Ausgabe 
11.2.1911 Erstes Blatt
 
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Ein amerikanisches Geschenk für den Kaiser. Kaiser Chelm hat, so wird dem B T." aus Neuŋork gemeldet, Lostbares Geschenk des Herrn John Wanamaker, des kannten Eigentümers großer Warenhäuser in Neuyork rd Philadelphia angenommen. Das Geschenk wurde ihm hich die Bermittelung des Herrn Didie, des langjährigen febigers der Berliner amerikanischen Kolonie übersandt

Bestand aus fünf starken Bänden, in denen erste ame= nische Schriftsteller die Eroberung des Meeres durch Kraft des Dampfers geschildert haben. Der Kriegs­tiffahrt und der Handelsschiffahrt ist dabei in besonderer Bise gedacht. Wanamaker hat dem Kaiser sagen lassen, möge dieses Geschenk als Dank für die freundliche ufnahme ansehen, die ihm auf einer Reise am Nordkap Bord der Kaiserjacht Hohenzollern" zu teil ge= orben ist. Auch gedenke er dabei seiner deutschen Ab­mung. Der Kaiser hat Herrn Wanamaker für sein cent in einem eigenhändigen Briefe inzwischen Herz­gedantt.

Das Heldenstückchen eines französischen Gerichtsvollzie­fers macht in der französischen Hauptstadt viel heiteres ufsehen. Auf der Station Lison in Nordfrankreich pfän­hete ein Gerichtsvollzieher drei Lokomotiven, die Eigen­Die Be hm ber staatlichen Westbahngesellschaft sind.

lagnahme erfolgte auf Grund eines gegen die Gesell­haft von einem Gerichtshof im vorigen Monat erlassenen Urteils, das die Staatsbahngesellschaft zur Zahlung von rancs als Schadenersatz für einen einer jungen Dame bhan den gekommenen Reisefoffer verurteilt hatte.

Da die Gesellschaft den Betrag bisher nicht bezahlt hatte, ündete der Gerichtsvollzieher gleich drei Lokomotiven feinmal und kündigt jetzt durch Plakate in der Ge­einde Lison und deren Nachbarschaft an, daß die Loko­motiven am 19. Jebruar an den Meistbietenden öffentlich write gert werden sollen.

Zu dem Attentat auf einen Geldtransport bei Bott: pf. W., von dem wir meldeten, sei noch mitgeteilt, daß bisher nicht gelungen ist, Anhaltspunkte für die Per­lic feit der Täter zu finden. Die bisherigen Ermitte­angen ergaben nur, daß ein Radfahrer, der allem An­hein nach mit den Räubern gemeinsame Sache machte, or dem Ueberfalle die Straße auf und ab gefahren ist, um 5 Seronnahen des Transportes seinen Komplicen recht­eitig mitteilen zu können. Auch daraus geht hervor, daß Leberfall von langer Hand vorbereitet war. Neuer­ings glaubt man, daß der bekannte, aus dem Jrrenhaus sgebrochene Räuberhauptmann Stratmann, der noch eine ngji hrige Zuchthausstrafe zu verbüßen hat, bei dem wegenen Plane seine Hand im Spiele hatte. Auf dem Fager befanden sich in vier Ledertaschen rund 180 000 Tark

Güne originelle Drohung im Gerichtssaale leistete sich in Bauarbeiter vor der Altonaer Straffammer. Der schon vorbestrafte Angeklagte war unter dem Verdacht ver­iftet worden, verschiedene Diebstähle ausgeführt und an­te morbereitet zu haben. Vor Gericht leugnete er hart­idig und stützte sich darauf, daß er wegen eines Knie­jeibembruches nicht imstande gewesen sei, Einbrüche wie fie ausgeführt haben sollte, zu begehen. Ein medizini­het Eachverständiger gab sein Gutachten dahin ab, daß Angeklagte allerdings die Folgen seiner Erkrankung h nicht überwunden habe und noch lahm gehe, daß es malber möglich gewesen sei, die Flucht im Affekt, wie es hehen sei, auszuführen. Das Urteil des Gerichtshofes tete auf mehrere Jahre Zuchthaus. Als der Vorsitzende, andgerichtsdirektor Böse, das Urteil verlas und es be= inden wollte, unterbrach ihn der Angeklagte und rief m drohend zu: ,, Schwieg du man still, ick hew all genog. kinetmegen fönnt od fief Johre Tuchthus sin, goh man smit dien Gesetzbook. Den nächsten Innbruch, wenn wi edden rut sin, matt wi bi di, Herr Böse." Der wütende getlagte fonnte nur mit Mühe von einem Gerichts­ner abgeführt werden.

1236 tonfiszierte Hutnadeln. Der Kampf gegen die langen Spieße auf den Hüten der Damen wird jetzt zahlreichen Großstädten energisch durchgeführt. So sind Budapest innerhalb weniger Wochen 1236 Hutnadeln fissiert worden, davon allein an einem einzigen Abende to an einem einzigen Orte, auf dem Donautorso, 85 delm. Man hat sich nämlich in der ungarischen Haupt­t nicht damit begnügt, die Frauen zu warnen, sondern ich praktisch eingegriffen und die eleganten Uebeltäte= them überall da, wo sie in Massen und im Gedränge auf­ten, überwacht. In den Garderoben der Theater- und zertfäle, in Restaurants und Vergnügungsetablisse­its sind Schutzleute in 3ivil anwesend, die unversehens Schönen im wahren Sinne des Wortes auf den Kopf men. Von einer Bestrafung hat die Stadtverwaltung her abgesehen und es einstweilen bei der Konfistation einer Verwarnung belassen. Die Budapesterinnen dem nun wohl wissen, was sie zu gewärtigen haben, n sie sich nicht bessern und fünftig nicht mehr Rücksicht das Augenlicht des Mitmenschen nehmen.

Ein guter Richter. Vor dem Richter eines Stadt­tels in London erschien dieser Tage eine Köchin. Sie He fich wegen fortgesetzter Trunkenheit zu verantworten. Frau hatte öffentliches Aergernis erregt und sollte fer bestraft werden. Weinend erklärte sie, sie habe alles t, was Menschenkraft vermöge, um den Alkohol auszu­tiben, es sei ihr aber nicht gelungen. Der gute Richter tilte wie folgt: Ich will den Pastor ihres Bezirks bit­daß er Ihnen helfe, und wenn er mir Ende des Jahres teült, daß Sie bis dahin nicht einmal betrunken waren, n will ich Ihnen zum Lohn ein schönes Kleid kaufen. Köchin versprach inständig Besserung, und wer weiß, leicht hat der Richter in ihr dermaßen die Eitelkeit ge= t, daß die Dinge gut gehen werden.

Der Stummelsammler im Gemeinderat. Vor kurzem rem Bürgermeister und Adjunkten des Gemeinderates Pur in Mittelfrankreich vom Amte zurückgetreten. Bei Meuwahlen stellten nun ein paar Spaßvögel einen itungsausträger namens Rome als Gemeinderatstandi­ten auf, obgleich oder vielmehr gerade weil dieser Rome leinen zahlreichen Mußestunden auch das ehrbare Ge­ber eines Stummelsammlers ausübt, ein Gewerbe, das naußerhalb Frankreichs kaum dem Namen nach kennt. bert Erwarten wurde Rome gewählt. Seine Gegner testierten heftig dagegen, Rome als Gemeinderat er­iren zu lassen, die anderen Gemeinderäte drohten sogar ihrem Kollektivrücktritte, doch Rome erklärte fatego­: Hier bin ich, hier bleibe ich!" Rome ist bereits mit hemm Programm hervorgetreten, das er außerordentlich nt nimmt, wenn er sich bei seiner Darstellung auch mei­s einer scherzhaften Form bedient. Ich selbst",[ o

pflegt der Biedermann zu sagen ,,, bin eine Resulsante aus den sozialen Kräften. Meine Jurisprudenz ist nicht sehr start, meine Gerechtigkeit aber umsomehr. Ich verlange, daß die Steuern fortab höflich eingetrieben werden. Wenn der französische Bürger schon als Wähler ein Recht an den Fistus hat, so hat er als Steuerzahler wenigstens das Recht, zu verlangen, daß man ihm nicht mutwillig auf die Hühneraugen tritt. Ich verlange ferner, daß man die Pianosteuer erhöhe. Wenn man einen Hund, der nur in zmei Tönen bellt, mit zehn Frank jährlich besteuert, um wieviel höher müßte man da ein Piano besteuern, das in beinahe achtzig Tönen heult. Keine Arbeit mehr zwischen den Mahlzeiten! Die Zeit vergeht, und die Zukunft naht rasch heran. Arbeit ist gut für die, die nichts im Magen haben. Keine Richter, feine Gerichtsvollzieher, keine Ad­vokaten mehr! Dann wird es auch keine Ungerechtigkeiten mehr geben! Ein glückseliges Gliederdehnen in dem brei­ten Bette des Schlummers und des allgemeinen Wohlseins: das ist es, was ich anstrebe." Man sieht, daß sich der neue Gemeinderat und Stummlersammler außer Diensten die sozialen Reformen etwas leicht vorstellt; er hofft, mit seinem ebenso einfachen wie weitreichenden Programm ei­nen derartigen Eindrud im Gemeinderate von Le Puy zu machen, daß man ihn bald zum Bürgermeister wählen werde.

Mit den sogenannten Dahrlehnsbanken", jenen Schwindelgeschäften, die in der letzten Zeit in Groß- Berlin geradezu wie Pilze aus der Erde geschossen sind, räumt die Berliner Kriminalpolizei jetzt gründlich auf. So wurde gestern wiederum eine solche Bank in einem Hause der Flottwellstraße aufgehoben. Ein früher Kellner Paul Sander hatte sich dort zwei Stuben und Küche gemietet und die beiden ersten Räume so eingerichtet, daß sie den Ein­druck eines Kontors machten. Dorthin lockte er nun durch Anzeigen und andere Mittel Leute, die Darlehen suchten. Er nahmen ihnen auch so viel als möglich Antragsgebüh­ren ab, fümmerte sich dann aber nicht weiter um sie. Auf verschiedene Anzeigen hin durchsuchte die Kriminalpolizei die Bankräume" und fand soviel Belastungsmaterial, daß sie Sander nicht bloß wegen Darlehnsschwindel, sondern auch wegen Wuchers auf der Stelle festnahm und dem Un­tersuchungsrichter vorführte. Von dem Schwindler sind ohne Zweifel noch mehr Leute geschädigt worden, als man bis jetzt weiß.

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Küster und Schuster. In einer kleinen Stadt Pom­merns lebte so erzählt man der Tgl. Rdsch., ein ehr­samer Küster, der neben seinem geistlichen Berufe das Schu­sterhandwerk betrieb. Man erzählte sich von diesem braven Manne allerlei komische Geschichten, Eines Sonntags nämlich, als er während des Gottesdienstes den Klingel­beutel herumgehen ließ, fragte er in leisem Flüstertone die junge Pfarrerstochter: Freilein, wollen se Randsohlen oder genähte?" Ein andermal fand ein Begräbnis ſtatt; er stand bereit, die Trauernden waren versammelt, nur der Pastor verzog. Unser Küster wurde geschickt, den wür­digen Herren zu holen. Als er in dessen Studierzimmer fam, rief er ihm hastig schon von der Tür aus zu: Herr Paster, Herr Paster, die Leiche lauert schon!"

Auf einer Eisscholle im offenen Meer. Wte sich heraus­gestellt hat, ist die Eisscholle mit 253 Fischern, die an der finnischen Küste ins Meer getrieben war, in mehrere Teile geborsten. Ein Teil der Fischer konnte gerettet werden. Ueber hundert jedoch, die die Scholle nicht rechtzeitig ver­lassem konnten, sind wieder ins Meer getrieben. Ihre Lage ist besorgniserregend, da die Lebensmittel verbraucht sind. Gestern abend ist ein Eisbrecher mit Aerzten und Vor­räten ausgesandt worden. Er ist bis jetzt noch nicht zurück­gefommen.

Die Pest in Rußland? Der Berliner Nationalztg." wird aus Bufarest gemeldet: Ein telegraphischer Bericht der rumänischen Gesandtschaft in Konstantinopel meldet, daß die Pest aus der Mandschurei bereits nach dem euro­päischen Rußland vorgedrungen set, und daß in den letzten Tngen im Gouvernement Astrachan vier Pestfälle, die den Tod der Erkrankten herbeiführten, amtlich konstatiert wor­den sind. Die Meldung hat in Regierungsfreisem große Aufregung hervorgerufen, da Befürchtungen bestehen, daß die Seuche nach Südrußland eingeschleppt wird, mit dem Rumänien einen starken Verkehr unterhält. Die Regie­rung ist entschlossen, angesichts der drohenden Pestgefahr ohne Verzug die strengsten Quarantänemaßnahmen zu ver hängen.

Razzia auf Anarchisten. Die Londoner Houndsditch­Affäre beschäftigt tett auch die Berliner Kriminalpolizei. In Berlin war die Meldung eingetroffen, daß einige von den Anarchisten und Verbrechern, die an der Schießerei in Houndsditch beteiligt waren, in Berlin einen Unter­schlupf gefunden hätten. Die Berliner Kriminalpolizei ver­anstaltete infolgedessen in der Nacht zum Donnerstag in den Wirtschaften und Lokalen des Scheunenviertels eine Razzia, an der 60 Kriminalbeamte unter Führung eines Kriminalkommissars teilnahmen. Das Ergebnis des Streif zuges war, daß zahlreiche Personen, namentlich Russen und Desterreicher, die sich nicht gemügend ausweisen konnten, verhaftet und nach dem Polizeipräsidium geschafft wurden. Dort wurde sie gemessen und photographiert. Außerdem wurden bei mehreren Personen festgestellt. daß sie aus Preußen ausgewiesen waren. sich aber trotzdem heimlich in Berlin aufhielten. Diese Personen wurden der Aus­weisungspolizet übergeben.

Sumpfgas in einem Eisenbahutunnel. Eine merkwür­dige Naturerscheinung fann im Rickentunnel, der die Bo­densee- Toggenburg Bahn mit der Zürich- Wesen- Linie ver­bindet, beobachtet werden. Wie der Prometheus berichtet, entweicht an zwei Stellen im Tunnel feit längerer Zeit Sumpfaas, das vermutlich von eingeschlossenen Torf- oder Kohlenlagern herrührt und nun durch poröse Gesteins­schichten in den Tunnel austritt. Das Gas, das sich selbst entzündet hat, brennt mit heller blauer bis roter Flamme und strömt mit starkem Geräusch aus dem Berg. Eine aweite Stelle, wo das Gas etwas schwächer ausströmt, be­findet sich einige Meter daneben. Es kann entzündet wer­den, doch wird die Flamme durch den Luftzug jedes durch­fahrenden Zuges wieder gelöscht. Es war nötig. besondere Vorkehrungen zu treffen, die eine allzu starke Erhitzung der Tunnelmauern verhindern. Wann das Gaslager erschöpft ist und damit die Flamme erlischt, läßt sich heute noch nicht sagen, da ein Nachlassen des Gaszuflusses bis jetzt nicht beobachtet werden konnte.

Was

schönsten Vorführungen der Internationalen Hygiene- Aus­stellung Dresden 1911 sein. Heute sei nur einiges verra­ten. Entweder faßt man die Haltung der Verstorbenen als eine freundschaftliche oder als eine feindliche auf und richtet danach ihre weitere Behandlung ein. Tatsächlich lassen nahezu alle Völker der Erde, auch die primitivsten, der Leiche irgendwelche Behandlung zugute kommen, schon allein aus dem Grunde, weil sie hoffen, damit ihre Schul­digkeit zu tun und der Rache des Verstorbenen nicht ausge= setzt zu sein. Nach dem Glauben der Tasmanier gingen die Geister der Verstorbenen in die Pflanzenwelt ein, da lag es ohne weiteres nahe, die sterblichen Ueberreste in einen hohlen Baum zu legen. In den hohlen Bäumen fann man den Ursprung des Sarges annehmen. Aller­dings verbindet sich damit ein weiteres Moment des See­lenglaubens. Man hielt es oft für nötig, daß der Ver­storbene in heimischer Erde ruhe. Wandervölker schleppten daher oft sehr weit die Erde der Heimat herbei, um das Grab zu füllen, oder, wenn sie über See famen, mußte ein Schiff dazu dienen, die Stelle des Sarges zu vertreten. Diese Art der Beseitigung der Leiche diente freund­schaftlichen Absichten. Anders wird es aber, wenn man die Seele fürchtet. Man wagt oft die Leiche nicht wegzuschaffen und begräbt sie in dem Sterbehause, vernagelt Türe und Fenster und meidet die unheimliche Stätte. Noch deutlicher wird diese Absicht, sich vom Toten zu separieren, wenn man ihn vor der Bestattung fesselt. Mam will ihm jede Mög­lichkeit nehmen, wiederzukehren. Teilweise ist auch die Lei­chenverbrennung in dieser Furcht vor der Rückkehr begrün­det. Die Verbrennung läßt nur die Gebeine übrig, die dann in ein Gefäß eingeschlossen werden. Die Vernichtung des Körpers durch Tiere, die noch heute bei den Parsen im Schwange ist, zeugt von einem hohen Grad der Verachtung. Ganz unschädlich gemacht wird aber der Verstorbene durch Auffressen. Dann sind die seelischen Fähigkeiten gezwun gen, auf die Teilnehmer der Mahlzeit überzugehen. Es ist interessant, gerade an der Leichenbehandlung beobachten zu können, wie die ganze Hygiene der Primitiven nicht in medizinischen Beobachtungen, sondern in Dämonen- und Zauberfurcht wurzelt und wie alle Medizin mehr oder min. der davon ihren Ausgang nimmt.

Drabtnachrichten und neuestes.

Vereinfachung des Heeresersahgeschäfts

Berlin, 10. Februar. Die Freikonservativen haben im Abgeordnetenhause einen Antrag eingebracht, im Bun­desrat auf eine Abänderung der Bestimmungen über das Heeresergänzungsgeschäft hinzuwirken in der Richtung, daß das Ersatzgeschäft vereinfacht und die Möglichkeit gegeben wird, bei der Aushebung die bürgerlichen Verhältnisse und die Mindertauglichkeit der Wehrpflichtigen in weitergehen­dem Maße zu berücksichtigen, als dies nach Lage der gelten­den Vorschriften zulässig ist.

Naubüberfälle auf Frauen.

0 Berlin, 10. Februar. Die Frau des Steuerein­nehmers Riffmann wurde gestern abend im Flur ihrer im Norden der Stadt gelegenen Wohnung von einem Manne überfallen, der ihr Pfeffer in die Augen streute und als­dann mit einem 1100 Mark enthaltenden Geldbeutel die Flucht ergriff. Ein zweiter Ueberfall ereignete sich im We­sten der Stadt, wo eine Frau ebenfalls in ihrem Hause von einem Manne überfallen und durch einen Messerstich in die Brust verwundet wurde. Der Täter, der auch hier uner­fannt entfam, raubte einen kostbaren Pelz.

Verschüttete Bergleute.

Luxemburg, 10. Februar. Auf der Grube Steinberg bei Nümelingen stürzte auf eine Strecke von 120 Metern ein Stollen ein. Zwei Arbeiter wurden verschüttet. Die Rettungsarbeiten sind sofort in Angriff genommen worden. Die Grubenverwaltung hofft, bald zu den Verunglückten vordringen zu können.

Ein Aeroplanfallschirm.

Paris, 10. Februar. Auf dem Marsfeld fand ge= stern die Erprobung eines Aeroplanfallschirmes des Inge­nieurs Hervieu statt. Etwa 20 Meter über dem Boden öffnete sich der Fallschirm automatisch; die an ihm befestigte Gliederpuppe im Gewicht von 75 Kilogramm wurde im Sturz aufgehalten und sank mit einer Schnelligkeit von 3-4 Metern in der Sekunde. Während der Apparat seinen Sturz fortsette und zerschmetterte, kam die Puppe unbe schädigt zur Erde.

Beraubung einer Geldpost.

Warschau, 10. Februar. Unweit der Stadt Lublin wurde eine von Polizisten begleitete Geldpost von 15 Be­waffneten überfallen. Fünf Polizisten wurden getötet. Das Geld ist angeblich gerettet worden.

Untergang eines rassischen Seglers. London, 10. Februar. Nach einer Lloydmeldung aus Cossad in Westaustralien ist die russische Bark Glen­bant", die 1800 Tonnen Kupfererz geladen hatte, in der Nähe von Cossack untergegangen. Die gesamte Besatzung, mit Ausnahme eines Manes, ist ertrunken.

Berliner Getreide- und Schlachtviehmarktbericht.

Am Berliner Marite war das Geschäft in Weizen au­ßerordentlich still. Die Spekulation verhält sich abwartend, die Preise haben kaum eine Veränderung erfahren. Rog­gen hatte eine entschieden feste Tendenz. Rukland bot nicht viel an, und es wurde infolgedessen die Nachfrage nach In­landsware reger. Vielfach wurden im Lande höhere Preise bezahlt als in Berlin, und im Zusammenhang damit zogen die Notierungen im Lieferungshandel durch Deckungen und Käufe etwas an. Hafer war nur schwierig im Lofogeschäft abzusetzen, aber das Inland hielt auf hohe Preise und von Rußland wurde nicht billiger offeriert, so daß der Preis­stand feine Erschütterung erfuhr. Gerste stellte sich infolge starken Begehrs etwas teurer. Mais war ruhig, aber fest Am letzten Tage der Berichtswoche stellten sich die Preise per Mai wie folgt: Weizen 204,50 M. Roggen 158,75 M, Hafer 156,25 M, Mais 135,50 M.

Preise des städtischen Schlachtvichmarktes. I. Ochsen: a) vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes, un­gejocht 76-81 M, 6) junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 73-76 M. c) mäßig genährte junge und gut genährte ältere 72-80 M, 0) gering genährte jeden Alters M. II. Bullen: a) vollfleischige höchsten Schlacht­wertes 76-80.M. 6) vollfleischige jüngere 71-79 M, c) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 66-74 M, 6) ge= M. III. Färien und Kühe: a) vollfleischige, ring genährte ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes- M. b) voll­fleischige ausgemästete ühe höchsten Schlachtwertes, höch= stens 7 Jahre alt 67-74 M, c) ältere ausgemästete und

macht man alles mit den Toten? weniger gut entwickelte jüngere Kühe 66-73., d) mäßig

Das Aufhören der Lebensfunktionen. der Tod, ist für viele Menschen gleichsam unfaßlich. Selbst wir Menschen der Kulturwelt haben Granen davor, einem Verstorbenen gegenüberzustehen, dessen Fähigkeiten wir im Leben be­wundert haben. Um wieviel mehr ist das bei Naturvölkern der Fall. Hier wird ja bekanntlich jede Krankheit ein­schließlich des Todes als ein Werk überirdischer Mächte, denen ein Zauber die Gewalt gegeben hat, aufgefaßt. Man glaubt, daß die Seele aus dem Körper gefahren sei und es genügt, wenn in der Nähe der Leiche ein Schmetterling flattert oder ein Käfer furrt, um darin die Seele des Ver­storbenen zu sehen. In diesem Seelenglauben wurzelt denn auch die Behandlungsweise der Leiche.

Die Darstellung der Bestattungsarten wird eine der

genährte ühe und Färsen 56-67 M, e) gering genährte Kühe und Färsen bis 58 M, f) gering genährtes Jungvieh ( reser) 56-70 M. IV. Kälber: a) Doppellender fetner Mast 111-133 M, 6) feinste Mastfälber 97-107 M, c) mitt­lere Mast und beste Sangfälber 88-95 M, d) geringere Mast uns aute Saugfälber 83-90 M. c) geringe Saug­fälber 73-87 M. V. Chase: a) Mast lämmer und jüngere Maithammel 76-84 4, 6) ältere Masihammel, geringere Mastfämmer und gut genährte jüngere Schafe 69-73 M, c) mäßig genährte Sammel und Schafe( Märafchafe) 57 bis 72 M. VI. Schweine: a) Fettschweine über 3 Zentner Re­bendgewicht bis., b) vollfleischige der feineren Rassen und deren Kreuzungen über 3entner Lebendgewicht 55-58 M, c) fleischige Schweine 58-55 M, d) gering ent wickelte Schweine 51-53 Me) Sauen 53-54 M.