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Gießener Zeitung
( Neueste Nachrichten)
Bezugspreis 50 pfg. monatlich Enthält alle amfl. Bekanntmachungen
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oierteljährlich 1,50 Mt., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweigausgabestellen vierteljährlich 1,20 Mt. Mittags 3 Uhr. Die„ Illuftr. Weltrundschau" Redaktion: liegt alle 14 Tage einmal gratis bei. Selterweg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert. Verlag der ,, Gießener Zeitung ,, G. m. b. H.
Nr. 134.
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der Großherzoglichen Bürgermeisterei
Erscheint
sowie vieler anderer
Telephon: Nr. 362.
des Großherzoglichen Polizei- Amtes Behörden Oberhessens Expedition: Seltersweg 83.
( Haus Brüder Schmidt.)
Samstag, den 10. Juni 1911.
( Gießener Tageblatt)
Anzeigenpreis 15 Pfg.
die 44 mm breite Inseratenzeile.- Stellen gesuche und Familienanzeigen 10 Pfg.- Die 90 mm breite Zeile im Reklameteil 50 Pfg.- Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bei Ueberschreitung des Zahlungszieles( 30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Verlag der ,, Gießener Zeitung" G. m. b. H.
Telephon: Nr. 362.
23. Jahrg.
Das Jubiläum der Fortschrittspartei sin Antoinette zu Vſenburg- Birstein; Prinzessin Fried-| Großherzogin, seine zweite Ballonfahrt. Führer ist der
dem
Die Fortschrittliche Volkspartei hat gestern die 50. Wiederkehr des Tages feiern können, an dem unter dem Vorsitze Virchows die„ Deutsche Fortschrittspartei" begründet wurde. Die Fortschrittspartei konnte diesen Tag mit um so froherem Herzen feiern, als er unter Zeichen der nach, langen Kämpfen und Mißhelligkeiten vollzogenen Einigung der drei linksliberalen Gruppen stand. Einigkeit macht start. Und es gibt wohl nichts Besseres, was man der Fortschrittlichen Volkspartei zu dieser Fünfzigjahrfeier wünschen könnte, als daß sich der zwischen der Volkspartei, der Vereinigung und den Süddeutschen geschlossene Friede als endgültig und dauerhaft erweisen möge. Unsere Zeit verlangt mehr denn irgendeine vorangegangene die Hintanstellung der Egoismen und des kleinlichen Parteizwistes.
Wenn die freisinnige Partei sonach berechtigten Anlaß hat, den großen Entscheidungen der nächsten Zeit mit Zuversicht ins Auge zu sehen, so ladet sie der Tag ihres 50jährigen Bestehens doch auch zu einer Rückschau, zu einem Blick in die Vergangenheit ein, die voller Dornen und schwerer Erfahrungen war, bis endlich der Wille zur positiven Arbeit auch dem Linksliberalismus zu Einfluß und Geltung verhalf. Wer es aber mit der Fortschrittspartei ehrlich meint, der kann ihr nur wünschen, sie möchte auf diesem Wege bleiben, weil ein Liberalismus ohne Nationalismus, weil die Demokratie nur um ihrer selbst willen schließlich doch immer wieden der auf jene abwegigen Bahnen zurückführt, die Freisinn über ein Menschenalter lang zur Ohnmacht verurteilten.
Für das Verhältnis der Jubilarin zur anderen liberalen Partei, der nationalliberalen, ist es bezeichnend, daß die parteioffizielle„ Natlib. Korresp." Grüße und wärmste Glückwünsche entbietet.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 10. Juni. Trinitatis Sonntag. Der heiligen Dreifaltigkeit ist der kommende Sonntag geweiht. An ihn tnüpfen sich allerlei Volksglaube und Volksbrauch. In manchen Gegenden hält man die in der Nacht des Trinitatissonntags geborenen Kinder für Geisterseher und Nachtwandler, in anderen dagegen für Glückskinder. In vielen Orten Frankens ist sonderbarer Weise das Nähen oder Flicken an diesem Tage streng verboten, damit die Näherin nicht vom Blizz erschlagen werde. In Unterfranken erzählt man sich, ein Bäuerlein, daß am Dreifaltigkeitssonntag einen Hosenknopf angenäht hatte, sei Tod am Tage darauf beim Fischen nur dadurch vom durch Blitzschlag gerettet worden, daß es geschwind seine Hose auszog und in den Main warf, wo der Blitz sie traf. Jn Thüringen schreibt man den am Goldenen Sonntag gepflückten Kräutern besondere Heilkraft Dreifaltigkeitsblumen sind Feldstiefmütterchen, Sauerklee und der Siebenstern. Nach der Legende hat das Stiefmütterchen, das einst duftete wie das Veilchen, die heilige Dreifaltigkeit, ihm den Duft zu nehmen, damit die Menschen seinetwegen nicht das Korn zertreten möchten; sein Wunsch wurde erfüllt und es heißt seitdem Dreifaltigkeitsblümchen.
31.
Verkaufstag der Großherzogin. Hunderte von fleißigen Händen waren im Verlauf dieser Woche rege beschäftigt, um dem am nächsten Diens tag stattfindenden Verkaufstag der Großherzogin einen würdigen Rahmen zu geben.
Im Stand der Großherzogin wirken außer dem Großherzogspaar, die Prinzessin Marie zu senburg- Büdingen, zwei Freiinnen von Rabenau, zwei Freiinnen von Riedesel und die Damen und Herren des Hofes mit. Die großherzoglichen Herrschaften verkaufen selbstgefertigte Handarbeiten. Besondere Anziehungstraft werden ohne Zweifel auch die vielen russischen Holzwaren 2c. ausüben, die der 3 ar für den Ver= faufstag stiftete.
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Jm Stand der Fürstin zu Solms- Hohensolms Lich nehmen am Verkauf nachstehende Damen teil: die Fürstin zu Solms- Hohensolms- Lich mit Tochter; die Gräfin Withelm zu Solms- Laubach; die Fürstin Stolberg- Wernigerode mit Tochter; die Fürstin Löwenstein- Wertheim mit Tochter; die Fürstin zu Leiningen mit Tochter; die Fürstin zu Vsenburg- Birstein mit Tochter; zwei Prinzessinnen zu senburg und Büdingen; Prinzessin Mathilde zu Stolberg- Roßla; Prinzes
rich zu Solms- Braunfels; Prinzessin Helene zu SolmsBraunfels; die Gräfin zu Stolberg; die Freifrau von Löw zu Steinfurth und Frl. Brand.
Von Interesse wird es für die Besucher des Vertaufstages sein, daß eine besondere Vorschrift wegen des Anzuges nicht besteht, sondern jedermann berechtigt ist, in beliebigem Anzug zu erscheinen.- Der of fizielle Beginn des Verkaufes ist um 3 Uhr nachmittags, während der Schluß gegen 9 Uhr erfolgen soll. In der Zeit von 5-8 Uhr wird im Garten die hiesige Regimentskapelle fonzertieren.
Die Käufer erhalten die erworbenen Gegenstände im Verpackstand unentgeltlich verpackt und für ein kleines Entgelt auch aufgehoben. Auch ist ein Botendienst eingerichtet und von der Gesellschaft„ Rote Radler" übernommen worden, so daß jedermann die gekauften Gegenstände in seine Wohnung transportiert erhält, falls er hierfür 25 Pfg. entrichtet.
Um die Einrichtung der Verkaufsstände und die Ausstattung der Steinschen Lokalitäten haben sich unsere Gießener Handwerksmeister sehr verdient gemacht und damit bewiesen, daß auch hier die Kunst im Hand
werk gute Früchte zeitigt. Zimmermeister Gg. Schubecker und Dachdeckermeister Ph. Kröck fertigten die Hallen vor den Verkaufsständen im Garten; Schreinermeister Hahn richtete mit Herrn Schubecker das Büfett und den Vielliebchen- Stand ein; die umfangreiche Lichtanlage be= sorgte das städt. Elektrizitätswerk unter Leitung des Direktors Stolte und des Diplom- Ingenieurs Schmitz; die Malermeister L. Petri 3. und Eugen Groos bewerkstelligten die erforderlichen dekorativen Malerarbeiten, bei denen auch Theatermaler Schwedler im gelben und bunten Stand seine Meisterhand zur Verfügung stellte. Die Möbelfabriken Hoflieferant Brück und Karl Stückrath sorgten für den Aufbau der Stände und deren Stoffdekorationen. Die Einrichtung des Großherzoglichen Zimmers rührt ebenfalls von Herrn Brück her. Die Kunstgärtner Karl Becker und Karl Dietz teilten sich in die Ausschmückung mit echtem und künstlichem Grün und dem herrlichen Blütenflor. Die Leitung der gesamten künstlerischen Ausstattung besorgte Architekt Meyer, der zu allen Einrichtungen auch die nötigen Pläne fertigte. Wie eine Besichtigung der unter seiner Leitung entstandenen Stände 2c. zeigt, hat Herr Meyer seine nicht leichte Aufgabe, die eigentlich doch für andere Zwecke bestimmten Räume von Steins Garten für den Verfaufstag herzurichten, in sehr zweckentsprechender und durchaus künstlerischer Weise gelöst.
** Die Ankunft des Großbergoas paares. Eine dichte Schar hielt gestern nachmittag den Platz vor dem Schlosse besetzt. Bereits um 3 Uhr hatte sich eine größere Zahl Schaulustiger auf dem Landgraf Philipps- Platz eingefunden. Um 4 Uhr wurde der Doppelposten bezogen, und gegen 4 Uhr bog aus der Sonnenstraße das grünliche Doppelphaeton des Großherzogspaares auf den Landgraf Philipps- Platz. Ein tausendstimmiges„ Hurra" ertönt, der Doppelposten präsentiert, die schweren Eingangstüren des alten Landgrafenschlosses werden aufgerissen, ordengeschmückte Diener erscheinen auf der Freitreppe und nehmen die hohen Herrschaften in Empfang. Der Großherzog trug einen hellen Automantel und eine blaue Sportmüze, die Großherzogin ein blaues Kostüm. Ein zweites Gefährt, eine Opelmousine, folgte mit zwei Hofdamen. Darauf schlossen sich die Flügeltüren, noch ein paar Male zeigte sich der galonierte Diener mit seiner roten Weste und seinen grauen Gamaschen, und dann war es still.
-m= Die 68. Hauptversammlung der Deutschen Gustav Adolfstiftung findet vom 23.- 26. September in Frankfurt a. M. statt.
** Schwurgericht. Vom 12.- 14. Juni finden die Schwurgerichts- Verhandlungen für das 2. Quartal statt. Es wird verhandelt am Montag, den 12. Juni, vorm. 9½ Uhr, gegen Marie Gottwald aus Metzingen wegen Meineid; am Dienstag, den 13. Juni, vorm. 9 Uhr, gegen Jakob Weigel aus Breitenborn und Richard Schierer aus Pirmasens wegen Totschlagsver= such und am Mittwoch, den 14. Juni, vormittags 9 Uhr, gegen Paul Becker aus Dierdorf wegen Brandstiftung. Ballonfahrt. Der Luftschiffer- Verein ternimmt am nächsten Dienstag, dem Verkaufstag der
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bekannte Luftschiffer Dr. Elias- Berlin.
-)( Friedberg, 10. Juni. Vermißt wird seit dem zweiten Pfingstfeiertag das 19 Jahre alte Dienstmädchen Auguste Meister aus Rödgen, welches in BadNauheim bei einem Fahrradhändler bedienstet war. Das Mädchen war bildhübsch, und man hat für sein Verschwinden keine Anhaltspunkte.
f Friedberg, 10. Juni. Die Seminaristen, die 1859 das hiesige Lehrerseminar verließen, hielten am dritten Pfingsttage im Saalbau zu Homburg v. d. H. eine Zusammenkunft ab. 15 Lehrer des Jahrganges 1859 sind noch am Leben, von denen 9 erschienen waren, während 50 im Jahre 1857 ins Seminar eintraten. Einer der Veteranen hat noch heute den Lehrerstab in der Hand.
*) Krofdorf, 10. Juni. Der erste Sekretär der hiesigen Bürgermeisterei, v. Bülow, der seit langen Jahren hier tätig war, wird nach Wald- Böckelheim( Kr. Kreuznach) übersiedeln, um die Verwaltung der dortigen Bürgermeisterei zu übernehmen.
-g Limburg, 10. Juni. An dem Ausbau der 3weigleisigen Strecke Höchst- Niedernhausen- Limburg wird
eifrig gearbeitet. Nach der Vollendung wird es möglich sein, auf dieser neuen Hauptstrecke einen mustergiltigen Verkehr zu schaffen, der zwischen Lahn und Main einerseits und zwischen Lahn und Rhein andererseits ganz vorzügliche Verbindungen haben wird.
*) Die 3, 10. Juni. Der Sparverein, dessen Kassierer der seit einigen Tagen von hier flüchtige Stadtverordnete Streicher war, hat gestern seine Li= quidation beschlossen. Streicher betrieb hier eine Kolonialwarenhandlung, die aber seit Jahren schlecht rentierte. Ueber das Geschäft wurde der Konkurs verhängt. Ein kleinerer Schwindler versuchte am Mittwoch aus der Affäre Kapital zu schlagen, indem er zu Bekannten des spurlosverschwundenen Streicher ging und dort angab, Streicher hielte sich im Walde bei Limburg versteckt, sei halb verhungert und habe ihn beauftragt, um Geld und Nahrungsmittel zu bitten. Als der Bursche merkte, daß man sein plumpes Manöver durchschaute, flüchtete er.
=)(= Kassel, 8. Juni. Eine Abteilung Kasseler Husaren hatte ein Gefecht mit Mannschaften der Langensalzaer Jäger zu Pferde. Dabei erhielt ein Pferd einen Schuß mit einer Platzpatrone. Das Tier warf seinen Reiter ab und begrub ihn unter sich. Der Mann brach einen Fuß. Ein anderer Husar wurde von einem Jäger auf drei Meter Entfernung dreimal mit einer Plazpatrone in den Arm geschossen und erlitt erhebliche Berletzungen. Die beiden Verletzten wurden in das Kasseler Garnisonlazarett geschafft.
Berlin Johannisthal, 10. Juni:( Tel.) Der Flugzeuglehrer der Dornerwerke Schwendel stieg gestern abend gegen 8 Uhr mit einem Passagier auf, um seinen eigenen Höhenrekord, den er am 6. Juni mit 2010 Meter aufgestellt hatte, zu drücken. Nachdem der Aviatiker 2000 Meter erreicht hatte, flog er im Gleit= fluge ab. In der Höhe von 1500 meter tippte der Apparat um und sauste zur Erde nieder. Die beiden Leichen waren bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt.
Noch ist es 3eit. Wer im Mai aus irgendeinem Grunde keinen Gebrauch von den Vorteilen machen konnte, die der Bezug von Thomasmehl bietet, versäume nicht, diese wenigstens jetzt wahrzunehmen. Bei Bezug im Juni werden immer noch im Durchschnitt 21 Mark per Doppelwaggon von 10 000 Kilogramm spart. Bei dieser Gelegenheit sei auch an die Zweckmäßigkeit der Düngung der im Herbst und Winter überschwemmt gewesenen Wiesen nach der Heuernte erinnert sowie an das Ausstreuen des Thomasmehls auf die Brache und die abgeerntelen Kleefelder.
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