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Schreckenstat eines Jrren. auf einem Acer dermischen Fabrik bezogen war. Nach furzer geit stelten staatlichen Frrenanstalt Wetsenhof bet Weinsberg hat der mit Feldarbeit beschäftigte Geistestrante Weit­brecht einen anderen Geistestranten mit einer Feld­hace erschlagen und einen Jrrenwärter schwer verletzt.

Wissenschaft, Kunst und Litteratur.

Ein Mittel gegen die Maul- und Klanensenche? Aus Holland tommt die Meldung, daß man ein sicher wirkendes Mittel gegen die Maul- und Klauenseuche gefunden habe. Bei der gewaltigen Verheerung, die Diese Seuche auch unter dem Viehbestand in Deutschland anrichtet, verdient diese Meldung jedenfalls Beachtung. Ein Herr W. Bijlmer in Amsterdam ist der Entdecker des Mittels. Das Vorstandsmitglied der Holländt­schen Gesellschaft für Landbau", S. Krusemann in Houtrift bet Polanen, teilt öffentlich mit, daß nach zwet­maliger Anwendung des Mittels feine 25 Ruhe in fur­zer Bett völlig wiederhergestellt worden sind, ohne daß sich unangenehme Nebenerscheinungen bei Anwendung des Mittels gezeigt hätten. Andere Landwirte, die das Mittel, das einfach ist und wenig kostet, vielfach er= probt haben, sprechen sich ähnlich aus. Nachdem man genügend Erfahrungen gesammelt hat, glauben die be­Freffenden holländischen Landwirte, Mitteilungen von dem neuen Heilmittel machen zu sollen. Die deutschen landwirtschaftlichen Versuchsstationen wohl diese Angaben nachprüfen.

werden nun

Aus den Gerichtssälen.

Zum Tode und zu lebenslänglichem Ehrverlust verurteilte das Schwurgericht in Berlin den Arbeiter Hartmann, welcher im März d. J. die Arbeiterfrau Gorgolewski in der Nähe von Stolpe an der Nordbahn beraubt und dann mittels einer Schnur erdrosselt hatte.

Eine entmenschte Mutter hatte sich gestern vor dem Schwurgericht in Mannheim zu verantworten, die vier­undzwanzig Jahre alte Frau des Kellners Heiße aus Bonn. Die Angeklagte hatte ihr sechs Jahre altes Töch= terchen Gretchen am 19. März d. J. so mißhandelt, daß es nach wenigen Stunden gestorben ist. Das Kind war von der Angeklagten mit in die Ehe gebracht worden; bis November vorigen Jahres war es bei der Groß­mutter. Seit der Zeit, wo das arme Kind zur Mutter tam, hatte es ein Martyrium durchzumachen. Die Un­tersuchung der Leiche ergab, daß dem Kinde der Schädel eingeschlagen war. Die Angeklagte wurde zu einer Ge= fängnisstrafe von vier Jahren und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt. Ste nahm das Urteil mit stoischer Ruhe auf.

Vermischtes.

Der Kaiser als Berliner Grundbesizer. Der reichste Grundbesitzer Berlins, so lesen wir in der Staats­bürgerzeitung", tst unstreitig Katser. Wilhelm, denn der Grund und Boden, der ihm in der Retchshauptstadt ge= hört, hat mit den darauf befindlichen Gebäuden einen Wert von rund 18 Millionen Mark. In dieser Summe ist indessen nicht der Wert eingerechnet, den der gewal­tige Komplex des königlichen Schlosses hat. Nur die Baulichketten, in denen das königliche Hausministe­rium, der königliche Marstall und das große Heer der Hofbediensteten soweit das letztere nicht im könig­lichen Schlosse wohnt thr Hetm haben, sind der Be­rechnung zugrunde gelegt. Es handelt sich im ganzen um 34 meist recht große Gebäude. Die königlichen Bau­lichkeiten beherbergen rund 400 tm königlichen Dienst angestellte Beamte; mit Einschluß der Familien werden sie etwa von 2000 Seelen bewohnt.

Durch den Fernsprecher gerettet. Auf eigenartige Weise ist am Donnerstagabend in Berlin ein junges Mädchen vom Tode gerettet worden. Die 20jährige Tochter Frieda des Rentners B. in der Hauptstraße, deren Eltern zurzeit verreist sind, befand sich in der Wohnung allein. Durch eine Unachtsamkeit des jungen Mädchens oder durch einen unglücklichen Zufall öffnete sich der Hahn der Gastrone und bald war das ganze Zimmer mit Leuchtgas angefüllt. Das junge Mädchen, das auf dem Sofa eingeschlafen war, erwachte plötzlich, war aber durch das Gas bereits stark betäubt. Nur mit Mühe schleppte sich Fräulein B. bis zum Fern­sprecher und stellte eine Verbindung mit ihrer Schwe= ster, die Telephonistin auf einem Vorortsamt ist, her. Ste teilte ihr mit, daß sie plößlich schwer erkrankt sein misse, denn sie könne sich nicht mehr aufrecht halten und fühle, daß ihr die Sinne zu schwinden beginnen. Ihre Schwester möge so schnell wie möglich nach Hause tommen. Die Telephonistin rief sofort einen in der Nachbarschaft wohnenden, thr bekannten Arzt an und bat ihn, sich unverzüglich nach dem oben genannten Hause zu begeben und dort die Tür nöttgenfalls zu er­brechen. Mit Hilfe eines Schlossers drang der Arzt dann in die Wohnung ein und fand Fräulein B. in dem gasgefüllten Raum beretts bewußtlos am Boden Itegend vor. Erst nach langen Bemühungen gelang es, sie ins Leben zurückzurufen.

Das Heer der Warenhausangestellten. Interessante Angaben über die Zahl der in den Warenhäusern Be= schäftigten macht der Konfektionär". Danach beschäftt­gen A. Wertheim G. m. b. H. in Berlin, in thren Ber­liner Geschäften im Durchschnitt etwa 6000 Angestellte. Diese Zahl erhöht sich in der Weihnachtszett auf etwa 8000. Hermann Tietz, in den sämtlichen Geschäften der Firma in Berlin und im Reiche 7500 Angestellte. Leon­hard Tietz A.-G., Cöln, in sämtlichen Geschäften 4500 Angestellte.

fich bei der Patientin sowie bei der Diakonissin, die die Masse probeweise versucht hatte, Vergiftungserscheinun= gen ein. Während bet der Diakonissin die Gegenmittel wirkten, halfen sie bei der Pattentin nicht mehr, sie starb. Die sofort angestellte Untersuchung ergab, daß dem Dia­tonissenhaus nicht das auf der Etikette und dem Liefer­schein bezeichnete unschädliche Präparat geliefert wor­den war, sondern daß eine Verwechslung mit einem Giftstoff vorgekommen war. Gerichtliche Untersuchung tst eingelettet.

Chiffre- Inserate als Verräter. Die Verhaftung des Leipziger Defraudanten Lüpfert in Wien, der in seiner Eigenschaft als Ratsexpedient und Schulgeldkas­sierer in Leipzig 29 000 Mark städttsche Gelder unter­schlagen hatte, ist auf ganz eigenartige Weise zustande gekommen. Aus den Vernehmungen der im Zusam­menhang mit der Angelegenhett verhafteten Personen erhielt die Polizet davon Kenntnis, daß Lüpfert sich nach Desterreich begeben hatte und daß er mit seinen Leipziger Freunden und Bekannten durch Chiffre- In­ferate in einem Leipziger Blatte in Verbindung zu treten suchte. Die Polizet ging auf dieses Beginnen ein und antwortete ebenfalls durch Chiffre- Inserate, so daß sich allmählich genau feststellen ließ, daß Lüpfert sich in Wien aufhtelt. Nachdem eine genaue Beschreibung an die dortigen Behörden gegeben war, gelang es nach kurzer Zeit der Wiener Poltzet, setnen Aufenthalt zu ermitteln und die Verhaftung vorzunehmen.

Touristenunfälle in der Schweiz. In den letzten Tagen haben sich in der Schwetz drei Unfälle ereignet, die einen tödlichen Verlauf nahmen. Im Kanton Gla­ris stürzte der Sachse Dietl, der sich im Nebel vertrrt hatte, an einer stellen Stelle ab und wurde als Leiche aufgefunden. Ein ähnliches Schicksal ereilte den Tou­risten v. Allmen aus Gimmenwald. Auch er stürzte an etner abschitssigen Stelle ab und konnte nur als Leiche geborgen werden. Vom Spatenberg stürzte etn sieben­fähriger Knabe, der in Begleitung feiner Mutter eine Tour unternommen hatte, in die Tiefe und wurde töd­Itch verletzt. Er starb auf dem Transport ins Hospital.

Der Unfallhabende. Abwechslung ergöẞzt, und da rum wohl erzählte fürzlich ein Berichterstatter einer großen Berliner Zeitung bet der Schilderung eines un­falls, der Unfallhabende" set von den Straßenbahnbe= amten aus seiner gefährlichen Lage befrett worden. Ja, ber Verunglückte" wird ja nachgerade langweilig, und wenn der Unfallhabende" nun Schule macht, dann er= freuen wir uns bald auch des Quetschunghabenden, des Beinbruchhabenden, des Diebstahlhabenden, ja des Mordhabenden und des Totschlaghabenden; auch die Entbindungshabende und die Kindhabende werden dann auftauchen, und das haben wir dann davon, daß die deutsche Sprache so bildsamfetthabend ist.( Sprach= ecke des Allgm. deutsch. Sprachvereins.)

Ein aufsehenerregender Vergiftungsfall hat sich im Diakonissenhaus zu Augsburg zugetragen. Ein Dienst­mädchen aus der Provinz Iteß sich dort den Magen mit Röntgenstrahlen durchleuchten. In Abwesenheit des be­handelnden Arztes wurde zur Vorberettung der Magen mit einer breiartigen Masse gefüllt, dte von einer che­

Der Chauffeur als Entführer. Romantisch, aber praktisch waren zwei junge Mädchen in Berlin, die sich kürzlich von ihren Verehrern entführen Iteßen, dabet jedoch nicht außer acht ließen, daß man von der Liebe allein nicht leben könne und deshalb das nötige Geld nahmen, woher sie es auch immer bekommen konnten. Tem einen der Mädchen hatte es ein Chauffeur angetan, der jetzt wegen Entführung einer Minderjährigen von den Polizeibehörden gesucht wird. Der junge Mann war im Auftrage einer Automobilgesellschaft bei einem Geschäftsmann im Norden der Stadt tätig gewesen. Er lernte dort dessen junge Tochter kennen, die sich in thn verliebte. Vor einigen Tagen packte das Mädchen, als es allein in der Wohnung war, heimlich seinen Koffer und ließ ihn von dem Chauffeur nach dem Bahnhof Friedrichstraße bringen. Dann verschwanden beide; vermutlich sind sie ins Ausland gefahren. Erst nach der Abreise entdeckte der Geschäftsmann, daß ihm seine Tochter über 2000 Mart aus der Kasse mitgenom­men hatte. Eine zwette Entführungsgeschichte be= schäftigt zurzeit die Berliner Kriminalpoltzet. Ein 24 Jahre alter Kutscher und Schuhmacher aus Wittenberg wird beschuldigt, die zwanzig Jahre alte Emma S. aus Wittenberg entführt zu haben. Das Pärchen hat ein Sparkassenbuch der Kreissparkasse zu Wittenberg über 6100 Mart, das auf den Namen Emma Schulz lautet, mitgenommen und darauf beretts 700 Mart abgehoben. Da das Mädchen verkrüpeplt und gelähmt ist, hat es der Entführer ohne Zweifel nur auf das Geld abgesehen.

Der Kohlenverbrauch der preußischen Eisenbahnen. Auf den Strecken der preußisch- hessischen Eisenbahnen wurden im Etatsjahr 1909/10 im Schnellzug-, Personen­zug- und Güterzugdienst insgesamt 9,24 Mill. Zetr. Koh­len verbraucht. Der Gesamtwert des Heizungsmate= rtals beziffert sich auf 114,73 Millionen Mark. Den verhältnismäßig größten Verbrauch hatten die Güter­züge aufzuweisen, an zweiter. Stelle kommen die Schnell­und D- Züge und an dritter die Personenzüge. Die Gesamtleistung dieser Kohlenmasse betrug 2580 Mil­Itonen Pferdekräfte, davon entfallen allein auf die Gü­terzüge fast 3/5, nämlich 1500 Millionen Pferdekräfte. Der Kohlenverbrauch war bet der Größe der Gesamt­leistung verhältnismäßig gering, da die auf der preu= ßisch- hessischen Eisenbahn verwendeten Lokomotiven und Maschinen sehr wirtschaftlich arbeiten. In Tätigkett waren 8900 Lokomotiven, von denen 2500 Großdampf­Tokomotiven sind.

Eine ganze Stadt unter dem Hammer. In dem Rathaus von Tavistock, einer kleinen Stadt in der eng­lischen Grafschaft Devonshire, hat vor wenigen Tagen der Auktionsverkauf von einigen 7000 Grundstücken des Ortes begonnen. Diese Versteigerungs- Objekte, die ganze Straßen von Geschäftsgebäuden, Hotels und Re­staurants, Hunderte von Arbeiterhäuschen, Villen und Miethäuser jeden Genres umfassen, gehören dem Her­zog von Bedford, der nun gute Preise für seinen Be­sttz zu erzielen scheint. Der Verkauf der Grundstücke und Bauplätze dürfte volle zwei Wochen in Anspruch nehmen. Außerdem gehören dem Herzog weit über 8000 Morgen Landbesitz in der Umgegend von Tavt­stock. Für die Auktion dieser 166 Farmen und Land­häuser sind weitere vier Tage angesetzt worden. Ein großes Gut bet Lanceston hat bereits für 1 800 000 Mark und eine Farm bet Plymouth für 700 000 Mark einen Käufer gefunden. Nach diesen Angaben kann ein ge= wöhnlicher Sterblicher sich ungefähr einen Begriff von dem Reichtum eines britischen Herzogs machen.

nicht weniger als 61 Menschen der Size erlegen, und in den Krankenhäusern liegen Tausende und hoffen noch auf Genesung. In Neuyork zählte man nicht weniger als 38 Grad Celsius, und diese plötzliche Hiße ist um so schwerer zu ertragen, als sie mit großer Feuchtigkeit Hand in Hand geht und so eine schwüle, dampftge Atmo­sphäre geschaffen hat, die die Millionenstadt in eine einzige riesige Marterfammer verwandelt. Dazu kommt noch, daß man sich bisher verhältnismäßig fühler Som­mertage erfreuen fonnte, bis nun am Sonntag mit einem Schlage plötzlich diese furchtbare Höllentempera­tur einsetzte.

In wenigen Stunden hat diese Plage den sonst durch nichts aufzuhaltenden Arbeitsdrang der Ameri­faner gebrochen. Als der Abend fam, schleppte sich jung wie alt nur noch matt durch Straßen und Zimmer. An Schlaf war überhaupt nicht mehr zu denken, Tausende zogen in der Nacht nach Coney Island, um hier am Strande zu liegen. In der Stadt sah man auf allen Balkonen und Dächern Hängematten und Kissen. Wohl faum ein Mensch hat sich in dieser Nacht in seinem Zimmer ins Bett gewagt. Das ganze Geschäftsleben stockt, die City Itegt wie verödet, niemand besucht die Läden, ja am Montag mittag ruhte sogar in Wall Street das Geschäft, und nur ein fümmerliches paar Dußend unentwegter Börsianer wagte sich in die Hallen, wo sonst Tausende versammelt sind und Millionen um­setzen.

Eine Männer- Verleih- Anstalt ist, wie aus Nizza geschrieben wird, die lezte Neuheit des Jahrhunderts, die uns vorbehalten blieb und die die Bürgermeisteret von Nizza jetzt auf allgemeinen Wunsch eingerichtet hat. Die Muntzipalität hält täglich im Rathause von 11-1 Uhr eine wohlafsortierte Auswahl bereit. Da näm= Itch anständige Frauen ohne Herrenbegleitung neuer= dings nicht mehr allein in den Nizzaer Kaffeehäusern geduldet werden, aber immerhin bei der allgemeinen Kultur des europäischen und Retselebens auch in Nizza einmal Kaffee trinken möchten, so hat sich das Bedürf= nts nach stundenwets lethbaren Begleitherren schreiend bemerkbar gemacht, und die Nizzaer Stadtverwaltung, immer bereit, die Wünsche der Fremden zu erfüllen, und thnen das für Nizza so kostbare und wertvolle Behagen zu schaffen, hat diese modernste aller Einrichtungen ge­troffen.

Bilder- aus Neuyork.

Die Higwelle, die jetzt über Amerika dahinzieht, hat ihre Vorläufer seit Jahrzehnten überflügelt und einen neuen furchtbaren Reford aufgestellt. Allein am vergangenen Sonntag sind, wie schon gemeldet,

Die Hiswelle fiel mit dem Ferienbeginn der Schulen zusammen, und sonst entwickelt sich gewöhnlich am ersten Ferientage ein neues Straßenbild: überall tummeln sich dann die ferienfrohen Kinder. Diesmal sah man kein Kind auf den Straßen, die Eltern wagen thre Kleinen nicht in die Glut hinaus zu lassen. In den fühlsten Zimmern hat man Temperaturen von 32 Grad Celsius: die Gemächer aber, die an der Sonnen­sette Itegen, steigen gar bis zu 40. Man ist also ret­tungslos verurteilt, Stunden, Tage und Nächte lang buchstäblich wie in einem russischen Bade zu sißen. Am Montag morgen begann dann im Automobil die Flucht aufs Land; aber bald fehrten die Verzweifelten matt wie die Fliegen zurück. Ueberall die gleiche schwüle, lähmende Hizze. Es bleibt nichts anderes übrig, als möglichst unbeweglich im Schatten zu sitzen und auf bessere Tage zu harren.

Die Händler mit Palmblättern und Fächern mach­ten anfangs ein glänzendes Geschäft; aber jeder ist zu müde, um dann von dem erworbenen vermeintlichen Abhilfsmittel Gebrauch zu machen. Durch die Straßen rasseln immer wieder die Krankenwagen und die Ge­fährte der Ambulanzen, der Gesundheitskommissar hat sich in einem langen Erlaß an das Publikum gewandt. Er gibt der Bevölkerung Natschläge, wie man die Size ertragen könne. Als am Nachmittage ein leichter Wind einsetzte, schlug Millionen Hoffnungsvoll das Herz: um­sonst, die Brise war alles andere als fühlend und er­höhte nur noch die Hitze. Nun liegt und sitzt ganz Neu­york atemhaf.hend in Winkeln oder am Strande, starrt apathisch und fragt sich trostlos:" Wie. lange soll das noch dauern?"

Drabtnachrichten und neuestes.

Kaiser Franz Josefs Badereise. Wien, 8. Juli. Kaiser Franz Josef ist heute früh nach Bad Ischl abgeretst. Spionageprozeß vor dem Reichsgericht. Leipzig, 8. Jult. Vor dem Reichsgericht be­gann heute der Spionageprozeß gegen den Tagelöhner Hoferer, der beschuldigt wird, den Versuch gemacht zu haben, sich das neue Artilleriegeschoß beschafft zu haben, um es dem französischen Nachrichtenbureau auszu­Itefern.

Aus Unvorsichtigkeit einen Bassanten erschossen.

0 Blauen t. V., 8. Jult. Hier hat der Schutz­mann uhlendorf beim Reinigen einer Pistole, in der sich noch eine Kugel befand, den vor der Wache stehen­den Maurerpolter Beger erschossen.

Ein Güterzug entgleist.

Großgerar, 8. Jult. Auf dem Bahnhof Dorn­busch überfuhr in der vergangenen Nacht ein einfah­render Güterzug das Haltesignal und stieß gegen den Prellbock. Die Wagen stürzten die vier Meter tiefe Böschung hinov. Fünfzehn Wagen wurden zertrüm mert. Verletzt wurden der Heizer und der Lokomotiv führer.

Folgenschwere Kesselexplosion.

Bukarest, 8. Juli. Bei den Arbeiten zur Wie­derflottmachung des im Hafen von Sulina auf Grund geratenen englischen Dampfers Queensborough explo­Bierte gestern ein Dampffessel, wobet zwölf Personen getötet und vier schwer verletzt wurden.

Börsenwochenschau.

Nachdem am Sonntag die Entsendung des Kano­nenbootes Panther nach Agadir bekannt geporden war, eröffnete die Berliner Börse am Montag in einer all­gemeinen deprimierten Stimmung mit kursschwäch­ungen von 2% und darüber, und man hat auch den Ein­druck, daß die ganze zukünftige Entwickelung der Bör­sentendenz in nächster Zeit metstens vollkommen von den Nachrichten aus Marokko abhängen wird. Wäh­rend sich später eine gewisse Beruhigung über die Ma­roftoaffäre geltend zu machen begann, famen mit ei­nem Male alarmierende Nachrichten vom Balkan; in erster Linie die Meldung von einer bevorstehenden Mo­bilmachung Montenegros. Infolgedessen traten die Balkansorgen wieder in den Vordergrund, und wenn man auch nicht ernstlich an den Ausbruch eines Krieges glaubt, so ist doch die Lage am Balkan nichts weniger als erfreulich, und man muß immer wieder mit der Ge­fahr neuer Komplikationen in jenem Wetterwinkel Eu­ropas rechnen. Börsentechnisch kommt dem Berliner Markle augenblicklich der Umstand zustatten, daß ziem lich große Batssepositionen bestehen, sodaß also bet einem Weichen der Kurse umfangreiche Deckungsfäufe einer allgemeinen Deroute entgegenwirfen werden. Das Angebot war übrigens auch an den mattesten Tagen auf den meisten Gebieten nicht allzu erheblich, und nur in wenigen Werten gelangte bedeutendes Material zum Verkauf. Der lezte Tag der Berichtswoche brachte eine wesentliche Erholung auf allen Gebieten, im Zusam­menhang mit den beruhigenden Meldungen aus Mon­tenegro und Marokko. Die Börse sah sich infolgedessen fürs erste der politischen Beklemmungen enthoben, und allgemein fanden umfangreiche Rückfäufe statt. In er­ster Linie gilt dies vom Montanmarkt, wo die Batsfe­partei bedeutende Deckungen vornahm. Infolgedesseit gewannen Phönir- Attten 3%, Rambacher und Deutsch­Luxemburger 2%%, Gelsenkirchener und Bochumer 2%, Elektrische Werte lagen gleichfalls sehr fest, in erster Lt­nie die lezzthin stärker gewefenen Schuckert- Aktien. Am Bantaftienmarkt profitierten Berliner Handelsgeü­schaft. Auch die übrigen Banfaftien wurden durchweg höher bezahlt. Heimische Anlethen waren allgemein er­holt. Ebenso türkische Werte, dagegen Russen schwach; der Privatdisfont gab weiter auf 2%% nach, tägliches Geld war zu 2%% reichlich erhältlich. An der Nachbörse tam eine stürmische Steigerung in Warschau- Wiener infolge großer Deckungsfäufe zum Durchbruch.