Wenige Tage später erhielt der Schüler einen einge= schriebenen Brief aus Saratom tm östlichen Rußland mit der Mitteilung, daß der Ballon am 25. Oktober,
zuteil wurde, war, wenn man seinen Umgang mted und auf der Straße tat, als ob man ihn nicht gesehen hätte, wenn er vorüberging. Sein höflicher Gruß wurde sehr steif erwidert. Bet manchen waren es die Augen allein, die ihn mit ihrer stummen Verfolgung fast zur Verzweiflung trieben. Diese fragenden Blicke, die manchmal ängstlich, dann wieder tronisch oder gar anklagend auf thm ruhten, und sein Inneres zu erforschen suchten, waren fürchterlich für thn. Ste schtenen ihm zuzurufen: Nun? Du weißt doch etwas von dem Mord! Warum sag'st Du's denn nicht? Warst Du etwa selbst dabet beteiligt? Und wenn das nicht der Fall war, in welcher Beziehung stehst Du dann eigentlich dazu?"
„ Und welcher wäre das?" fragten alle dret. " Auch wir Frauen verstehen schweigend zu handeln," sagte ste lachend. Ich will mir erst noch alles reiflich überlegen."
8. Kapitel.
Dabet war es mit dem Segen der Arbett auch nichts. Denn er wurde jetzt als Arzt so gut wie gar nicht in Anspruch genommen. Sein Sprechzimmer blieb leer, höchstens daß sich ab und zu eine arme Frau oder ein harmloses Bäuerlein darin verirrte. Aber zu den Familien des Ortes wurde er nicht mehr gerufen, seine Praxis bet diesen war mit einem scharfen Messer abgeschnitten.
Doktor Waldow war nun schon seir einigen Tagen wieder zu Hause und versuchte alles Trübe und GräßItche, das hinter ihm lag, zu vergessen. Dazu gab es tein besseres Mittel, als die rastlose, unverdrossene Arbett. Aber er merkte nur zu bald, daß es sehr schwer ist, das einmal geweckte Vorurteil der Menschen zu überwinden. Man begegnete ihm mit Mißtrauen oder gar offenem Uebelwollen, und das gelindeste Böse, was ihm
würde, Herr Doktor! Und Sie hoffen, daß es anders werden wird?"
„ Wenn ich diese Hoffnung nicht hätte, so hätte ich diesen Ort schon längst verlassen. Aber ich denke im= mer, die Menschen werden sich schließlich doch eines Bes= feren befinnen."
,, Glaube ich nicht! Denn sehen Sie, was man auch sagen mag, der dunkle Punkt bleibt doch immer." " Was geht das mich an? Ich bin doch völlig gereinigt von jedem Verdacht."
Nun saß er Tag für Tag in seinem Arbeitszimmer und vertiefte sich in das Studium wissenschaftlicher Werke oder experimentierte. Aber vorwärts kam er dabei nicht und er mußte sich bisweilen bang fragen, was das wohl für ein Ende nehmen sollte. Seine Nervosität wuchs, und des Nachts wälzte er sich ruhelos auf seinem Lager.
Bet solcher Stimmung wurde ihm eines Tages der Polizeikommissar von Bardekow gemeldet, der ihn zu sprechen wünschte.
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Der große schlanke Herr verzog bedenklich seinen Mund. Offiziell fa. Aber wie man bet einem guten Buch immer zwischen den Zetlen lesen muß, so muß man auch hier immer noch seine Nebengedanken haben." Waldow runzelte die Stirn. Sind Ste deshalb zu mir gekommen, Herr Kommissar, um mir das zu sagen und mich wieder zu quälen? Was berechtigt Ste dazu?"
Der Beamte war sehr liebenswürdig, geschmeidig wie ein Aal und sprach erst von allerlet gleichgültigen Tagesneuigkeiten. Dann erkundigte er sich nach dem Befinden und der Prarts des Doktors, und als dieser thm offen seine Lage darlegte, sagte er:
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" Ich könnte einfach erwidern, mein Amt. Aber ich will deutlicher sein. Sehen Ste, in tenem Besteck dort fehlte bet unserer kleinen Besichtigung, die wir hier vornahmen, ein Messer. Wo ist es geblieben?" „ Ach so," rief Waldom sichtlich erleichtert, das ist es, was Ihnen auf dem Herzen Itegt!". Dabet klappte er das Besteck auf, und Bardekow fah zu seiner Verwunderung, daß der Inhalt vollständig war.
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„ Wo war das Messer aber damals?" fragte er. „ Wenn Sie sich die kleine Mühe genommen hätten, dort im Schubfach des Waschtisches nachzusehen, so hätten Sie es gefunden. Ich hatte am Tage vorher an etnem meiner Patienten hier eine kleine Operation da= mit vorgenommen, und da ich das Instrument nicht gleich reinigen konnte, so legte ich es dorthin. Jetzt ist es wieder ganz intakt, wie Ste sehen."
Er hielt dem verdußten Beamten das Besteck mtt etner trontschen Bewegung dicht unter die Nase.
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