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Deutscher Reichstag.

Die neue Woche fing am Montag anders an, als die alte endete, und der dritte Tag glich seinen beiden Vor­gängern nicht mehr. Zwar hielten sich auch am Montag bie Regierungsvertreter und die Mehrheitsparteien zurück und ließen ausschileßlich die Sozialdemokraten reden, nur ein paar Mal mischten sich fortschrittliche Abgeordnete, ge= legentlich auch Herr Behrens von den Christlichsozialen, der Pole Korfanty und der Arbeiterführer Becker vom Zentrum in die Diskussion. Und wieder wurden die Abänderungs­anträge der Sozialdemokraten, deren sie für die nächsten 80 Paragraphen einige 50 angemeldet haben, einer nach dem andern niedergestimmt. Aber der flotte Zug, der am Fret­tag und Sonnabend viele Männer von der Mehrheit in Sicherheit wiegte, ist nicht mehr. Es geht, seit man bei dem gefährlichen zweiten Buch, der

Krankenversicherung,

die hohen Staatsbeamten überzeugen, wie das Handwerk burch praktische Einrichtungen und Arbeiten Fortschritt und Bildung fördert. Ein tüchtiger Nachwuchs wird in den Lehrlingen groß gezogen, und wenn dem Handwerk erst wieder Luft und Licht zu voller Entfaltung seiner inneren Kraft gewährt wird, so vermag es eine starke Säule des Staates in den sozial vrworrenen Fehden der unruhigen Zeit zu bilden.

Wenn sich der Mißmut in den handwerkerlichen Krei­sen ausbreitete, so lag es an den widrigen Verhältnissen, öte das Gewerbe in dem Wettkampf schter erdrückte. Im Reichstage gab es im März eine große Debatte über die Zuschüsse an die Handwerkskammern zur Hebung des Klein­gewerbes. Die Parteien gerieten scharf aneinander, aber zu greifbaren Bewilligungen zur Förderung des Hand­werks kam es nicht. Ein Vertreter des Gewerbes führte aus, daß das Handwerk von unfruchtbarer Politik abgekom­men set. Gesetze, die in den letzten Jahren geschaffen wur­den, ständen zwar auf dem Papier, aber in der Praxis hätten dieselben keine Bedeutung erlangt. Sache der Re­gterung sollte es fünftig sein, vor der Ausarbeitung von Vorlagen diejenigen zu fragen, für die die Gesetze gemacht werden sollen. Große und kleine Unternehmer hätten als Arbeitgeber völlig gleiche Interessen, und eine stärkere Vertretung der Gesamtindustrie in den Körperschaften der Gesetzgebung set notwendig, wenn die gewerbliche Lage ge= bessert werden solle.

Da der Gewerbestand solche Forderungen immer drin­gender erhebt, so wird er gewiß auch alle Kräfte anwenden, um sich die ihm gebührende Stellung zu erkämpfen. Wie der Kaiser sich in das Goldene Buch der Straßburger Handwerkskammer einschrieb, so soll sich der ganze Gewer­bestand wieder in das goldene Buch der deutschen Volks­wirtschaft eintragen.

angelangt ist, langsam voran, sehr langsam. Die Ausspra­che über den Paragraphen 186 z. B., der die Befreiung von der Versicherungspflicht für die nur zu einem geringeren Teile Arbeitsfähigen vorsieht, währte an die anderthalb Stunden. Die Sozialdemokratie sah darin ein Attentat gegen die noch über Tage beschäftigten Berginvaliden, die von den Werken nun gezwungen werden würden, sich von der Versicherungspflicht entbinden zu lassen. Was von den christlichen Gewerkschaftsmännern unter Hinweis auf die in einem späteren Paragraphen eingefügte Schutzbestim­mung bestritten wurde, wonach die Knappschaftsvorstände solche Entbindung ja verhindern könnten. Der sozialdemo= fratische Antrag, wonach schon bei einem Jahreseinkommen von 5000 M die Berechtigung zur freiwilligen Krankenver­sicherung erlisch wurde abgelehnt. Die Kommission hatte 6000 Mark festgesetzt. Darauf rief der Abg. Hoch( Soz.) den Mehr­heitsparteien zu, sie sollten nicht wie die Puppen dasigen. Vizepräsident Spahn war der Ansicht, daß der Vergleich für ein M. d. R. eine Beleidigung bedeute und rief Herrn Hoch zur Ordnung. Im weiteren Verlaufe der Sitzung wurden noch mehrere andere sozialdemokratische Anträge von ge ringerer Bedeutung abgelehnt. Schließlich war man zu dem wichtigen§ 210 angelangt, der das Kapitel über die Wochenhilfe einleitet. Zwei Bayern, Herr Irl vom Zentrum und der konservative Herr Hufnagel, ein Land­bürgermeister aus dem Fränkischen, hatten noch in zwölf­ter Stunde einen Antrag eingebracht, der für die in der Landwirtschaft beschäftigten Personen die Wochenhilfe durch Satzung zu regelr vorschlägt. Abg. Bebel( Soz.) verlangte darüber namentliche Abstimmung. Inzwischen hatten die Sozialdemokraten für die Paragraphen 210 bis 213, die gemeinsam beraten werden, eine ganz neue Fassung mit erheblich erweitertene Leistungen für Wöchnerinnen und Schwangere gefunden und der Abg. David begründete die­se Anträge. Es gelte den Mutterschutz und damit den Kin­derschutz. Es handele sich um die Zukunft des Volkes. Die Statistik gebe eine traurige Auskunft. Das deutsche Bolk stehe an einer der hintersten Stellen inbezug auf die Erhaltung und den Lebensschutz seiner Säuglinge. Als er erwähnte, daß die Regierung durch den Mund des Staats­sekretärs des Innern dem sozialdemokratischen Begehren auf Erweiterung der Leistungen in der Kommission ein Niemals entgegengesetzt habe, schallten von der äußersten Linken stürmische Pfuirufe, was vom Präsidententisch ge­rügt wurde. Abg. Irl( Bentrum) meinte, als David ge­endet hatte, diese Tonart set man ja gewöhnt. Auf dem Lande sei es lange nicht so schlimm. Die Mehrheit wolle die Sache so regeln, daß auch die Frauen damit zufrieden sein tönnten. Dann ging man auseinander. Man hat am er­ften Tage rund 90 Paragraphen geschafft, am zweiten 80, am Montag nur 30. Das Barometer fällt: deutet's auf Sturm?

Kaiser und Handwerk.

Rundschau vom Cage.

Politisches.

minister legte am Montag in der Kammer einen Gesek. entwurf vor, durch den die Oktroiabgaben in den Kreis­Städten und die Spezialabgaben auf Alkohol und Salz auf­gehoben werden. Diese Abgaben werden erseht durch ver­schiedene Steuern, besonders eine Steuer auf gewisse nicht bebaute Grundstücke, eine Mietssteuer, eine Ruschlagsteuer auf Elektrizität und Gas, sowie eine Steuer von höchstens % auf Einkommen und Gewinne.

Kleine Nachrichten.

Der Kaiser als Gratulant. Der Hoftischlermeister Fera se in Potsdam feierte am Montag mit seiner Gattin den 70. Hochzeitstag. Der Kaiser ließ dem Ehepaar durch den Kommandeur des ersten Garderegiments z. F. Oberst von Friedeburg sein Bild in Bronzerahmen mit der Widmung Mit den besten Segenswünschen zum 70. Hochzeitstag Wilhelm I. R." überreichen.

Der Kaiser in Met. Der Kaiser ist Montag abend um Uhr im Automobil in Metz eingetroffen und hat im Generalfommando Wohnung genommen. Auf dem ganzen Wege von Straßburg bis Mek wurde der Kaiser überal auf das herzlichste begrüßt. Auch in den Straßen von Mezz hieß den Kaiser eine große Menschenmenge mit andauern­den Hochrufen willkommen. Abends folgte der Kaiser ei­ner Einladung des Bezirkspräsidenten Grafen Zeppelin­Aschhausen zum Diner. Auf dem Wege zum Bezirkspräst­dium hatten die Schulen Aufstellung genommen. Abends begann eine größere militärische Ueburg, bei der es sich um einen Kampf im westlichen Borgelände der Festung Metz handelt. Der Kaiser begab sich heute in aller Frühe zu der Festungsübung, die mit dem Vorbeimarsch sämtlicher Truppen geschlossen wird.

Das Goldene Buch der Handwerkskammer in der wun­derschönen Stadt Straßburg trägt nunmehr in seinen Bät­tern auch den Namen des Deutschen Kaisers. Dies soll ein Zeichen sein, daß das Oberhaupt des Reiches den Meistern und Gesellen des deutschen Handwerks seine Hochachtung bewahrt, und daß ihren ernsten und wackeren Bestrebungen das höchste Vertrauen entgegengebracht wird. Der Em­pfang des Kaisers in den geschmückten Räumen der Hand­werkskammer erinnert an die Verherrlichung der Zünfte in Richard Wagners Meistersingern". Die verschiedenen Ge­werbe erfreuten den Kaiser mit Ehrengaben und brachten thm ihre Huldigungen dar. Wenn auch der mittelalterliche Prunk der modernen Einfachheit gewichen war, so erfüllte das ganze Bild doch eine Weihe, die im gesamten deutschen Vaterlande eine herzerfreuende Wirkung hervorruft. E8 tst nur zu wünschen, daß von jenen Stunden auch ein Se gen für das im harten Ringen befindliche Handwerk aus­strömt.

Die deutsche Südpolarexpedition, die unter Führung des bayerischen Oberleutnants Dr. Filchner steht, hat Mon­tag nachmittag auf dem Schiffe Deutschland" von Bremer­haven aus bet herrlichstem Frühlingswetter ihre Ausreise angetreten. Zu Ehren der Expedition wurde vom bremi­schen Senate eine Abschiedsfeier veranstaltet.

Der Kanzler und die elsaß- lothringische Verfassungs­frage. Wie verlautet, hat sich der Reichskanzler dieser Tage in Straßburg gegenüber dem dortigen ersten Bür­germeister sehr optimistisch über die Aussichten des elsaß­lothringischen Verfassungswerkes geäußert. Auch in par­lamentarischen Kreisen ist man der Ansicht, daß die wesent­lichen Schwierigkeiten nun behoben sind.

Der Reichskanzler wohnte dem Besuche des Kaisers in der Handwerkskammer bei und die dortigen Ereignisse werden hoffentlich dazu beitragen, daß den berechtigten For derungen und Wünschen des Gewerbestandes bei der Ge­setzgebung fünftig mehr Rechnung getragen wird als bts­her. In den Werkstättengebäuden und in den damit ver­bundenen Fortbildungsschulen konnten sich der Kaiser und

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3wei Kirschen an einem Stengel.

Roman von A. von Piltencron. Nachdruck verboten.

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Militärische Grenzbewachung wegen der Maul- und Klauensenche. Infolge der immer weiter um sich greifen­den Maul- und Klauenseuche hat die holländische Regie­rung besondere Maßnahmen zur Bewachung der Grenzen getroffen. Den Grenzschuß, der zurzeit von der Polizei ausgeübt wird, übernimmt am 5. d. M. das Militär, und zwar wird die ganze Grenzstrecke mit Militärposten besetzt werden.

Ein russisches Lehrerseminar in Leipzig. Das russische Unterrichtsministerium beschloß, in Leipzig ein russisches Lehrerseminar zu errichten, wo etwa 120 Stipendiaten durch deutsche Professoren zu Pädagogen herangebildet wer­den sollen.

Auf Mishelligkeiten im englischen Königshaus läßt die offizielle Bekanntmachung schließen, daß die Königin= Witwe Alexandra während der Krönungsfeierlichkeiten nicht in London anwesend sein wird. Sie wird sich wäh­rend dieser Zeit nach Sandringham oder nach Windsor zu­rückziehen und in London erst wieder Wohnung nehmen, wenn die Krönungsfeierlichkeiten vorbei sind.

Wegen des Ausstandes der Bauklempner von Großs Berlin führten die Verhandlungen des Einigungsamtes zu keinem Ergebnis. Eine Versammlung der Bauklempner verwauf gestern nacht mit allen gegen eine Stimme den Schiedsspruch des Einigungsamtes. Heute morgen find die Bauklempner in den Ausstand getreten.

Aus Liebeskummer in den Tod gegangen sind am Sonntag in Halle drei junge Mädchen. Die eine, die Toch ter eines Maurermeisters, erschoß sich mit der Jagdslinte ihres Vaters, die zwette, eine zugereiste Dante, vergiftete sich im Hotel und die dritte ertränkte sich in der Saale. Die beiden letzteren konnten noch nicht refognosztert werden.

Ueber die Wirren in Marokko wird aus Tanger gemel­det, daß nach den dort eingetroffenen Nachrichten die Kon­suln von Frankreich, England und Oesterreich- Ungarn die Lage der europäischen Kolonien in Fez pessimistisch dar­stellen. Die von einer neu entstandenen Berliner Nach­richtenagentur verbreitete Meldung, daß die deutsche Re­gierung beschlossen habe, drei Kreuzer nach den marokkani­schen Gewässern zu entsenden, wird offiziös als falsch be= zeichnet. Die Nordd. Allg. 3tg." betont mit Recht dabei, weiche Verantwortung der auf sich nehme, der in einer so ernsten Frage, wie es die marokkanische ist, frei erfundene Sensationsnachrichten lanciert.

Ein strahlender Oftobertag war es, herbstlich schön, im bunten Blätterschmud erschien der Wald, der von zwei Seiten das Dorf Hennigbach in der Ober- Lausitz umschloß, und auf dessen Stämmen jetzt die Abendsonne glühte. Etwa zehn Minuten vom Dorf entfernt lag ein Basaltsteinbruch, in dem noch fleißig gearbeitet wurde. Das Picken und Hämmern schallte weithin, und dazwischen dröhnte das Prasseln der Steine, wenn sie, von der Wand losgelöst, auf den Boden rollten.

Im Streite seinen eigenen Bruder erschossen hat in Oberingelheim der 34 Jahre alte Besitzer Edmund Wolf. Der Täter flüchtete, wurde aber später in seiner Wohnung verhaftet.

Ein schweres Brandunglüd wird aus Bonn gemeldet. In Antweiler brannte eine Kantine nieder. 3wei Arbei ter kamen dabei ums Leben. Andere, die sich nur mit gro­ßer Mühe aus der brennenden Kantine retten konnten, er­litten Brandwunden.

In

Im Zuge vom Irrsinn befallen. In einem von Ham­burg kommenden Zuge wurde gestern früh ein Passagier plötzlich vom Irrsinn befallen. Der Kranke verließ das Eisenbahnkupee und lief auf den Laufbrettern hin und her, so daß der Zug zum Stehen gebracht werden mußte. Berlin wurde der Mann sofort nach der Charitee geschafft. Unter schweren Vergiftungserscheinungen sind in Kiew 50 Kinder erkrankt. Die Ursache der Vergistung konnte bis jetzt noch nicht festgestellt werden. Mehrere Kinder sol Ien bereits gestorben sein. Die Gefundheitsbehörden haben eine strenge Untersuchung nach der Ursache der Massener­frankung eingeleitet.

Sozialpolitisches aus Rußland. In der Reichsduma warnte der Handelsminister bei der fortgesetzten Bera­tung der Gesetzesvorlage über die Arbeiterversicherung vor einer allzugroßen Ausdehnung der Vorlage. Auch Deutsch­land habe seine Arbeiterversicherung allmählich durchge= führt. Von einer Teilnahme der Arbeiter an der Verwal­tung, die sich in Desterreich durchaus nicht bewährt habe, habe die Regierung abgesehen und sich dem deutschen Sy­stem angeschlossen. Die Aenderungen der Kommission, welche die Sicherstellung der Arbeiter in Krankheitsfällen beträchtlich herabsetzte, lehne die Regierung entschieden ab. Eine Steuerreform in Spanien. Der spanische Finanz­und links die Pfeiler, und eine beträchtliche Anzahl mäch= tiger Steine rollte dröhnen dherab.

Am Waldrande, da wo der Weg aus dem Städtchen mündete, stand die blonde Kathi aus Hennigbach und stellte eben den schweren Henkelforb, den sie getragen hatte, ne­ben sich hin. Es war ihr heiß geworden beim Gehen, und sie lüftete das hellgeblümte Kattuntuch, das sie um den Kopf geschlungen hatte, und strich die frausen Löckchen zu­rück, die der Wind ihr in die Stirn jagte. Die braunen Rehaugen glitten flüchtig über das Dorf hin und blieben dann nachdenklich an der steilen Wand des Steinbruchs haften. Wie künstlich aufgemauerte Pfeiler drängte sich da Gäule an Säule des schwarzen Basalts aneinander, und vom Abendscheine rot überhaucht, bot der Bruch jezt ein überaus reizvolles Bild. Doch nicht das war es, was ten Blick des Mädchens fesselte, sondern eine schlanke, trafivolle Gestalt, die die neben ihm arbeitenden Kame= raden fast um einen halben Kopf überragte.

Hans Ruland war es, der Sohn eines kleinen Häuslers aus dem Nachbardorfe Spreewit, einer der tüch­tigsten und zuverlässigsten Arbeiter im Brune, dem der Aufseher, trok seiner jungen Jahre, schon hin und wieder eine gewisse Vertrauensstellung einräumte.

,, Gelt, das lohnte!" rief der Bursche den Kameraden zu, und auf seinem frischen Gesicht lag dabei ein Ausdruck Stolzer Zufriedenheit; er fühlte sich so glücklich im Bewußt­sein seiner Leistungsfähigkeit und recte seine geschmei= dige Gestalt.

Er stand auf einem Absatze der Wand und trieb mit wuchtigen Schlägen den spizen Etsenklok tief in die Fu­gen der Basaltwand ein. Krachend lösten sich jetzt rechts

Beim Brunnenban verschüttet. Bei der Anlegung el­nes Brunnes zur Bewässerung einer Laubenkolonie im Norden Berlins wurden gestern zwei Arbeiter von den Erdmassen verschüttet. Der Feuerwehr gelang es nach zweistündiger Arbeit, die Verunglückten aus der Grube zu holen. Einer war bereits erstickt.

Unfall in einem Bergwerk. Auf der Zeche Glückauf­Tiefbau bei Hombruch in Westfalen wurden heute durch frühzeitiges Losgehen eines Schusses zwei Bergleute getö­tet, zwei andere, ein Brüderpaar, und ein Aufseher erlit ten schwere Verlegungen.

Das Mädchen drüben am Waldrande schien noch im­mer zu zögern, ob sie den Weg nach dem Dorf oder nach dem Steinbruch einschlagen sollte. Da aber tönte von dort her ein langgezogener lauter Pfiff, ein Zeichen, daß nun Feierabend gemacht werden sollte. Jeht war auch die blonde Kathi zum Entschlusse gekommen; rasch hatte sie ihren Korb aufgenommen, und mit den elastischen Bewe­gungen, die ihr eigen waren, eilte sie dem Bruche zu.

Dort tamen eben die Arbeiter heraus, ihr Handwerks­zeug über der Schulter; das Mädchen mäßigte nun den raschen Schritt, und gemächlich, als hätte sie nicht die Sehnsucht hierhergetrieben, wanderte sie den Fußsteig ent­lang, der aus dem Bruch in die Felder führte.

Volkswirtschaftliches.

Ueber die Frauenbewegung in Deutschland gibt Käthe Schirmacher folgenden interessanten Ueberblick: Deutschland zählt zurzeit etwas über 31% Millionen Frauen und etwas unter 30% Millionen Männer. Nach der letz­ten Gewerbezählung im Jahre 1907 hatte Deutschland 9% Millionen im Hauptberuf erwerbstätige Frauen; nur die Hälfte der erwachsenen weiblichen Bevölkerung ist verheira tet. In Deutschland praktizieren über 50 Aerztinnen; es gibt 5 weibliche Juristen, in Mannheim ist vor einem Jah­re die erste Dozentin an der Handelshochschule angestellt worden. In größerer Zahl sind Frauen an Bibliotheken, freilich vorerst nur in untergeordneten Stellungen tätig. Der Verein bibliothekarisch arbeitender Frauen zählt be­retts über 200 Mitglieder. Von amtlichen Stellungen, die durch Frauen versehen werden, sind die Gewerbeaufsichts­

Da überholte sie ein rascher Schritt, und eine Hand griff von hinten nach ihrem Korbe.

Sie wandte sich zurück. Hans!" Zwei junge Augenpaare tauchten ineinander und grüßten sich aufleuchtend in heimlicher Freude.

Er wußte wohl, daß sie um seinetwillen den Umweg über den Bruch eingeschlagen hatte, aber er machte keine Bemerkung darüber, denn sie hätte es ja doch nicht zugege= ben; darüber täuschte er sich nicht, er tannte sie ja zu genau. So meinte er denn nur, indem er den Korb in der Hand wog: Mädel, das ist zu schwer für Dich, ich werde Dir das Ding da nach Hause tragen."

Sie nickte daher auch nur und versetzte erst nach einer fleinen Pause: Hab schönen Dank, es is allweil sehr fründlich von Dir, daß Du Dich damit schleppen willst. Gelt, Du kommst noch mit bis ins Häusel und schaust bei

Sie hatte ein flinkes Zünglein, die Kathi Amrum, aber wenn sie dem Hans begegnete, so pflegte ihr im er­sten Augenblick das Herz so gewaltig zu klopfen, daß es ihr dabei ganz furios zu Sinn wurde, und sie nicht gleich das rechte Wort fand.

uns ein?"

Er hatte nicht übel Lust dazu, aber er wollte sich noch bitten lassen.' s ist schon spät, ich muß selbsten heim. Mutteiken zankt, wenn die Tüfften falt werde, die sie zum Abend gekocht hat."

Das Mädchen blinzelte ihn von der Seite an, ihre Stimme flang schmeichelnd, als sie bat ,,, tumm nur, wenn Du hernach tüchtig federst, dann kunnst noch bizieten das hem sin."

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Er schmunzelte. Someinst?" Und nun sahen sie einander in die Augen lachendstrahlend, das helle Glück jubelte daraus. Der Bursche hielt ihr die Hand hin. Na, denn man tau, Kathi, schlag in! Wir zwei gehöre doch all'weil zusamme, wie der Schulmeister schon ommer mint, als wir noch so a paar tleine Stifte ware und die Schulbank drückte."

Vor ein po des als Er chener Schr Marimilian Schlichten, ri so daß auße Kapital von nem einzige gegangen; a Desterreich- U Frankreich

Sie niďte seelenvergnügt. Zwei runde Kirschen an inem Stengel, so spaßte er, weil wir beid solch a paar fleine dicke Stöpsel wäre und uns immer bi der Hand hiel­ten." Wie sie das gesagt, lachte sie hell auf, und das klang wie lustiges Vogelgezwitscher. Dann aber reckte sie sich, machte ein ernsthaftes Gesicht und erklärte, das is nun all vorbi, jetzt sein wir lang und schlank...

,, Aber doch noch an inem Stengel," unterbrach er sie, griff nach ihrer Hand, die sie ihm wieder entzogen hatte, und hielt sie fest, während sie im dämmerigen Walde da­hinschritten.

Kathi gab ihm keine Antwort, ste hatte das Gesicht, das in Purpur glühte, zur Seite gewandt, aber sie machte jetzt keinen Versuch mehr, ihre Hand aus der seinen zu lösen.

( Fortsetzung folgt.)

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