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der Gendarmeriewachtmeister Pnid in Simianowitsch, als er den Arbeiter Kowoll in der Wohnung seiner Geliebten verhaften wollte, durch einen Schuß ins Herz getötet. Ko­woll ist der berüchtigte Verbrecher, der am 16. März in Bismarchütte den Nachtwächter Stachowski durch einen Schuß bei Ueberraschung eines Einbruches tötete und am 31. März in Laurahütte bei einer nächtlichen Radauſzene den Schuhmann Gehlsen erschoß und vor drei Tagen in Josefdorf den Schlosser Kopah, als dieser ihn bei Ausübung eines Einbruches ertappte, tödlich verlegt hatte. Auf seine Ergreifung war eine Belohnung von tausend Mark seitens des Regierungspräsidenten von Oppeln ausgesetzt. Der er­schossene Gendarm ist 54 Jahre alt und hinterläßt eine Witwe und neun Kinder. Bei der Verbrecherjagd waren mehrere Gendarmen und Kriminalschuhleute zur Stelle, der Täter ist jedoch entkommen.

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Er weiß sich zu helfen. Ein heiteres Stückchen er­zählt man sich gegenwärtig am elsässischen Rhein. An den Rheinschiffbrüden ist allenthalben die bündige Vorschrift zu lesen: Beladene Wagen dürfen nicht mit mehr als 30 Doppelzentnern beladen über die Brücke fahren. Schon so mancher fluchende Fuhrmann mußte die überschüssigen paar Doppelzentner abladen und dann ein zweites und brittes Mal den Weg machen, um das noch Vorschrift und Gesetz zurückgelassene Ladegut nachzuholen. Kam da nun dieser Tage ein biederer Schlettstadter Fuhrmann gefah­ren, dem der gewissenhafte Brüdenmeister an der Wage flipp und klar nachwies, daß er 31 Doppelzentner ge­laden habe. Und ein gewissenhafter Beamter hält streng auf Vorschrift und Gesetz! Der Fuhrmann aber, dem die Pedanterie des gestrengen Brüdenmeisters absolut nicht gefallen wollte, konnte sich nicht entschließen, den gesetz­widrigen Doppelzentner abzuladen und den Weg noch ein­mal zu machen. Aber alles Parlamentieren half nichts. Da kommt dem Braven eine rettende Idee: rasch wirft er einen Doppelzentnersack herunter, läd ihn auf die Schul­ter, treibt seinen Gaul an und trabt ruhig neben dem nun nach Vorschrift beladenen Gefährt her über die Rhein­brüde... Mit etwas länglichem Antlig sah der macht­lose Brückenmeister dem vermessenen Fuhrmann nach. Die Rheinbrüde soll die Belastungsprobe mit den 31 3ent­nern glücklich bestanden haben.

Ein Sieg der Hysterie". Die Geschworenen von Jort Worth haben, einer Meldung aus Neuyork zufolge, Frau Brooks, die ihre Nebenbuhlerin Frau Binsford in einem Warenhause erschossen hatte, freigesprochen. Ein Sieg der Hysterie, wie er vollständiger selbst in den amerikani­Ichen Gerichtsannalen noch nicht dagewesen ist. Die ganze Verhandlung wurde zum tränenreichen Melodrama. Die Angeklagte, der Verteidiger, die Geschworenen, der Richter, ja selbst der Vertreter der Anklage und das Publikum ver­einigten sich in einem schluchzenden, tränenreichen Chor." So läßt sich die ,, B. 3. a. M." berichten. Die Angeklagte gab zu, daß der Revolver, mit dem die Tat ausgeführt wor­den war, ihr gehörte. Sie erklärte, ste hätte einen Re­volver gehabt, um Selbstmord zu begehen, daß sie aber um der Kinder willen sich entschlossen habe, am Leben zu bleiben. Am Mordtage belauschte sie eine Telephonunter­haltung zwischen ihrem Gatten und Frau Binsford, in der ste als die Alte" bezeichnet wurde, während die beiden sich darüber lustig machten, wie sie es verstanden hätten, die Alte" zu betrügen. Da stürzte die Welt über mir zusammen und alles war leer in mir. Erst zwei Tage später kam ich wieder zu mir, ohne daß ich mich erinnern fonnte, was ich getan hatte," so schloß Frau Brooks ihre Aussage. Selbstverständlich lautete der Wahrspruch der Geschworenen auf" Nicht schuldig".

Zu Pearys Nordpolfahrt. Bekanntlich hat die Frage, ob Pearn den Pol erreicht hat, lange Zeit hindurch die Welt in Atem gehalten, bis die National Geographic Society in Washington ein Gutachten abgegeben hatte, daß ihrer Ueberzeugung nach Peary am 6. April 1909 Wus Anlaß des An­den Pol tatsächlich erreicht habe.

trags an den Kongreß der Vereinigten Staaten, Peary baraufhin zum Admiral zu ernennen, ist die Angelegen­heit noch einmal geprüft worden. Der Bericht des Unter­suchungskomitees liegt jetzt im Druck vor, und aus ihm erhellt, daß Peary( wie schon einmal kurz gemeldet) dem Bol nur bis auf 3 Kilometer nahe gekommen ist, und zwar nicht am 6. April, sondern erst am 7. April. Am erstge­nannten Datum passierte er den Pol in einer Entfernung von 8 Kilometern, während er der Meinung war, gerade über ihn zu marschieren. Erklärt wird diese Unstimmig Leit, der Voss. 3tg. zufolge mit der Aenderung, die im Während Gange von Pearys Uhr vorgekommen war. diese vor der Reise um 0,2 Sefunden täglich zurückblieb, ging sie nach der Reise täglich 2,2 Sekunden vor, woraus berechnet wird, daß sie um die fragliche Zeit 10 Minuten vorgegangen sein müsse. Die Sonne stand also immer etwa 2% Grade weiter östlich als Peary auf Grund der Angaben seiner Uhr annehmen mußte, und so erklärt sich sein Irrtum in der Tarierung der Himmelsrichtungen. Mag man auch auf den geringen Abstand von 3 Kilo­meter fein großes Gewicht legen, so ist doch jedenfalls das von Peary auf den 6. April festgesetzte Datum der Erreichung seiner nördlichsten Breite jetzt in den 7. April umzuändern. Im übrigen ist es vielleicht nicht überflüssig, darauf hinzuweisen, daß eine Ungenauigkeit von nur drei Kilometern in Anbetracht der schwierigen äußeren Ver­hältnisse und der Kleinheit der benutzten Reiseinstru mente sowie der geringen Höhe der Sonne über dem Ho­rizont innerhalb der zulässigen Fehlergrenze liegen dürfte. Sizilischer Aberglaube. Ueber einen krassen Fall von Aberglaube berichtet die in Palermo erscheinende Beitung Ora": In Mussomeli, einer Stadt von 12 000 Einwohnern im Bezirk Caltanisetta, sprach jüngst ein Elementarlehrer in der Schule über Salz und Zucker und löste dann, um den Schulkindern zu zeigen, daß die bei­den ziemlich gleich aussehenden Stoffe einen ganz ver­schiedenen Geschmack haben, zuerst ein wenig Salz und dann ein wenig Zuder auf, von dem er mehreren Kin­dern zu trinken gab. Als die Kleinen dann zuhause über diese Unterrichtsstunde berichteten, erinnerten sich mehrere Bäter und Mütter plötzlich an gewisse Gerüchte, die eine neue Choleraepidemie in Aussicht stellten, und im Nu tauchte der unsinnige Verdacht auf, daß die Lehrer den Auftrag erhalten hätten, die Schulkinder zu vergiften und zuerst die 1. Klasse und dann alle folgenden bis zur 6. aus dem Wege zu räumen. Der Verdacht verbreitete sich bald von Mund zu Mund, so daß die Schulkinder nicht mehr zur Schule gehen wollten, weil sie Furcht vor der Cholera hatten. Die größeren Kinder zogen am Tage nach der denkwürdigen Unterrichtsstunde durch die Straßen und hielten Kinder, die noch nicht ganz vom Aberglauben be=

sessen waren und den Unterricht nicht gern versäumen wollten, unter Drohungen zurüd. Alle gemeinsam bega­ben sich dann vor das Schulgebäude, um den Lehrer, der die Cholera ins Land bringen wollte, zu verhöhnen und zu beschimpfen. Dem Aufzug schlossen sich keifend und dro­hend auch die Mütter an und es gab schließlich einen solchen Standal, daß die Polizei einschreiten mußte. Mit Mühe nur gelang es ihr, die Leute zu beruhigen.

Gewaltsame Rekrutierung von Seelsorgern. Im alba­nesischen Aufstandsgebiet, das zurzeit wieder einmal die Blicke der Welt auf fich lenkt, macht sich andauernd ein starker Bedarf an Missionaren geltend; die aufständischen Arnauten, die als glaubensstarke Katholiken auch des Prie­sters im Gefecht nicht entbehren wollen, würden unter kei­nen Umständen einen Waffengang wagen, ohne vorher die Messe gehört zu haben. Unter diesen Umständen gehört es, wie ein aus dem Aufstandsgebiet zurückgekehrter ita­Itenischer Missionar erzählt, zu den Alltäglichkeiten, daß ein Priester plößlich aus einer albanesischen Ortschaft ver­schwindet. Die Recherchen nach dem Verbleib des Ver­schwundenen bleiben stets ergebnislos, bis man eines Ta= ges durch Zufall erfährt, daß der Vermißte inmitten eines der ungezählten Nomadenstämme hochgeachtet und verehrt feines Amtes als Seelsorger waltet. Da die Häuptlinge, die in beständigem Kriegsstande leben, außerstande sind, mit ihren Familien- und Stammesangehörigen zur Er­füllung ihrer religiösen Pflicht aus ihren unzugänglichen Felsennestern zum Gottesdienst zu kommen, ist es eben für sie eine zwingende Notwendigeit, einen Geistlichen in ihrer Mitte zu haben. So kommt es, daß ein Stamm zu einem nächtlichen Ueberfall in das nächste Dorf ausrückt, einen Priester raubt und mit sich in die Berge schleppt. Dem Ge­raubten bleibt selbstverständlich weiter nichts übrig, als fich in Geduld in das Unvermeidliche zu fügen und das auf­gezwungene Amt des Geistlichen auszuüben. Für das Opfer entschädigt ihn freilich die unbegrenzte Liebe seiner wilden Gemeinde. Mit rührender Sorge ist jeder bemüht, dem verehrten Priester jede Bequemlichkeit, die dem an Mühsalen und Entbehrungen reichen Leben nur halbwegs abzuringen ist, zu verschaffen; er bekommt das schönste Pferd, und bei den Mahlzeiten bleiben ihm die besten Stücke reserviert.

Eine durchgebrannte Schülerin aus Königsberg in Preußen meldete sich dieser Tage bei der Polizei in Hirsch­berg( Schlesien). Das kleine Fräulein, das sehr resolut auftrat, erklärte, sie könne nun einmal die fremden Spra­chen nicht lernen, aber ihre Eltern nähmen sie trotz ihrer wiederholten Bitten nicht von der höheren Schule fort. Wenn sich die Eltern jetzt etwas ängstigen, so geschehe es ihnen recht, weshalb hätten sie ihren Wunsch nicht erfüllt, meinte sie. Das Schulgeld, mit dem die Kleine die Reise bestritt, reichte gerade bis Hirschberg. Die Polizei benach­richtigte sofort die Eltern. Von ihrem Bruder wurde die jugendliche Ausreißerin wieder den Eltern zugeführt, die sie nun wohl hoffentlich von der Schule wegnehmen wer­den.

Eine Perle von Hauswirt. Bekanntlich befinden sich in Mietskontrakten bisweilen Baragraphen, die einem freund­schaftlichen Verhältnis zwischen Mieter und Vermieter we­nig förderlich sind. Da ist es denn erfreulich zu sehen, wie einzelne Hauswirte bestrebt sind, ihre Kontrakte so flar und bestimmt wie möglich zu formulieren, damit wir gute Freunde bleiben". Ein solches Mustereremplar von Vermieter, der euch seine Rolle als Erzieher und Mo­ralist seinen Mietern gegenüber nicht außer Acht läßt, lebt in einem fleinen Orte bei Göttingen. Der folgende, wört­lich abgedruckte Mietsvertrag zeigt die Gemütsverfassung des Wackeren. Frau N. N. Da sie darauf bestehen, ein­zuziehen, stelle ich Sie die gemietete Wohnung als Stube, Kammer, Küche zur Verfügung am 1. April unter den Bedingungen: 1) Meiner Hausordnung zu fügen, wie ich Ihnen dieselbe anweise. 2) Miete- Bezahlung monatlich in bar, gegen Arbeit ausgeschlossen, nur beim Tabakeinziehen helfen, gegen sofortige Bezahlung. 3) Die Fenster müssen vornehm dekoriert sein in saubere Behandlung nach mei­ner Anweisung. 4) Schmuzeimer oder andere Sachen dür­fen nicht rumstehen. 5) Holzhacken oder unruhiges Ver­halten darf in der Wohnung nicht stattfinden. 6) Muckereien werden nicht geduldet, sondern es hat der Mieter mir Tageszeit zu bieten, damit die Achtung der christlichen Form nicht verletzt wird, ebenfalls bei schlechtem Besuch der hiesigen Gottesdienste und der Bibelstunde. 7) Dann für Ihre eigene Person haben Sie saubere Wäsche zu füh­ren, damit Ihre Gesundheit nicht zu kurz kommt. 8) in­nötiges langes Schlafen findet nicht statt, denn wenn man nicht auf der Hut ist, ist man elend und krant. 9) Miete Preis 100 M. 10) Diese Hausordnung hoben Sie immer zu halten, damit wir gute Freunde bleiben, nun in Gottes Namen."

Das Kronprinzenpaar in Wien.

Festlich geschmückt begrüßte die Stadt Wien am Sonn­tag ote erlauchten Gäste des Kaisers, den deutschen Kronprinzen, und dessen Gemah! in. Der ganze Straßenzug, den das Kronprinzenpaar bei seiner Fahrt vom Südbahnhof zur Hofburg passierte, prangte in reichem Festschmuck. Besonders prächtig war die Ausschmückung vor dem äußeren Burgtore. Girlanden zwischen Flaggenma­sten und kunstvolle Arrangements in deutschen und öster­reichischen Farben umsäumten den Festweg. Trotz des un­freundlichen kühlen Wetters hatten den ganzen Einzugs­weg entlang große Menschenmengen Aufstellung genommen, um die hohen Gäste des Kaisers begrüßen zu können. Die an geeigneten Plätzen und vor dem Burgtore errichteten Tribünen waren von einem eleganten Publikum dicht be­setzt. In dem prächtig geschmückten Südbahnhof hatten sich vor der Ankunft des Zuges eingefunden: der deutsche Bot­schafter v. Tschirschky nebst Gemahlin und Tochter, sowie die Herren der Botschaft mit ihren Damen, der bayrische Ge­sandte und der Vertreter des sächsischen Gesandten, der deut­sche Generalkonsul in Wien mit den Herren des Konsulats, der deutsche Generalkonsul in Budapest sowie die Vor­standsmitglieder der reichsdeutschen Vereine in Wien. Fer­ner waren erschienen die Spizen der Zivil- und Militär­behörden und der dem kronprinzlichen Paar zugeteilte Eh­rendienst und der Ehrenkavalter der Kronprinzessin. Auf dem Bahnsteige hatte eine Ehrenkompanie mit Fahne und Musik sowie den direkten Vorgesetzten Aufstellung genom­men. Gegen vier Uhr trafen Erzherzogin Maria Annun= ziata und Erzherzog Franz Ferdinand sowie die übrigen in Wien wellenden Erzherzoge in den Uniformen ihrer preußi­schen Regimenter am Bahnhofe ein. Geraume Zeit vor der Ankunft des Zuges erschien Kaiser Franz Josef in preußischer Feldmarschalluniform unter dem Jubel des Pu­blikums vo. dem Bahnhofe und begab sich unter den Klän­gen der Volkshymne auf den Bahnsteig, wo er im Gespräch mit den Mitgliedern des Kaiserhauses verweilte. Pünktlich um 4 Uhr 20 Minuten fuhr der Sonderzug mit dem fronprinzlichen Paare unter den Klängen der deutschen Nationalhymne in die Halle ein. Kaiser Franz Josef war der Kronprinzessin Cecilie, die als erste den Wagen ver­ließ, beim Aussteigen behilflich und begrüßte sie mit herz­lichem Händedruck. Die Begrüßung des Kaisers und des Kronprinzen, der die Uniform seines österreichischen Hu­farenregiments trug, war überaus herzlich; sie füßten ein­ander zweimal auf die Wange. Der Kaiser stellte hierauf zunächst der Kronprinzessin die Erzherzogin Maria Annun­ziata und sodann die Erzherzoge vor, worauf der Kronprinz die Mitglieder des Kaiserhauses begrüßte. Während dann die Kronprinzessin Cercle hielt, schritten der Kaiser und der Kronprinz die Front der Ehrenkompanie ab, worauf der

Kronprinz die Meldung des Ehrendienstes entgegennahm. Nachdem das fionprinzliche Paar gie Aufwartung der zu dem Empfange erschienenen Damen und Herren entgegen­genommen hatte, bot der Kaiser der Kronprinzessin den Arm und geleitete sie zu dem Wagen. Ihnen folgte der Kronprinz mit der Erzherzogin Maria Annunziata und die übrigen hohen Herrschaften. Als das Publikum vor dem Bahnhofe des Kaisers und seiner hohen Gäste ansichtig wur­de, ertönten brausende Hochrufe, die sich auf dem ganzen Wege während der Fahrt zur Hofburg immer wieder erneuerten. Vor dem äußeren Tore der Hofburg begrüß­ten die Vertreter der Stadt das kronprinzliche Paar. In der Hofburg machten beim Verlassen der Wagen der erste Oberhofmeister und der Oberzeremonienmeister die Hon neurs. Hierauf gelettete Kaiser Franz Josef seine hohen Gäste die schwarze Adlerstiege hinauf, auf deren Plateau sich die Erzherzoginnen sowie die Herzogin von Hohenberg, die Gemahlin des Thronfolgers, zum Empfang eingefunden hatten. Die Begrüßung war sehr herzlich. Sodann begaben fich die kronprinzlichen Herrschaften in ihre Gemächer, wo sie bald darauf die obersten Hofwürdenträger empfingen. Um 7 Uhr sand bet dem Kaiser Familientafel statt und gleichzeitig eine Marschalltafel, an welcher das Gefolge des kronprinzlichen Paares sowie der Ehrendienst teil­nahmen.

Drabtnachrichten und neuestes.

China und Rußland in der Mandschurei. 0 Petersburg, 10. April. Die Ueberfälle der Chun­chusen auf russische Besitzungen in der Mandschuret nehmen einen immer größeren Umfang an. Die Banden richten durch Raub und Brandschabung ungeheure Zerstörungen an. Da sie meist stärker sind als die Grenzwachen, so ver­läuft die Verfolgung in der Regel ergebnislos. Die rus­sische Behörde verlangte daher von der chinesischen Regie­rung die Verhinderung weiterer Ueberfälle; diese wurde aber abgelehnt mit dem Hinweis darauf, daß in den Ver­trägen über die Ertellung von Waldkonzessionen nicht die Zusicherung des Schutzes vor Uebergriffen der Chunchufen enthalten sei.

Ueber die kriegerische Propaganda der chinesischen Stu­denten wird gemeldet:

Tokio, 10. April. 3000 chinesische Studenten in To­kto, die von der chinesischen Regierung Studiengelder er halten, demonstrierten vor der chinesischen Gesandtschaft und verlangten, daß der chinesische Gesandte seine Regierung energisch zum Widerstand gegen Rußland telegraphisch auf­fordere. Der Gesandte weigerte sich, gab aber den Stu­denten, die 30 000 Yen Vorschuß auf ihre Studiengelder ver­langten, schließlich 2000 Yen zu Propagandazwecken. Die Studenten haben die Propaganda in China sofort begonnen und sie fordern zu militärischen Uebungen und Verbesserun= gen des Heeres auf, womit sie in einigen Städten, wie in Schanghat, wo sofort Schießübungsplätze hergerichtet wur den, Erfolg haben.

Ueberfall auf einen Kriminalschutzmann. Berlin, 10. April. Im Nordwesten Berlins wurde in der Nacht zum Sonntag der Kriminalschuhmann Jankowski von mehreren zweifelhaften Individuen überfallen und mit Knütteln und Schlagringen so übel zugerichtet, daß er be­finnungslos nach dem Krankenhaus am Friedrichshain ge= bracht werden mußte. Einer der Angreifer, der Gelegen­hettsarbeiter Malicke, wurde durch einen vom Schuhmann abgegebenen Schuß am Vein verletzt und fand Aufnahme im Krankenhaus.

Der Dampfer Prinzeß Irene" wieder flott. Bremen, 10. April. Laut telegraphischer Meldung ist der etwa 300 Meter von der amerikanischen Küste gestran­dete Dampfer Prinzeß Frene" heute früh wieder flott ge­worden und hat die Reise nach Neuyork fortgesetzt.

Großfeuer in Mainz.

Mainz, 10. April. Seit heute früh 7% Uhr steht die Mälzerei der Mainzer Aktien- Brauerei auf der Mathilden­Terrasse in Flammen. Das Feuer findet reiche Nahrung und breitet sich rasch aus. In allernächster Nähe befindet sich die Seftfellerei von Kupferberg.

Aus dem Zuge gestürzt und überfahren. Boppard a. Rhein, 10. April. Aus einem Wagen vierter Klasse des gestern früh 3 Uhr 23 Min. Hier abge­gangenen Cöln- Frankfurter Personenzuges stürzte zwischen hier und Salzig ein etwa zehnjähriger Knabe auf den Bahndamm. Im selben Augenblicke fuhr der D- Zug Bingerbrück- Cöln vorüber, welcher den Knaben erfaßte und

tötete.

Die Passagierfahrten des Luftschiffes Dentschland".

Baden- Baden, 10. April. Gestern vormittag 10 Uhr unternahm die Deutschland" eine Passagierfahrt nach Karlsruhe mit 24 Passagieren. Die Fahrt nahm einen vor= züglichen Verlauf und um 3/12 1hr landete das Luftschiff glücklich wieder in der Halle. Nachmittags änderten sich die Windverhältnisse wieder ungünstig; daher wurde die für 3 Uhr geplante zweite Fahrt zuerst verschoben. Schließ fich wurde der Wind in den oberen Regionen so stark, daß dte Passagierfahrt unterbleiben mußte.

Die Pest auf Java.

Amsterdam, 10. April. Die holländische Regierung hat den Amsterdamer Arzt Dr. van Loghem, der seinerzeit lang­jährige Studien über die Pest in Britisch- Indien getrieben hat, beauftragt, mit einer Kommission holländischer Aerzte sechs Monate lang bakteriologische Studien über die Pest auf Java zu unternehmen. Die Best gewinnt übrigens fast nur Ausbreitung auf den höher gelegenen Gebirgsland­schaften, nicht aber in den heißen Küstenstrichen. Die in Betracht kommenden Gebirgslandschaften sind von der Re­gierung abgesperrt.

Landung eines deutschen Ballons in Frankreich. Paris, 10. April. Ein am Sonntag in Wiesbaden aufgestiegener Ballon, dessen Insassen drei deutsche Offi­ztere waren, landete gestern nachmittag bei Lagnelles in der Nähe von Maussons. Die Offiziere erklärten, sie hätten nicht gewußt, daß sie die Grenze überflogen hatten. Sie wurden nicht weiter behelligt.

Tödlicher Absturz eines deutschen Stiläufers. Mailand, 10. April. Der Stiläufer Austein aus Deutschland, der mit zwei Kollegen vom Grigna- Berg zu­rückkehrte, stürzte in einen Abgrund. Seine Leiche wurde schrecklich verstümmelt geborgen.

Furchtbares Brandunglück in Indien. Bombay, 10. April. In einem Dorfe in der Nähe von Puna fand gestern abend in einem zum größten Teile aus Rohr bestehenden Gebäude eine Festlichkeit statt, an der sich etwa 500 Eingeborene beteiligten. Während der Feier geriet das Haus plöhlich in Brand. Da es nur einen Ausgang hatte, fanden 200 Personen, darunter Männer, Frauen und Kinder, den Tod in den Flammen.

Ein ganzes Stadtviertel in Tokio abgebrannt. Tokio, 10. April. Das Stadtviertel Yoshiwara ist niedergebrannt. 5000 Gebäude sind zerstört. Der Wind trieb das Feuer vier Meilen nordwärts. 6000 Personen sind obdachlos und viele verletzt. 1mgefommen tst itte­mand.

Randel und Oerkebr.

Cassel, 8. April. Weizen( 100 Kilogramm) 19,00 bis 19,50 M. Roggen( 100 Kilogramm) 15,50 bis 16,25 M. Ger­fte( 100 Kilogramm) 15,00 bis 17,00 M. Safer( 100 Kilogr,) 16,50 bis 18,50 M. Heu( 3entner) 2,50 68 3,30 M Stroh ( Bentner) 1,60 bis 2,40 M.