Und Asquith sprach
Auf Grund diplomatischer Informationen wird uns us Berlin geschrieben: Mit berechtigter Spannung auschte die politische Welt auf die Botschaft, die Albion uf die Frage nach den Folgen des deutschen Eingreiens in Maroffo verfünden werde. In Englands Loga uht zurzeit die Entscheidung über Krieg und Frieden, mo die wohl erwogenen Worte des britischen Premierninifters haben dargetan, daß man sich an der Themse er schweren Verantwortung bewußt ist. Ein Wink ( squiths hätte genügt, um in Frankreich eine gewaltige triegsleidenschaft zu entflammen. Die Aufforderung Delcasses und des neuen Kriegsministers Messimy an England, daß es gemeinsam mit Frankreich Striegsschiffe m die marottanische Südfüste senden möge, haben jeneits des Kanals taube Ohren gefunden. Wäre die Aus= endung eines deutschen Panzerschiffes in die maroffaischen Gewässer zur Zeit der Einfreisungspolitik des Rönigs Eduard geschehen, so wäre der Kriegsfall geeben gewesen. Die viel genannten Chaffepots wären atsächlich hinter dem Vogesenloche von selbst losgeangen. Wenn es noch eines Beweises bedürfte, daß ich die Politit der entente cordiale" verschoben hat, bist er durch die Worte Asquiths erbracht worden. Das Signal zum französischen Rückzuge aus den inneren marottanischen Positionen, die ohne Englands Bustimmung bezogen wurden, ist gegeben. Nicht in Auseinandersegungen mit Heeres- und Flottengewalt wird die verwidelte marotanische Frage geiöst werden, sonbern eine diplomatische Distuiston" soll ein allseitiges Einvernehmen herbeiführen. Das ist der Weisheit letzter Schluß, wie er sich aus der Feinarbeit des englischen Kabinetts ergibt.
Die engen und freundschaftlichen Beziehungen, die Im Laufe der verflossenen Monate zwischen dem Hohenzollernhause und dem englischen Königshause, deren verwandtschaftliches Blut dicker als Wasser ist, fester und fester gezogen wurden, haben in ganz hervorragender Weise dazu beigetragen, die Politik der beiden mächHigsten Völker in eine harmonische Form zu bringen. Eine Orientierung" zwischen Berlin und London Ist der Entsendung des Panther" vorangegangen. Natürlich beschränkt sich die Verständigung auf allgemeine Grundzüge, und die Einzelheiten der Aftion bleiben den Entschlüffen des deutschen Auswärtigen Amtes überlaffen. Ohne sichere Fühlung mit England hätte die äußerst behutsame deutsche Weltpolttit nicht mit dem Schwerte auf den maroftanischen Knoten gehauen. Wenn Riderlen- Wächter ihn auch nicht ganz durchschlagen hat, so lassen sich die Fäden jetzt doch leichter auseinanderziehen. Keine Allerweltskonferenz soll sich von neuem mit dem marottantschen Problem befassen, sondern nur die meist interessierten Mächte werden über eine Verständigung beraten.
Ihre Pflichten aus dem am 8. April 1904 geschlosse= nen Vertrage wird die englische Regierung Frankreich gegenüber erfüllen. England hat es damals übernommen, die französische Marokkopolitik diplomatisch au unterstützen. In Algeciras sind aber die AnSprüche Frankreichs festgelegt. Da die französische Bofitir eigenmächtig darüber hinaus gegangen ist, so vertritt England die neue Lage der Dinge nicht mehr ohne Vorbehalt, sondern wünscht anderweitige Vereinbarungen. Es ist möglich." sagt Asquith, daß die fünftigen Entwidelungen in Maroffo die britischen Interessen diretter berühren, als dies bisher der Fall war." Die englische Regierung ist also nicht mehr geneigt, ganz Marokto ausschließlich Frankreich zu überlassen. Die Interessensphären sollen danach wohl geteilt werden. Auf diesem Boden wird dann allerdings eine Verständigung mit Deutschland möglich sein.
Die Enthüllungen über einen französisch- ma= rottantschen Geheimvertrag haben in England das größte Aufsehen hervorgerufen. Obwohl aus Parts versichert wird, daß ein derartiges Abkommen, welches das Scherifenreich gänzlich in die Hände Frankreichs liefern würde, nicht geschlossen ist, so entspricht das Vorgeben Frankreichs doch dem Inhalt des angeb= Hichen Geheimvertrages. Deshalb begrüßen auch weite Kreise Englands die deutsche Aktion, die nur zu einer endlichen und gerechten Lösung der Maroffofrage beitragen könne.
Weiteres zur Lage.
Die Kölnische Zeitung" erhält aus Tanger die Nachricht, sämtliche einflußreiche Leute aus dem Sus, dem Hinterlande von Agadir, haben an den deutschen Sonful einen Brief gerichtet, worin sie ihr Einver ständnis und ihre Genugtuung darüber erklären, wenn Deutschland Sas unter seinen Schutz stellen follte. Der russische Botschafter in Berlin sprach geftern im Auswärtigen Amte vor und hatte eine längere Unterredung mit dem Staatssekretär von RiderlenWächter. Wie verlautet, bezva fich die Unterredung auf die Marottofrage. Der russische Vertreter batte den Auftrag, fich in freundschaftlicher Weise über die Absichten der faiserlichen Regierung zu erfundigen.
10)
Jugendfreundschaft.
Roman von G. v. Schlippenbach.
Des Kaisers politische Lektüre.
Aus Kiel wird dem„ Deutschen Boten" von besonberer Sette" geschrieben: Unmittelbar vor Antritt seiner Nordlandreise hat der Kaiser wieder Order gegeben, daß ihm eine reiche Auswahl führender politischer Tageszeitungen der verschiedensten Parteischattierungen nachgesandt wird. Es ist ja befannt, daß der Kaiser sich durchaus nicht etwa auf die Lektüre der für ihn gesam melten und gesichteten Zeitungs a usschnitte beschränkt, sondern es liebt, sich bestimmte, und zwar nichts weniger als einseitig ausgewählte Blätter un= zerschnitten vorlegen zu lassen. Wenn aber im Drange der Regierungsgeschäfte und repräsentativen Verpflichtungen zu anderen Seiten oft nicht die Möglichkeit zu eingehender Leftüre der verschiedenen Bartelorgane übrig bleibt, so legt der Kaiser um so mehr Wert darauf, die Muße der Nordlandreise zu benutzen, um sich persönlich aus den unzerschnittenen Zeitungen über die Stimmungen in den verschiedenen Parteilagern und Voltsschichten zu unterrichten. Gerade auf der Nordlandreise gehört die Zeitungsleftüre nicht zu den letzten Beschäftigungen des Monarchen- es wird ihr im Gegenteil während dieser Wochen ein besonders reichliches Zeitmaß gewidmet. Außerdem be= gleitet den Kaiser stets eine aus allen wichtigen Preßstimmen des In- und Auslandes zujammengestellte sogenannte Fürstenforrespondenz", so daß von einer einseitigen Unterrichtung des Kaisers über die Aeußerungen der Preise durch eigens für ihn etwa unter allen möglichen höftschen Rücksichten sorgfältig sortierte und frisierte" Zeitungsausschnitte in Wahrheit keineswegs die Rede sein kann.
( Nachdruck verboten.) Bitte, schreibt uns bald,- jetzt in der Weihnachtszeit denkt man mehr als je an die fernen Lieben und hat Sehnsucht, aber Deine vernünftige Aelteste darf diesem Gefühl nicht nachgeben. Tausend Gritße Euch allen; die Jungen sollen ihre Kleider schonen, Du mußt fie jetzt allein flicken. Dir und Vater füffe ich die Ileben Hände. Ach fa! ebe ich vergesse, schicke mir in Deinem nächsten Brief das Maß der beiden Schwestern, tch möchte ihnen Kleider machen. Eure Euch liebende Tochter Lina Grotenbach."
Thekla lächelte, als sie den Brief gelesen; ihre praftische Welteste mit dem guten, unschönen Gesicht stand ihr so lebhaft vor Augen.
Evas Brief lautete wie folgt:
" Mein einzig liebes, goldenes Mutting!
Da sind wir nun im herrlichen Berlin, mir kommt es oft unglaublich vor und ich denke dann, daß ich wieder in meinem engen Stübchen zu Hause erwache. Obgleich es hier so schön ist, muß ich zuweilen weinen; denn ich habe besonders in der Weihnachtszeit namenTose Sehnsucht nach Euch allen, besonders aber nach Dir, Mutti; dann füsse ich Dein Bild und sage ihm tausend zärtliche Worte. Ich sebe alles deutlich vor mir, bie alten trauten Stuben, Dein Nähtischchen in der Fensternische, die Blumen, die ich so gern pflegte; ich höre das Ticken der Schwarzwälderuhr, es ist zwölf, Adam und Kurt kommen aus der Schule, da springt der Kuckuck aus dem Türchen und ruft. Es erinnert mich an viele frobe, glückliche Stunden daheim.
Am deutlichsten sehe ich Dich, mein Mutting, ich fehe den großen Korb Flickwäsche; wie fleißig regen ich Deine Iteben Finger. Jetzt fällt es mir schwer aufs Berz, daß ich oft recht ungeduldig war, besonders wenn
Rundschau vom Cage.
Politisches.
Herrn von Kröchers Nachfolger. Herr Jordan von Kröcher will endgültig auf den Präsidentenposten im preußischen Abgeordnetenhause verzichten, da thn das schwierige arbeitsreiche Amt allzusehr in Anspruch nimmt. Die konservative Fraktion hat sich allerdings mit diesem Entschlusse noch nicht völlig abgefunden, und verschiedene Freunde des bisherigen Präsidenten bemühen sich noch, ihn zu bewegen, seinen Verzicht auf eine Wiederwahl zurückzunehmen. Es wird auch nicht leicht sein, für Herrn von Kröcher einen geeigneten Nachfolger zu finden, da auch in der kommenden Sesflon scharfe Auseinandersetzungen in der preußischen zweiten Kammer zu erwarten sind. In parlamentartschen Kreisen werden, so erfährt die N. G. C.", als aussichtsreichste Kandidaten für den Präsidentenposten Herr von Arnim- Züsedom, Freiherr von Erffa und Freiherr von Richthofen genannt.
Der Großherzog von Hessen über die Reichsfinanzreform. Der hessische Landtag wurde am Freitag durch den Großherzog geschlossen. Der Großherzog verlas eine Thronrede, in der es unter anderem über die Finanzlage des Landes heißt, daß diese in der Zeit seit Beginn dieser Tagung sich gebessert habe. Zu fener Besserung habe erheblich die Neuordnung der Reichsfinanzen, und zwar insofern beigetragen, als sie die etgenen Einnahmen des Reiches stärker vermehrte und damit für die Bundesstaaten die Gefahr wesentlich vermindert habe, durch Steigen ungedeckter Matrikularbeiträge allzu sehr in Anspruch genommen zu werden. Besonders erwähnt die Thronrede wetter das Wachsen der Ueberschußteile aus der preußisch- hessischen Eisenbahngemeinschaft. Erneut bestätige diese Tatsache den hohen Wert der Gemeinschaft.
Zentralverband und Han'abund. Wie verlautet, hat das Mitteldeutsche Braunkohlensyndikat G. m. b. H. mit dem Sitz in Leipzig beschlossen, aus dem Zentralverbande deutscher Industrieller auszutreten. Der Austritt ist eine Folge der Stellungnahme des Zentralverbands gegen den Hansabund.
Eine sozialdemokratische Marokkointerpellation wurde in der gestrigen Sitzung der württembergischen Abgeordnetenkammer verhandelt. Der Präsident verlas ein Schreiben des Ministerpräsidenten von Weizsäcker, der dem Hause mitteilte, daß er zurzeit nicht in der Lage set, die gestellte Frage zu beantworten, daß er aber später einen Zeitpunkt bestimmen werde, zu dem er auf die Anfrage zu antworten bereit sei. Unter allgemeiner Heiterkeit des Hauses erklärte der Präsident, daß damit eine Besprechung der Anfrage gegenstandslos_set.
Portugal vor dem Sturm? Der Lissaboner Korrespondent einer englischen Telegraphen- Gesellschaft telegraphtert aus Badajoz, wohin er reiste, um der strengen Zensur zu entgehen, die Führer der Monarchisten,
die Brüder so große Löcher in die Socken einrissen. Adam sagte:„ Die von Eva gestopften Strümpfe sind schrecklich, als wären sie voll Steine." Mein lieber, Kleiner Adam, ich würde es gern wieder tun und mir mehr Mithe geben.
Nun will ich Dir aber über mein Leben hier schreiben.
Es geht mir gut, so gut es mir fern von Euch gehen fann. Tante Anna liebe ich sehr, sie ist so Iteb gegen mich, besonders wenn sie merkt, daß ich Heimweh habe.
Mit Karla tetlen wir alles: jeden Gedanken, das heißt, sie sagt mir, was ihr durch den Kopf geht, ich fann es aber nicht, mir ist's, als mitßte ich das Beste für mich behalten. Lieber schreibe ich es nieder und oft merke ich es kaum, daß es Verse werden. Wie kommt das, Mutti? Wir haben viele Stunden und ich nehme Musikunterricht bet einem Professor des Nonfervatoriums. Er spielt selbst herrlich, ich schwärme für tbn!!! Er hat ganz weißes Har und ist sechzig Jahre alt. Literatur haben wir bei Herrn Hammer; er ist ein Schriftsteller und hat schon ein Buch geschrieben; denke doch, wie interessant das ist. Er muß sehr unglücklich sein, er hat so traurige Augen. Tante Anna fitzt immer mit ihrer Arbeit dabei, wenn Herr Hammer uns Stunden gibt. Sie erzählte uns, daß seine Junge Frau in der Frrenanstalt ist, nun tut er mir noch mehr leid, der arme Mensch.
Die Stadt prangte jetzt im Winterschmuck; ich fann mich an den Prachtbauten nicht satt seben; wir besuchten die Ruhmeshalle und die Bildergalerien, oft feblen mir die Worte, so begeistert bin ich. und manches Mal sprudle ich über und mache dem Entzücken Luft.„ Sachte, fachte, Kind," sagt Tante Anna,„ Du bewegst Dich nur in Extremen, Lina ist viel rubiger und verständiger." Ja, Lina, wer so wie sie sein könnte!
von denen einer der Privatsekretär des Prätendenten Dom Miguel ist, hätten ein wichtiges Manifest er Iaffen, in welchem sie erklärten, Dom Miguel und König Manuel hätten sich jetzt die Hände gereicht und forderten alle Monarchisten auf, die Waffen zu ergreifen, um die Monarchie wieder herzustellen. Auch werde ferner gemeldet, daß die Monarchisten in Brasilien große Summen zum Ankauf eines Kreuzers geschickt hätten und daß in England versucht werde, ein Kriegsschiff zu faufen.
Ich bin febr alücklich, sie hier zu baben; es ist wie
Castro in Venezuela? Aus Washington wird ge meldet, das Staatsdepartement ist benachrichtigt wor den, daß der frühere Präsident Gastro verkleidet in Venezuela gelandet set. Die venezolanische Regierung hat bereits zahlreiche Freunde Castros verhaftet.
Kleine Nachrichten.
Prinz Adalbert von Preußen, der dritte Sohn des deutschen Kaisers ist zur Kur in Marienbad eingetrof fen und wohnt dort unter dem Namen Graf Hohen stein.
Bom Dentschen Rundflug. Wincziers traf von Nordhausen nach einem Flug von 35 Minuten gestern um 8 Uhr 19 Min. in Halberstadt ein, König um 9 Uhr. Hanuschte und Hoffmann mußten bei einbrechender Dunkelheit vorzeitig niedergehen. Hanuschke wurde beim Niedergehen leicht am Stopf verletzt und der Apparat beschädigt. Jeannin hat den Start endgültig aufgegeben.
Die Automobile der Prinz Heinrich- Fahrt sind Freitag nachmittag in Bremerhaven eingetroffen. Die Ueberfahrt nach England erfolgte heute vormittag mit dem Lloyddampfer Großer Kurfürst".
Dem Dichter des Liedes König Wilhelm saß ganz heiter", Geh. Sanitätsrat Wilrod Kreusler, wird am 16. d. M. in Arolsen ein Denkmal in Gestalt eines Monumentalbrunnens errichtet. Das Lied ist, wie unsere Leser wohl wissen, während des Deutsch- Französischen Krieges entstanden und lange Jahre hindurch allgemein gesungen worden.
Die fönigliche Landesturnanstalt in der Friedrichstraße in Verlin wird in diesem Herbste nach Spandau übersiedeln, wo thr bedeutend größere und zweckentsprechendere Räume zur Verfügung stehen werden. In dem neuen Heim sollen Eskaladier- Uebungen und Rudern in den Lehrplan aufgenommen werden.
Wintertemperaturen im Thüringer Wald. Auf den Höhen des Rennsteigs im Thüringerwald ist die Tem peratur in der letzten Nacht auf 5 Grad unter Null gefunten.
Die russische Barenfamilie wird, wie die„ Frts. 3tg." hört, den für den Sommer in Aussicht genom menen Besuch in Friedberg unterlassen. Die Barin, die wie im Vorjahre die Nauheimer Kur gebrauchen wollte, nimmt im Schloß Peterhof, wo das Barenpaar gegenwärtig weilt, als Erfazz Bäder nach Nauheimer Art.
Ein Bäderstreit droht in Leipzig auszubrechen. Nachdem die Verhandlungen zwischen den Meistern und den Gehilfenorganisationen gescheitert sind, beschloß eine von 500 Bäckergesellen besuchte Versammlung, gm Sonnabend in den Ausstand zu treten. Die Gesel len fordern Lohnerhöhung und Aufhebung des Kostund Logiswesens.
Der Seemannsstreit scheint jetzt auch nach Hamburg überzugreifen. Die Settton der Schauerleute hat beschlossen, ankommende Schiffe, die infolge des Streits ihre Ladung in Holland nicht löschen konnten, auch hier nicht zu entladen.
Der Expreßzug Havre- Paris ist bet der Ausfahrt. aus dem Bahnhof Mantes entgletst. Der Postwagen' und der Packwagen wurden zertrümmert. Der Zugfüh rer, zwei Beamte und drei Reisende wurden verwundet.
40 000 schwedische Bauarbeiter ausgesperrt. Nach dem gestern die Vergleichsverhandlungen im Baugewerbe definitiv gescheitert sind, tritt Montag die Aussperrung von 40 000 Bauarbeitern bet allen Arbeitgebern Schwedens ein.
Ein Banunglück ereignete sich Freitag abend in Chemnitz. Bei dem Erweiterungsbau des städtischen Elektrizitätswerts stürzte eine Mauer ein. Ein Arbetter war sofort tot, drei sind schwer verlegt.
Durch Betrügereien einer oberschlesischen Firma sollen große oberschlesische Gruben und Hütten bei Lieferung von Del, Teer usw. um mehrere hunderttausend Mart geschädigt worden sein. Zahlreiche bestochene Wertbeamte feten entlassen worden. Andererseits soll ein langjähriger Angestellter der betrügerischen Firma seinem Chef waggonweise Waren unterschlagen und da- y mit einen schwunghaften Handel betrieben haben. Die Staatsanwaltschaft hat eine Untersuchung eingeleitet.
Eine gewaltige Size herrscht auch in England. In London stieg das Thermometer gestern auf 35 Grad Celsius im Schatten. Auf dem Lande war die Hize nur um wenige Grad geringer. Es war seit vielen Jahren der heißeste Tag, den England erlebte. Mehrere Fälle von Hizschlag sind zu verzeichnen.
ein Stück Heimat. Wenn ich mich allzusehr heimsehne, so gehe ich zu ihr und wir reden von euch Lieben. Nachmittags fahren wir oft spazieren; es geht dann durch den Tiergarten, der Schlitten fliegt dahin, von Tante Annas Rappen gezogen; wie gern hätte ich Dich und die Geschwister neben mir, thr kennt solche köstliche Fahrt nicht.
Ich danke euch allen für eure Gaben zu Weihnachten und Väterchen für die zehn Mart.
Ist das Haus auch nicht zu weit ohne Lina und mich? Tausend Grüße den Geschwistern, euch, lieben Eltern füßt die Hände eure euch unbeschreiblich liebende Tochter Evchen.
NS. Lina sagt, ich soll nicht zu viel schreiben, um das Porto zu sparen. Klärchen soll Irma aus meinem Märchenbuch vorlesen, wie ich es früher getan habe. Noch einen besonders innigen Kuß für Dich, mein gol denes Mutting, ehe ich den Brief schließe. Dein Evchen.
Biertes Kapitel.
Nach dret Jahren.
Die Zeit floß dahin; drei Jahre haben sich von der Lebensspindel abgesponnen, seit an jenem Weihnachtsabend die Briefe Evas und Linas geschrieben wurden. Die dahineilenden Monate haben noch mehr Silberfäden durch das Haar der älteren Leute gezogen, die Sorgenfalten vertieft, aus den Kindern sind Erwachsene geworden, der Jüngling ist zum Mann gereift, der mitten in der Arbeit eines schweren Berufs steht.
( Fortsetzung folgt.)
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