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Gießener Zeitung

( Neueste Nachrichten)

Bezugspreis 40 Pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen

oierteljährlich 1,20 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig­ausgabestellen vierteljährlich 90 Pfg. Erscheint

Dienstags, Donnerstags, Samstags. Redaktion: Seltersweg 83.- Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.

Nr. 182.

Telephon: Nr. 362.

Der deutsche Bauer.

der Großherzoglichen Bürgermeisterei

des Großherzoglichen Polizei- Amtes Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83.

sowie vieler anderer

( Haus Brüder Schmidt.)

Donnerstag, den 10. August 1911.

Truppenschau vor dem Kaiser. Der Kaiser trifft Freitag um 7 Uhr auf dem Großen Sande ein. Nach beendigter Truppenschau werden sich der Kai­ser und der Großherzog an der Spitze der Fah­nentompagnie nach dem Großherzoglichen Palais be geben.

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( Gießener Tageblatt)

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Telephon: Nr. 362.

23. Jahrg.

75 Mart, worauf der Landwirtschaftskammer- Ausschuß 20 Prozent Zuschuß gewährt, sodaß der tatsächliche Ge­stehungspreis sich auf 60 Mt. stellt. Da die Gefahr einer Seucheneinschleppung beim Bezuge dieses Zucht­materiales nicht besteht, können noch weitere Gemeinden und Schäfereien Schafböcke nachträglich zum Preise von Es bleibt bei der Hize! Die verschie­50-70 Mart beziehen, auf die ebenfalls 20prozentige denen Wetterdienststellen sind sich darin einig, daß die Zuschüsse gewährt werden, wenn die Tiere in Oberhes­Hitze vorläufig nicht nur bleibt, sondern daß sie in nächſen zur Zucht Verwendung finden. Anfragen sind an ster Zeit sich sogar wieder steigern wird. Statt des er­den Landwirtschaftskammerausschuß in Gießen zu sehnten Regens werden wir uns also noch auf eine neue richten. Sizz- Periode gefaßt machen müssen.

Vom Siebenschläfer. Bei der andauern den Trockenheit und Hize dürfte es gut tun, sich daran zu erinnern, daß es in diesem Jahre am Siebenschläfer­tag geregnet hat. Die Wetterregel, daß es in einem solchen Fall 7 Wochen hindurch( d. h. vom 27. Juni bis zum 15. August) täglich regnet, trifft also in die sem Jahre ganz und garnicht zu. Das ist aber auch sonst meistens nicht der Fall. Man pflegt sich eben nur die Jahre zu merken, in denen das Wunder geschieht.

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Eine Vogelschutzstation für Hessen soll in Darmstadt auf Staatskosten errichtet werden. Sie bezweckt, durch Abhaltung von Kursen Personen im Vogelschutz praktisch auszubilden. Es soll dadurch reicht werden, daß im Laufe der Zeit in jeder Gemeinde mindestens eine Person vorhanden ist, die im Vogel­schutz ausgebildet, in der Gemeinde die erforderlichen Maßnahmen zur Erhaltung und Vermehrung der Vo­gelwelt zu leiten und überhaupt im Interesse des Vo­gelschutzes zu wirken imstande ist.

Jm August- Heft der Preußischen Jahrbücher"( her­ausgegeben von H. Delbrück) veröffentlicht K. Walthe­math einen Aufsatz: Der deutsche Bauer", der den gewaltigen Ausschwung unseres Bauernstandes in den letzten Jahrzehnten schildert. Wir hatten früher ein Landvolk, das, in dem Uebergang von dem letzten Sta­dium der Naturalwirtschaft zur Geldwirtschaft begriffen, unter dem Mangel an barem Geld und gesundem Kre­dit schwer litt. Die Arbeitslöhne und überhaupt alle Breise stiegen fortwährend, der Bauer aber, dessen Pro­dukte eine immer noch unreife Städtewirtschaft nur in geringen Quantitäten aufzunehmen und nach wie vor nicht genügend zu bezahlen vermochte, fiel Wucherern in die Hände. Auf den meisten Bauernwirtschaften Deutsch­lands sah man Stillstand, ja Rückgang. Aus dieser Misere hat sich der Bauernstand Deutschlands durch seine eigene Energie und Einsicht zu retten verstanden. Die glänzenden wirtschaftlichen Erfolge, welche der deut­sche Bauer in den letzten Jahrzehnten erzielt hat, wi­derlegen nach Walthemath vollständig das vielfach ge= äußerte Vorurteil, das Landvolk sei zu einer weitgehen den Selbstverwaltung nicht befähigt. Der deutsche Bauer hat das Genossenschaftswesen dermaßen entwickelt, daß der Kredit der kleinen deutschen Landwirte heute auf breiter und solider Grundlage ruht. Er hat landwirt­schaftliche Maschinen und ausländische Futtermittel an­geschafft und sich die Fortschritte der Chemie für Acker und Wiese dienstbar gemacht. Walthemath verhehlt sich nicht, wieviele stagnierende und rückwärtsgehende Aus­nahmen es innerhalb unseres prächtig gedeihenden Bau­ernstandes noch gibt. Er führt das Beispiel Flanderns an, um zu beweisen, daß unser Bauer noch manchen Schritt vorwärts zu tun hat, bevor er den allerbesten seines Standes gleichkommt. Aber unleugbar ist jeden­falls, daß der deutsche Bauer nicht, was vor Jahrzehn­ten von kompetenten Volkswirten befürchtet wurde, das Schicksal des englischen Landvolkes teilen wird. Anstatt von dem Großbesitz aufgesogen zu werden, fängt der deutsche Landmann im Gegenteil an, jenen auf vielen Gebieten zu überflügeln. Sogar auf dem Felde der Pferdezucht, die stets für eine unantastbare Domäne des Großbetriebes galt, machen heute unsere Bauern den Besitzern der ausgedehnten Güter eine empfindliche Kon­kurrenz. Ein besonderes Interesse erhält der Walthe­mathsche Aufsatz dadurch, daß er im einzelnen darlegt, wie mit der geschilderten wirtschaftlichen Umwälzung eine andere Revolution Hand in Hand gegangen ist, welche die Sitten und Gebräuche des deutschen Bauernstandes durchgreifend erneuert und sogar seine religiösen Vor­stellungen nicht unberührt gelassen hat.

Aus Stadt und Land.

Wetzlar, den 10. August 1911.

* Der Hess. Landesverband des Deut schen Flottenvereins wird seine diesjährige Landesversammlung am Sonntag, 3. September, Auerbach abhalten.

* Dem Liebigmuseum wurde ein interessan­tes und schönes Geschenk überwiesen. Apotheker Custo­dis aus Heppenheim schenkte ein wertvolles Gemälde, das die bekannte Heppenheimer Apotheke darstellt. Hier kam Liebig bekanntlich, nachdem er mit glänzender Er­die folglosigkeit seine Gymnasialstudien vollendet, Lehre, an die er immer gern zurückdachte.

* Die Freifischerei in der Lahn hat mit dem 1. Aug. ihr Ende erreicht. In Zukunft ist das Fischen mit der einfachen Handangel in den schiffbaren Gewässern nur den Personen gestattet, die eine Angelkarte lösen. Die Karte wird vom Kreisamt verausgabt und gilt nur auf die Dauer eines Jahres. Der Preis ist für in Hessen wohnende Personen auf 3 Mk., für nicht in Hessen wohnende Deutsche auf 8 Mt. und für Aus­länder auf 15 Mark festgesetzt.

* Für die Kinderklinik hat der Staat als Bauplatz das Gelände zwischen dem Anwesen des Dro­gisten Seibel und der Augenklinik zur Verfügung ge stellt. Mit der Klinik soll gleichzeitig eine Schwestern­schule errichtet werden. Die Stadt Gießen hat sich be= reit erklärt, zu den Kosten des Baues 15 000 Mt. her­zugeben.

Zum Kaiserpreisschießen waren im 18. Armeekorps dieses Jahr folgende Kompagnien zu­gelassen: 5-80, 11-87, 8-115 und 3-117. Letztere Kom­pagnie hat den Preis errungen, der damit zum ersten Mal in ein Mainzer Regiment gekommen ist.

* Der Radklub Germania" errang auf dem 28. Bundesfest des Deutschen Radfahrerbundes bei der Dauerfahrt über 100 Kilometer die silberne Me daille und beim Korsofahren den 2. Preis.

* Der Kaufmann Elsoffer mußte sich einer Operation im Munde unterziehen. Trotz ärztlichen Ver­bots rauchte er seine Tabakspfeife und zog sich eine Blut­vergiftung zu, an der er gestorben ist.

=)(= But bach, 10. August. Das Verbot des Läu­tens der großen Glocke in der Markuskirche hat zu dem Antrag Veranlassung gegeben, die Stadt möge den Turm der Markuskirche samt den Glocken der evangeli­schen Kirchengemeinde für 20 000 Mt. verkaufen. Diese Summe solle als Grundstock für ein zu errichtendes Volksbad dienen.

== Butzbach, 9. Aug. Das 45jährige Bestehen be­ging am Sonntag unsere Freiwillige Feuerwehr.

h= Lich, 9. Aug. Der Zugführer Mann der Butz­

bach- Licher Bahn erlitt dadurch schwere Verletzungen am Kopf, daß er den Kopf zu weit aus dem Zuge beugte und gegen den Signalmast stieß.

== Laubach, 10. Aug. Der Wassernot, die in­folge der tropischen Hize in letzter Zeit besonders fühl­bar dadurch wurde, daß die Wasserleitung des öfteren tagsüber sowohl als auch zur Nachtzeit abgestellt wer­An­den mußte, wurde dadurch abgeholfen, daß auf regung der Bürgermeisterei ein Motor aus der Deutzer Motorenfabrik beschafft wurde, der reichliche Wassermen­gen aus dem Grünemannsbrunnen pumpt und so die Stadt in sehr ergiebiger Weise versorgt.

-u Hungen, 10. Aug. Die Einkaufspreise für Rindvich sind erheblich gesunken. Trotz des billigen An­gebots ist Schlachtvieh bei dem ueberangebot bei un­seren Metzgern schwer unterzubringen. Ochsen in be­ster Ware werden mit 80-84 Mt., Rinder 1. Sorte mit 75-80 Mt., 2. Sorte mit 68-70 Mark, Kälber 1. Sorte mit 70-74 Mt., 2. Sorte mit 57-65 Mt. per Zentner Schlachtgewicht angeboten und bezahlt. An der Kreisstraße von Hungen nach Nonnenroth steht ein Apfelbaum im vollsten Blütenschmuck und erfüllt das Herz eines jeden Beschauers durch seine überreiche Blü­fenpracht mit Freude und Staunen.

-d- Nidda, 10. Aug. Die Gedenktafel für Haupt­mann Kattrein, des Eroberers von Schloß Chambord, ist an seinem Geburtshause in der Bahnhofstraße ange­bracht worden. Am 20. August findet die Enthüllung der Gedenktafel statt.

=)(= Gözen, 10. August. Der Landwirtschafts= kammer- Ausschuß für Oberhessen veranstaltete hier seine zweite Schaf bodauktion. Die zur Versteigerung gestellten 30 Bocklämmer waren infolge der Trockenheit vor drei Wochen an Mundfäule erkrankt, sodaß das gute Aussehen etwas beeinträchtigt war. Bei der Versteige­rung erwarben die Gemeinden: Schotten, Nidda, Nie­Bü­der- Gemünden, Homberg a. Ohm, Dauernheim, dingen, Ober- Ofleiden, Einartshausen und Heinrich Geiß 2.- Windhausen Schafböde zum Durchschnittspreise von

Mainz, 10. Aug. Die Mainzer Restaurateure hatten sich für die Sonntagsbesucher des Katholikentags, eingedenk der Erfahrungen beim eucharistischen Kon­gresse in Köln, wo ungeheuer Mangel an Nahrungs­mitteln herrschte, sehr reichlich mit Eßwaren versehen. Es wurde jedoch nur sehr wenig davon konsumiert. Die Wirte verteilen daher ihre Vorräte buchstäblich auf den Straßen. Gestern konnte man hier ein belegtes Bröt­chen für 3 Pfg. haben. Brot, Bratenstücke und Kotte­lets wurden heute an arme Kinder und Familien ver­teilt.

* Wetzlar, 10. Aug. Unser Schützenfest hat einen guten Verlauf genommen. Die Preisverteilung für die einzelnen Stände ist folgende: Wildstand: 1. Preis A. Pascoe- Dutenhofen( 31 Rg.), 2. Pr. E. Mandler= Wetzlar( 24 Rg.), 3. Pr. Schmidt- Gießen( 23 Rg.); 300 Meter: 1. Pr. Gg. Waldschmidt- Wetzlar( 52 Rg.), 2. Pr. Hinkel- Bockenheim( 51 Rg.), 3. Preis Schmidt- Gießen( 51 Rg.); 175 meter: 1. Pr. Jl­lig- Bockenheim( 54 Rg.), 2. Pr. Schmitt- Gießen( 53 Rg.), 3. Pr. A. Pascoe- Dutenhofen( 52 Rg.), 4. Pr. Hinkel- Bockenheim( 50 Rg.), 5. Pr. C. Gärthe- Wetzlar ( 50 Rg.); 100 meter: 1. Pr. Noll- Gießen( 34 R.), 2. Pr. A. Pascoe- Dutenhofen( 34 Rg.), 3. Pr. Ritter­Laubach( 34 Rg.), 4. Pr. F. Kühn- Wetzlar( 34 Rg.), 5. Pr. Jllig- Bockenheim( 33 Rg.), 6. Pr. Jost- Laubach ( 32 Rg.), 7. Pr. Apel- Gießen( 32 Rg.); Ehren­scheibe: Moritz Ohlenburger- Wetzlar.

-sch Naunheim, 10. Aug. Beim Streichen der Eisenbahnbrücke zwischen Wetzlar und Garbenheim fiel dem Arbeiter Ludwig Kern der Pinsel ins Wasser. K. sprang dem Pinsel nach. Beim Zurückschwimmen sant er jedoch plötzlich unter, sodaß man annimmt, daß er von einem Herzschlag betroffen wurde. Der so jäh aus dem Leben Geschiedene ist 39 Jahre alt und hinterläßt eine Frau und 7 Kinder.

-p' Launsba ch, 9. Aug. Gestern nachmittag ge­gen 5 Uhr brannte das Wohnhaus des Metzgers Grei­lich vollständig nieder. Nur mit knapper Not konnte das sich im brennenden Gebäude befindliche Kind gerettet

werden.

-- Weilburg, 10. Aug. Das Jahre alte Töchterchen des Gastwirts Craß erkrankte durch den Ge­muß unreifen Obstes so schwer, daß es anderen Tages trotz sofortiger ärztlicher Hilfe gestorben ist.

und * Dillenburg, 8. Aug. Im Klassen­Ehrensingen wurden u. a. folgende Preise zuerkannt: 1. Stadtklasse: Männergesangverein Weglar( 229 Punkte) 5. Preis, Männergesangverein Liederkranz"= Marburg( 234 Punkte) 4. Preis. Das Ergebnis des höchsten Ehrensingens hatte folgendes Resultat: Den 1. Preis, die von Sr. Majestät dem Kaiser gestiftete Me­daille, erhielt mit 234 Punkten Männergesangverein ,, Lie­derkranz"-Marburg. 2. Preis, die von Ihrer Majestät der Königin Wilhelmina der Niederlande gestiftete Me­daille, mit 232% Punkten Männer- Quartett Westend"= Frankfurt. 3. Preis, den von Sr. Kgl. Hoheit dem Prinzen der Niederlande gestifteten Pokal, mit 232 " Colophonium"-Frankfurt- Bockenheim. 4. Preis, den Po­fal der Stadt Dillenburg, mit 226 P. der Männerge­sangverein Euterpe"-Siegen. 5. Preis, den Pokal des Liederkranz", mit 224 P. der Männergesangverein Wez­lar.

P.

* Dillenburg, 10. Aug. Unser Bahnhof wird demnächst gründlich umgebaut werden. An Stelle der bisherigen 3 Geleise sollen 5 gelegt werden und um die Betriebssicherheit zu erhöhen werden Unterführungen angebracht.

Marburg, 10. August. Am 15. Aug. wird die normalspurige Bahnstrecke Berleburg- Raumland- Ar­feld, Reststrecke der Bahn Raumland- Berleburg- Allen­dorf( Eder) eröffnet.

Oberlahnstein, 10. Aug. Jm Alter von 80 Jahren ist der bekannte liberale Pfarrer Schröder, der in den 70er Jahren einmal im Vordergrund des Interesses gestanden hat, gestorben. Schröder war einer der besten Renner des nassauischen Kirchenrechts.