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Reichs- und Bundesstaatsfinanzen.

Das kaiserliche Statistische Amt veröffentlicht eine Dar­stellung der Finanzen des Reiches und der deutschen Bune desstaaten. Insgesamt betragen die Staatsausgaben nach den Voranschlägen der Bundesstaaten 5869 Millionen Mark, darunter außerordentliche 269 Millionen, für das Retch 3032, darunter außerordentliche 191 Millionen. Die Staatseinnahmen belaufen sich in den Bundesstaaten auf 5852 Millionen, im Reich auf 3032 Millionen Mark, da­runter außerordentliche 334 Millionen bezw. 191 Millionen. Unter den ordentlichen Ausgaben und Einnahmen der Bundesstaaten stehen die Erwerbseinkünfte mit 2848 bezw. 8742 Millionen Mark an erster Stelle. Der Hauptanteil entfällt auf die Staatsetsenbahnen mit 2082 bezw. 2718 Millionen. Die ordentlichen Ausgaben und Einnah­men des Reiches an Erwersanstalten mif 756 bezw. 872 Min. Mark entfallen hauptsächlich auf Post und Telegra= phie mit 640 bezw. 702 Millionen und die Eisenbahnen mit 106 bezw. 122 Millionen. Die nächstwichtigen Einnah­mequellen bilden Steuern und Zölle. Die Bundes­staaten erheben an direkten Steuern 726, an Aufwands­steuern 108, Verkehrssteuern 105 und Erbschaftssteuern 30 16 Millionen Mart. Das Retch bezieht aus Zöllen 760 Millio nen, aus Aufwandssteuern 642, aus Verkehrssteuern 208 und aus der Erbschaftssteuer 34 Millionen Mark. Die fun­Tisdierten Staatsschulden beziffern sich zu Beginn des Rechnungsjahres 1910 für die Bundesstaaten auf 14 729 Millionen, darunter Preußen 8777, für das Reich auf 4557 Millionen Mark.

Soldaten als Erntehelfer.

Solz. Die Festrede hielt der bekannte Nationalökonom Prof. Dr. v. Wenckstern über Arbeiterbewegung und So­zialdemokratie", in der er die Sozialdemokratie als eine Gefahr für die gesamte Arbeiterbewegung bezeichnete, da durch deren radikales Vorgehen bei den staatlichen und bürgerlichen Parteien der Verdacht entsteht, daß die In­ternationale im geeigneten Momente auch die auf staat­lich- christlichem Boden stehende Arbeiterschaft mit sich reißen könne. Deshalb gipfelte seine Rede in dem Appell: Mögen die evangelischen Arbeiter Schulter an Schulter mit dem Staate die Sozialdemokratie mit ihrer irrtüm­lichen Auffassung der Entwicklung bekämpfen und dem Staate und Bürgertum Gerechtigkeit widerfahren lassen, um auf geordnetem Wege das ihnen zustehende Recht zu fordern innerhalb der Volksgesamtheit.

Der firchlich- soziale Kongreß, der zurzeit in Nürnberg tagt, nahm die folgende Resolution an: Der 16. kirchlich­soziale Kongreß bezeichnet es als eine erfreuliche Erschei­nung, daß unter Führung süddeutscher Staaten den Staats­arbeitern und Staatsunterbeamten weitsichtig das Orga= nisationsrecht gewährt worden ist. Der Kongreß ist der Ueberzeugung, daß die im Dienst erforderliche Diszi­plin dadurch nicht gebrochen wird, sondern gestärkt werden tann. Voraussetzung dazu ist, daß die Verbände durch ei­nen christlich- nationalen Getst bestimmt werden."

Die Petitionstommission des Reichstags hat in der zweiten Session der gegenwärtigen Legislaturperiode( 1909 bis 1911) im ganzen 1494 Petitionen bearbeitet. Es wur­den dem Reichskanzler zur weiteren Veranlassung 378 Pe­titionen überwiesen, über 63 Petitionen wurde zur Tages­ordnung übergegangen, 15 wurden andern Kommissio­nen überwiesen, 15 Petitionen für erledigt erklärt, 518 Petitionen für ungeeignet zur Erörterung im Plenum er­achtet. Unerledigt sind 163 Petitionen, die von der Peti­tionskommission im Herbst beraten werden.

Die Bestimmungen über den Urlaub, den Soldaten sid als Erntehelfer erhalten können, haben, dem Vernehmen nach, in einzelnen Punkten Abänderungen erfahren, die den beteiligten Stellen von den Generalfommandos mitge­tellt worden sind. Ihre neue Fassung ist im wesentlichen folgende: Die Beurlaubung von Mannschaften zur Ernte­shilfe darf nur dann erfolgen, wenn in der betreffenden Ge­gend Arbeitermangel herrscht, und die Landwirte sonst nicht in der Lage wären, die zur Abwickelung der Ernte notwen­digen Arbeiter zu beschaffen. Ueber das tatsächliche Be­stehen eines Arbeitermangels muß eine amtliche Dring­lichkeitsbescheinigung eingereicht werden, die von der Po­Itzeibehörde des betreffenden Ortes auszustellen ist, und in 1190 der auf die Notwendigkett militärischer Erntehilfe hinge­wiesen wird. Liegt diese amtliche Bescheinigung über Ar beitermangel vor, dann kann Ernteurlaub bewilligt wer op den. Jeder einzelne Mann darf im Höchstfalle nur vier­zehn Tage von den Truppen beurlaubt werden. Eine Ver­pflichtung zur Leistung von Erntebethilfe besteht für die 190 Mannschaften nicht. Es ist darum von einer Kommandie­arierung von Ernteurlaubern abzusehen und nur eine Anfrage ( bilgan die Truppen zu richten, ob sie sich freiwillig dazu mel­ben wollen. Die Gesuche um Bewilligung von Ernteur­Taubern müssen durch Vermittelung der Landwirtschafts­19 kammern schriftlich eingereicht werden. Die Miltärverwal­Dung betont, daß den Landwirten die Soldaten bet Mangel an Arbetskräften gern zur Verfügung gestellt werden. Die Landwirte müssen sich aber schon bet Einreichung ihres An­fuftrages dazu verpflichten, den Soldaten einen Tagelohn von 160 mindestens 3 Mark zu gewähren. Dazu kommt noch die Verpflegung, Wohnung und frete Hin- und Rückfahrt, so daß den Soldaten hierdurch keinerlei Unkosten entstehen. Weiter müssen sich die Landwirte verpflichten, für Unfälle, holdte während oder durch die Erntearbeit den beurlaubten Der 19 Mannschaften zustoßen sollten, voll aufzukommen. ( Heeresverwaltung dürfen durch die Beurlaubung von Ern­febethelfern keinerlei Unannehmlichkeiten oder Unkosten entstehen. Die Gesuche müssen rechtzeitig eingereicht werden, O damit über die sich freiwillig meldenden Mannschaften schon jezt sachgemäß verfügt werden kann. Man darf sich wohl puder Hoffnung hingeben, daß diese Bestimmungen in weit­herziger Weise zur Ausführung gelangen.

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unibrid Rundschau vom Cage.

1992 pulisidle on Politisches.

Rennbahn von 11 Meter Brette mit erheblichen Kosten her. gestellt. Die Krönnngsfestgabe der den Vornamen der Königin führenden Frauen in den britischen Besitzungen ist der Königin Mary überreicht worden. Sie besteht in einem Scheck von 246 000 Mart.

Der schnellste Eisenbahnzug in Deutschland fährt jetzt von München nach Nürnberg. Er durchmißt, 8 1hr 23 Minuten vormittags abfahrend, die 198,63 Kilometer lange Strecke mit 88,72 Kilometer Durchschnittsgeschwindigkeit und kommt um 10 Uhr 38 Min. vormittags in Nürnberg an, nachdem er streckenweise 105 Stundenkilometer gemacht hat. Das Ende des Berliner Bäckerkrieges ist gekommen. Eine außerordentliche Versammlung der Bäcker- und Kon­ditorgehilfer von Berlin und Umgegend erklärte den Streit für beendet. Von 8400 in Betracht kommenden Bäckereien mit etwa 7000 beschäftigten Bäcker- und Konditorgehilfen haben 2220 Betriebe mit 4608 Gehilfen Tarifverträge auf Grundlage der Forderungen der Streifenden abgeschlossen. Die Firma Krupp in Essen hat dieser Tage das 50 000. Geschützrohr fertiggestellt und an das Reich abgeltefert. Aus diesem Anlaß hat der Kaiser an eine Anzahl Beamte der Kruppschen Werke Ordensauszeichnungen verliehen.

Präsident Taft über die Deutsch- Amerikaner. Präsi­dent Taft richtete an die evangelisch- lutherische General­synode in Washington ein Schreiben, in dem darauf hin­gewiesen wird, in welchem Umfange die Entwicklung Ame­rikas durch die evangelisch- lutherischen deutschen Staats­bürger und die Deutschen im allgemeinen gefördert worden ist. Die Deutschen, die in den Jahren 1848 und 1849 nach Amerika ausgewandert seien, waren Männer von unab­hängiger Gesinnung und starkem Charakter, sie haben die Führer der Amerikaner geliefert, die im Bürgerkriege für die Freiheit gekämpft und die Sklaverei ausgerottet haben. und die daher auf ihre Geschichte mit großem Stolz zurück­blicken können.

19 Die Dispositionen der Kronprinzenreise nach England dfind folgende: Der Panzerkreuzer v. d. Tann" wird am 18. d. M. in Vlissingen bereit liegen, um das Kronprinzens paar zur Ueberfahrt nach Port Victoria aufzunehmen. Von midort wird die Reise nach London mit der Eisenbahn fortge= Tonio legt. Die Dauer des s Aufenthalts des Kronprinzen, der sbild in offizieller Mission zur Krönung des englischen Königs­paares in London weilen wird, wird durch die Ausdehnung der vorgesehenen Feierlichkeiten bestimmt. Nach Beendt­gung derselben, voraussichtlich am 23. oder 24. des Monats ( b) ist die Rückkehr auf dem v. d. Tann" nach Kiel vorgesehen, goi wo dann die Kieler Woche stattfindet.

end

Eine Kabinettskrisis in Belgien. Wie aus Brüssel gedrahtet wird, hat das Kabinett seine Entlassung ge­geben. Die unmittelbare Veranlassung hierzu ist der von den Liberalen und Sozialisten stark bekämpfte Schulgesetz­entwurf. Der König hat die Demission des Kabinetts angenommen.

Die Delegierten der evangelischen Arbeitervereine in in Deutschlands tagen gegenwärtig in Leipzig. Die sächsische und die preußische Regierung haben Vertreter entsandt. 390 H Glückwunschschreiben sandten u. a. Reichskanzler v. Beth­mann Hollweg, die Minister Sydow, Dallwig, Trott zu 41 19

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3wei Kirschen an einem Stengel.

Feuer in einem Kurhotel. Das Kurhotel Mann" in Rhöndorf ist nach einer Meldung aus Bonn in der Nacht zum Donnerstag größtenteils niedergebrannt. Der zahl­reichen Kurgäste bemächtigte sich eine Panik. Sie konnten nur notdürftig bekleidet ins Freie flüchten.

Den Zechgenossen erstochen. Die Bergleute Schlanstedt undKorkowskt hatten an einer Geburtstagsfeier in Kreis­feld bet Eisleben teilgenommen. Hter hatte Schlanstedt dem Korkowskt, der ihn hänselte, eine Ohrfeige gegeben. Korkowski lauerte darauf dem Schlanstedt auf dem Nach­hausewege auf und tötete ihn durch einen Stich in die Schläfe.

Der antigriechische Boykott in den türkischen Häfen ist von neuem aufgeflammt infolge der beunruhigenden Meldungen von einer zunehmenden Spannung zwischen Griechenland und Montenegro einerseits und der Türkei anderseits. Die griechischen Schiffe werden nicht nur ver­hindert, ihre Ladungen zu löschen; türkische Händler dür­fen auch keine griechischen Angestellten mehr bei sich be­halten, sondern müssen diese kurzerhand entlassen, wenn sie sich nicht selbst dem Boykott ihrer fanatischen Mitbürger aussehen wollen.

Ein fiebenjähriger Totschläger. Im rheinischen Orte Wickrath gerieten zwet Knaben im Alter von 6 und 7 Jah­ren miteinander in Streit, worauf der ältere nach Hause eilte, den Revolver seines Vaters holte, und den sechsjährt­gen Knaben niederschoß. Der Junge war sofort tot.

Madero als Triumphator. Madero hat einen Auf­ruf an die Bevölkerung gerichtet, in dem er die Hoffnung ausspricht, die mexikanische Revolution werde die Völker Süd- und Mittelameritas veranlassen, nach der politischen Freiheit zu trachten. Der Geist der Freiheit sei noch nicht befriedigt. Wir alle," fährt die Adresse fort,, werden nicht glücklich sein, bevor nicht die Demokratie auf dem ganzen amerikanischen Festland zur Herrschaft gelangt ist.

Roman von A. von LiItencron. -1926) ( Nachdruck verboten.) 1901 Das Zusammenbrechen seiner Frau war auch für den Urheber dieser Szene ein peinlicher Augenblick. Er sprang zu, hob sie auf und legte sie samt dem kleinen Flidenbün­1 min del, das sie nicht aus den Armen gelassen, auf ihr Bett, dann holte er die Nachbarin, eine verständige Matrone, bow die sich der jungen Frau in ihrem Wochenbett angenom Tod men hatte. Nun aber, als er Käthe versorgt wußte, hielt tronizer den Anblick ihres Gesichts, das etwas Bersteinertes an fich trug, nicht länger aus. Er hatte sich so in die Wut hineingearbeitet über die Enttäuschung wegen des Gel­des, daß er das dringende Bedürfnis empfand, seinen Ge­danken im Kreise der Freunde Ablenkung zu verschaffen.

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Kleine Nachrichten.

Selbstmord einer 92jährigen. In Wildenfels i. S. Hat die älteste Einwohnerin der Stadt, Frau Friederike Rich­ter, im Volksmunde die Schmitter Riefe" genannt, sich durch Erhängen das Leben genomemn. Die Greisin feierte im Mai ihren 92. Geburtstag.

Die Ueberführung des Prinzen Joachim vom Kabt­nettshaus in Potsdam nach dem Neuen Palais hat gestern abend in einem Krankenwagen des königlichen Marstalls stattgefunden. Die Kaiserin hatte persönlich die vorsorg­Itchsten Anordnungen getroffen.

In dem kleinen Privatzimmer der Restauration würde heute tüchtig gezecht, und der Gastwirt übertraf sie alle. Er ließ sich auch bereit finden, ein Spielchen zu machen, und ging wie ein Tollkühner beim Sehen darauf los. Hoch­gradig erregte Gemütsstimmung, Bier, Wein und Spiel, das zusammengenommen, versezten ihn in einen solchen Rausch, daß er nicht mehr wußte, was er tat. Als der fahle Morgen die

Julius eine Summen vom Spieltische trieb, hatte

Volkswirtschaftliches.

Großstadtfinder. Der Tätigkeitsbericht der Berliner Schulärzte über das letzte Berichtsjahr 1909/10 ist von Sanitätsrat Dr. Paul Meŋer erstattet worden. Die wich­tigste Angabe daraus ist folgende: 34 522 Schüler wurden zur Aufnahme in die Gemeindeschule angemeldet. Davon mußten 3024 wegen förperlicher und geistiger Gebrechen völlig zurückgestellt und 8361 sofort in ärztliche Ueberwa­chung genommen werden. Es ergab sich also, daß von allen Schulanfängern der dritte Teil nicht mehr gesund war. Was soll aus solchem Geschlecht werden, das doch nun erst zu leben und zu arbeiten beginnen soll?

Prinz Max von Baden, Generalmajor und Komman­deur der 28. Kavalleriebrigade, ist aus dem aktiven Milt tärdienst ausgeschieden. Das Gesuch des Prinzen um Ent­hebung von seinen militärischen Pflichten wird mit den Aufgaben begründet, die ihm als Präsident der ersten ba­dischen Kammer erwachsen.

Zur Erinnerung an die Hundertjahrfeier des Turn­plages auf der Hasenheide bet Berlin haben die Berliner Turngaue einen Granitfindling aus dem Grunewaldplay ' mit einer Inschrift vor dem Denkmal aufgestellt und eine

die guten Freunde verloren, über die er sich selbst nicht tlar war.zumit schwerer Zunge ver­Aicherte er den Fortgehenden, daß er das Geld binnen vier­undzwanzig Stunden von ihnen wieder holen würde. Frau Käthe lag im Fieber, es fonnte noch Wochen dauern, che sie wieder ihren Platz im Hause ausfüllte, hatte der Arzt gesagt, und das bewog ihren Mann, die Schwieger­mutter herzurufen, die nun gut oder übel die junge Frau

vertrat.

Aus den Gerichtssälen.

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Die Margarinevergiftungen vor Gericht. Vor dem Schwurgericht in Altona begann am Donnerstag die Ver­handlung gegen den Margarinefabrikanten Johann Hein rich Mohr aus Altona wegen der Margarinevergiftungen, die im November v. J. so großes Aufsehen erregten und Beunruhigung hervorriefen. Die Sachverständigen, über 20 an der Zahl, haben auf den Geschworenenbänken Plaz genommen. Zur Anklage erklärte Mohr: Ich habe einen früheren Betrieb wegen schlechter Geschäftsdispositionen aufgeben müssen, wobei Verluste von über 3 Millionen entstanden sind, die jedoch zum größten Teil bereits ge deckt sind. Ich habe auch einmal in Berlin einen Betrieb gehabt, der aber, da das Verfahren noch nicht genügend ausgebildet war, scheiterte. Mein jeziger Betrieb ist 1905 gegründet. Von 1905 an habe ich überwiegend Pflanzen­fett verwandt, das ich aber schon in raffiniertem Zustande gekauft habe. Erst später bin ich dazu übergegangen, Fett selbst zu raffinieren. Seit 2 bis 3 Jahren war nicht mehr genug Kokos: und Palmkernfett vorhanden und ich mußte dazu übergehen, Ersatz zu suchen. Das Fett wurde einer Probe auf Geschmack und Geruch unterzogen und diese fiel gut aus. Es wurde nach dem gewöhnlichen Verfahren raf finiert, damit die Fettsäure entfernt werde. Vors.: Haben Sie feine Erfundigungen eingezogen, wie das neue Mit tel wirft? Das muß doch einen Fachmann interessieren. Angekl.: Ich habe nie gehört, daß raffiniertes Fett jemand schaden könnte.- Der Vorsitzende verliest darauf ein Zir­tular der Firma Mohr an das Publikum. Darin wird ausgeführt, daß die Margarine nicht durch Agenten, son­dern direkt vertrieben wird und daher billiger sein könne, als die der Konkurrenz. Es wird dem Publikum noch ein Gratismuster in Aussicht gestellt; insbesondere wird die

in eine Stimmung geraten war, die Frau Amrum nötigte, ihm aus dem Wege zu gehen, um böse Auftritte zu ver­meiden. So lange ihre Tochter noch durch starkes Fieber an das Bett gefesselt war, hütete sich die Mutter, ihr gegenüber irgend eine Bemerkung zu machen; als aber nach etwa vier Wochen Frau Käthes durch und durch ge­sunde Natur die Krankheit überwunden hatte, da ent­schlüpfte der Mutter doch ein Wort des tiefsten Mitleids.

Frau Amrum, ahnungslos, wie sie die Verhältnisse hier treffen sollte, war entsetzt über die Lage der Dinge und fühlte sich völlig machtlos dem Schwiegersohn gegen­über, der durch Enttäuschung, Zechgelage und Spielverluste

Min armes Kindel, hätt's nimmer denke funnt, daß der Julius so a Wüschter wär," seufzte ste und strich über den lockigen Scheitel der Tochter.

In das blasse Gesicht der jungen Frau stieg ein feines Rot. Laß gut fin, min Mutterle, der Julius brukt ine, die alle Tage nach ihm sehen tut. Samstag fumm ich alline widder herunter, dann wirds besser werde."

Frau Amrum ließ sich nicht beruhigen. Bruft he es denn glix so düll anzustelle," schalt sie, he smit det Geld rin ut de Fenster."

Ein gequälter Ausdruck trat in die Züge der jungen Frau. Mutterle, Julius dät hüt mit mi spreche. In Bekannter wüll ihm de Gastwirtschaft ablöpen, und min Mann wüll sich nach iner Stelle beim Magistrat umsehe. Mir ist dat liew, sehr liew, dann is nit so vill Versuchung für ihn zum Trinte.

Sie hatte die letzten Worte nur ganz leise gesprochen, aber die Mutter hatte sie doch verstanden.

,, Wannst wi das hätt wisse däten, daß he so a Minsch was, rutsmieten hätte wer thn mit sin Schönduerei," er­eiferte sie sich.

Leise legte die Tochter ihr die Hand auf den Arm, Mutterle, es is halt nun, wie's is. Wenn inem a Dorn im Flesch sitzen dut, süll man ihn nit noch tiefer hinein­drucke, sonsten is noch a größer Wehdat. Just so geihts mi, wannst Du so spreche dust, dann druckst mi de Stachel immer tiefer in."

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Die junge Frau schüttelte den Kopf. Onkel Leberecht seggt, uthalten möt man, tapfer bliewen und sinen Herr gott anflehen, dat er sin armet kindel beisteht." Frau Amrum sagte nichts, sie machte sich mit der Kleinen zu schaffen, damit die Tochter nicht sehen sollte, daß ihr helle Tränen über die Backen liefen. Wie brav die Kathi sprach, wie brav! Ja, wahrhaftig, die hätte einen andern Mann verdient, dachte sie bei sich.

,, Utreiße fallst dat Ding," erklärte Frau Amrum, sun­sten schindst Dich hier noch zu Dod!"

Am Samstag zeigte sich Frau Käthe wieder unten, am Sonntag wurde eine ganz stille Taufe gefeiert, und tags darauf kehrte Frau Amrum bekümmerten Herzens in ihr Dorf zurück.

Gleich nach ihrer Abreise suchte Julius seine Frau auf. Wie immer, wenn es sich um den Geldpunkt handelte, war er aufgeregt und übellaunig.

Er setzte sich nicht, sondern blieb an das Fensterkreuz gelehnt stehen.

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Du weißt, daß ich bestimmt auf die 25 000 Mart rechnete," hob er an, nun wir damit reingefallen sind, bleibt nichts anderes übrig, als die Wirtschaft zu vers taufen. Weiß der Kuckuck, ich könnte dabei mehr heraus­Schinden, wenn ich's nicht Hals über Kopf verkaufen müßte, die Schulden müssen bezahlt werden, die Kerls warten nicht länger."

Wir wülln von vorn anfange, Julius, ich werde wasche und plätte gahn," sagte sie zaghaft, vielleicht fann ich mir auch a Plätteret einrichte," sie dachte an das Hochs zeitsgeschenk des Onkels.

Er spielte nervös mit seiner Uhrkette. Es wird eine nette Schinderei abgeben," murrte er. Der Kellner erschien, einer der Stammgäste, Herr Rupius, wünschte den Wirt zu sprechen. Dieser trommelte ungeduldig mit den Fingern auf den Tisch. Kann mir's schon denken, will wohl auch noch was von mir einziehen. Na, wollen sehen, wie wir ihn zur Ruhe kriegen!"

( Fortsetzung folgt.)

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