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Gießener Zeitung
( Neueste Nachrichten)
Bezugspreis 50 pfg. monatlich vierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den ZweigErscheint ausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mr. jeden Werktag früh.- Die„ Humoristischen Blätter" liegen wöchentlich einmal gratis bei.
Seltersweg 83.
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Redaktion: Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Herausgeber: Albin Klein& Otto Fischer.
Nr. 36.
( 1. Blatt.)
Die heutige nummer umfaßt 6 Seiten,
ferner liegen bei:
1) die 8 seitige interessante, sehr lehrreiche„ Illustrierte Weltrundschau" Nr. 4,
2) die äußerst praktische und nützliche GemüsegartenBestellungstabelle( allen Gartenbesitzern zum Aufheben empfohlen),
3) die Extra- Beilage der landwirtschaftlichen Maschinen fabrik Wilh. Stoll in Torgau a. d. Elbe.
Ein kleiner Beitrag zur Joz..dem.
Bauern- u. Mittelstandspolitik.
In den Agitationsreden spielen sich die Sozialdemofraten gerne als Bauern- und Mittelstandsfreunde auf. Was aber sagt ihre Führung zu der Frage:
Genosse Reichstagsabgeordneter Fischer sagte auf dem Parteitage in Breslau 1895:
„ Die Sozialdemokratie kann den Bauern erst gewinnen, wenn er von seinem Eigentum losgelöst und bankerott gemacht ist."
Die„ Sächsische Arbeiterzeitung" schrieb im Juli 1890: „ Wir werden immer bestrebt sein, den Untergang des Kleingewerbes zu beschleunigen. Je eher es verschwindet, desto besser!"
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Genosse Engels schrieb im Mai 1890:
„ Wenn aber das Kapital die kleinen Handwerker und Kaufleute vernichtet, so tut es ein gutes Werk."
Genosse, damals Reichstagsabgeordneter, Schippel auf dem Breslauer Parteitage 1895:
Wir sind eine Partei der Besitzlosen
Arbeiter."
Genosse, damals Reichstagsabgeordneter, Boc- G0tha schrieb in seinem„ Schuhmacher- Fachblatt" am 26. April 1903:
„ Uns als Arbeitern kann der Untergang des sogenannten Mittelstandes gleichgültig sein, im Gegenteil, je eher er verschwindet, desto besser ist es." Genosse Reichstagsabg. Hildebrandt sagte in einer Versammlung in Solingen am 2. August 1910: „ Wir sind nicht im stande, die Interessen der Kleinbauern zu vertreten und versagen auf dem Gebiete des Bauernschutzes, ähnlich gegenüber den Handwerkern."
So reden die Herren Genossen, wenn sie unter sich
sind!
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 11. Februar. Gießen, 10. Febr. In der gestrigen Stadtverordnetensizung wurde die Umgestalt= ung der West anlage genehmigt, ferner soll in der Südanlage am Ausgange der Plockstraße ein Gedenkstein für den Syndikus Plod errichtet werden. Oberbürgermeister Mecum will ein neues
Kunst und Wissenschatt.
( Wetzlarer Brief.) Nathan der Weise. Ein dramatisches Gedicht in 5 Aufzügen v. G. E. Lessing. Der auf moderne Sensationsstücke gerichtete Geschmack der Gegenwart bedarf der Klassikervorstellungen als eines natürlichen Gegengewichts, um nicht die zauberische Sprache wahrer Dichter zu verlieren, und niemals wird es eine bessere Einführung in die deutsche Geistes- und Kulturwelt geben, als durch das Ansehen und Anhören unserer großen Dichter. Der moderne sezessionistisch- naturalistische Dramatiker geht oft genug darauf aus, die sittlichen Begriffe zu verwirren. Die wahre Kunst aber, wie wir sie in höchster Blüte bei unseren Klassikern entfaltet finden, betrachtet es als ihre Aufgabe, alles Edle zu pflegen und mit sittlichem Ernst zu vertreten.
So kann man es der hiesigen Lesevereinig= ung nur Dank wissen, daß sie gestern abend eine Klassikervorstellung veranlaßt hatte. Und welches Stück wäre hierfür wohl geeigneter gewesen als Lessings„ Nathan der Weise". Man hat diesem dramatischen Schwanengesang Lessings die Merkmale des absolut Duchterischen absprechen wollen; aber solange wir mit Schiller in der Schaubühne eine moralische Anstalt erblicken, ist bleibt„ Nathan" ein Kunstwerk von unvergänglichem Werte. Freilich ermangelt hier sein Szenengefüge jener straffen Einheitlichkeit, wie sie Lessing als Dramaturg selbst fordert und z. B. in seiner„ Minna von Barn
und
Enthält alle amfl. Bekanntmachungen
der Großherzoglichen Bürgermeisterei
sowie vieler anderer
des Großherzoglichen Polizei- Amtes Behörden Oberhessens
Expedition: Seltersweg 83.
( Haus Brüder Schmidt.)
Samstag den 11. Februar 1911
Rathaus aus der alten Klinik geschaffen wis
ſen, in dem alle städtischen Verwaltungen untergebracht werden könnten. Nach langer Debatte fam man zu dem
Beschluß, die Angelegenheit. zweds eingehender Prüfung vorläufig noch nicht zur Entscheidung zu bringen. Die Kosten einrs Umbaues erfordern 400 000 Mt. Stadtv. Winn erklärte, daß alte Gebäude müsse abgerissen werden, denn für 300 000 Mk. bekäme man schon einen Neubau. Einstimmig wurde sodann beschlossen, die Gelder für Bearbeitung des Bahnprojektes Gie= Ben Gladenbach zu bewilligen. Ebenfalls mit
voller Einmütigkeit genehmigte man die Bewilligung
eines Ehren soldes in Höhe von je 50 Mt. für die hierfür in Betracht kommenden Veteranen, die ein Einkommen von unter 2000 Mk. haben.
der
( Gießener Tageblatt)
Anzeigenpreis 15 Pfg.
die 44 mm breite Petitzeile oder deren Naum, auswärts 20 Pfg.; die 90 mm breite Petitzeile im Reklameteil 50 Pfg., auswärts 60 Pfg.; Tabellen mit 50% Aufschlag. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Gesamtleitung: Albin Klein.
Telephon: Nr. 362.
23. Jahrg.
Die Abonnentenzahl unserer Zeitung steigt täglich!
S.
Nicht allein auf dem Lande, sondern auch in der Stadt selbst hat die Zeitung an sehr vielen Stellen eine freundliche Aufnahme gefunden.
Alle unsere gesch. Abonnenten, Inserenten, Mitarbeiter, Gönner und Freunde wollen davon Kenntnis nehmen und im Interesse unsrer guten Parteisache für immer bessere Verbreitung der„ Gießener Zeitung" sorgen. Der Verlag.
umgewandelt.
Offenbach. Die Stadtverordneten bewilligten den Veteranen eine Ehrengabe von je 25 M., die zu Weihnachten zur Auszahlung kommt.
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Frankfurt a. M. Die im vorigen Sommer bereits gefahrenen direkten Kurswagen WiesbadenHomburg Nauheim- Berlin und zurück, werden ab 1. Mai wieder in Dienst gestellt.
Abgelehnte Eisenbahnwünsche.
Gießen. Der Vorstand der Landwirtschaftskammer für die Rheinprovinz hat sich in seiner Sitzung vom 1. Februar u. a. mit der Frage einer Versicherung zur Bekämpfung der Maul- und Klauenjeuche befaßt. Er ist hierbei zu folgendem Ergebnis getemmen: Eine Versicherung zur Entschädigung von Veriusten, die durch Eingehen und durch notwendig gewordenes Töten der Tiere zur Vermeidung der Weiterverschleppung der Maul- und Klauenseuche( sofortige Tilgung von Seuchenherden) erwachsen, ist notwendig und anzustreben. Es wird einerseits die Einführung von Marktversicherungen und andererseits eine Zwangsversicherung Viehbesitzer im Anschlusse an die bereits für Milzbrand, Lungenseuche 2c. bestehende Provinzialversicherung, die jedoch vollständig voneinander getrennt sein sollen, empfohlen. Wegen der Einführung der allgemeinen 3wang versicherung der Viehbesitzer im Anschlusse an die bereits für Milzbrand, Lungenseuche 2c. bestehende Provinzialversicherung, die jedoch vollständig voneinander getrennt sein sollen, empfohlen. Wegen der Einführung der allgemeinen 3wangsversicherung der Viehbesizer, wozu eine gesetzliche Grundlage erforderlich ist, soll die 3en tralstelle der preußischen Landwirtschaftskammer ersucht werden, bei Beratung der preußischen Ausführungsbe stimmungen zum neuen Reichsviehseuchengesetze eine BeStimmung aufzunehmen, nach welcher für einzelne Provinzen Zwangsversicherungen gegen die Maul- und Klauenseuche eingeführt werden können. Der Oberpräschen Interessenten wieder unerfüllt geblieben denn in sident soll gebeten werden, auf die Bildung von Marktversicherungen in der Rheinprovinz hinzuwirken.
Herbst saaten, die durch Frost gelitten haben oder die vor der Bestellung lediglich nur Stallmist erhielten, gebe man jetzt, wenn es die Witterung einigermaßen gestattet, eine Kopfdüngung mit Thomas= mehl. Ob dann im späteren Frühjahr auch noch eine weitere Kopfdüngung mit Chilisalpeter nötig ist, zeigt sich erst nach Beginn der Vegetation. Auch die Wiesen, Viehweiden und Kleefelder können jetzt noch mit bestem Erfolg gedüngt werden.
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Frankfurt a. M. Der hiesige Milch händIerverein faßte in einer starkbesuchten Versammlung den Beschluß, jeden Ausschlag abzulehnen und gemeinsam die höheren Forderungen der Milchproduzenten zurückzuweisen.
Homburg. Der älteste Neffe des Grafen Zeppelin, Graf Eberhard 3 eppelin, wurde zum hiesigen Kurdirektor gewählt.
Frankfurt a. M. Die bekannte Lam 3 e= sche Privat- klinik wurde in eine G. m. b. helm" betätigt. Eine verstrickte Handlung wird im Nathan durch eine nicht minder verstrickte Sippschaftsgeschichte unter Verzicht auf psychologische Entwirrung überschnell zusammengeklappt. Aber ist nicht Pole mit auch eine Kunst, wenn sie im Sprachgeschmeide Les sings mit seinen klugen und adligen Gedanken bekleidet einhergeht?
Der Vorstellung kann im Bereich der gegebenen Verhältnisse die Anerkennung nicht versagt werden. Die Mitglieder des Rhein- Mainischen Verbands theaters gaben ihr Bestes und ließen uns den Atem des Dichters spüren. Wenn auch hier und da einige kleine Unebenheiten zu verzeichnen sind, so mieden doch die Darsteller jede Sünde wider Lessing. Bei der Wiedergabe des Werkes mit seinem Dutzend wechselnder Aufzüge hatte man die sogenannte Shakespeare- Bühne gewählt und damit einen sehr geschickten Griff getan. In dem würdigen, schlichten Rahmen hoben sich die einzelnen Personen mit ihren teilweise recht dekorativen Kostümen wirkungsvoll ab, und die Zuschauer huldigten dem Dichter nach jeder Szene.
Großen Beifall zollte man der Ringparabel; auch der Pogrombericht verfehlte seine rührende Wirkung nicht. Auf weitere Einzelheiten sachlicher und persönlicher Gestalt wollen wir heute nicht eingehen; wir haben auch hierzu umso weniger Veranlassung als uns die Gesellschaft nur„ Eintagsbesuche" macht. Wir freuen uns aber auf ihre Wiederkunft, gleichviel welch' Stück sie dann mitbringt.
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Aus Frankfurt a. M. wird gemeldet, daß die Eisenbahnverwaltung ab 1. Mai einen D= 3ug mit 3 Wagentlassen einzuführen gedenkt. Derselbe soll einer bequemen Verbindung der Reichshauptstadt mit den Bädern Wildungen, Nauheim, Homburg, Wiesbaden und Ems dienen. Die Abfahrt des Zuges vom Potsdamer Bahnhof in Berlin erfolgt um 9 Uhr vormittags, die Ankunft in Homburg 6 Uhr abends, in Wiesbaden 6,50 Uhr. Um 8½ Uhr wird der Gegenzüg in Wiesbaden abgelassen und um 7½ Uhr abends fährt
er in Berlin ein.
Der neue D- Zug kommt gegen 5 Uhr nachm. in Gi e- ßen an. Demnach wären die Wünsche der oberhessi
der Zeit von 12,3 bis 5,54 nachm. haben wir keinen Eil- oder Schnellzug, der eine Verbindung zwischen Gießen und Frankfurt herstellt. Einen solchen hätten nicht allein Gießens Bewohner, sondern auch solche aus der näheren und weiteren Umgebung am liebsten eingeschaltet gesehen.
Kirchliche Nachrichten.
Katholische Gemeinde Samstag, den 11. Februar. Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht.
Sonntag, den 12. Februar. Sonntag Septuagesima. Vorm. von 6½ Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beicht. Vorm. um 7 Uhr: Die erste hl. Messe. Vorm. um 8 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion. Vorm. um 9 Uhr: Hochamt mit Predigt. Vorm. 11 Uhr: hl. Messe mit Predigt. Nachm. um 5% Uhr: Christenlehre; darauf Andacht.
fr Volkskunst. Gar so lange ist es noch nicht, daß die Fortschritte der Technik auch der Reproduktion neue, ungeahnte Möglichkeiten erschlossen und damit die Kunst in Vervielfältigungen zu einem Allgemeingut der ganzen Menschheit machten. Jede Familie kann sich jetzt einen weniger künstlerischen Wandschmuck oder eine Kunstmappe leisten. Einen ganz besonderen Ruhm unter diesen Kunstgaben beanspruchen die„ Kunst ga= ben" des Verlages Scholz, herausgegeben von der Freien Lehrervereinigung für Kunstpflege, Werke, die genau so eindringlich und nachhaltig auf das reife Alter wie auf die Jugend wirken, die im Salon einer geistreichen Frau ebenso am Platze sind, wie in der bescheidenen Wohnung einer Arbeiterfamilie oder im Zimmer eines Schülers. Wahre Kunst ist nie an Alter oder Stand gebunden, und diese Kunstmappen vermitteln wahre, und vor allem deutsche Kunst. Diese Kunstmappen schaffen die Gelegenheit, sie führen uns ein in die Schaffensart, in die Kunst jedes einzelnen Meisters. Jeden Tag nur einen kurzen Augenblick vor einem Kunstwerke, und unser Leben würde harmonischer und reicher. Jeden Tag nur einen Blick in eine dieser Mappen, nur ein stilles Sichbesinnen vor einer Thoma'schen Landschaft, vor einem Steinhausen'schen Christusbild, vor einer Leiblschen Bauerngestalt, und viel von der Hast des beständigen Vorwärtsdrängens unserer Gegenwart würde von uns abfallen.


