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Gießener Zeitung

( Neueste Nachrichten)

Bezugspreis 50 Pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen

oierteljährlich 1,50 Wir., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mr. Erscheint jeden Werktag früh.- Die Illustr. Weltrundschan" liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Redaktion: Seltersweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

Nr. 86.

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Telephon: Nr. 362.

Das Deutschtum in Südwestafrika getäbrdet.

Anerkanntermaßen, schon wegen des gesunden Kli­mas, ist Südwestafrika unsere beste Siedlungskolonie. Daher kommt es darauf an, daß sie von unseren Lands­leuten besiedelt wird. Nun finden wir zu unserem Leid­wesen in der Zeitschrift Die deutschen Kolonien" einen Artikel, der Zahlenmaterial bringt, wonach besonders im Süden der Kolonie, also in dem an die englische Kap­folonie grenzenden Teile, der von den Nama oder Hot­tentotten bewohnt wird, tatsächlich die deutsche Bevöl­ferung in Gefahr steht, von verengländerten Buren Kolonialengland nennt sie die deutsche Zahlenwissen schafterdrückt zu werden.

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Erklärlich ist es, daß es besonders der Süden un­seres Schutzgebietes ist, der sich dieser Gefahr ausgesetzt sieht, der Norden, das Land der Ovambo, und Osten sind vor Einwanderung geschützt, jener durch das tropisch- ungesunde Klima, dieser durch die wasserarme Kalahariwüste, die beide gewissermaßen Sperrgebiete bil­den. Im Süden aber von der Kapkolonie her fand die erste Einwanderung statt, und von dort kommen auch heute noch die Kolonialengländer" herüber in unser Ge­biet.

Wir müssen, um die im Süden bestehende Gefahr zu verstehen, zunächst das Stärkeverhältnis der Deut­schen zu der weißen Zivilbevölkerung im übrigen Teile der Kolonie angeben. Dasselbe stellt sich als ein gün­stiges heraus:

Gesamtbevölkerung

davon Deutsche Deutsche

v. Hundert 4929 66,34 7935 74,55

1. Januar 1907: 7110 1. Januar 1910: 10644 Jm Süden ist das Verhältnis ungünstig, wie fol­gende Zahlen ausweisen:

In Groß- Namaland ergaben sich nach dem Stande vom 1. Januar 1910 folgende Zahlen:

Weiße davon mithin davon Antl. d. deutsch. Bevölkerung Schutztruppe Zivil Deutsche an der Zivil­bevölkerung 58,72

1401

5752 4351 2555 Dabei befinden sich unter dielen deutschen Staatsan­gehörigen noch eine ganze Anzahl naturalisierter Buren. Der Rückgang der deutschen Bevölkerung in den einzel­

nen Bezirken des Namalandes mit Ausnahme der Stadt Lüderitz- Bucht veranschaulichen folgende Zahien:

Der Hundertsatz der Deutschen Staatsangehörigen an der weißen Zivilbevölkerung betrug in den Verwal­tungsbezirken am

1. Januar

Gibeon und Maltahöhe Keetmannshop mit Warmbad und Bethanien

Lüderitzbucht

1908 1909 1910 65,28 61,24 57,16

49,25 44,59 46,28 66,02 66,39 71,11 Somit ist im Norden und in der Mitte des Lan­des die Vorherrschaft des Deutschtums gesichert, wäh­rend es im Süden gefährdet erscheint. Hoffentlich ge­lingt es, den Schaden wieder gut zu machen. Der Wind­hufer Regierung fann es nicht schwer fallen, diesen ein­mal erkannten Schaden zu beseitigen. Dazu wird sie Mittel und Wege finden. Und Deutschland selbst ist so übervölkert, kann so viele seiner Söhne abgeben, daß es nicht bloß die Ostmark mit deutschen Bauern besie­deln kann, sondern auch unsere afrikanischen Kolonien, soweit sie nach ihrem Klima dazu imstande sind, deut­sches Farmerland zu werden. Und zu diesen gehört Deutsch- Südwest in erster Linie. Es ist geeignet zur Straußenzucht, es ist vor allem berufen und imstande, unser Wollerzeugungsgebiet der Zukunft zu werden, ge­rade der südliche Teil, das Namaland.

Aus Stadt und Cand.

Gießen, den 11. April 1911. *) Der Großherzog hat am Samstag den neuen Kommandeur unseres 116. Inf.- Rgts. Kaiser Wilhelm 2., Oberst von Trotta gen. Trey den in Audienz empfangen.

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Kaisermanöver 1912 in Hessen­Nassau. Im Herbst 1912 finden die Kaisermanöver zwischen dem 11. Korps, Teilen des 18. Korps und des 2. Kgl. Bayerischen Armeekorps statt. Die Parade über die preußischen Truppen findet bei Wabern im Kreise Fritzlar, über die Kgl. Bayerischen Truppen bei Würz­burg statt. Die Manöver werden in der Linie Fulda­Brückenau- Waldaschaff- Kissingen sich abspielen.

*) In der hiesigen Herberge zur Heimat haben im März 1262( 1910: 1505) Wanderer Aufenthalt genom­

men.

der Großherzoglichen Bürgermeisterei

sowie vieler anderer

des Großherzoglichen Polizei- Amfes Behörden Oberhessens

Expedition: Seltersweg 83.

( Haus Brüder Schmidt.)

Dienstag den 11. April 1911

*) Gießen. In das Handelsregister des hiesigen Amtsgerichtes ist eingetragen worden, daß das Grund­kapital der Mitteldeutschen Kreditbank, Filiale Gießen, um 6 000 000 Mark erhöht ist und nunmehr 60 Mil­lionen Mark beträgt.

*) Gießen, 11. April. Die Neubauten der J r= renanstalten wurden gestern vormittag in An­wesenheit des Ministers des Innern vom Finanz­Ausschuß der Zweiten Kammer besichtigt. Heute fin­det die Besichtigung des Bergwerks Wölfersheim statt, wo das Provinzial- Elektrizitätswerk errichtet wird. Wetzlar, 11. April. Die ungewöhnlichen Tem­peraturen, die wir in den letzten Tagen zu verzeichnen hatten, werden nach Meldungen der amtlichen Wetter­dienststellen von jetzt ab wieder einer stetigen, der Jah­reszeit angemessenen Temperatur Platz machen.

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Ehringshausen( Kr. Wetzlar), 10. April. Ein trauriger Unglücksfall ereignete sich in der Nacht vom Sonntag auf Montag auf hiesiger Bahnsta­tion. Man fand zwischen 2-3 Uhr die Leiche des Drahtziehers Reiner Severin, wohnhaft in Aßlar, auf dem Bahnkörper. Wie wir in Erfahrung brachten, ist Se­verin mit dem hier um 11.56 Uhr ankommenden Per­sonenzuge von Haiger gekommen, und zirka 100 Meter oberhalb der Station auf bis jetzt unaufgeklärte Weise aus dem Zuge herausgefallen, wobei der Bedauerns­werte seinen Tod fand. Der in dem besten Mannes alter von 32 Jahren stehende Reiner Severin hinter läßt eine Witwe und 1 Kind. Der so jäh durch den Tod Entrissene war bei seinen Mitarbeitern sehr beliebt.

Ober Mörlen. Der Gemeinderat hat den Anschluß an die zu erbauende elektrische Zentrale in Wöl fersheim mit 9 gegen 2 Stimmen beschlossen.

Friedberg. Am Oster- Montag, den 17. d. Mts., nachmittags 3 Uhr, findet im Saalbau dahier ein oberhessischer Katholikentag statt. Es werden spre chen: Herr Amtsgerichts direktor Dr. Giesler- Mannheim über: Die Lage der Katholiken in Deutschland" und Herr Domkapitular Dr. Bendix- Mainz über:" Bischof Ketteler".

* Darmstadt. Es werden von der Landwirt­schaftskammer auch in diesem Jahre Zuchtfohlen in Bel­gien und Oldenburg angekauft und zwar Jährlinge und zweijährige Fohlen. Der Einkauf in Belgien ist für die erste Hälfte des Monats Mai, der in Oldenburg für Juni oder Juli vorgesehen. Anfragen über den unge­fähr zu zahlenden Preis werden von der Landwirt schaftskammer umgehend beantwortet. Die Bestimmun­gen über Einfuhr der Fohlen werden Interessenten auf Wunsch zugesandt. Die Landwirtschaftskammer über­nimmt bei diesen Ankäufen die sämtlichen allgemeinen Kosten( alle Kosten abzüglich der Ankaufspreise). Au­ßerdem wird noch ein Zuschuß zu den Ankaufskosten ge= währt, dessen Höhe sich nach der Beteiligung am Im­port richtet, aber 20 Prozent des Ankaufspreises nicht übersteigen soll. Der Zuschuß wird an einen Besteller nur für höchstens 2 Tiere bewilligt.

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Darmstadt, 10. April. Der Landesverband hessischer Privatangestellter hielt gestern nachmittag seine diesjährige Hauptversammlung ab. Ein Dringlichkeits­antrag des Sozialen Ausschusses Darmstadt, alle zur Tagesordnung der Hauptversammlung stehenden Anträge drei Wochen vorher den angeschlossenen Gruppen be­kannt zu geben, wurde dahin erledigt, daß diese An­träge, wie bisher, den einzelnen Gruppen sowohl durch das Verbandsorgan, als auch durch Zuschriften bekannt gegeben werden. Hinsichtlich der Privatbeamten- Ver Sicherung fand eine Resolution einstimmige Annahme, in der die Hauptversammlung das Erscheinen des Ge­setzentwurfs begrüßt und ihn als eine brauchbare Grundlage für das zu erwartende Pensionsgesetz hält. Sodann wurde beschlossen, an sämtliche hessische Reichs= tagsabgeordnete die Bitte zu richten, dem Gesezentwurf ihre Zustimmung zu geben.

Darmstadt, 10. April. Die 9. Mitglieder­Versammlung der Allgemeinen hessischen Beamtensterbe­kasse fand gestern im Kaisersaal" statt. Die für das Geschäftsjahr 1910 zur Vergütung kommende Dividende beträgt 35 Prozent des gewinnberechtigten Jahresbei trags. Die nächste Versammlung soll in Offenbach ab­gehalten werden.

Gelnhausen. Ein Landwirt aus unserem Kreise führt über die Erhöhung der Milchpreise in Frank­furt u. a. folgendes aus: Jeder billig denkende Kon­sument wird dem Landwirt das gute Recht einräumen, einen die Produktionskosten mindestens deckenden Preis für die Milch zu fordern. Auch wir Landwirte haben als Konsumenten durch die Steigerung der gesamten Le­benshaltung, aller Bedarfsartikel, die wir den Städtern abkaufen, der Löhne und dergleichen, mit höheren Un­

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( Gießener Tageblatt)

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die 44 mm breite Petitzeile oder deren Naum, auswärts 20 Pig.; die 90 mm breite Petitzeile im Retla meteil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50% Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Nabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungs­zieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichtelt. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg.

kosten zu rechnen, die naturgemäß unsere Produktion ver­teuern. Die Kuhhaltung zum Zwecke des Frischmilch= verkaufes nach der Stadt, die damit verbundene mög­lichst gleichmäßige Lieferung von Milch während des ganzen Jahres, entsprechend dem jeweiligen Bedarf der Händler bezw. der Konsumenten, bringt eine erhebliche Verteuerung der Milchproduktion mit sich. Jm vorigen Jahre ist in unserer weiten Umgegend die Futterernte durch das ungünstige, regnerische Wetter zum großen Teil verdorben. Der vermehrte Zukauf von Kraftfutter verteuert deshalb noch mehr die produzierte Milch, so daß sich immer dringender das Bedürfnis eines Aus­gleiches dieser Mehraufwendungen durch einen höheren Preis geltend macht. In unserer Kreisstadt Gelnhausen waren nach den Akten des Bürgermeisteramtes vorhan­den: 1888 243 Stück Rindvieh, 1911 dagegen nur noch 86 Stück Rindvieh. Aus dem allmählichen Rückgang des Rindviehbestandes und damit auch der Anzahl Kühe tailpreises pro Liter Milch von 14 auf 20-21 Pfg. in Gelnhausen, trotz der allmählichen Erhöhung des De­geht unzweifelhaft hervor, daß die Gelnhäuser Land­wirte bei der Milchproduktion weniger verdienten, als bei der Tätigkeit in anderen Berufen. Ist es da nicht höchste Zeit, auch im Interesse der großstädtischen Kon­sumenten, den milchproduzierenden Landwirten der wei­teren Umgebung die geforderte Preiserhöhung von 1 Pfg. zu bewilligen und damit auch für die Zukunft einem Rückgang der Kuhhaltung vorzubeugen und den Bezug frischer, gesunder Milch sich zu sichern?"

Betzdorf. Vor dem Schöffengericht kam diese Woche die Sache wegen Abbrechen eines Bäumchens zur hatte den Täter, einen Fuhrknecht, gestellt, worauf die­Verhandlung. Der Polizeihund" Jack" von Dillenburg ser die Tat zugab. Er behauptete jedoch nachher, habe das nur gesagt, um nicht verhaftet zu werden. Das Gericht kam zu dem Beschluß, daß ein Polizeihund noch fein Beweis sei und sprach den Angeklagten frei.

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*) Lollar. Am vergangenen Sonntag ist Lud­wig Seipp 4, der 40 Jahre lang die hiesige Gemeinde­einnehmerei verwaltet hat, gestorben.

*) Frankenberg i. H. Der 1832 hier ge= borene nachmalige landgräflich hessische Hoffourier Bern­hard Knieling ist jetzt im 79. Lebensjahr in Phi­lippsruhe- Kesselstadt gestorben. 1866 begleitete er seinen Herrn, den Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Hessen, in die Gefangenschaft nach Stettin. Er ist einer der letzten aus der allernächsten Umgebung des letzten hessen- nassauischen Kurfürsten.

== Herbstein, 8. April. Das am 13. August 1907 bei dem großen Brande mitabgebrannte Stadt­wirtshaus ist nun wieder als stattlicher Neubau erstan= den und seiner Bestimmung übergeben worden. In diesem Gebäude befinden sich außer Wirtschaft u. Mezz­gerei die Bürgermeisterei, Rathausräume und 2 Woh­nungen für definitive Lehrer. Der neue Pächter der Wirtschaft und Metzgerei hat seinen Betrieb am 6. April eröffnet, der Pachtpreis beträgt 900 Mark. Die Gesamt­kosten des Baues betragen ungefähr 64 000 Mark.

Marburg. In der letzten Stadtverordneten­Versammlung wurde beschlossen, dem Komitee für Er­richtung von Kaufmanns- Erholungsheimen unentgeltlich städtisches Gelände zur Verfügung zu stellen.

Wiesbaden, 11. April. Die Intendantur des Hoftheaters gibt bekannt, daß der Kaiser folgendes Programm für die Maifestspiele genehmigt hat: Am 10. Mai Die weiße Dame" mit Kammersänger Jadlowker als George Brown; am 11. Mai Lauffs Eisenzahn"; am 12. Mai mit vollständig neuer dekorativer und Ko­stümeinrichtung: Die Stumme von Portici", Elvira: Kammersängerin Frieda Hempel von der Königl. Oper in Berlin, Masaniello: Kammersänger Jadlowker; am 13. Mai als letzte Vorstellung Oberon".

* Boppard a. Rh., 10. April. Aus etnem Wa­gen vierter Klasse des Köln- Frankfurter Personenzuges stürzte zwischen hier und Salzig ein etwa 10jähriger Knabe. Jm selben Augenblick fuhr der D- 3ug Binger­brück- Köln vorüber, welcher den Knaben erfaßte und tötete.

*) Offenbach a. M. Der langwierige Kai­erhof Aktien Prozeß wird noch vor den Ge­richtsferien beendet werden, so schreiben Offenbacher Be­richterstatter.

Seligenstadt. Von den hiesigen Metzgern überraschten neuerdings 9 die Bevölkerung mit einem wesentlichen Preisaufschlag. Das Rindfleisch ko­stet nunmehr 86 und das Kuhfleisch 76 Pfg. pro Pfd. -r- Rainrod, 8. April. Hier erhängte sich in seinem Hause der Beigeordnete A. K. Derselbe litt an Magenkrebs und hat darum den raschen Tod einem qualvollen Siechtum vorgezogen. K. war ein beliebter und ruhiger Mann, dessen Hinscheiden bedauert wird.