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Aus den Gerichtssälen.
Ein Oberlandesgericht über Eisenbahn und Sozial demokratie. Das Oberlandesgericht zu Frankfurt a. M. hat als Berufungsinstanz entschieden, daß der Eisenbahnfistus sozialdemokratisch organisierte Arbeiter nicht zu dulden brauche, da er eine ungeheure Verantwor= fung haben. Zwet Arbeitern eines Transportgeschäftes, das mit der Eisenbahn arbeitete, wurde plöglich gefütnbigt. Die Arbeiter verklagten den Eisenbahnfiskus auf Schadenersatz, da der Eisenbahnfiskus nach ihrer Mei= nung die Veranlassung zu ihrer Kündigung gewesen set. Der Fistus machte geltend, daß den Klägern ordnungsgemäß gekündigt worden set, wodurch feder AnSpruch erlösche. Im übrigen habe er in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt, wenn er den Verkehr ber Kläger mit seinen Arbeitern abgeschnitten habe, da die Entlassenen schon einmal Letter eines Transportarbeiterstreits gewesen und wegen agitatorischer Tätigfeit von ihrem früheren Arbeifaeber, entlassen worden feten. Die Klage wurde vom Gericht abgewiesen.§ 826 B.G.B. verpflichte diejenigen zu Schadenersatz, die in einer gegen die guten Sitten verstoßenden Weise einem anderen vorsätzlich Schaden zufügen; dieser Fall treffe aber hier nicht zu. Der Beklagte set durch kein Geset verpflichtet, organisierte Arbeiter in seinem Betriel: zu beschäftigen und es stehe ihm die Entschließung frei, sich solche Arbeiter fernzuhalten. Auch befinde sich der Fistus im Recht, wenn er organisierte Arbeiter nicht bulde, da ihm die gesteigerte Verantwortlichkeit zur Sette stehe, die seine Vertretung im Interesse der öf= fentlichen Sicherheit bedinge.
Vermischtes.
Schwerer Automobilunfall. Zehn Studenten von ber medizinischen Schule in Tours hatten in einem Automobil, das nur für fünf Personen Blaz bot, einen Ausflug angetreten. Plötzlich platzte der Reifen eines Vorderrades und das Fahrzeug rannte in den Laden eines Friseurs. Die Infassen wurden auf die Straße geschleudert. Drei Studenten blteben auf der Stelle tot, die anderen sowie der Chauffeur erlitten schwere Verletzungen.
Billige Nahrungsmittel in Mainz. Die Mainzer Restaurateure hatten sich für die Sonntagbesucher des Katholikentags, eingedent der Erfahrungen beim eucharistischen Kongresse in Köln, wo ungeheurer Mangel an Nahrungsmitteln herrschte, sehr reichlich mit Eßwaren versehen. Es wurde jedoch nur sehr wenig davon konfumiert. Die Wirte vertetlen daher buchstäbltch thre Vorräte auf den Straßen. Gestern konnte man hier ein belegtes Brötchen für 3 Pfennig haben. Brot, Bras tenstücke und Koteletts wurden heute an arme Kinder und Familien verteilt.
Die Kanzel als Schlafstätte. In der Prager„ Bohemia" ist zu lesen: Eine eigenartige, aber bei der jetztgen Hize angenehm fühle Schlafstätte hat sich dieser Tage der Sohn eines Geschäftsmannes in Budwets hergerichtet. Der Junge verschwand aus der Wohnung setner Eltern und wurde fünf Tage vergeblich gesucht. Schließlich fand thn der Nachtwächter der Rosenkranzfirche in der Schmetterlingstraße und zwar auf der Kanzel schlafend. Der Junge trieb sich tagsüber in der Stadt herum und schlich sich dann abends in die genannte Kirche, wo er vom Altar einen Bolster als Kopftissen nahm, und dann auf der Kanzel feine Lagerstätte aufschlug. Der Nachtwächter übergab den Jungen der Sicherheitswache, die ihr feinen Eltern zuführte.
Mordanschlag auf die elgene Mutter. Aus Duisburg tommt die Stunde von einem Mordanschlag auf die 36jährige Inhaberin eines Kolonialwarengeschäfts durch zwet siebzehnjährige Burschen, von denen einer der Sohn der Händlerin war. Beziere hatte am Sonnabend eine bedeutende Einnahme gemacht, was threm Sohne bekannt geworden war. Dieser verabredete mit einem gletchaltrigen Freunde, nachdem beide nähere Besprechungen in der Wohnung der Händlerin gehabt, die Frau im Schlafe zu überfallen, ste zu witrgen und eventuell unschädlich zu machen. Der Sohn schlief mit der Mutter in einem Zimmer. Er ließ, als die Frau schlief, den Komplizen in die Wohnung, damit dieser die Frau überfalle, fnebele und alsdann zum Schein auch den Freund feffele. Alsdann sollte er mit dem Gelde flitchten. Der Jugendliche Mordbube schlich an das Bett heran, warf der Frau das Kissen über den Kopf und versuchte, sie zu ersticken. As die Frau sich energisch zur Wehr setzte und den Burschen überwältigte, griff der eigene Sohn ein und versuchte, die Frau zu strangulteren. Schließlich ließen beide von ihrem Opfer ab und entflohen, wurden aber eingeholt und verhaftet. Betde haben alsbald ein Geständnis abgelegt, zeigen ledoch wenig Neue über ihre Tat.
Frau Toselli, die frühere Kronprinzessin von Sachsent, ist durch das urtell über die bereits veröffentlichten Kapitel threr Memoiren und des in Aussicht ge= nommenen amtlichen Verbots in Deutschland und
Lachsdienen war kein schönes Haus, langgestreckt lag es da; die Fenster waren nicht eben groß, ein ziemItch verwilderter Park schloß sich an das Herrenhaus; bisher hatte Rosen noch keine Zeit für die Verschönerung gehabt, das praktische Element waltete vor, der Obst- und Gemüsegarten befanden sich in tadellosem Bustande und Iteferten reichen Ertrag.
Frau Grotenbach war sett ihrer Uebersiedlung noch nicht in Ostpreußen gewesen, sie freute sich, die Luft der Heimat zu atmen und in Memel manche treue Freunde und die Gräber Frmas und Edgars zu besuchen. Klara sah blühend und glücklich aus und spielte die Wirtin mit Würde und Sicherheit. Die trefflich zubereiteten Speisen mundeten herrlich, eine behagliche Stimmung herrschte unter den dret Menschen. Hinter dem Wald erhob sich rund und voll der Mond, die große Wiese war in Nebel gehüllt, der Duft des gemähten Heus erfüllte die Luft und im Park riefen die Nachtigallen. Klara hatte sich an die langentbehrte Mutter ge= Frau Grotenschmiegt, leise sprachen sie zusammen. bach erzählte von Eva und Hammers Hochzeit. Ste befanden sich jetzt in Venedig; auch dort schten der Mond auf ein junges Glück."
" Bu Bett, zu Bett!" rief Rosen, es ist höchste Zeit, Ich bin todmide." Er gähnte heftig.
Klara und thr gastfreter Adolf waren nte froher, als wenn in Lachsdienen Gäste waren und nun erst recht, wenn es galt, einen so Iteben, seltenen Besuch wie Frat Grotenbach aufzunehmen. Mit hausfräulichem Stolz führte Klara die Mutter überall umher, Küche und Keller, Garten und Boden, alles war in tadelloser Ordnung. In den großen Eichentruhen lag selbstge= sponnenes und gewebtes Letnenzeug fest und dauerhaft für Kind und Kindeskinder.
" Ja, liebe Mama," sagte Rosen schmunzelnd,„ ich Bletbe dabet, es geht nichts über den eigenen Grund und
Desterreich angeblich zu der Einsicht gelangt, daß eine Veröffentlichung der Memoiren für sie eine Rechtferttgung bei ihren heranwachsenden Kindern und in den Augen der Welt nicht bedeuten würde. Sie verhandelt daher, wie es heißt, mit ihrem Verleger, um die Ma nuffripte zurückzuziehen. Die Ansprüche des Verlegers sollen jedoch derart sein, daß Frau Tosellt sie angeblich faum erfüllen kann. Von Kennern der Verhältnisse wird berichtet, daß die andere Seite nicht einen Pfennig für die Zurückziehung der Manuskripte opfere, sondern die Erkronprinzessin die Konsequenzen ihrer HandIungsweise tragen lassen werde.
Er will sie hinnehmen. Aus Schlesien wird der Franti. Stg." folgendes wahre Geschichtchen erzählt, das anläßlich einer Trauung in der Kirche einer kleinen niederschlesischen Stadt passierte. Vorausgeschickt muß werden, daß der Bräutigam schwerhörig war. Geistlicher:" Wollt Ihr die Frau als aus Gottes Hand hinnehmen, sie lieben und ehren- Bräutigam( zur Braut): Woas meent ha?" Braut:„ Eb Du mich hoan willst?" Bräutigam( schnell und laut):„ Nu freech, freech( freilich), desterwagen sein merr tu hie!" Selbst der Geistliche hatte Mühe, nach dieser Antwort noch ernst zu bleiben.
Der Nachtwandler" auf dem Naubzug. Für einen Nachtwandler gab sich ein alter Einbrecher aus, der in der vorletzten Nacht in der Oranienstraße in Berlin ertappt wurde. Der frühere Bäcker Gustav Bartsch hatte sich in einer Wohnung in der Oranienstraße gerade eine Damen- und Herrenuhr, Ringe und andere Schmuckfachen eingesteckt, als er überrascht und festgenommen wurde. Mit der unschuldigsten Miene der Welt verficherte er, daß er nicht wisse, wie er in die Wohnung gekommen sei und wie die Wertsachen den Weg in seine Taschen gefunden hätten. Gestern abend set er zur ge= wohnten Reit nach Hause gegangen. Er misse nun als Nachtwandler wieder meg und über die Dächer nach der fremden Wohnung gegangen sein. Anders könne er es fich nicht erklären. Mit dieser Ausrede kam der alte Sunder, der zuletzt acht Jahre Zuchthaus verbilßte und unter Polizeiaufficht steht, um so weniger durch, als er es auch früher schon immer mit ihr versuchte. Er wurde wieder dem Interfuchungsrichter vorgeführt.
Nadiumdiebstahl in einem Krankenhause. Nicht geringe Aufregung verursachte in diefen Tagen im Krantenhause in Birmingham die Entdeckung, daß das einaige Stück Radium, über das die Anstalt verfitate, fourLos verschwunden war. Nachdem man das ganze Haus vergeblich durchsucht hatte, wandte man sich an dte PoItzet, die schließlich den Patienten, der sich im Krankenhaus eines Hautleidens wegen etner Radiumbehandlung unterzog, einem Verhör unterzog. Der Kranke gestand auch ohne weiteres, fich das Stitch Radium angeeignet zu haben, um die Kur in forcierter Wetse fort zufeßen. Da er aber dabet die gehörige Vorsicht außer acht Iteß. hatte sich sein Leiden unter der unfachgemäßen Behandlung so arg verschlimmert, daß sich die Aerzte möglicherweise zur Amputation der Nafe des allzu selbstständigen Patienten genötigt sehen werden.
Eine originelle Brautwerbung.
Von einer sehr originellen Brautwerbung, die entschieden mehr eine humoristische als ernste Sette hat, wird der Inf." aus einem kleinen Städtchen Mecklenburgs Mittellung gemacht. Um etne funge Dame aus besten retsen bemühte sich ein junger Mecklenburger Landedelmann fett einiger Bett. Setne Bewerbung war aber so schüchtern, daß die funge Dame ebensowenig wie thre Angehörigen sich darüber klar wurden, wann er eigentlich Ernst machen wolle. Um dem schüchternen Liebhaber nun ein wenig nachzuhelfen. Iud der Onkel der Dame, etn Mecklenburger Gutsbesizer, fetne Nichte und deren Mutter sowie den zukünftigen Verlobten zum Mittagsmahle ein. Es war sehr schön und sehr fühl hter auf dem Landsiz, das Essen vorzüglich, die Braut sah retzend aus, die Schwiegermama war in bester Laune. Aber noch immer machte der Liebhaber noch nicht die entfernteste Anstellung, fich zu erklären. Mant Iteß das junge Baar in der Baufe zwischen dem Mittagessen und dem Nachmittagstaffee alletn, während Onkel und Mutter sich zur Ruhe zurückzogen. Als die alten Serrschaften nach zwet Stunden wieder auf der Bildfläche erschtenen, faßte der Onkel fetne Nichte bet der Hand, zog sie zur Seite und fragte, ob der junge Mann sich erklärt habe. Nun war Schön- Gretchen wirkItch ärgerlich, dte Bornesröte stteg thr ins Gesicht, und sie meinte, daß sie die Werbung dieses Mannes überhaupt nicht mehr annehmen witrde, er fet ein Hafenfuß, der sich fürchte, etn offenes Wort zu sagen, und ste hätte in ihrem Leben nte eine Schwäche für mutlose Männer gezeigt. Der Onkel möge es thr auch nicht übel nehmen, in etner Stunde gehe die Kletnbahn, die ste nach Hause bringen könne. Sie wollte mit der Mutter abretsen, da der Tag thr doch verdorben fet. Dagegen konnte der Oheim nichts einwenden. Mutter und Tochter gingen zur Bahn und an der Gasttafel fand sich nur der Onkel mit dem schichternen Liebhaber etn. Dieser war
Boden, ich tausche mit feinem König und seit ich das Klärchen zur Frau habe, ist Lachsdienen für mich das Paradies."
Wir kommen höchstens zweimal im Jahre nach Memel," bemerkte Klara,„ es fällt uns schwer, auch nur einen Tag fortzufahren."
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,, Wenn erst unser Junge da ist," begann Rosen, aber die Hand setner Frau htelt ihm den Mund zu. „ Erst abwarten, Adolf," sagte ste lächelnd. Eine Woche nach Frau Grotenbachs Ankunft wurde wirklich ein Junge bei Rosens geboren. Der glückliche Vater war zu einer Bürschlagd fortgeritten und kam spät heim; er war bet bester Laune, denn er hatte einen prächtigen Hirsch erlegt.
„ Nun ist er da, Herr," sagte der alte Kutscher Johann.
„ Wer? Was?" fragte Rosen.
„ Der junge Herr, der Storch hat thn gebracht." Rosen lehnte sich gegen die Stallttir, thm war ganz eigen zu Mute, die Pfetfe ftel ihm aus dem Mund und er sah Johann starr an.
Wirklich, und es ist ein Junge," beteuerte Johann, ,, und ich werde ihm das Retten und Kutschteren lernen, wie ich es mit Ihnen tat!"
„ Komm her, Alter!" rief Rosen,„ da hast Du einen Taler."
Mit langen Schritten eilte Rosen über den Hofplak. " Mutter!" Mehr brachte er nicht hervor, als er Frau Grotenbach in der Halle sah.
„ Es ist alles gut gegangen, Iteber Sohn," berichtete Thekla.
,, Kann ich Klara sehen?" „ Ja, aber bitte recht letse."
Der junge Vater zog die Stiefel aus und pürschte fich, so bezeichnete er es später, auf Socken in das halb= dunkle Zimmer. Da stand die alte, plumpe Holzwiege,
natürlich sehr erstaunt, fetne Angebetete nicht mehr au sehen und fragte nach dem Grunde ihres Fernjetns. Der Onkel zögerte nun nicht länger, ihm die Wahrhett zu sagen, er hinterbrachte wortgefreut, was seine Nichte über den Mut des jungen Mannes geäußert habe. Das war ihm wohl ein wenig zu viel. Er bat den Gutsbefizer um ein Pferd, Iteß es satteln und sprang das rauf. Er eilte im Galopp dem Zuge nach und entdeckte in dem Abteil 2. Klasse als einzige Infassen Mutter und Tochter. Nun ritt er ganz nahe heran an das Fenster und rief seine Brautwerbung vom Rücken des Pferdes in das Abteil der Eisenbahn hinein. SchönGretchen war über diesen unvermuteten Anblick so er= schrocken, daß sie zuerst gar keine Antwort zu geben vermochte. Der junge Mann aber sagte, daß er den Zug zum Stehen bringen wolle, indem er sich mit ſet= nem Noß davor stelle, wenn sie ihm nicht augenblicklich das Zugeständnis ihrer Hand mache. Nun wurde das Jawort natürlich freudestrahlend erteilt, und als die Selingelbahn auf der kleinen Station fit N. hielt, fonnte man in dem Restaurationsgebäude Verlobung fetern.
Ungetreue Bankbeamte.
Die Unterschlagung bei der Hamburger Reichsbankstelle Einem umfassenden Depotschwindel ist man bei der Reichsbankhauptstelle in Hamburg auf die Spur gekom men. Die Bantbeamten Wegener und Hamann, die in der Reichsbanthauptstelle einen Vertrauensposten einnahmen, haben aus den Depots einer fremden Bant etne tertelmillion Geld entwendet und das Geld auf Rennpläßen vergeudet.
Wegener und Hamann beschäftigten sich fett länge rer Zeit viel mit dem Wetten auf Rennplätzen, besonders aber auch verwetteten sie hohe Summen bet Buchmachern der auswärtigen Plätze. Die Mittel dazu verschafften sie sich in der Weise, daß sie aus dem Depot einer Hamburger Bank Anleihen entnahmen und anderweit lombardierten. Sobald die aus den Depots entwendeten Scheine gebraucht wurden, lösten sie sie wieder ein und zwar in der Weise, daß fie neue Stücke verpfändeten. Wegener hat die entwendeten Reichsanlethen, die bald die Höhe von einer Viertermillion erreicht hatten, zum kleinen Teile selber. Hauptsächlich aber durch gute Bekannte bei verschiedenen Hamburger Banfen lombardieren lassen. Als Wegener der Boden zu heiß wurde, flitchtete er nach Holland. Am 6. August fehrte er jedoch wieder nach Hamburg zurück und stellte sich selbst der Polizei. Seine Depotunterschlagungen gab er in vollem Umfange zu. Der Hamburger Polizet gelang es auf Grund der Angaben des Wegener, seinen Komplizen Hamann gleichfalls zu verhaften.
Drahtnachrichten und neuestes.
Eine Gefechtsübung vor dem Kaiser. Caffel, 9. August. Heute morgen wurde bet Besse eine große Gefechtsübung von Truppen des 1. Armeekorps vor dem Kaiser abgehalten unter Leitung des Generals von Derzen, Kommandeurs der 22. Division. An der Uebung nahmen teil die Truppen der Garnison Cassel, ferner das Infanterieregiment Nr. 82 aus Göttingen, das 3. Bataillon des Infanterieregtments Nr. 83 aus Arolsen, das Marburger Jägerbataillon, 2 Kompanien Pioniere und die reitende Abtellung des Feldartillerieregiments Nr. 11 aus Friß- u lar. Der Kaiser verließ um 5% Uhr morgens im Automobil Schloß Wilhelmshöhe und stieg gegen 6 Uhr bei Braunshagen zu Pferde. Das Gefecht entwickelte sich zwischen Besse und dem langen Berg. Um 8 Uhr wurde das Gefecht abgebrochen, worauf der Kaiser militärische Meldungen entgegennahm. Gegen 10 Uhr begab sich der Kaiser im Automobil nach Schloß Wilhelmshöhe zurück. Der Kaiser hat eine ganze Anzahl Ordensauszeichnungen verliehen.
Eine unglückliche Ehe.
Berlin, 9. August. Heute morgen gegen 5% Uhr verletzte der Straßenbahnschaffner 3ientarsky setne Frau durch zwet Schüsse in den Kopf schwer. Darauf erschoß er sich selbst. Grund der Tat sollen Ehezwiftig= feiten sein.
Der Ueberfall auf den Geldbriefträger in Straßburg. Straßburg, 9. August. In dem Befinden des überfallenen Geldbrtefträgers Bacher ist eine Verschlimmerung eingetreten. Zur Zeit des Ueberfalls hatte der Beamte 25 000 Mart bet sich, die bei einem Gelingen des Plans dem Täter in die Hände gefallen wären. Dieser ist angeblich ein Student Hermann Hoffmann, der am 4. Juli aus Charlottenburg kommend gemeldet worden war.
Großer Postraub.
Budapest, 9. August. Aus dem Postwagen des Personenzuges, der gestern abend nach Kaschau abging, find 14 Geldsäcke mit insgesamt 34 620 Kronen auf bisher unaufgeklärte Weise verschwunden.
fein moderner Kinderwagen.
Unsinn," hatte Rosen gesagt,„ mein Junge soll in derselben Wiege schlafen, die mich aufnahm und meine Amme, die alte Trine, wird seine Wärterin werden."
Da saß ste, die alte dicke Bäuerin und sah ganz strahlend aus, ste schaufelte den Neugeborenen bereits und sang leise dazu. Rosen beugte sich über das kleine rote Gesicht und strich vorsichtig mit seiner großen Hand über die Wange seines Buben. Seine Augen waren naß und er bewegte die Lippen im Gebet.
Später schlich er in die Stube seiner Frau, sie hielt ihm freundlich lächelnd die Hand hin.
„ Na, Klärchen," sagte Rosen und füßte sie vorfichtig; ich danke Dir für den Prachtjungen, den Du mir geschenkt hast."
Die Taufe wurde sehr groß gefeiert, alle Nachbarn erschienen, auch einige Bekannte aus Memel, Thekla freute sich, sie wieder zu sehen. Der Täufling erhielt den alten Familiennamen Eberhard.
Dret Tage dauerte das Fest, die Tafeln brachen beinahe unter der Last alles Guten. Auch für die Leute und Bauern gab es einen Schmaus in der großen Scheune.
In Memel brachte Frau Grotenbach noch einige Tage bet alten Freunden zu, sie besuchte die Gräber threr Lieben und tniete dort im stillen Gebet. Ein frommer Vers ftel thr etn, er lautet:
Was wir bergen in den Särgen, ist das Erdenkleid Was wir Iteben, ist geblieben uns in Ewigkeit." Wie liebte Thekla Ostpreußen, wo sie so lange gelebt hatte, aber sie fühlte sich ihm entwurzelt, es zog fie nach Berlin zurück, wo sie sich eine sorgenfreie Existenz gegründet hatte und ihre Arbeit sie befriedigte.
( Fortsetzung folgt.)


