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Eintritt frei.
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Seide in Gießen.
Gießener Zeitung
( Neueste Nachrichten)
Bezugspreis 50 Pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen
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oierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den ZweigErscheint ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mr. Mittags 3 Uhr. Die„ Illuftr. Weltrundschau" Redaktion: liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.
Nr. 110.
Telephon: Nr. 362.
Das Marokkoproblem und der Friede.
Die erhitzte Stimmung in Frankreich findet in den maßgebenden Kreisen des Deutschen Reiches fortdauernd eine überaus ruhige Betrachtung. Auch die Auslassun= gen des nationalistischen Pariser" Intransigant", der von weit„ gediehenen Vorbereitungen für einen europäischen Krieg" spricht, vermag den Gleichmut an der Spree nicht zu stören. Wenn man an der Seine durchaus wieder einmal den Teufel an die Wand malen muß, so soll man sich dort auch der Folgen erinnern, die vor vierzig Jahren aus der sich überhebenden Anmaßung hervor gingen. Die Erklärungen, die der französische Botschaffer Cambon vor seiner Abreise nach Paris dem Berliner Auswärtigen Amte gegeben hat, dienen hier zunächst zur Richtschnur für alle Erwägungen. Man erwartet die baldige Rückkehr des Botschafters nach Berlin und seine weiteren Darlegungen werden alsdann die gewünschten Aufschlüsse bringen müssen.
Der Vortrag des Reichskanzlers beim Kaiser in Karlsruhe dürfte selbstverständlich auch der Lage der Dinge in der marokkanischen Krisis gegolten haben. Wenn der Kaiser diesmal auch nicht, wie zur Zeit des Staatssekretariats des Herrn von Schoen, verlangt, die Streitig keiten über Marokko sollten in 48 Stunden beigelegt sein, so hegt Wilhelm 2. doch noch den Wunsch, daß der Friede mit Frankreich erhalten bleiben möge. Selbstverständlich erwartet auch der deutsche Kaiser, daß die französische Regierung sich in die Bahnen zurück= begibt, die der Algecirasvertrag ihr angewiesen hat. Schon in wenigen Wochen muß es sich her= ausstellen, ob Frankreich wirklich eine Besitzer greifung von Marokko plant, wie es in weiten Kreisen Europas, selbst in Spanien, vermutet wird, oder ob es laut seiner bestimmten Erklärung die Truppen in die Küstengebiete zurückzieht.
Mitte dieses Monats begibt sich der Kaiser zu den Krönungsfeierlichkeiten nach London. Wenn seine Anwesenheit an der Themse auch nicht politischen 3we cken dienen soll, so ist die europäische Lage doch eine derartige, daß eine Aussprache der Monarchen darüber unvermeidlich geworden ist. Durch eine wirksame Vermittelung der englischen Regierung würde Delcasses temperamentvolle Politik am leichtesten beruhigt werden. In London muß es sich ergeben, ob tatsächlich die Vorbereitungen für einen europäischen Krieg" soweit gediehen sind, wie es aus Paris heißt. Die Friedens sorge ist nicht ausschließlich eine deutsche Sorge, denn sie lastet auf allen Nationen, die den Marokkovertrag unterzeichnet haben, in gleichverantwortlicher Weise. Die Rolle des Anwalts der Algeciras- Mächte wird Deutschland nicht übernehmen, ebensowenig wie hier an einen Berliner Kongreß gedacht wird. Für alle Fälle ist das deutsche Heer längst gerüstet. Vor seiner Fahrt nach London nimmt der Kaiser in Straßburg und in Metz noch die Parade über die Truppen ab, und von der„ schimmernden Wehr" wird er auch diesmal sagen können: Besonderer Vorbereitungen bedarf sie nicht!
Wir sehen also, daß die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich wegen der Marokkofrage sich wieder recht bedenklich zugespitzt haben. Sollte es aber nicht möglich sein, in dieser Frage zu einer friedlich= schiedlichen Auseinandersetzung zu gelangen? Einen Krieg will niemand haben, außer einigen professionellen Säbelrasslern. Wie der Zustand aber jetzt ist, kann er auf die Dauer unmöglich weiter bestehen, und wenn wir im Hinblick auf den vierzigsten Jahrestag des Frankfurter Friedens einen recht beherzigenswerten Wunsch aussprechen dürfen, so ist es eben der, daß der deutschfranzösische Friedensschluß in der Marokkofrage recht bald zustandekommen möge.
der Großherzoglichen Bürgermeisterei
sowie vieler anderer
=
des Großherzoglichen Polizei- Amfes Behörden Oberhessens
Expedition: Seltersweg 83.
( Haus Brüder Schmidt.)
Donnerstag, den 11. Mai 1911.
( Gießener Tageblatt)
Anzeigenpreis 15 Pfg.
die 44 mm breite Inseratenzeile.- Stellen: gesuche und Familienanzeigen 10 Pfg.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pig. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. S.
Telephon: Nr. 362.
23. Jahrg.
Wahrlich eine Gedächtnisfeier, wie sie eindringlicher nicht| Stadt, abends 7½ Uhr Gesellschaftsabend, Preisver
gedacht werden kann! Die Glockentöne waren verklumgen, aber noch immer harrten in den Straßen die Menschen, bis auch der letzte Feuerschein dort oben erloschen war und der alte Dom, vom magischen Mondschein übergossen, in gewohnter Ruhe dastand.
Wolkenlos blauer Himmel lachte heute morgen auf Frankfurt herunter, als um 7 Uhr früh das Choralblasen vom Turm der Katharinenkirche das Zeichen gab, daß der Erinnerungstag an die 40jährige Wiederkehr des Friedensschlusses offizieil begonnen habe. Und schon füllten sich die Straßen mit jungen Mädchen, die ihre liebenswürdigste Miene aufgesetzt hatten, den Passanten recht viel Geld für die kleinen blauen Blümchen, die sie zum Verkauf boten, abzunehmen. Und jeder, ob arm, ob reich, stiftete gerne und freudig sein Scherflein zu dem wohltätigen Werke, das den bedürftigen Veteranen, durch deren Heldentaten uns das Kaiserreich geschaffen wurde, zugute kommen soll. Wie sich der Verkehr auf den StraBen mehr und mehr steigerte, nahm auch der Blumenverkauf einen immer größeren Umfang an, und so kam die Stunde heran, in denen die Kirchen ihre Pforten öffneten, die Gläubigen zum Festgottesdienst einzuladen, der im Dom bereits um 9 Uhr, in der Paulskirche und in der Hauptsynagoge um 10 Uhr begann.
Das Friedenszimmer im Hotel Schwan wurde um 10 Uhr dem allgemeinen Besuch geöffnet. Eine riesige Menschenmenge hatte sich vor dem Hotel= eingang angesammelt, denn es galt eine von den 500 Postkarten zu erobern, die mit dem Stempel versehen waren:„ Ausgegeben im historischen Friedenszimmer des Hotels Schwan am 10. Mai 1911. Kornblumentag." 3u je zehn wurden die Besucher in das Zimmer gelassen. Dabei ging es nicht ohne Zwischenfälle ab. Denn dem Andrang mußte durch Absperrung gewehrt werden und, wie das so geht, das Temperament manches Besuchers und manches Polizeibeamten vertrugen sich sehr schlecht. An den Wänden standen die Fahnen der Kriegervereine, die gelbseidenen Polstermöbel, in denen vor 40 Jahren die Parlamentarier bei der Friedenskonferenz saßen, waren beiseite geschoben, und in einer Ecke wurden die nummerierten Karten verkauft.„ Die erste kostet eine Mark, zwei kosten fünf Mark, drei zehn, vier zwanzig Mark." In einer knappen Stunde sind die Karten abgesetzt. Die Karte selbst, von Jungnickel entworfen, zeigt zwei Ritter, geharnischt vom Wirbel bis zur Zeh, die sich in Freundschaft und Frieden die Hand reichen.
Um die Mittagszeit begannen die Promenadenkonzerte, denen am Nachmittag ein Festgottesdienst im PalNach mengarten und im Zoologischen Garten folgte. mittags gegen 5 Uhr versammelten sich die Teilnehmer vor dem Hotel„ Schwan" und zogen nach der Festhalle, wo um 8 Uhr die Festfeier mit Gesängen, Orchester- und Chorvorträgen, sowie turnerischen Darbietungen begann.
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Aus Stadt und Land.
Gießen, den 11. Mai 1911.
Der Großherzog hat dem Vorsitzenden des Deutschen Stenographenbundes Gabelsberger, Professor Eduard Pfaff zu Darmstadt, das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen liehen.
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ver=
Professor Schlesinger wurde gestern vom Großherzoge empfangen.
* Erledigte Lehrerstellen sind zur Zeit an der Gemeindeschule zu Michel a u, Kr. Büdingen ( dem Herrn Fürsten zu senburg und Büdingen in Wächtersbach steht das Präsentationsrecht zu); GroßEichen, Kr. Schotten( die Hälfte des Organistendienstes kann mit dieser Stelle verbunden werden); Nie=
Die Friedensteier zu Frankfurt a. m. Der Stoll, Kr. Lauterbach( mit der Stelle ist Dr
Frankfurt, 10. Mai 1911.
Lange vor der festgesetzten Zeit drängte sich am Vorabend des Kornblumentages nahe dem Dome Kopf an Kopf, um das herrliche Schauspiel der Dombeleuchtung, das den Auftakt zum Kornblumentag bilden sollte, aus möglichster Nähe zu genießen. Je tiefer sich der Abend herabsenkte, desto größer wurde das Gedränge, das gegen 9 Uhr einen geradezu beängstigenden Umfang annahm. Da endlich holte die Uhr am Dom zum Schlagen aus, und wie durch Zauberkraft stand das herrliche Gebäude von unten bis zur höchsten Turmspizze plötzlich in ein Flammenmeer gehüllt. Nun begannen die Glocken zu läuten und schweigend stand die Menge, von dem überwältigenden Zauber des Augenblicks ergriffen.
teilung und Ball. Sämtliche Veranstaltungen finden mit Ausnahme des Wettschreibens in den Sälen des Kaufmännischen Vereinshauses statt. Montag, den 15.
Mai, nachm. 2 Uhr Ausflug in den Taunus.
* Die drei gestrengen Herren, Mamertus, Pankratius und Servatius, die mit dem heutigen Tage beginnen, sind als Bringer von Nachtfrösten gefürchtete Gäste. Nicht immer trifft allerdings diese Prognose zu; in den letzten Jahren war dies wohl über= haupt nicht mehr der Fall, und nach dem augenblicklichen Stande der Witterung dürften auch in diesem Jahre keine Fröste mehr zu erwarten sein. Tatsache ist zwar, daß am Anfang Mai fast alljährlich Temperaturrückgänge zu verzeichnen sind, die ihren Grund häupt= sächlich in ständigen Luftströmungen haben, welch letztere, wenn gleich weit von uns in fernen und abgegrenzten Gebieten vorherrschend, gleichwohl Kraft genug besitzen, alljährlich zu bestimmter Zeit das Klima von Mittel= europa empfindlich zu beeinflussen.
=)(= Friedberg, 10. Mai. Der Evangel. Pfarrverein für das Großherzogtum Hessen sprach sich mit Bezug auf die Frage der Trennung des Organistendienstes von der Schulstelle in seiner Mehrheit gegen die Trennung aus. Der Vorstand datte sich in einer vorausgehenden Sitzung ebenfalls gegen jede Lockerung des seitherigen Verhältnisses ausgesprochen, wenigstens insoweit, als der Pfarrverein nicht die Initiative dazu ergreifen will.
* Aus dem Vogelsberg, 10. Mai. Ein Kleinbahnid y II. Ein Reisender schreibt: Anfangs Mai kehrte ich von Hochwaldhausen nach Lauterbach zu rück. Von Rixfeld ab fuhren ein Drehorgelmann und seine Frau mit; sie verließen ihn in Frischborn wieder, um ihrem Geschäft nachzugehen. Während der Mann die frischesten Melodien von den bekanntesten Gassenhauern vom" Perron" aus herunterleierte, ging die Frau einsammeln bei den Passagieren des Zuges. und verschonte selbst den Lokomotivführer, Heizer, Zugführer, die Schaffner und Bremser nicht. Da das„ Zügle" etwa 5 Minuten auf dieser„ Hauptstation" hält, so war der Genuß von ziemlich langer Dauer. Als der Stationsvorsteher durch Abwinken dem„ Konzert" ein Ende gemacht hatte, fuhr der Zug etwa 800 Meter weiter bis Blitzenrod, wo dem Spielmann allerdings nur 2 Minuten Zeit zu seinen Vorträgen gelassen war.
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Frankfurt, 10. Mai. Der Weichensteller 1. Klasse Häuser in Frankfurt erhielt das Allgemeine Ehrenzeichen aus Anlaß seiner Pensionierung. Das wäre sehr schön gewesen, wenn der Dekorierte nicht schon am 1. April gestorben wäre.
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Darmstadt, 11. Mai. Die Holzdrahtfabrik Rexroth- Lynen in Michelstadt hat in den letzten Tagen wegen mangelnden Absatzes der Hülfsprodukte zur Zündholzindustrie 73 Arbeiter entlassen müssen. Die Abgeordneten Lang und Dr. Osann stellen nun bei der Gr. Regierung die dringende Anfrage, ob und in welcher Weise sie dem hierdurch entstandenen Notstande der Arbeiter abhelfen will.
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Darmstadt, 11. Mai. Der Ertrag des Blumentages hat nach dem Abschluß der Zählung nahezu 30 000 Mark für unsere Stadt ergeben.
= h= Braunfels, 10. Mai. Gelegentlich des Durchschlags im Grävenwiesbacher Tunnel sandten die Herren von der Kgl. Eisenbahnbauabteilung und der Bauunternehmung an den Kronprinzen ein Glückwunschtelegramm und fügten hinzu, daß am Geburtstage Seiner Kaiserl. Hoheit der Durchschlag des Tunnels erfolgt sei. Hierauf ging folgendes Telegramm ein:
Potsdam, den 8. Mai 1911. Eisenbahnbauabteilung Braunfels- Grävenwiesbach.
Seine Kaiserliche Hoheit der Kronprinz lassen der Eisenbahnbauabteilung Braunfels nebst Unternehmung für die freundlichen Glückwünsche bestens danken; Höchstderselbe spricht hierbei seinen Glückwunsch zum Durchschlag des Grävenwiesbacher Tunnels aus.
J. A.:
Graf Bismarck Bohlen. Hofmarschall.
ganisten- und Lektordienst verbunden; dem Herrn Grafen von Schlitz genannt v. Görz steht das Präsenta= tionsrecht zu) und Eberstadt, Kr. Darmstadt. * Bundestag des Mittelwestdeutschen Stolze Schrey Stenographenbundes vom 13. bis 15. Mai in Frankfurt a. M. Sonntag, den 13. Mai, nachmittags: Empfang der auswärtigen Ge Gäste, 5 Uhr Sigung des Bundesvorstandes in meinschaft mit den Bezirksleitern und Verbandsvertre tern, abends 8 Uhr geschäftliche Hauptversammlung, Sonntag, den 14. Mai: Empfang der auswärtigen Gästehen, sodaß jetzt 52 Gehöfte verseucht sind. auf dem Hauptbahnhof, vorm. 9 Uhr öffentliches Wettschreiben in der Städtischen Handelslehranstalt, vorm. 11½ Uhr öffentliche Festversammlung und Festvortrag, nachm. 2 Uhr Festmahl, nachm. 4 Uhr Besichtigung der
-sch Wehrheim, 11. Mai. Jn 22 weiteren Gehöften ist hier die Maul- und Klauenseuche ausgebro
* Marburg, 9. Mai. Die Stadtverordneten bewilligten nach fast dreistündiger Diskussion 5000 Mark für die Ausarbeitung eines Projekts für die Elektrifizierung der Pferdebahn.


