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Die abgesagte Badereise.

Cigermaßen überraschend tommt die Meldung, bas bas russische Barenpaar die geplante Reise nach Naubem aufgegeben habe. Die Kaiserin- so heißt es werbe statt der in Aussicht genommenen Nauheimer Ku im Schloß Petershof Bäder nach Nauheimer Art noomen. Dieser plöbliche Entschluß dürfte zu allerlei Kommentaren Anlaß geben, und die Frage liegt nahe, ob diese Programmänderung die Aerzte oder die Diplomaten verantwortlich zu machen sind. Wenn Für­ften reisen, so braucht man nicht immer gleich nach po­Ittischen Motiven zu suchen. Wenn aber Fürsten plötz­Itch eine geplante Reise aufgeben, so wird man dahinter fast ausnahmslos politische Motive zu wittern haben.

An sich hatte die beabsichtigte Barenreise nach Nau­heim sebenso wenig politische Bedeutung wie etwa die Nordlandreise Kaiser Wilhelms. Hätte aber der Deut­fche faifer feine norwegische Reise im gegenwärtigen Augenblick aufgegeben, so würde wohl die ganze polt­ttsche Welt darin ein hochpolitisches Symptom erblidt haben. Auch der Bar wird daher nicht dem Verdacht éntgehen, daß die plötzliche Aenderung seiner Reisedis­pomen eine gewiffe politische Bedeutung hat. Dieser Berdacht wird umso starter, wenn man sich erinnert, daß sich im vorigen Jahr an den unpolitischen Aufent halt des Barenpaares im Taunus die hochpolitische Botsbamer Entrevue anschloß. Bet der persönlichen Freundschaft zwischen dem Deutschen Kaiser und dem Baren hätte fich auch in diesem Jahr eine Zusammen­funft der beiden Herrscher faum vermeiden lassen, wenn diese auch feineswegs eine besondere politische Bedeu­tung zu haben brauchte. Die Vermutung liegt nun nahe, daß die durch das deutsche Eingreifen in Maroffo gefchaffene Lage dem Zaren den Wunsch nahegelegt hat, eine Begegnung mit Kaiser Wilhelm zu vermeiden.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Der Kaiser auf der Nordlandreise. Am Sonnabend frith machte der Kaiser von Bergen aus einen Spazier gang an Land, erledigte dann an Bord des Begleit­freuzers Kolberg laufende Arbeiten und begab sich um 1 Uhr mittags nach der Villa des deutschen Konsuls Mohr, wo er mit einem Teil des Gefolges das Früh­stück einnahm.

Das Inkognito der preußischen Prinzen. Während der deutsche Kronprinz sich noch als Gast des Königs Georg V. am Londoner Hofe befand, hielt sich auch, wie die Tgl. Ndsch." schreibt, Brinz Eitel Friedrich, von seiner Gemahlin begleitet, in der britischen Hauptstadt auf, wohnte aber nicht in Buckingham Palace, sondern in einem der großen Londoner Hotelpaläste. Als Graf und Gräfin von Tecklenburg" hatten der Prinz und die Prinzessin sich in die Fremdenliste eintragen lassen, und wenn ihr Infognito auch durchschaut wurde, so wurde es doch wunschgemäß respektiert. Die Söhne des deutschen Kaiserpaares wählen ihr Infognito aus dem sogenannten großen preußischen Königstitel und bevor­zugen in dieser Beziehung, sei es Absicht, sei es Zufall, die westlichen Teile der preußischen Monarchie.

chon im vorigen Jahre hat man es der russischen Metát in Frankreich sehr übel genommen, daß sie die Hand dazu geboten hat, mit Deutschland zu einem besse­rew Einvernehmen zu gelangen. Bei der gegenwärtigen Lage in Maroffo müßte eine erneute Begegnung der belden Herrscher die französische Empfindlichkeit noch wet mehr erregen. Auch der Bar selbst täme dabei in ethe fchiefe Lage. In einem Augenblick, in dem ihn da Bündnis mit Frankreich verpflichtet, seinem Bun­desgenossen gegen Deutschland zu sekundieren, fann er fich mit dem deutschen Kaifer nicht gut über das Wet­tenterhalten. Das würde geradezu wie eine Demon ftragion gegen Frankreich aussehen. Würde aber der Bwährend seines Aufenthalts auf deutschem Boden feder Begegnung mit Kaiser Wilhelm ausweichen, toute man auch darin leicht eine Demonstration er blic, die geeignet wäre, den Maroffokonflikt nur zu verhefen. Daran hat aber Rußland ganz und gar fein Interesse. Bei diesem Zwiespalt zwischen seiner Bünd­nilicht und den eigenen Staatsinteressen war es in bertat wohl der beste Ausweg, wenn der Zar seine Raise nach Nauheim ganz aufgab. Damit entfällt feder Ana au einer neuen Begegnung mit dem Kaiser, und der Bar braucht weder die Gefühle der Franzosen noch dienebote internationaler Höflichkeit zu verlegen. igit

THOT

Der Inhalt der französischen Marokkonote.

Mit der jüngsten Entwicklung des Hansabnndes" beschäftigt sich die Nordd. Allg. Zig." in ihrem letzten Wochenrückblick abermals. Sie beschäftigt sich einge­

hend mit den Austrittserklärungen und schreibt zum Schluß: Möchten wir unserseits hinzufügen, daß nur durch festes Zusammenstehen des Bürgertums der So= zialdemokratie ein Gegengewicht geboten werden kann, das eine genügend starke Anziehungskraft auszuüben vermöchte, um Mitläufer oder irregeleitete Nachläufer der Sozialdemokratte für eine gesundere Auffassung von den Aufgaben und Möglichkeiten der staatlichen und ge­sellschaftlichen Entwicklung zurückzugewinnen."

Dbwohl die Antwortnote Frankreichs noch geheim gehalten wird, ist ihr Hauptinhalt doch bekannt gewor­ben; Frankreich beginnt mit der Versicherung, baß es die ntegrität Maroffos und die Souveränt­tabes Sultans als obersten Grundsatz betrachte, wes­har es feber Bestbergreifung eines Gebiets von Ma­rosto oder einem Proteftorat über Maroffo, unter wel­cher Form es immer fet, feine Anerkennung versagen mfiffe. Frankreich ersucht dann weiter Deutschland, sein Kriegsschiff aus Agadir abzuberufen, wofür es sich ver­pflichte, die Bürgschaft für den Schutz der deut­fen Maroffotntereffen zu übernehmen, wo Testere immer gefährdet seten. Auch erklärt es sich berett, fern ein Striegsschiff nach Agadir zur Bewachung der betichen Interessen in Südmarokko zu senden. Schließ­Itch wiederholt Frankreich sein Versprechen, binnen für­aeffer Belt alle Truppen aus Marokko zurück zu atehen. Auf Grund dieser Prinzipien sei es geneigt, mit Deutschland zu konversieren oder vielmehr dessen Bachläge entgegenzunehmen. Der Ton der Note soll feh berföhnlich gehalten sein.

Die türkische Studienkommission tst am Sonnabend von Heilbronn fommend in Stuttgart eingetroffen und von dem Empfangskomitee und Vertretern der Behör den am Bahnhof begrüßt worden.

Eine japanische Militärftudienkommission, die an fangs dieses Monats in Berlin eingetroffen ist, wird bis Mitte August verschiedene militärische Anstalten und Regimenter in Deutschland besuchen und sich dann nach England begeben. Im Herbst tehren die Herren dann nach Deutschland zurück, um an den größeren Manövern teilzunehmen.

Die Beisehung der Königin- Witwe Maria Pia von Portugal hat am Sonnabend in Turin mit großer Fet­erlichkeit stattgefunden. An der Trauerfeier nahm auch der deutsche Militärattachee Major von Kleist teil. Der fönigl. Hof in Berlin legte für die Königin- Witwe Maria Pia von Portugal die Trauer auf drei Wochen bis einschließlich 27. d. M. an, außerdem legte der tgl. Hof Trauer auf 14 Tage bis einschließlich 20. Jult an für die verwitwete Großfürstin Konstantin von Ruß­land und die verwitwete Prinzessin Napoleon Bona­parte.

sion anderer Seite wird dagegen gemeldet, daß über benuynhalt der Note vollstes Stillschweigen herrscht. Der französische Botschafter Cambon, der nach Berlin aurigefehrt ist, bat geschriebene und detaillierte mind­fiche instruftionen nach Berlin mitgenommen, die er wahrscheinlich dem Reichskanzler zu unterbreiten Ge­Tegenheit baben wird. Man nimmt an, daß auch Herr von Schön die notwendigen Befugnisse erhalten wird, unin ersprießlicher Weise in Paris zu verhandeln.

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Jugendfreundschaft.

Die Prinz Heinrich- Fahrer in England. Um 1 thr mittags traf gestern der Dampfer Großer Kurfürst mitt den Prinz Heinrich- Fahrern an Bord in den Sout hamptoner Gewässern ein und ging am Kai vor An fer. Bei der Einfahrt passierte der Dampfer zahlreiche Kriegsschiffe und mehrere Motorjachten gaben ihm das Geleit. Nach dem Anlegen famen der Bürgermeister von Southampton und mehrere Ratsherren an Bord, um den Prinzen Heinrich zu begrüßen.

Was geht in Portugal vor? Mit den Lissaboner Meldungen, daß in Portugal vollständige Ruhe und Frieden herrsche, kontrastiert eigentümlich die Tatsache, daß außerordentlich große Truppenmassen an den Gren­zen zusammengezogen sind. Es befinden sich augen­bltcklich 35 000 bewaffnete Portugiesen an der Nord­grenze, und man hat begonnen, auch die Südgrenze zu besetzen.

Große Ueberschwemmungen sind in Rumänien ein getreten. Infolge ununterbrochenen Regens sind in der Moldau die Flüsse ausgetreten; zahlreiche Dörfer und Städte sind unter Wasser gefeßt. Der angerichtete Scha­den ist groß. Auch Menschenopfer sind zu beklagen; der Eisenbahnverkehr ist gestört.

Die Cholera greift in der Türkei weiter um sich. Im städtischen Krankenhaufe in Stambul ist ein Cho­Terafall vorgekommen; auch in Anatolien fordert die Seuche weitere Opfer.

Präsident Taft über die Schiedsverträge. Präsident Taft sprach sich in einer Rede dahin aus, daß sechs Län­der Europas die amerikanischen Schiedsverträge an­nehmen würden. Die Schiedsverträge schafften die Kriege nicht ab, aber sie bildeten ein gewichtiges Mtt­tel, sie zu verhüten. Die Annahme der Schiedsverträge durch England, Frankreich und Deutschland, mit denen ein Krieg natürlich in weiter Ferne Itege, hätte eine gesunde moraltsche Wirkung in der Welt.

Roman von G. v. Schltppenbach. ( Nachdruck verboten.) Es ist wieder März, das kleine, niedrige Haus in der engen Winkelgasse ist noch verwitterter geworden, dianverbrauchten Möbel zeigen noch deutlicher Spuren Taugen Gebrauches. Es hat sich viel in den dret Jah­reuzgeändert, die tiefe Trauerkleidung Klaras und ihrer Mutter verraten, daß sie einen schweren Verlust erlitten haben. Der Stubt am Schreibtisch, über den sich des Balers Saupt gebeugt, ist leer geworden, nie mehr sagt die hide, freundliche Stimme: Nun, Mutting, laß uns audithen und miteinander plaubern."

Ein schweres Bootsunglück hat sich in Norwegen ereignet. Von zwei Höfen begaben sich achtzehn Pers sonen mit Kindern, die am Sonntag fonfirmiert wer den sollten, auf den Weg zur Kirche. Alle achtzehn Ber­sonen bestiegen ein Boot, um über den Saltael zu fah ren. Der reißende Strom warf das Boot gegen einen Felsen, sodaß es zerschellte. Dreizehn Versonen, meist Frauen und Kinder, ertranfen, fünf wurden gerettet.

Ein Putsch Castros in Sicht? Ein Telegramm aus Neuyork meldet, die venezolanische Regierung habe be­stimmte Nachricht, daß Castro im westlichen Venezuela gelandet set und daß tausend Mann ihm Gefolgschaft leisteten.

Kleine Nachrichten.

Ein Drama in der Gefängniszelle. In Gnefen er­hielt ein wegen Unterschlagung verhafteter Kaufmann Böttcher aus Lübeck in der Zelle den Besuch seiner Braut. Nach einer Auseinandersetzung mit ihr schoß fich Böttcher eine Kugel in die Brust und starb sofort.

Durch einen Schuß ins Herz getötet hat sich Sonn­abend abend der Untertertianer Peperforn vom Real­gymnasium in Essen. Der Knabe hat die Tat anschet nend im Zustand großer Erregung über eine von seinen Eltern auferlegte Züchtigung wegen Ungehorsams in der Schule begangen.

Bäderfrequenz. Baden- Baden 34 006; Badenweller 8739; Brückenau 1827; Davos 14 321; Ems 9558; Hom­burg 6134; ich! 4393; Karlsbad 33416; Kissingen 17 155; Königstein 3864; Kreuznach 6616; Langenschwalbach 2866; Marienbad 13 948; Nauheim 18 849; Neuenahr 11 619; Niendorf 1860; Oberstdorf 3294; Oldesloe 1472; Orb 2195; Pyrmont 16 387; Reichenhall 10 313; Salzun gen 2256; Sooden( Werra) 2937; Soden 2081; St. Bla­ften 7608; Tepliß- Schönau 3165; Travemünde 3880; Traunstein 12 759; Warnemünde 6038; Westerland- Sylt 8168; Wildungen 6071.

Der Ernährer der Familie ist nach langem Siech tu gestorben. Man gab ihm während der Krankheit einefleine Pension; da hieß es noch mehr sparen und fichneinschränken. Bina und Alfred schickten der Mut­ter weld und mutig nahm Thekla Grotenbach den Kampf um die Existenz auf sich; fie tat es im festen Vertrauen auf den, der die Lilten leidet und die Vögel speist. Danf ihrer unermüdlichen Arbeit gelang es, das Haus zu erbalten. Die treue Jugendfreundin stand in dieser Bell der Sorge den Grotenbachs hilfreich zur Seite; Ana Haided hatte die rechte Art zu geben, ohne zu verleven. Wahres Christentum läßt uns nicht verza­gen; jeden Morgen fühlen wir seinen Segen, jeden Abend lernen wir beten: Herr bleibe bei uns, stehe mus bei, denn es will Abend werden, und der Tag hat fich geneigt."

Ein Hamburger Spezialitätentheater eingeäschert. In dem Hammonia- Vartetee, einem der größten Va­rietees Hamburgs, brach in den ersten Morgenstunden des Sonntags Feuer aus, welches das Theater voll­ständig einäscherte.

Der deutsche Kronprinz pachtete die Villa Maund bei Hopfreben in Vorarlberg, wo er bereits mehrere Male zur Jagd weilte, auf weitere drei Jahre. trifft am 15. August mit der Kronprinzessin und seinen Er Kindern zu längerem Aufenthalt in Hopfreben ein.

Wer aus solch reiner Quelle schöpft, der gewinnt Kraft und Mut, weiter zu leben, weiter zu ringen. Es btes oft: Frau Grotenbach hat einen beneidenswerten Charakter, eine Rube, die erstaunlich ist." Ja, so ur­teilt die Welt, sie weiß nicht, wie viel es kostet, um so wett zu kommen.

Schrecklicher Selbstmord. Auf entsetzliche Weise hat gestern ein durch unheilbare Krankheit gequälter Ein­wohner von Borhagen bei Berlin in einer Lauben­folonte seinem Leben ein Ende bereitet. Er übergoß sich mit Petroleum und zündete sich an. Der Mann starb nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus.

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Fliegerunfall. Der Flieger, Einjährig- Freiwilliger Reichhardt ist auf dem Truppenübungsplatz bet Darm­stadt infolge Versagens des Motors durch überstürzten Gleitflug abgestürzt und hat sich einen Fuß verstaucht. Der Apparat ist start beschädigt.

Anna Haided besuchte Grotenbachs einmal mit Karla und Eva, es war schwer zu sagen, wer von ihnen anziehender war, beide waren sehr hübsch und anmutig geworden.

Liebe Anna," sagte Frau Grotenbach, tch fürchte, Eva gewöhnt sich allzusehr an den Lurus bei Dir."

Beim Baden in der Ruhr ertranken gestern im Freibad Bellinghausen zwei 18jährige Burschen. In Steele versant beim Baden ein junger Mann und er trant. Beim Versuch, thn zu retten, fand auch sein Vater den Tod.

Eva ist eine jener glücklichen Naturen, die sich nicht verwöhnen lassen, sie hängt mit so großer Liebe an threm Elternhaus," versetzte Frau Haideck. Was ist aber mit Deiner Karla?" fragte Frau Grotenbach, ich finde sie so verändert sett ich sie vor einem Jahre in Berlin sah, bat fie einen Summer?"

Der japanische Generalfeldmarschall Graf Nogi, der Eroberer von Port Arthur, ist gestern früh in Berlin eingetroffen.

Bur Strandung der Santa Rosa. Nachträglich ein­laufende Berichte über die Strandung des Dampfers Santa Rosa an der falifornischen Küste besagen, daß die Katastrophe bedeutend mehr Opfer an Menschenleben gefordert hat, als ursprünglich gemeldet wurde. ganzen sind 275 Personen ertrunken.

Ganz entgegen ihrer sonstigen Beherrschung brach Frau Haldeck in Tränen aus; Thekla war sehr erschreckt. " Willst Du Dich mir nicht anvertrauen, Liebste?" fagte sie, die zitternde Hand ihrer Freundin ergreifend. Nun erfuhr Frau Grotenbach alles.

Haidecks hatten in Strandhof die Bekanntschaft et­nes jungen Russen gemacht, der in Saßniz badete und dessen Eltern früher in Petersburg im gastfreien Hause von Karlas Vater verkehrten.

Aus den Gerichtssälen.

Eine gefährliche Hochstaplerin, die Kellnerin Kal terbach, die sich intimer Beziehungen zu Offizieren rühmte und seit Jahren Geschäftshäuser um große Be­träge dadurch beschwindelte, daß sie auf den Namen der Offiziere Bestellungen machte und die erschwindelten Sachen wieder veräußerte, wurde von der Gölner Straffammer nach längerer Verhandlung zu vier Jah ren drei Monaten Zuchthaus unter Einbeziehung der Strafe von zwei Jahren Zuchthaus, die die Hochstap­lerin jüngst in Leipzig erhielt, verurteilt. Wegen Ver­leumdung zweier Offiziere wurde auf 8 Monate 3 Wo­chen Gefängnis erkannt. Viele Offiziere auswärtiger Regimenter waren als Zeugen geladen.

Konstantin Uchatscheff diente in der Zarenstadt bet der Garde, er war bildschön und von fener einschmet chelnden, glattzüngigen Liebenswürdigkeit, der ein Mädchenherz felten wiedersteht. Mit steigender Besorg­nis bemerkte Frau Haideck die sich rasch entwickelnde Neigung Karlas au dem Fremden. Als die Mutter eines Tages mit der Tochter sprach, war es schon aut spät, Karla gestand leidenschaftlich weinend ein, daß sie den jungen Offizier liebe und sich mit ihm heimlich ver­lobt batte.

Freisprechung eines Mörders. Das Mannheimer Schwurgericht hat den Schreiner Ludwig Fassot aus Zweibrücken, der vor dem Hauptbahnhofe in Mann heim fürzlich den Liebhaber seiner Frau erschossen hat, freigesprochen. Die Frau und die Kinder des getöteten

Frau Haideck war außer sich. Was wußte sie von Konstantin? Er kam selbst und flehte um die Hand ihres einzigen Kindes, Karlas Tränen flossen, da ver­sprach ihre Mutter, daß sie noch ein Jahr Prüfungs­zeit verlange und dann erst einwillige. Karla war auch noch zu jung, um den ernsten Schritt zur Ehe zu tun.

Die Itebende Mutter hatte Erfundigungen über Uchat­fcheff eingezogen, sie erfuhr nicht gerade etwas Schlim­mes, es hieß, er sei wie alle jungen Gardeoffiziere ziems Itch flott gewesen, seit einiger Zett aber sehr ernst und solide geworden. in

" Ich werde die Partie zugeben müssen," seufzte Frau Haideck, aber ich habe das Vorgefühl, daß Karla in dieser Ehe nicht glücklich wird."

Kurz vor des Vaters Tod war die ganze Familie Grotenbach noch einmal im Elternhause vereint ge­wesen. Alfred als Arzt erkannte den ernsten Zustand des Vaters und bereitete die Seinigen auf sein Dahin­scheiden vor. Lina übernahm die Wirtschaft, damit die Mutter ihre ganze Zeit dem lieben Kranten schenken Lonnte.

Die kleine Blinde schwand sichtlich dahin, sie wurde täglich schwächer und eines Tages legte der Todesengel sanft die Hand auf ihr Herz. Frau Grotenbach war bet Irma, sie hatte die Nacht bei ihr gewacht, auch Alfred teilweise; er sagte es der weinenden Mutter, daß die Dulderin bald erlöst sein würde. Gegen Morgen trat ein so plöglicher Verfall der Kräfte ein, daß die Herz­schwäche zunahm. Man holte den geistlichen Beistand und als dieser seines Amtes gewaltet und sich wieder entfernt hatte, da zog es wie ein leises Läuten und Singen durch die Seele der jungen Dulderin. Mutter," flüsterte die Sterbende, es wird so hell, ich sebe!" Ja, sie sah es, das ewige Licht in jener Heimat, der wir alle zuwallen.

Acht Tage später starb Vater Grotenbach. Es war ein sanftes Verlöschen, ohne schweren To deskampf. Eben erst war der schmale, weiße Sarg, der Jrmas sterbliche Hülle barg, in die Erde gesenkt wor den, nun ruhte der Bater neben ihr.

( Fortsetzung folgt.)

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