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Vermischtes.

Generalprobe zur eigenen Leichenverbrennung. In der Leipziger Gesellschaft wird der Leipziger Abendzeitung zufolge gegenwärtig ein Vorfall, der sich in dem Kremato­rium auf dem Südfriedhof ereignete, lebhaft besprochen. Ein bekannter Großkaufmann lud kürzlich seine intimsten Freunde nach der Kapelle des Krematoriums zu einer Feier ein, die gewissermaßen die Probe zu seiner eigenen Beisezung war. Die Kapelle war mit Blumen und Pflan zen geschmückt und festlich erleuchtet, vor dem Altar stand ein mit dem Bahrtuch bedeckter Sarg, neben dem die Gäste Plaz nahmen. Einige Künstler, die gleichfalls zu dem Freundestreise des Veranstalters gehörten, spielten mehrere Kompositionen, und der Veranstalter lauschte tief er= griffen den Klängen. Die Feier, der auch zwei hohe kom­munale Beamte beiwohnten, dauerte etwa eine Stunde. Da das Leipziger Krematorium der städtischen Verwaltung untersteht und nur mit deren Wissen und Einwilligung besucht werden kann, erregt es Befremden, daß die Stadt­verwaltung diesen Raum zu einer Generalprobe herge­geben hat, und aus diesem Grunde erwartet man allge­mein, daß sich der Rat zu dieser Aussehen erregenden An­gelegenheit äußert.

Ein originelles Inserat. In einem Landshuter Blatte findet sich folgendes Inserat: Auf einem Gute in der Nähe von Landshut wird ein kinderloses Ehepaar gesucht, das Liebe und Freude zu kleinen Ferkeln hat.

Ein schwerer Einbruchsdiebstahl ist in der Nacht vom Sonntag zum Montag im Kontor der Firma Kazenellen­bogen u. Co.( Engreshaus für Seidenplüsche) in der Je­rusalemerstraße in Berlin verübt worden. Als gestern morgen das Personal die Geschäftsräume betrat, fand es die Ware aus den Regalen gerissen auf dem Fußboden zer­streut liegend vor. Die vielen hundert Stücke waren ihrer Einhüllungen beraubt und durcheinander geworfen. Jm Kontor war der Geldschrank mittels Brecheisen geöffnet uad der Inhalt einige hundert Mark- daraus ent­wendet worden. In der Decke des in der ersten Etage befindlichen Kassenraumes war ein etwa 40 3entimeter im Durchschnitt großes Loch ausgeschnitten. Es befindet sich über dem Kassenraum in der zweiten Etage eine leere Wohnung, durch die die Einbrecher in den Kassenraum eingedrungen sind. Als mutmaßlicher Täter kommt ein taubstummer Bettler in Betracht, der am Tage zuvor im Kontor erschien und einen Bettelbrief präsentierte.

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Bei den Sprengungen alten Mauerwerks auf dem Abbruch Alte Jakobstraße 106 in Berlin durch Gardepio­niere unter Leitung eines Leutnants wurden gestern nach­mittag in den Nachbargebäuden 70 Fensterscheiben einge­drückt und durch) Steinwürfe zertrümmert. Einem Arbeiter wurde durch ein Steinstück der rechte Unterarm gebrochen. Mehrere andere Arbeiter bekamen vor Schreck Ohnmachts­anfälle. Aerztliche Hilfe wurde von einer Hilfswache ge= leistet. Die Kranken konnten allein nach Hause gehen. Die Ursache der Wirkung gerade dieses einen Sprengschusses fonnte noch nicht festgestellt werden.

jeft.

Ein Hauptmann mit einem Postdefraudanten verwech­Eine Verwechselung mit einem Postdefraudanten mußte dieser Tage, wie das Berl. Tagebl" meldet, ein Hauptmann einer elsässischen Garnison über sich ergehen lassen. Den von Köln am Rhein aus steckbrieflich ver­folgten Obertelegraphenassistenten Hotanus, der, wie er­innerlich sein dürfte, nach Unterschlagung von 95 000 Mark von Bonn flüchtete, glaubte man in Wesserling bei Thann in Oberelsaß ausfindig gemacht zu haben. Ein Postbeam­ter machte den Postdirektor in Thann auf den vermeint­lichen Defraudanten aufmerksam, als dieser gerade einen Zug nach Mühlhausen im Elsaß besteigen wollte. Infolge= dessen nahmen ein Polizeibeamter und der Postdirektor in demselben Wagen Platz und fuhren mit nach Mühlhau­sen. Dort wurde die verdächtige Persönlichkeit, die aller­dings eine auffallende Aehnlichkeit mit dem gesuchten De­fraudanten hat, aufgefordert, sich zu legitimieren. Nun stellte es sich heraus, daß man einen Hauptmann von einem Mühlhausener Regiment vor sich hatte.

Weiße und Neger. Die Errichtung eines besonderen Regerviertels hat, wie aus Neuyork berichtet wird, der Bürgermeister der Stadt Baltimore verfügt. Die Verord­nung geht so weit, daß es jedem Weißen untersagt ist, sich im Negerviertel niederzulassen, ein Verbot, das auch im umgekehrten Verhältnis für Neger gilt. Keinem Neger ist es fortah gestattet, außerhalb des Negerviertels eine Woh­nung zu nehmen. Noch radikaler sind die Bürger der Stadt Butler im Staate Oflahama ins Zeug gegangen. Sie haben einfach gemeinsam beschlossen, daß es keinem Neger gestattet sein darf, sich dauernd in ihrem Stadtgebiete nie­derzulassen. Eine für diesen Zweck geschaffene Organisa­tion von Bürgern hat alle Häuser in Butler aufgesucht, wo Neger im Dienst stehen und verfügt, daß sie die Stadt mit dem nächsten Zug zu verlassen hätten. Den Negern wurde der freie Transport von Gepäckstücken zum Bahn­hof angeboten. Ein Unternehmer, der eine beträchtliche Anzahl von Negern in seinen Diensten hält, wurde, als er sich der Anordnung der Bürgerorganisation, die Neger wegzusenden, widersetzte, selbst aufgefordert, die Stadt mit seinen Regern zu verlassen.

Der Erschah von Persien, Mohammed Ali, weilt seit Freitag im strengsten Inkognito in Berlin. Der entthronte Herrscher ließ im Hotel Bristol, wo er abgestiegen ist, einem Ausfrager des Berl. Tgbl." durch einen Herrn seines Ge­folges die folgende Erklärung übermitteln: Seine Maje­stät erwidert auf ihre Frage, daß die Reise Seiner Maje­stät keinerlei politische Bedeutung hat. Seiner Majestät liegt nichts ferner, als die Ruhe Persiens, dem er von Herzen Fortschritt und Gedeihen wünscht, irgendwie zu stören. Schah Mohammed Ali hat während seiner Reise, die ihn von Odessa über Wien, Meran, Rom, Nizza, Paris und Brüssel nach Berlin geführt hat, feinerlei Zusammenkunft mit politischen Persönlichkeiten gehabt. Seine Majestät hat die Reise in erster Linie aus Gesundheitsrücksichten unter­nommen. Sodann war es der Wunsch des Schahs, endlich etumal die Hauptzentren der europäischen Zivilisation fen­nen zu lernen. Es ist die erste europäische Reise Moham= med Alis, der die europäischen Weltstädte bisher nur aus Büchern und Zeitungen fannte. Seine Majestät hat sich hier in Berlin sehr wohl gefühlt und wiederholt seiner Bewun­derung für die deutsche Reichshauptstadt Ausdruck gegeben." Zur Choleraepidemie auf Madeira, die, wie bereits be­richtet wurde, ihrem Ende entgegenzugehen scheint, werden der Köln. 3tg." aus Funchal u. a. folgende bezeichnende Einzelheiten gemeldet, die ein ungeschminktes Bild der inerkwürdigen, unseren Begriffen vollständig fernstehenden Verhältnisse geben: Was das Volk hier für Dummheiten macht, ist einfach nicht zu glauben. Die Leute wollen an eine Ansteckung nicht glauben und verbreiten durch ihre Unvernunft die Krankheit immer mehr. Zwei Männer leg­ten sich in die Hängematten, in denen die Kranken nach dem Lazarett befördert werden, um zu zeigen, daß sie nichts be­fürchteten. Beide erkrankten, einer starb am nächsten Tage. Ein Bootsmann wickelte sich in ein Laken ein, auf dem

ein Cholerakranker gestorben war. Zwei Tage später war| er auch tot. In Machico drangen die Landbewohner mit Knütteln und Sicheln bewaffnet in das Fort ein und hiß­ten die portugiesische Königsflagge. Die portugiesischen Schiffe waren die ersten, die Madeira im Stich ließen. Die Desinfektionsmittel waren eine Zeitlang hier ganz ausgegangen. Das Volk war in begreiflicher Aufregung, weil es die Auffassung hatte, daß man in Lissabon Madeira vernachlässige. Die Krankheit mußte sich natürlich bei einem so dummen Volke, das an Gespenster als Krankheitsursache glaubt, immer weiter ausbreiten; bessere Kreise sind aber immer noch von der Erkrankung frei geblieben. Wenn Ma­deira nicht solch vorzügliches Klima hätte viele der Ba­zillen werden sicherlich durch die starken Sonnenstrahlen, die trotz des Winters sich noch zeigen, abgetötet- wäre die Lage vielleicht schon schlimmer geworden.

Die größte Sprengung mit Dynamit, die iemals vorge­nommen worden, war diejenige, die den sogen. Teufels­paß( Hellgate) bei Neuyork für die Schiffahrt freilegen sollte. Die Mine erforderte eine vorbereitende Arbeit von 5 Jahren und wurde dann mit insgesamt 13,290 Spreng­patronen geladen, zu deren Herstellung 150 000 Kilogramm Sprengstoffe nötig waren. Eine Sprengung von solchem Umfang hat sich bisher nicht wiederholt. Aber in Belgien ist jetzt eine Tunnelsprengung an der Wasserscheide zwischen den Flußbecken des Lys und des ser vorgenommen wor­den, die auch eine recht stattliche technische Arbeit umfaßte. Es war dort ein unterirdisches Gewölbe zu sprengen, wo­zu 2125 Sprengpatronen vollkommen gleichzeitig gelöst wur= den. Dazu war eine Zündschnur erforderlich, die beson= ders fabriziert werden mußte. Ste reichte durch die ganze Länge des Tunnels und verzweigte sich in settliche Schnüre, die bis auf den Grund jenes Bohrlochs reichten. Die Ge­samtlänge der Zündschnur beltef sich auf 7 Kilometer, die Dynamitladung auf 3210 Kilogramm. Der Erfolg war voll­kommen und nicht eine einzige Patrone versagte. Trotz der gewaltigen Sprengladung entstand nur ein verhältnis­mäßig geringes Geräusch, und auch das dadurch verursachte Erdbeben" reichte nur einige 100 Meter weit in die Nach­barschaft.

Das Einkommen eines englischen Leutnants. Ein Schlaglicht auf die Finanzen eines englischen Leutnants warf eine Verhandlung vor dem Gericht in Woalwich. Ein Leutnant war wegen verschiedener Schneiderschulden an= geklagt. Als Entschuldigung gab der Leutnant eine Erklä­rung ab, die von dem Vorsitzenden des Gerichtshofes ver­lesen wurde. In dieser sagte der Leutnant, daß er eine mo­natliche Bezahlung von 300 Mark erhalte. Hiervon gin= gen ab: Subskription für die Offiziersmesse 170 Mark, Be­Sienung 20 Mark, Wäsche 15 Mart, Petroleum, Reinigungs­material usw. 10 Mark, kleinere Ausgaben 30 Mark, so daß ihm selbst für Kleider und persönliche Bedürfnisse 55 Mark übrig blieben. Der Leutnant fügte noch hinzu, daß seine persönlichen Bedürfnisse nie extravagante gewesen seien.

Das Kleingeld des Millionenstifters. Dollarmillionäre, die wie Herr Andrew Carnegie schon bei Lebzeiten Stiftun= gen machen, deren Zinsen jährlich in die Hunderttausende gehen, gibt es bei uns nicht; wir müssen uns schon mit be­scheidenen Markmillionären begnügen. Aber auch an de= ren mit braunen und blauen Scheinen gespickten Brief= taschen mag der Blick manches armen Schluckers voller Neid hängen bleiben. Bei dem Laird von Skibo", wie Carne­gie genannt wird, würde man, so berichtet ein Deutsch­amerikaner, freilich vergebens nach solch offen zur Schau getragenem Geldbesitz suchen. Wenn der kleine schottische Graubart seinen Palast in der Neuyorker Fünften Avenue verläßt, um seinen täglichen Spaziergang von nicht unter einer deutschen Meile zu machen, so trägt er genau- zwei Nickelmünzen, zehn Cents( vierzig Pfennig) bei sich, von denen ein 5 Centstück im Rock, das zweite in den mit Vor­liebe getragenen englischen Kniehosen mit einer gewissen Sorgfalt untergebracht ist, und die als Eventualfonds im Falle der Straßenbahnbenutzung dienen. Mit anderen wohlhabenden Leuten in Amerika lebt Andrew Carnegie in der steten Besorgnis, eines Tages überfallen und be­raubt zu werden. Gegen einen derartigen Angriff hat er eben jene Nickelgewohnheit angenommen, die er, da in Neu­york jedermann davon weiß, für einen besseren Schutz hält als die von manchen reichen Leuten in Amerika beliebte ständige Bedeckung durch Privatdetektivs. So ist es denn auch unlängst möglich gewesen, daß Herr Carnegie, weil er eine Automobilstrafe wegen schnellen Fahrens nicht gleich zahlen konnte, einige Zeit auf der Polizeiwache hat zu­bringen müssen, bis ihn sein telephonisch herbeigerufener Sekretär auslösen konnte. Seine humorvolle Erklärung, ,, er habe sein Geld in den Sonntagshosen stecken lassen", hat damals allgemeinste Heiterkeit erregt.

In der Schule. Lehrer: Hans, was ist die kürzeste Ver­bindung zwischen zwei Punkten?"- Schüler: Das Auto."

Kindererziehung in Alaska.

Vier Fünftel der Halbinsel Alaska, die übrigens drei­mal so groß ist als Frankreich, sind noch unerforscht, und nur einige der eingeborenen Stämme, die an den Küsten wohnen, sind von Missionären näher studiert worden. Die Einwohner des Innern aber sind bis jetzt nur von Gold­gräbern und Pelzjägern besucht worden, von denen ja die meisten sicher eifriger danach streben, einen guten Fang zu machen, als wissenschaftliche Studien zu treiben. Das Land ist spärlich bewohnt. Bet der letzten Volkszählung im Jahre 1900 hatte es eine Einwohnerzahl von 29 356, worunter auch die Eskimostämme mitgerechnet waren. Diese Zahl kann man aber nicht als eine genaue betrachten, denn es war unmöglich, überall vorzudringen, so daß sicherlich viele no­madisierende Stämme nicht mitgerechnet worden sind. Außerdem haben seit 1900 unsere europäischen Krankheiten wie Pocken, Syphilis und Alkoholismus eine schreckliche Verwüstung unter den Eingeborenen angerichtet viele Dörfer sind vollständig ausgestorben so daß man heut­zutage die Einwohnerzahl auf über 25 000 Seelen nicht schätzen darf.

Ein amerikanischer Missionar hat neulich einige inter­essante Mitteilungen gemacht über die Sitten der Einge­borenen, u. a. hat er einen sehr interessanten Bericht über die Kindererziehung dieser Naturvölker gegeben. Kurz nach seiner Geburt erhält das Kand ein lauwarmes Bad und eine Einreibung mit Eichenstaub, hierauf wird es in eine Art von Tragforb gesezt, welcher auf einem Balken oder auf einem Zweig aufgehängt wird, den die Mutter auf den Nüden nimmt, wenn der Stamm fich auf Reisen begibt. Das Kind verläßt diesen Aufenthaltsort höchstens zweimal im Laufe von 24 Stunden, um gereinigt zu werden, selbst wenn es die Mutter säugt wird es nicht herausgenommen. Wenn es in seinem zweiten Jahre endlich den Korb verläßt, um gehen zu lernen, hängt die Mutter diesen in einen nahe­liegenden Wald auf, um ihn damit den Schußgeistern des Kindes zu opfern.

Bei einigen Stämmen herrscht die merkwürdige Sitte, den Hirnschädel des Neugeborenen zusammenzudrücken, was ein Zeichen von vornehmer Geburt sein soll. Mit dieser barbarischen Operation fängt man an, sobald das Kind ei­nige Tage alt ist, indem man den Schädel mit dicken Bän­dern aus Rinde fest umbindet. Wenn das Kind seinen Na­men erhalten soll, gibt die Familie ein großes Fest, bei dem den Schutzgeistern des Kleinen allerlet Sachen geopfert wer­den. Die Erziehung des kleinen Indianers beginnt früh. Von seinem vierten Jahre an wird er gezwungen, jeden Morgen und Abend ein Bad im Fluß zu nehmen, Winter wie Sommer. Um ihn noch mehr abzuhärten, wird er nackt ausgezogen und gepeitscht. Er darf dabei nicht schreien, sonst wird die Abhärtung" noch verlängert. Von seinem achten Jahre an muß er ganze Nächte nackt auf dem Boden

verbringen, damit er sich an die Kälte gewöhne, oder er muß einen Arm mehrere Stunden lang, oft von Sonnen­aufgang bis Abend in eiskaltes Wasser halten. Wenn der Lachs die Flüsse verläßt, um sich nach dem Meer zu begeben, und der Fischfang infolgedessen sehr bedeutend ist, muß der Junge die Nächte in der Vorratskammer unter den Tau­senden in Verwesung übergehenden Fischleichen verbringen, auch eine Art von Abhärtung. Wie man sieht, verzär teln diese Indianerstämme ihre Kinder gerade nicht.

Drabtnachrichten und neuestes.

Das Geständnis eines Raubmörders. Zittau, 10. Januar. In Ruppersdorf bei Zittau wurde am 8. Dezember vorigen Jahres eine Witwe nebst ihrer Tochter ermordet. Der Täter spaltete beiden Frauen mit einem Beil den Schädel, steckte das Haus in Brand und flüchtete. Gestern hat ein Bauarbeiter aus Ruppersdorf, der vor acht Tagen in Haft genommen war, gestanden, den Mord verübt zu haben, um Geld zu bekommen.

Selbstmord im Eisenbahnzuge.

o Dresden, 10. Januar. Im Eisenbahnzuge Boden bach- Dresden wurde in einem Abteil 2. Klasse ein Dress dener Kaufmann erschossen aufgefunden. Mißliche Ver mögensverhältnisse sollen das Motiv der Tat sein. Schwere Rodelunfälle.

Breslau, 10. Januar. In Charlottenburg i. Schles. wurde der Einjährige Hain vom Schweidnißer Feldartille rieregiment beim Rodeln gegen einen Baum geschleudert und erlitt einen schweren Schädelbruch.- Auf der Rodel­bahn am Hopfenberg bei Haynau fuhr ein mit 5 Schülern besetzter Rodelschlitten gegen einen mit dret Mädchen be= setzten Schlitten. Ein Mädchen wurde lebensgefährlich ver= letzt, eine andere erlitt einen Beinbruch, während die dritte unversehrt davon kam.

Drei Raubmörder in Oberschlesien verhaftet. Beuthen, 10. Januar. Die drei Raubmörder, die im Dezember den Pfarrer von Dzieditsch ermordet und be raubt hatten, sind der Tat überführt und in einem ober­schlesischen Kohlenbergwerk verhaftet worden. Der Ober­steiger ließ die Banditen festnehmen, als sie ihre Ausweis­papiere verlangten, um angeblich nach ihrer russischen Hei­mat abzureisen. Ein am Stacheldrahtzaun des Pfarrhauses hängen gebliebenes Stück Zeug ist als ein Stück des An­zugs von einem der Banditen erkannt worden.

Verhaftung wegen eines vor 17 Jahren verübten Raubmordes.

Siegen, 10. Januar. Im November 1893 wurde auf dem Bahnhof Meggen der damalige Stationsvorsteher Huppert ermordet. Er ist damals, wie der Tatbestand ergab, nächt licherweile in seinem Dienstzimmer überfallen und durch einen Schlag auf den Kopf getötet worden, damit der Täter die Stationskasse berauben konnte. Der Mörder blieb un­entdeckt. Jeßt, nach 17 Jahren endlich, hat man einen Mann aus Kirchhundem verhaftet, der zum mindesten Mitwisser der Tat sein muß, da einige von ihm gebrauchte Redens­arten, die mit der Tat im Zusammenhang stehen, darauf schließen lassen.

Raubmordversuch zweier Jugendlicher.

Ravensburg, 10. Januar. Zwei Burschen, der 17­jährige Kellner Geiger aus Riedlingen und dessen 14jähri­ger Bruder Josef, versuchten an dem Kaufmann Joos im Kontor des Konsumvereins, Bachstraße 25, einen Raubmord. Der Vater der beiden Burschen hatte am Vormittag den: Konsumverein 781 Mark gezahlt, die sich die beiden wieder holen wollten. Sie hatten dem Beamten einen Strick um den Hals geworfen und wollten ihm einen Knebel in den Mund stecken. Der Angegriffene fonnte sich ihrer aber er= wehren. Die Burschen entflohen, wurden aber festge=

nommen.

Heftiger Kampf mit Einbrechern. Toulon, 10. Januar. In einem einsamen Haus in der Umgebung von Toulon drangen drei bewaffnete Land­streicher ein. Der Hausherr, der von den Eindringlingen eingesperrt worden war, versuchte sich mit Hilfe von Nach­barn Eingang zu verschaffen, wurde aber durch Schüsse ver­wundet. Erst nach zweistündigem Bemühen gelang es Gen­darmen, sich der Spitzbuben, die im Innern des Hauses gut verbarrikadiert waren, zu bemächtigen.

Folgenschwerer Hauseinsturz in Spanien. Santander, 10. Januar. Bei dem Einsturz eines Baues in der Nähe von Castrum Uratiale wurden mehrere Arbeiter verschüttet. Drei sind getötet und fünf lebensge­fährlich verletzt.

Bandel und Verkebr.

Die Zahl der Kontoinhaber im Postscheckverkehr ist Ende 1910 auf 49 850 gestiegen( Zugang im Monat Dezember allein über 1550). Auf diesen Postscheckkonten wurden im Dezember gebucht 967 Millionen Mark Gutschriften und 964 Millionen Mark Lastschriften. Das Gesamtguthaben der Kontoinhaber betrug Ende Dezember 94 Millionen M, ihr durchschnittliches Gesamtguthaben während desselben Monats 103 Millionen Mark.

Frankfurt, 9. Januar. Viehmarktspreise vom 9. Ja­nuar. Preise für ein Zentner: Rinder: A. Ochsen: a) voll­fleischige, ausgemäßtete höchsten Schlachtwertes höchstens 6 Jahre alt( Lebendgewicht) M 52-57,( Schlachtgewicht) M 95-98, b) junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete( Lebendgew.) M 46-51,( Schlachtgew.) M 88 bis 93, c) mäßig genährte junge, gut genährte ältere( Le­bendgem.) M 41-45,( Schlachtgew.) M 76-83, d) gering ge­nährte jeden Alters( Lebendgew.) M( Schlachtgew.) M-. B. Bullen: a) vollfleischige, ausgewachsene, höchst. Schlacht­wertes( Lebendgew.) M 47-50,( Schlachtgew.) M 78-83, b) vollfleischige jüngere( Lebendgew.) M 41-45,( Schlachtge= wicht) M 68-75, c) mäßig genährte jüngere und gut genähr­te ältere( Lebendgew.) M-,( Schlachtgew.) M. d) gering genährte( Lebendgew.) M( Schlachtgew.) M C. Fär­

sen und Kühe: a) vollfleischige, ausgemästete Färsen höch= sten Schlachtwertes( Lebendgew.) M 44-48,( Schlachtgew.) M 79-86, 6) vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren( Lebendgew.) M 41-45, ( Schlachtgew.) M 76-81, c) ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen( Lebend­gewicht) M 34-43,( Schlachtgew.) M 65-83, d) mäßig ge­nährte Kühe und Färsen( Lebendgew.) M 26-33,( Schlacht­gewicht) M 52-66, c) gering genährte Kühe und Färsen ( Lebendgew.) M 21-23,( Schlachtgew.) M 48-52. D. Gering genährtes Jungvieh( Fresser)( Lebendgew.) M( Schlacht­gewicht) M Kälber: a) Doppellender feinste Mast( Le­bendgew.) M( Schlachtgew.) M, 6) feinste Mast-( Voll­milch- Mast) und beste Saugkälber( Lebendgew.) M 58-61, ( Schlachtgew.) M96-102 c) mittlere Mast- und gute Saug fälber( Lebendgew.) M 54-57,( Schlachtgew.) M 92-97, 5) geringe Saugkälber( Lebendgew.) M 50-53,( Schlachtgew.) M 85-90. Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthäm= mel( Lebendgew.) M 38,( Schlachtgew.) M 80, 6) ältere Mat hämmel und genährte Schafe( Lebendgew.) M 32,( Schlacht­gewicht) M 76, c) mäßig genährte Hammel und Schafe ( Merzschafe)( Lebendgew.) M( Schlachtgem.) M Marschschafe oder Niederungsschafe( Lebendgew.) M ( Schlachtgew.) M. Schweine: a) Fettschweine über drei Zentner Lebendgew.( Lebendgew.) M( Schlachtgew.) M, 6) vollfleischige Schweine über 2% 3entner Lebend gewicht( Lebendgewicht) M 52-55,( Schlachtgewicht) M 64 bis 69, c) vollfleischige Schweine über 2 Zentner Lebendgewicht ( Lebendgewicht) M 52-55,( Schlachtgewicht) M 64-69, 5) voll­fleischige Schweine bis zu 2 Zentner Lebendgewicht( Lebend­gewicht) M 52-55,( Schlachtgewicht) M 66-69, e) fleischige Schweine( Lebendgewicht) 49-53,( Schlachtgewicht) 63 612 68.