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gerade noch recht, um den Ausbruch des Krieges zu erfahrzeuges ankommt, so ist kein Zweifel, daß in diesem

Eine Wette, die viele halten werden. Eine kürzlich veranstaltete Wette zwischen einem Gutsbesizer und et­nem Fischermeister in einem Hotel in Querfurt brachte folgende Blüte zutage. Der eine behauptete, baß man nicht imstance fet, 14 Tage hindurch täglich ein Reh­huhn zu effen. Die Wette tam zustande. Jedes Reb­huhn über die Zahl 15 sollte mit einem Hafen belohnt und außerdem sollten noch mehrere Flaschen Wein spen­diert werden. Der Rebhuhnliebhaber hat aber in den 14 Tagen 30 Rebhühner verzehrt, nämlich manchen Lag dret. Der Verlierer hat nun nicht nur die 30 Reb­hühner, die zubereitet 54 Mart gefostet haben, sondern obendrein noch 15 Hasen und mehrere Flaschen Wein zu bezahlen!

Eine wunderliche Gesetzesbestimmung enthält, wie man aus München meldet, das jetzt in Wirksamkeit tre­tende neue bayerische Einkommensteuergeset. Sein Ar­tifel 77 lautet: Mit Geldstrafe bis 150 M. wird bestraft, wer ohne genügenden Entschuldigungsgrund den aus­drücklich mit Strafe bedrohten Anordnungen der Staats­regierung zum Vollzuge dieser Gesetze zuwiderhandelt."

Die bayerischen Steuerzahler sind danach zu bedau­ern; denn sie sind auf alle Fälle mit Strafe bedroht, ob sie die Anordnung der Regierung befolgen oder ob sie ihnen zuwiderhandeln.

Ein origineller Name wird demnächst aus dem Münchener Adreßbuche verschwinden. Die Baumeisters­witwe Bleibnichtlang und deren Bruder werden mit landesherrlicher Erlaubnis und unbeschadet der Rechte Dritter fortab den Namen Lang führen, der im Wider­spruch mit sich selbst so kurz ist, und doch wäre der origt= nelle Name Bleibnichtlang der Erhaltung wert gewesen.

Räuberischer Eisenbahnüberfall in Rußland. Ein dreister Ueberfall wurde in der Nacht zum Sonnabend auf einen zwischen der Strecke Lodz und Warschau ver­fehrenden Zug unternommen. Mastierte Banditen drangen in der Nähe der kleinen Statoin Chodut kurz vor der Einfahrt, als die Fahrgeschwindigkeit des Rut­ges sich verminderte, in den Bostwagen ein, fnebelfen die beiden Postbeamten und zwangen sie mit vorgehal­tenem Revolver. die Schlüssel zu dem Tresor auszut­händigen. Dann raubten sie einen Postbeutel mit 20 000 Mark Inhalt und flüchteten.

Wie geht es Ihrem Herrn Bruder?" Eine nied­liche, wenn auch etwas problematische Manövergeschichte erregt gegenwärtig, wie der B. 3. a. M." geschrieben wird, in militärischen Kreisen viel Heiterfeit. Ein Dorf in der unmittelbaren Nähe eines faiserlichen Landsizes hatte Einquartierung. Die Kaiserin hörte davon und beschloß, den ältesten Offizier, einen Major, zu Tisch zu laden. Das war schon nicht ganz leicht. Denn der bie­dere Major wollte offenbar zeigen, daß man auch in der stillen Provinzstadt, wo er seit vielen Jahren in Garnison steht, recht gut wisse, was sich schickt, und ent= gegnete, so erzählt die Anekdote, dem Hofbeamten, der ihm die Einladung überbrachte, er bedauere lebhaft, der freundlichen Aufforderung nicht folgen zu können, da er- feinen geeigneten Waffenrock habe. Es wurde ihm bedeutet, die Kaiserin habe diesen Fall vorausgesehen und ersuche thn, im Ueberrock zu erscheinen. Und er er­schten. Sein Platz war zwischen der Kaiserin und der zu Besuch anwesenden Schwester des Katsers, der Prin­zessin Vittoria zu Schaumburg- Lippe. Unser Mator erwtes sich als ein sehr fröhlicher und gesprächiger Ge­sellschafter. So oft ert rinfen wollte, stteß er zunächst fein Glas mit einem liebenswürdigen Profit Maje­ftät!" an, zu dem die Kaiserin zuerst, wie man gern glauben wird, große Augen, dann aber gute Miene machte. Und gegen Ende des Mahls zog der Major eine Ansichtskarte aus seinem Aermelaufschlag und bat die Katserin, einen Gruß an seine Frau in der Heimat mit unterschreiben zit wollen. Auch das geschah, während ringsherum die Heiterkeit kaum noch verhalten wurde. Aber den Gipfel des Hoftones erflomm der Major, als er sich von der Kaiserin zu der Prinzeß Vittoria wen­dete und die Frage an sie richtete: Wie geht es Ihrem Herrn Bruder?" Da ftel denn, wie man sagt, die Ant­wort etwas ungnädig aus. Sie bestand nur in der Ge­genfrage: Meinen Sie etwa Seine Majestät den Kat­fer?" Aber auch dadurch soll der Major nicht aus der Fassung geraten sein...

Das schnellste Luftschiff der Welt.

Ueber das neue, für die Militärverwaltung be­stimmte 3 eppelin- Luftschiff. 3. 9", das, wie berichtet, auf seiner ersten Probefahrt eine Geschwin­digkeit von 21 Sekundenmeter erzielt hat, schreibt die " Köln.3tg.": Das neue Luftschiff, um 8 Meter fürzer als die Schwaben", tit an deren Stelle jetzt das schnellste Luftschiff der Welt. Diese rasche Aufeinander­folge von Weltrekorden bedeutet einen völligen um= schwung einmal in dem Verhältnis der Zeppelinschen Luftschiffe zu den übrigen, vor allem aber in dem der Luftschiffe überhaupt zu den Flugdrachen. Da es heute vor allen Dingen auf die Geschwindigkeit eines Luft­

Friß mußte trotz seiner Erregung lächeln und be­friedigte den vorsichtigen Manu, während die Kellner neugierig das vermeintliche Hochstaplerpaar betrachte­tent.

Der Kassterer an dem Schalter des Bankgeschäftes, wo Felicia den Scheck eingelöst hatte, fter fast in Ohn­macht, als ihm der Kommissar den Zweck seines Kom­mens in furzen Worten auseinandersetzte und in be­stimmtem Ton um Auskunft wegen des Scheines bat. Einer der Direktoren wurde herbetgerufen, und es wurde eine eingehende intersuchung veranstaltet. Nach vielem Hint- und Herreden ergab sich, daß gestern mit= tag zweitausend Mark von einem Herrn eingezahlt worden waren, der dafür gewisse Börsengeschäfte in Auftrag gegeben hatte. Gleich darauf war Fräulein Molesworth erschienen und hatte die beiden Scheine er­halten. Die Nummern waren zu jener Zeit noch nicht veröffentlicht gewesen.

Und wo befindet sich der zwette Schein?" fragte Herr von Bardekow.

Er befindet sich noch in meinem Besitz zu Hause," erklärte Feltcta.

Sie werden verstehen, gnädiges Fräulein, wenn wir auch diesen vorläufig mit Beschlag legen, denn-" Selbstverständlich!" fiel Frtz ein. Noch heute bringe ich ihn persönlich nach dem Polizeipräsidium." Schön!" Der Polizeikommissar wandte sich wieder an die Bankbeamten. Und wie war der Name jenes Herrn, der das Geld hier einzahlte?"

" Grulich."

Er faßte sich an dte Sttrn.

Grulich? Grulich?

Bitte, wollen Sie mir das Adreßbuch geben!"

Er blätterte nach und sagte: Ist das der Herr die­ses Namens, der in der Klosterstraße wohnt?" " Ganz recht!"

Hauptpunkt, solange die Bralluftschiffe nicht über ihre bisherige Höchstgeschwindigkeit von etwa 16,5 Sefun­denmeter hinauskommen, die Zeppelinschen Luftschiffe unbestritten an der Spize marschieren. Dieses Aufritt­fen der Luftschiffe ist eine überaus erfreuliche Tatsache. Denn wenn auch nach wie vor der Flugdrache in set­nen besten Typen das schnellste Flugzeug bleibt, so be­sitzt das Luftschiff thm gegenüber doch so viele Vorzüge, die in größerer Sicherheit, größerer Nußlast und län= gerer Flugfähigkeit bestehen, daß man sich nur freuen fann, wenn es ihm an Geschwindigkeit näher kommt. Solange mit dem Flugdrachen Leistungen von 100 Ki­Tometer in der Stunde möglich waren, mit dem Luft­schiff aber nur solche von 16,5 Sekundenmeter, so gab das einen Unterschied von 40 Kilometer in der Stunde, die das Luftschiff langsamer fuhr als der Flugdrache, also 40 Prozent geringere Schnelligkeit. Die Zahl der Sekundenmeter ist nun aber durch die Zeppelinschen Luftschiffe auf 21 hinaufgeschnellt, die gleich sind 75,5 Stundenkilometer. Das sind nur noch 24,5 Prozent ge= ringere Schnelligkeit. Das neue Zeppelin- Luftschiff, das dem Vernehmen nach als Militärfreuzer in Cöln statio= niert werden soll, ist in allen Teilen sehr stabil. Die Gesamtform und die Anordnung der Steuer sind die gleichen wie bei der Schwaben". Nur sind die Steuer etwas verkleinert. Die beiden Gondeln mit drei May­bach- Motoren zu je 150 Pferdestärken sind ziemlich nahe an den Schiffsrumpf herangerückt.

Feldzun der Spanier im R ff.

Nach längerer Pause haben die spanischen Truppen in Nordmaroffo nunmehr die Operationen gegen die Riffstämme am Kertfluß, die ihnen bei dem letzten Ge­fecht so empfindliche Verluste zugefügt haben, wieder aufgenommen. Der in Melilla weilende spanische Kriegsminister General Luque leitete die Vorberei tungen zum Marsch gegen die jenseits des Kertflusses fich sammelnden Mauren. König Alfons hält auf diese persönliche Betätigung des Kriegsministers, weil trotz der im allgemeinen befriedigenden Ergebnisse der bis­herige Oberbefehl der spanischen Abteilungen zu wün­fchen übrig Iteß. Die Gegenwart des Kriegsministers wird als Anzeichen dafür betrachtet, daß Spanien die Absicht hegt, einen großen Schlag auszuführen. Inzwi­schen sind vom spanisch- marokkanischen Kriegsschauplatze folgende Meldungen eingetroffen:

Eine spanische Kolonne überschritt am Sonnabend den Kert- Fluß und griff die Marokkaner an. Diese setz­ten sich zur Wehr. Ihr Widerstand war tedoch vergeblich und sie mußten das Feld räumen. Die Operationen wurden von zwei anderen Kolonnen unterstüßt, ebenso von zwei Kriegsschiffen, durch deren schwere Geschütze das Vorgehen der Kolonne gegen den Feind wirksam unterstützt wurde. Die spantsche Vorhut ver= Ior bei dem Angriff 20 Mann. Ein Oberst und zwet Offiziere wurden verwundet.

Der amtliche spanische Kriegsbericht.

Madrid, 9. Oktober. Amtlich wird aus Me­Illa gemeldet: Die vorläufigen Operationen sind nach zehn stündigem Kampf durchgeführt worden. Die Eingeborenen Iteßen zahlreiche Tote, sowie Waffen und Munition zurück. Eine spanische Division erreichte die Höhen bet Tertemin nach hartem Kampfe. Die Ver­luste der Division find beträchtlich. Man spricht von mehr als hundert Mann. Eine Landungsabteilung des Kreuzers Carlos V" unterstützte dte Operation. Der Kriegsminister leitete den Kampf.

Nichts Besonderes vom Kriegsschauplatz.

Vom türkisch- italienischen Kriegsschauplab Itegen auch heute Nachrichten von Wichtigkeit nicht vor. Mit der Besetzung der Küstenstädte von Tripolis und Cyre­naika durch die italienischen Streitkräfte ist in diesem Krieg ein erster, ein vorausgesehener, aber deshalb nicht weniger wichtiger Abschnitt erreicht worden. Für die Türket bedeutet diese Besitzergreifung eigentlich das Schlimmste, das thr dieser Krieg bringen konnte; falls, wie vorausgesetzt und erwartet wird, der Kampf nicht auf die europäischen und aftatischen Besitzungen der Türfet übertragen wird, und falls sie thre Flotte nicht durch unvorsichtige und nuẞlose Unternehmungen in Gefahr bringt, ist der Krieg fitr sie damit eigentlich vor­fiber, und es Itegen Anzeichen vor, daß die Türket auch die Sachlage in diesem Sinne auffassen und ihre Strett­fräfte zur Aufrechterhaltung der Ruhe in den Balkan­ländern zusammenhalten will.

Einzelheiten über die Beschießung von Tripolis.

Aus Tripolis nach Italien zurückgekehrte Schiffe überbrachten über die Beschteßung von Tripolis fol­gende Einzelheiten: Die Beschießung von Tripolis erfolgte am Dienstag. Am folgenden Tage fuhr man mit der Zerstörung der Forts Hamidte und Sultania fort. Am selben Tage durchsuchte man die Batterie Hamidie und machte die Geschüße unbrauchbar. Am Donnerstag erfolgte westlich von Tripolis die Ausschif­

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,, Aha, dacht' ichs mir doch! Agent, Geldvermittler biederer Ehrenmann! Nun, ich danke Ihnen, meine Herren. Meine Mission ist hier erledigt."

Er verabschiedete sich auch von Fritz und Felicia, warf sich in eine Droschfe und fuhr nach der Kloster­straße. Die Uhr der in der Nähe gelegenen Parochial­kirche schlug gerade zwölf und von dem Glockenspiel herab klang weniger feierlich als lustig und hell der Choral" Nun danket alle Gott", als er das Haus be­trat, in dem der Agent wohnte.

Er hatte Glück, denn der Gesuchte war zu Hause. Eine kleine dürre Frau, offenbar die Wirtschafterin, tellte ihm mit, daß Herr Grulich zu sprechen set, führte thn in ein einfach, aber sauber eingerichtetes Zimmer und bat ihn zu warten. Er hatte kaum Zeit, sich in dem Raum umzusehen, well der Agent sogleich eintrat. Die gedrungene Gestalt des ungefähr Sechzigjährigen steckte in einem abgeschabten Schlafrock, die paar noch vorhan­denen grauen Haare waren settwärts in Strähnen über den dicken Schädel gelegt, und aus dem schwammigen, mit tausend Falten und Fältchen versehenen Gesichte guckten verschmitt ein paar graue Aeuglein. Er wischte sich den Mund mit einer Serviette; jedenfalls war er bereits mit dem Mittagessen beschäftigt, schten also in seiner Häuslichkeit auf Pünktlichkeit zu halten.

,, Bitte, nehmen Ste Plaz," sagte er mit etner Hand­bewegung. Mit wem habe ich die Ehre? Und Ste wünschen?"

Aus der Doppelfrage ging hervor, daß dieser Mann an rasche Erledigung seiner mannigfaltigen Geschäfte gewöhnt war.

Dem Beamten machte es innerlich Spaß, auf diesen Ton einzugehen, und er sagte, ohne sich zu sehen: von Bardekow, Polizeikommissar, und ich wünsche zu erfah­ren, wie Ste in den Besitz fener beiden Tausendmark­scheine gelangt sind, die Sie gestern Ihrer Bank über­geben haben."

fung von Matrosen, die die Forts Sultania und Ha midie beseßten. Die italienische Flagge wurde auf dem Fort Sultania gehißt. Zur selben Zeit wurden auf der Batterie Hamidie die Munitions- und Pulverlager in die Luft gesprengt, da sie für die Türken einen Grund, die Rückkehr zu versuchen, und ein Mittel zur Verteidi gung bilden fonnten. Unterdessen schritt man zur Durchsuchung der Leuchtturm- Batterte, die alle ande­ren Batterien ebenso wie die Stadt beherrscht. Nachdem man die Möglichkeit der Besetzung festgestellt hatte, wurde auch diese Batterte von Matrosen besetzt. In= zwischen erschienen an Bord des Panzerschiffes Bene­detto Brin drei Araberhäuptlinge, um thre Unterwer­fung anzuzeigen, und als Vertreter des Konsularkorps der deutsche Konsul, der den Kommandanten bat, die Stadt zu besetzen. Dies geschah. Nachmittags wurde das türkische Transportschiff Derna im inneren Hafen in geringer Tiefe zum Sinten gebracht; man glaubt, daß es in wenigen Tagen wieder flott gemacht werden kann, da es nur durch Deffnen des Bodenventils zum Sinfen tam. Auf Aufforderung des Kommandanten lieferte die Bevölkerung die Gewehre ab. Die Türken hätten fich aus Mutlosigkeit oder aus Mangel an Lebensmit teln in das Innere zurückgezogen. Die Araber Iteßen sie vollständig im Stich und hätten den Italienern für wenige Francs vorzügliche Flinten verkauft.

Answeisung der Italiener ans der Türket.

Der türkische Ministerrat hat die Ausweisung der in der Türkei ansässigen Italtener beschlossen. Diese müssen das Land innerhalb dreier Tage ver= laffen. Wie verlautet, soll der Ministerrat einen 3011krieg mit Zöllen bis zu 100 Prozent beschlossen haben.

Italienische Kriegsberichte.

Rout, 9. Oktober. Die Tribuna" meldet aus Tripolis: Der Dampfer Herkules", der gestern nach­mittag von Tripolis zurückkam, bringt die Nachricht, daß Tripolis von den türkischen Soldaten verlassen fet. Türkische Kavallerie hält sich aber in der Umgebung der Stadt auf, um das Gros der türkischen Truppen, die sich nach dem Innern zurückgezogen haben, über die Beschleßung und die Bewegungen der Italiener zu unterrichten.

Rom, 9. Oftober. Der Korrespondent der Vita" meldet aus Tripolis: Als die italienische Matrosenab­tellung landete, ging die türkische Kavallerie zum An­griff über, aber die italienische Artillerie vertrieb den Feind. Der Befehlshaber des Landungskorps hat die Entwaffnung der Bevölkerung zur Sicherheit der Stadt verfügt.

Türkischer Verzicht auf Tripolis.

Es bestätigt sich nunmehr, daß die türkische Re­gierung eine Note an die Mächte gesandt hat des In­halts, daß es ihre Vermittelung Italien gegenüber er­bittet. Die türkische Regierung erklärt sich bereit, Tri­politanien de facto nach jeder Richtung an Italien zu überlassen unter der Bedingung, daß die türktsche Oberhohett anerkannt werde.

Drabtuachrichten und Deuestes. Bombenexplosion in einem Tonloner Cafee.

Toulon, 9. Oftober. Gestern abend explodierte in einem hiesigen Cafee eine Bombe, die unter einem Tisch versteckt gelegen hatte. Der Tisch flog in die Luft und die umherfliegenden Sprengstücke riffen ein tiefes Loch im Fußboden. Fünf Personen wurden erheblich verletzt. Ein wahnsinniger Kapitän.

Paris, 9. Oktober. Im Hafen von Lorient hat sich an Bord des dänischen Dreimasters" Venus" ein blutiges Drama abgespielt. Der Kapitän Andersen wurde plötzlich vom Säuferwahnsinn befallen. Er ging in seine Kabine und verbarrikadierte sich dort, worauf er Revolverschiffe auf seine Matrosen abfeuerte. Zwet wurden schwer, mehrere leicht verletzt. Erst nachdem der Wahnsinnige seine Patronen verschossen hatte, ge= lang es, in die Sabine einzudringen, den Wahnsinnigen zu fesseln und in die Zwangsjacke zu stecken. Er wurde der Frrenanstalt in Lorient übergeben.

Die Landung des Ballons Berlin II" in der nordamerikanischen Wildnis.

Neuyork, 9. Oktober. Zur Landung des deut­schen Ballons Berlin II", der als Sieger aus dem Gordon Bennett- Fliegen hervorgegangen ist, wird noch gemeldet: Der Ballon landete Sonnabend früh in den Wildnissen Nordwisconsins. Die amerikanische Regie­rung war schon um Hilfe angegangen worden, da Nach­richten über den Ballon ausgeblieben waren und man gefürchtet hatte, daß der Ballon in einen der großen Geen geraten fet. Die Luftfahrer waren ständig in gro­Ber Lebensgefahr, da dauernd Sturm herrschte. Ste hatten bereits ihren Proviant geopfert, um den Korb zu erleichtern, als sie zur Landung schritten. Nach fünf­zehnstündigem Umberirren in der Wildnis erreichten sie endlich das Städtchen Holcombe, von wo aus sie Nach­richt von ihrer Landung gaben.

Der Agent fah ihn scharf an, ohne jedoch irgend welche Ueberraschung oder Erregtheit zu verraten. Die­ser Mann war allem Anschein nach überhaupt nicht aus der Fassung zu bringen; er hatte sich gewiß schon in ganz anderen Lagen befunden, in denen sich seine Ner= ven an jeden Zufall gewöhnt hatten oder so schlaff ge= worden waren, daß sie durch keine Erregung mehr in Spannung gerieten.

Warum will denn die Polizei das wissen?" fragte er ruhig.

Haben Sie heute noch nicht die Zeitung gelesen? Die Scheine gehören zu dem bei dem Regierungsrat Marleben in Lichterfelde entwendeten Gelde."

Ach so, diese Sache! Habe gestern abend davon ge­lesen, heute bin ich noch nicht dazu gekommen, die Ge­schichte weiter zu verfolgen. Ich lese die Morgenzeitung immer erst nach dem Mittagessen. Sie glauben gar nicht, wie schrecklich viel ich zu tun habe, Herr Kom­missar. Na also, die Scheine! Man hat die Nummern festgestellt, fann's mir denken. Ich selbst habe gar nicht danach gesehen. Wozu soll ich mir auch die Nummern merken? Mehr wird's dadurch doch nicht! und offen gestanden, Herr Kommissar, Iteb tst's mir nicht, wenn tch sagen soll, von wem ich sie habe. Gerade in meinem Geschäft ist strengste Distretton Ehrensache. Ich habe mit allen Geschäftskreisen, bis in die vornehmsten hin­auf, zu tun, und das verdanke ich eben meiner An­ständigkeit. Wenn man als Ehrenmann auftritt, wird man auch dementsprechend behandelt. Wer hat bet mir schon alles Hilfe in der Not gesucht und gefunden! Ich sage Ihnen, wenn ich reden wollte! Aber ich tu's nicht." Er zwinkerte listig mit den Aeuglein. Schweigen tst tatsächlich Gold. Also schweige ich."

( Fortsetzung folgt.)