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Deutscher Reichstag.

gemeldet: Der Kronprinz und die Kronprinzessin besuchten am Mittwoch die Pyramiden und gestern die Bafare. Am Abend folgten sie nebst dem Gefolge einer Einladung des Oberbefehlshabers der englischen Truppen Marwell.

Ein Zeppelin- Gedenkstein soll an jener Stelle, an der im vorigen Jahre das Passagierluftschiff Deutschland" im Teutoburger Walde strandete, errichtet werden. Er soll aus einem mächtigen Granitblock mit einer Bronzetafel und dem Relief des Grafen Zeppelin bestehen. Die Strandungs­stelle selbst soll mit Waló bepflanzt werden.

erfahrenheit weiblicher jugendlicher Personen ausgebeutet. Gewöhnliches Waffer werde dabet als heilkräftiges Waffer verkauft. Besprechen und Sympathie seten eine Art Zauberet. Der Aberglaube im Wolke set so groß, daß die Gesetzgebung eingreifen müsse, bis genügende Auf­klärung verbrettet set. Alle mystischen Verfahren richten Schaden an. Der Regierungskommissar trug ein reichhal­tiges Material vor aus 149 festgestellten Fällen. Krebs­franke wurden mit Magnetismus und Spiritismus behan­delt gegen Honorare von zum Teil mehr als 3000 Mark. Leberkrebs und Rückenmarksdarre werden durch Handauf­legen behandelt. Wenn Aerzte ein mystisches Verfahren, 3. B. gegen die Rose oder Warzen, empfohlen hätten, so sei das nicht zu billigen. Der Regierungsvertreter führte u. a. einen Fall an, wonach eine hochgestellte Persönlichkeit Kotpulver eines Bockes, der besonders ernährt werden müsse, als Mittel gegen Epilepsie empfohlen habe.(!) Ein Vertreter der Wirtschaftlichen Vereinigung erzählte, seine eigene Tochter set durch Behandlung eines Kurpfuschers aus Essen geheilt worden, nachdem sie vergeblich von Aerz­ten behandelt worden sei. Er lehnte die Vorlage und den Antrag ab. Etn konservativer Redner polemisierte gegen den Regierungsvertreter. Wenn die Wissenschaft bestreite, daß es keine magnetische Kraft gebe, so set damit noch nicht bewiesen, daß sie nicht bestehe. Es wurden verschiedene Vor­schläge gemacht zur Abänderung der vorliegenden Anträge. Die Schlußabstimmung ergab dann die Ablehnung des Verbots des Magnetismus. Dagegen wurde das Verbot der gewerbsmäßigen Behandlung mittels Gesund­betens, Besprechens, Sympathie, Spiritismus und ähnlicher Verfahren" angenommen.

Bel der Weiterberatung des Postetats famen am Don­erstag die Redner der kleineren Parteien zum Wort: der Abg. Trzcinski, der bedauerte, daß die Postbeamten in den Ostmarken die polnische Sprache nicht verstehen, der Abg. Lattmann( w. Vg.) und Bruhn( Rfpt.), die zu den mannig= fachen Einzelfragen Stellung nahmen und Beamtenwin­sche vertraten. Dann folgte eine sehr lange Rede des Abg. Zubeil( Soz.), in der er in der Hauptsache Beschwerden der Unterbeamten vorbrachte. Staatssekretär Kractke legte Verwahrung dagegen ein, daß die Unterbeamten den Abg. Zubeil als Vertreter ihrer Interessen gewählt haben. Er legte auch Verwahrung ein gegen die Uebertreibungen Zu­beils. Dann warnte der Reichschazsekreär entschieden da­vor, durch die Annahme der auf Ausbesserung einzelner Beamtenfategorien gerichteten Resolutionen die ganze Be­soldungsfrage wieder aufzurollen, damit die vereinbarten Etatsgrundsäße wieder aufzuheben, die Bundesstaaten, die schon jetzt kaum dem Vorgehen des Reiches folgen könn­ten, von neuem in eine üble Lage zu bringen und Befürch= tungen innerhalb der Bevölkerung wegen neuer Steuern zu erregen. Sehr interessant war die Feststellung des Staatssekretärs, daß die Linke jetzt die Finanzlage des Ret­ches für so günstig erachtet, um mit neuen Forderungen auftreten zu können. Diese Ausführungen fanden eine Er­gänzung durch den Freiherrn von Gamp( Reichspartei). Dieser ließ feinen Zweifel daran, daß die Reichspartet cs streng ablehnt, an den für die Zeit bis 1913 zum Zwecke der Beseitigung der finanziellen Mißwirtschaft getroffenen Vereinbarungen rütteln zu lassen. Bei den Besoldungs­gesezen sei der Grundsatz aufgestellt, die Beamten besser zu bezahlen, ihre Zahl aber auch zu verringern und, wo angängig, ihre Leistungen zu steigern. Freiherr von Gamp tat dann dar, daß die Postverwaltung in der Annahme von Bewerbern eine falsche Politik getrieben hat, die jetzt üble Folgen für die Beamten selbst erkennen läßt, und ging dann auf Spezialthemata ein. Abg. Struve( f. Vp.) meinte, in den weiten Kreisen der Unterbeamten herrsche ernste Not. Gerade die Unterbeamten seien bei der Be­soldungsaufbesserung und beim Wohnungsgeldzuschuß zu= meist sehr schlecht weggekommen. Die Assistenten bleiben zeitlebens Assistenten. Man sollte doch Beförderungsstellen einrichten, vielleicht als Betriebssekretäre. Staatssekretär Kraetke nahm sofort zu einer Entgegnung das Wort: Die Aeußerungen des Vorredners erinnern mich lebhaft an ge= wisse Artikel in der Fachpresse, in denen dasselbe gesagt worden ist. Solche Reden müssen verheßend wirken. Kann das Zufriedenheit erwecken, wenn Sie sortwährend behaup= ten, der Staatssekretär tue nichts für seine Beamten. Zu viel Beamte haben wir nicht. Der Verkehr geht über uns Hinweg und zwingt uns, neue Kräfte anzustellen. Der Staatssekretär wiederholte dann seine vorfährigen Erklä­rungen, daß sich das weibliche Personal für den Fernsprech­dienst besonders eigne. Abg. Giesberts( 3tr.) beantragte eine Resolution zugunsten der älteren Post- und Oberpost­assistenten. Ferner soll jeder Unterbeamte, ausgenommen die Landbriefträger, nach 10jähriger Dienstzeit etatsmäßig angestellt werden. Abg. Eickhoff( f. Vp.) wollte in die etatsmäßige Anstellung nach spätestens 10jähriger Dienst­zeit auch die Telegraphenarbeiter einbeziehen. Staatsset­retär Kraetke erhob Bedenken gegen die Fassung der Re­solution Giesberts. Damit schloß die Aussprache. Das Ge-= halt des Staatssekretärs wurde bewilligt. Am Freitag soll der Rest des Postetats, erforderlichenfalls in einer Abend­fizzung, erledigt werden. Auf Antrag Bassermann findet namentliche Abstimmung über die Zulagen für die Ober­postassistenten statt.

Mystik im Reichstage.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

Für die unentgeltliche Lieferung der Lernmittel an die Schulkinder der Volksschulklassen hat die Stadt Mainz für das Jahr 1911 32 000 Mark vorgesehen. Fast sämtliche Schüler machen von dem Rechte des unentgeltlichen Bezugs der Lernmittel Gebrauch.

Ein eigenartiger Unfall trug sich in einer Schürzen­fabrik in Dresden zu. Ats ein Fräulein an einem hohen Regal auf der Leiter stand, lösten sich plötzlich die das Re­gal haltenden Haken aus der Wand, und das mit Leinwand bepackte Regal stürzte nach vorn um. Hierbei gerieten vier weibliche Angestellte unter die schwere Last und konnten erst mit Hilfe der Feuerwehr aus ihrer Lage befreit werden. Infolge Explosion einer umgefallenen Tischlampe wur de der neunjährige Knabe des Kaufmanns Kortun in Kiel lebensgefährlich, der sechsjährige Bruder leichter verbrannt. Die Großmutter der Kinder erlitt bet dem Versuch, die Kinder zu retten, schwere Brandwunden.

Die Reise des Kaisers nach London anläßlich der Ent­hüllung des Denkmals der Königin Viktoria und der Be= such beim englischen König wird, wie dies der Anlaß be­dingt, einen durchaus privaten Charakter tragen und die­ser wird auch während des ganzen Aufenthaltes des Kai­sers in London gewahrt bleiben. Die Wiener Meldung, daß der Reichskanzler und der Staatssekretär des Aeuße­ren den Kaiser nach London begleiten und es bei dieser Ge­legenheit hinsichtlich einer Verständigung zwischen Deutsch­land und England zu wichtigen Besprechungen kommen wird, beruht. wie an amtlicher Stelle mitgeteilt wird, auf willkürlicher Erfindung.

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Ein folgenschweres Lawinenunglüd wird aus Tiflis gemeldet. In einem Kupferbergwerk des Artwinbezirks verschüttete in vergangener Nacht eine Lawine ein zwet­stöckiges steinernes Arbeiterhaus; neunzehn Personen wur den getötet, sechzehn schwer und siebzig Personen leicht ver­lept.

Die Budgettommission des preußischen Abgeordneten hauses hat in ihrer letzten Sigung den ordentlichen Etat der Universitäten beraten. Zur Begründung einer Uni­versität in Frankfurt a. M. nahm der Minister denselben zurückhaltenden Standpunkt ein wie zuvor, über eine Uni­versität Hamburg sich zu äußern, lehnte er ab, da er nicht in die Autonomie des selbständigen Hamburger Staates eingreifen wolle.

Vermischtes.

Geheimnisse eines Berliner Spieltlubs. Der Konkurs der beiden Gardeoffiziere v. Pappenheim und Bülow, die sich am Spieltisch ruiniert haben, lenkt die Aufmerksam feit auf einen fürzlich in Berlin gegründeten Spielklub in der Königgräßer Straße. Das Bedenkliche an diesem Klub soll die Art und Weise sein, in der die Mitglieder und Gäste zum Spiel herangezogen werden. Hauptsäch lich junge Offiziere, Kaufmanns- und Fabrikantensöhne, deren Verwandte als kapitalkräftig bekannt sind, werden durch gewisse Damen und durch Schlepper in den Klub eingeführt. Besondere Formalitäten sind bei der Auf­nahme in der Cercle" nicht nötig. Es genügt, daß der Betreffende seinen Namen angibt und eine Aufnahmege­bühr von 20 Mark erlegt. Geht den Spielenden das Bar­geld aus, so können sie unbar spielen. Es werden auf schnell ausgestellte Wechsel Summen bis zu 20 000 Mart Höhe vorgestreckt, mit denen die Opfer dann weiter spielen dürfen. Die Unternehmer sind jedoch so vorsichtig, nie­mals Spielschuldscheine, die ja bekanntlich nicht einklagbar sind, sondern dafür sichere Afzepte zu nehmen. Wenn dann, wie es häufig vorkommt, die Wechsel nicht eingelöst wer den, gibt der Klub die Papiere an Hintermänner weiter, und diese klagen dann gegen die Aussteller. Auf diese Art und Weise sind etwa 25 junge Leute, darunter sieben bis acht Offiziere ruiniert worden.

Die elsaß- lothringische Verfassungskommission hat sich am Donnerstag auf Dienstag vertagt. Staatssekretär Delbrück führte aus, daß die Regierungen Elsaß- Lothrin­gen drei Bundesratsstimmen mit gewissen Modifikationen zubilligen wollen unter der Voraussetzung, daß der Reichs­tag der Vorlage im übrigen in allen Punkten zustimmt, so wie sie von der Regierung eingebracht ist. Darauf be= antragte der nationalliberale Abgeordnete Bassermann Vertagung und es wurde beschlossen, die erste Lesung als beendet gelten zu lassen und in die zweite einzutreten mit dem Vorbehalt einer dritten Lesung.

Die Kurpfuscherfommission des Reichstages verhan­delte in ihrer leßten Sitzung über Gesundbeten, Bespre­chen und andere mystischen Dinge, hatte also einen höchst Interessanten, zuweilen sogar scherzhaften Tag. Denn schon gleich verlangte ein konservatives Mitglied entschieden, daß alle Mystik int Gesez ungekränkt bleiben müsse. Es gebe Dinge zwischen Himmel und Erde, von denen sich unsere Schulweisheit nichts träumen lasse, und er wisse aus drei­ßigjähriger Erfahrung, wie das Besprechen helfe. So etwas verbieten zu wollen, sei ein bedenklicher Eingriff ins Privatleben. Die Sozialdemokratie widersprach und will in einem Zusazantrag alle diese Heilverfahren unter strenges Verbot stellen. Es sei eine Blasphemie, wenn einer erkläre, er sei ein Auserforener Gottes und könne durch Gebet heilen. Sie verlangte striktes Verbot. Der Vertre ter des Zentrums verwies demgegenüber darauf, wie schwer es sei, die Grenze zwischen Glauben und Aberglau= ben zu ziehen. Selbst in den kirchlichen Wallfahrtsorten trage sich manches zu, was auf dieser Grenzlinie liege, und es wäre ein Eingriff in die konfessionelle Freiheit, wenn man hier definieren wolle. Ein Regierungsvertreter führte aus: im mystischen Verfahren sei nichts, was einer ernsten wissenschaftlichen Prüfung standhalte. Die Gesunöbe­ter behaupteten, daß ste im Stande seien, durch Versenken in gewisse Gedanken den Irrwahn des Krankseins zu ver­scheuchen. Es bestehe eine Heilanstalt, in der junge Mädchen im Gesundbeten ausgebildet werden; es werde ein Buch barüber vertrieben und ein Abonnement auf eine Monats= schrift. Beim Heilmagnetismus werde namentlch die Un­

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Das Familiengeheimnis.

Roman von L. Walter.

( Nachdruck verboten.)

Von der mexikanischen Grenze tommen einander wi­dersprechende Meldungen. Nach einer Meldung der Frff. Zeitung" aus Neuyork wird über New Orleans der Tod des Präsidenten Diaz gemeldet. Die Stadt Mexiko ist telegraphisch nicht mehr erreichbar. Der mexikanische Bot­schafter in Washington hat dagegen noch gestern versichert, Präsident Diaz sei wohlauf. Die amerikanische Mobili­sation geht schnell von statten. Die reguläre Armee ver­zeichnet Mangel an Offizieren, weswegen die Milizoffi­ziere aufgefordert werden, sich bereit zu halten. Die ge­strigen Neuyorker Morgenblätter haben den Eindruck, daß die Befürchtung auswärtiger Verwickelungen weniger maßgebend war für die plötzliche Mobilisation als ver­trauliche Berichte über Diaz' Zustand und das im Falle seines Todes zu befürchtende Chaos. Die wirklichen Zu­stände in Mexiko seien der Außenwelt völlig unbekannt.

Er umschlang mit dem Arme den Baum, als ob er fich vor dem Niedersinken wahren wollte oder heftige Schmer­zen empfände.

Kleine Nachrichten.

Ein Zementstein im Leib. Eine eigenartige Krant­heit ist einem Arbeiter in Mainz- Mombach durch Bös­willigkeit eines Mitarbeiters entstanden. Als die Arbei­ter in der Bauhütte frühstückten, warf einer im Uebermut dem Genannten eine Prise 3ement heimlich in den Kaf­fee. Der Arbeiter trant den 3ementbrei ahnungslos hin­unter; bald darauf wurde ihm übel, so daß er sich in ärzt­liche Behandlung begeben mußte. Der Arzt konstatierte eine Verstopfung des Darmes infolge der Zusammen­ballung des Zements.

Am gestrigen Sterbetage Kaiser Wilhelm I. war das Mausoleum in Charlottenburg das Ziel vieler Verehrer des dahingegangenen Monarchen. Schon in früher Mor­genstunde traf ein Kranz der Tochter des verstorbenen Kaisers, der Großherzogin Lutse von Baden, ein. Zahl= reiche Regimenter, deren Chef der Kaiser war, überbrach­ten Blumenarrangements.

,, Was kann ich für Sie tun, lieber Herr?" ,, Nehmen Sie dieses Taschenbuch... es enthält meine wichtigsten Papiere, die niemanden in die Hände fallen dürfen, wenn mich dort in der Stadt ein jäher Tod heim­Jucht. Auf einer Karte finden Sie meine Adresse Kehre ich morgen nicht zurück, um mein Eigentum zu ho­Jen... dann senden Sie es ab unter der Adresse, die Sie vorfinden werden. Vielleicht habe ich Ihnen meinen Jetzten Willen mitgeteilt Nehmen Sie doch, liebe Frau Im Namen Gottes beschwöre ich Sie, leisten Sie mir diesen wichtigen Dienst... Bleibe ich am Leben, werde ich Ihnen dankbar sein!"

Vom Aufenthalt des Kronprinzenpaares in Kairo wird

Amerikanisches Duell eines Siebzehnjährigen. In Graz wurde der siebzehnjährige Zahntechnikerlehrling Wilhelm Waltl als Leiche aufgefunden. Neben der Leiche lag eine Browningpistole. In der Brieftasche des Jun­gen wurde die Photographie eines Mädchens und ein Blatt gefunden, auf dem geschrieben stand: Habe mir am 7. III. das Leben genommen. Der Grund ist meine Sache." Wie das ,, N. W. Tageblatt" erfährt, haben die von der Gerichtskommission gepflogenen Erhebungen mit ziemlicher Sicherheit festgestellt, daß Waltl das Opfer eines ameri­tanischen Duells geworden ist, das er mit einem seiner Freunde wegen eines Mädchens vereinbart hatte. In Verfolgung der Angelegenheit hat die Staatsanwaltschaft einen Freund Waltls in Haft genommen.

Auguste bat den Himmel um Schutz für den Geliebten und im festen Vertrauen auf Gott, der der Menschen Schick­sale nach seiner unerforschlichen Weisheit leitet, überließ Sie sich der sanften Gewalt des Schlafes. Frau Bauer hatte das Eigentum des Fremden bei ihren Wertsachen verbor­gen, ohne es zu prüfen; sie wollte genau der erhaltenen An­weisung Folge leisten.

Ein Wagen rollte rasch über das Pflaster der ruhigen Straße. In dem Augenblick, als die Glocken die ersten Morgenstunden verkündeten, hielt dieser Wagen vor einem stattlichen Hause, das an einem der großen Plätze der Stadt lag. Reiche Leute mußten hier wohnen, denn alle Häuser waren palastartig gebaut. Man erblickte in den breiten Facaden hohe Fenster und Balkons, die, von Marquisen bedeckt, mit Zierpflanzen und erotischen Gewächsen ge= schmückt waren.

Der Fremde schwankte der Stadt zu. Frau Bauer stand bestürzt neben dem Baum; ste hielt das Taschen­buch in der Hand. Zurückgeben fonnte sie es nicht mehr, es blieb ihr demnach nichts übrig, als den Willen des Man­nes, den ohne Zweifel die triftigsten Gründe leiteten, zu erfüllen. Die Witwe handelte stets gewissenhaft in fleinen wie in großen Angelegenheiten des Lebens; sie nahm sich por, auch jetzt so zu verfahren, wie die Pflicht es ihr vor­chrieb. Es war ja möglich selbst wahrscheinlich, daß der Fremde zurückkehren und sein Eigentum abholen würde. Da die Witwe vor ihrer Tochter kein Geheimnis hatte, tellte sie ihr den seltsamen Vorgang mit. Auguste war ganz der Meinung der Mutter: man mußte die unabweis­iche Pflicht erfüllen, die die Vorsehung den Bewohnerinnen bes einsamen Hauses auferlegt hatte. Beide blieben heute länger in dem traulichen Stübchen als sonst, denn sie hat­ten viel ernste Dinge zu besprechen und Pläne für die Zu­funft festzustellen. Spät begaben sie sich zur Nachtruhe.

Massenerkrankung überbürdeter Telephonistinnen. Wahre Schreckensszenen ereigneten sich in der Wiener Te­lephonzentrale II durch eine furchtbare Ueberbürdung der Staatstelephonistinnen. Um 9 Uhr vormittags wurde eine Telephonistin infolge von Ueberarbeitung von Herz­främpfen befallen und mußte nach dem Krankenzimmer gebracht werden. Dort ließ man sie liegen, ohne einen

Ein Mann verließ den Wagen und zog die Glocke an der großen Haustür.

Man mochte auf das Zeichen gewartet haben, denn gleich darauf öffnete ein Diener die Tür.

,, Herr Doktor," rief er ,,, mein Herr lebt in einer wah­ren Todesangst."

Wer ist frank?" fragte ruhig der Arzt, ein Mann, der lange schon die schweren Pflichten seines Standes er­füllte.

Madame Junker."

Führen Sie mich zu der Kranken."

,, Gott im Himmel! Wenn Sie nur nicht zu spät kom­men! Meine Cäcilie ist plötzlich erkrankt." ,, Wann?"

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" Echon vor einer Stunde. Ich sandte sofort den Die­ner ab." Warum sind Sie zurückgekommen und nicht in dem Badeort geblieben?"

Der Diener sprang die Treppen hinan, der Doktor folgte.

Auf dem Korridor des ersten Stockes trat ihm ein Mann entgegen, der klagend in die Worte ausbrach:

,, Helfen Sie, retten Sie, Herr Doktor!" " Fassen Sie sich, Herr Junker."

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Ich will Ihnen später Auskunft geben; jetzt retten Sie, wenn es möglich ist."

Während dieses furzen Gesprächs hatten beide Män ner ein elegantes Zimmer betreten, das durch eine große Lampe hell beleuchtet ward. Die Glastüre, die zu dem Balkon führte, war halb geöffnet. Hier hatte Junker, ein Mann von faum dreißig Jahren, in unbeschreiblicher Seelenpein auf die Ankunft des Arztes gewartet, der für seine Ungeduld zu lange, viel zu lange ausblieb. Wo befindet sich die Kranke?" Junker öffnete leise und vorsichtig die Tür eines Nea benzimmers.

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Sie bleiben so lange.

Weil meine Tätigkeit ungewöhnlich in Anspruch ge= nommen wird."

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Der Arzt trat an das mit seidenen Gardinen behans Der reizende Kopf einer jungen Frau lag in den schneeweißen Kissen. Ihre feinen Wangen waren bleich und ihre großen Augen glänzten.

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,, Gott zum Gruße, Madame Junker." Cäcilie," rief der Gatte, wie fühlst Du Dich?" Stören Sie mich jetzt nicht, mein lieber Freund! Wenn ich Hilfe bringen soll, müssen Sie der Kranken und mir Ruhe gönnen."

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in das Wohngemach geführt, trat er zu dem Bette zurüc und ergriff die Hand der Kranken. Cäcilie beantwor tete alle an sie gerichtete Fragen mit flarer Stimme. ,, Doktor," fügte sie ganz leise hinzu ,,, werde ich denn sterben müssen?"

" Sprechen Sie doch nicht von Sterben!"

( Fortsetzung folgt.)

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